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BuchhändlerInnen im Portrait

Jennifer Lölke
aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg

Gesamte Empfehlungen 8 (ansehen)


Alter:
30 Jahre
Abteilung:
International Bookshop
Lieblingsautoren:
Jeffery Deaver, Samuel Beckett, Dave Trott, Paul Arden, Sir Ken Robinson
An meinem Beruf gefällt mir:
1. Die Vielfalt an Eindrücken und Begegnungen 2. Kunden beim Stöbern zusehen und den Augenblick miterleben, wenn der Funke überspringt. 3. Das Geräusch beim Umblättern. 4. Eine aufregende Haptik eines Einbandes.

Meine Favoriten

Meine Empfehlungen



Gezuckert durch Paris - eine kurzweilige Süßigkeit

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 07.09.2016

Jojo Moyes' "Die Tage in Paris" ist der als Einzelwerk veröffentlichte Prolog zu "Ein Bild von Dir" - dieses nur 112 Seiten starke Büchlein soll für den Leser das literarische hors-d'oeuvre sein: im Hardcover gebunden und im Stil der Vorgänger von Jojo Moyes gehalten, jedoch auch im Inneren illustriert, geschrieben als Vorbereitung auf den nächst größeren Gang.

"Die Tage in Paris" eignet sich aber auch wunderbar als Hauptgang für Leser, die überschaubaren Umfang und unkomplizierte Handlung bevorzugen - um im Bild zu bleiben: etwas Leichtes für den Sommer, das einen nicht mit einem Gefühl der Übersättigung zurücklässt. Ein Häppchen Romantik, eingebettet in einen Hauch von Paris: bestens geeignet, um sich - leicht gezuckert - für ein paar Stunden in den Straßen der französischen Hauptstadt zu verlieren.

Zum Inhalt: Wir lernen zwei Frauen kennen. Liv, deren Geschichte im Jahr 1998 spielt und Sophie, die im Jahr 1912 lebt. Ort der Handlung: Paris. Beide Figuren sind frisch verheiratet und sollten eigentlich in ihrem Glück aufgehen, zumal sie sich doch in der Stadt der Liebe befinden. Doch sie hadern mit ihren Gefühlen: War die Hochzeit nach so kurzer Zeit die richtige Entscheidung? Liv und Sophie geraten in ihrer neuen Rolle als Ehefrau ins Wanken. Die Brücke zwischen 1912 und 1998 wird dann durch ein Gemälde geschlagen, welches dem Leben beider Frauen einen entscheidenden Impuls gibt.

Erwarten Sie kein 3-Gänge-Menü. Keine überbordenden Plot-Twists oder ausgereifte Figurentiefe. Mitunter sind die Handlungen sehr vorhersehbar, die Figuren naiv. Aber: "Die Tage in Paris" sind so etwas wie ein Eclair in der Pâtisserie. Man braucht es nicht unbedingt, aber es passt hervorragend zu einem Espresso. Und es hinterlässt einen süßen Geschmack.

Die Tage in Paris - Jojo Moyes
Die Tage in Paris
von Jojo Moyes
(39)
Buch (gebundene Ausgabe)
8,00

Florenz, Venedig, Wissenschaft und Lagdon - so muss ein Dan Brown sein!

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 13.01.2016

Dan Browns "Inferno" hat mich von der ersten, bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen. Danke, Mr. Brown, dass Sie es geschafft haben, die Kirche dieses Mal (fast, wenn man von den Gebäuden und dem Bibelbezug von Dantes "Göttliche Komödie" absieht) aus dem Spiel zu lassen und sich neuen Ufern zu widmen!

Und was für ein Themenwechsel! Von religiösen Verschwörungen seiner Vorgängerwerke, nun zu einer völlig modernen Thematik: dem Bevölkerungswachstum. Hervorragend recherchiert und wissenschaftlich durchaus plausibel konstruiert, erwartet Robert Langdon in seinem neuen Abenteuer nicht nur Humanbiologie und Anthropologie, sowie Philiosophie, sondern eine Konfrontation mit unbequemen Szenarien, die die gesamte Menschheit betreffen.

Wir werden auf eine Reise durch das geschichtsträchtige Florenz entführt, voller Tempo geht es durch die Straßen dieser faszinierenden Stadt, mit all ihrer architektonischen Schönheit! Man möchte sofort die Koffer packen, und mit Robert den Geheimnissen von Dantes Divina Commedia auf den Grund gehen. Wäre da im Hintergrund nicht eine Bedrohung existenziellen Ausmaßes, welche die Zukunft der Menschheit ausschlaggebend verändern könnte.

