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TheUjulala

Gesamte Bewertungen 44 (ansehen)


Über mich:
www.theujulala.de

Meine Bewertungen

Durchaus spannend und toller Sprachstil, aber ohne großen Nervenkitzel

TheUjulala , am 04.10.2018

Auf der Suche nach mal einem anderen Genre, bin ich auf diesen Titel gestoßen. Früher habe ich gerne auch die heftigen - vor allem skandinavischen - Thriller gelesen. Nach einer langjährigen Pause wollte ich mich mal wieder in diesem Genre versuchen. Dies ist Claus Hammerings erste Veröffentlichung in Selbstpublikation. Erst sehr viel später habe ich nun erfahren, dass Laura Newman, eine von mir sehr geschätzte Dystopie-Autorin, hinter diesem Pseudonym steckt. Die Überraschung war natürlich riesig!

Coverbild
Auch für das Cover ist natürlich Laura Newman verantwortlich. Passend zu dem Genre ist es in schwarz gehalten. Der Buchtitel großformatig über einen Palmwedel verteilt. Über das gesamte Cover zieht ein einzelner Blutstropfen seine Spur. Das Bild spiegelt das Genre perfekt wieder, ohne zu viel zu verraten. Ich liebe simple aber aussagekräftige Cover. Laura Newman begeistert mich mit ihrem Grafikstil immer wieder.

Handlung
Auf einer karibischen Insel wird ein Luxushotel eröffnet. Leider beginnt der Start nicht so, wie sich der Hotelmanager Ethan erhofft hat. Mitarbeiter kommen nicht und nur die Hälfte des Hotelkomplexes ist fertig gestellt. Den ersten Hotelgästen, die auf eine Sonderaktion hin sich angemeldet haben, muss Ethan ein perfekt funktionierendes Luxushotel vorgaukeln. Doch dann passiert plötzlich ein Mord, auf den Weitere folgen. Und die idyllische Insel entpuppt sich als Falle, ein Albtraum für alle Anwesenden. Denn der Täter muss unter ihnen weilen und Keinem kann mehr vertraut werden.

Buchlayout / Haptik
Das Buch mit seinen 398 Seiten wird in 33 Kapitel eingeteilt. Die Kapitelüberschriften enthalten lediglich die Kapitelnummer und den Perspektivennamen, was jedoch durch die unterschiedliche Farbgebung und der serifenlosen Font gekonnt grafisch vom Fließtext abgesetzt wird. Die Zwischenkapitel aus Sicht des Mörders enthalten lediglich ein paar Kleckse, wahrscheinlich Blutstropfen, als Einleitung. Insgesamt ist die Gestaltung des eBooks schlicht aber professionell.

Idee / Plot
Da ich schon länger keinen Thriller/Krimi mehr gelesen habe, kann ich kaum sagen, ob die Idee neu oder einzigartig ist. Es erinnert mich doch stark an einen Agatha Christie. Eine buntgemischte Menschengruppe aus allen sozialen Schichten, und hier auch aus unterschiedlichen ethnischen Herkünften, trifft aufeinander und ist mit einem Mord konfrontiert, und es bleibt nicht nur bei einem Opfer. Nun wird plötzlich jeder verdächtigt und keiner hat wirklich ein Alibi. Es fehlt eigentlich nur noch der über alles erhabene Detektiv (à la Hercule Poirot). Gefallen hat mir die Idee, wie bei allen Beteiligten von Mord zu Mord die Fassade zu bröckeln beginnt und ureigene Instinkte, Ängste und Vorurteile zu Tage kommen. In Fokus geratene Verdächtige müssen sich vehement gegen den Mop wehren.

Emotionen / Protagonisten
Ich hatte ein wenig Probleme mit den Charakteren. Da das Buch insgesamt in 10 Perspektiven plus Mörder erzählt wird, konnte ich nicht wirklich eine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Figuren bleiben daher leider oberflächlich und ich konnte teilweise nicht alle Emotionen nachempfinden. Trotzdem hat mich begeistert, wie unterschiedlich die einzelnen Charaktere gezeichnet wurden und für mich auch sehr plastisch beschrieben wurden. Dabei wurde sich zwar mit einigen Klischees bedient (der Ami, die Russin, die deutsche Familie), aber das half ganz gut, sich die einzelnen Personen passend vorstellen zu können.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Ich habe leider das Gefühl, dass sich der Autor mit den vielen Perspektiven keinen Gefallen getan hat. Im Grunde finde ich die Idee richtig gut, aber durch das Hüpfen verliert man oft auch das Zeitgefühl. Es ist auch nicht immer klar, wieviel Zeit zwischen dem Perspektivenwechsel vergangen ist. Vielleicht wäre das in ein paar wenigen Perspektiven besser für mich gewesen.
Die ersten Kapitel dienen der Einführung in die einzelnen Charakter und Umstände. Ab dem ersten Mord wird es dennoch immer spannender. Ab der Hälfte hat man ständig gerätselt, wer denn nun der Täter sein könnte, und ich hatte alle reihum schon in Verdacht. Den einen mehr oder weniger. Ein bisschen hat mir aber dann doch die große Wendung, der überraschende Moment, der alle meiner Verdächtigungen Lügen straft, gefehlt. Das finde ich ein bisschen Schade. Denn ab gut ⅔ des Buches hatte ich den Täter schon stark im Verdacht und war dann auch nicht besonders von den Socken, als die Auflösung kam.

Szenerie / Setting
Eine idyllische Insel in der Karibik lädt natürlich zum Träumen ein und bildet das perfekte Setting für einen solchen Schauplatz. Denn sobald man von der Außenwelt abgeschnitten ist, ist von dort kein Entrinnen mehr möglich. Einen kleinen Logikfehler gibt es leider, den ich dem Autor bereits mitgeteilt habe. Sie hatte mir dann auch geantwortet, dass sie tatsächlich vergessen hat, die Erklärung dafür einzubauen. Vielleicht wird sie das noch tun. Die Kartenschlüsselanlage an den Hotelzimmertüren funktioniert nämlich auch bei Stromausfall, da diese Vorrichtungen auch mit Not-Batterien betrieben werden.

Sprache / Schreibstil
Sprachlich bin ich extrem begeistert. Claus Hammering alias Laura Newman hat einen extrem flotten und flüssigen Sprachstil, mit tollen, anschaulichen Metaphern, den ich auch bereits aus ihren anderen Titeln kenne.

“Sie will nicht mehr sehen, wie Bianca Paumann schmerzlich langsam begreift, dass ihr Mann tot ist. Wie zäh fließender Sirup zeichnet sich die Erkenntnis immer deutlicher auf dem Gesicht der Frau ab.”

Alle Kapitel werden in der personalen Perspektive erzählt, passend zu dem Genre im Präsens. Lediglich die kurzen Einschübe des Mörders sind in der Ich-Perspektive.

FAZIT
Insgesamt ein gutes Buch und durchaus spannend. Mir hat jedoch der richtige spannende Moment und der Nervenkitzel gefehlt. Trotzdem habe ich es sehr gerne gelesen.

Blutparadies - Claus Hammering
Blutparadies
von Claus Hammering
(1)
Buch (Taschenbuch)
12,99

Fesselnd und dystopisch in einer mystisch neuen Saga, Perfektes Einführband

TheUjulala , am 04.10.2018

Handlung
Die Engel sind auf die Erde zurückgekehrt, aber nichts ist so, wie sich die Menschheit erhofft hat. Und das Venedig, in dem Moon mit ihren Geschwistern lebt, ist nicht mehr das, was es mal war. Die Engel sind grausam und bekämpfen die Menschheit, weil sie in ihren Augen ein Schöpfungsfehler sind. Um für die Flucht ihrer Geschwister Geld zu verdienen, kämpft Moon in der Arena. Doch dann stolpert sie über einen verletzten Engel. Obwohl sie die Engel für ihre Taten hasst, kann sie Cassiel nicht sterben lassen und geht damit ein großes Risiko ein. Denn auf keinen Fall will Moon auffallen und in den Fokus der Engel geraten. Doch Lucifer, der Fürst der Hölle, läuft ihr immer öfter über den Weg.

Buchlayout / eBook
In 16 Kapiteln teilt Marah Woolf die gut 356 Seiten in angenehme Längen ein. Jedes Kapitel wird mit einer filigranen, ornamentalen Zeichnung eingeführt. Schön finde ich auch, dass Marah Woolf einen umfangreichen und sehr informativen Anhang hinzugefügt hat. Neben einem Figurenverzeichnis gibt es einen Überblick über die 7 Engelshimmel und eine Auflistung der himmlischen Engelsordnung. Am Schluß zeigt Marah noch eine kleine Liste der 19 Schlüssel. Ich hätte mir zur besseren Übersicht noch eine kleine Karte von Venedig, vor allem vom Marcusplatz gewünscht.

