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Das Limonenhaus

Roman. Originalausgabe

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Hörbuch (MP3-CD)

Ein Haus voller Trauer und Zitronenduft birgt ein altes Geheimnis…

Nach dem Tod ihres Bruders und seiner Frau will Lella deren Tochter Matilde zu sich nach Köln holen. Doch der sizilianische Clan ihrer Schwägerin verweigert ihr das Mädchen, denn eine alte Fehde steht zwischen den beiden Familien. Verzweifelt versucht Lella, die Hintergründe dieses Streits aufzudecken, immer in der Hoffnung, ihren Anspruch auf Matilde doch noch durchsetzen zu können. Im Limonenhaus, dem Haus ihrer Mutter, findet sie in einer alten Familienbibel einige lose Tagebuchseiten. Sie ahnt zunächst nicht, dass diese der Schlüssel sind zu jenem Ereignis, das seine dunklen Schatten bis in die Gegenwart wirft…

Atmosphärisch und bewegend, spannend und unvergesslich - eine großartige Entdeckung!

Portrait
Gerstenberger, Stefanie
Stefanie Gerstenberger, 1965 in Osnabrück geboren, studierte Deutsch und Sport. Sie wechselte ins Hotelfach, lebte und arbeitete u. a. auf Elba und Sizilien. Nach einigen Jahren als Requisiteurin für Film und Fernsehen begann sie selbst zu schreiben. Ihr erster Roman «Das Limonenhaus» wurde von der Presse hoch gelobt und auf Anhieb ein Bestseller, gefolgt von »Magdalenas Garten«, »Oleanderregen«, »Orangenmond«, »Das Sternenboot« und »Piniensommer«. Die Autorin wurde mit dem DELIA-Literaturpreis ausgezeichnet und lebt mit ihrer Familie in Köln.
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  • Diesmal war es kein Besuch. Diesmal war es schlimmer.
    Ich lie¿meinen Gurt zuschnappen, atmete tief ein und schloss die Augen. Doch das seltsame Gef¿hl blieb.
    Als ich meinem Zwillingsbruder Leonardo das erste Mal nach Sizilien folgte, wusste ich nichts von diesem Land. Wir waren in unserer K¿lner Wohnung auf dem Bettvorleger geboren worden, gew¿t vom Pizzaofen unter uns. Mein Bruder ¿berm¿tig und als Erster, ich z¿gernd ein paar Minuten sp¿r.
    Bei uns gab es au¿r dem Dialekt meiner Eltern und den eindrucksvollen Fl¿chen meines Vaters ¿berhaupt nichts Sizilianisches. Weder Fotos noch schw¿erische Landschaftsgem¿e, keine M¿bel und nicht eine einzige geweihte Madonnenfigur. Uns Kindern fiel nicht auf, dass wir nie in die Heimat meiner Eltern fuhren, sondern immer nur zu der Schwester meines Vaters in die N¿ von Bologna. Dort oben in Norditalien a¿man gef¿llte Teigtaschen statt pasta alla norma, es gab keine cannoli, und ich erinnere mich auch nicht daran, damals schon die eisige granita, die auf Sizilien im Sommer zum Fr¿hst¿ck serviert wird, probiert zu haben.
    Meinen Eltern geh¿rte die Pizzeria Da Salvatore. Sie lag direkt an den Ausl¿ern eines Autobahnzubringers in K¿ln-Ehrenfeld, und auch hier gab es nichts Sizilianisches. Die Weinlaubgirlanden aus Plastik und die mit Bast umwickelten Weinflaschen hatte mein Vater Salvatore dem Vorbesitzer zusammen mit den Holzst¿hlen und Tischen abgekauft, "f¿r kleine M¿nze", wie er gerne erz¿te, lautstark lachend. Vielleicht kam daher seine st¿ig gute Laune: Er liebte es zu bekommen, was er wollte, und dabei auch noch zu gewinnen. In diesem Moment stand er sicherlich summend in der K¿che, w¿end seine dicken Finger den Pizzateig in die Pfanne dr¿ckten. Er glaubte, ich sei bei einem Chorwochenende in der Eifel.
    Wie oft war ich in den letzten drei Jahren heimlich nach Palermo geflogen, um meine Nichte Matilde zu sehen? Acht Mal? Zehn Mal?
    Jemand blieb im Gang vor meiner Sitzreihe stehen, wahrscheinlich, um sich auf den freien Platz zwischen mir und dem Mann am Fenster zu setzen. Ich ¿ffnete die Augen, schaute aber nicht hoch. Waren hinter uns nicht noch Pl¿e frei? Vielleicht ging er ja doch noch weiter. Dann fiel mein Blick auf seine H¿e, und mein Herz setzte kurz aus, bevor es sich entschied, doch weiter zu schlagen. Alles passte: die Gr¿¿ und Form, die Art, wie die Handgelenke aus den ¿meln schauten, und sogar die Fototasche, die sie festhielten, alles genau wie bei meinem Bruder! Nat¿rlich war mir in Sekundenbruchteilen klar, dass es nur eine T¿chung sein konnte, denn Leonardos alte Fototasche lag ja, gef¿llt mit meinen B¿chern, oben im Gep¿fach, und er selbst ...
