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Meine Bewertungen

Ein Pferd, namens Hetfield

FrauSchafski , am 13.04.2019

Was hat ein Pferd namens Hetfield mit der Story zu tun? Eigentlich nichts, aber Hetfield ist mein heimlicher Held dieses Thrillers. Nicht, weil er besonders wichtig wäre, sondern weil die Protagonistin Frida ihn nach James Hetfield, dem Sänger von Metallica, benennt und das fand ich einfach mal erfrischend anders.

Der Rest der Handlung ist dagegen nicht unbedingt „erfrischend anders“, gewinnt aber ungemein an der Tatsache, dass Romy Flöck den Lokalkolorit des ländlichen Nordens hervorragen einfängt. Als Leser begleitet man die Figuren durch die gespenstigen Marschen, riecht förmlich die andere, frische Luft. Auch die Werte und Gepflogenheiten der Menschen, die seit Jahrzehnten in dieser Region leben, sind gut nachvollziehbar: Familie ist hier das oberste Gut, Zusammenhalt und Gemeinschaft werden auch in Notsituationen großgeschrieben, egal, welche Streitigkeiten vorher geherrscht haben. Das ist in meinen Augen die große Stärke dieses Thrillers. Dem gegenüber steht der Fall, den ich als eher langatmig empfunden habe. Hier wird sich bewährter Mittel bedient, um die Spannung aufrecht zu erhalten, ein Mysterium führt zum nächsten und ich fühlte mich irgendwann eher hingehalten als unterhalten. Leider war die Auflösung dann wie erwartet etwas zu aufgeblasen. Klar, wenn man lange Zeit einen Luftballon aufbläst, muss er auch zum Ende so richtig schön platzen. Mit hätte es jedoch gereicht, wenn die Luft einfach nach und nach entwichen wäre.

Fazit: Bei aller Kritik: Es ist ein Debüt und ein sehr ordentliches dazu. Atmosphäre und Lokalkolorit stimmen hier, davon möchte ich in den nächsten Bänden gerne mehr lesen. Und in Aufbau und Auflösung eines Kriminalfalls bekommt man als Autorin bestimmt Übung. Unterm Strich 3 Sterne, die aber deutlich nach oben tendieren.

Totenweg - Romy Fölck
Totenweg
von Romy Fölck
(106)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Dialog des Verliebens

FrauSchafski , am 12.04.2019

Viele werden Bernhard Aichner vor allem mit seinen Thrillern in Verbindung bringen und überrascht sein, dass er auch Liebesromane kann. Für mich war das tatsächlich das erste Buch des Autors, sodass ich nun vielmehr neugierig auf seine „andere Seite“ bin.

„Kaschmirgefühl“ ist für mich eher eine Kurzgeschichte - kein seitenfüllender oder eindrücklicher Roman. Darüber lässt sich sicher streiten, jedoch ist das Buch einfach unglaublich schnell weggelesen - es besteht nämlich nur aus dem Telefondialog der beiden Protagonisten. Dennoch: Der hat es in sich. Was wie ein herkömmlicher Anruf bei einer Sexhotline beginnt, wird schnell zu einer Nachtfüllenden Veranstaltung. Denn eines ist schnell klar, zwischen Gottlieb und Marie knistert es. Und so wohnen wir dem Flirt der beiden bei, beobachten, wie sie sich gegenseitig auf den Prüfstand stellen, sich gegenseitig Dinge auftischen, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob sie wahr oder übertriebene Auswüchse der Selbstdarstellung sind. Das ist nicht jedermanns Sache, flirtet jede Person doch auf ihre eigene Art und Weise. Und so steuern die beiden auf ein überraschendes, aber gut durchdachtes Ende zu, das den Leser mit einem wohligen „Kaschmirgefühl“ zurück lässt.