Idee / Plot
Wer hätte gedacht, dass die Engel gar nicht “die Guten” sind, wie die Menschheit sich die göttliche Schöpfung vorgestellt hat. Sie sind blutrünstig und vergnügen sich mit ihnen wie die alten Römer bei Brot und Spiele. Denn die Engel haben noch mehr vor. Sie gönnen der Menschheit nicht die Existenz und möchten als alleinige Schöpfung ins Paradies einziehen. Mir gefällt die Idee der Engelsmythologie als Basis der Geschichte extrem gut, da sie mal was anderes ist. Die Engel sind hier nicht die sympathischen, übernatürlichen Geschöpfe, sondern Bestien. Oder doch nicht? Vielleicht sind nicht alle so, oder verfolgen nicht alle das gleiche Ziel? Typisch für Romantasy ist die toughe junge Frau, die sich für das Wohl ihrer Familie aufopfert, die ihre Gefühle ausschaltet um gegen das Böse eine Chance zu haben. Und doch passiert das Unvorhergesehene und das Mädchen entwickelt Gefühle und Bedürfnisse, die es lange unterdrückt hat. Ja, dieses Schema ist nicht ganz unbekannt. Aber Marah schafft es diesen dystopisch-altertümlichen Zustand des eigentlich romantischen Venedigs und durch die unterschiedlichen und plastisch beschriebenen Charaktere ein einzigartiges Kleid zu verpassen.

Besonders hervorzuheben dabei ist aber auch der ethische und moralische Gedanke, der hier stark präsent ist. Kein Geschlecht der Welt hat das Recht über andere zu urteilen und zu richten. Und trotzdem gibt es Menschen, die sich aus der Unterdrückung ihrer eigenen Sippe einen Vorteil gegenüber Ihresgleichen rausholen. Oder aus Rache die Unterdrücker mit gleichen Mitteln bekämpfen und dabei das Leben Unschuldiger in Kauf nehmen. Marah Woolf schafft es immer wieder hoch brisante, gesellschaftskritische Aspekte in ihre Werke einzubauen, die einen auch zum Nachdenken bringen.

“Ich ekle mich vor meinesgleichen. Läge ich tot hier unten, würde mir niemand von ihnen eine Träne nachweinen. Manchmal frage ich mich, wer die eigentlichen Monster sind.”

Emotionen / Protagonisten
Moon musste schon früh die Mutterrolle übernehmen, die Verantwortung über ihre stumme Zwillingsschwester Star und dem vorpubertären kleinen Bruder Tizian. Sie ist voller Sorge und wünscht sich Nichts sehnlicher, ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Sie entscheidet zwar viel aus dem Bauch heraus, wirkt aber dennoch reflektiert. Trotzdem kann sie auch ganz schön aufmüpfig sein, vor allem gegenüber Lucifer und seinen ständigen Bevormundungen. Und das gefällt mir besonders gut an ihr, obwohl sie sich damit selber immer wieder in brenzlige Situationen bringt.

Cassiel ist sehr sympathisch und interessiert an Moons Welt, und scheint wohl nicht so das Monster wie die anderen Engel zu sein. Trotzdem ist er mir nicht ganz so greifbar. Ich fand ihn wirklich nett, wobei mir tatsächlich das i-Tüpfelchen gefehlt hat. Es hat leider nicht ganz so gekribbelt, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber er bringt Moon dazu, sich ihrer eigenen Gefühle mal bewusst zu werden.

Dafür hat Lucifer meine ganzen Sicherungen rausknallen lassen. Oh mein Go… äh - Teufel noch mal! Der Herrscher der Unterwelt, das personifizierte Böse, legt ständig ein ambivalentes Verhalten an den Tag, das einen schier verzweifeln lässt. Was zum Teufel will er eigentlich? Was will er von Moon? Ständig taucht er plötzlich auf, rettet ihr Leben. Könnte ich mir wünschen, wer der Loveinterest sein soll, ich hätte meine Wahl schon getroffen. Also bei mir Knistert es da aber gewaltig.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Gleich zu Beginn kämpfen wir mit Moon gegen Semjasa, einen von Lucifers engsten Vertrauten. Darauf baut Marah den Spannungsbogen immer weiter auf. Dieses Buch ist nicht darauf ausgerichtet krasse Kampfszenen zu erzählen, sondern den Leser in die Geschichte einzuführen. Und trotzdem wird es immer wieder spannend. Die Autorin hat es geschafft, dass die Engel und Moon einen in den Bann ziehen. Das Ende dieses Buches lässt einen nach einem unvorhergesehenen Plottwist auch mit einem fiesen Cliffhanger zurück. Und ein paar Fragen sind noch offen geblieben - auf deren Antwort ich unbedingt brenne.

Szenerie / Setting
Venedig, einer meiner Lieblingsstädte voller Mythen und Zauber. Die Kanäle, Brücken, das stinkige Wasser, zerfallene Häuser und abgeblätterte Fassaden, faulige Holzstempen, die Stufen, die einfach ins Wasser führen! Marah hat dieses auch heute schon verfallene Venedig so wunderbar authentisch gezeichnet und es passt einfach perfekt zu dieser dystopisch-mystischen Stimmung. Venedig war mir gleich wieder so präsent - absolut perfekt.

Sprache / Schreibstil
Es ist immer so erfrischend Marahs Sprache zu lesen. Sie weiß einfach die Geschichte rasant und direkt zu erzählen, ohne überlange Umschreibungen oder Ausschweifungen. Ich liebe einfach ihren Schreibstil, die Spritzigkeit und Leichtigkeit mit einem Augenzwinkern. Auch wenn die Ich-Perspektive typisch für das Genre ist, passt die Wahl des Präsens sehr gut zu dieser aufregenden Geschichte.

FAZIT
Fesselnde Geschichte in einem dystopischen Venedig. Perfektes Einführungsband in eine neue Saga mit mysteriösen Engeln und einer sehr sympathischen und toughen Protagonistin. Ich will sofort weiterlesen!

Rückkehr der Engel - Marah Woolf
Rückkehr der Engel
von Marah Woolf
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,99

Kitschig, stereotypisch und zäh durch häufige Wiederholungen - leider enttäuschend

TheUjulala , am 24.09.2018

Das letzte Schuljahr möchte die deutsche Schülerin June bei ihrem Onkel in Cornwall verbringen, um sich optimal auf Oxford vorbereiten zu können. Doch sie verbringt nicht wie erwartet ihre Zeit in einem romantischen Cottage mit ihrem Onkel alleine, sondern residiert in einem märchenhaften Prunkschloss. Dabei bereichern die eigentlich auf Weltreise geglaubten Cousins mit ihrem unwiderstehlichen Aussehen und arroganten Verhalten Junes Aufenthalt. Nicht nur das, auch merkwürdige Dinge gehen im Ansitz der Winterlys vor sich. Die Mitmenschen verhalten sich in Gegenwart der Cousins plötzlich komisch, und auch June muss sich auf einmal mit einer Gabe zurecht finden, die sich nach einem Besuch eines Steinkreises bei ihr gezeigt hat.

Wer Rose Snow kennt, wird von dem Plot nicht überrascht sein: Gut & Böse, Schwarz & Weiß oder besser gesagt Grün & Blau. Ein Mädchen entdeckt plötzlich eine Gabe an sich und gehört einem Geschlecht an, das seit Jahrhunderten in alter Tradition gegen ein feindliches Geschlecht ankämpft. Denn es gibt immer nur zwei, also Gut & Böse. Und nur das Mädchen ist in der Lage zwischen diesen beiden Sippen zu vermitteln oder einen alten Fluch zu brechen. Und selbstverständlich ist der heißeste Boy aus der Gegenpartei der Loveinterest und beide müssen sich auf ein gefährliches Spiel einlassen. So weit so gut. Wer die bisherigen Bücher von Rose Snow gerne gelesen hat, weiß, dass er sowas erwarten muss und sollte es auch mögen. Und bisher haben die beiden Autorinnen es immer geschafft, dieses Schema trotzdem noch mit fantasievollen unterschiedlichen Ideen auszuarbeiten. Dafür kenne ich sie und dafür liebe ich sie.

