Warenkorb
 

Bewerter

Philip

Gesamte Bewertungen 58 (ansehen)


Über mich:
https://www.book-walk.de

Meine Bewertungen

Unterhaltsamer Genre-Mix

Philip , am 09.06.2019

Seit dem mysteriösen Tod von Jim vor einem Jahr hat Bee ihre damals besten Freunde nicht mehr gesehen. Nun, ein Jahr später, treffen sich alle in ihrer Heimatstadt wieder, um noch einmal einen gemeinsamen Abend zu verbringen, ihre Freundschaft zu genießen und in Erinnerungen zu schwälgen.

Auf dem Heimweg geraten die fünf Freunde nachts beinahe in einen Verkehrsunfalls, doch wie sich kurze Zeit später herausstellt, hat es diesen Unfall wirklich gegeben, denn ein unbekannter Mann, der sich im weiteren Verlauf der Geschichte als Der Wächter zu erkennen gibt, klopft in der Nacht an die Tür und offenbart den Freunden rund um Bee, dass nur eine Person von ihnen überlebt hat und sie die Wahl haben, welche Person das ist. Bis sie sich einstimmig auf eine Person geeinigt haben, befinden sie sich in einer 11 stündigen Zeitschleife in der Niemalswelt.
Nach dem anfänglichen Unglauben, dass sich die Gruppe tatsächlich in so einer neuen Realität befindet, kommt zunächst der Gedanke auf, dass man ungestraft und ohne Konsequenzen fürchten zu müssen tun und lassen kann, was man will.
Doch dies gerät ziemlich schnell aus den Fugen und zum Streit innerhalb der Gruppe. Erst nach einiger Zeit können sich alle zusammenreißen und der Situation stellen.

Da der Tod von Jim noch immer ungeklärt ist, wollen sie nun die Möglichkeiten, die die Niemalswelt ihnen bietet, nutzen und so versuchen, Licht hinter die Todesumstände von Jim zu bringen und so ggf. auch eine Lösung für ihr eigenes Dilemma zu finden. Schnell wird offensichtlich, dass vieles nicht so ist, wie es anfangs schien.

Bookly Lesestatistik zu NiemalsweltDer Roman Niemalswelt von Marisha Pessl ist aufgrund seiner Thematik eines der krassesten Bücher, welches ich in diesem Jahr bzw. seit längerem gelesen habe, ein echter Page Turner. Die Geschichte ist dabei eine kunterbunte Mischung aus verschiedenen Genres. Es sind Mysteryelemente enthalten, genauso wie Thrilleraspekte und diese Kombination aus mehreren Fassetten ist so genial umgesetzt und aufs Papier gebracht, dass man gar nicht genug davon bekommen kann.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der Protagonistin Bee erzählt. Sie ist zu großen Teilen der Handlung sympathisch und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Dies ist aber auch essenziell wichtig, damit man der verworrenen Handlung folgen und ihre Entscheidungen nachvollziehen kann.

Da der Fokus sehr auf sie gelegt wird, kommen hingegen aber die anderen Charaktere zu kurz. Es bleiben viele Fragen zu diesen Personen offen, da einige Hintergrundinfos ausgelassen oder bis zum Ende der Geschichte geheim gehalten werden. Dadurch wirken diese Charaktere teilweise unsympathisch, viele Entscheidungen sind unplausibel aber durch die Geheimhaltung der wichtigsten Elemente des jeweiligen Charakters wird gleichzeitig auch ein hohes Maß an Spannung erzeugt. Dies tröstet in meinen Augen über viele Schwächen in der Charakterbeschreibung hinweg.
Die Story ist zu großen Teilen unvorhersehbar, abwechslungsreich und großartig geschrieben. Bis zum Ende habe ich den kompletten Zusammenhang nicht erfasst, sondern immer wieder nur einzelne Aspekte durchblickt. So hatte man stets einen hohen Unterhaltungsfaktor und viel Spaß beim miträtseln.

Obwohl mir dies bereits sehr gut gefallen hat, war für mich doch der Aspekt rund die “Was wäre wenn…?” Frage am interessantesten. Marisha Pessl hat meiner Meinung nach die unterschiedlichen Aspekte, die sie mit dem Buch Niemalswelt aufgeworfen hat, sehr gut durchleuchtet. So wird ein vertiefender Blick auf die menschliche Psyche geworfen und der Frage nachgegangen, was man tut, wenn man nichts zu befürchten und zu bereuen hat. Gleichzeitig wird aber auch der Frage nachgegangen, wie man sich unter welchen Kriterien gegen das eigene und für das Leben eines anderen entscheiden würde. So wird sehr schnell einer sehr grob angerissenen Handlung eine sich stetig weiter entwickelnde Geschichte, die von Seite zu Seite komplexer und anspruchsvoller wird.

Man durchdringt erst am Ende bei der tatsächlichen Auflösung den gesamten Rahmen der Handlung und wird immer wieder aufs neue überrascht. Fantastische Unterhaltung.

Fazit
Niemalswelt ist eine fantastische, abwechslungsreiche Mischung aus diversen Genre. Diese Geschichte punktet sowohl mit vielen Mysteryelementen und einem eindringlichen, tiefgründigen Blick auf die menschliche Psyche als auch einem unvorhersehbaren Plot. Eine durchweg kurzweilige Unterhaltung der etwas anderen Art.

