Der Idealist

Die Geschichte eines jungen Münsterländers in Berlin

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Den jungen Erwachsenen Heiner, dessen Kindheit Heinrich von der Haar in seinem preisgekrönten Roman Mein Himmel brennt erzählt, zieht es fort vom brutalen Vater und der Enge des erzkatholischen Dorfes. Als er sich ins West-Berlin der 1970er-Jahre aufmacht, gerät er mitten in die Studentenrevolte. In einer Kreuzberger WG trifft der bodenständige Provinzler auf die Hippiefrau Wiltrud, eine Pfarrerstochter, bei der er emotionale Wärme findet, und auf die distanzierte, aber auch anziehende Fabrikantentochter Lisa, die eine Uni-Karriere anstrebt, sowie auf den kiffenden, fahnenflüchtigen GI Justin und den spöttelnden Kommunisten Klaus.
Nur Demonstrieren, Plakatieren und Sprayen sind nicht sein Weg ¿ das erkennt Heiner bald. Im Gegensatz zu Justin, der auf Gewalt setzt, und zu Wiltrud, die von einer Öko-Landkommune träumt, brennt er darauf, die Ursachen der Ausbeutung zu begreifen und bekämpfen: Er will Soziologie studieren.
Aber die Schatten der Vergangenheit holen ihn ein ¿ die Gewalt, die ihm angetan wurde, und alte Schuldgefühle. Umso mehr engagiert er sich für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Seine Hoffnungen setzt Heiner auf die nächste Generation, die selbstbewusster und selbstverantwortlicher handeln und leben soll. Nach dem Diplom steht Heiner vor Berufsschülern. Nachdem er sich zunächst gegen den Argwohn seiner Genossen, die an Heiners Gesinnung zweifeln, und gegen die neuen Kollegen, die seinen Lehrmethoden kritisch gegenüberstehen, durchsetzen muss, glaubt er, dass er nun endlich etwas verändern kann ¿ was er jedoch erntet, ist eine erstaunliche Wut, und die eskaliert.
In seiner unverwechselbaren ausdrucksstarken Sprache schildert der Autor von Mein Himmel brennt vor dem Hintergrund des turbulenten Westberliner Zeitgeschehens die Desillusionierung seines Idealisten. Dieses Verschmelzen der persönlichen Erfahrung des Autors mit der jüngsten deutschen Geschichte verhilft dem Erzählten zu eindringlicher Authentizität. Zugleich ist der Roman ein Plädoyer gegen die Resignation und für ein selbstbestimmtes Leben.

Portrait
Der im Münsterland geborene Autor Heinrich von der Haar hatte zehn Geschwister und wuchs auf einem kleinen Bauernhof auf. Seine Kindheit war geprägt von schwerer körperlicher Arbeit, Schlägen und Lieblosigkeit. Auf dem zweiten Bildungsweg erlangte er das Abitur und verließ das Münsterland, um in Augsburg und Berlin Soziologie, Philosophie, Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik zu studieren. Der promovierte Soziologe veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, unter anderem das Standardwerk „Kinderarbeit in Deutschland“, das ebenfalls bei den Kulturmaschinen erschienen ist. 2010 erschien sein preisgekrönter Roman „Mein Himmel brennt“, der von der Kritik und den Lesern begeistert aufgenommen worden ist.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 400
Erscheinungsdatum Januar 2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-943977-05-9
Verlag Kulturmaschinen Verlag
Maße (L/B/H) 21,1/14,1/2,7 cm
Gewicht 421 g
Auflage 1
Illustrator Vladi Krafft
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Erste nachdenklich-literarische Reflexion über die Spät-68er
von Wolf Bayer aus Berlin am 11.06.2013

Mir ist beim Lesen des IDEALISTEN vieles wieder eingefallen. Ich bin erstaunt, dass unsere Entwicklung trotz unterschiedlicher Wege viele Berührungs- und Bezugspunkte aufweist. Bedrückend war, welche Geschichte die Romanfigur Heiner versucht hat, hinter sich zu lassen, als sie nach Berlin ging, und wie sehr diese Vergangenheit als Gewicht noch im... Mir ist beim Lesen des IDEALISTEN vieles wieder eingefallen. Ich bin erstaunt, dass unsere Entwicklung trotz unterschiedlicher Wege viele Berührungs- und Bezugspunkte aufweist. Bedrückend war, welche Geschichte die Romanfigur Heiner versucht hat, hinter sich zu lassen, als sie nach Berlin ging, und wie sehr diese Vergangenheit als Gewicht noch im Studium, in der Lehrerausbildung, im Alltag der Schule sowie im Alltag der Ehe gedrückt und gedroht hat. Bisher schien es mir, dass die Literatur über meine Generation auf die Eskapaden der Kommunie-1-Bewohner und die Aktionen der RAF beschränkt ist. Dieser Roman bietet mir die erste nachdenklich-literarische Reflexion über unsere Generation der Spät-68er und ihren Umgang mit der Restauration in den 70er Jahren und danach. Danke dafür! Wolf Bayer, Berlin


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