Aber um Himmelswillen, was ist hier passiert? Es lässt mich einfach ratlos zurück. Ich bin verwirrt und überrascht - nicht im positiven Sinne. Denn hier wird plötzlich das uralte und dermaßen abgeklatsche Cinderella-Schema verwendet, so dass ich wirklich am Zweifeln bin, ob das so von Rose Snow gewollt war, oder es Vorgaben gab. Das Mädchen aus einfachen Verhältnissen, wird plötzlich quasi wie zu einer Prinzessin gekrönt und ausstaffiert. Ihr zu Ehren wird gleich eine Willkommensparty à la Hochzeit von Prinz Harry und Herzogin Megan abgehalten. Ein ganzes Kapitel (!) wird sich intensiv dem Styling gewidmet - und ganz klar - durch eine französische Friseurin, Schneiderin und Visagistin in einer Person. Das kennen wir leider schon aus den Edelsteinen, aus der Pan-Trilogie und diversen anderen good-girl Romances. Ich mag diese elendigen Ausstaffierungen und Kostümshows nicht mehr lesen. Es interessiert mich auch nicht wirklich immer, was der Loveinterest oder die Prota gerade tragen. Es mag Momente geben, wo das passend ist, aber hier wurde leider übertrieben.

Mehr, als dass sich Junes Gabe entwickelt und sie auch hinter das Geheimnis und den Gaben der beiden Cousins kommt, passiert hier leider nicht - vor allem nichts wirklich Entscheidendes. So kenne ich die Bücher von Rose Snow normalerweise aber nicht. Gerade weil sie immer unheimlich flott durch die Handlung galoppieren können und mit ihrem ausgefeilten Sprachstil die Spannung vorantreiben, haben sie mich von Anfang an begeistert und mit sehr vielen Geschichten schon in ihren Bann gezogen. Hier gibt es keinen richtigen Spannungsbogen, kein Showdown, NICHT EINMAL einen Cliffhanger, für den Rose Snow eigentlich berühmt sind! Spannungsmomente werden nicht ausgebaut und verpuffen 3-4 Seiten weiter wieder in sich zusammen.

Dabei sind mir auch noch ein paar Logikfehler aufgefallen (Anziehsachen nach dem Kentern), und auch offene Fragen plötzlich im Nichts verschwunden (grüner Umhang im Geheimgang).

Und dann kommen auch noch die ständigen Wiederholungen dazu. Im gesamten Buch habe ich gefühlt auf jeder 3. Seite von den strahlend blauen Augen, der stählerne Männerbrust und dem betörenden Duft gelesen. Wir haben ja schon bei "Das Reich der Sieben Höfe“ gelernt, dass mantraartige Wiederholungen eher kontraproduktiv sind. Und mich hat es letztendlich nur noch genervt. Die vielen Wiederholungen von Junes Gabe waren dabei für mich noch am wenigsten schlimm sondern immer schön beschrieben.

Dadurch leidet der ansonsten wirklich hervorragend frische Sprachstil der beiden Autorinnen und das ganze Buch wirkt künstlich in die Länge gezogen.

Blake manifestiert sich für mich nur als ein pheromongeschwängerter Brustmuskel mit stechend blauen Augen. Da ist sonst nichts, was ich über ihn sagen kann. Kein Muttermal auf der Wange, keine Narbe am Ohrläppchen oder sonstiges. Schnell wird dem Leser klar, dass er trotz seiner schroffen Art an June sehr interessiert ist, aber ein mächtiges Kommunikationsproblem hat. Nein, sowas muss mit offensichtlich düsterem und aufoktruierendem Machogehabe überspielt werden.

Preston ist Blakes Abziehbild, aber zudem auch noch hinterhältig und ambivalenter als sein Zwillingsbruder.

Anfangs hilt ich June noch für schlagfertig und resolut. Aber kaum brennt sich mal wieder eine Brust mit dem Duft in ihr Gehirn, knallen alle Sicherungen bei ihr durch. Sie ist das good-girl in Person, ohne Ecken und Kanten, die mit ihrer Magie zurechtkommen muss. Selbstverständlich hat sie wegen ihrer Gabe ein schlechtes Gewissen, wenn sie diese bewusst einsetzt. Dabei fehlt mir hier die wirkliche Reflektion über die möglichen Konsequenzen einer solchen Gabe. Welche Macht könnte Sie dadurch erlangen? Und inwieweit darf sie sich diese Gabe zu Nutze machen? Wo liegt ihre Verantwortung? Und weil wir von Klischees noch nicht genug haben: klar will June Menschenrechtsanwältin werden.

Positiv waren die Beschreibungen der Umgebung. Hier habe ich Rose Snow sofort wieder erkannt und bin immer begeistert, wie sie mit einfachen und schönen Umschreibungen einem die Szene bildlich vor Augen führen können. Und Cornwall bietet schon von Grund auf eine wahnsinnig tolle und zur Fantasie anregende Landschaft.



FAZIT

Was in Teufels Namen ist hier los? So kenne ich Rose Snow nicht und ich muss ehrlich sagen, dass ich echt enttäuscht bin. Ich habe schon einige Bücher der Beiden testlesen dürfen, und Ulli und Carmen wissen, dass ich mich nie mit meiner Kritik zurück gehalten habe. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diese Rezension so veröffentlichen soll. Aber ich bin der Meinung, dass die Leser wissen sollen, dass ich Rose Snow eigentlich anders kenne und sehr mag - dieses Buch mich aber durch stereotypische Charaktere und das kitschige Cinderella-Schema enttäuscht hat. Die mantraartigen Wiederholungen ziehen die Szenen in die Länge und der Spannungsbogen bleibt flach.

Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit, Band 1 - Rose Snow
Ein Augenblick für immer. Das erste Buch der Lügenwahrheit, Band 1
von Rose Snow
(90)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,99

Schöne Geschichte mit kleineren Schwächen, mehr Spannung als Romantik

TheUjulala , am 14.08.2018

Der Name Johanna Danninger war mir schon länger aus den sozialen Medien ein Begriff. Dennoch hatte ich bisher noch keinen Titel von ihr gelesen. Als ich bei NetGalley das Angebot zu ihrem neuesten Fantasyroman Secret Darkness gefunden hatte, versuchte ich mein Glück. Dieses Band ist nun nach den Secret Elements Büchern erschienen, dient aber als Prequel für diese Reihe.

Coverbild

Das Cover gefällt mir sehr gut. Neben dem Titel schwebt ein Glas-Prisma, der den Hintergrund auch in changierenden blaurosa Tönen schillern lässt. Dieser Kristall ist zudem auch gleich das Kernelement der Geschichte. Ein einfaches, aber dafür prägnantes Cover. Die Schrift des Titel ist die Gleiche wie auf der Dark Diamonds Reihe und lässt gleich die Zusammengehörigkeit der Bücher erkennen.

Handlung

Die junge Luisa wurde gleich nach ihrer 3 jährigen Ausbildung als Sepcial Agent der Anderswelt in das Team 6 eingeteilt. Diesem Team gehört auch der als Schwerenöter bekannte Alator Stanson. Obwohl Luise sich gleich mit ihrem Team gut versteht und sich übereifrig an die Arbeit macht, bleibt ihr Alators seltsames Verhalten ihr gegenüber ein Rätsel. Die Agency muss nicht nur die Anderswelt vor den Augen der Dortwelt verbergen, sondern auch Verbrechen zwischen den beiden Welten aufklären. So verfolgt das Team 6 eine heiße Spur zu einem längst verschollen geglaubten Kristall und muss beide Welten vor dem Untergang retten.

Buchlayout / Haptik

17 Kapitel teilen die 338 Seiten ein. Jedes Kapitel wird mit einer kleinen Tribal-Zeichnung und lediglich mit dem Wort Kapitel und der Nummer eingeleitet. Die Längen der einzelnen Kapitel sind angenehm.

Idee / Plot

Der Gedanke, dass parallel zu unserer Welt eine Anderwelt existiert, deren Bewohner und Zivilisation uns Menschen ähnlich, aber mit weit aus mehr Gaben und Intellekt bestückt sind, ist nicht neu. Interessant hier aber ist, dass diese Anderwelt in ihrer Kultur und Zivilisation schon wesentlich weiter und fortschrittlicher ist als unsere. Und sie auch verantwortlich dafür ist, dass wir uns nicht in Kriegen und Atombomben schon längst zerstört haben. Sie sind es auch, die die ganze Existenz beider Welten vor der Vernichtung des allseits Bösens aus der Schattenwelt beschützten muss. In dieser Geschichte sind wir gerade mal Anfang der 90er und die Dortwelt beginnt langsam aus dem Kassettenalter zu entwachsen. Die Anderwelt allerdings beherrscht bereits die heute bekannte Technik, und sogar noch weiter darüber hinaus.

