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friederickes Bücherblog aus Berlin

Gesamte Bewertungen 104 (ansehen)


Über mich:
Friederickes Bücherblog stellt Bücher vor und veröffentlicht Rezensionen. Zwei fachlich kompetente Kolleginnen rezensieren gerne dein Buch in unserem Blog.

Meine Bewertungen

Begegnung mit Gott

friederickes Bücherblog aus Berlin , am 21.02.2017

Cover:

Das Cover zeigt ein künstlerisch gestaltetes Motiv von Jesus am Kreuz. Nach meiner Interpretation wird Jesus durch seine Gesichtslosigkeit und die Unterbrechungen des Motivs durch Quer- und Längsbalken hier ein wenig geheimnisvoll und als etwas schwer Greifbares dargestellt. Ich finde das Coverbild auf jeden Fall passend und dem Thema zugewandt.


Die Geschichte:

Fritz Loser erzählt sein Leben, er berichtet über seine Kindheit, seine Jugend, seine Erlebnisse am Arbeitsplatz und die Schicksalsmomente, die sein Leben verändern, und seine daraufhin erfolgte Zuwendung zu Gott.


Meine Meinung:

Wahre Geschichten sind so, wie sie sind. Geschichten, die das Leben geschrieben hat, kann man nicht spannender machen. Man kann sie auch nicht entspannter daherkommen lassen, wenn das Leben – so wie das von Fritz Loser – nun einmal hart gewesen ist. Deshalb möchte ich die vorliegende Geschichte als solche einfach so aufnehmen, wie der Autor sie erlebt hat und in seinem Buch beschreibt. Er hatte kein einfaches Leben, es war von Rückschlägen, Krankheiten und Schicksalsschlägen geprägt.

Was ich aber in einer Rezension machen kann und muss, ist die Erzählweise und die schreibtechnische Umsetzung zu beleuchten.

Das Buch ist in der „Ich“-Form geschrieben, und ich fand es als Leserin äußerst anstrengend, mit Abkürzungen wie Herr St., Herr R. oder Herr S. klarkommen zu müssen, und das sowohl in den erzählenden Passagen als auch in den wenigen Dialogen. Das Buch wäre angenehmer zu lesen gewesen, wenn die Personen alle einen Namen gehabt hätten – egal ob ihren richtigen Namen oder, um sie zu schützen, einen erfundenen. Hinzu kam, dass nicht immer auf Anhieb ganz deutlich wurde, wer nun gerade das Wort ergriff.

Im ersten Teil des Buches geht es um den Verlust des Vaters, die Kindheit, die Ausbildung und die Probleme mit den Kollegen. Hier hat mir auch ein Hinweis gefehlt, ob und wie das Kind Fritz an das Gebet und den Glauben an sich herangeführt wurde, was ja eigentlich die Basis für die späteren Ereignisse darstellte. Das kam erst ziemlich weit hinten und ging für meinen Geschmack fast ein bisschen unter.
Im zweiten Teil erfährt man alles über die Krankheiten, von der Jugend bis zur Ehe. Auch nicht so gut hat mir gefallen, dass die Chronologie der Ereignisse, gerade auch bei den Erkrankungen, öfter mal zeitlich unsortiert hin und her sprang. Der Autor berichtet über die Schicksalsschläge, die zweimal zu lebensbedrohlichen Situationen führten und kurz vor einer OP dann die geistige Begegnung auslösten. Dies alles hätte meines Erachtens doch etwas intensiver und ausführlicher beschrieben werden können, um die Leser tiefer in die unterschiedlichen Seelen blicken zu lassen. Damit hätte auch der dritte Teil des Buches, der die Hommage an Gott erklärt, für die Leser, die in ihrer inneren Vorstellung nicht so nah dran sind, etwas begreiflicher gemacht werden können. Ein ereignisreiches Leben lässt sich schwer auf etwas mehr als siebzig Seiten unterbringen, ohne tiefergehende Abstriche machen zu müssen.

Mein Fazit: Ich weiß, dass man geistige Begegnungen nur sehr schwer greifen kann und viele Menschen, die so etwas erlebt haben, dann lieber verschämt schweigen oder nur abgeschwächt davon berichten. Und zwar deshalb, weil etwas Mystisches, das zwischen Himmel und Erde geschieht, nicht einfach mal so erklärt werden kann.

