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Meine Bewertungen

Netter, unterhaltsamer Regionalkrimi

Dagmar , am 01.07.2019

Anna Schwanitz hat Wohnung und Job in Berlin aufgegeben, um auf Rügen einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Mit ihrem Freund und zukünftigen Ehemann Frank Pannwitt möchte sie das Seehotel in Göhren vom Ehepaar Kröchert übernehmen. Frank arbeitet dort bereits als Direktionsassistent und sie selbst während der Saison als Empfangssekretärin. Frank erweist sich jedoch im Laufe der Zeit als sehr launenhaft, begründet dies mit zu viel Arbeit aber Anne kommen so langsam Zweifel an ihrer Beziehung auf. Und dann passiert der Mord an der wunderschönen Vivian Linstow, die im Seehotel zu Gast war.

In diesem Buch geht es viel um zwischenmenschliche Beziehungen, die allerdings für den Mord und dessen Aufklärung wichtig sind. Die handelnden Personen sind gut beschrieben. Als erstes ist da die sympathische Anne, die immer ein wenig an sich zweifelt, aber trotzdem ihren Weg geht. Frank ist der Überflieger, der mehr will, als er kann. Der Schrottkünstler Ludwig hat wegen seiner neuen Skulptur „Meeresgöttin“ Geldsorgen und gerät deshalb in den Kreis der Verdächtigen. Vivian und Egbert Linstow sind ein wenig undurchsichtig und man weiß zunächst nicht so genau, wer sie sind und was sie eigentlich im Seehotel wollen. Außerdem ist da noch der unscheinbare Heiner Warnke von der Kripo Stralsund, der eher eine Nebenrolle spielt.

Isa Schikorsky schreibt in einer guten Sprache und das Buch lässt sich flüssig lesen. Es ist nicht unbedingt der traditionelle Krimi, sondern auch ein wenig eine Beziehungsgeschichte. Diese Mischung hat mir hier durchaus zugesagt. Der Schauplatz Rügen ist gut gewählt und auch das Cover passt dazu.

Alles in allem ist Linstows Geheimnis ein Buch, das ich gerne gelesen habe.

Linstows Geheimnis - Isa Schikorsky
Linstows Geheimnis
von Isa Schikorsky
(2)
Buch (Taschenbuch)
9,90

Interessant, unterhaltsam, und spannend

Dagmar , am 23.06.2019

Die Polizistin Teresa Fiadeiro wird vermisst. Zunächst findet man ihr Auto in einem Parkhaus in Lagos und wenig später ihre Leiche in einem alten Brunnen. Teresa Fiadeiro wurde aus nächster Nähe erschossen. Damit beginnt der zweite Fall der Sub-Inspektoren Graciana Rosado und Carlos Esteves von der Polizeidirektion in Faro sowie ihrem deutschen Kollegen Leander Lost.

Seit dem ersten Fall ist ein halbes Jahr vergangen und die Sub-Inspektoren haben sich an Leander Lost mit dem Asperger-Syndrom gewöhnt, auch wenn es nicht immer leicht fällt. Sie wissen die ungewöhnlichen Fähigkeiten ihres Kollegen zu schätzen und können diese für ihre Arbeit nutzen. Auch Lost selber fühlt sich immer mehr im Team aufgehoben und vor allem geschätzt. Insgesamt sind alle Charaktere sehr respektvoll beschrieben trotz so mancher Schrullen. Privates wie Berufliches ist eng miteinander verbunden. So spielen unter anderem Gracianas Schwester, Soraia Rosado und die Tochter der Ermordeten, Eva Fiadeiro, die auch unter dem Asperger-Syndrom leidet, eine entscheidende Rolle in Leander Losts Leben. Amüsant ist das „Kompendium sinnloser Sätze“ mit dem Lost sich in für ihn völlig überflüssigem Small-Talk versucht.

Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt schreibt mit viel Liebe zum Detail, man merkt ihm seine Begeisterung für Land, Leute und Kulinarisches deutlich an. Dadurch nimmt der eigentliche Krimi erst im letzten Drittel so richtig an Fahrt auf. Der Hintergrund des Krimis, die ehemalige und heutige Situation früherer Kolonien, in diesem speziellen Fall Angola, ist ein ausgesprochen interessantes Thema.

Die Schreibweise des Autors ist flüssig, das Buch insgesamt gut zu lesen. Das Cover hat südländisches Flair und passt zum Buch. Vorne und hinten gibt es eine kleine Landkarte, die als Orientierungshilfe dient, so etwas gefällt mir immer sehr gut.

Mich hat dieser eher ungewöhnliche Krimi gut unterhalten und ich freue mich auf Band 3 – Weiße Fracht.


Spur der Schatten - Gil Ribeiro
Spur der Schatten
von Gil Ribeiro
(26)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Spannend, historisch interessant und facettenreich

Dagmar , am 23.06.2019

Die Handlung ist im Spätmittelalter angesiedelt und beginnt 1490. Das Buch ist in drei Haupterzählstränge aufgeteilt. Einmal geht es um Helena, Tochter des wohlhabenden Kaufmanns und Goldschmieds Brandauer und zum anderen um ihren Vetter, den Lehrling Niklas. Beide haben sich ineinander verliebt und Helena erwartet ein Kind von ihm. Brandauer billigt diese Verbindung jedoch nicht, setzt Niklas vor die Tür und schickt seine Tochter ins Kloster. Hier trennen sich für viele Jahre die Wege der beiden.

Niklas nutzt die Möglichkeit, mit einem Kaufmannszug nach Venedig zu reisen. Während der Reise lernt er den Maler Albrecht Dürer kennen und daraus entwickelt sich eine enge Freundschaft. In Venedig arbeitet er als Goldschmied und gerät in kriminelle Machenschaften. Helena bekommt in der Zwischenzeit ihr Kind, das ihr allerdings sofort weggenommen wird. Ihr Vater verheiratet sie mit dem Patrizier Konrad Heller. Die Ehe ist nicht glücklich, Heller schlägt seine Frau, ist trunksüchtig und verspielt sein Geld. Helena und Niklas bleiben trotz allem in Kontakt, ihre Briefe werden über Agnes Dürer entsprechend weitergeleitet. Der dritte Erzählstrang handelt von Anna, einem einfachen Mädchen, das nach Nürnberg flieht. Dort landet sie unfreiwillig als Hure im Frauenhaus. Immer wieder hat sie Kontakt zu den Hellers und außerdem entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihr und Helenas Bruder Philipp, der als Mönch im Kloster lebt.

Sabine Weigand hat die Zustände der damaligen Zeit mit all ihren Facetten ausführlich beschrieben. Die hygienischen Umstände waren zum Teil katastrophal und Krankheiten wie Pocken, Syphilis und Lepra weit verbreitet. Frauen hatten zu jener Zeit keinerlei Rechte. Nachdem Konrad Heller seine schwangere Frau beinahe umgebracht hat, wendet sich Helena an den Nürnberger Rat mit der Bitte um Scheidung. Daraufhin bekommt sie die Antwort, dass sie ihrem Mann gehorchen müsse und an ihrer misslichen Lage bestimmt selber schuld sei. Das Schicksal von Helena hat mich sehr berührt. Aber auch positive Themen, wie die Edelsteinbearbeitung und die Goldschmiedekunst werden im Buch behandelt.

Der Schreibstil ist flüssig, das Buch insgesamt gut zu lesen. Ich konnte mich problemlos in die Handlung hinein versetzen. Einige Passagen wie z. B. die Briefe von Helena und Niklas sind in alter Sprache verfasst. Das war etwas holprig zu lesen, hat das Buch aber auf jeden Fall authentischer gemacht. Im Nachwort schreibt Sabine Weigand, dass die Familie der Hallers tatsächlich existiert und sie deren Geschichte als Vorlage für ihren fiktiven Roman genommen hat.

Mich hat dieser Roman absolut begeistert und ich werde bestimmt weitere Bücher von Sabine Weigand lesen.