Emotionen / Protagonisten

Luisa ist jung und unerfahren, geht aber voller Enthusiasmus an ihre neue Aufgabe ran, manchmal aber auch ziemlich unbedacht - wobei diese Unbedachtheit beim Leser schon vorhersehbar war. Sie wird aber von Torys (Alator) eigensinnigen Verhalten recht eingeschüchtert, wurde sie ja ausgebildet, um keine Regelverstöße zu begehen. Ich fand sie recht sympathisch und authentisch, konnte aber irgendwie nicht so wirklich eine Beziehung zu ihr aufbauen. Ich weiß auch nicht, woran es wirklich lag.

Wahrscheinlich wohl daran, dass es für mich nicht glaubhaft rüberkam, dass Alator so ein Schwerenöter sein soll. Sie ist ihm gegenüber erst mal total abgeneigt und verurteilt ihn von Anfang an, und das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Auch Torys innere Zerissenheit seiner Gefühle gegenüber Luisa kommt bei mir nicht richtig an. Das Verhältnis zwischen den beiden ist für mich einfach nicht greifbar. Luisa redet sich wie ein Mantra ein, dass er die Frauen nur so vernascht, aber wirklich etwas in der Art getan, hat er nie.

Die anderen Figuren werden nur leicht angerissen und bekommen zu wenig Tiefe. So, dass ich mich auch fragen muss, ob alle überhaupt nötig gewesen wären.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Die Handlung wiederum baut sich stetig und solide auf, bis sie in einem fulminanten und spannenden Showdown endet. Das Ende wird von zwei (?) Epilogen abgerundet, die eine interessante Fortsetzung versprechen. Luisa erlebt mit ihrem Team einige Abenteuer und beginnt sich auch mit Torys Eigenheiten anzufreunden. Für mich liegt hier die Lovestory aber auch gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern viel mehr die Suche nach den Bruchstücken des Schlüsselsteins und die Rettung der Welt vor der Vernichtung durch die Schattenwelt. Den Handlungsaufbau finde ich gelungen, und ich konnte mich ohne Längen auf die Geschichte einlassen.

Szenerie / Setting

Trotzdem erinnert es mich wirklich sehr stark an die Pan-Trilogie von Sandra Regnier. Es tauchen auch Figuren auf, die später nicht mehr erwähnt werden und ich mich überhaupt fragen muss, wozu der Auftritt nötig war. Wie zum Beispiel die Meerjungfrau - wobei ich hier auch wieder sehr stark den Vergleich zu Pan ziehen muss. Wie kommt die Meerjunfrau überhaupt in dieses Gewässer? Hier fehlen mir einfach die Zusammenhänge.

Es wird viel angerissen, aber wenig erklärt und ausgeführt. Das Geschlecht der Zwerge zum Beispiel. Ich hätte mir da einen tieferen Einblick gewünscht. Auch gibt es vor allem am Anfang ein paar Logikfehler oder Ungereimtheiten, die mich immer wieder etwas stutzig gemacht haben. Vielleicht werden diese Dinge dann auch in der Fortsetzung der Dark Diamonds Bücher vertieft, es hat mich dennoch gestört.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich ist es gut und solide. Die Autorin findet immer gute Synonyme und hat einen lockeren Schreibstil, in dem sie immer wieder ein paar schöne Formulierungen eingeflochten hat. Die Geschichte wird aus der typischen Ich-Perspektive im Präteritum erzählt. Vielleicht hätte ein zusätzlicher Erzählstrang aus Torys Sicht geholfen, mir die Protagonisten greifbarer zu machen.

FAZIT

Eine solide und nette Geschichte mit mir etwas zu flachen Protagonisten, aber einer spannenden Story. Ein bisschen mehr Einblick und Tiefgang hätte ich mir gewünscht.

Secret Darkness. Im Spiegel der Schatten (Ein »Secret Elements«-Roman) - Johanna Danninger
Secret Darkness. Im Spiegel der Schatten (Ein »Secret Elements«-Roman)
von Johanna Danninger
(5)
eBook
3,99

Herrlich sarkastisch und aus dem wahren Leben

TheUjulala , am 30.07.2018

Nach langer Zeit habe ich mich auf NetGalley wieder umgesehen und dort tatsächlich einen Titel gefunden, der mich gleich interessiert hat. Und tatsächlich hat mir der Mira Taschebuchverlag von HarperCollins ein Exemplar zugesprochen. Dafür möchte ich mich sehr bedanken.
Coverbild

Vier verschiedene Schuhpaare reihen sich im Kreis um den auf Asphalt mit Kreide geschriebenen Buchtitel und Autorenname. Die unterschiedlichen Schuhe zeigen schon sehr gut auch die unterschiedlichen auftauchenden Charaktere, auch die, mit denen sich die Elternsprecherin rumschlagen muss. Das Cover ist gut gesetzt und passt zu dem humoristischen Inhalt.
Handlung

Jennifer Dixon, die 3-fache Mutter von 2 fast erwachsenen jungen Frauen und dem 5-jährigen Nesthäkchen Max, muss mal wieder als Elternsprecherin herhalten. Denn es wollte ja sonst kein anderer diesen Job übernehmen. Aber ihre ironische Einstands-Email sorgt unter der Elternschaft für einigen Wirbel, denn nicht jeder scheint Jennifers Humor zu verstehen. Außerdem trifft sie schon auf dem ersten Elternabend auf einen alten Jugendschwarm und muss neben einem Chatflirt nicht nur einen Putschversuch abwiegeln, sondern auch noch das Mysterium um Sasha Lewicki aufklären.
Buchlayout / eBook

Die ca. 384 Seiten sind in 24 angenehme Kapitel eingeteilt. Jede E-Mail ist mit den typischen Empfänger- und Absender-Daten versehen, und in kursiver Schrift gesetzt.
Idee / Plot

Endlich schreibt mal jemand über die Erfahrungen eines Elternsprechers. Hätte ich das vor 10 Jahren gelesen, ich hätte meine Amtszeiten aller meiner Elternvorsitze in sämtlichen Kinderaufbewahrungsstätten meiner Kinder genauso angefangen: mit einer fetten Portion Ironie – denn anders ist das manchmal nicht zu ertragen! Großartig, mit welchem Sarkasmus die Autorin die Realität der Schulkinder-Eltern begegnet. Das geht soweit, dass die Intrigen und das Getratsche nicht minder schlimmer als das Kindergartengeplänkel der Kinder sind.
Emotionen / Protagonisten

Ich kann Jennifer so gut verstehen. Meine Güte, was habe ich für Typen unterschiedlichster Charakterzüge kennengelernt. Sie ist mir von direkt sympathisch. Ich habe mit Jen mitgelacht und konnte mich wirklich gut in ihre Lage versetzen. Es hat mir richtig gehend Spaß gemacht, sie als Elternsprecherin zu begleiten und die anderen Eltern mit ihrer saloppen und sarkastischen Art und Weise auch ein Stück weit aufzuziehen.
Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Wir steigen direkt in den ersten sarkastischen Brief an die Eltern ein und werden gleich mit der sarkastisch-flapsigen Art von Jen vertraut gemacht. Natürlich sind die unterschiedlichen Reaktionen der Elternschaft nachvollziehbar. Die Handlung baut sich über das Buch stetig auf, bis zum Einen das Unverständnis mancher Eltern in einem Putsch eskaliert und zum Anderen Jens Ehe durch das Prickelabenteuer stark ins Wanken gerät. Aber selbstverständlich erhalten wir am Ende ein – für mich schlüssiges und zufriedenstellendes – Happy-End.
Szenerie / Setting

Ob Amerika oder hier in Deutschland. Diese Geschichte hätte überall passieren können. Deswegen hatte ich mit dem Setting auch überhaupt keine Probleme, es ist ja überall gleich. Eine typisch bürgerliche Umgebung mit unterschiedlichen Menschen aller Couleur und Einkommensklassen.
Sprache / Schreibstil

Knackig und sarkastisch, ohne große Umschreibungen. Die Autorin hat hier einen zeitgemäßen und herrlich komischen Sprachstil. Mir gefällt das unheimlich gut, zumal es aber auch nicht übertrieben wirkt, sondern aus dem echten Leben gegriffen – wie eine gute Stand-up-Comedy.