Fazit: Das Verlieben geschieht leider nur zwischen den Zeilen und war für mich kaum nachvollziehbar. Das ist schade, denn die Grundidee ist schön und insgesamt ergibt sich dennoch eine wärmende Geschichte für zwischendurch, deren Lektüre nicht wehtut. Für mich reicht es jedoch nicht für mehr als 3,5 Sterne.

Kaschmirgefühl - Bernhard Aichner
Kaschmirgefühl
von Bernhard Aichner
(94)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,90

Wenn eine Geschichte Wirklichkeit wird

FrauSchafski , am 30.03.2019

Vor Kurzem ist ja nun der zweite Teil des Kopenhagener Ermittlerteams erschienen, da dachte ich mir, bevor ich mir den gleich zulege, lese ich vielleicht erst mal „Krokodilwächter“ von dem so viele schwärmen. Zustimmen kann ich dem zwar nicht uneingeschränkt, aber lesenswert ist der Krimi allemal.

Was mir wirklich gefallen hat, ist die Idee, die der Handlung ihre Grundlage gibt: Ein Manuskript beschreibt den verübten Mord bereits vor der Tat. Das verrät bereits der Klappentext. Diese Verschränkung von Realität und Fiktion innerhalb der Fiktion ist ein spannendes Konstrukt und trägtin meinen Augen den Großteil der Handlung. In dem Einheitsbrei von Action und Effekthascherei, die das Genre in großen Teilen begleitt, sind solche Ideen eine willkommene Abwechslung. Außderdem geht es recht unblutig zu, ohne dass die Spannung darunter leiden würde. Diese lebt vor allem durch die vielen am Fall beteiligten Figuren, die alle ein Geheimnis mit sich heraumtragen. Das würde ich jetzt mal als eher klassisches Vorgehen bezeichen: Viele undurchsichtige Verdächtige, viele potenzielle Täter, nicht alle sind Sympathieträger. Soweit, so gut. Doch jetzt kommt mein Aber: Leider fand ich die Ermittlerfiguren sehr farblos. Ich habe bereits jetzt Probleme, mir sie in Erinnerung zu rufen. Da fehlen Charisma, Ecken und Kanten, irgendwas, das im Gedächtnis bliebt. Auch das Zusammenspiel zwischen Jeppe und Anette wirkt nicht so richtig echt. Für den Auftakt einer Krimireihe ist das natürlich problematisch, hier muss die Autorin in den Folgebänden noch nachlegen. Ach ja, und das Ende ... das war mir dann nach den komplizierten Verstickungen der Handlung zu platt und einseitig.

Fazit: Für ein Debüt ist das eine ordentliche Leistung, die ich gerne mit drei Sternen bedenke. Und somit werde ich mir den zweite Teil „Blutmond“ ganz sicher irgendwann schnappen, um zu sehen, ob die Ermittlerfiguren etwas mehr Profil entwickeln.

Krokodilwächter - Katrine Engberg
Krokodilwächter
von Katrine Engberg
(124)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Überraschung vorprogrammiert

FrauSchafski , am 23.03.2019

Hätte ich früher gerafft, dass Dennis Lehane der Autor der Buchvorlage von einem meiner Lieblingsfilme „Mystic River“ ist, hätte ich ganz sicher schon früher etwas von ihm gelesen. Nun sage ich mir „Besser spät als nie“ und freue mich darüber, dass mir die weiteren Bücher dieses Autors noch bevorstehen. Denn, das sei vorweggenommen, dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen.

