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Meine Bewertungen

Mehr als Dalís Muse

Jennifer , am 19.05.2019

Gala Éluard (1894-1982) ist weithin als Muse des surrealistischen Künstlers Salvador Dalí, der sie in unzähligen Bildern verewigte, bekannt. Doch Gala war mehr als das schöne Anhängsel des großen Maestro. Die aus Russland stammende Jelena Dmitrijewna Djakonowa wuchs in einfachen Verhältnissen auf und liebte die schönen Künste. Während eines Kuraufenthalts in Clavadel lernt sie 1913 den ebenfalls lungenkranken Paul Éluard ihren späteren ersten Ehemann kennen. Beide kommen trotz des aufziehenden Ersten Weltkriegs und Widerstände der Eltern bald zusammen. Auch beruflich harmonieren sie wunderbar miteinander, gemeinsam arbeiten sie an seiner Zweitkarriere als Lyriker. Später lernt sie durch ihn dann den deutschen Dadaisten Max Ernst kennen und lieben - ein Zustand den Paul anfangs goutiert. Doch mit der Zeit leben sich Paul und Gala trotz der Tochter Cécile, die bei den Großeltern aufwächst, auseinander. Nach einen abermaligen Versuch, die offene Ehe zu retten, fällt ihr Augenmerk auf den katalanischen Ausnahmekünstler Salvador Dalí. Für beide ist es die große Liebe. Der scheue Verrückte aus Spanien wird zu ihrem Projekt und zweiten Ehemann. Sie inspiriert ihn und managt zudem alles Geschäftliche, wozu er keine Lust hat. Lange Zeit sind sie ein eingespieltes Team, weil beide im jeweils anderen einen Seelenverwandten entdecken. Ob in Spanien, Amerika oder Frankreich, überall gibt es Dalí und Gala fortan nur im Doppelpack. Doch die ewige Show und Dalís öffentliche Verrücktheiten und Schaffensdrang reichen ihr irgendwann nicht mehr und man lebt nebenher bzw. Gala zieht sich mehr und mehr ins Private zurück.

Katja Kulins biografischer Roman las sich ausgesprochen spannend und leichtfüßig. Obschon die Autorin nicht chronologisch erzählt, sondern zwischen den interessantes Lebensphasen von Gala hin und her springt, ist das 221-seitige Werk recht aufschlussreich; auch weil Kulin hinter die Fassade von Dalís Muse schaut, auf persönliche Wunden eingeht und die zeithistorisch prägenden Ereignisse (Weltkrige, Spanischer Bürgerkrieg) miteinbezieht. Gala war eine starke, emanzipierte Frau in Zeiten des spanischen Machismo & Co. Kein Wunder, dass sie deshalb auch als Hexe galt, gerade weil sie wechselnde Beziehungen unterhielt und sich extravagante Mode etc. leisten konnte. Dass sie eine große Kunstfördererin mit eigenen geheimen Ambitionen war, wollte niemand sehen. In ihr Innerstes ließ sie zeitlebens nie wirklich jemanden blicken. Eine Ausnahme stellen hierbei die 2001 entdeckten unveröffentlichten Aufzeichnungen von Gala dar, welche Kulin mit in den Roman einfließen ließ. Weiterhin nutzte die Autorin Galas vielfach erhaltenen Briefverkehr als Quelle für ihre luzide und gleichermaßen effektvolle Darstellung. Anders als ihre berühmten Lebensgefährten wollte sie nie selbst berühmt werden bzw. scheiterte an den eigenen hohen Ansprüchen. Kurzum, Gala polarisierte und polarisiert immer noch. Letzteres fängt das Cover, welches Gala mit dem typischen Dalíbart zeigt, sehr treffend ein. Zudem kann sich der Leser mithilfe der im Buch enthaltenen Fotos ein gutes Bild von Gala machen.

FAZIT
Eine Biografie, die versucht Gala Éluards Wirken und Denken auf kurzweilige Weise gerecht zu werden, was Kulin sehr überzeugend gelungen ist.