Niemalswelt - Marisha Pessl
Niemalswelt
von Marisha Pessl
(108)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Iron Man ist zurück

Philip , am 12.02.2019

Iron Man alias Tony Stark ist zurück. Nachdem er sich im künstlichen Koma befunden und nur noch als digitale Back Up Lösung sein Unwesen getrieben und als Mentor für die jugendliche Riri Williams agiert hat, ist er nun in fleischlicher Gestalt zurück. Das gelang ihm, indem er sein Bewusstsein in eine “Kopie” seiner Selbst überspielt hat und schon ist ein völlig neuer Tony Stark erschienen. Nun, dies als Voraussetzung für ein Reboot von Iron Man finde ich zwar sehr zweifelhaft, weil es irgendwie wirkt als wollte man Tony Stark mit aller Macht wieder ins Comic Heft drücken. Wenn man das aber einmal außen vor lässt und diesen Umstand mehr oder weniger ignoriert, dann bekommt man schnell einen Tony Stark geboten, wie man ihn zu schätzen gelernt hat.

Tony ist reifer geworden und kann vor allem seinen Mitmenschen gegenüber ein Stück weit mitfühlender erscheinen, wenngleich er nach wie vor nicht zu den vernünftigsten Menschen gehört. Aber Iron Man und die Vernunft in Person funktioniert zusammen eh nur mäßig gut.

Daher passt es sich gut, dass Tony im Neustart direkt tatkräftige Unterstützung bekommt, die sich nicht hinter dem großen Iron Man verstecken müssen und ihm gleichzeitig Paroli bieten können. Besonders die Beziehung mit Wasp fand ich dabei nicht nur sehr schön inszeniert, sondern auch plausibel dargelegt.

Ein weiterer Aspekt, der mir eigentlich ganz gut gefallen hat ist die Künstliche Intelligenz Jocasta, die in Form eines Roboters in Erscheinung tritt. Einerseits ist sie absolut nicht auf den Mund gefallen und hält Tony mit ihrer frechen Art ganz schön auf trab, andererseits achtet sie aber streng darauf, dass die Rechte der Roboter eingehalten werden, was mich leider auf nervige Art an SOLO: A Star Wars Story erinnert hat.

Die Virtuelle Realität von Stark Unlimited fand ich hingegen sehr unterhaltsam. Ein communitybasiertes Finden von Bugs und Fehlern im System war abwechslungsreich und zeigte dabei auf angenehme Art, wie fragil solche Systeme sein können. Ein netter neuer Aspekt, der die Komplexität hinter der Idee Iron Man toll eingefangen hat.

Fazit zu Tony Stark: Iron Man – Neustart: Bd. 1: Die Rückkehr einer Legende
Tony Stark: Iron Man – Neustart: Bd.1: Die Rückkehr einer Legende trifft den sympathischen Tony Stark in seiner gewohnten Art und Weise sehr gelungen. Eine toll illustrierte, tempo- und actionreiche neue Geschichte um Iron Man, die Lust auf mehr macht und jede Menge Lust auf mehr macht.

Tony Stark: Iron Man - Dan Slott, Valerio Schiti, Max Dunbar
Tony Stark: Iron Man
von Dan Slott
(3)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Eine brutale und atemberaubende Achterbahnfahrt der Gefühle

Philip , am 09.12.2018

Als ich vor etwas über einem Jahr den dritten und nach meinem damaligen Stand auch letzten Teil der Red Rising Romanreihe von Pierce Brown gelesen habe, war ich einerseits sehr froh, dass diese großartige Romanreihe zu einem würdigen Abschluss gekommen ist, andererseits aber auch traurig, dass ein so packend erzähltes und mitreißendes Science-Fiction Abenteuer zu einem Ende gekommen ist.

Daher war ich zunächst auch zwiegespalten, ob es überhaupt funktioniert, nach einer abgeschlossenen Trilogie die Reihe doch noch fortzuführen und dem eine weitere Trilogie anzuschließen. Zu meiner großen Freude hat es in meinen Augen hervorragend funktioniert!

Die Geschichte von Red Rising 4: Asche zu Asche setzt knapp 10 Jahre nach den verheerenden Ereignissen der ersten Trilogie an. Wir erleben eine neu gegründete Republik, die noch immer mit den Folgen des einstigen Bürgerkriegs zu kämpfen hat. Mustang auf der einen Seite muss als neues Oberhaupt versuchen, den Senat bei Laune zu halten und gegen innere sowie äußere Bedrohungen zu verteidigen, während ihr Ehemann Darrow immer mehr in den Ruf gerät, ein Goldener zu sein und seine rote Identität zu vergessen, während er die Dämonen seiner Vergangenheit endgültig zur Strecke bringen will.

Folgenschwere Entscheidungen machen Darrow (wieder einmal) zu einem der meistgesuchten Menschen des Sonnensystems und offenbaren gleichzeitig die Instabilität des neu entstandenen Systems und den Machthunger der Goldenen. Wird es dennoch gelingen, eine nachhaltigen Frieden zu etablieren? Red Rising 4 ist der Auftakt in die zweite Trilogie und erzählt vom Neuanfang eines ganzen Universums.

Bereits zu Beginn des neuen Romans fällt auf, dass Autor Pierce Brown eine andere Art der Erzählung verwendet. Während die ersten Romane ausschließlich aus der Perspektive des Protagonisten Darrow geschildert worden sind, gibt es seit Red Rising 4 mehrere Erzählstränge. Dadurch werden die zahlreichen neuen und alten Charaktere besser beleuchtet, weshalb eine viel tiefer gehende Ausarbeitung der Eigenheiten verdeutlicht werden können. Darüber hinaus hat diese Reihe mittlerweile Ausmaße angenommen, die nahezu das komplette Sonnensystem umfassen und um diesem Umstand angemessen zu begegnen, ist diese neue Erzählweise lobenswert.

Ansonsten hätte man nur sehr begrenzt alle Ereignisse und Wendungen, wovon es übrigens dutzende zu geben scheint, niemals angemessen in diese Handlung einarbeiten können. So wurde die Reihe noch ein gutes Stück komplexer und abwechslungsreicher.

