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Meine Bewertungen

Nichts rein - nichts raus

FrauSchafski , am 28.05.2017

Es erinnert schon ein Bisschen an Fernsehformate wie Big Brother, was in diesem Buch die zentrale „Mission“ darstellt: Acht Terranauten werden für zwei Jahre in der Ecosphere eingeschlossen, einem völlig autarker und von der Außenwelt abgeschnittener Lebensraum unter Glas. Die Vision dahinter ist, dass in der Zukunft dank solcher Ecospheren menschliches Leben außerhalb der Erde möglich werden könnte. Und tatsächlich beruht der Roman von Boyle auf einem Anfang der 90er-Jahre durchgeführten Experiment, aus dem zum Teil Fakten, Ereignisse und Problemstellungen in die Erzählung einflossen. Eine Verwandtschaft mit Big Brother kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass die Terranauten mit dem Einzug in die Ecosphere prinzipiell auch ihre Privatsphäre abgeben. Permanente Kameraüberwachung sowie die touristische und mediale Vermarktung lassen individuelle Wüsche und Bedürfnisse völlig in den Hintergrund rücken, es zählt allein die große, übergreifende Mission, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft nicht viel anderes als eine große PR-Show ist. Das wichtigste Ziel ist natürlich die dauerhafte absolute Isolation - nichts darf rein, nichts darf raus. Und so entspinnt sich ein Plot um die Frage, wie viel Menschen aushalten können, um der Menschheit einen Dienst zu tun.

Erzählt wir die Handlung aus drei unterschiedlichen Personen, zwei in, eine außerhalb der Ecosphere, sodass der Leser die Ereignisse einerseits innerhalb der hermetisch abgeriegelten Glaskuppel erlebt, aber ebenso von einer außenstehenden Sicht beleuchtet bekommt. Dadurch baut sich tatsächlich ein ziemlich realistisches Bild des gesamten Projekts auf. Der Leser steht dabei vor denselben sozialen, gesellschaftlichen und insbesondere moralischen bzw. ethischen Fragestellungen wie die Figuren hinter Glas - nur leider gelingt das T.C. Boyle nicht so richtig.

Zunächst einmal sind die drei Erzählperspektiven, obwohl es sich um völlig unterschiedlichen Charaktere handelt, ziemlich indifferent ausgestaltet. Zeitweise hatte ich tatsächlich vergessen, welche der drei Personen gerade berichtet, so ähnlich ist ihre Sprache, ihr Denken und natürlich das Themenspektrum. Was mich im Laufe des Lesens dann immer mehr gestört und zum Schluss sogar geradezu genervt hat, waren die dauernden Verweise auf zukünftiges Geschehen à la „Sie wissen ja, wie es ausgegangen ist.“. Das führte leider dazu, dass zu viele Ereignisse nur angedeutet und dann nicht zuende erzählt wurden, sodass ich mich irgendwann gefragt habe, was diese „Appetithäppchen“ eigentlich bewirken sollen. Am meisten hat mich allerdings das Ende enttäuscht. Normalerweise bin ich ein großer Fan von offenen Enden und mag den gedanklichen Spielraum, den ein Autor dem Leser dadurch lässt, aber dieser Roman endet einfach nur völlig unbefriedigend. Und das ist letztlich auch mein Eindruck, der nach der Lektüre übrig bleibt: Sie war unbefriedigend.

Fazit: Insgesamt konnte mich der Roman leider nicht überzeugen. Die vielen spannenden Ansätze, die meiner Ansicht nach enthalten sind, werden letztlich nicht zuende gedacht. Das eigentliche Experiment geht in zwischenmenschlichen Beziehungen verloren und bleibt dadurch eher oberflächlich. Insofern ist der Roman wie die darin beschriebene Ecosphere: Der Leser kommt nicht richtig rein - und langfristig kommt auch nichts dabei raus.