Gala Éluard - Katja Kulin
Gala Éluard
von Katja Kulin
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Eine gelungene Romanze vor traumhafter Kulisse

Jennifer , am 28.04.2019

INHALT
Mittzwanzigerin Velia hat das ständige Pendeln zwischen ihrer Heimat Neapel und München satt. Ihr deutscher Langzeitfreund Niklas führt einen Hof und macht keine Anstalten etwas an ihrer Fernbeziehung ändern zu wollen. Da kommt Velia die Bitte von Tante Franca, für einen Sommer in einer Schusterei auf Capri auszuhelfen, gerade recht. Hier kann sie in Ruhe über ihre Lebenspläne nachdenken.

MEINUNG
Roberta Gregorios beschauliche Liebesgeschichte kommt leichtfüßig und sehr romantisch daher. Obschon die Story vorhersehbar ist, wird sie doch sehr stimmungsvoll, ruhig und emotional erzählt. Noch dazu spielt die Geschichte auf der malerischen Mittelmeerinsel Capri im Golf von Neapel (s. Cover). Also beste Voraussetzungen fürs Dolcefarniente und Amore, möchte man meinen. Und so kommt es auch. Hauptprotagonistin Velia lässt sich von der Insel und dem einfühlsamen Schuster Ennio verzaubern. Bootstouren, gutes Essen und echtes Handwerk prägen ihren Alltag. Ein Hauch von Dramatik wird einzig durch die Beziehungskrise mit Niklas geschaffen. Velia steht auf einmal zwischen zwei Männern und Leben und muss sich entscheiden. Aber nicht nur in Velias Leben, sondern auch in dem der sympathischen Nebencharaktere kündigen sich Veränderungen an. Besonders das Zusammengehörigkeitsgefühl auf Capri und natürlich das Flair haben mich beeindrucken können. Nur der allzu schnell herbeigeführte Schluss wollte nicht so ganz zur Handlung passen.

FAZIT
Die perfekte Urlaubslektüre für Frauen. Tipp: Einfach aufschlagen und wegträumen.

Sommertage auf Capri - Roberta Gregorio
Sommertage auf Capri
von Roberta Gregorio
(26)
eBook
3,99

Moderne und unterhaltsame Wortkunde

Jennifer , am 22.04.2019

Fremd- bzw. Lehnwörter bereichern die deutsche Sprache, machen gar ein Fünftel des Wortschatzes aus. Nichtsdestotrotz gelangen Muttersprachler wie Deutschlerner all zu häufig ins Grübeln, wenn es um die Bedeutung und die sprachgeschichtliche Herleitung/Herkunft der sog. eingewanderten Wörter geht. Katharina Mahrenholtz' neuestes Buch macht Schluss mit der ewigen Raterei bzw. Sprachlosigkeit. Auf 160 Buchseiten beschäftigt sie sich kurzweilig mit 100 eingewanderten Wörtern. Spannend und mit viel Humor stößt sie dabei auf allerlei interessante Wortgeschichten, die zeigen, dass die deutsche Sprache alles andere als staubtrocken ist. Sprachpuristen können sich freuen, aber auch die interessierte Leserschaft wird auf einige überraschende (Wort-)Entdeckungen stoßen. Die kleine "Sprachreise" entführt den Leser in die weite Welt. Aus Frankreich, Samoa, Griechenland, Indien usw. kommen die beschriebenen Wortbeispiele. Dieser etymologische Aspekt hat mir neben der humorigen Buchgestaltung am meisten gefallen. Ob Adieu, Mantra, Ananas oder Pseudonym, nach der Lektüre wird man auf jeden Fall mehr über die Wörter wissen als zuvor. Dementsprechend ist "Horizont und Hängematte - Verliebt in 100 eingewanderte Wörter" der würdige Nachfolger des im Vorjahr erschienenen Buchs "Luftikus und Tausendsassa - Verliebt in 100 vergessene Wörter" aus Mahrenholtz' und Parisis Feder.