Während in den vorangegangenen Bänden vor allem der Bürgerkrieg im Fokus stand, erleben wir nun in Red Rising 4: Asche zu Asche ein durch Intrigen und Machtansprüche aufgewühltes System, welches nur mit großer Mühe zusammengehalten wird. Neue Loyalitäten bilden sich und alte Bündnisse drohen zu zerbrechen. Die vielen Interpretationsansätze der Charaktere machen diese Reihe so fassettenreich und unvorhersehbar, was den besonderen Reiz ausmacht.

Red Rising 4: Asche zu Asche ist nochmal ein gutes Stück größer geworden als seine Vorgänger. Mehr Charaktere bieten mehr Perspektiven und spannende Hintergründe, die Handlung überzeugt mit frischen Ideen und schockiert des Öfteren mit völlig unerwarteten Wendungen und Charakterentscheidungen, was diese Geschichte ungemein atmosphärisch und lesenswert macht und mich restlos überzeugen konnte.

Fazit zu Red Rising 4: Asche zu Asche von Pierce Brown
Eine brutale und atemberaubende Achterbahnfahrt der Gefühle quer durch das Sonnensystem. Unvorhersehbar, spannend und immer wieder aufs Neue überraschend. Ein grandioser Auftakt in die neue Ära der Red Rising Romanreihe von Pierce Brown!

Red Rising - Asche zu Asche - Pierce Brown
Red Rising - Asche zu Asche
von Pierce Brown
(51)
Buch (Taschenbuch)
16,00

Tolle Star Wars und Darth Vader Action

Philip , am 09.12.2018

Das Comic Darth Vader - Der Auserwählte setzt nahtlos da an, wo der Film Star Wars Episode III: Die Rache der Sith aufhört. Darth Vader, ehemals Anakin Skywalker, muss den Verlust seiner geliebten Frau Padme verkraften und sich gleichzeitig einer völlig neuen Situation stellen. Er ist zum einen nicht mehr Herr seiner kompletten körperlichen Fähigkeiten, da er nach der Auseinandersetzung mit Obi-Wan Kenobi auf dem Minenplaneten Mustafar von nun an auf einen Anzug angewiesen ist und zum aneren ist die einstige Republik und der Jedi-Orden gestürzt.

Alleiniger Herrscher ist von nun an der Imperator des neu gegründeten Imperiums und Darth Vader ist sein direkter Untergebener und führt fortan seine Aufträge und seinen Willen mit großer Brutalität durch.

Dabei trifft er nicht nur auf einige Reste des Jedi-Ordens, sondern auch auf einen neu gegründeten Inquisitionsorden, den Star Wars Fans vielleicht schon aus der TV Serie Star Wars Rebels kennen.

In diesem Comic konnte mich vor allem die sehr brüchige Beziehung zwischen dem Imperator und Darth Vader überzeugen. Zwar verfolgen beide grob die gleichen Ziele, doch ist der Imperator schlichtweg grausam und egoistisch bei der Verfolgung seiner Ziele, wodurch selbst ein Darth Vader in die Knie gezwungen wird. Die Handlung ist vielversprechend und durch die direkte Verknüpfung an den letzten Teil der Prequel-Trilogie gelingt einerseits ein interessanter Blick auf einen noch recht unerfahrenen Darth Vader und zum anderen werden einige neue Aspekte beleuchtet, die bisher ungeklärt gewesen sind.

Dadurch ergibt sich ein stimmiges Bild, welches sich meines Erachtens nahtlos und ohne Probleme in den Star Wars Kosmos einfügen lässt und neugierig auf weitere Abenteuer macht. Ein sehr ansehnlicher und den entsprechenden Szenen stimmig angepasster Zeichenstil runden einen lesenswerten Gesamteindruck ab.

Fazit zu Darth Vader - Der Auserwählte
Tolle Illustrationen gepaart mit jeder Menge Star Wars Action und einem Darth Vader, der noch in der Findungsphase steckt. Sehr unterhaltsam und lesenswert.

Star Wars Comics - Darth Vader (Ein Comicabenteuer): Der Auserwählte - Charles Soule, Guiseppe Camuncoli, Jordie Bellaire, Chris Eliopoulos
Star Wars Comics - Darth Vader (Ein Comicabenteuer): Der Auserwählte
von Charles Soule
(1)
Buch (Taschenbuch)
17,00

Aufwühlend, erschütternd und so wichtig! Unbedingt lesen!

Philip , am 07.12.2018

Dear Martin von Nic Stone befasst sich mit einem sehr ernstzunehmenden Thema, nämlich der Polizeigewalt und Amerika und dem allgegenwärtigen Alltagsrassismus. Doch sind gerade einmal 256 Seiten genug Raum, um sich ausgiebig mit dieser Thematik auseinanderzusetzen?

Nic Stone hat genau dies geschafft und einen augenöffnenden Roman geschrieben, welcher mit seiner tagespolitischen Brisanz und einem sehr durchdachten Setting direkt überzeugen kann.

Im Zentrum der Geschichte steht dabei der jugendliche Protagonist Justyce, der eigentlich ein ziemlich unbeschwertes Leben führt. Er befindet sich im letzten Jahr der Highschool, ist mit dem hübschesten Mädchen der Schule zusammen, beliebt und zudem noch einer der besten seines Jahrgangs. Außerdem hat er einen Uniplatz an seiner Wunschuni sicher.