Das Perlenmedaillon - Sabine Weigand
Das Perlenmedaillon
von Sabine Weigand
(8)
Buch (Taschenbuch)
8,95

Ein Krimi-Debut mit ungewöhnlichem Ermittlerteam

Dagmar , am 31.05.2019

Durch ein Austausch-Programm von Europol kommt der deutsche Kommissar Leander Lost in den kleinen Ort Fuseta im Süden Portugals. Seine neuen Kollegen, die Sub-Inspektoren Graciana Rosado und Carlos Esteves von der Polizeidirektion in Faro, holen ihn vom Flughafen ab und sind über diesen merkwürdigen Mann etwas verwundert. Auf dem Weg nach Fuseta werden sie zu einem Schiffsunglück gerufen und so wird Leander Lost gleich mit in diesen Fall einbezogen. Im Laufe der Ermittlungen schießt Lost seinem Kollegen Esteves ins Bein. Als er dann noch die zwei Portugiesen denunziert, wollen die ihn ganz schnell wieder los werden. Aber da kommt Soraia, die Schwester Gracianas ins Spiel. Sie hat den Deutschen bereits kennengelernt, schnell erkannt, dass er ein Autist mit Asperger-Syndrom ist und kann die Wogen glätten. Damit beginnt eine ungewöhnliche aber durchaus erfolgreiche Zusammenarbeit. Und zum Schluss ist es Leander Lost, der die Kommissare auf die richtige Spur bringt.

Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt hat mit Leander Lost einen außergewöhnlichen Ermittler geschaffen. Oft hatte ich Mitleid mit ihm, manchmal musste ich schmunzeln (besonders bei seinen Ausführungen über die Besiedlung des Weltalls) und ich hatte vor allem eins: großen Respekt. Aber auch alle anderen Charaktere sind passend und vermitteln Glaubwürdigkeit. Das Thema des Krimis, die Privatisierung von Wasser und die damit zusammenhängende Ausbeutung von Landstrichen ist hochaktuell.

Die Schreibweise des Autors ist gut und flüssig. Das Cover hat südländisches Flair und passt zum Buch. Überhaupt legt der Autor mit seinen Beschreibungen von Land und Leuten sehr viel Wert auf Lokalkolorit.

Dieses Krimi-Debut hat mich restlos begeistert und ich freue mich auf weitere interessante Fälle.

Lost in Fuseta - Gil Ribeiro
Lost in Fuseta
von Gil Ribeiro
(85)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Ein Thriller-Debüt par excellence – spannend bis zum Schluss

Dagmar , am 10.04.2019

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, der mit einem Cliffhanger endet – ich habe mich lange gefragt, wie diese Szene zu beurteilen ist und vor allem, wie sie ausgeht. Die eigentliche Geschichte fängt ein paar Wochen zuvor in der Polizei-Akademie in Köln-Brühl an. Dies ist aber nur einer von verschiedenen Handlungssträngen, die langsam zusammengeführt werden.

Hauptprotagonistin Julia Gerloff ist wohlbehütet bei ihrem Vater in einer Bauwagensiedlung in der Uckermark aufgewachsen. Für ihre Ausbildung bei der Polizei ist sie nach Köln gezogen, ihr schwerkranker Vater Wolfgang ist ihr gefolgt, um in der Nähe seiner Tochter zu bleiben. Schon zu Beginn merkt man, dass der Vater ihr wesentliche Fakten aus seiner Vergangenheit verschweigt. Julia lernt Nick kennen und findet schnell heraus, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Mehr möchte ich von der Handlung gar nicht preisgeben, alles weitere wäre einfach zu viel verraten. Auf jeden Fall geht es in diesem Buch um Rechtsradikalismus, Terrorismus, Straßenkinder und Vergangenheitsbewältigung.

Zu allen Protagonisten gibt es Hintergrundinformationen, so dass man ihre Handlungsweisen gut nachvollziehen kann. Diese fließen eher unauffällig in die Geschichte ein. Das Buch ist flüssig zu lesen und in einer guten Sprache geschrieben. Die Handlung ist durchgehend spannend und klar strukturiert. Für mich war es ein richtiger Pageturner.