FAZIT
Lesenswertes Sachbuch, das mit pointiert-leichter Erzählweise und stimmig-witziger Illustration aufwartet. Spannendes Sprachwissen für jedermann

Horizont und Hängematte - Katharina Mahrenholtz
Horizont und Hängematte
von Katharina Mahrenholtz
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,00

Bereits zu Lebzeiten eine Legende

Jennifer , am 21.04.2019

Der Schweizer Roger Federer (*1981) dominiert die internationale Tennisszene wie kein Zweiter. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger ist mit seinen 37 Jahren eine Ausnahmeerscheinung im sog. Weißen Sport. Seine elegante wie trickreiche Spielweise in Kombination mit seinem ehrlichen und bescheidenen Auftreten machen ihn einzigartig und zur perfekten Werbeikone.

Der Sportredakteur und Federer-Kenner der ersten Stunde René Stauffer hat über den Ausnahmeathleten nun eine Biografie geschrieben, die Fans und Laien gleichermaßen zu begeistern weiß. Hat man erst einmal die ersten 80 Seiten überstanden, in denen Federers erstaunliches Comeback von 2017 behandelt wird und die sich im Ganzen etwas zäh lesen, wird man mit einer umfangreichen Einschätzung über den Sportler und Menschen Roger Federer belohnt. Er wächst in einem tennisaffinen Umfeld auf, das früh sein Talent entdeckt und fördert. Zuerst spielte er noch Fußball und Tennis parallel, entschied sich aber im Laufe der Zeit für Tennis und besuchte fortan das nationale Leistungszentrum von Swiss Tennis. Hier bekommt er das nötige Rüstzeug für seine spätere Erfolgskarriere. Anfangs hatte er noch nicht seine Emotionen im Griff und verlor einige Partien gegen ältere, erfahrenere Spieler. Doch dies sollte sich mit den richtigen Trainern und den ersten entscheidenden Siegen schnell ändern. Sein Ehrgeiz und seine ungezügelte Leidenschaft für den Weißen Sport trieben ihn zu Höchstleistungen, auch im ungeliebten Training, an. Seine Rekorde und Auszeichnungen bis zum heutigen Tage können sich sehen lassen und sind einfach exzeptionell.

Doch Federer ist anders als seine Vorbilder nie abgehoben. Seine Familie und seine Freunde erden ihn. Er braucht den "Tenniszirkus" nicht, um glücklich zu sein. Gerade seine Bodenständigkeit, seine Freundlichkeit und seine Lockerheit machen ihn so sympathisch. Federer ist der nette, offene Typ von nebenan, der sich für seine Mitmenschen interessiert und seinen Erfolg als Geschenk sieht. Interviews mit ihm sind keine Qual, sondern stets launige Wortgefechte. Denn er spricht drei Sprachen fließend und hat Witz. Daneben engagiert er sich mit viel Herz für wohltätige Zwecke und hat selbst eine Stiftung zur Bildungsförderung gegründet. Kurzum, Federer brilliert nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Er ist in dieser Hinsicht der kompakteste Tennisspieler aller Zeiten und ein Beispiel für seine jungen Nachfolger.

Stauffers Buch wagt einen Rundumblick und gibt dabei allerlei Wissenswertes über den "Überflieger" preis. Mir haben besonders die Beschreibungen zu seinem Charakter imponiert. Einerseits ist er der strenge Perfektionist und andererseits der beliebte Sonnyboy. Sein Ehrgeiz als auch seine weltoffene Art nötigen Respekt ab. Und wer kann schon von sich behaupten, mit 37 noch zur Weltspitze des Tennis' zu gehören. Stauffer hat ihn mehrmals interviewt sowie die internationale Presse nach spannenden Geschichten durchsucht. Vor allem Fans und Tennisnerds werden begeistert sein, weil gängige Begrifflichkeiten aufgeführt werden und andere aktuelle Top-Tennisspieler (Rafael Nadal, Novak Djokovic...) zu Wort kommen. Doch auch Laien werden leicht verständlich vom Autor an diese faszinierende Sportart und die momentane Lichtgestalt Federer herangeführt.

FAZIT
Eine Biografie, die vollumfänglich über Roger Federer informiert und ganz nebenbei das Interesse am "Weißen Sport" weckt. Immer wieder schön, wenn ein Fan und Weggefährte aus erster Hand zu berichten weiß.