Doch eines nachts gerät sein Leben aus den Fugen, als er aufgrund eines Missverständnisses und aufgrund seiner Hautfarbe von der Polizei für mehrere Stunden in Handschellen gesteckt wird. Justyce ist nämlich schwarz und muss sich trotz seiner Errungenschaften mit Vorurteilen und Alltagsrassismus auseinandersetzen und wird durch dieses nächtliche Erlebnis erst so richtig wachgerüttelt und sensibilisiert. Außerdem ist es Auslöser und Weckruf zugleich, um sich einmal näher mit der alltäglichen Situation in Amerika auseinanderzusetzen.

Dabei setzt die Autorin Nic Stone sehr gekonnt unterschiedliche Erzählstile ein, um ein breites Aufgebot an Erfahrungen zu vermitteln. Einerseits wird auf die klassische Erzählweise gesetzt, indem wir die Perspektive des Protagonisten hautnah miterleben, zum anderen werden aber auch Zeitungsartikel, Verhörprotokolle und Briefe an Martin Luther King als erzählendes Element verwendet. Dadurch wird das sehr wichtige Thema durch den Einsatz unterschiedlicher Mittel stark verdeutlicht.

Nic Stone scheut dabei nicht zurück, sich kritisch mit den Themen Polizeigewalt, Gangs und Rassismus in Amerika auseinanderzusetzen und ein klares Statement abzugeben. Dies hat die Autorin dabei so gekonnt in ihrem Werk Dear Martin verpackt und ausgearbeitet, dass es trotz des brisanten Themas auch für die eigentliche Zielgruppe geeignet ist und vor allem eines bewirkt: Das Werk sensibilisiert und rüttelt den Leser wach. Ein Augenöffner, mit dem sich jeder auseinandersetzen sollte!

Darüber hinaus zeichnet Nic Stone unglaublich starke Charakterportraits, die zum einen aus dem Alltag gegriffen scheinen und zum anderen aber gleichzeitig dafür sorgen, dass sie eine Inspiration für andere Menschen darstellen. Sie sind charakterstark, wehrhaft und durchleben zahlreiche Höhen und Tiefen, die man als Leser wahnsinnig gerne verfolgt hat. Selbst nachdem man herbe Rückschläge und emotionale Achterbahnfahrten überbrücken musste.

Fazit zu Dear Martin von Nic Stone
Dear Martin ist definitiv kein Buch, welches man auf die leichte Schulter nehmen kann. Es ist erschütternd, beängstigend, zeigt gleichzeitig aber auch tolle Perspektiven auf und vermuttelt Mut. Eine unfassbar tolle, wenngleich auch augenöffnende Geschichte, die einem sehr ans Herz geht und sich mit zahlreichen der tagespolitischen Themen auseinandersetzt und deshalb auf jeden Fall gelesen werden sollte!

Dear Martin - Nic Stone
Dear Martin
von Nic Stone
(37)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,99

Enttäuschendes Mace Windu Abenteuer

Philip , am 07.12.2018

Jedi der Republik – Mace Windu spielt ganz zu Beginn der Klonkriege also kurz nach dem Film Star Wars Episode II – Angriff der Klonkrieger und demnach vor dem Film Star Wars Episode III – Die Rache der Sith. Jedi-Meister Mace Windu kämpfte nicht nur während der Schlacht um Geonosis und sorgte an der Seite von Anakin Skywalker, Padme Amidala und Co. nicht nur dafür, dass die Droidenfabrik auf dem Planeten zerstört werden konnte, sondern wurde er samt seiner Jedi Mitstreiter gleichzeitig auch zum Kriegsgeneral ernannt, die die Armee der Republik anführen sollte.

Zu diesem Zeitpunkt setzt das Comic an und erzählt von einem Einsatztrupp, den Mace Windu zusammenstellt, damit den Plänen der Separatisten auf dem Dschungelplaneten Hissrich im Äußeren Rand nachgegangen werden kann. Mace Windu stellt für dieses Abenteuer ein Team aus bekannten und neuen Jedi-Rittern zusammen und stürzt sich dabei in ein gewagtes Abenteuer, welches die Zweifel und die Zwitracht in den Reihen der Jedi offenbart.

Doch was anfangs nach einem vielversprechenden Abenteuer klingt, entpuppt sich leider allzu schnell in ein Comic, welches für Star Wars Fans sehr vertraut klingt. Es gibt einen neuen Planeten, neue Nebencharaktere und einen Konflikt innerhalb des Jedi-Ordens, der die Rolle der Jedi als Kriegsherren vs. die Rolle als Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit heruasstellt und die darin enthaltenen Konflikte aufzeigt. Das die Separatisten, der Anführer sieht dabei irgendwie aus wie Ultron aus den Marvel Avengers Filmen,auch vorkommen, ist eher eine Nebensache.

So bekommt der Leser leider ein Abenteuer präsentiert, welches man sowohl in den Filmen als auch in den TV Serien und in diversen Comics erlebt hat, noch einmal präsentiert, nur mit neuen Personen und neuen Orten. Sehr schade, da ich echt gespannt war, neues von einem meiner liebsten Jedi-Meister zu erfahren.

Darüber hinaus waren leider nicht einmal die Illustrationen für meinen Geschmack besonders interessant. Keine farblichen Highlights und oft ein grober Zeichenstil sorgten dafür, dass eine ohnehin schon dürfte Geschichte auch optisch nicht gerade eine Bereicherung gewesen ist.

Fazit zu Jedi der Republik – Mace Windu
Ein alles in allem durchwachsener Comic. Tolle Protagonisten und ein Abenteuer in der für mich spannendsten Zeit der Star Wars Saga. Allerdings ist der Zeichenstil nicht nach meinem Geschmack und die Story wirkt irgendwie vertraut und schon mehrere Male erzählt. Ich hatte mir etwas mehr erhofft.

