Die Gesellschaft der Singularitäten

Zum Strukturwandel der Moderne. Ausgezeichnet mit dem Bayerischen Buchpreis 2017 in der Kategorie Sachbuch

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Das Besondere ist Trumpf, das Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine und Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre.

Ausgehend von dieser Diagnose, untersucht Andreas Reckwitz den Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, digitaler Technologie, Lebensstilen und Politik abspielt. Mit dem Anspruch einer Theorie der Moderne zeigt er, wie eng dieser Prozess mit der Kulturalisierung des Sozialen verwoben ist, welch widersprüchliche Dynamik er aufweist und worin seine Kehrseite besteht. Die Gesellschaft der Singularitäten kennt nämlich nicht nur strahlende Sieger. Sie produziert auch ihre ganz eigenen Ungleichheiten, Paradoxien und Verlierer. Ein wegweisendes Buch.

Portrait
Andreas Reckwitz, geboren 1970, ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 480
Erscheinungsdatum 09.10.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-58706-5
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 21,7/14,8/3,7 cm
Gewicht 664 g
Auflage 5. Auflage
Verkaufsrang 28.345
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Eine Diagnose unserer Gesellschaft
von einer Kundin/einem Kunden am 05.04.2018

Eine Untätigkeit kann den Sozialwissenschaften nicht vorgeworfen werden. Im zügigen Ablauf werden stets neue Diagnosen der spätkapitalistischen, der nachmodernen oder post-postmodernen bzw. der post-demokratischen Gesellschaft vorgelegt. Vor zwei Jahren erschien das Buch ?Resonanz? von Hartmut Rosa. Letztes Jahr war es das Buch ?Die Gesellschaft der Singularitäten? von Andreas Reckwitz. Die... Eine Untätigkeit kann den Sozialwissenschaften nicht vorgeworfen werden. Im zügigen Ablauf werden stets neue Diagnosen der spätkapitalistischen, der nachmodernen oder post-postmodernen bzw. der post-demokratischen Gesellschaft vorgelegt. Vor zwei Jahren erschien das Buch ?Resonanz? von Hartmut Rosa. Letztes Jahr war es das Buch ?Die Gesellschaft der Singularitäten? von Andreas Reckwitz. Die Halbwertzeit der Diagnosen ?unserer Gesellschaft?, in der wir leben, scheint nicht hoch zu sein. Gewiß erfahren viele der Diagnosen im Moment ihres Erscheinens große mediale Aufmerksamkeit. Jedoch verebbt diese Aufmerksamkeit auch wieder schnell, wenn eine erneute Spirale der Werbung um Aufmerksamkeit einsetzt. Es ist fraglich, ob der Resonanzraum oder die Dominanz einer singulären Lebensweise für die Fluktuation der Diagnosen verantwortlich ist. Um den ?Strukturwandel der Moderne? (und nicht den der Öffentlichkeit) zu beschreiben, bezieht sich Reckwitz auf Kants Begriffe des Besonderen und des Allgemeinen, die dieser in der ?Kritik der Urteilskraft? diskutierte. Jedoch hat Reckwitz? Aneignung der Kantischen Begrifflichkeiten wenig mit den Problemen zu tun, die Kant beschäftigten. Abgesehen von den Anleihen bei Kant, gibt es bei Reckwitz keine Kant-Lektüre. Die Begriffe werden von Reckwitz benutzt, um Phänomene und Praktiken einer Gesellschaft zu beschreiben, in der wir uns scheinbar jetzt befinden und die wir auch selbst sind. Den Strukturwandel siedelt Reckwitz in die 1980er Jahre an. Eine Ökonomie der standardisierten Massengüter wandelt sich zu einer Ökonomie der Singularitäten. Mit diesem Wandel der Ökonomie verändert sich jedoch auch die Gesellschaft in eine Gesellschaft der singulären Individuen. Reckwitz nimmt in seiner Beschreibung der Gesellschaft auf viele neuartige Phänomene der Kommunikation, der Freizeitgestaltung, des Konsums, der Lebensführung, der Arbeitsprozesse usw. Rücksicht. Es mag sein, dass Reckwitz diese Phänomene in seiner Diagnose der Gesellschaft treffend beschreiben und erzählen kann, dennoch klammert er als Soziologe in der Diagnose der scheinbar vorgefundenen Zustände die Seinsfrage aus: Ist die Gesellschaft tatsächlich so, wie sie uns die Soziologie beschreibt? Der Soziologe ist immer schon in der Gesellschaft zugegen, die er beschreibt. Er formuliert seine Diagnose von innen heraus, mit dem Blick auf ihr Ganzes.