Die Terranauten - T. C. Boyle
Die Terranauten
von T. C. Boyle
(81)
Buch (gebundene Ausgabe)
26,00

Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird

FrauSchafski , am 23.04.2017

Wenn man die Vorgängerbände kennt, ist es ein Bisschen, als ob man alte Freunde wiedertrifft. So ging es mir auch mit dem nun dritten Band der „Post Mortem“-Reihe und ich hatte insbesondere zu Beginn das Gefühl, dass Rodericks Schreibstil ruhiger geworden ist, sich gefestigt hat. Die Kapitel sind etwas länger, die Handlung wirkt nicht mehr so gehetzt. Das tut dem Thriller gut, er büßt dadurch auch nicht an Spannung oder flüssiger Lesbarkeit ein. Damit bin ich allerdings schon am Ende der positiven Seiten.

Meine Hauptkritikpunkte gilt der Vielzahl der Themen, Grausamkeiten und Handlungssträngen, die aufgegriffen, aber nicht zuende geführt werden. Das ist sehr schade, denn da sind einige spannende Punkte dabei. Darüber hinaus erschienen mir mehrere Verhaltensweisen insbesondere von Emilia völlig unlogisch und unrealistisch. Ihr handeln spiegelt nicht die Interpolermittlerin mit jahrelanger Berufserfahrung wieder. Aber auch die Behörden selbst glänzen nicht gerade durch nachvollziehbare Vorgehensweisen. Einzig Avram als Profikiller ist sozusagen alles zuzutrauen und er kann als „Selbstständiger“ tun und lassen, was immer er will. Somit kann ich meine Kritik zumindest nicht auf seine Figur beziehen.

Im Mittelteil gibt es dann eine ganze Passage, die die Handlung prinzipiell überhaupt nicht weiterbringt. Dafür ist sie voller Effekte, Grusel und Brutalität, die entfernt an die „Saw“-Filmreihe erinnern. Und dann ist da das Ende - ein einziger Actionfilm, bei dem sich die Handlung nahezu überschlägt und immer noch ein Quäntchen mehr Gefahr auf die vorhergehenden Seiten gepackt wird, sodass der Showdown in meinen Augen einfach zu dick aufgetragen war. Neu ist das alles nicht - ich wurde bei nahezu jeder Szene an einen anderen Film erinnert, was den Thriller insgesamt natürlich einer breiten Masse gefügig macht. Insofern ist der Verweis des Klappentexts auf Mark Rodericks „fast filmische“ Erzählweise sicher richtig.

Fazit: Unter dem Stich bleiben zu wenig Finesse, zu wenig Tiefgang. Auch ein anderes Motiv außer Rache wäre spannend gewesen. Mark Roderick hat Potenzial, keine Frage. Leider will er nur zu viel. Etwas weniger Knalleffekte und dafür mehr Charakterausarbeitung und Hintergrundgeschichte - damit wäre einiges gewonnen. Für mich reicht die Reihe so weiterhin leider nicht über den passablen Durchschnitt hinaus.

Post Mortem - Tage des Zorns / Post Mortem Reihe Bd. 3 - Mark Roderick
Post Mortem - Tage des Zorns / Post Mortem Reihe Bd. 3
von Mark Roderick
(10)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Klassischer „Nur einer kann die Welt retten“-Plot

FrauSchafski , am 23.04.2017

Zack lebt mit seiner Mutter in einem verschlafenen Nest in den USA. Eigentlich ist Zack niemand besonderes. Bis auf die Tatsache, dass er der totale Sci-Fi-Geek ist und noch dazu unter den Top 10 der besten Armada-Spieler der Welt. Wer könnte auch ahnen, dass das Flugsimulationsspiel die Gamer auf den Ernstfall vorbereitet: Die Invasion der Erde durch feindliche Außerirdische ...

Ja, die Handlung klingt ziemlich 0/8/15 und ja, viele Überraschungen hat sie nicht im Gepäck. Zack entpuppt sich als Auserwählter und soll zusammen mit den anderen Spielern die Welt retten. So weit, so gut. Allerdings ist das durchaus amüsant zu lesen. Die Story entwickelt sich schnell und kurzweilig. Die Charaktere schließt man leicht ins Herz, auch wenn sie dem gängigen Gaming-Geek-Spektrum entspringen und nicht gerade als tiefgründig zu bezeichnen sind. Zack ist ein armer Kerl als Halbwaise, der nie seinen Vater kennengelernt hat. Aber das ist nicht kitschig dargestellt, sondern angenehm realistisch und bodenständig. Generell kommt das ganze Buch ohne großen Pathos, Gefühlsduseleien und Nationalpatriotismus aus, wovon Filme wie „Armageddon“ oder „Independence Day“ ja nur so triefen.