Star Wars Comics: Jedi der Republik - Mace Windu - Matt Owens, Denys Cowan
Star Wars Comics: Jedi der Republik - Mace Windu
von Matt Owens
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,00

Neues von Darth Maul

Philip , am 07.12.2018

Den dunklen Sith Lord Darth Maul haben wir zum ersten Mal im ersten und sehr umstrittenen Teil der Prequel Star Wars Trilogie kennengelernt. Im Film Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung war Maul eines der Highlights des Films. Er glänzte mit seinem bisher nie dagewesenen zweiklingigen Lichtschwert, seiner Optik und seiner Schlagfähigkeit. Doch leider mussten wir uns (vorerst) am Ende des Films von ihm verabschieden.
In der Zwischenzeit haben wir aber seit Die dunkle Bedrohung einige zusätzliche Informationen zu diesem Charakter erhalten und zahlreiche Auftritte sollten folgen. So war er bereits Bestandteil zahlreicher Folgen in den TV Serien Star Wars The Clone Wars und Star Wars Rebels sowie in einigen Comics.

Einen weiteren Auftritt hat er nun in Star Wars Comics: Darth Maul. Dieses Comic spielt einige Zeit vor besagter Eposide 1, da die Sith Lords zu diesem Zeitpunkt seitens des Jedi Ordens für ausgelöscht gehalten werden und die Sith daher im Untergrund agieren (müssen). Allerdings lernen wir in diesem Comic Maul bereits als Lehrling des dunklen Lord Sidious kennen, was zumindest darauf hindeutet, dass Die dunkle Bedrohung in nicht allzu ferner Zukunft liegt.

Wir lernen Darth Maul in diesem Comic als ruhelosen, Jedi hassenden Protagonisten kennen, der von seinem Meister aber bisher an der kurzen Leine gehalten wird. Doch Maul möchte mehr und erpackt eine Gelegenheit beim Schopf, als es darum geht, einen Auftrag durchzuführen. Dabei trifft er nicht nur auf den gehassten Feind, sondern auch auf für Star Wars Fans bekannte Weggefährten, die ähnlich schlagkräftig sind, wie Maul selbst.

Das Comic Darth Maul glänzt dabei in meinen Augen nicht nur durch einen starken Protagonisten, der vom Hass getrieben ruhelos sein Unwesen treibt und trotzdem mit Gewissensbissen seinem Meister gegenüber zu kämpfen hat. Gleichzeitig ist auch die Handlung sehr abwechslungsreich, unterhaltsam und kann mit ein paar schön inszenierten Wendungen beim Leser punkten.

Ungeahnte wenn auch kurzweilige Allianzen sorgen für den gewissen Nervenkitzel und der schön anzusehende Zeichenstil gepaart mit den stimmungsvollen Kolorationen runden ein stimmiges Gesamtbild gekonnt ab.

Star Wars Comics: Darth Maul ist eine Bereicherung für Fans, die zum bösen Charakter Darth Maul unbedingt mehr erfahren möchten.

Fazit zu Star Wars Comics: Darth Maul
Toller Zeichenstil gepaart mit geschickt eingesetzten Kolorationen und einem Sith Lord, der leider viel zu kurz in der Star Wars Saga unterwegs gewesen ist. Unterhaltsamer Lesespaß mit dem Fokus auf einen wahrlich ungeduldigen aber ebenso faszinierenden bösartigen Charakter.

Star Wars: Darth Maul - Cullen Bunn, Luke Ross
Star Wars: Darth Maul
von Cullen Bunn
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,00

40er Jahre ohne Nazis aber mit Verschwörungstheorien und Mystery

Philip , am 07.12.2018

Markus Heitz war und ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren und das nicht nur im Bereich Fantasy. Schließlich brachte mich seine Zwergen-Saga vor ein paar Jahren überhaupt erst wieder zurück zum Buch. Da ist es fast selbstverständlich, dass ich mittlerweile (fast) jedes seiner Bücher gelesen habe. So war es natürlich auch bei Markus Heitz neuem Buchprojekt DOORS, welches mir zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse 2018 begegnet ist.

Markus Heitz hat nämlich nicht nur ein Buch geschrieben, sondern direkt drei, die allerdings jeweils deutlich kürzer sind als die üblichen Wälzer, die der deutsche Bestsellerautor normalerweise auf den Markt bringt. In Summe sind alle drei Bücher aber wieder ungefähr so umfangreich, wie ein normales Heitz Buch. Das Besondere an DOORS ist aber nicht nur das Setting selbst, sondern das Gesamtkonzept. Der Leser wird bei DOORS nämlich vor die Wahl gestellt und kann sich aktiv für einen Titel entscheiden. Hierfür gab es zunächst eine Pilotfolge, die es sowohl in limitierter Stückzahl im Buchhandel als Printexemplar gab, als auch als kostenloses eBook online bei allen gängigen eBook Anbietern. Am Ende dieser Pilotfolge wurde der Leser dann aktiv vor die Wahl gestellt, durch welche Tür man als Leser treten möchte. Man konnte dabei zwischen den Türen “X” (Dämmerung), “!” (Blutfeld) oder “?” (Kolonie) treten und gelangt dabei in ganz unterschiedliche Settings. Übrigens ist die Pilotfolge auch nochmal in jedem der einzelnen Bücher abgedruckt, weshalb man auch auf die vorherige Lektüre der Pilotfolge, die auch einzeln verfügbar ist, verzichten kann.

Das spannende hierbei ist zum einen, dass man so als Leser aktiv die Wahl hatte, welche Richtung man gerne gehen möchte, vom Mittelalter über die 40er Jahre bis hin zur nahen Zukunft und zum anderen war dadurch nie klar, welche Protagonisten es bis zum Ende des jeweiligen Titels schaffen, da die Entwicklungen der Geschichten jeweils in (teilweise) komplett andere Richtungen verliefen.