Fazit: Herrlich sarkastisch und aus dem wahren Leben. Ein Leitfaden für alle werdenden Elternsprecher. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Die Elternsprecherin - Laurie Gelman
Die Elternsprecherin
von Laurie Gelman
(41)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Durchwachsen, wesentliche Steigerung aber trotzdem einige Mängel.

TheUjulala , am 30.07.2018

Feyre und Tamlin kehren nach der Befreiung aus Amaranthas Schreckensherrschaft im Hofe unter dem Berg zurück an den Frühlingshof. Aber anstatt dort gemeinsam mit seiner Verlobten die wiedererlangte Freiheit zu erleben und zu genießen, beginnt Tamlin Feyre im Schloß einzusperren und komplett aus seinem Leben und Walten am Hofe auszuschließen.

Gebeutelt von Albträumen rutscht Feyre immer mehr in traumatische Zustände und Phobien, ausgelöst allein schon an Erinnerungen an ihre Erlebnisse unter dem Berg. Doch der Handel, den sie mit Rhys eingegangen ist, zwingt sie an den Hof der Nacht und in die Hände des mächtigsten High-Fae, des größten Feindes des Frühlingshofes. Aber der Hof der Nacht birgt nicht nur einige Geheimnisse sondern auch Wunder. Und Rhys scheint nicht der zu sein, den er ganz Prythian vorgibt zu sein und Feyres Leben wendet sich um 180 Grad.

Auch diese über stattliche 720 Seiten sind zunächst in 3 Teile und insgesamt in 69 angenehm lange Kapitel eingeteilt. Wie im ersten Buch findet sich hier am Anfang eine kleine Karte, die Großbritannien als Prythian und Hybern darstellen. Leider finde ich das etwas einfallslos. Hier hätte sich die Autorin auch ruhig eine ganz eigene Welt einfallen lassen können.

Besonders interessant finde ich, dass nicht die im ersten Band eingeleitete Liebesgeschichte zwischen Tamlin und Feyre weiter breit getreten wird, sondern der ganze Plot insgesamt eine ganz andere Wendung bekommt. Der anfängliche größte Feind Rhysand zeigt sich plötzlich in einem ganz anderen Licht und wird zum kompletten Gegenteil von Tamlin.

Feyre kämpft vor allem um ihre eigene Freiheit und ihren eigenen Willen. Sie will nicht mehr ausgegrenzt werden, dafür die Welt der Fae verstehen lernen. Sie muss ihre eigene Macht kennen lernen und lernen sie auch zu benutzen. Denn sie ist ein Teil von allen High-Lords und trägt von jedem einen Funken Magie in sich.

Und hier merkt man nun die geschickt im ersten Band eingeleiteten Zusammenhänge, die erst später in diesem Buch aufgeklärt werden. Warum sich Tamlin und Rhys so sehr hassen. Und bei Tamlin bleibt immer mehr ein bitterer Nachgeschmack. Hat er im ersten Band aus wirklicher Liebe gehandelt, oder war alles von Anfang an nur Berechnung? Hat er Feyre nur benutzt und weiß er von ihrer möglichen Macht? Aber auch diese Fragen muss man sich bei Rhys stellen, denn auch er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er Feyre nur für seine Zwecke benutzt hat.

Feyre macht in diesem Band für mich eine komplette Wandlung durch. Ihre anfängliche Panik und Wut kommt bei mir sehr gut und authentisch an. Womit ich immer noch nicht so zurecht komme, sind die immer wieder sich wiederholenden, mantraartigen Gedankengänge mit Vorwürfen und der inneren Zerrissenheit, dass sie als Verlobte Tamlin eigentlich hintergeht und eine Verräterin ist. Ich finde es okay, dass sie eine Weile braucht, um sich von Tamlin abzunabeln, aber der Punkt kommt mir zu spät und der Weg dahin war mir zu sehr „Mimimi“. Ansonsten gefällt sie mir hier sehr viel besser als im 1. Band. Sie wirkt auch wesentlich reflektierter und mutiger.

Tamlin erscheint nur recht kurz und kommt nicht sehr sympathisch rüber. So blass er mir am Ende des 1. Bandes war, so farblos geht es mit ihm auch weiter. Ich kann ihn einfach nicht fassen und nicht einschätzen, welche Absichten er wirklich hat. Aber ich schätze, dies ist von der Autorin auch so gewollt.

Aber es ist bestimmt allen klar, dass sich zwischen Feyre und Rhys was anbahnt. Denn Rhys ist nicht wirklich der, den er der ganzen Welt außerhalb vom Hofe der Nacht weiß machen möchte zu sein. Und ganz ehrlich, ich finde ihn hier tatsächlich auch etwas zu überzeichnet „nett“ – also zu sehr lieb und zu sehr uneigennützig, das ist dann auch nicht so glaubwürdig. Ja, nach außen muss er eine Farce spielen, aber mir hat trotzdem eine Demonstration, die ständige Präsenz seiner unbändigen Macht gefehlt. Er ist mir fast schon zu weichgespült, da fehlt mir ein bisschen der bad-boy.

Über das gesamte Buch gibt es immer wieder Längen und hineingeflochtene Geschichten, die mir zu ausführlich beschrieben waren. Die Handlung kommt eigentlich im gesamten Buch nicht wirklich in Schwung. Wären da nicht die ständigen prickelnden Momente zwischen Feyre und Rhys, die sich wie zwei Magnete anziehen und dann wie am Gummiband zurückschnalzen. Dieses Beziehungsdrama ist über das gesamte Buch hinweg eines der wenigen Treibmittel, um die Lesespannung anzuheizen. Die eigentliche Handlung, den Krieg zu verhindern, wird dadurch zu einem Nebenschauplatz mit vielen kleinen Geschichten und Scharmützeln, die den Spannungsbogen erst am Schluß in einem fulminanten Showdown in die Höhe schnellen lassen.

Diesmal dürfen wir nun auch den Hof der Nacht kennenlernen. Sarah J. Maas schildert hier eine wundervolle und facettenreiche Umgebung, von traumhaft schön bis mystisch gefährlich ist hier alles dabei. Die Ausschmückungen der Landschaft gefallen mir sehr gut, sind gekonnt dosiert eingesetzt. Was man aber von den Beschreibungen der Bekleidung nicht beheaupten kann. Das ist mir dann doch des öfteren zu viel. Es wirkt dann eher wie ein Kostümball und ich will eigenlicht nicht immer so genau wissen, wass die Figuren am Set gerade alles tragen.

Die erotischen Szenen sind dafür wahnsinnig gut beschrieben. Zum Schluß hin war es mir dann aber einen Ticken zu ausführlich – und noch einmal – und noch einmal – ja schon fast animalisch. Die Autorin hat uns hier aber auch lange warten lassen und dann in einem alles rausgehauen, was möglich war. Definitiv kein Jugendbuch.

Sprachlich erfährt dieser Band gegenüber dem ersten eine enorme Steigerung. Die vielen … sind immer noch vertreten, haben mich aber nicht mehr so sehr gestört. Aufgefallen sind sie mir trotzdem. Auch ein paar kleinere Logikfehler sind immer noch dabei. Manchmal passt der Dirty-Talk irgendwie nicht zu dem doch eher High-Fantasy Setting, der etwas altertümlichen Sprachfarbe.

Fazit: Insgesamt gefällt mir das Buch eigentlich ganz gut, hat leider ein paar Längen und zu viele ausführlich beschriebene Geschichten gleichzeitig. Die erotischen Szenen ist anfangs sehr gut, wird mir dann aber zu viel, bzw. nicht mehr Jugendbuch-tauglich und der Dirty-Talk passt da einfach nicht so rein.

