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Düster und undurchsichtig

Lilli33 , am 20.08.2020



Inhalt:
Bei einem Autounfall kommt die Innenministerin Patricia Kohlbeck ums Leben. Mit im Wagen saß ihre Tochter Maja, die gerettet wird, obwohl sie den Unfall nach menschlichem Ermessen eigentlich gar nicht überleben konnte. Doch in Sicherheit ist sie noch lange nicht. Und die letzten Worte ihrer Mutter dröhnen in ihrem Kopf: „Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin.“ Maja hat zunächst keine Ahnung, was ihre Mutter damit meint, aber nach und nach kommt sie hinter ein Gespinst von Lügen und Intrigen. Dabei ist nicht nur sie selbst in Gefahr, sondern die ganze Menschheit.

Meine Meinung:
Anne Freytag hat’s einfach drauf! Nach einigen faszinierenden Romanen aus dem Jugendbuchbereich konnte sie mich auch mit dem Wissenschafts- und Verschwörungsthriller „Aus schwarzem Wasser“ absolut begeistern. Von der ersten Seite an hat mich der Stoff gepackt und bis zur letzten nicht mehr losgelassen. Die Autorin schreibt dermaßen fesselnd, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Oder wenn es denn unbedingt sein muss, beschäftigt einen die Handlung trotzdem weiter.

Es wird aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen erzählt. In der Vergangenheit ist man dabei hauptsächlich an der Seite von Patricia Kohlbeck und entdeckt hier nach und nach, worum es geht, woran die Ärztin geforscht hat, bevor sie Innenministerin wurde, aber auch was für ein Typ Mensch sie ist - einer, dem seine Forschung und Macht über alles geht.

In der Gegenwart bekommen wir vor allem Einblick in Majas Tun, die von dem persönlichen Assistenten ihrer Mutter, Efrail, begleitet wird. Es stellt sich heraus, dass sie ihre Mutter nicht besonders gut gekannt hat und diese einige Leichen im Keller hatte. Aber kann Maja Efrail vertrauen? Oder doch lieber ihrem Patenonkel Robert, dem Liebhaber ihrer Mutter, dessen Tochter Sofie ihre beste Freundin ist? Ist ihr Freund Daniel wirklich auf ihrer Seite?

Wie gut, dass Maja eine so toughe junge Frau ist, die sich sowieso am liebsten nur auf sich selbst verlässt. Denn hier wird immer wieder klar, dass sie sich auf sonst niemanden verlassen kann. Wer auf welcher Seite steht und warum, kann nur langsam aufgedeckt werden. Zu komplex und undurchsichtig ist das Netz aus Lügen und Intrigen. Vorhersehbar ist hier gar nichts - weder für Maja noch für die Leserschaft.

Mit schnellen Perspektivwechseln und knackigen Sätzen peitscht Freytag die Lesenden durch die Handlung. Protagonistin und Leserschaft kommen kaum zum Verschnaufen. Das ist ein hochkarätiger, super spannender Plot. Ein Thriller vom Feinsten!

Aus schwarzem Wasser - Anne Freytag
Aus schwarzem Wasser
von Anne Freytag
(100)
Buch (Taschenbuch)
16,90

Interessanter Kurzroman

Lilli33 , am 17.08.2020

Inhalt:
Carlo Weiss arbeitet als Gärtner und lässt dadurch für andere Menschen Träume wahr werden. Doch mit seinem eigenen Leben klappt es nicht so ganz. Seine Frau Ana, die er immer noch liebt, hat ihn verlassen. Die gemeinsame Tochter studiert in London und braucht die Eltern nicht mehr. Als Carlos leicht demente Mutter aus dem Pflegeheim ausbüxt, gerät sein Leben in noch größere Unordnung. Zum Glück ist Agon, Exil-Kroate und Carlos Angestellter, auch ein guter Freund, der sich sensibel um Mensch und Natur kümmert. Doch Agons Vergangenheit holt ihn ein. Und auch Carlo muss sich mit der Vergangenheit befassen, nämlich der seiner Mutter …

Meine Meinung:
Im Großen und Ganzen hat mir dieser kurze Roman mit etwa 160 Seiten gut gefallen, was vor allem an der wundervollen Erzählweise Butis liegt. Seine feinen Beobachtungen bringen die Protagonisten den Lesenden näher, auch wenn ich mir noch viel mehr Tiefe und viel mehr Ausführlichkeit gewünscht hätte. Stimmungen werden perfekt transportiert. Der Schreibstil ist ruhig und unaufgeregt.