Ich wünsche dem Buch, dass es viele Leser findet, zum Nachdenken und Nachfühlen anregt, dass es Mutlosen Kraft gibt, sie stärkt und dass sie eine Zuflucht und Halt in ihrem jeweiligen Glauben finden.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Eine Hommage an Gott - Fritz Looser
Eine Hommage an Gott
von Fritz Looser
(2)
Buch (Taschenbuch)
7,90

Typisch bayrisch mit Herz und Humor

friederickes Bücherblog aus Berlin , am 13.02.2017

Cover:

Das Cover ist vom Stil angelehnt an den Roman „Liebesschmarrn und Erdbeerblues“, ebenfalls von Angelika Schwarzhuber. Es werden nur sehr wenige, kleine Bildmotive verwendet – lediglich ein Blütenzweig (vermutlich von Oma Bertas Zwetschgenbaum) sowie zwei Hühner mit einem Herzchen. Doch mehr braucht es gar nicht. In Verbindung mit der verschnörkelten, etwas altmodisch (im positiven Sinne!) wirkenden Schrift zeigt das Cover ganz genau, was den Leser im Buch erwartet: eine romantische Geschichte vom Lande mit viel Herz und Charme. Auch die Innenseiten des Buches sind im Stil des Covers liebevoll gestaltet.

Die Geschichte (Spoiler!):

Die Geschichte handelt von Hanna, Single und Inhaberin der Agentur „BeauCadeau“ in München, die für ihre Kunden außergewöhnliche Geschenke organisiert. Eines Tages erhält sie einen wichtigen Großauftrag: Sie soll für die Ehefrau eines reichen Unternehmers das Geschenk finden, das sich diese am allermeisten wünscht – für eine Provision von 100.000 Euro wohlgemerkt.
Als kurze Zeit später Hannas Großmutter Berta stirbt, macht sich Hanna auf den Weg in das kleine Dorf in der Nähe von Passau, wo Oma Berta gelebt hat und wo auch Hanna selbst aufgewachsen ist. Dort trifft sie unter anderem ihren Cousin Max wieder, mit dem sie eine unbeschwerte Kindheit verbracht hat. Doch plötzlich wird aus dem guten Freund von damals ein „Rivale“, denn Oma Berta hat Hanna ihren Bauernhof und eine beträchtliche Summe Bargeld vermacht – unter einer Bedingung: Hanna muss auf den Hof ziehen und innerhalb von drei Monaten einen Landwirt heiraten, sonst fällt das Erbe an Max.
Für Hanna steht fest: Sie will alles versuchen, um die Auflagen der Erbschaft zu erfüllen – nicht zuletzt um ihre Firma zu retten, die durch den Großauftrag inzwischen in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Doch woher einen Landwirt zum Heiraten nehmen? Schließlich gibt sie sogar unter dem Motto „Frau sucht Bauer“ eine Annonce auf. Daraufhin tauchen verschiedene Bewerber bei ihr auf, unter anderem der gutaussehende Alex, der jedoch etwas zu verbergen scheint. Ob er der Richtige zum Heiraten ist?
Natürlich gibt es wie in jedem guten Liebesroman vor dem Happy End noch ein paar Turbulenzen, nicht zuletzt weil Max alles daran setzt, Hannas Hochzeit zu verhindern – und das aus einem ganz anderen Grund, als man zuerst vermuten mag.

Die Geschichte um Hanna und ihre mögliche Erbschaft wird immer wieder durch einzelne Szenen unterbrochen, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Hanna zu tun haben. Darin geht es um einen jungen Mann, Wolfgang, der alleine in den Bergen unterwegs ist, während einer Rast seiner großen Liebe einen Brief schreibt und kurz darauf in ein Unwetter gerät. Viele Jahre später finden zwei Wanderer seinen Rucksack und beschließen, ihn an die Anschrift zu senden, an die auch Wolfgangs Brief adressiert war. Erst relativ spät im Buch wird der doch etwas überraschende Zusammenhang zwischen Wolfgangs und Hannas Geschichte aufgedeckt.

Meine Meinung:

Dies ist nach „Liebesschmarrn und Erdbeerblues“ und „Servus heißt vergiss mich nicht“ schon der dritte Roman, den ich von Angelika Schwarzhuber gelesen habe. Obwohl alle drei Romane in sich abgeschlossen sind, empfiehlt es sich, sie in der Reihenfolge zu lesen, in der sie auch erschienen sind, denn teilweise tauchen Figuren aus den vorherigen Büchern im aktuellen Band wieder auf. Vor allem sollte man erst „Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück“ lesen und danach dann „Servus heißt vergiss mich nicht“ (ich habe das leider genau umgekehrt gemacht). Diese beiden Romane weisen doch eine gewisse Verbindung auf, was die Figuren und die Rahmenhandlung mit der Agentur „BeauCadeau“ anbelangt.