Wichtig ist hierbei die Tatsache, dass es keine Reihenfolge der DOORS Romane gibt. Man kann alle unabhängig voneinander lesen oder sich eben nur in ein Abenteuer stürzen. Die bereits angekündigte zweite DOORS Staffel (erscheint im August 2019) wird nicht an einem bestimmten Teil der ersten Staffel anknüpfen, weshalb man nicht Gefahr läuft, etwas aus einem der DOORS Bände aus Staffel 1 zu verpassen.

Ich selbst habe mich für die Lektüre eines einzelnen Abenteuers entschieden. Ob ich die weiteren Bände der ersten Staffel lesen werde, mache ich etwas von der mir zur Verfügung stehenden Zeit abhängig. Aufgrund der Bookplanetarium Live Show, die wir zum DOORS Projekt auf der Frankfurter Buchmesse mit Markus Heitz durchgeführt haben, habe ich mich für den Titel Kolonie entschieden, weshalb mich mein Abenteuer in die 40er Jahre nach Deutschland geführt hat.

In diesem Szenario haben die Alliierten frühzeitig den Kriege gegen Nazideutschland gewonnen, vor allem auch durch ein geglücktes Stauffenberg Attentat. In dieser komplett neuen Situation müssen sich die Protagonisten nach der Absolvierung der Pilotfolge nun herumschlagen und ihre Mission, die Rettung von Anna-Lena, umsetzen. Ob der angeheuerten Truppe dies gelingt und ob überhaupt alle Mitglieder dieses Abenteuer überleben, könnt ihr im Buch DOORS ? – Kolonie, nachlesen.

Mir persönlich hat dieser erfrischend neue Ansatz ausgesprochen gut gefallen. Ich mochte die Wahlmöglichkeit, die dem Leser gegeben wurde. Zwar hat man nur bedingt Einfluss auf das Leseerlebnis, kann nach einem sehr spannenden Auftakt in Form der Pilotfolge aber dennoch über ein bestimmtes Setting entscheiden, was mir sehr zugesagt hat.

Besonders positiv ist mir in dieser ersten DOORS Staffel auch der sehr bunte Mix aus unterschiedlichsten Protagonisten aufgefallen, die alle ihre eigene Persönlichkeit haben und zudem nicht unbedingt diese Fähigkeiten aufweisen, für die sie ursprünglich angeheuert worden sind. Das Ergebnis ist ein Plot, der völlig unvorhersehbar wird, da jeder Charakter völlig anders agiert, als man eigentlich erwarten könnte. Dies hat für mich einen gewissen Charme an DOORS ausgemacht.

Zudem mochte ich die Mischung aus realen Fakten und frei erfundenen geschichtlichen “Fakten”, die dafür sorgten, dass man sich zwar schnell in der geschilderten Welt zurechtfinden konnte, aber dennoch vor sehr viele unbekannte Ereignisse gestellt wurde, um dennoch eine völlig neue Welt zu erkunden.

Die Tatsache, dass sehr viele Verschwörungstheorien in die Geschichte eingewoben worden sind, die wir heutzutage kennen (bspw. Nazis auf dem Mond), haben eine ansonsten recht ernste Handlung auf angenehme Art aufgeheitert und mich öfter einmal schmunzeln lassen.

Der Schreibstil ist wie immer sehr angenehm und wirkte trotz des für Heitz Verhältnisse sehr geringen Umfangs von knapp 300 Seiten inklusive Pilotfolge zu keiner Zeit gehetzt. Da gab es Szenen in umfangreicheren Romanen, die deutlich mehr Tempo hatten. Hier wurde Zeit für eine kontinuierliche Entwicklung eingeräumt, die dem Lesespaß gutgetan haben. Außerdem ist vor allem der Pilotfolge anzumerken, dass es ursprünglich für eine TV Serie ausgelegt gewesen ist, was einen gewissen Pepp in den Lesefluss gebracht hat. War etwas Heitz untypisch, hat mir aber dennoch außerordentlich gut gefallen.

Insgesamt war DOORS ? – Kolonie von Markus Heitz eine sehr unterhaltsame Mischung aus mysteriösen Elementen, abwechslungsreichen Charakteren und einer alternativen geschichtlichen Handlung, die mir sehr gefallen hat. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und hab auch schnell Gefallen an diesem neuen Konzept gefunden. Definitiv wünsche ich mir mehr davon!

Fazit zu DOORS ? – Kolonie von Markus Heitz
Ein fantastisches neues Buchkonzept, welches mich von Anfang an überzeugen konnte. Innovativ, spannend und unterhaltsam. Für Mysteryfans ein tolles Abenteuer, welches Lust auf weitere Ereignisse und Zeitreisen macht. Ich freue mich auf DOORS Staffel 2 im August 2019.

DOORS ? - Kolonie - Markus Heitz
DOORS ? - Kolonie
von Markus Heitz
(20)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Tolle Inspiration für Jung und Alt mit kleinem Makel

Philip , am 07.12.2018

Bereits seit einiger Zeit sind mir die Bücher Good Night Stories for Rebel Girls ein fester Begriff und obwohl ich diese leider bisher noch nicht gelesen habe, finde ich die Idee hinter diesen Werken von Elena Favilli und Francesca Cavallo wahnsinnig wichtig und inspirierend.

Diese stellten bisher 200 weibliche Persönlichkeiten aus der Vergangenheit und Gegenwart in den Fokus und porträtierten diese kurz und prägnant.

Als auf der Frankfurter Buchmesse Ben Brooks, Autor des neusten Werks Stories for Boys who dare to be different – Vom Mut, anders zu sein anwesend war und sein Werk vorgestellt hat, habe ich die Chance genutzt und mir sowohl das Buch gesichert als auch mit dem Autor kurz gesprochen und der Funke ist direkt übergesprungen.