Roger Federer - René Stauffer
Roger Federer
von René Stauffer
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,00

Durchschnittliches Debüt

Jennifer , am 13.04.2019

INHALT
Als die Amerikanerin Iris Massey mit gerade einmal 33 Jahren an Krebs stirbt, hinterlässt sie im Herzen ihrer Schwester Jade und ihres Chefs Smith eine große Lücke. Durch den Blog der Verstorbenen, einer Art Krebstagebuch, kommen sich die beiden Trauernden näher und ein reger Nachrichtenaustausch beginnt. Während Köchin Jade argwöhnt, dass der New Yorker PR-Agent Smith mit Iris‘ Blog nur Geld machen möchte und die Einträge meistbietend an den nächsten Verlag verschachern könnte, öffnet sich der beruflich wie privat krisengeschüttelte Smith gegenüber Iris‘ Schwester.

MEINUNG
Klappentext, Buchtitel und Leseprobe haben mich zu dieser Lektüre verführt. Mich hat vor allem der moderne Schreibstil, der ausschließlich auf E-Mails, Blogeinträgen sowie Handynachrichten basiert, im Vorfeld begeistert. Endlich eine Autorin, die die Zeichen der Zeit, d.h. die Lesegewohnheiten der jugendlichen Leserschaft, erkannt hat. Doch trotz der interessanten Aufbereitung des Textes vermochte mich der Plot nicht, wie erhofft, zu berühren. Einzig Iris‘ Blogeinträge wühlten mich ab und an mit ihrem lebenskritischen Grundton auf. Jades und Smiths Nachrichten ähnelten hingegen viel zu häufig eindimensionalen Therapiesitzungen. Selbstmitleid, Enttäuschungen und falsche Entscheidungen wohin man schaute. Erst gegen Ende keimte Hoffnung auf, weil beide durch Iris auf wundersame, aber keinesfalls romantische Weise zueinanderfinden. Kurzum, ein typischer, zu Herzen gehender Liebesroman ist dieses Buch nicht, dafür fehlte es einfach an positiven Emotionen. Zu viel Grau in Grau trübte die Story. Und man fragt sich: Müssen wir denn erst Menschen verlieren, um den wirklichen Wert des eigenen Lebens und dessen unzählige Chancen zu erkennen? Darüber hinaus empfand ich die Nebencharaktere, Smiths Praktikant Carl sowie die Kunden der PR-Firma, in Hinblick auf die Handlung eher als störend denn als bereichernd.

FAZIT
Von Mary Adkins Erstling hatte ich mir vor der Lektüre eindeutig mehr versprochen. Die Umsetzung war durchaus innovativ, aber der Inhalt leider nur durchschnittlich.

Wenn du das hier liest - Mary Adkins
Wenn du das hier liest
von Mary Adkins
(31)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Der Papst als Hochzeitscrasher

Jennifer , am 12.04.2019

INHALT
Papst Petrus II. steckt mitten in den Vorbereitungen zu seinen Sommerferien in Castel Gandolfo, als er überraschend eine Einladung zum 85. Geburtstag seines Freundes, Kardinal Federico Santini, erhält. Doch was keiner weiß, der Jubilar ist schwer erkrankt und möchte bei dieser Feier sein Erbe regeln. Ausgerechnet Giulia Santini, die adlige Pressesprecherin des Papstes und Nichte Federicos, soll das gesamte Familienvermögen erben. Dafür muss die unabhängige und hochgebildete Mittdreißigerin innerhalb von einer Woche heiraten – wahrlich ein Ding der Unmöglichkeit. Noch dazu scheinen nicht alle Familienmitglieder Federicos Entscheidung zu goutieren, denn bald darauf kommt es zu einem Giftanschlag auf Giulia…