Flammen und Finsternis / Das Reich der sieben Höfe Bd.2 - Sarah J. Maas
Flammen und Finsternis / Das Reich der sieben Höfe Bd.2
von Sarah J. Maas
(124)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,95

Überzeichnet mit unauthentischen Figuren in langatmiger Handlung – enttäuschend

TheUjulala , am 30.07.2018

Dieses Büchlein habe ich von einer Freundin aus Berlin zum Lesen bekommen. Dass es verfilmt wurde, wusste ich bereits. Den Film kenne ich aber nicht.
Coverbild

Auf dem Cover ist eine am Fenster vorbeiziehende Landschaft in verwischten horizontalen Farbbalken zu sehen. Unten der Asphalt, oben der blaue Himmel und in der Mitte irgendwas zwischen Bäume und Leitblanke. Die Schriftsetzung gefällt mir gut. Das Cover kommt gut ohne Schnickschnack aus und lässt das Roadmovie schon ganz gut erkennen.
Handlung

Der 14 jähriger Maik, unter Einfluss der beginnenden Pubertät, lässt sich durch seinen Klassenkamerad tschick zu einer Dummheit überreden. Aus Langeweile in den Sommerferien klauen Sie ein Auto und wollen erst mal weg, Richtung Rumänien. Sie fahren mit dem geklauten Lada einfach drauf los und erleben einen Roadmovie quer durch das Berliner Umland. Immer die Gefahr im Nacken erwischt zu werden, erleben Sie einige Abenteuer und treffen auch auf skurrile Gestalten.
Buchlayout / Haptik

Ein typisches kleines rororo Taschenbuch, ohne Firlefanz oder sonstiges Gimmick. Das schmale Büchlein mit seinen 254 Seiten ist in 49 sehr kleine Kapitel eingeteilt, die nur die Kapitelnummer schmückt.
Idee / Plot

Roadmovies versprechen schon alleine durch die vielen und schnellen Ortswechsel mit Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Couleur immer sehr spannend, aufregend und auch komisch werden zu können. Die Idee dazu ist an sich aber nicht neu. So einen ähnlichen Titel habe ich mit » Arno Franks „So, und jetzt kommst Du“ gelesen. Wobei man betonen muss, dass es sich bei diesem Buch hier um eine fiktive Geschichte handelt.
Emotionen / Protagonisten

Maik Klingenberg ist in der Klasse der Buhmann, der typische Außenseiter. Die Mutter eine Alkoholikerin und der Vater mit seiner Geliebten ständig auf Reisen, hat er in der Schule seinen Ruf als Psycho weg. Aber Maik kommt mir als 14 Jähriger viel zu schwach rüber. Sein Verhalten ist dem Alter nicht entsprechend und ich empfinde ihn als ziemlich dumm. Dabei habe ich nicht das Gefühl, dass der Autor mir das Gefühl vermitteln wollte, Maik wäre in irgendeiner Art zurückgeblieben, hätte also Defizite seinen Mitschülern gegenüber. Ich habe eher den Eindruck, Wolfgang Herrndorf hat seinen Protagonisten so überspitzt „dämlich“ dargestellt, dass es für mich einfach unglaubwürdig ist.

Sein Freund tschick, Andrej Tschichatschow, wird zudem auch ziemlich stereotypisch als typischer Bruder eines russischen Kriminellen dargestellt. Diese Figur bleibt mir ebenfalls verschlossen und kann ich nicht greifen.

Alles in allem wurden ziemlich alle Figuren in diesem Buch sehr stereotypisch gezeichnet und zeigen sich mir ohne Konturen, sondern sind voller Klischees und deswegen auch recht langweilig und im Verhalten absehbar.
Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Die Handlung plätschert so über das ganze Buch hinweg ohne wirklich erkennbaren Steigungen oder Dramatik. Trotz direktem Einstieg, bei dem man erst etwas rätseln muss und auf die Auflösung gespannt ist, geht die Geschichte aber recht monoton ohne Höhepunkt weiter und bleibt ziemlich flach und langatmig. Das Ende kommt dann auch ohne finalen Showdown oder überraschender Wendungen.
Szenerie / Setting

Sozialer Brennpunkt Berlin als Schmelztiegel aller vorstellbaren Klischees passt wohl für diese unsinnige Aktion am besten. Klar, dass es hier viele Außenseiter gibt, die sich durch einen Ausflug ins Ungewisse ein unvergessliches Abenteuer versprechen. Wolfgang Herrndorf bedient sich hier aber auch allen verfügbaren Stereotypen und Vorurteilen.
Sprache / Schreibstil

Der Autor lässt die Geschichte in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Maik im Präteritum erzählen. Es wirkt wie im Tagebuchstil, als hätte Maik seine Geschichte auf Kassette gesprochen. Sprachlich fand ich es am Anfang noch recht witzig. Aber im weiteren Verlauf des Buches wurde es immer überzeichneter und unauthentischer. Teilweise richtig platt und nervig. Es gab ein paar nette, lustige Szenen, aber in Gesamtheit hat mich das eher enttäuscht.

FAZIT: Enttäuschend weil viel zu überzeichnet und einfach unauthentisch. Eine fiktive Geschichte die vor lauter Klischees nur trieft und auch die flache Handlung es nicht mehr retten kann. Leider.

Tschick - Wolfgang Herrndorf
Tschick
von Wolfgang Herrndorf
(199)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Das gefühlvollste Band der Saga und der würdigste Abschied

TheUjulala , am 17.06.2018

Ich bin so aufgewühlt, so mitgerissen und unendlich traurig. Und es erschüttert mich, mit diesem Band endgültig Abschied von liebgewonnenen Charakteren nehmen zu müssen. Mir ist der bockige Elf und seine Freunde so sehr ans Herz gewachsen, dass ich lange Angst vor diesem Finale hatte, und mir fällt der Abschied noch immer so wahnsinnig schwer, vor allem weil ich Cayden jetzt schon so stark vermisse. Aber die Elfenwelt muss ja noch vor dem bösen Damian de Winter gerettet werden und Eliza und Cassians Beziehung sollte endliche eine Chance bekommen, oder? Trotzdem bin ich von diesem Buch so emotional ergriffen, dass ich lange Zeit kein anderes Buch mehr in die Hand nehmen konnte. Diese Saga begleitet mich nun schon seit 2015, und es fällt mir schwer zu glauben, dass es jetzt vorbei ist.

Nachdem Eliza es misslungen ist, den Stab des Nangur aus Damians Fängen zu klauen, muss die Magische Welt sich einen anderen Plan ausdenken. Der Heilige Baum friert immer weiter ein und die Magische Welt stirbt immer mehr. Nur die Zerstörung aller drei magischen Siegel und der Niedergang von Damian kann dem Einhalt gebieten. Aber der flieht in das Verbotene Königreich und die Reise dahin, um sich das letztes Siegel zu holen und Damian zu besiegen stellt Eliza und Cassian vor ihre härteste Probe.

Es ist nicht ganz leicht hier den Plot aufzuzeichnen, ohne zu spoilern. Und das möchte ich gerne vermeiden, denn gerade die zweite Hälfte des Buches lebt davon, die Idee dahinter als Leser erst mal nicht zu kennen.

Ich kann nur soweit sagen, dass es in jeglicher Hinsicht das große Finalband ist. Es passieren so viele Dinge, es ist absolut emotional, so ergreifend. Hier gibt es so viele Aspekte, die in diesem Band mitschwingen. Zum Beispiel, ob und wie weit man selber ein Opfer erbringen kann und muss, um das Wohl einer ganzen Bevölkerung zu retten. Und es müssen einige Opfer erbracht werden, die auch so ergreifend und erschütternd sind, dass ich es kaum in Worte fassen kann.

Oh mein Gott, habe ich mit Eliza mitgelitten. Es hat mich total geflasht, geschüttelt und so viel habe ich wohl schon lange nicht mehr in einem Buch geweint. Eliza ist so toll! Sie ist so tough, sie kämpft, und sie wirkt so reflektiert aber auch verletzlich. Sie will eigentlich nichts mehr, als endlich in Frieden leben und die Beziehung mit Cassian irgendwie klären. Aber das Bestehen der ganzen Magischen Welt lastet auf ihren Schultern.

„Ich wischte die Schale mit dem Brei, die sie mir hinschob vom Tisch. Sie zerschellte auf dem Boden. Am Rande bekam ich mit, wie Sophie aufkeuchte. Ihr Mitleid brauchte ich nicht. Raven dachte doch auch nur darüber nach, wie ich ihrem Volk am Nützlichsten sein konnte.“

Cassian macht in diesem Band eine tolle Entwicklung durch. Ich finde ihn so toll, und so unglaublich reif. Im Vergleich zu allen Bänden hat Cassian sich wirklich weiterentwickelt. Er hat begriffen, dass er Eliza nicht ständig bevormunden darf und ihr die nöitge Freiheit geben muss, selber Entscheidungen zu treffen. Und dann sind seine Handlungen auch plötzlich so unfassbar und lassen mich erschüttern!

»Pass auf dein Herz auf«, sagte Cassian anstelle der erwarteten Vorwürfe. »Es gehört eigentlich mir.«

Ja es ist auch das von Marah bekannte Beziehungs-Ping-Pong. Und ja auch im 7. Band ist dies nur allgegenwärtig. Aber es hat hier ein ganz neues Niveau erreicht und mir ab der Hälfte wirklich einige Herzaussetzer beschert. Und es ist auch wirklich zum verzweifeln mit den beiden - aber warum, kann ich leider an dieser Stelle nicht verraten.