Stories for Boys who dare to be different ist dabei, ähnlich wie die Vorbildbücher für Rebel Girls, eine Portraitsammlung von außergewöhnlichen Persönlichkeiten. Diese Persönlichkeiten sind dabei quer über die Jahrhunderte verteilt und haben ganz unterschiedliche Dinge geleistet. Angefangen von Galileo Galilei über Oscar Wilde bis Nelson Mandela sind insgesamt 100 männliche Persönlichkeiten in diesem Werk aufgeführt und werden dabei auf jeweils einer Doppelseite näher beleuchtet. Dabei hat jedes dieser Portraits nicht nur einen beschreibenden Text, sondern gleichzeitig auch eine sehr schön anzusehende Illustration, die die Persönlichkeit und überlieferte Eigenheit der jeweiligen Person treffend darstellt.

Die Auswahl dieser Persönlichkeiten ist dabei zwar stellenweise etwas fragwürdig, da ich mich schon darüber wundere, wieso Männer, die für alkoholische Eskapaden oder Steuerbetrug ebenso bekannt geworden sind, wie für ihre guten Taten, es in dieses Buch geschafft haben und dagegen wirklich wichtige Männer, wie beispielsweise Sir Isaac Newton oder Albert Einstein übergangen wurden. Dies finde ich um ehrlich zu sein nicht ganz plausibel. Alles in allem ist die Auswahl dieser Persönlichkeiten aber sehr stimmig und gelungen. Es ist eine vielfältige Auswahl aus Männern aus der Gesellschaft, der Forschung und vielen weiteren Bereichen, die mit ihrem Willen großes geleistet haben und dadurch eine tolle Vorbildfunktion einnehmen.

Mein größtes Problem mit diesem Titel, was übrigens auch für die Rebel Girls Bücher gilt, ist die Titelgebung. Wieso sind Bücher mit männlichen Persönlichkeiten speziell an Jungen und Bücher über weibliche Vorbilder speziell an Mädchen gerichtet? Wer sagt denn, dass eine Frau mit ihren Leistungen nicht genauso gut einen Jungen inspirieren kann, wie ein Mann ein junges Mädchen? Diese titelgebende Geschlechtertrennung finde ich leider absolut unnötig!

Ich finde es wichtig, dass man der heranwachsenden Generation Vorbilder gibt, die durch ihre Leistungen erstrebenswerte und imitierbare Ideale vermitteln, aber dann bitte ohne eine klare Geschlechtertrennung, die der jeweilige Buchtitel impliziert.

Wenn man darüber aber einmal hinweg sieht, dann ist das Buch Stories for boys who dare to be different aber eine absolut (vor-)lesenswerte Buchempfehlung. Tolle Illustrationen gepaart mit einer vielfältigen Personenauswahl sind eine spannende Kombination, die für jung und alt geeignet ist und eine hervorragende Inspirationsquelle abgibt.

Fazit zu Stories for Boys Who… von Ben Brooks
Eine tolle Auswahl an beeindruckenden Persönlichkeiten gepaart mit wunderschön anzusehenden Illustrationen. Eine tolle Lektüre, die nicht nur zum Vorlesen geeignet ist, sondern gleichzeitig auch als Inspiration für erwachsene Leserinnen und Leser geeignet ist!

Stories for Boys Who Dare to be Different - Vom Mut, anders zu sein - Ben Brooks
Stories for Boys Who Dare to be Different - Vom Mut, anders zu sein
von Ben Brooks
(13)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,95

Enttäuschung auf nahezu ganzer Linie, trotz toller Grundidee und Intention

Philip , am 18.07.2018

Die Intention der Autorin, diese Geschichte zu schreiben, ist offensichtlich und auch im Nachwort zu diesem Buch noch einmal nachzulesen. Tomi Adeyemi hat die willkürliche Erschießung von schwarzen Kindern und Jugendlichen in Amerika stark zugesetzt und wollte deshalb mit diesem Werk ein Statement abgeben und sich mit dieser Thematik in einer Fantasywelt auseinandersetzen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit dem Thema Sklaverei und Unterdrückung, was auch seine Spuren in der Geschichte von Children of Blood and Bone hinterlassen hat. Darüber hinaus ist dies vermutlich der erste Roman, der sich ausschließlich mit schwarzen Charakteren befasst und zudem noch die afrikanische Mythologie beinhalten soll. Alles spannende und wichtige Themen, über die man reden muss und die Idee, dies in einer Fantasywelt einzuflechten, fand ich ausgesprochen positiv.

Doch mangelt es in meinen Augen ganz klar an einer guten Umsetzung. Die Rahmenhandlung ist zunächst vielversprechend, verrennt sich aber leider allzu schnell in einem absolut vorhersehbaren Handlungskonstrukt. Man lernt dabei die jugendliche Protagonistin Zelie kennen, die auf wundersame Weise eine Möglichkeit gefunden hat, die vor rund 10 Jahren während der sogenannten Blutnacht ausgerottete Magie in der Welt Orisha wieder zurückzubringen. Dafür muss sie bestimmte Artefakte suchen und bis zu einem Stichtag an einen festgesetzten Ort bringen, damit dies auch klappt. Leider ist von Anfang an klar, wohin der Weg führt und es waren für mich keinerlei Überraschungen vorhanden.

Zudem kommt, dass die Gruppe, die im Verlauf der Handlung anwächst, einige Aufgaben zu bewältigen hat, damit die Reise erfolgreich verläuft. Diese sind aber so zahlreich und so plump aneinandergereiht, dass es keinen Freiraum für eine Entfaltung gibt. Man wird in ein Ereignis hineingeworfen, dieses wird irgendwie bestanden und man ist direkt beim nächsten. Spannung? Fehlanzeige.