Fazit: ich als studierte Biologin bin bereits mit dem Thema des Transhumanismus und Probleme des stetigen Bevölkerungswachstum in Berührung gekommen und kann versprechen, dass diese Denkanstöße in Inferno, so verstörend und fiktional sie auch mitunter sein mögen, einige grundlegende Fragen aufwerfen, denen Sie sich nicht mehr entziehen können.

Wissenschaftlich fundiert, spannend geschrieben, aufrüttelnd, packend und historisch wundervoll aufgearbeitet - Dank Brown hat zugeschlagen: für meinen Geschmack, das Beste seiner bisherigen Werke.

Inferno / Robert Langdon Bd.4 - Dan Brown
Inferno / Robert Langdon Bd.4
von Dan Brown
(145)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Kommen Sie mit auf die Couch - und nehmen Sie dieses Buch mit!

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 04.08.2015

Ich benutze dieses Wort mit Bedacht und äußerst selten, aber hier ist es angebracht: fabelhaft.

Noam Shpancer hat mich umgehauen. Dieses Buch hat einen unglaublichen Sog und ist ein absoluter Lesegenuss! Ich brauch mehr von ihm. Mehr, mehr, mehr.

Sprachlich, als auch fachlich - wundervoll! Spannend, tiefgründig, abgründig, lustig, völlig vereinnahmend. Klug. Sehr klug.

Man möchte an vielen Stellen einen Textmarker in die Hand nehmen, alles unterstreichen, nein, vielmehr noch, man möchte es auf einen Kopierer legen und auf Postergröße an große Wände kleben, eine Schere zücken, diese besagten Textstellen ausschneiden und sich auf die Stirn tackern, um sie der Welt zu zeigen... Sie bekommen eine Vorstellung, was ich meine? Es geht aber auch einfacher: Dieses Buch kaufen, dieses Buch verschenken, an jeden, dem Sie eine Freude machen wollen, an jeden, der sich für Psychologie interessiert.

Der gute Psychologe - Noam Shpancer
Der gute Psychologe
von Noam Shpancer
(14)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Hoffnung und Humor in unmöglichen Zeiten des Krieges

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 22.10.2014

Mit Stadt der Diebe ist Benioff etwas Wunderbares und Weltenes gelungen: Der Spagat zwischen Beschreibungen unglaublicher Unmenschlichkeit des Krieges und dem immer wiederkehrenden Humor, der neue Hoffnung und Kraft schenkt.

Mit ungemeiner Liebe zum Detail beschreibt Benioff die Freundschaft von Lew, dem typischem Angsthasen und Pessimisten und Kolja, dem smarten aber ein wenig lebensmüden Draufgänger. Die schier unmögliche Mission: ein dutzend Eier im Leningrad des zweiten Weltkrieges auftreiben. Eigentlich ein Himmelfahrtskommando.

Ein absolutes Wechselbad der Gefühle und ein ungemeiner Sog in die Geschichte, sowie die Authentizität der Charaktere machen "Stadt der Diebe" zu einem unverwechselbaren Lesevergnügen, das den Leser mit Tränen versorgt: sowohl Tränen der Heiterkeit, als auch mit Tränen der Rührung und Trauer.

"Stadt der Diebe" vergisst man nicht so schnell. Unbedingte Empfehlung. Aber Achtung, mitunter starker Tobak!

Stadt der Diebe - David Benioff
Stadt der Diebe
von David Benioff
(100)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Die Geschichte einer Mutigen

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 21.08.2013

Die Arbeit stresst, die Beziehungen sind entweder lahm oder eine Katastrophe, alle Nase lang will jemand etwas von einem und eigentlich will man selbst nur eines: Weg.

Manch einer kennt dieses Gefühl nur allzu gut. Doch leider ist das alles nicht so einfach – alle Zelte abbrechen, dem Alltag den Rücken kehren, aufbrechen in ein Abenteuer.

Franziska Schmitt hat den Arsch in der Hose dies zu tun. Sie nimmt den Leser mit auf das Abenteuer ihres Lebens, welches keinen Stein auf dem anderen lassen wird.