Am amüsantesten war für mich der ganze Nerd-Talk, auch wenn ich mich zeitweise durch die vielen Verweise auf Spiele, Filme und Serien, die ich nur zu einem kleinen Teil überhaupt kenne, etwas außen vor gefühlt habe. Aber dem Autor gelingt es, dass sich seine Figuren sehr selbstironisch darstellen und sich dadurch alles nicht so furchtbar ernst gestaltet. Daher konnte ich die vielen kleinen Schwächen mit einem Schmunzeln und Augenzwinkern einfach übergehen.

Bei all den bekannten Elementen war ich vom Ende hingegen angenehm überrascht - nicht, dass es ohne Schwächen war, aber es passte insgesamt gut zum Rest der Story. Der Kampf war nicht überzogen, die überraschende Wendung bezüglich des Motivs der Aliens war mal ein ganz anderer Ansatz, der sich nicht nur auf Gut gegen Böse beschränkt.

Fazit: Insgesamt war das eine runde Sache, ich wurde nett unterhalten, aber mehr auch nicht. Sozusagen ein Booksnack für Zwischendrin ;)

Armada - Ernest Cline
Armada
von Ernest Cline
(23)
Buch (Paperback)
14,99

In diesem Dorf hat jeder etwas zu verbergen

FrauSchafski , am 02.04.2017

In einem kleinen Bergdorf am Rand der Pyrenäen verschwinden zwei Mädchen im zarten Alter von 11 Jahren, ihr Fall wird nicht gelöst. Als fünf Jahre später auf einmal eine der beiden wieder auftaucht, werden die Ermittlungen erneut aufgenommen und eine fieberhafte Suche nach dem zweiten Mädchen beginnt.

Was den Leser in diesem Krimi erwartet, ist alles andere als eindimensional. Allein das Storysetting ist schon sehr gelungen: Ein einsam, abgeschiedenes Dorf mitten in den Bergen - das lässt eine geheimnisvolle, fast schon mystische Stimmung aufkommen, die sich während des gesamten Buchs aufrecht erhält. Nachdem die wichtigsten Figuren eingeführt werden, beginnt die Erzählperspektive immer schneller zu wechseln und springt zwischen vielen verschiedenen Figuren hin und her. So setzt sich fast wie bei einem Puzzle Teilchen für Teilchen das Bild der Dorfes, seiner Bewohner und nicht zuletzt des Rätsels um die verschwundenen Mädchen zusammen. Für den ein oder anderen Leser mag die Vielfalt der auftretenden Personen allerdings anstrengend sein und auch ich muss gestehen, dass ich mehr als einmal die Namen durcheinander geworfen habe. Dennoch war ich sehr davon beeindruckt, wie Martinéz das Bild von Monteperdido und seinen Bewohnern entstehen lässt. Jeder scheint ein Geheimnis zu haben und dadurch ist auch irgendwie jeder verdächtig. Immer wenn die Ermittlungen sich voranzubewegen scheinen, passiert etwas völlig unerwartetes und wirft alle bisherigen Vermutungen über einen Haufen. Das ist spannend und macht großen Spaß. Gleichzeitig sind die Gefühle der Personen geradezu spürbar und decken nahezu die gesamte Bandbreite von Trauer, Angst, Wut, Liebe, Hass bis zu Verzweiflung ab. In diesem Dorf sind alle Täter und Opfer zugleich, was bei mir einen absolut realistischen Eindruck hinterlassen hat.

Fazit: Dieser Krimi hat mich positiv überrascht und konnte mich von der ersten Seite an packen. Das liegt vor allem daran, weil er nicht nur auf das Rätsel um das Verschwinden der beiden Mädchen fokussiert ist, sondern ganz hervorragend die Atmosphäre dieses abgeschiedenen Dorfes und seiner Bewohner zeichnet und darüber hinaus auch noch absolut unvorhersehbar ist. Für diese vielschichtige Darstellung gibt es von mir verdiente vier Sterne.

Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen - Agustín Martínez
Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen
von Agustín Martínez
(30)
Buch (Paperback)
14,99

Wärst du für den Ernstfall vorbereitet?

FrauSchafski , am 12.03.2017

Wie aus dem Nichts gehen innerhalb kürzester Zeit in Europa die Lichter aus. Ein Blackout - der Zusammenbruch der gesamten Stromversorgung - versetzt den Großteil des Kontinents in den Ausnahmezustand. Die Regierungen wagen es nicht, sich auszumalen, welche Folgen ein längeres Andauern dieses Zustands haben wird, bis sie feststellen müssen, dass sie es nicht ohne Weiteres schaffen werden, den Normalzustand wiederherzustellen.

Beängstigend - nichts anderes ist das Szenario, welches Marc Elsberg in seinem Roman entwirft. Hervorragend recherchiert und detailliert dargestellt erfährt der Leser nicht nur, wie das europäische Stromnetz aufgebaut ist und wie kompliziert unsere so selbstverständliche Stromversorgung eigentlich ist. Nein, er erfährt auch, welche absolut katastrophalen Folgen ein dauerhafter Wegfall dieser Versorgung haben würde. Innerhalb kürzester Zeit herrscht der Ausnahmezustand, das öffentliche Leben bricht völlig zusammen, der nackte Überlebenskampf beginnt. Unvermittelt müssen wir uns fragen: Wären wir auf einen solchen Fall vorbereitet, wie es die Bundesregierung erst 2016 kürzlich in ihrem neuen Sicherheitskonzept empfohlen hat. Und ich vermute, die meisten würden ebenso kalt erwischt wie die vielen Figuren in diesem Roman.

Ja, es sind wirklich sehr viele unterschiedliche Personen, die noch dazu an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Ländern mit den Folgen des Blackouts zu kämpfen haben. Natürlich will der Autor so ein möglichst breites Bild des Ausmaßes zeigen, aber den Überblick zu behalten, fällt dem Leser dabei wirklich schwer. Hinzu kommt, dass sich Elsberg irgendwann in den Schilderungen der furchtbaren menschlichen Tragödien zu verlieren droht. Die Handlung gerät über mehrere hundert Seiten ins Stocken, sodass ab einem bestimmten Punkt die Auflösung herbeigesehnt wird - Hauptsache, das Elend möge endlich ein Ende haben.

Fazit: Die Leistung des Autors liegt sicher nicht in einer besonders herausragenden Erzählweise. Aber sie liegt im aufklärenden Aspekts der hervorragend recherchierten Hintergründe. Nach der Lektüre kann niemand mehr die Verfügbarkeit von elektrischem Strom als selbstverständlich ansehen und wird genau überlegen, ob er im Notfall für eine solche Katastrophe gerüstet wäre. Allein das sind mir vier Bewertungssterne wert.

BLACKOUT - Morgen ist es zu spät - Marc Elsberg
BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
von Marc Elsberg
(190)
Buch (Klappenbroschur)
10,99

Oh nein, was sollen wir jetzt bloß tun?!

FrauSchafski , am 12.03.2017

Mein erstes Buch von Kai Meyer und zugleich mein erster Sci-Fi-Roman. Warum nicht, dachte ich mir, da ich das Genre in seiner filmischen Umsetzung doch sehr schätze. Und so hielt ich direkt am Erscheinungstag dieses zugegebenermaßen wunderschön gestaltete Buch in den Händen. Allein das Cover in changierenden Blautönen mit goldenen und blau-silber gehaltenen Grafiken und Illustrationen macht schon so Einiges her. Den nächsten Wow-Effekt erlebte ich dann beim Aufschlagen der ersten Seiten: Dort findet man beeindruckende Bleistiftillustrationen, die sofort die Neugier auf die dahinter stehende Geschichte wecken.