Viele Themen werden hier angesprochen, aber eben nur kurz gestreift, an der Oberfläche angekratzt. In die Tiefe müssen die Lesenden selbst dringen, indem sie Gedanken weiterführen oder auch eigene Recherchen anstellen.

Sowohl der französische Titel „Grand National“ als auch der deutsche „Das Leben ist ein wilder Garten“ haben ihre Berechtigung. Das „Grand National“ ist ein Luxushotel, das eine bedeutende Rolle in der Handlung spielt. Andererseits dreht sich in diesem Roman eben auch vieles um das Gärtnern und die Natur und das ungezähmte Leben in all seinen Facetten.

Das Leben ist ein wilder Garten - Roland Buti
Das Leben ist ein wilder Garten
von Roland Buti
(84)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Großartig konzipierter Krimi

Lilli33 , am 16.08.2020


Inhalt:
Bei dem Berliner Anwalt Joachim Vernau steht eine Betriebsprüfung an. Udo Fischer, der Prüfer wühlt sich durch jede Menge Unterlagen, bis er auf eine alte Restaurantquittung stößt. Diese erregt ihn so sehr, dass er Vernau spätabends noch einmal in sein Büro zitiert. Doch als Vernau ankommt, ist Fischer tot. Schritt für Schritt gerät Vernau in einen immer gefährlicheren Sumpf von Korruption und Gier. Seine Gegner schrecken auch vor Mord nicht zurück …

Meine Meinung:
Dies ist der 6. Band der Reihe um Joachim Vernau. Obwohl ab und zu mal auf ältere Fälle angespielt wird, braucht man trotzdem keine Vorkenntnisse. Auch die wichtigen Stationen des Privatlebens werden hier noch einmal kurz erläutert, sodass man die zwischenmenschlichen Beziehungen gut nachvollziehen kann.

Schon mit dem Prolog konnte Elisabeth Herrmann mich mal wieder packen. Vernau ist in Hongkong und es zeichnet sich ab, dass ihm noch eine schwierige, wenn nicht gar unmögliche Aufgabe bevorsteht.

Es folgt eine Überleitung nach Berlin. Ganz sanft führt die Autorin in die Story ein, stellt die Protagonisten vor und erzeugt hier schon eine große Nähe zu ihnen. Allen voran natürlich Joachim Vernau, der als Ich-Erzähler fungiert und der so sympathisch ist, dass man gerne mit ihm mit fiebert. Auch seine Ex Marie-Louise spielt wieder eine gewisse Rolle. Wie die zwei sich kabbeln, lässt mich immer wieder schmunzeln.

Ansonsten wartet eine großartig konzipierte Handlung auf die Leserschaft, die es an Überraschungen und Wendungen nicht fehlen lässt. Zwar ist die Geschichte fiktiv, doch Ähnlichkeiten zu tatsächlich Vorgefallenem sind nicht zu leugnen. Die Autorin prangert hier verschiedene Missstände in unserer Gesellschaft und unserem Rechtssystem an.

Herrmanns Schreibstil ist sehr geschmeidig, wie schwerelos. Man fliegt nur so durch die Seiten. Und je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr Spannung kommt auf. Es fällt immer schwerer, das Buch aus der Hand zu legen.

Ich fand diesen Teil der Reihe absolut klasse und freue mich auf den nächsten Vernau, der hoffentlich nicht ganz so lange auf sich warten lässt.

Die Joachim Vernau-Reihe:
1. Das Kindermädchen
2. Die siebte Stunde
3. Die letzte Instanz
4. Versunkene Gräber
5. Totengebet
6. Requiem für einen Freund

Requiem für einen Freund - Elisabeth Herrmann
Requiem für einen Freund
von Elisabeth Herrmann
(10)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Toller Krimi mit kleinen Abstrichen

Lilli33 , am 14.08.2020


Inhalt:
Der deutsche Austauschkommissar Leander Lost will vorerst nicht mehr nach Hamburg zurück, obwohl das Jahr abgelaufen ist. In Portugal hat er mit Soraia zum ersten Mal Liebesglück gefunden - für den Asperger eine große Sache. Doch schon bald wird die traute Zweisamkeit durch Bombenattentate gestört. Die Intelligenz und Logik des Deutschen sind gefragt, um weitere Attentate zu verhindern und den Täter zu ergreifen.

