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Meine Bewertungen

Ein toller Auftakt

Buchgespenst , am 13.11.2018

Mila ist überglücklich, dass sie einen der heißbegehrten Praktikumsplätze auf dem Gestüt Casparon bekommen hat, doch schon bald wird ihr klar, dass hier etwas nicht mit den richtigen Dingen zugeht. Ein völlig verstörter Hengst wird in einer abgeriegelten Box weggesperrt und Ansgar von Bettner, Milas neuer Chef, setzt alles daran, das Pferd so schnell wie möglich vom Hof zu schaffen. Was verbirgt der unsympathische Stallmeister? Zusammen mit ihren neuen Freundinnen Kata und Nelly sowie dem Nachwuchsstuntman Leo versucht Mila alles, um das Pferd zu retten.

Ein toller Auftakt zu einer Pferdebuchreihe, die mit einer originellen Grundidee arbeitet: Das Gestüt Casparon beherbergt Filmpferde für ein benachbartes Filmstudio. Mit dieser Verbindung eröffnen sich neue Handlungsstränge, die sich von der üblichen Freundschafts-Liebes-Pferdegeschichte lösen.

Der Schreibstil ist packend und die Charaktere schließt man sofort ins Herz. Neben den Figuren, die man erwartet – die besten Freundinnen und den süßen Jungen, um den man sich streitet sowie ein problematisches Pferd – gibt es auch eine, die mich überrascht hat: die so oberflächlich und nervig auftretende Saskia, selbstverliebter Youtube-Star und doch der interessanteste Charakter der ganzen Geschichte. Ich bin besonders gespannt, wie sie sich weiterentwickelt.

Nur ein einziger Kritikpunkt kostet das Buch den 5. Stern: Es ist zu kurz und das merkt man der Geschichte leider an. Die Beschränkung auf 160 Seiten hat das Tempo der Geschichte so erhöht, das es mir zu oberflächlich bleibt. Es wird viel erzählt, doch es kann nicht gut genug ausgebaut werden.

Fazit: Ein toller Auftakt, der sofort zum zweiten Band greifen lässt. Eine originelle Geschichte und sympathische Charaktere machen das Buch zu einer tollen Lektüre. Eine klare Leseempfehlung für alle Pferdebuchfans!

Drei Pferdefreundinnen - Filmpferd in Not - Antje Szillat
Drei Pferdefreundinnen - Filmpferd in Not
von Antje Szillat
(6)
Buch (gebundene Ausgabe)
9,95

Der Vater des wissenschaftlichen Romans und seine Zeit

Buchgespenst , am 13.11.2018

Jules Verne ist bis heute mit seinen wissenschaftlichen Romanen bekannt, doch wer ist der Mann, der diese zeitlosen und doch so zeitgebundenen Geschichten erfand? Ralf Junkerjürgen gibt einen Einblick in Leben und Werk sowie Zeit- und Editionsgeschichte. Vernes enge Beziehung zu seinem Vater und seinem Verleger Pierre Hetzel prägten seine schriftstellerischen Leistungen und so legt Junkerjürgen nicht nur Wert auf die biografischen Eckdaten Vernes, sondern auch auf dessen Zeitgenossen. Dazu hat die bewegte Zeit, in der er lebte den wissenschaftlichen Roman erst möglich gemacht, sodass auch auf die rasante Entwicklung der Technik sowie politische und gesellschaftliche Umwälzungen eingegangen. Abgerundet wird die Biografie von Ansätzen zur Textinterpretation und der Editionsgeschichte.

Ralf Junkerjürgen hat eine packend geschriebene Biografie vorgelegt, die sich nicht auf die Person Jules Verne beschränkt, sondern dessen Leben, Schaffen und seine anhaltende Wirkung umfassend beleuchtet. Man fühlt sich beim Lesen in die Zeit versetzt, lebt mit den Persönlichkeiten, ohne dass die Biografie je den sachlichen und fundierten Boden verlässt. Alte Fotos von Verne, seiner Familie, Pierre Hetzel sowie Abbildungen erwähnter Gemälde und den Originaltitelblättern sowie Illustrationen der Werke ergänzen das Buch perfekt. Einzelne Werke Vernes werden in ihrer Entstehungs- und Wirkungsgeschichte vorgestellt, dabei beschränkt sich Junkerjürgen nicht auf die bekannten Titel, sondern geht auch auf die weniger populären ein.