Die Welt, die Autor Kai Meyer in seinem Roman erschafft, ist nichts anderes als absolut beeindruckend, ideenreich und phantasievoll. Auch versteht er es ganz wunderbar, die passenden Bilder in den Köpfen seiner Leser entstehen zu lassen. Für diese Gabe hat er meinen größten Respekt. Wie so oft, kommt an dieser Stelle mein großes Aber. Insgesamt gesehen ist das Buch für mich eine kleine Mogelpackung. Über hunderte Seiten entwickelt sich die Handlung furchtbar müßig. Die Hauptfigur Iniza und ihre Mitstreiter geraten von einer schier ausweglosen Situation in die nächste. Es wird gekämpft, geflohen, die Lasersalven fliegen uns nur so um die Ohren. Das sind Hollywood-Effekte par excellence. Häufig gelingt es ihnen mit mehr Glück als Verstand zu entkommen, nur um hinter der nächsten Ecke in die nächste Sackgasse nur dieses Mal mit anderen Gegner zu geraten. Ab der Mitte des Buches wird es dann endlich besser, weil der Autor sich auf das konzentriert, was ihm eigentlich liegt: Komplexe Welten zu erdenken, in denen geheimnisvolle Wesen in den unendlichen Weiten des Alls warten und jahrhundertealte Rätsel gelöst werden wollen. Leider ist das Buch genau dann zuende, wenn es endlich interessant wird und nachdem zu Beginn nicht genug gekämpft werden konnte, ist der „Endkampf“ vergleichsweise unspektakulär und schnell beendet.

Fazit: Für mich zieht sich die Effekthascherei vom Cover über die Illustrationen durch die gesamte Handlung und verdeckt nach außen damit einen schwachen oberflächlichen Aufbau, der an den Stellen, wo es wirklich interessant wird, den Leser einfach leer ausgehen lässt. Ich bin mir sicher, dass viele Leser großen Spaß mit diesem Buch haben werden, bei mir bleibt leider der Eindruck der oben erwähnten Mogelpackung übrig. Für die beeindruckende Phantasiewelt bekommt der Roman von mir dennoch, wenn auch schwache, drei Sterne.

Die Krone der Sterne - Kai Meyer
Die Krone der Sterne
von Kai Meyer
(102)
Buch (Paperback)
14,99

Nette Idee, leider mit überzogenem Ende

FrauSchafski , am 05.02.2017

Ganz ehrlich, aber das beste an diesem Buch ist das Cover, das auch der Hauptgrund war, warum ich es unbedingt lesen wollte. Okay, so richtig habe ich es nicht bereut, aber - das gleich vorneweg - etwas Besonderes ist es nicht.

Die Grundidee fand ich jedoch ganz interessant: „Saeculum“, eine mittelalterliche Rollenspielgruppe, begibt sich einmal im Jahr an einen völlig abgeschiedenen Ort, um dort wie im 14. Jahrhundert zu leben. Und so macht sich die Gruppe junger Erwachsener auf in ein bayerisches Waldstück, auf dem ein Fluch liegen soll. Nach diesen fünft Tagen werden sich die Mitglieder wünschen, sie wären zu Hause geblieben.

Ja, richtig gelesen. Die Handlung lässt definitiv an Blair Witch Projekt denken und das ist per se erst einmal ja nicht schlecht. Denn wer hat sich bei diesem Film nicht ordentlich gegruselt. Und auch in ihrem Buch versucht die Autorin, ihren Leser das Fürchten zu lehren. So richtig mag es ihr leider nicht gelingen. Als aufgeklärter Mensch vermutet man hinter all den merkwürdigen Ereignissen schnell ein handfesteres Motiv. Die Charaktere sind in ziemlich stereotype Rollen gepresst, „der Schönling“, „die Abergläubige“, „die Außenseiterin“, „der Dicke“, um nur ein paar von ihnen zu nennen. Also verhalten sie sich auch ganz nach ihren Rollenbildern. Das macht es für den Leser leider zwischenzeitlich ziemlich ermüdend und anstrengend, denn große Charakterentwicklungen sind hier nicht zu erwarten. Auch leiden die Dialoge unter diesen Rollenprinzipien ebenso wie unter dem Umstand, dass gefühlt ewig um den ein oder anderen Umstand herumdiskutiert wird, bevor es endlich mit der Handlung weiter geht. Das Ende ist wenig überraschend, ziemlich überzogen und konstruiert. Der Leser kann es zwar nicht sicher voraussagen, aber er wird relativ früh die richtige Ahnung haben.