Meine Meinung:
Bisher habe ich nur den 1. Band der Reihe gelesen, hatte aber nun keine Schwierigkeiten, mich in diesem 4. Band zurechtzufinden. Natürlich hat sich das Privatleben der Protagonisten inzwischen ein bisschen weiterentwickelt, aber das kann man aus der aktuellen Erzählung herauslesen. Man braucht also keine Vorkenntnisse, kann meines Erachtens die Reihe sogar mit diesem Band beginnen, ohne Verständnisprobleme zu bekommen.

Nach wie vor ist Leander Lost meine Lieblingsfigur. Mit seinen trockenen Aussagen - typisch Asperger eben - hatte er von Anfang an mein Herz erobert. Immer wieder führen seine Probleme mit dem Zwischenmenschlichen dazu, dass ich schmunzeln muss. Andererseits bringt er durch seine logische Kombinationsgabe den Fall immer wieder ein Stück voran.

Auch seine Kolleg*innen Graciana Rosado und Carlos Esteves spielen eine große Rolle, gefolgt von dem eitlen Spanier Miguel Duarte und der burschikosen Kriminaltechnikerin Isadora Jordão. Jeder trägt auf seine Weise zum Gelingen der Arbeit bei. Das hat mir gut gefallen, auch wenn ich das ein oder andere Mal die Augen rollen musste, weil einer sich zu blöd benahm.

Als kleinen Wermutstropfen empfinde ich, dass die Lesenden eigentlich keine Chance haben, den Täter zu erraten. Aus welcher Ecke er kommen könnte, kann man bei intensivem Lesen vermuten, aber eben nicht, wer genau er ist. Dies kommt erst ganz zum Schluss zur Sprache.

Die Beschreibungen von Land und Leuten sind sehr atmosphärisch und laden dazu ein, den Ostteil der Algarve kennenzulernen. Im Gegensatz zur bekannten Bretagne-Reihe aus demselben Verlag verkommen die Krimis von Gil Ribeiro (aka Holger Karsten Schmidt) aber nicht zum Reise- und Restaurantführer, worüber ich sehr froh bin.

Die Reihe:
1. Lost in Fuseta
2. Spur der Schatten
3. Weiße Fracht
4. Schwarzer August

Schwarzer August - Gil Ribeiro
Schwarzer August
von Gil Ribeiro
(144)
Buch (Taschenbuch)
16,00

Ein Musiker? - Ein Mensch!

Lilli33 , am 03.08.2020


Inhalt:
Gustav Mahler befindet sich an Bord der Amerika auf der Reise von New York nach Europa. Er ist krank, der Tod nicht mehr fern. An Deck des Schiffes lässt er sein Leben und seine Lieben Revue passieren.

Meine Meinung:
Auf nur etwa 120 Seiten beschreibt Robert Seethaler ein ganzes Leben, ein arbeitsames, ein tragisches, ein einsames Leben, auch wenn Mahler in dieser Erzählung behauptet, keine Einsamkeit zu kennen. Doch die Musik geht ihm immer über alles, er strebt immer zum Höchsten - da ist es nun mal einsam. Und doch ist es auch ein erfülltes, ein glückliches Leben. Er hat viel geschafft und geschaffen, musste Schicksalsschläge hinnehmen und kann Erfolge vorweisen.

Man muss kein besonderes Faible für klassische Musik oder Musik überhaupt haben, um diese biografische Erzählung genießen zu können. Die Musik an sich spielt bei Robert Seethaler eine erstaunlich geringe Rolle. Der Fokus liegt mehr auf dem Menschen Gustav Mahler in all seinen Facetten.

Trotz der Kürze des Textes lernt man diesen Menschen gut kennen. Der Autor gibt ihm eine ausreichende Tiefe, wofür sicher auch der atmosphärisch dichte Schreibstil verantwortlich ist. Er wirkt zuweilen ein wenig poetisch, aber immer klar verständlich. Philosophische Gedanken über das Leben und den Tod runden das Ganze schön ab.