Allerdings muss man sich erst einmal durchbeißen ... Der erste Satz verspricht zwar gleich große Ereignisse, jedoch lassen diese Hunderte Seiten auf sich warten. Stattdessen wird zunächst einmal die Protagonistin Rachel seziert, ihr schwieriges Verhältnis zur Mutter und der unbekannte Vater in den Mittelpunkt gerückt. Ihre daraus resultierende schwierige Persönlichkeit lässt sich aus ihrer Vergangenheit gut begründen, aber dafür muss man sich eben auch mit dieser eher zähen Phase ihres Lebens auseinandersetzen. Das wird den ein oder anderen Leser abschrecken und vielleicht auch zum Aufgeben bringen, aber durchhalten lohnt sich. Denn hat man erst einmal einen bestimmten Punkt erreicht, beginnt sich alles zu fügen und die langwierige Einführung des psychischen und charakterlichen Hintergrunds von Hauptfigur Rachel begründet ihr späteres Verhalten. Darüber hinaus geht es nun Schlag auf Schlag. Lehane ist wirklich gut darin, sich unvorhergesehene Wendungen jenseits bekannter Muster auszudenken. Die Entwicklung der Handlung hätte ich so niemals erwartet, geschweige denn vorausahnen können und das macht richtig Spaß. Letztlich war ich so gepackt, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte und die letzten 300 Seiten bis tief in die Nacht (es war zum Glück ein Samstag) verschlungen habe.

Fazit: Für mich bisher die Überraschung des Jahres. Zwar keine ganzen fünf Sterne wert, da der Einstieg schon eine echte Hürde darstellt, aber der Einfallsreichtum des Autors und die Konsequenz, wie er seine Figur aufgebaut hat, finde ich absolut bewundernswert.

Der Abgrund in dir - Dennis Lehane
Der Abgrund in dir
von Dennis Lehane
(110)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,00

Und was geschieht, wenn Liebe dazu kommt?

FrauSchafski , am 10.03.2019

Die Grundlage für diesen Roman ist so faszinierend wie real. Die sogenannte „Wasserbrücke“, die zwischen zwei Wasserbehältern entsteht, wenn man sie unter Spannung setzt. Ein dünner Wasserfaden verbindet dann beide Behälter, die bis zu 7 cm auseinander stehen können. Und wie überträgt man das nun auf einen Roman?

Ganz einfach, einer von Theresa Prammers Protagonisten, Stefan, ist Wissenschaftler und erforscht unter anderem eben jenes Phänomen. Seine Theorie: Da Wasser Hauptbestandteil des menschlichen Körpers ist, strebt dieser automatisch nach Verbindung, menschliche Anziehung beruht also auf Wasser und ist nicht unbedingt steuerbar. Und auch, wenn diese Erkenntnis nicht über Gebühr hinaus in den Mittelpunkt gestellt wird, so schwingt sie immer mit. Mannigfaltige Wasser-Methaphern begleiten die Geschichte der Familie Schneider. Die drei Kinder Stefan, Emma und Fred sowie ihre Mutter Hannah wurden vor Jahren von ihrem Vater und Ehemann verlassen. Warum, das wissen sie nicht. Aber dieses Ereignis hat ihr Leben für immer verändert, sie alle kämpfen mit den Auswirkungen des Verlustes. Im Laufe des Romans werden wir ebenso wie die Figuren erfahren, was damals geschehen ist, was mit John, ihrem Vater, passiert ist. Und das ist so feinfühlig und emotional nachvollziehbar dargestellt, dass die Geschichte dieser Familie tief berührt.

Fazit: Prammers Buch ist absolut lesenswert und lässt ganz viel Raum, für Interpretationen und eigene Gedanken. Sie erzählt mit großer Leichtigkeit, die die Schwere der Handlung gekonnt auffängt. Das hat mir sehr gefallen und ich möchte hierfür 4,5 Sterne vergeben.

Auf dem Wasser treiben - Theresa Prammer
Auf dem Wasser treiben
von Theresa Prammer
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Das Recht dem Volke

FrauSchafski , am 03.03.2019

In diese Genre-Ecke verirre ich mich ja eher selten, obwohl ich nicht so ganz weiß, wie man sie überhaupt bezeichnen würde, Young-Adult-Dystopie-Irgendwas halt. Doch ab und an greife ich dann doch zu einem dieser Bücher, mal habe ich Glück mal nicht. Mit Martha hoffte ich Glück zu haben ... hat leider nicht geklappt.