Wie schon die anderen beiden Romane hat mich auch „Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück“ mit nur ganz wenigen Abstrichen nicht enttäuscht. Der lebendige, sehr humorvolle, locker-leichte Schreibstil der Autorin macht es einem einfach, in das Buch einzutauchen und sich beim Lesen wohlzufühlen. Allerdings hätte es für meinen Geschmack ruhig etwas mehr bayerische Mundartausdrücke geben dürfen, um den regionalen Bezug des Romans noch deutlicher zu machen. Dennoch hat die Autorin das bayerische Lebensgefühl und die Charakteristika von Land und Leuten sehr gut herausgearbeitet. Die Schauplätze passen optimal zur Geschichte und sind anschaulich beschrieben, alle Figuren (sogar die Randfiguren) wirken authentisch mit einer eigenen Persönlichkeit. Hannas Mutter konnte ich zu Beginn wenig Sympathie entgegenbringen, was sich jedoch am Ende des Buches gebessert hat und von der Autorin wahrscheinlich auch so beabsichtigt war.

Hannas Suche nach dem perfekten Heiratskandidaten wird mit viel Humor und auf eine lebendige, anschauliche Weise erzählt. Zwischendurch hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Suche doch ein wenig zu sehr in die Länge gezogen wird, da hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Gerne hätte ich immer mal wieder Hanna ein wenig auf die Sprünge geholfen. Das lag vielleicht auch daran, dass für mich ab einem gewissen Punkt schon vorhersehbar war, ob und mit wem Hanna ihr Happy End finden wird, und ich dann eigentlich nur noch darauf gewartet habe, wie sich das ganze Durcheinander auflöst. Auch konnte ich mir beim Lesen schon sehr früh denken, wer für die Sabotageakte gegen Hanna verantwortlich ist – das konnte eigentlich nur auf eine Person hinauslaufen. Demgegenüber wurde erst relativ spät aufgedeckt, wodurch Hannas Happy End schließlich ermöglicht wird und wie das alles mit der separaten Geschichte rund um Wolfgang zusammenhängt. Diese Überraschung am Schluss hat mich dann auch wieder weitgehend mit der leichten Langatmigkeit, die zwischendurch herrschte, versöhnt.

Alles in allem handelt es sich um einen sehr flüssig, eindrücklich und humorvoll geschrieben Liebesroman. Der Autorin gelingt es mit ihrer charmanten, herzlichen Erzählweise sehr gut, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, der man sich als Leser nur ungern entziehen mag.
Daher gibt es von mir für dieses Buch eine klare Leseempfehlung.

Susanne von „friederickes Bücherblog“


Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück - Angelika Schwarzhuber
Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück
von Angelika Schwarzhuber
(5)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Vier Frauenleben in Hamburg und 100 Jahre Deutschland

friederickes Bücherblog aus Berlin , am 08.02.2017

Cover:

Vier junge Frauen in den zwanziger Jahren entspannt und ausgelassen an der Alster in Hamburg. Das schwarz weiß Foto unterstreicht die Zeit in der die Geschichte anzuordnen ist. Zusammen mit dem Klappentext und meine Liebe zum Zwanzigsten Jahrhundert hat mich das Buch neugierig gemacht

Die Geschichte (Spoiler!):

Vier junge Frauen sind miteinander befreundet und erleben Höhen und Tiefen, sowie zwei Weltkriege. Ihre Herkunft und ihre Lebenswege sind total unterschiedlich und beinhalten alles was in dieser Zeit möglich war. Dazu gehörte die Inflation, Hitlers Machtübernahme, die Judenverfolgung, Krieg und Bomben. Eine Zeit die den Menschen alles abverlangte. Und trotzdem ging es Liebe, um die Hochzeit, es kamen Kinder, sie lebten Affären und in dieser Zeit auch verbotene Beziehungen.
Die Autorin nimmt uns mit in die Leben von Henny und Käthe die als Hebammen in der Frauenklinik arbeiten. Wir sind dabei, wenn Lina als Lehrerin arbeitet und Ida ihre Ehe hinter sich lassen möchte.