Der letzte Satz - Robert Seethaler
Der letzte Satz
von Robert Seethaler
(179)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,00

Der 11. Fall für Hunter und Garcia

Lilli33 , am 03.08.2020


Inhalt:
Angela schlägt sich als Taschendiebin durch. Eigentlich hat sie genug erbeutet für diesen Tag. Da fällt ihr ein unverschämter Mann auf, dem sie eine Lektion erteilen will. Sie stiehlt seine Tasche - darin ein Tagebuch mit verstörendem Inhalt.

Meine Meinung:
Ich habe alle Bände dieser Reihe gelesen, denke aber, dass man hier nicht unbedingt Vorkenntnisse braucht, sondern genauso gut mit diesem Band einsteigen kann. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, und das Privatleben der Ermittler spielt keine so große Rolle, dass man es von Anfang an verfolgt haben müsste.

Anfangs gefiel mir dieser Thriller nicht so gut wie die Vorgänger, denn es gilt zunächst nur, bereits geschehene Verbrechen aufzuklären. Erst als der Täter mit weiteren Morden droht, kommt die Polizei richtig unter Druck.

Zwei Dinge haben mich gestört. Zum einen benimmt sich Angela wirklich dumm, was gar nicht zu ihr passt, zum anderen hat mir Chris Carter zu viel doziert. Wie aus dem Lehrbuch beschreibt er an manchen Stellen die Polizeiarbeit, zum Beispiel was wann in welcher Reihenfolge zu tun ist, Dinge, die man vielleicht in einem Nebensatz einfließen lassen könnte, hier aber unnötig trocken ausgewalzt werden.

Mit der zweiten Hälfte des Thrillers hat Chris Carter dies allerdings wieder wettgemacht. Hier steigt die Spannung, der Ermittler Hunter kommt an seine Grenzen - physisch und psychisch. Der Täter scheint immer einen Schritt weiterzudenken als die Polizei. Das ergibt ein spannendes Katz- und Maus-Spiel.

Wie bei Chris Carter üblich sind die verschiedenen erwähnten Tötungsarten zum Teil recht ungewöhnlich, äußerst grausam und ekelerregend. Für zart besaitete Leser*innen ist das nichts.

Die Reihe:
1. Der Kruzifix-Killer
2. Der Vollstrecker
3. Der Knochenbrecher
4. Totenkünstler
5. Der Totschläger
6. Die stille Bestie
7. I am Death. Der Totmacher
8. Death Call. Er bringt den Tod
9. Blutrausch. Er muss töten
10. Jagd auf die Bestie
11. Bluthölle

Bluthölle - Chris Carter
Bluthölle
von Chris Carter
(179)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Schnelle Kost

Lilli33 , am 03.08.2020


Inhalt:
Faye hat sich ein neues Leben aufgebaut. Doch als ihr Ex-Mann Jack aus dem Gefängnis entkommt, geht es für sie um alles. Mit drei Freundinnen versucht sie, die Männerwelt in Schach zu halten und sich ihren Erfolg nicht nehmen zu lassen.

Meine Meinung:
Dies ist die Fortsetzung von „Golden Cage“. Wenn man den Vorgänger gelesen hat, wird man der Handlung hier auf jeden Fall besser folgen und sie eher genießen können.

Ich habe dieses Buch in kürzester Zeit gelesen. Zum einen ist es nicht besonders dick und nicht besonders eng bedruckt, zum anderen schreibt die Autorin recht geschmeidig, sodass sich die Seiten fast von alleine umblättern. Der Schreibstil ist einfach und locker zu lesen, auch wenn das Geschriebene zuweilen harter Tobak ist.

Fayes Verhalten konnte ich in einer bestimmten Sache leider gar nicht nachvollziehen. Das passte einfach überhaupt nicht zu dieser Frau, wie ich sie bis dahin kennengelernt hatte, machte die Geschichte aber natürlich spannender.

Camilla Läckberg legt in „Wings of Silver“ viel Wert auf Romantik und auch detaillierte erotische Szenen. Für meinen Geschmack war das des Guten zu viel.

Insgesamt ist es aber ein solider Spannungsroman, dessen Ende nach einer weiteren Fortsetzung schreit.