Besonders fasziniert hat mich die Editionsgeschichte im letzten Teil. Hier wird auf die Problematik hingewiesen, die sich durch die unkonventionelle Weiterführung und Umschreibung durch Vernes Sohn, aber auch die unterschiedlichen Herangehensweisen von Verlegern ergeben. Das Werkverzeichnis im Anhang gibt dem interessierten Leser einen zusätzlichen Orientierungspunkt zu Vernes Schaffen. Mit einem kurzen Überblick über die Rezeption des Werks für Film und Fernsehen und deren Beitrag zur Anhaltenden Popularität Vernes schließt die Biografie.

Der relativ schmale Band, der schon mit dem großartigen Cover neugierig macht, gibt einen einzigartigen Überblick über das Leben und Wirken Vernes, in seiner Zeit, aber auch darüber hinaus bis in unsere.

Der Schreibstil ist so fesselnd, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Es regt dazu an, im Anschluss zum Werk selbst zu greifen. Eine geniale Biografie, die sehr viel mehr ist. Eine klare Leseempfehlung!

Jules Verne - Ralf Junkerjürgen
Jules Verne
von Ralf Junkerjürgen
(7)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

Irgendwie nicht mein Buch

Buchgespenst , am 13.11.2018

Johan Rokka kehrt als Kriminalinspektor in seine Heimatstadt Hudiksvall zurück. Diese wird zu Heiligabend von einem brutalen Mord erschüttert. Die Frau eines bekannten Fußballstars wird vor den Augen ihrer Kinder niedergeschossen. Ob ihr Mann dahintersteckt? Rokkas Ermittlungen führen ihn tief in die Vergangenheit.

Die Kriminalhandlung ist durchaus spannend und verwickelt, aber mich konnte er aus irgendeinem Grund nicht packen. Taub und blind bin ich von einem Diskurs zum nächsten gestolpert. Das liegt aber nicht daran, dass die Handlung schlecht aufgebaut wäre, ich bin nur nicht reingekommen. Dass mir dazu die Charaktere durch die Bank fremd blieben hat auch nicht geholfen. Auch sprachlich bin ich immer wieder gestolpert. Mit sich betrinkenden, herumhurenden und übergebenden Charakteren, die entsprechend sprachlich drastisch in Szene gesetzt werden kann ich einfach nichts anfangen.

Sehr schade, denn ich habe mir von dem Buch mehr versprochen. Die Geschichte selbst ist durchaus gut gemacht, sie war nur nicht meine.

Der Schmetterling - Gabriella Ullberg Westin
Der Schmetterling
von Gabriella Ullberg Westin
(83)
Buch (Paperback)
14,99

Hochkultur und Kriege

Buchgespenst , am 13.11.2018

Durch Bürgerkriege und Revolutionen erreicht das chinesische Volk das Golden Zeitalter. Wissenschaft und Literatur erreichen ungeahnte Höhen, doch immer wieder stürzen ausländische Invasoren, korrupte Beamte und instabile Dynastien das Land in neues Chaos.

Der zweite Band beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung des ersten, sodass man auch ohne Vorkenntnis sofort eintauchen kann. Ausführlich wird man hier mit den unterschiedlichen Religionen vertraut gemacht und die Hinweise auf die großen literarischen Werke der Zeit verlocken zu weiterführender Lektüre.

Auch im zweiten Band wird die komplexe Geschichte Chinas in Comicpanels reduziert, präzisiert und unterhaltsam vermittelt. Einen besonderen Reiz gewinnt der Comic dadurch, dass er zweisprachig ist. Die erste Hälfte bietet den Text auf Deutsch, die zweite hat die Original-Chinesische-Fassung. Eine Vokabelliste ist auf einer Webseite abrufbar.

Ein spannender zweiter Band, der Lust auf mehr macht.

Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 2 - Jing Liu
Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 2
von Jing Liu
(5)
Buch (Paperback)
18,00

Die Wurzeln des chinesischen Reiches

Buchgespenst , am 13.11.2018

Das große chinesische Reich blickt auf eine 5000jährige Geschichte zurück, die Revolutionen und Kriege, große Kaiser und Feldherren sowie Naturkatastrophen überwunden hat. Große Erfindungen, wissenschaftliche Errungenschaften und brillante Geister formten das Reich und versanken, wenn Nahrungsknappheit und Ungerechtigkeiten das Volk rebellieren ließen.

Jing Liu entführt den Leser mit einfachen und einprägsamen Bildern zu den Anfängen des Reiches. Grafiken und Landkarten, knappe Texte und Comicfiguren reduzieren die komplexe Geschichte auf entscheidende Eckpunkte. Dabei wird auch die Entstehung und Tradierung der Schrift behandelt und welche Religionen sich entwickelten, die am Ende die Politik weit weniger beeinflussten als man im Westen glauben mag.

Der Comic erzählt in kurzen Kapiteln, die zwischen großen Bildern und fast Fließtext schwanken, prägnant von den entscheidenden Stationen. Ich hätte allerdings eine zusammenhängendere Erzählweise bevorzugt. Die kurzen Comicsequenzen sind aber ebenfalls unterhaltsam.

Einen besonderen Reiz gewinnt der Comic dadurch, dass er zweisprachig ist. Die erste Hälfte bietet den Text auf Deutsch, die zweite hat die Original-Chinesische-Fassung. Eine Vokabelliste ist auf einer Webseite abrufbar.

Fazit: Eine hochinteressante Art Geschichte zu vermitteln, die allerdings nicht jedermanns Sache ist. Ein Sachbuch-Comic, der eine große Zeitspanne präzise darbietet.

Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 1 - Jing Liu
Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 1
von Jing Liu
(4)
Buch (Kunststoff-Einband)
18,00

Ein Neuanfang mit Mops

Buchgespenst , am 13.11.2018

Brydie steht vor den Trümmern ihres Lebens. Ihre Ehe ist nach 10 Jahren zerbrochen, die eigene Konditorei durch die Scheidung verloren, genau wie ihr Haus. Unterschlupf fand sie bei ihrer besten Freundin, die allerdings wieder schwanger ist und so muss Brydie sich wieder eine eigene Wohnung suchen. Als sie das Angebot bekommt in einem traumhaften Haus in Germantown als Housesitterin einzuziehen schlägt sie sofort zu. Allerdings gibt es zwei Bedingungen: Sie muss den Mops Teddy Roosevelt hüten und mit ihm regelmäßig sein Frauchen im Altenheim besuchen.

Von der ersten Seite an nimmt einen das Buch gefangen. Man fängt mit Brydie ein neues Leben an und verfolgt wie sie sich aufrappelt. Alle Charaktere sind liebevoll gestaltet und wunderbar aufgebaut.

Schade ist, dass der Klappentext mehr verspricht als das Buch hält. Das Café für Hund und Herrchen spielt sehr lange gar keine Rolle. Andererseits ist die Geschichte so warmherzig erzählt, dass es nicht das wunderbare Leseerlebnis zerstört. Jetzt werde ich aber aufmerksam verfolgen, ob es nicht doch noch einen Folgeband geben wird. Die Charaktere haben sich so in mein Herz geschlichen, dass ich sie nur ungerne zurückgelassen habe.

Fazit: Ein wunderschöner Liebesroman mit Hund und Weihnachtsflair!

Sitz, Platz, Plätzchen - Annie England Noblin
Sitz, Platz, Plätzchen
von Annie England Noblin
(8)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Ein schöner Liebesroman

Buchgespenst , am 13.11.2018

Seit dem Tod ihres Mannes versucht Liv Preston ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Als alleinerziehende, berufstätige Mutter bleibt ihr nicht viel Zeit für ein Privatleben. Genau das droht jetzt eine neue berufliche Chance zu zerstören. Verbissen versucht sie schnellstmöglich die fehlenden sozialen Kontakte zu knüpfen. Dabei begegnetet ihr der gutaussehende Ford Jamison mit seinem Hund Bullseye. Was Liv nicht weiß: es gibt einen guten Grund, warum sie für Ford tabu sein sollte.