Meine Meinung:

Das Buch ist in flüssigem und verständlichem Schreibstil geschrieben. Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet. Das gilt auch für die vielen Nebenfiguren. Die Schauplätze in Hamburg sind ausführlich und im Detail geschildert, sodass ich auch als Nicht Hamburgerin prima durch die Stadt flanieren konnte. Die Geschichte selbst ist wunderbar in den geschichtlichen Kontext eingebunden, was eine sehr gute Recherche der Autorin beinhaltet. Die häufigen Perspektivwechsel lassen das Buch kurzweilig erscheinen und laden dazu ein neugierig zu bleiben und weiterlesen zu wollen.

Was ich allerdings etwas anstrengend fand, waren die wechselnden Ansprachen der Figuren. Die Autorin hat mal den Vornamen und dann mal wieder nur den Zunamen benutzt, sodass inclusive der vielen Nebenfiguren sehr viele Namen unterschiedliche herumschwirrten, die ich immer mal wieder zuordnen musste.
Nicht ganz so gut gefiel mir auch, dass ich zum Beispiel gerade eingetaucht war in das Leben einer der Frauen, da war es schon wieder abrupt zu Ende und ich stand im Wohnzimmer der Nächsten, dann aber auch noch gleich ein oder zwei Jahre später. Der kürzeste Einblick den ich hatte, war an einer Stelle nur wenige Zeilen. Das verhinderte natürlich stellenweise auch den Tiefgang und gelegentlich auch die tiefgründige Emotion.

Aber, es ist ein sehr schönes und ein spannendes Buch, das mich gefesselt und mich über Jahrzehnte in die Geschichte der Zeit mitgenommen hat. Man darf auf den zweiten Teil gespannt sein. Deshalb bekommt es von mir eine Leseempfehlung.

Friedericke von „friederickes Bücherblog

Töchter einer neuen Zeit / Jahrhundert-Trilogie Bd.1 - Carmen Korn
Töchter einer neuen Zeit / Jahrhundert-Trilogie Bd.1
von Carmen Korn
(56)
eBook
9,99

Ein Buch mit Höhen und Tiefen

friederickes Bücherblog aus Berlin , am 27.01.2017

Das Cover
Das Cover zeigt mit dem Meer, dem Boot und der rauen Küste die Bretagne und lädt mit seinen harmonischen Farben natürlich sofort ein, sich auf diese Reise zu begeben. Eine Reise zu einer einsamen Insel, die der Klappentext als märchenhaft beschreibt.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler)
Emma wird von ihrem Ehemann für einige Wochen auf eine kleine Insel geschickt. Sie hat ihren kleinen Sohn Camille dabei, der sich im Gegensatz zu ihr sofort in diese Insel verliebt, während sie selbst mit ihrem Schicksal hadert, unzufrieden ist und ein Geheimnis mit sich herumträgt. In dieser Zeit steht den beiden die Restaurantbesitzerin Armelle zur Seite und versucht, sich in sie einzufühlen. Auch der Seemann Ronan kümmert sich um sie, und der Musiker Louis-Camille findet einen Zugang zu Camille, der sich viel selbst überlassen bleibt.

Meine Meinung
Das Buch ist in der Gegenwart geschrieben und mit seiner ausladenden Umschreibung der Situationen, Dinge und Geschehnisse in einer sehr poetischen Sprache verfasst. Da Emma sehr oft in ihrer Gedankenwelt unterwegs ist und sich die Autorin, was die Spannung anbelangt, über mehr als hundert Seiten sehr zurückhält, passiert lange Zeit doch recht wenig.
Hinzu kommt, dass der kleine Camille, von dem man weiß, dass er für sein Alter viel zu klug ist, ebenso erwachsen und poetisch denkt und fühlt wie seine Mutter (eine Erwachsene). Dies hat mich sehr irritiert, weil so gut wie kein kindliches Verhalten eines kleinen Jungen zu erkennen war. Emma selbst war mir in dieser Phase überhaupt nicht sympathisch, sie war auch keine gute Mutter, und ihre Gedanken drehten sich vermeintlich um so wenig, dass ich nicht wusste, was da noch kommen soll. Außerdem fragte ich mich, wieso sich eine Frau von einem Ehemann auf eine Insel schicken lässt, wo sie doch offensichtlich gar nicht dort hingehen wollte. Auch der Seemann Roman und der Musiker Louis-Camille hatten ihre persönlichen und psychischen Pakete zu tragen, was die Sache nicht einfacher machte.

