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Deutsches Haus

Roman

Von der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Ku'damm 56 / 59

»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben 

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

 

Rezension
"Annette Hess lässt ihre Hauptfigur die Lügen Schicht für Schicht abtragen. (...) Der Roman zeigt die deutsche Tragik im 'Deutschen Haus'.", Berliner Zeitung, Susanne Dübber, 03.11.2018
Portrait
Annette Hess stammt aus Hannover und studierte zunächst Malerei und Innenarchitektur, später Szenisches Schreiben. Sie arbeitete als freie Journalistin, Regieassistentin sowie Drehbuchlektorin. Seit 1998 ist sie ausschließlich als Drehbuchautorin tätig. Bekannt wurde sie durch ihre Fernsehserien Weissensee, Ku’damm 56 und Ku’damm 59. Annette Hess lebt in Niedersachsen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Grimme-Preis, den Frankfurter Preis der Autoren sowie den Deutschen Fernsehpreis. Deutsches Haus ist ihr erster Roman. 
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 368
Erscheinungsdatum 21.09.2018
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-550-05024-4
Verlag Ullstein Verlag
Maße (L/B/H) 21,1/13,2/3,5 cm
Gewicht 485 g
Auflage 4. Auflage
Verkaufsrang 22303
Buch (gebundene Ausgabe)
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Buchhändler-Empfehlungen

Im deutschen Haus knirscht es…

Claudia Engelmann, Thalia-Buchhandlung Korbach

Einer der aufsehenerregendsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte war der Auschwitz-Prozess in den 60er-Jahren in Frankfurt, forciert von dem legendären Fritz Bauer. Um diese sensible Thematik entwickelt die Autorin eine sehr unterhaltsame, im Ton der Zeit erzählte Geschichte, in deren Mittelpunkt die junge Eva Bruhns steht. Sie wird ganz unerwartet als Dolmetscherin für Polnisch bei diesem Prozess verpflichtet und hört zum ersten Mal von all diesen schrecklichen Dingen, die in Auschwitz passiert sind. Damit kommt sie überhaupt nicht klar, zweifelt an allem und jedem. Sogar an ihrer eigenen Familiengeschichte, denn da tun sich plötzlich Abgründe auf...spannend und doch auch ein bisschen eindimensional erzählt.

Stimmungsbild der 60er Jahre

Irene Hantsche, Thalia-Buchhandlung Jena, Goethe-Galerie

Wie empfindet die Generation der Nachkriegsgeborenen das Schweigen ihrer Eltern über die NS-Zeit? A. Hess hat darüber einen Roman gewoben, der ein authentisches Stimmungsbild der 60er Jahre einfängt. Die oft allzu triviale Darstellungsweise konnte mich aber nur teilweise überzeugen.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
109 Bewertungen
Übersicht
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0