MEINUNG
Der 5. Kriminalroman rund um den umtriebigen Papst Petrus II. bot beste Unterhaltung. Mit viel Witz und äußerst charmant entführt das Autorenpaar den Leser ins zauberhafte Latium. Hier wird nicht nur landschaftlich und kulturell, sondern auch kulinarisch eine Menge geboten. Für letzteres zeichnet sich vornehmlich die Hauptfigur Papst Petrus II. verantwortlich, der seine Freunde eine Woche fürstlich bekocht. Seine Gerichte zeugen von großer Leidenschaft für die italienische Küche und machen sofort Appetit. Da hätte der Leser gern ab und an einen Teller abbekommen. Papst Petrus II. ist also alles andere als ein strenger asketischer Kleriker, sondern eher ein lebensbejahender sympathischer Geistlicher mit einer Schwäche für Calcio, Pasta und Vino. Doch nicht nur seine Kochkünste, sondern auch sein kriminalistischer Spürsinn ist unübertroffen.

Der Plot ist ungemein facettenreich gestaltet. Dafür sorgen einerseits die ständigen Wechsel innerhalb der Erzählperspektive und andererseits die vollmundigen Italienbeschreibungen. Giulias Familie, vor allem ihre ehemalige Clique, hält allerhand spannende wie klischeehafte Charaktere, vom nichtsnutzigen Beau bis zur aufopfernden Hausfrau und Mutter, bereit. Von den älteren Herrschaften ist es besonders die schrullige wie abenteuerlustige Tante Eugenia, die sich auf Anhieb in mein Leserherz geschlichen hat. Auch die Haushälterin des Papstes – Immaculata – war wie immer grandios in ihrer sittenstrengen Rolle. Die Spannung stieg kapitelweise an und erreichte am Schluss ihren Höhepunkt. Hier entlud sich das Verschwörungs- bzw. Verdächtigungsgeflecht wahrlich in einem großen Knall. Dieser Showdown wurde ausnahmslos meisterhaft inszeniert und zu einem befriedigenden Abschluss für alle beteiligten Charaktere geführt. Auf einmal fügten sich alle Erzählstränge zueinander. Die Krimihandlung verlief zwar unblutig, aber durchaus spannend, was typisch für Cosy-Crime-Unterhaltung ist. Mein persönliches Highlight war aber die ungewöhnliche Lovestory zwischen der klugen wie schönen päpstlichen Pressesprecherin Giulia und dem ruhigen päpstlichen Sekretär und Mönch Francesco.

Sprachlich konnte mich der Roman ebenfalls begeistern. Sehr lebendig, flüssig und mit einer gehörigen Prise Humor erzählen die Autoren ihre skurrile Alltagsgeschichte. Erst die vorgetäuschte Heirat und dann noch die lieben Verwandten, die unter ihren aufgesetzten Masken Überraschendes verbergen. Ist schon erstaunlich, wie detailreich sich in jede Figur hineingedacht bzw. –gefühlt wird. Auch die Exkurse in die kaiserzeitliche Geschichte trafen genau meinen Geschmack und mein archäologisches Interesse.

FAZIT
Insgesamt ein rundum gelungener Krimi, der mit Herz, Verstand und vor allem durch Esprit zu überzeugen weiß und sich damit bestens als Reise- oder Entspannungslektüre eignet. Hoffentlich wird es auch einen 6. Fall für Papst Petrus geben.

Jubilate! - Johanna Alba, Jan Chorin
Jubilate!
von Johanna Alba
(10)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Ein unangepasstes Frauenleben