Unter den morschen Holzplanken ragen spitze Felsen empor, die jeden aufspießen, der abrutschen sollte. […] Die Lianen reißen. Die Brücke bricht unter meinen Füßen zusammen.

Hinzu kommen absolut vorhersehbare und gänzlich veraltete Situationen wie das obige Zitat zeigt. Solche Szenen auf morschen Hängebrücken hat man schon zuhauf gelesen und gesehen, da ist überhaupt nichts spannendes mehr vorhanden, da sowieso klar ist, wie es ausgeht und das zieht sich in meinen Augen so durch die gesamte Handlung. Kreativität, wo bist du?

Darüber hinaus konnte ich den vier Protagonisten rein gar nichts abgewinnen. Es gibt drei verschiedene Erzählperspektiven, nämlich die von Zelie, der Protagonistin, die die Magie zurückbringen soll, gefolgt von Amari, der Prinzessin von Orisha und deren Bruder Inan, der der Prinz der Welt ist. Hinzu kommt noch der Bruder Tzain von Zelie, welcher aber, wenn ich mich recht erinnere, keine eigenen Kapitel abbekommen hat. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive erzählt, da sich die Protagonisten aber so wenig von einander unterscheiden, hatte ich stellenweise echt arge Probleme damit, die einzelnen Figuren zu unterscheiden. Sie waren allesamt überhaupt nicht individuell, es war quasi keine Entwicklung vorhanden und alles wirkte insgesamt sehr konstruiert. Die Protagonistin Zelie ist absolut naiv und bleibt es auch, Amari ist eine typische Bad-Ass Protagonistin, die mit den Entscheidungen ihres tyrannischen Vaters nicht einverstanden ist und rebelliert, ihr Bruder Inan hat Selbstfindungsprobleme und weiß nicht, wozu er jetzt steht und Tzain, der eigentlich nur die “große Bruder” Rolle eingenommen hat und jedem misstrauisch gegenüber steht.

Hinzu kommt noch ein so unnötiges Liebeskonstrukt, welches mir nicht einmal ein müdes Lächeln, sondern vielmehr einfach nur ein Kopfschütteln entlocken konnte. Es wirkte einfach nur aufgesetzt und weit hergeholt, dass ich absolut nichts damit anfangen konnte.

Kommen wir als nächstes noch zur thematisierten Unterdrückung, der Mythologie und der Tatsache, dass die Protagonisten allesamt farbig sind. Ich mochte die Grundidee wirklich sehr, dass die Autorin es gewagt hat, all diese Themen in eine Fantasywelt einzuweben. Allerdings fand ich es stellenweise schon penetrant aufdringlich, dass das Thema immer und immer wieder aufgegriffen worden ist. Ich hatte stellenweise das Gefühl, dass es einfach erzwungen werden sollte. Auf gefühlt jeder dritten Seite wurde die Hautfarbe betont, sei es jetzt ein schwarzer, kahlrasierter Kopf, ein schwarzer, tätowierter Arm etc. Es wurde explizit und immer wieder betont, dass ich es als stellenweise echt nervig empfunden habe. Auch sehe ich das primäre Alleinstellungsmerkmal “schwarze Charaktere”, etwas kritisch, da andere Fantasywelten gänzlich ohne Nennung der Hautfarbe auskommen und das dann eher der Phantasie des Lesers überlassen ist und das ohne Wertung geschieht. Außerdem wurde die Mythologie und das Thema Afrika zu stiefmütterlich behandelt. Was ich als extrem nervig empfunden habe, waren die Namen der Kreaturen dieser Welt. Wieso mussten die Tiere Löwenesse oder Leoparesse etc. heißen und konnten keine fremdartigeren Namen bekommen? Wieso musste hier mit aller Gewalt Afrika in die Geschichte gepresst werden? Von der Mythologie an sich habe ich auch nicht wirklich etwas gemerkt. Dies kann der Tatsache geschuldet sein, dass ich als Laie die Anspielungen nicht erkannt habe aber auf mich haben die ganzen Götter und skuril klingenden Namen auch aus jeder anderen Fantasygeschichte stammen können und mussten nicht zwangsläufig zu Afrika gehören.

Zwar beschäftigt sich die Rahmenhandlung dann auch noch mit der Unterdrückung, was aber nur als Auslöser für die eigentliche Handlung gedient hat und im Verlauf der Geschichte nur noch untergeordnet eine Rolle gespielt hat. Gesellschaftskritik? Fehlt hier leider größtenteils, obwohl ich das bei der Intention der Autorin erwartet habe.

Ich finde es einfach schade, dass alles so konstruiert, erzwungen und vorhersehbar gewesen ist. Es war so viel Potenzial vorhanden aber vieles wirkte so in die Geschichte gepresst, dass man der Mythologie und der Kritik keinen Raum gegeben hat. Schade, denn andere Jugendbücher schaffen das auf der Hälfte der Seiten wie dieses Buch. Wieso wurde das Thema Afrika und schwarze Bevölkerung so erzwungen und immer wieder wiederholt? Das verstehe ich nicht. Man muss drüber sprechen, keine Frage aber es dem Leser immer wieder und in so regelmäßiger Abfolge wiederholend unter die Nase zu halten empfand ich eher als störend als anregend.

Fazit
Children of Blood and Bone. Goldener Zorn von Tomi Adeyemi hatte viel Potenzial und versprach ein abwechslungsreicher und unterhaltsamer Fantasyroman mit politischem Statement zu werden. Das Potenzial wurde aber verspielt.

Children of Blood and Bone - Tomi Adeyemi
Children of Blood and Bone
von Tomi Adeyemi
(147)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,99

 
zurück