Arrangement mit dem Vergessen
von Svanvithe am 02.05.2019

In Frankfurt am Main finden um 1963 von den Menschen zunächst wenig beachtet die Vorbereitungen für den ersten Auschwitz-Prozess statt. Auch für Eva Bruhns, die in einer Agentur als Dolmetscherin für Polnisch angestellt ist, hat dies keine Bedeutung, bis sie überraschend gebeten wird, bei der Staatsanwaltschaft die Aussage eines... In Frankfurt am Main finden um 1963 von den Menschen zunächst wenig beachtet die Vorbereitungen für den ersten Auschwitz-Prozess statt. Auch für Eva Bruhns, die in einer Agentur als Dolmetscherin für Polnisch angestellt ist, hat dies keine Bedeutung, bis sie überraschend gebeten wird, bei der Staatsanwaltschaft die Aussage eines Mannes zu übersetzen. Während der eindringlichen Schilderung des Zeugen erfährt sie Unglaubliches, ja Unfassbares über Ereignisse im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Hat es dieses absurde und monströse Geschehen, dass Gefangene in dem Lager vergast wurden, tatsächlich gegeben? Durch die Beschreibungen sensibilisiert, entwickelt Eva eine besondere Nähe, so dass sie sich als Ersatz für den ausgefallenen Übersetzer im Prozess zur Verfügung stellt. Die unbedarfte junge Frau stammt aus gutbürgerlichem Haus und lebt mit ihrer älteren Schwester Annegret, einer auf der Neugeborenenstation tätigen Krankenschwester, und ihrem jüngeren Bruder Stefan noch bei ihren Eltern. Ludwig und Edith Bruhns betreiben das beliebte Lokal „Deutsches“ Haus“, in dem sie gutbürgerliche Küche auf den Tisch bringen. Der Vater kocht mit Leidenschaft, die Mutter bedient die Gäste. Als ihre Eltern von Evas Vorhaben erfahren, reagieren sie mit Ablehnung. Von ihrer Mutter Edith bekommt Eva zu hören: „Lass die Vergangenheit Vergangenheit sein, Eva. Das ist das Beste, glaub mir." (Seite 67) Für ihre Schwester ist unbegreiflich, auf was sie sich da einlassen will. Der Krieg liegt doch in weiter Ferne. Und so schlimm es auch gewesen sei, über das damalige Geschehen sei am besten der Mantel des Schweigens gezogen. Selbst ihr Verlobter Jürgen, dessen Vater einen erfolgreichen Versandhandel betreibt, ist vehement gegen Evas Vorhaben. Obwohl gerade auch Jürgens Vater als Kommunist von den Nazis verfolgt und eingekerkert wurde, vermeidet Jürgen den Rückblick in die Vergangenheit. Außerdem hat nach seiner Ansicht Eva als seine zukünftige Frau seinen Wünschen zu gehorchen, so dass er sie vor die Wahl stellt, entweder am Prozess teilzunehmen, oder die Beziehung zu beenden. Wenngleich Eva Gefahr läuft, die gute Partie, die sie mit Jürgen gemacht hat, zu verlieren, und sie sich nicht für willensstark und selbstsicher hält, regt sich in ihr ungeahnter Widerstand, sich dem gängigen Rollenbild von der gehorsamen (Ehe)Frau nicht zu fügen. Und so beeinflusst der Verlauf des Verfahrens nicht nur Eva und ihre Sicht auf das Leben. Während die Aussagen der Opfer und das damit verbundene Leid sich in Eva Kopf einbrennen, empört sie die augenfällige Uneinsichtigkeit, ja maßlose Überheblichkeit die Angeklagten, keinerlei Schuld zu tragen. Infolge des Prozesses verschlechtert sich nicht nur die Beziehung zu Jürgen, sondern auch ihre Eltern reagieren immer noch mit Ignoranz und Unverständnis. Eva kommt der ungeheuerliche Verdacht, dass sie etwas vor ihr verbergen. Und sie entdeckt, dass sich in ihrer eigenen Familie Abgründe auftun... Mit „Deutsches Haus“ hat die Drehbuchautorin Annette Hess ihren ersten Roman geschrieben, mit dem sie einen Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit leistet. Im Grundgerüst ist ihre Geschichte gut erzählt und wirkt in ihrem dramaturgischen und mit Wendungen versehenen Gesamtbild filmisch prägnant in Szene gesetzt. Besonders die Darstellung der Welt im Kleinen, des Alltags einer einfachen bürgerlichen Familie und die Beschreibung des damaligen Frauenbildes sowie des Loslösens aus einer vorgezeichneten Rolle gelingen der Autorin. Ebenso belegt die Schilderung der Ereignisse im Gerichtssaal des ersten Auschwitz-Prozesses eine aufwändige Recherche und erzeugt beim Lesen einen nachhaltigen Klang. Dabei gibt es Schicksale, die einem nahe gehen, beispielsweise das des jüdischen Ungarn Otto Cohn, der als Zeuge vor Gericht aussagt. Auch die Begegnungen in Auschwitz sind voller Kraft und Berührung. Leider erschließt sich der Hintergrund des von Annette Hess gewählten Handlungsstrangs bezüglich Evas Schwester Annegret nicht in Gänze. Zudem wird der Lesefluss durch einige unbeholfene Unebenheiten in sprachlichen Ausarbeitung gehemmt. Während Eva Bruhns mit einer glaubwürdigen Charakterisierung die Lesersympathie gewinnt, entwickeln sich bei anderen Protagonisten zum Teil gemischte, zweifelnde Empfindungen. Besonders David, der Rechtsreferendar, der unter einer eingebildeten Opferrolle leidet, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Daneben ist Jürgen, Evas kleingeistiger Verlobter, ebenfalls nicht wirklich greifbar, und seine Intention bleibt blass. Bedeutend hingegen ist die Auseinandersetzung der Autorin mit der zwanzig Jahre nach Beendigung des Krieges weiterhin vorhandenen Einstellung der Deutschen, sich nicht mehr mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen zu wollen, das Geschehene zu verdrängen und damit ihre Kinder im Ungewissen zu lassen. Vor allem die Beschäftigung mit der Frage, ob die Behauptung, keine Wahl gehabt zu haben, nicht einfach nur Schönfärberei des eigenen Gewissens gewesen ist, ist nach so langer Zeit immer noch wichtig... 3,5 Sterne