Die Reihe:
1. Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem
2. Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal

TRIGGERWARNUNG (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):

TLAWEG EHCILSUEAH GNUGITLAWEGREV DIZIUS

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal - Camilla Läckberg
Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal
von Camilla Läckberg
(132)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,99

Auch ohne Zack Herry ein toller Krimi

Lilli33 , am 25.07.2020


Inhalt:
Vor drei Jahren flog die 16-jährige Emme mit zwei Freundinnen nach Mallorca. Doch dann verschwindet das Mädchen scheinbar spurlos. Ihr Vater, Tim Blanck, will und kann die Suche nicht aufgeben. Er zieht von Schweden nach Mallorca, wo er als Privatdetektiv arbeitet und nebenbei weiter nach seiner Tochter sucht. Und endlich findet er im Verlauf eines aktuellen Auftrags auch eine Spur von Emme. Dabei tritt er einigen Leuten böse auf die Füße, was ihn selbst wiederum in große Gefahr bringt.

Meine Meinung:
Ich liebe Mons Kallentofts Reihe um Zack Herry und war gespannt, ob es auch ohne diesen charismatischen Protagonisten geht. - Es geht! Auch „Verschollen in Palma“ konnte mich sehr begeistern, zumindest ab etwa Seite 100. Davor plätschert die Handlung ein wenig vor sich hin, die Personen werden eingeführt und die Vorgeschichte erzählt. Klar, das muss alles sein, aber bei einem Krimi erwarte ich, dass das Verbrechen nicht erst nach einem Viertel des Buches passiert.

Ab diesem Zeitpunkt gibt es dann aber kein Halten mehr. Die Handlung geht rasant voran, die Spannung steigt enorm und bleibt dann auch hoch bis zum Schluss.

Tim war mir ungeheuer sympathisch. Dass seine Methoden manchmal nicht legal sind, kann ich ihm gut nachsehen. Seine Verzweiflung ob der Ungewissheit, was mit seiner geliebten Tochter Emme passiert ist, konnte ich schier mit Händen greifen. Dies schreibe ich dem ungewöhnlichen Schreibstil zu mit kurzen, abgehackten Sätzen und unmittelbaren Perspektiv- und Zeitenwechseln, die die innere Zerrissenheit des Protagonisten untermalen. Man muss sich schon konzentrieren, um am Ball zu bleiben und zu erkennen, wer hier gerade von wann erzählt. Dabei ist der Hauptteil aus Tims Perspektive in der Gegenwart, aber auch seine (Ex-) Frau Rebecka und Emme (in der Vergangenheit) kommen zu Wort.

Kallentoft zeichnet ein Bild von Mallorca, das so ganz anders ist als das in den Urlaubskatalogen. Sein Mallorca ist düster, korrupt und durchzogen von Verbrechen. Aber zum Glück gibt es auch ein paar gute Seelen, die Tim zur Seite stehen.

„Verschollen in Palma“ ist der 1. Band der Reihe mit Tim Blanck. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Verschollen in Palma - Mons Kallentoft
Verschollen in Palma
von Mons Kallentoft
(122)
Buch (Taschenbuch)
15,00

Bunte Rezeptauswahl, viele zusätzliche Informationen

Lilli33 , am 21.07.2020




Christina Bauer lebt mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrem Schwiegervater auf dem Bramlhof im Göriachtal im Salzburger Lungau.

Nach „Backen mit Christina“, „Kuchen backen mit Christina“ und „Brot backen mit Christina“ gibt es nun ein neues Backbuch in dieser Reihe: „Kinder backen mit Christina“. Wer sich nun fragt, wie man sich Kinder backen kann, den muss ich leider enttäuschen. Es sind mitnichten Rezepte enthalten, die das Herstellen von Kindern beschreiben. Nein, die Kinder sollte man schon selber mitbringen - und dann rein ins Backvergnügen.

Dabei ist dieses Buch kein einfaches Backbuch, sondern viel mehr. Neben 30 leckeren Rezepten (nicht nur Gebackenes, sondern auch Erdbeermarmelade, Jogurt, Eis und Popcorn) gibt es auch ganz viele Informationen rund um Lebensmittel und um das Leben auf dem Bauernhof. Und das meist in kindgerechten, einfachen Worten. So wird zum Beispiel erklärt, warum die Kuh Milch gibt und wie sie gemolken wird, wie Heu gemacht wird und welche verschiedenen Mehlsorten es gibt und vieles mehr. Auch die Experimentiertipps finde ich klasse. So kann man sich doch gleich viel besser vorstellen, was beim Backen passiert.