Wir lernen sie kennen als Karrierefrau in einer großen (wunderschönen, da meine Heimat-)Stadt, die zwar ihr Leben „auf die Reihe“ bekommt, aber eigentlich eine viel größere Sehnsucht hat, die der Alltag nicht befriedigt. Niedergeschlagen schleppt sie sich durch den Tag, bis ihr klar wird, dass sie so nicht mehr weitermachen kann und eigentlich totunglücklich ist. Als dann auch ihre Schwester sagt „Du gehst vor die Hunde, wenn Du nichts änderst“ nimmt sie all ihren Mut zusammen und tut es einfach: aussteigen. Nächster Halt: Leben.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt und fasziniert. Franziska Schmitt schildert ihre Situation so ehrlich und authentisch, dass man das Gefühl hat, man würde diese Frau persönlich kennen. Sie schreibt ihre Sorgen und Bedenken und Erwartungen in einem sehr vertrautem Ton nieder, sodass man mit jedem Schritt den sie tut mitfiebert. Dabei bleibt die Geschichte absolut realistisch und liest sich nicht wie ein wild ausgeschmückter Abenteuerroman, sondern wie ein ganz wichtiger Reisebericht, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Und ein Gefühl: Man kann, wenn man nur will. Oder anders:

"The best way to predict your future is to create it."
Abraham Lincoln

Wenn sie sich ein Buch wünschen, dass Ihnen in der Hinsicht Mut macht, oder Sie erstmal nur in Gedanken mit einer Mutigen mitreisen wollen, kann ich Ihnen dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen.

Tausche Alltag gegen Leben - Franziska Schmitt
Tausche Alltag gegen Leben
von Franziska Schmitt
(4)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Von einem Sumpf zum anderen

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 05.08.2013

Der kleine (Satansbraten!) Hugo überspannt den Bogen und fängt sich auf einer Gartenparty unter „Freunden“ eine schallende Ohrfeige von Harry ein. Diese Ohrfeige ist zugleich der Startschuss für eine lustige Fahrt durch die kunterbunte Doppelbödigkeit der australischen Mittelschicht.


Tsiolkas schreibt in diesem Buch aus mehreren Perspektiven. So bleibt die Geschichte schön lebendig und abwechslungsreich, obwohl man in etwa ahnt, was wohl als nächstes um die Ecke gekrochen kommt. Tsiolkas lässt den Handlungsstrang um die Ohrfeige also munter weiter im Hintergrund laufen, während der Leser vordergründig erfährt, wie abgründig es hinter den Kulissen der Vorstadtidylle zugeht. Ihre Gesichtsmuskeln werden mitunter einem Belastungstest unterzogen – Schadenfreunde und der Gedanke „Na sowas!“ inklusive hämischen Grinsen sind garantiert. Die Figuren sind sehr unterschiedlich und bieten so jedem Leser eine Angriffs- als auch Projektionsfläche. Fans von „Der Gott des Gemetzels“ werden ihre wahre Freude haben.


Warum gibt es dennoch nur 3 Sterne? Weil es Tsiolkas in einem der letzen Kapitel ums Verrecken nicht gelingen will, sich in eine attraktive, erfolgreiche Frau in der beschriebenen Situation hineinzuversetzen. Er kommt auf Verdeih und Verderb nicht aus seiner männlichen Haut. Ich habe jedenfalls während des Kapitels enttäuscht mit dem Kopf geschüttelt. Schade eigentlich, denn in den vorausgegangenen Kapiteln sind die Figuren wirklich authentisch.


To put it in a nutshell: Es ist es eine Wonne, die kleinen dreckigen Geheimnisse hinter den Jägerzäunen (Haben Australier Jägerzäune?) zu entdecken und sich gemeinsam mit Herrn Tsiolkas in den Sümpfen der einzelnen Schicksale zu suhlen. Die Figuren sind ein buntgemischter Haufen und von allem etwas – ein gewaltiges Konfliktpotential steckt in diesem Potpourri aus Gehemnissen, Kulturen, Vorurteilen: ein großer Spaß im Sinne des Domino-Effekts.

Nur eine Ohrfeige - Christos Tsiolkas
Nur eine Ohrfeige
von Christos Tsiolkas
(48)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,00

Mit Ohrfeigen und zwinkerndem Auge zurück ins Leben

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 25.07.2013

Leicht depressiv gestimmt? Ziemlich tiefes Loch, in dem Sie da drinstecken? Oder Sie kennen "jemanden", der dringend eine kleine Starhilfe in puncto "Krieg den Hintern mal wieder hoch" benötigt?