"Sie wollen, dass wir sie trösten."
von Kaffeeelse am 24.01.2019

Annette Hess beschreibt in diesem Roman den Auschwitz-Prozess in Frankfurt von 1963 bis … und die Emanzipation der Protagonistin Eva Bruhns. In diesem Roman entsteht vor den Augen der Leser*innen ein Blick auf das Jahr 1963 und die damalige Sicht der Deutschen auf das Leben und die Vergangenheit. Eva Bruhns ist eine naive ju... Annette Hess beschreibt in diesem Roman den Auschwitz-Prozess in Frankfurt von 1963 bis … und die Emanzipation der Protagonistin Eva Bruhns. In diesem Roman entsteht vor den Augen der Leser*innen ein Blick auf das Jahr 1963 und die damalige Sicht der Deutschen auf das Leben und die Vergangenheit. Eva Bruhns ist eine naive junge Frau aus bürgerlichem Milieu, die Eltern haben ein Gasthaus, das "Deutsche Haus", sie selbst ist Dolmetscherin, ihr Ein und Alles ist Jürgen, der Verlobte, den sie bald heiraten möchte und der in ihren Augen gern bestimmen kann, was Madame tun darf. Furchtbar!!! Durch einen Zufall wird sie zur Dolmetscherin für Polnisch für den beginnenden Auschwitz-Prozess. Durch das in diesem Prozess verhandelte Geschehen im Konzentrationslager Auschwitz und den Massenmord an den Juden durch die Nationalsozialisten, die schockierenden Berichte der überlebenden Zeitzeugen beginnt Eva sich zu verändern. Sie beginnt zu verstehen und nachzufragen. Und mehr und mehr geht es in diesem Buch um die Schuldfrage der Deutschen. Wie hat diese Vernichtung eines Volkes funktionieren können? Und auch um dieses immer wieder zu hörende "Davon habe ich nichts gewusst." geht es. Dabei sollte es eher klingen: "Davon habe ich nichts wissen wollen, weil ich Angst hatte." oder leider auch "Davon habe ich gewusst und ich finde es gut". Aber wer ist schon so ehrlich?!? Immer wieder kommt die Handlung des Romans auch auf den latenten Fremdenhass der Deutschen in den 60er Jahren, ein Fremdenhass, der auch in heutiger Zeit noch zu finden ist, der gerade auch mit dem Blick in die Geschichte sehr betroffen macht. Dieses Buch erzeugt einen tiefen Blick auf das Tun der Zeitzeugen und auch die Reaktion der Nachkommenden und macht sehr deutlich, dass wir dieses Geschehen nie vergessen dürfen und aufpassen müssen, dass ähnlich Denkende nicht polemisieren und immer mehr Publikum bekommen. Dies ist aus der Geschichte heraus unsere Pflicht! Die Schreibe der Frau Hess fand ich gut zu lesen und auch sehr interessant und recht bestechend durch eine sehr lebendige Art. Am Anfang erschien mir der Schreibstil etwas flau, genau wie der gezeichnete Hauptcharakter Eva. Mit der Veränderung der Rolle der Eva verändert sich auch der Schreibstil, wird flüssiger und flotter und das Buch bekommt einen fühlbaren Sog.