Die Rezeptauswahl ist natürlich auf Kinder zugeschnitten und nach Jahreszeiten geordnet. Ob putzige Laugenigel, saftige Karottenbrötchen, gesundes Vollkornbrot, süße Schokomuffins, leuchtende Sternenkekse, nahrhafte Müsliriegel - es fällt schwer, zu entscheiden, womit man anfangen soll, so lustig und lecker sieht alles aus. Die Rezepte sind alle ziemlich einfach, sodass ältere Kinder (fast) ganz allein in der Küche arbeiten können, aber auch für jüngere viel Mithilfe möglich ist. Alle Schritte werden gut und einfach erklärt. Bisher ist uns alles, was wir nachgebacken haben, ganz unkompliziert gelungen. Und geschmeckt hat es auch.

Das Buch ist mit ansprechenden Fotos bebildert, die den erklärenden Text unterstützen oder einfach Lust auf das leckere Essen oder auf das Leben auf dem Bauernhof machen.

So macht Backen mit Kindern sicher Spaß :-)

Kinder backen mit Christina - Christina Bauer
Kinder backen mit Christina
von Christina Bauer
(73)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,90

Dupin in Saint-Malo

Lilli33 , am 07.07.2020


Inhalt:
In Saint-Malo findet ein Polizeiseminar statt, zu dem Dupin verdonnert wurde. Drei Kommissare und die Präfekten der vier bretonischen Departements sollen die Zusammenarbeit untereinander voranbringen. Dies geschieht ganz unerwartet nicht im Klassenzimmer, sondern auf sehr spektakuläre Weise. Vor Dupins Augen wird in den Markthallen eine Frau von ihrer eigenen Schwester ermordet. Diese schweigt beharrlich und die drei Kommissare nehmen gemeinsam die Ermittlungen auf. Intensiver kann die polizeiliche Zusammenarbeit nicht sein.

Meine Meinung:
Der Titel „Bretonische Spezialitäten“ weist schon darauf hin, dass diese eine große Rolle spielen. Neben den atmosphärischen Beschreibungen der Landschaft und diverser Speisen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, rückt der Kriminalfall zuweilen in den Hintergrund. Dies zeigt sich auch schon bei der Wortwahl: Während ich irgendwann aufgehört habe, „kulinarisch“ oder „lukullisch“ zu zählen, findet sich „kriminell“ oder „Kriminal“ nicht ein einziges Mal.

Trotzdem gefiel mir dieser Band wesentlich besser als der direkte Vorgänger, „Bretonisches Vermächtnis“, der noch mehr Reiseführercharakter hat. Im aktuellen Band fand ich den Kriminalfall doch sehr spannend, auch wenn die Ermittlungen zunächst nicht vom Fleck kommen wollen und es mehr Tote als Lösungsansätze gibt. Die Polizeiarbeit wird detailliert beschrieben (wenn es nicht gerade ums Essen oder um die Landschaft geht) und man fühlt sich beim Lesen, als wäre man mittendrin dabei. Zuletzt werden die verschiedenen Morde doch zu meiner Zufriedenheit aufgeklärt.

Auch wenn ich Nolwenn sehr mag, vielleicht sogar am meisten von allen Figuren dieser Reihe, fand ich es nicht schlimm, dass sie hier nur ganz selten mal telefonisch eingreifen kann und die drei Kommissare aus verschiedenen Departements fast ganz auf sich gestellt sind. Ebenso sind die historischen Einwürfe Riwals, die in manchem Band der Reihe schon überhandgenommen haben, hier zum Glück recht sparsam dosiert. Auch das Privatleben Dupins spielt kaum eine Rolle, befindet Claire sich doch gerade in Boston. Aus diesem Grund dürften sich auch Quereinsteiger in die Reihe gerade bei diesem Band sehr leichttun, da Vorkenntnisse nicht benötigt werden. Und vielleicht bekommen sie ja dann Lust, auch die ersten acht Bände zu lesen? Wundern würde es mich nicht.

Die Reihe:
1. Bretonische Verhältnisse
2. Bretonische Brandung
3. Bretonisches Gold
4. Bretonischer Stolz
5. Bretonische Flut
6. Bretonisches Leuchten
7. Bretonische Geheimnisse
8. Bretonisches Vermächtnis
9. Bretonische Spezialitäten

Bretonische Spezialitäten - Jean-Luc Bannalec
Bretonische Spezialitäten
von Jean-Luc Bannalec
(48)
eBook (ePUB)
12,99