Auch ohne Kenntnis des ersten Bandes ist der Einstieg in die Sequoia Lake-Reihe problemlos möglich. Die Geschichte erobert sofort das Leserherz. Die Charaktere sind sympathisch, der Humor kommt nicht zu kurz und der Hund ist mit seiner Vorliebe für Plüschtiere ein origineller Bonus. Allerdings fehlte mir immer wieder Story. Dass man beide Charaktere seitenweise solo verfolgt, ihre Traumata und Wünsche kennenlernt und dabei zu wenig gemeinsame Entwicklung stattfindet, war gar nicht mal so das Problem. Mich störte hier – wie in so vielen anderen derzeit populären Reihen – dass sich seitenweise nur darüber unterhalten wird, ob die Charaktere auch genug Sex haben. Zur Krönung bekommt man diese theoretischen Abhandlungen noch mal seitenweise in der Praxis beschrieben. Würde dabei nicht immer wieder der Spannungsbogen und die Charakterentwicklung auf der Strecke bleiben, würde mich das nicht einmal stören. Leider schaffen es nur wenige beides miteinander zu verbinden. Hier geht es wieder einmal zwischen Klischee und Bett verloren. Schade.

Es bleibt ein Buch mit tollen Charakteren, mitreißenden Abschnitten, die zeigen, dass die Autorin ihren Job durchaus beherrscht, und viel Luft nach oben. Nichts Neues im Bereich der Kleinstadt-Liebesromane, aber lesenswert.

Every Little Kiss - Marina Adair
Every Little Kiss
von Marina Adair
(8)
Buch (Taschenbuch)
11,99

Schon zu Lebzeiten ein Mythos

Buchgespenst , am 13.11.2018

Sie ist jedem ein Begriff: Queen Victoria hat ein Zeitalter geprägt und steht bis heute für ein fast mystisches Ideal. Eine große Königin, die so von Mythen umgeben ist, dass die Realität fast völlig in den Hintergrund tritt. Julia Baird hat sich durch sorgfältige Recherchearbeit und vorurteilsfreie, objektive Betrachtungen der Realität wieder genähert. Von den überraschenden Umständen, die dazu führten, dass sie tatsächlich zur Königin aufstieg über ihre legendäre Ehe mit Prinz Albert bis zum Leben und der Politik nach dem großen Verlust taucht der Leser in das bewegte Leben der außergewöhnlichen Victoria ein. Packend wie ein Roman und stets mit dem Blick über den Tellerrand hinaus rauscht man auf den knapp 600 Seiten durch fast ein Jahrhundert. Ein Jahrhundert, in dem sich das Bild der Welt fast völlig veränderte bis mit dem ersten Weltkrieg schließlich die Zeit der gewaltigen Monarchien endete.

Die Biografie lässt sich nicht aus der Hand legen! Manchmal wünschte ich mir noch mehr Illustrationen, doch wird man durchaus mit reichlich Bildern und Kartenmaterial versorgt. Der Anhang wartet außerdem nicht nur mit Literaturhinweisen, sondern umfangreichen Zusatzinformationen auf. Es lohnt sich also jede Fußnote nachzuschlagen und mehr über die wichtigen Persönlichkeiten, Original-Tagebucheinträge, Gesprächsnotizen oder auch politische Verwicklungen nachzulesen. Die umfangreiche Bibliographie lädt zu weiterer Lektüre ein.

Mit dieser Biografie wird ein frischer, unvoreingenommener Blick auf die Königin geworfen, die bis heute legendär ist. Manchmal ist das Bild geradezu schockierend menschlich. Die Autorin zog viele Quellen heran, die hier zum ersten Mal ausgewertet und zitiert werden – damit entstaubt sie Queen Victoria und schafft ein lebendiges, frisches und unzensiertes Bild – nicht nur einer außergewöhnlichen Frau und einer weltbeherrschenden Monarchie, sondern auch ein Bild der Zeit.