Großartig
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 13.01.2019

Das „Deutsche Haus“ ist eine Gasthof in der Frankfurter Innenstadt, betrieben von Evas Eltern. Die gutbürgerliche Gaststätte dient gleichsam als Sinnbild für heimeliges Wohlgefühl und gnädiges Vergessen, wenn man sich nur genug bemüht. Eva selbst ist im Jahre 1963 Anfang zwanzig, Dolmetscherin für polnisch und vollkommen unp... Das „Deutsche Haus“ ist eine Gasthof in der Frankfurter Innenstadt, betrieben von Evas Eltern. Die gutbürgerliche Gaststätte dient gleichsam als Sinnbild für heimeliges Wohlgefühl und gnädiges Vergessen, wenn man sich nur genug bemüht. Eva selbst ist im Jahre 1963 Anfang zwanzig, Dolmetscherin für polnisch und vollkommen unpolitisch. Sie hat das Grundgefühl ihrer Eltern unbewusst übernommen und möchte keine Tiefe im Leben. Ihr Plan ist es, den Sohn eines Fabrikanten zu heiraten, um „sich führen zu lassen und versorgt zu sein“. Ständig hofft sie „dass er ihr nicht abspringt“, weil sie nicht standesgemäß genug sein könnte. Ihre Schwester Annegret arbeitet als Krankenpflegerin auf der Säuglingsstation, wo sie wegen ihrer aufopfernde Art und Kompetenz große Achtung genießt. Scheint also alles in bester Nachkriegsordnung zu sein. Welche Abgründe sich unter all dem Schein verbergen ist grandios geschildert. Annette Hess schafft es schon in den ersten Kapiteln ein komplexes und lebendiges Bild der Zeit erstehen zu lassen. Die zaghafte Emanzipation der Fräuleins und die schier unerträgliche Spießigkeit der damaligen Zeit, die bleierne Schwermut übertüncht von Tüchtigkeit und ehrbar sein wollen, steht im krassen Gegensatz zur Frische und Lebensfreude der Jugend. Ich finde es einfach großartig, wie die Autorin vollkommen ohne Pathos anhand von Schicksalen Schwarz-Weiß- Klischees vom guten und vom bösen Menschen auflöst. Eva gerät durch Zufall als Übersetzerin in die großen Prozesse der Nazi- Kriegsverbrecher. Dadurch erfährt sie viel mehr als sie wollte und wird buchstäblich gezwungen, sich ihrer eigenen Geschichte bewusst zu werden, die sie, wie die meisten anderen Deutschen einfach verdrängt hat. Wieviel Leid in dieser fehlenden Traumabewältigung liegt, wird immer klarer. Das grausame Erbe, das die Nachkriegsgeneration antreten muss, ob sie will oder nicht, lastet schwer und je weiter es ins Unbewusste geschoben wird, desto schrägere, schwärzere Blüten treibt es. Toll geschrieben und in einem Rutsch gelesen. Ich finde es richtig gut, dass es momentan viel Literatur gibt, die sich auf intelligente, einfühlsame Art mit der Verarbeitung der deutschen Vergangenheit beschäftigt. Annette Hess werde ich mir als Autorin merken.