Das lag nicht daran, dass das Buch schlecht geschrieben ist oder langweilig war. Ich wurde recht gut unterhalten und flog nur so durch die Seiten - wobei letzteres für mich ja ein Zeichen von Oberflächlichkeit ist. Das Hauptproblem war: Ich fand es von der ersten Seite an super vorhersehbar. Vielleicht habe ich schon zu viel Vergleichbares gelesen, wodurch die Handlung hunderten anderen Handlungen glich und einem altbekannten Muster folgte. Die Grundidee ist sicher neu gewesen, der Handlungsverlauf war es jedenfalls nicht. Auch das ach so dramatische Ende und die Auflösung - von manchen als schlimmster Cliffhanger überhaupt bezeichnet - war mir von vorn herein klar und, das muss ich der Autorin zugestehen, anhand der „Regeln“ dieser Welt konsequent umgesetzt. Dennoch frage ich mich, warum die Lösung, die im ersten Band gefunden wurde, nicht einfach auch im zweiten Band angewendet werden kann und dieser somit hinfällig wäre?

Fazit: Gute Grundidee, die aber durch einen 0/8/15-Handlungsverlauf umgesetzt wird und daher für mich vorhersehbar war. Da möchte ich nicht mehr als zwei Sterne vergeben.

Marthas Widerstand - Kerry Drewery
Marthas Widerstand
von Kerry Drewery
(50)
Buch (gebundene Ausgabe)
16,00

Hier ist der Titel Programm

FrauSchafski , am 23.02.2019

Mit DNA hat mich die Autorin bereits völlig in den Bann gezogen und auch den zweiten Teil konnte ich kaum aus der Hand legen. Dabei kreiert sich die Spannung aus einem ganz einfachen Mittel: Unwissenheit. Denn der Leser tappt genauso im Dunkeln, wie es die Ermittler tun.

Ziemlich abstruse Dinge kommen hier zusammen: Der Fund abgeschnittener Körperteile sowie einer Zeitkapsel, die von Schulkindern Jahre zuvor eingebuddelt wurde. Dinge, die offenkundig nichts miteinander zu tun haben. Dennoch beschleicht den Leser dasselbe Gefühl wie Kommissar Huldar, da steckt mehr dahinter. Aber um das herauszufinden, müssen wir - wie soll es auch anders sein - ermitteln, prüfen, hinterfragen, rätseln. Das macht Spaß und ist verdammt kurzweilig. Kinderpsychologin Freya ist auch wieder mit von der Partie, ohne sie wäre die Story nur halb, allein deswegen, weil sie einen Erzählerpart übernimmt. Der wechselt nämlich wieder zwischen Hulda uns ihr, was ich als sehr angenehm und durchaus amüsant empfunden habe. Denn auf diese Weise baut die Autorin das Privatleben ihrer Figuren wie nebenbei in die Handlung ein, ohne dass es zu sehr im Vordergrund stünde, was bei anderen Büchern durchaus anstrengend ist. Was mir auch sehr gut gefällt, ist das Zusammenspiel der Figuren, welches authentisch und nicht erzwungen wirkt. Auch in diesem Punkt tun sich andere Autor*innen schwerer.

Fazit: Lange Rede, kurzer Sinn: Der Titel des Buches macht seinem Namen alle Ehre. Weniger inhaltlich, als viel mehr aufgrund der Sogwirkung, das es beim Lesen entfaltet. Das kann überzeugen und ist mir gute 4 Sterne wert.

SOG - Yrsa Sigurdardóttir
SOG
von Yrsa Sigurdardóttir
(106)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

In love with Dr. Hunter

FrauSchafski , am 06.02.2019

Okay, okay, ich muss mich jetzt mal outen. Ich bin verliebt, verliebt in Dr. David Hunter. Ja, er hat einen komischen Faible für verrottende Dinge und Schmeißfliegen, aber hey, niemand ist perfekt.