Fazit: Unterhaltsam sind die Bücher von Ursula Poznanski eigentlich immer, was vor allem ihrem Schreibstil zu verdanken ist. Allerdings hätten 100 Seiten weniger der Handlung gut getan. So gibt es von mir gerade noch so knappe drei Sterne.

Saeculum - Ursula Poznanski
Saeculum
von Ursula Poznanski
(103)
Buch (Taschenbuch)
14,95

Komplex, intelligent, hochspannend

FrauSchafski , am 05.02.2017

Die Handlung dieses Thrillers zu umreißen, ist nahezu unmöglich. Seite für Seite bauen sich die komplexen Handlungsstränge auf, berühren sich, gehen wieder auseinander, brechen ab, um zum Ende schließlich zusammenzulaufen. Den Überblick zu behalten, ist eine Herausforderung, aber eine, die sich absolut lohnt. Denn was der Autor hier an überzeugend recherchierten Fakten bietet, lässt uns ganz tief eintauchen in das Milieu der Geheimdienste, Drogenmafia und Führungspolitik. Korruption, Vetternwirtschaft, Intriegen malen ein erschreckendes Bild der Bundesrepublik Deutschland und diverser anderer Staaten. Was die Handlung so erschreckend macht, ist der Umstand, dass sie so authentisch und faktenreich geschildert ist, dass der Leser gar nicht ander kann, als zu glauben, dass solch eine Geschichte jederzeit geschehen kann oder vielleicht bereits geschehen ist. Wer „House of Cards“ zu schätzen weiß, für den ist dieser Thriller ein Muss. Die vielen Charaktere sind absolut authentisch, menschlich, nachvollziehbar gezeichnet, in beruflichem wie prvatem Umfeld. Die Dialoge schonungslos und teilweise mit bissigem Humor ausgestattet. In rasanten Wechseln spielt die Handlung mal in Deutschland, Russland, den USA oder einem anderen Land.

Dieses Buch gehört jedoch nicht zur leichten Lektüre, es mal eben nebenbei zu lesen, funktioniert nicht. Und gerade der Umstand, dass ich mich durchbeißen musste und jederzeit konzentriert gelesen habe, macht für mich den großen Reiz aus. Knapp 800 Seiten habe ich gekämpft, um den Überblick über die vielen Personen und Handlungsstränge zu behalten, ganz zu schweigen von den vielen, vielen Informationen. Aber am Ende bleibt mir nun eine große Portion mehr Wissen über die Funktionsweise der Mafia, der Geheimdienste und nicht zuletzt über politische Vorgänge. Diese Thematik muss man mögen, darauf muss man sich einlassen wollen. Aber es lohnt sich!


Fazit: Ich habe jede einzelne Seite dieses Buches genossen. Eben weil ich mich durchbeißen musste und all die vielen Informationen meine volle Aufmerksamkeit beansprucht haben. Genau das macht diesen tiefgründigen Thriller zu etwas Besonderem, dass er nicht dem leichten Lesevergnügen dient und sich dadurch nachhaltig einprägt. Andreas Pfüger ist definitiv ein Autor, dem mehr Aufmerksamkeit gebührt.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Operation Rubikon - Andreas Pflüger
Operation Rubikon
von Andreas Pflüger
(11)
Buch (Paperback)
14,95

Geheimnisvoll bis zum Schluss

FrauSchafski , am 29.01.2017

Im dritten Fall des Ermittlerduos Bea Kaspary und Florin Wenninger werden die beiden zu einem Todesfall in einer psychiatrischen Klinik gerufen. Ein Arzt wurde tot in einem Behandlungszimmer aufgefunden - vermutlich ermordet. Nun beginnt die Suche nach dem Täter, die vor dem Hintergund der geistig verstörten Patienten die Ermittler vor eine echte Herausforderung stellt.