Und dann, als bei mir die Enttäuschung schon um sich gegriffen hatte, geschah plötzlich etwas, das die ganzen Protagonisten aufrüttelte, der Geschichte Leben einhauchte und sie voranschreiten ließ. Auf einmal fing ich an, die Figuren zu mögen, sie zu verstehen, sie zu bewundern und zu bedauern. Es kam all das an Spannung, was ich mir schon viele Seiten zuvor gewünscht hatte. Am Ende gab es auch noch ein gefühlt gewünschtes Ergebnis. Damit bin ich mit dem Buch versöhnt und kann alles in allem – nicht zuletzt wegen der schönen Beschreibungen der Insel und der Landschaft – eine Leseempfehlung aussprechen.

friedericke von "friederickes Bücherblog"

Zwischen Himmel und Meer - Françoise Kerymer
Zwischen Himmel und Meer
von Françoise Kerymer
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Die Sehnsuchtsfalle

friederickes Bücherblog aus Berlin , am 19.01.2017

Klappentext
Als Rita kurz vor dem Abi den aus Ghana stammenden Studenten Tony kennenlernt, ist es die große Liebe. Sie wird schwanger, doch Tony muss zurück in seine Heimat. Jahre vergehen, bis sie sich wiedersehen. Rita kann ihr Glück kaum fassen, aber es ist nur von kurzer Dauer. Tony stirbt bei einem Autounfall. Und weil sie blind vor Kummer ist, wird sie in Brasilien in eine Falle gelockt: Man erwischt sie mit einer großen Menge Kokain und verhaftet sie. Damit gerät Rita in eine Hölle, aus der es kein Entrinnen gibt …

Die Autorin

Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit ihren zahlreichen Romanen von „Die Champagner-Diät“ und „Verwechseljahre“ bis „Eine Handvoll Heldinnen“ sensationellen Erfolg hatte. Auch mit ihren Tatsachenromanen „Der Mann, der wirklich liebte“, „Die Frau, die zu sehr liebte“ und „Kuckucksnest“ eroberte sie die SPIEGEL-Bestsellerliste. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

Das Cover

Das Cover wurde nach meiner Meinung sehr gut gewählt. Die warmen Farben harmonieren mit der untergehenden Sonne. Die junge Frau blickt seitlich auf das Meer und assoziiert die Suche nach Hoffnung, wo doch der Klappentext die Hölle ankündigt.

Die Geschichte (Spoiler!)

Rita Rosario lernt den Studenten Tony aus Ghana kennen und lieben. Sie zieht mit ihm zusammen und verlässt ihre Familie, die sie bisher nicht gut behandelt hat. Ihre Eltern und Brüder beleidigen sie und nutzen sie ständig aus. Natürlich erntet sie von der Familie für ihre Zuneigung und Vorliebe für Farbige übelste Beleidigungen.

Nach zwei Jahren tiefer Liebe erklärt Tony ihr, dass er traditionsgemäß nach dem Studium zurück zu seiner Familie gehen und eine für ihn auserwählte Frau heiraten wird, und das, obwohl Rita mittlerweile schwanger ist.Trotzdem ist sie auf der Suche nach Liebe und unbedingt nach einem Papa für ihren Sohn. So trifft sie immer wieder die Entscheidung, das Glück bei farbigen Männern finden zu wollen. Dabei erlebt sie Enttäuschungen und mutet ihrem Kind unendlich viel zu. Sie verlässt sogar Deutschland und eröffnet in Spanien eine Bar. Auch hier lernt sie einen afrikanischen Mann kennen, der allerdings eine zwielichtige Figur ist.

Eines Tages steht Tony wieder vor der Tür, und die große Liebe flammt erneut auf. Rita glaubt, dass nun das schöne Leben endlich beginnt. Aber Tony verunglückt tödlich.

In ihrem Kummer wird Rita von ihrem dubiosen Freund eingeredet, dass Tony noch lebe und sie ihn in Brasilien treffen könne. Sie fliegt nach Brasilien und tappt dort in eine Falle.

Meine Meinung

Meine Meinung darzulegen, fällt mir bei diesem Buch richtig schwer. Hätte Frau Lind eine fiktive Geschichte geschrieben, dann könnte ich diese für gut oder weniger gut befinden, könnte sagen, was ich über die Protagonisten denke und wie die Autorin damit umgegangen ist.