Eine Portion Giacobbe ist da eine gute Wahl, denn dieser haut Ihnen ihre Neurosen erstmal deftig und mit Schmackes um die Ohren. Nachdem er Ihnen den Spiegel vorgehalten hat - und ja, Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung - und das Problem nun ziemlich nackt im Flur steht, packt der Italiener kräfitg zu (Mamma Mia!) und nimmt Sie dadurch auch im zweiten Schritt, der Problemlösung, an die Hand. Er ist dabei erfrischend unverblümt, aber nie unfundiert - der Mann weiß, wovon er spricht, schließlich hat er Philosophie und Psychologie studiert und lehrt heute "Psychologische Grundlagen der therapeutischen Techniken Asiens" an der Universität von Genua.

So weit, so schön seine Vita, wichtig und bemerkenswert an diesem Buch ist, dass das "Klick" im Kopf mit jedem Kapitel lauter wird. Klar wird hier, dass wenn Sie ihre Schrullen erstmal erkannt haben - und Herr Giacobbe hat es nicht so mit hübsch verpackten Euphemismen (deshalb hab ich es auch so mit Herrn Giacobbe) - Sie bald viel gelassener und klarer durch die Welt gehen werden. Und vielleicht auch glücklicher.

Das Buch ist sehr erfrischend geschrieben, viele viele Fußnoten (Jaja, die Dozentenkrankheit) - aber die haben es in sich. Jede einzelne Fußnote lesen, bitte! Ohne die geht es kaum, sie gehören zum Verlauf und könnten genau so gut im Fließtext stehen - aber was wäre ein Dozent ohne die geliebten Fußnoten? Bleiben sie am Ball, lassen Sie sich nicht abschrecken!
Aber gut festhalten.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Wie Sie Ihre Hirnwichserei abstellen und stattdessen das Leben genießen - Giulio Cesare Giacobbe
Wie Sie Ihre Hirnwichserei abstellen und stattdessen das Leben genießen
von Giulio Cesare Giacobbe
(6)
Buch (Taschenbuch)
7,99

Wie eine Achterbahnfahrt – man ahnt worauf man sich einlässt, wenn es abwärts geht verschlägt es einem doch den Atem

Jennifer Lölke aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 18.07.2013

Aufwühlend. Verstörend. Hinterlässt eine Fassungslosigkeit, die man auch Stunden, wenn nicht gar Tage danach noch deutlich spürt. Ein Jugendbuch, das unbedingt auf die Lehrpläne der deutschen Mittelstufen/Oberstufen gehört – empfehlenswert, nein, ein MUSS, für Jugendliche und gleichermaßen für Erwachsene.
Als Leser sitzt man da, das Buch fest in den Händen und ahnt, nein, befürchtet eher, wohin die Fahrt geht, man merkt quasi, wie alles schneller, in tensiver und vor allem abstruser und bedrückender wird. Besonders schockierend empfand ich die sich steigernde Emotionslosigkeit und vor allem die Gnadenlosigkeit, mit der die Jugendlichen ihr, zu Anfang noch hoffnungsvolles Ziel, verfolgen: Zu zeigen, das etwas etwas bedeutet.
„Nichts – Was im Leben wichtig ist“ hat mich wirklich beeindruckt. Janne Teller hat hier ein ganz großes Jugendbuch vorgelegt. Wieder einmal zeigt sich, dass die Dynamik innerhalb einer Gruppe Jugendlicher ungeahnte Fahrt aufnehmen kann, so unbeherrschbar rasant, dass die Geschichte mit voller Kraft Richtung Abgrund donnert. Ein Gedanke steht über allem, jeder Abwägung, jeder Verhältnismäßigkeit, jeder Handlung und vor allem: über dem Wohl der einzelnen Gruppenmitglieder.
Man kann nicht aufhören zu lesen. Man möchte mitunter wegsehen, man kann aber nicht. Man sitzt in einem Wagen, der nicht zum Stillstand kommt – so wie die Gruppe Jugendlicher die nicht glauben will, dass Nichts etwas bedeutet.
Lesen Sie es, egal wie alt Sie sind.

Nichts - Janne Teller
Nichts
von Janne Teller
(119)
Buch (Taschenbuch)
7,95