Mordfälle, die in Psychiatrien spielen, haben eine ganz eigene, irgendwie weltentrückte Faszination. Denn diese merkwürdigen Orte scheinen fast jenseits der Realität zu exestieren, weil die Bewohner ganz anders „ticken“ und irgendwie in ihrer eigenen Welt leben. Und so verleiht das Setting auch diesem Thriller eine ganz besondere Atmosphäre. Die Aussagen der Patienten sind kryptisch und werfen weit mehr Fragen auf, als sie beantworten. Darüber hinaus erscheint das Klinikpersonal auch irgendwie verdächtig. Da ist es spannend zu beobachten, auf welche Weise sich Bea und Florin der Lösung des Falls anzunähern versuchen. Vor diesem Hintergrund ist es auch für den Leser absolut unmöglich, irgendwelche sinnvollen Vermutungen auf Motiv und Täter hin zu unternehmen. So wird er bis zur Auflösung selbst in völligem Dunklen tappen und eine - wie erhofft - überraschende Wendung erleben.

Fazit: Poznanskis Schreibstil ist bestens geeignet für klassische Pageturner. Die Seiten fliegen nur so dahin und man könnte das Buch ohne Probleme im einem Rutsch auslesen. Kurzweilige Unterhaltung par excellence.
Allein Beas Privatleben steht für meinen Geschack zu sehr im Mittelpunkt und ihr Verhalten macht es mir weiterhin sehr schwer, echte Empathie für sie zu entwickeln. Dieser Umstand mindert das Lesevergüngen doch etwas, sodass es von mir letztlich nur zu 3,5 Sternen reicht.

Stimmen / Beatrice Kaspary und Florin Wenninger Bd. 3 - Ursula Poznanski
Stimmen / Beatrice Kaspary und Florin Wenninger Bd. 3
von Ursula Poznanski
(58)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Dieses Buch hallt lange nach

FrauSchafski , am 29.01.2017

Es kommt nicht oft vor, dass es ein Autor mit einer so schlichten Erzählweise schafft, den Leser ganz in den Bann der Geschichte zu ziehen. Diese Buch ist ein solcher Glücksgriff.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Auf der Suche nach ihrer dorgensüchtigen Mutter, rettet die 16-jährige Percy ein vernachlässigtes Baby aus dem Haus eines Drogendealers. Zusammen mit ihrem väterlichen Freund Portis macht sie sich im dicksten Schneegestöber auf, um die kleine Jenna in das rettende Krankenhaus zu bringen.

So simpel die Rahmenhandlung ist, so tiefgründig ist sie in ihrer Umsetzung. Der Autor fordert seinem Leser dabei starke Neven ab. Denn man ist zu jeder Zeit emotional völlig involviert, zittert, bangt und leidet mit. Die Darstellung der Ereignisse ist zweitweise sogar so drastisch, dass man sich fast zwingen muss weiterzulesen, so groß sind Wut und Bestürzung. All das geschieht ohne tiefgründige Dialoge, ausschweifende Charakterdarstellungen, verschnörkelte Beschreibungen. Die Einfachheit ist die eigentliche Stärke des ganzen Romans. Und so trifft der Leser mit Percy und Portis auf zwei absolut liebenswürdige Charaktere, die ihr Herz am richtigen Fleck haben und noch lange in Erinnerung bleiben werden. Gemeinsam mit der 16-jährigen Percy wird er erwachsen werden, sein eigenes Schicksal in die Hand nehmen, über sich hinaus wachsen. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse, hier zeigt sich das Leben in all seinen schönen und auch schrecklichen Facetten. Und wer will, kann zwischen den Zeilen auch noch ganz viel Gesellschaftskritik herauslesen.

Meine einzige Kritik gilt dem Klappentext, insbesondere im inneren Einband. Nicht nur, dass hier meiner Meinung nach zu viel von der Story verraten wird, wie der Roman dort verkauft wird, vermittelt ein völlig anderes Bild und wird der eigentlichen Qualität nicht gerecht.

Fazit: Dieser herzerwärmende und gelichzeitig auch herzzereißende Roman ist ein kleines Juwel unter den vielen Debütromanen, die jährlich erscheinen. Lernt Percy und Portis kennen, durchlauft mit ihnen diese emotionale Achterbahn, es lohnt sich sehr. Chappeau für dieses gelungene Debüt!

Sweetgirl - Travis Mulhauser
Sweetgirl
von Travis Mulhauser
(72)
Buch (Paperback)
14,90