Dieses Buch ist aber angelehnt an eine wahre Geschichte, und damit treffe ich mit meiner Bewertung auch die Gefühle einer Frau, die so oder so ähnlich diese Hölle erlebt hat. Ich möchte das Ganze deshalb etwas differenzierter betrachten und nicht in Schwarz oder Weiß einteilen.

Ich kenne den Schreibstil und die Erzählweise von Frau Lind aus Büchern, die sie vor vielen Jahren geschrieben hat, und fand das immer sehr angenehm. So findet man auch hier ihre flüssige, anschauliche und spannende Art des Erzählens wieder.

Das Buch ist in der „Ich-Form“ geschrieben, was ja grundsätzlich eine Nähe zur erzählenden Figur, in diesem Fall zu Rita, schafft.

Rita war aber eine ausgesprochene Herausforderung für mich. Mehrmals hätte ich das Buch gerne spontan weggelegt, was ich vielleicht als „normale“ Leserin auch getan hätte. Aber als seriöse Bloggerin, die zur Verfügung gestellte Bücher ernsthaft bis zur letzten Seite liest und versucht, diese professionell zu bewerten, ging das natürlich nicht.

Warum war das so? Rita ließ absolut gar kein Fettnäpfchen des Lebens aus, sie konnte noch nicht einmal in der Nacht unterwegs an einem Baum pinkeln gehen, ohne dass gleich ein Drama das nächste ereilte. Ihren Liebeshunger stillte sie überwiegend auf dem Rücken ihres Kindes mit immer wieder neuen Männern des gleichen Schlages oder Charakters, die sie ebenso häufig als immer neuen Ersatzvater einführte und ihrem Sohn präsentierte. Rita war auch so unendlich naiv, was ihre Vorgehensweise und das Hineintappen in die Drogenfalle in Brasilien anbelangt, dass man sich das alles fast nicht mehr mit der Begründung „Liebe macht blind“ erklären kann. Irgendwann muss der Mensch doch mal seinen Verstand einsetzen, zumal da ein Kind war, das eigentlich seine Mutter brauchte. So dachte ich zumindest beim Lesen.

Es gab außerdem kein einziges Klischee oder Vorurteil, das in Bezug auf fremde Kulturen, Flüchtlinge, Schwarze und Migranten nicht bedient wurde, sogar die Kahlköpfe hatten ihren Auftritt. Das Gleiche fand sich in den brasilianischen Gefängnissen wieder. Es war stellenweise richtig schwierig für mich, weiterzulesen.

Am Ende der Geschichte erfuhr ich im Nachwort, dass das ursprünglich von Rita im Gefängnis verfasste Manuskript mehr als eintausend Seiten hatte und teilweise dem Leser nicht vermittelbar gewesen wäre. Frau Lind hat das Ganze also auf ca. dreihundert Seiten gekürzt. Mehr als zwei Drittel wegzunehmen und zusammenzuraffen, stelle ich mir gar nicht einfach vor, da jeder Autor seine eigene subjektive Sicht hat, wie bestimmte Situationen zu bewerten sind, speziell solche, die aufgrund ihrer Heftigkeit nur Rita selbst nachvollziehen kann.

Kann es vielleicht an der so eng gefassten Straffung liegen (man kennt das ja auch, wenn Bücher verfilmt werden), dass diese ganzen Klischees und zahllosen unverständlichen Verhaltensweisen Rita nicht so richtig gerecht werden? Manchmal, das wissen wir, sind die wahren Geschichten ganz oft nicht eins zu eins für die Leser kompatibel zu verpacken, denn das Leben kann ja bekanntlich viel schlimmer sein als jeder Roman.

Ich möchte auf jeden Fall Rita allen Respekt zollen für das, was sie erlebt hat, wie auch immer es in der ganzen Tragweite ausgesehen haben mag. Schlimm genug! Und deshalb, weil das Buch nach einer wahren Geschichte geschrieben ist, spreche ich eine Leseempfehlung aus, die allerdings jeder für sich selbst bewerten und einordnen muss.

friedericke von „friederickes bücherblog“

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Die Sehnsuchtsfalle - Hera Lind
Die Sehnsuchtsfalle
von Hera Lind
(14)
Buch (Taschenbuch)
9,99

 
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