Alle Charaktere haben in diesem Buch ihren Auftritt und darf sich noch mal präsentieren. Es sind alle dabei und ich kann hier kaum alle einzeln ausführen. Aber ich kann Euch nur raten das Buch nur mit Taschentücher in greifbarer Nähe zu lesen.

Die Geschichte steht unter steter Spannung. Schon am Anfang beginnt das Gefühlschaos mit Eliza und Cassian. Denn Eliza hat Cassian in seine Schranken gewiesen, und Cassian lässt ihr nun die Freiheit, die sie eingefordert hat. Doch man merkt schnell, dass beide mit dieser Situation nicht glücklich sind. Die Spannung steigert sich bis zur Mitte, bei dem ein aufregender Kampf der ganzen Magierwelt einen den Atem rauben lässt. Zum Schluß wird es noch mal so aufreibend und herzzereissend. Marah peitscht die Dramatik immer wieder in die Höhe, bis sie zum Ende noch mal einen nervenaufreibenden Höhepunkt erreicht, der einen nicht ohne Tränen zurück lässt.

Neben der uns bekannten menschlichen Welt bei Eliza zu Hause, der Verbotene Wald und der Heilige Baum, entführt uns Marah diesmal auch in ein ganz neues Reich, das Verbotene Königreich. Wie immer beschreibt Marah die Umgebung so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig, um Platz für seiner eigene Phantasie zu lassen, und trotzdem den richtigen Eindruck von der Umwelt zu bekommen.

Marahs Sprache ist wie gewohnt unheimlich flüssig, flott und einfach berauschend. Sie hält sich nicht mit ausführlichen Umschreibungen auf sondern kann einem lockerflockig in das Gefühlschaos stürzen. Schön ist vor allem ihre facettenreicher Schreibstil. Hier ist er nicht so jugendlich frech wie zum Beispiel in Götterfunke, aber dennoch so einfühlsam und direkt.

FAZIT

Eines für mich das emotionalste Buch voller Überraschungen und tränenreichen Momente. Ein Auf und Ab der Gefühle und ein für sehr schwerer Abschied von der Elfenwelt. Das absolute beste und würdigste Finalband einer Fantasy-Reihe.

FederLeicht. Wie ein Funke von Glück - Marah Woolf
FederLeicht. Wie ein Funke von Glück
von Marah Woolf
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
13,00

Ein emotionales Schicksal in ergreifender Nüchternheit erzählt.

TheUjulala , am 17.06.2018

Handlung
Um bis zum Beginn ihres Studiums über die Runden zu kommen, jobbt Fanny auf einem Weinfest in Virginia. Dort lernt sie den sympathischen und ungestümen Jace kennen, der sich sofort in sie verliebt und sie auf Händen trägt. Beide verbindet von Anfang an eine tiefe Anziehungskraft und eine innige Beziehung. Doch plötzlich ist Jace verschwunden und zurück bleibt nur ein Brief mit fadenscheinigen Ausreden. Reece, ihr späterer Mitbewohner an der Uni, kann ihr nicht über das gebrochene Herz helfen. Dabei ist Reece unheimlich mitfühlend und ein stetiger Begleiter in Fannys Leben geworden. Erst sehr langsam fasst Fanny wieder Vertrauen in ihre Gefühle und beschließt der Liebe zu Reece eine Chance zu geben. Und plötzlich taucht Jace wieder auf.

Idee / Plot
Was ist, wenn man plötzlich die Liebe des Lebens findet, sie aber nur wenige Tage erleben kann? Wie wird sich das Leben danach gestalten, auch wenn man denkt, dass sein Herz für immer gebrochen ist? Was wäre wenn? Schicksalhafte Momente, die das Leben in andere Bahnen lenkt. Was wäre geschehen, hätte man sich anders entschieden? Ein hochemotionales Thema, welches die Autorin hier aufgefasst hat und in einen wunderbaren kleinen Roman gepackt hat. Kann man auch jemanden lieben, bei dem man weiß, dass er eigentlich nicht derjenige ist, den man von Anfang an haben wollte. Muss es immer der Ritter in schimmernder Rüstung sein, oder kann sich die wahre Liebe auch auf einer anderen Basis begründen?

Emotionen / Protagonisten
Fanny war mir von Anfang an sehr sympatisch. Auch wenn sie vor ihrem Kennenlernen von Jace geglaubt hat, Liebe in der reinen Sexualität finden zu müssen. Die Mutter früh verstorben und vom Großvater verstoßen, wurde ihr ja nie richtig gezeigt, wie man wirklich liebt. Deswegen konnte ich ihr das doch recht schnell verzeihen. Ich finde sie sehr stark. Sie hat ja früh lernen müssen, auf eigenen Beinen stehen zu müssen. Sie ist ein toughes Mädchen das in ihrem Leben viel durchmachen muss, aber trotzdem nicht wirklich fähig ist mehr Selbstwertgefühl aufzubringen. Das macht sie mir sehr authentisch.

Der arme Jace steht von Anfang an zwischen den Stühlen. Auf der Suche nach Anerkennung durch seinem Vater beginnt er leider einen Fehler zu machen, aber die Narben seiner Kindheit machen sein Verhalten menschlich und authentisch. Und seine inneren Zweifel kann man unheimlich gut nachvollziehen. Anfangs finde ich das Verhältnis zwischen Fanny und Jace etwas „schwanzgesteuert“, aber diese wahre Liebe zwischen den beiden ist dann doch eindeutig nachvollziehbar.

Reece habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Es kommt schon sehr gut hervor, in welcher Art und Weise er Fanny liebt und immer der Fels in der Brandung für sie sein wird. Ich finde es so großartig, wie er ihr in den schwersten Zeit das gegeben hat, was sie gebraucht hat: Geborgenheit, Liebe und einen sicheren Hafen. Und er hat erkannt, dass er Fanny wahrscheinlich nie das geben kann, was sie eigentlich will, sie aber trotzdem immer auf Händen trägt und abgöttisch liebt. Und das ist so toll!

In diesem Buch ist man ständig in einem Galopp der Gefühle. Die Dramatik wird immer wieder gepeitscht, aber einzelne sehr emotionale Szenen dennoch nüchtern und ohne übertriebenem „Bohren in Wunden“ dargestellt. Ich hatte an keinem einzigen Punkt das Gefühl, es wäre zu viel oder überzeichnet. Es zeigt auch, wie sehr sich Fanny ihren eigentlichen Gefühlen verschließt und sich selber auch noch die Schuld an vielen Ereignissen und Entscheidungen gibt.

Es ist trotz teilweiser Nüchternheit, die ich besonders gut finde, so emotional, so ergreifend und herzzerreissend. Auch wenn viele Schicksale aufeinandertreffen ist es so authentisch und berührend, dass diese Geschichte so tatsächlich auch im wahren Leben hätte stattfinden können. Ja, es ist schnulzig, aber man darf bei einem Buch von Emma C. Moore, und wenn man schon Finian Blue Summers kennt, nichts anderes erwarten.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Zunächst begleiten wir Fanny und Jace bei ihrem unbeschwerten Kennenlernen. Man wird schnell in diesen sonnigen und fröhlichen Sog aus positiven Gefühlen gezogen und fühlt sich gleich mit beiden wohl. Aber Emma C. Moore lässt es nicht lange dabei bleiben und stürzt uns schon ziemlich bald in die ersten Gefühlstiefen. Man ist in diesem Gefühlssog gefangen und leidet mit Fanny und den anderen Protagonisten richtig mit. Wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, schupst uns die Autorin doch noch mal einen Abgrund weiter. Aber es gibt immer wieder unheimlich feine Lichtmomente. Im Gegensatz zu Finian Blue Summers dürfen wir einem Happy End entgegen sehen, welches einen aber dennoch tief ergriffen zurück lässt – mir kommen gerade wieder die Tränen.

Szenerie / Setting
Wir sind in den Vereinigten Staaten zwischen großen Weingütern mit ihren riesigen Ländereien und Gutshöfen. Ich kann mir diese Umgebung ganz gut vorstellen, obwohl ich selber noch nie in der USA war. Die Autorin lässt uns hier genügend Spielraum für die eigene Phantasie, kann mir aber die unmittelbare Umgebung sehr glaubhaft darstellen. Diese Lovestory passt für mich wunderbar in dieses amerikanische Setting.