Immerhin reist er gern und hat dabei ein untrügliches Gespür für unwirtliche Gegenden, in die sich sonst einfach niemand verirrt. Wenn er dann von diesen Gegenden erzählt, sie beschreibt, hänge ich an seinen Lippen und kann die salzige Luft förmlich riechen, das kalte Wasser spüren. Stets überläuft mich ein Schauer, wenn er von dunklen Orten spricht, oder ich entdecke durch seine Augen die kleinen Schönheiten des Lebens. Dann ist er auch noch so wahnsinnig hilfsbereit. Dümpelt irgendwo eine Leiche im fauligen Wasser, Dr. Hunter ist garantiert zu Stelle. Vielleicht ist auch eine junge Maid in Gefahr - da kann ich mir sicher sein, dass er zu ihrer Rettung schreiten wird, ohne Rücksicht auf Verluste. Denn sein eigenes Wohl kommt immer zuletzt. Durch diese Mischung aus Selbstlosigkeit und Neugier wird er regelmäßig zum echten Abenteurer, erklimmt windige Höhen oder durchwatet dunkle, feuchte Winkel. Dabei ist er auch noch sooo schlau, er merkt sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt. Beginnt er erst einmal, eins und eins zusammenzuzählen, ist der Fall garantiert schnell gelöst, auch wenn er bis dahin manchmal schwer von Begriff ist. Okay, es gibt da viel Konkurrenz. An jedem neuen Ort trifft er auf eine neue Frau, die ihn fasziniert. Aber so ist das eben mit einem Womanizer. Bleibt abzuwarten, ob er denn jemals die Richtige findet. Ansonsten darf er sich gerne in meine unwirtliche Gegend verirren.

Fazit: Ich will mehr von Dr. Hunter. Wäre er nicht immer so schwer von Begriff, ginge manches bestimmt schneller, aber das stört mich nicht. So kann ich noch längere Zeit in seiner Gesellschaft verbringen. Vier Sterne und ein verliebtes seufzen ;)

Totenfang / David Hunter Bd.5 - Simon Beckett
Totenfang / David Hunter Bd.5
von Simon Beckett
(93)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,95

Was seelische Grausamkeit bewirken kann

FrauSchafski , am 03.02.2019

Das ist bereits mein zweites Buch von Wendy Walker. Schon „Dark Memories - nichts ist je vergessen“ konnte mich trotz des sperrigen Titels überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass die Autorin ein gutes Händchen für psychologische Abgründe hat.

Dieses Mal widmet sie sich der Thematik „narzisstische Störung“, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen, die Eltern mit diesem selten diagnostizierten Krankheitsbild auf ihre Kinder haben. Das klingt jetzt schwer theoretisch, ist es im Prinzip ja auch, und mir würde dieses Hintergrundwissen ganz sicher fehlen, wenn die Autorin es nicht so geschickt in die Story einflechten würde. Die beteiligte Figur der Psychologin hat nämlich selbst zu der Thematik promoviert. Nein, das fand ich nicht zu plakativ oder unlogisch, ganz im Gegenteil schien es mir selbstverständlich, dass eine Expertin auf diesem Gebiet an dem Fall beteiligt ist. Der Fall ist schnell umrissen: Zwei junge Mädchen verschwinden spurlos, eines von beiden kehrt drei Jahre später unverhofft zurück und berichtet von einer Entführung. Sie konnte fliehen, während ihre Schwester immer noch gefangen ist. „Ihr müsst sie finden!“, lautet das Credo.

Cass, das zurückgekehrte Mädchen - oder besser gesagt die nun junge Frau, ist auch die Erzählerin, die in der Gegenwart spricht, aber regelmäßig in die Vergangenheit wechselt, um die einzelnen Puzzlestücke zusammenzuführen. Unterbrochen wird dies einzig durch Erzählpassagen der Psychologin, die parallel beginnt, Cass zu analysieren und dadurch auch Zweifel an der Zuverlässigkeit ihrer Aussagen streut. Immer wieder kehrt die Thematik der narzisstischen Störung zurück, wobei man sich als Leser hier schon seine eigenen Gedanken machen muss, selbst mitanalysiert. Darin liegt die große Stärke des Thrillers, dass es eben nicht ausreicht, ihn mal eben wegzulesen (was jedoch ohne Weiteres möglich ist), sondern sich die psychologische Tiefe nur ergibt, wenn man bereit ist, darüber nachzudenken.