    "Entschuldigung", sagte der Unbekannte in diesem Moment zu mir und den rosafarbenen Bl¿ern der Sportzeitung, hinter der sich der Mann am Fenster verschanzt hatte. Ich sah nur kurze, dunkelblonde Haare, breite Schultern und dann seine Beine, die mich streiften, w¿end er Platz f¿r die Stewardess machte, die sich mit einem Kichern an ihm vorbeizudr¿cken versuchte. Er schien ihren Ann¿rungsversuch gar nicht zu bemerken, sondern winkte jemandem in der Reihe hinter uns zu, offenbar dem vor sich hin wimmernden Baby, das erstaunt innehielt und dann verstummte.
    "Entschuldigung!" Der Fremde war bem¿ht, mich nicht noch einmal zu ber¿hren. Er setzte sich, verstaute die Fototasche sorgsam unter dem Vordersitz und suchte nach seinem Gurt. Wie sich nach einigem Ringen herausstellte, war er hinter meinem R¿cken eingeklemmt.
    "Danke!" Seine tiefe Stimme schien zu l¿eln. Erst jetzt wagte ich, kurz in sein Gesicht zu schauen. Seine Augen waren hellblau wie Edelsteine, wie zwei Aquamarine, und seine Z¿e waren blank und regelm¿g, eine glatte Reihe hellster Marmor, die ich am liebsten ablecken wollte. Unwillk¿rlich machte meine Zunge die Bewegung an meinen eigenen Z¿en. So w¿rde es sich anf¿hlen. Ich musste mich zwingen, ihm nicht weiter auf den Mund zu starren. Seine Lippen waren nicht zu d¿nn, - M¿er mit d¿nnen Lippen konnten ziemlich gemein sein. Fasziniert schaute ich stattdessen auf die knetenden Leonardo-H¿e, fast h¿e ich nach ihnen gegriffen, um ihn zu beruhigen.
    Heute Morgen hatte ich noch wie jeden Tag, bevor ich den Herd anmachte, mein Rechenritual absolviert. Rechne blo¿nicht auch noch die Minuten aus!, hatte ich mich selbst verwarnt und erwischte nach einigen Sekunden dann die richtige Zahl: eintausendachtundneunzig Tage, also zwei normale Jahre, plus ein Schaltjahr, zwei Tage und ein paar ausdr¿cklich unausgerechnete Minuten war mein Bruder Leonardo nun schon tot. Was nichts anderes bedeutete, als dass drei Sommer und drei Weihnachten ohne ihn vergangen waren und dass seine kr¿igen H¿e mich nie mehr festhalten, zwicken und etwas zu fest auf den Oberarm boxen w¿rden. In diesem Moment hatte mein Handy geklingelt. Wahrscheinlich Susa, die genau wie ich in diesem Moment am Herd stand und wissen wollte, ob wir uns heute Abend sehen w¿rden. Susa war meine einzige richtige Freundin, eine Freundin-auf-den-ersten-Blick, wenn es so etwas gibt. Sie war alles, was ich nicht war: ausgehfreudig, unabh¿ig, konsequent, ¿ber eins siebzig gro¿ blond und Mutter. Ich ging in den Gastraum und lie¿meinen Blick suchend durch die Beine der hochgestellten St¿hle und die ge¿ffnete Restaurantt¿r schweifen. Wo hatte ich das Handy blo¿hingelegt? Auf dem nassen B¿rgersteig standen Seifenblasen vom Putzwasser und platzten tr¿ vor sich hin. Mamma Maria sah und h¿rte ich nicht, dabei wusste ich, dass sie hier irgendwo sein musste. Meine Mutter redete kaum, manche Leute hielten sie sogar f¿r taub. Oder stumm. Oder beides. In der Stille zwischen den Klingelt¿nen dr¿hnte der Motor eines Lieferwagens, der auf den Hof fuhr. Mein Vater, der vom Gro¿arkt zur¿ckkam.
    Ich entdeckte mein Handy neben der Zapfanlage.
    "Lella Bellone", meldete ich mich. Es rauschte in der Leitung, weit entfernt.
    "Pronto?"
    Nichts.
    "Pronto!? - Hallo!"
    "Lella? Sei tu? Sei proprio tu!?"
    Das war nicht Susa. Meine Nackenh¿hen richteten sich auf. Bist du es? Du bist es doch!? Es gab nur einen, der solche Doppelfragen stellte. Er redete auf Italienisch auf mich ein, ich h¿rte zu, und irgendwann murmelte ich: "Heute am sp¿n Nachmittag? Ich werde da sein." Hastig dr¿ckte ich die rote H¿rertaste, um sein "Ja, aber ..." nicht mehr h¿ren zu m¿ssen.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 448
Erscheinungsdatum 02.11.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-35428-9
Verlag Diana Verlag
Maße (L/B/H) 18,7/11,8/3,5 cm
Gewicht 365 g
Verkaufsrang 64151
Buch (Taschenbuch)
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Buchhändler-Empfehlungen