Sprache / Schreibstil
Auch wie bei Finian Blue Summer ist hier das Besondere zum Einen, dass der Text den Charakter von Tagebuchberichten hat, aus den beiden Perspektiven Fanny und Jace. Jedes Kapitel wechselt die Perspektive. So bekommen wir auch beide Seiten mit und Emma C. Moore kann uns damit ausgesprochen gut und flüssig durch die Handlung führen.
Zum Anderen hat die Autorin auch sehr viele Zitate aus sehr vielen tollen Büchern und Werken mit aufgenommen. Sie sind ein gewisser Leitfaden durch das Buch und betonen noch mal die besondere Beziehung zwischen Fanny und Jace.

Sprachlich ist es dem Tagebuchstil absolut passend, mich begeistert vor allem diese Direktheit ohne sich in einzelnen Szenen zu sehr aufzuhalten. Absolut top.

Oh mein Gott - was für ein emotionales Buch. Absolute Taschentuchgarantie, aber ohne überzeichnet zu sein. Ein Schicksal, wie es auch im wahren Leben hätte passieren können. Ein grandioses kleines Werk um Gefühle, Liebe und Verzeihen.

Timing is everything - Emma C. Moore
Timing is everything
von Emma C. Moore
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
16,99

Eine Leseerfahrung voller Dornen – ambivalent, holprig und sehr enttäuschend.

TheUjulala , am 17.06.2018

Handlung
Die junge Frau Feyre wird durch einen alten Vertrag in das Reich der Fae verschleppt. Entgegen Ihrer Annahme dort als Gefangene leben zu müssen, genießt sie am Frühlingshof große Freiheiten und kommt ihrem Entführer Tamlin doch näher als sie wollte. Doch das Reich ist in Gefahr und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Feyre muss sich gegen einen mächtigen Gegner stellen und für ihre Liebe kämpfen.

Mehr kann man leider nicht schreiben, denn die Handlung beginnt erst bei 60 % des Buches, und dann kommt es extrem geballt. Leider spielt das dann schon jenseits der Spoilergrenze, so dass ich nicht mehr über die Handlung erzählen kann.

Buchlayout / eBook
Die guten über 480 Seiten sind in 46 kleine Kapitel eingeteilt. Ansonsten ist außer einer kleinen Karte, die mich sehr stark an Großbritannien erinnert, kaum Ausschmückung vorhanden und eher lieblos gestaltet.

Idee / Plot
Woran erinnert mich das Ganze? Ja klar, eine Mischung aus „Die Schöne und das Biest“ und „Aschenputtel“ in einem dystopischen Setting wie „Herr der Ringe“. Dass es eine Märchenadaption sein soll, habe ich erst später erfahren. Die jüngste Tochter einer einst sehr wohlhabenden Familie, hat ihrer Mutter auf dem Sterbebett einen Eid geschworen und ist nun die einzige Hoffnung den Vater und ihre störrischen Schwestern aus der Verlotterung zu retten. Doch das Schicksal führt Feyre in ein Reich, dass sie bisher nur aus Legenden kennt. Dort entpuppt sich das Biest, welches sie entführt hat, als verfluchter Schönling. Aber ihre Liebe wird überschattet von einer bösen Übermacht, die das ganze Fae-Reich bedroht. Hm, und schon kann ich wieder nicht weiter erzählen, zumal ich ja eigentlich auch die Handlung wiederhole. Die Idee, ein Mädchen muss sich ihrem Feind stellen und kitzelt das Gute heraus, ist ja nicht neu. Auch nicht, dass dieses Ding dann um diese Liebe kämpfen und beweisen muss. Also richtig überzeugen konnte mich die Handlung nicht, und neuartig ist es auch nicht.

Emotionen / Protagonisten
Feyre ist mir von Anfang an regelrecht unsympathisch und kommt überhaupt nicht authentisch bei mir an. Sie wirkt aber auch so ambivalent auf mich. Sie urteilt sehr abschätzig über ihre Schwestern, und dann „vergeht“ sie vor lauter Sorge um sie. Ich kann ihr aber diese „Liebe“ zu ihrer Familie nicht abnehmen. Und in jeder Handlung ist sie selbstverständlich sooooooo selbstlos, aber in Wirklichkeit trotzdem oft sehr unreflektiert. Erst sehr viel später taut mein Verhältnis zu ihr auf, wobei ich immer noch nicht ganz überzeugt bin.

Tamlin, das anfängliche Biest, ist dagegen das komplette Buch über farblos. Er hat ein paar wenige schöne Szenen. Es ist schnell klar, dass er doch nicht ganz so das böse Biest ist. Wo Feyre gegen Ende des Buches mir greifbarer wird, wird Tamlin immer blasser und verschwindet irgendwie total.

Dafür schleicht sich ein anderer Protagonist auf die Bildfläche. Leider war mir der Name schon bekannt, aber ein wirklicher Plottwist ist es auch nicht. Ja, es wird `ne Dreiecks-Kiste, was ja irgendwie klar war.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Hätte ich nicht meine Mädels, hätte ich dieses Buch schon längst in die Ecke gepfeffert. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, was mich wirklich teilweise zur Weißglut gebracht hat. Die ersten 60% passiert nichts – nada – nothing. Es ist laaangweilig und zäh. Es plänkelt und plätschert so vor sich hin, ohne das wirklich was passiert. Ja klar, Feyre macht ein paar Dummheiten und dafür bestraft Tamlin sie gleich mit einer Brise Testosteron. Normalerweise hätte ich schon nach 30% aufgehört, aber meine Mädels haben mich motiviert weiter zu lesen. Der erste Teil wirkt auch so, als ob er erst später hinzugefügt wurde. So, als wäre die Geschichte künstlich in die Länge gezogen worden.
Im letzten Dritte wandelt sich plötzlich die Handlung. Sie wird dann aber teilweise so krass, und extrem brutal, was mir dann auch etwas aufstößt – teilweise für einen „Young Adult“ auch echt grenzwertig. Ich hatte eigentlich nicht erwartet einen Stieg Larsson zu lesen.
Ein bisschen hatte mich das letzte Drittel dann doch gepackt, was aber dann eher am dritten Protagonisten liegt.

Szenerie / Setting
Die Idee der Sieben Höfe mit den unterschiedlichen Jahreszeiten und Tageszeiten ist ganz nett. Aber mehr kann ich dazu nicht wirklich sagen. Ich habe eine ganze Zeit auch die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen den ganzen Geschlechtern und Wesen nicht verstanden. Es tauchen auch ständig verschiedene Wesen auf, die aber nicht wirklich greifbar sind.

Klar ist, dass das Reich der Nacht in einem Berg ist und dort alles düster, schlammig und stinkig ist. Also das klassische schwarz-weiß Klischee. Allgemein wird hier alles sehr stereotypisch dargestellt, ohne Überraschungseffekt oder einem wirklich neuartigen Setting. Die Umschreibungen wirken manchmal richtig deplatziert und helfen auch nicht, sich wirklich in die Gegend einzufühlen.

Sprache / Schreibstil
Was zur Hölle ist der Autorin denn da passiert? Ich bin immer noch am Überlegen, ob es auch vielleicht an der Übersetzung liegt? Wie schon erwähnt wirken die ersten 2 Drittel wie „dazu gebastelt.“ Ständig … diese … drei … Punkte. Teilweise tauchen diese … aber mehrfach in einem Absatz auf. Die Sprache ist abgehakt und ungelenk, permanent wird alles wiederholt. Und immer wieder sind da einige Logikfehler. Feyres Gedankengänge drehen sich ständig im Kreis, das andauernde mantraartiges Gefasel strotzt nur so vor lauter „Mimimi“. Die Dialoge sind streckenweise regelrecht unförmig. Die Autorin streut lauter Andeutungen ein und lange versteht man überhaupt nicht die Zusammenhänge. Dann plötzlich wird die ganze Auflösung bei 70% in 2 Seiten abgehandelt.

Auch hier fängt es erst im 3. Drittel an zu flutschen, die Sprache wird flüssiger. Feyre hört endlich auf sich in Selbstmitleid und langatmigen Monologen zu vergehen.

Ich stehe dem gesamten Buch ziemlich ambivalent gegenüber. Viele Ungereimtheiten in einem anfänglich extrem ungewohnt holprigen Schreibstil. Die Wendung kommt erst nach 70%, ob die aber dann gefällt, muss jeder selber entscheiden. Und Überraschung: ja, ich werde das 2. Band lesen - aber nur wegen meinen Mädels.

Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1 - Sarah J. Maas
Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1
von Sarah J. Maas
(196)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,95

 
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