Brillant!

Queen Victoria - Julia Baird
Queen Victoria
von Julia Baird
(44)
Buch (gebundene Ausgabe)
34,00

Ein ungewöhnlicher Weihnachtskrimi

Buchgespenst , am 23.10.2018

Die Grays sind eine ganz gewöhnliche, englische Familie. Adrian hält als Patriarch das Familienvermögen fest in der Hand und seine Söhne und Schwiegersöhne versuchen auf die eine oder andere Art ihm Geld abzuluchsen. Zu Weihnachten versammeln sich alle im alten Anwesen, jeder mit einem eigenen Plan. Doch dann wird Adrian am ersten Weihnachtsfeiertag ermordet aufgefunden.

Ein Krimi aus den 1930er Jahren, der aus einer äußerst ungewöhnlichen Perspektive geschrieben wurde: aus der des Mörders. Damit entfällt für den Leser die Spannung, die ein Krimi gewöhnlich bereithält. Das überrascht und lässt einen nach einem neuen Ansatz suchen. Gefunden wird er in der Charakterkonstellation und der feinen Zeichnung des Täters.

Am Anfang tat ich mich mit dem Buch schwer. Die Charaktere sind durchweg so unsympathisch gezeichnet, dass es schwierig war sich in die Geschichte zu finden. Erst allmählich kristallisierten sich Feinheiten heraus, die neugierig machten und schließlich auch Sympathien ermöglichten. Durch die ungewöhnliche Perspektive beginnt mit den Roman anders zu lesen als andere Kriminalromane. Der Fokus verschiebt sich von der Mörderjagd und Spurensuche auf Familienkonstellationen und Gesellschaftsbilder.

Ein Krimi, der mit Erwartungen bricht und trotzdem fesselt.

Das Geheimnis der Grays - Anne Meredith
Das Geheimnis der Grays
von Anne Meredith
(49)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,00

Ein Selbstmord, der alles und nichts verändert

Buchgespenst , am 09.10.2018

Victor ist fassungslos als vor seinen Augen sein Kommilitone Mathieu aus dem Fenster springt. Hat er dem Druck der Vorbereitungsklasse nicht standhalten können? Plötzlich findet sich der Außenseiter Victor als Freund des Selbstmörders im Mittelpunkt des Interesses wieder. Soll er den Irrtum richtigstellen? Schließlich hat er Mathieu kaum gekannt. Doch dann lässt er sich einfach treiben durch einen Winter, der so viel verändert und doch einfach vorbeizieht.

Ein schmales Büchlein mit einer düsteren und facettenreichen Geschichte. Unzählige Symbole und Ungereimtheiten laden zum Nachdenken und Interpretieren ein. Die Protagonisten bleiben Leerstellen, die sich der Leser selbst füllen kann, durch seine eigene Sicht auf die Ereignisse und das Verhalten der Charaktere. Sympathie und Antipathie lässt sich kaum entwickeln, da man nur wenig erfährt. Selbst der Ich-Erzähler Victor bleibt geradezu substanzlos. Das empfindet man nicht als Manko, es fällt kaum auf, doch je mehr man über das Buch nachdenkt und versucht das Erzählte einzuordnen desto mehr stellt man fest wie wenig der Autor einem konkret an die Hand gibt. Der Versuch dies zu etikettieren wie Generationenkonflikt, Eltern-Kind-Beziehung oder Adoleszenz scheitert. Die Geschichte lässt sich nicht auf eine bestimmte Aussage reduzieren. Das ist eine Stärke des Buches, lässt mich persönlich am Ende aber etwas unzufrieden zurück.

Sprachlich ist das Werk großartig. Unzählige zitatwürdige Abschnitte möchte man sich herausschreiben. Virtuos führt einen diese Poesie durch die düstere Geschichte, in der jeder Charakter um sich selbst kämpft. Am Ende fehlte mir trotz aller Vorzüge doch ein Ankerpunkt.

Ein Winter in Paris - Jean-Philippe Blondel
Ein Winter in Paris
von Jean-Philippe Blondel
(58)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,00

 
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