Jennifer , am 30.03.2019

Marlene Dietrich (1901-1992) ist für viele bis heute eine Ikone. Durch ihren extravaganten Kleidungs- und ihren unangepassten Lebensstil wurde sie berühmt berüchtigt. Aus einfachen Verhältnissen stammend, arbeitete sie sich bis an die Spitze der amerikanischen Filmszene der 30er- und 40er-Jahre empor. Während sich die Mutter stets eine Karriere als Violinistin für ihre Tochter wünschte, träumte Marlene Dietrich seit einem Kinobesuch von der Schauspielerei. Wie aus dem einstigen verarmten Berliner Showgirl die gefeierte Hollywooddiva wurde, beschreibt C. W. Gortners Roman sehr eindrücklich. Der Fokus liegt dabei auf der stets ungestümen Hauptprotagonistin, die für ihre Karriere fast alles zu geben bereit gewesen ist. Ihre frühe Ehe, ihre Tochter sowie ihre zahllosen Affären mit bekannten Frauen und Männern machen neben ihrem filmischen Werdegang einen Großteil der Handlung aus und zeigen eine Frau, die nichts so sehr fürchtete wie die Einsamkeit und ständig den Spagat zwischen Berufs- und Privatleben zu meistern hatte. Auf moralische Konventionen pfiff sie gern und provozierte damit. Sie verkörperte ein neues Frauenbild und wurde dafür gefeiert wie angefeindet. Gortners Erzählung, die sowohl auf persönlicher Verehrung als auch auf einem eingehenden Quellenstudium fußt, bringt das deutsche Ausnahmetalent dem Leser auf vielfältige Weise näher. Hautnah kann man dabei die abwechselnden Auf und Abs im Leben von Ich-Erzählerin Marlene Dietrich miterleben, wobei ihre Altersjahre ausschließlich im Nachwort eine Rolle spielen.

FAZIT
Ein lesenswerter Roman, der temporeich den unsteten Lebenswandel der bis heute rätselhaften Künstlerin Marlene Dietrich erzählt und dabei versucht, deren Innerstes bzw. deren Triebfeder zu beleuchten. Gortner haucht der kühlen blonden Überfrau allerlei Emotionen ein und macht sie damit menschlicher.

Marlene und die Suche nach Liebe - C. W. Gortner
Marlene und die Suche nach Liebe
von C. W. Gortner
(21)
Buch (Klappenbroschur)
12,99

Der fortwährende Kampf mit den Kilos

Jennifer , am 18.03.2019

Michael Klemsch (*1967), genannt Micky, kämpft seit 20 Jahren mit seinem Gewicht. Bei einer Körpergröße von 1,90 m wiegt der Wiener Medienarbeiter mal 160 kg und dann wieder über 200 kg. Diäten hat er schon viele ausprobiert. Doch der heimtückische Jo-Jo-Effekt gepaart mit privaten Problemen sowie kulinarischen Verlockungen im Beruf holte ihn immer wieder ein.

Im vorliegenden Buch lässt Klemsch sein „gewichtiges Leben“ bis heute noch einmal Revue passieren und geht dabei verletzend ehrlich mit sich selbst und seinem Übergewicht ins Gericht. Die einzelnen Kapitel hat er leserfreundlich kurz gehalten. Überschriften und Text sind selbstironisch und treffend formuliert. Mit seiner Authentizität vermag der Autor zudem, den Leser gekonnt mitzunehmen. Man glaubt ihm einfach.

Der normalgewichtige Leser bekommt durch Klemschs Buch einmal einen unverstellten Einblick ins Alltagsleben von übergewichtigen Menschen. Die täglichen Herausforderungen, welche mit viel Kilos einhergehen, sind vielfältig. Sie beginnen bei der Wahl der Kleider oder des Fortbewegungsmittels und enden bei Besuchen von öffentlichen Einrichtungen, wie Freibädern, Kinos oder Restaurants. Alles, was uns so selbstverständlich erscheint, ist für viele adipöse Menschen ein Marathon aus Stress, Scham und Angst. Doch trotz allem ist Klemsch ein lebensbejahender Zeitgenosse, der weiterhin versucht, abzunehmen, um seine Lebensqualität und die seines 10-jährigen Sohnes zu verbessern. Sein Kampfgeist und seine realistische Selbsteinschätzung machen die Lektüre so lesenswert. Und wer weiß, vielleicht schafft er es eines Tages doch, sich zu halbieren (s. Buchtitel)? Es wäre diesem sympathischen Menschen einfach zu gönnen. Ein Vorbild könnte Tetje Mierendorf sein, der ein ähnliches Buch geschrieben hat und wirklich viele Kilos verloren hat.