Fazit: Psychologisch grausam und gut. Der Thriller regt zum nachdenken an, anstatt auf plakative Brutalität und Showeffekte zurückzugreifen. Ganz nach meinem Geschmack. Dafür vergebe ich dann auch gerne vier Sterne.

Kalte Seele, dunkles Herz - Wendy Walker
Kalte Seele, dunkles Herz
von Wendy Walker
(34)
Buch (Paperback)
14,99

Fly me to the moon

FrauSchafski , am 28.01.2019

Spielte Andy Weirs Erstling noch auf dem unwirtlichen, unerschlossenen Mars, nimmt er uns in „Artemis“ mit auf den mittlerweile besiedelten Mond. Auch haben wir es dieses Mal nicht mit einem galgenhumorigen Astronauten zu tun, sondern einer ausgefuchsten Schmugglerin, die von Kindesbeinen an auf dem Mond lebt. Das kann man nun loben, da eine taffe Frau im Mittelpunkt der Handlung steht, das ist für einen männlichen Autor durchaus nicht selbstverständlich. Problematisch ist nur, dass ihm seine Figur nicht so recht gelungen ist.

Warum? Jazz Bashara ist ein selbstbewusstes Mädel, das weiß, was es will und es sich auch nimmt. Und obwohl sie während des gesamten Buches kein einziges Mal Sex hat, hat sie den Ruf, ein „liederliches“ Mädel zu sein, das nur zu gerne sein Beine breit macht. Wehrt sie sich dagegen? Nein, ganz im Gegenteil lässt sie sich durch die andauernden sexistischen Bemerkungen einschüchtern und in Erklärungsnot bringen, was überhaupt nicht zu ihrem sonst so robusten Charakter passt. Was dem ganzen dann aber die Krone aufsetzt, ist die Tatsache, dass sie selbst an den unmöglichsten Stellen sexistische Bemerkungen dem Leser in den Kopf pflanzt, obwohl dieser gar nicht darüber nachgedacht hat. Ein Beispielt: Jazz zieht sich vor einem anderen Mann, schwulen (!) bis auf die Unterschwäsche aus, weil sie ihren Raumanzug anziehen möchte. Hier würde niemand etwas Merkwürdiges dran finden. Aber sie kommentiert dies mit einem süffisanten: „Was denn, hätte ich etwa in Gegenwart dieses schwulen Mannes verlegen sein sollen?“. Solche Beispiele finden sich zuhauf und sind auf Dauer echt nervig.

Hinzu kommt, dass die gesamte Story furchbar öde wäre, würde sie nicht auf dem Mond spielen. Einzig die Kulisse macht sie einigermaßen interessant, was für mich nicht ausgereicht hat. Spannungsbögen krieren sich nur selten, sodass es zeitweise eine echt zähe Veranstaltung ist. Und noch ein weiterer Aufreger zum Schluss: Es ist ein Unding, wenn der Klappentext, bzw. der Text auf der Innenseite, den Handlungsverlauf über mehr als hundert Seiten vorwegnimmt. Da kann man sich die Lektüre auch sparen - finde ich.

Fazit: Kurzum, mir erscheint die hier dargestellte weibliche Figur aufgrund der dauernden sexistischen Bemerkungen echt problematisch. Das mag der Autor sicher nicht bewusst gemacht haben, aber genau deswegen ist eine Bewegung wie #metoo sinnvoll, denn dieses Buch ist ein gutes Beispiel, warum eine Sensibilisierung für das Theman wichtig ist. Alles in allem gibt es enttäuschte drei Sterne.

Artemis - Andy Weir
Artemis
von Andy Weir
(17)
Buch (Paperback)
15,00