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Sindelfingen

Ein Familiengeheimnis auf Sizilien, viel Atmosphäre, griffige Charaktere. Ein lesenswerter Schmöker für beste Unterhaltung.

Eva Bahlmann, Thalia-Buchhandlung Bremen

Eine tolle Familiengeschichte mit der richtigen Portion Spannung. Absolut zu empfehlen für einen entspannten Tag in der Hängematte!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
15 Bewertungen
Übersicht
5
6
3
0
1

NETT aber nicht mehr
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 17.01.2012

Das Buch beginnt interessant mit der Begegnung der beiden Hauptpersonen.Leider sehr langwierig werden die Wege der drei auf der Insel beschrieben, die Handlung tritt dabei sehr in den Hintergrund. Habe eigentlich eher eine spannendere Erzählung erwartet. Zwischenzeitlich viel mir das Durchhalten schwer. Dennoch interessant besc... Das Buch beginnt interessant mit der Begegnung der beiden Hauptpersonen.Leider sehr langwierig werden die Wege der drei auf der Insel beschrieben, die Handlung tritt dabei sehr in den Hintergrund. Habe eigentlich eher eine spannendere Erzählung erwartet. Zwischenzeitlich viel mir das Durchhalten schwer. Dennoch interessant beschreibt Gerstenberger die typisch sizilianischen Eigenheiten der Menschen und vor allem die typischen Gerichte.

Nach 50 Seiten weggelegt
von einer Kundin/einem Kunden aus Frankfurt am 26.03.2011

Nach vielen guten Rezensionen war ich überzeugt: das ist ist ein ganz tolles Buch. Bis ich es selbst las. Mag es anderen ja gefallen: die Story hat mich überhaupt nicht angesprochen, die Protagonistin noch weniger. Nichts für mich.

Leicht Lektüre für den Urlaub
von einer Kundin/einem Kunden am 11.01.2011

Lella will nach dem Tod ihres Bruders deren Tochter Matilde zu sich nehmen, doch der sizilianische Familienclan ist dagegen. So begibt sich Lella in einen Kampf um das Sorgerecht von Matilde. Leicht und nett zu lesen, auch wenn die Geschichte schnell durchschaubar und vorhersehbar ist, mit wenigen Überraschungsmomenten.