Micky halbiert sich (nicht) - Michael Klemsch
Micky halbiert sich (nicht)
von Michael Klemsch
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Tierisch gutes Sprachkompendium

Jennifer , am 17.03.2019

Was ist gemeint, wenn in einem Text von „Ponyhof“ oder „Katzenjammer“ die Rede ist? Nicht jeder kann heutzutage tierische Metaphern und Redewendungen in der deutschen Sprache auf Anhieb verstehen bzw. erklären, weil es häufig an literarischem Wissen um längst vergangene Zusammenhänge mangelt. Journalist Matthias Heine ist daher einmal quer durch den Irrgarten der deutschen Wortfauna, von A wie Aal bis Z wie Zicke, gereist und hat sich kapitelweise mit den einzelnen Tieren und den dazugehörigen Sprichwörtern befasst. Herausgekommen ist dabei ein ungemein lesenswertes, weil wissenserweiterndes Sachbuch. Seine gut verständlichen, gern auch etwas ironischen Beschreibungen machen die Lektüre zu einem Vergnügen. Mir hat dabei besonders gefallen, dass sowohl der oftmals spannende Entstehungshorizont der Redewendungen als auch deren Bedeutungswandel innerhalb der Zeit berücksichtig wurde. Hierbei führt Heine zudem die verblüffenden literarischen Originalquellen, meist aus Antike und Neuzeit, an. Dementsprechend können Wörter wie elefantös, hummeldumm, hundeelend oder Datenkrake nach der Lektüre einfach nicht mehr falsch verstanden werden. Meine persönliche tierische Neuentdeckung war der sog. Uroboros.

FAZIT
Ein tierisches Lesevergnügen mit Mehrwert, das nicht nur den Sprachliebhaber entzückt, sondern auch den heutigen Deutschunterricht sehr bereichern kann.

Mit Affenzahn über die Eselsbrücke - Matthias Heine
Mit Affenzahn über die Eselsbrücke
von Matthias Heine
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
16,00

Unser täglich Fett gib uns heute

Jennifer , am 10.03.2019

Die Ernährungs- und Präventionsmedizinerin Dr. med. Anne Fleck kennen sicherlich viele aus dem TV.

In ihrem Sachbuch "Ran an das Fett" räumt sie mit gängigen Ernährungsmythen sowie -lügen rund um das Thema Fett auf und versucht damit, die Lobby des oft zu unrecht gescholtenen Nährstoffs zu steigern. Denn eine fettreiche Ernährung heile uns von innen und außen. Mit ganzheitlichem Ansatz klärt sie den Leser über die Heilkraft von Fetten auf. Ausgehend von den gängigen, falschen Dogmen einer fett- wie cholesterinarmen Ernährung arbeitet sie sich darin über die Wirkungsweise von Fett bei der Behandlung von Krankheiten (ADHS, Diabetes, Krebs usw.) bis hin zu einer detaillierten Auflistung aller empfehlenswerten fettreichen Lebensmittel (Nüsse, Öle, Fisch etc.) und deren beste Zubereitungsform vor. Ihre Ausführungen fußen dabei auf großen Sachverstand und persönlicher Praxiserfahrung. Ihr anschaulicher wie leicht verständlicher Stil macht die an sich recht trockene und komplexe Thematik ungemein lesbar. Vor allem medizinische Laien können von Flecks Beschreibungen samt Zeichnungen profitieren. Alles wirkt transparent und sehr gut nachvollziehbar. Das Schöne ist auch, dass sie den Leser nicht mit Fakten überfrachtet, sondern wirklich spannende und alltäglich wiederkehrende Sachverhalte herausgreift. Und wer nach den 432 Buchseiten immer noch nicht genug vom Thema Fett hat, der kann die angeschlossenen Fragebögen und Endnoten zur weiteren Vertiefung nutzen.

FAZIT
Ein beeindruckend fundiertes Sachbuch zum Thema Fett, das mich zum Nachdenken angeregt hat und sich einfach sehr flüssig lesen lässt. Wirklich eine "fette" Lektüre mit Mehrwert. Denn Kohlenhydrate waren gestern, heute heißt es ran ans Fett.

Ran an das Fett - Anne Fleck
Ran an das Fett
von Anne Fleck
(42)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,99

 
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