Das Cover ist entsprechend gestaltet, der düstere Wald mit dem versteckten Haus passt ideal zur Handlung. Auf einer kleinen Landkarte im Buchumschlag sind die Schauplätze markiert, so etwas finde ich immer sehr hilfreich. Im Anhang gibt es interessante Informationen über die Geschichte des Westwalls sowie über den Westwall-Ring, der im Buch eine Rolle spielt. Außerdem ist ein informatives Interview mit Benedikt Gollhardt abgedruckt.

Mich hat Westwall positiv überrascht, selten gibt es Bücher und noch weniger Debüts, die so gut geschrieben sind wie dieses.

Westwall - Benedikt Gollhardt
Westwall
von Benedikt Gollhardt
(52)
Buch (Paperback)
15,00

Berührend, erschütternd und aufrüttelnd

Dagmar , am 03.04.2019

Jule Weisbach ist die Besitzerin des kleinen Cafés „Strandperle“ in Hamburg Ottensen, das sie mit Hingabe führt. Da sie davon kaum leben kann, recherchiert sie Familiengeschichten anderer Leute und schreibt sie nieder. Zufällig lernt sie Johanna Martens kennen und die beiden Frauen sind sich sofort sympathisch. Johanna hat gerade auf dem Dachboden ihrer verstorbenen Mutter das Tagebuch einer Sophie Terhoven gefunden. Die Tagebucheinträge gehen von 1936 bis 1943.
Teresa Simon beschreibt die Nazi-Zeit aus der Sicht von Sophie, Sprössling einer reichen Hamburger Kaffeedynastie. Sophie und Hannes, der Sohn der Köchin, verlieben sich ineinander, was zur damaligen Zeit ein Ding der Unmöglichkeit war. Diese Liebe leidet nicht nur unter den strengen Moralvorstellungen, die damals herrschten, sondern auch unter den immer schwerer zu ertragenden Vorkriegs- bzw. Kriegszeiten. Malte, ein hochintelligenter junger Mann und guter Freund von Sophie wird als Schwuler schwer diskriminiert, die Juden werden verfolgt und der feinfühlige Hannes wird als Soldat eingezogen. Kaffeeeinfuhren werden stark eingeschränkt und belasten die Familie. Die Bevölkerung und somit auch Sophie und ihre uneheliche Tochter müssen hungern. Dieser Teil des Buches ist ein bedeutsames historisches Zeitzeugnis und der fiktive Teil der Geschichte zeigt unter anderem die Verlogenheit der damaligen Ansichten.
Im Gegenwartsteil hat die Protagonistin Jule auch mit einigen Problemen zu kämpfen. So macht ihr vor allem eine Pachterhöhung schwer zu schaffen. Aber ihre Freunde und Familie stehen hinter ihr und auch die Liebe kommt nicht zu kurz.
Die Schreibweise der Autorin ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Für mich war das Buch ein richtiger Page-Turner, die Umsetzung der Geschichte und die Verknüpfung der zwei Zeitebenen ist wunderbar gelungen. Der Gegenwartsteil kommt mir persönlich hin und wieder ein wenig schmalzig vor, was sich aber nicht unbedingt negativ auf die Handlung auswirkt. Im Anhang findet sich ein kleiner Rezeptteil der Kuchen und Kaffee-Getränke, die auch im Buch vorkommen. Außerdem gibt es ein historisches Nachwort über die Geschichte des Kaffees, die Behandlung von Homosexuellen im Zweiten Weltkrieg und den Feuersturm über Hamburg. Das historisch anmutende Cover mit seinen Oleanderblüten passt gut zum Buch.
Dies war bereits mein drittes Buch von Teresa Simon und es hat wieder einmal meinen Geschmack getroffen. Ich freue mich auf weitere gute Geschichten dieser Autorin.


Die Oleanderfrauen - Teresa Simon
Die Oleanderfrauen
von Teresa Simon
(49)
Buch (Klappenbroschur)
9,99

Commissario Grauner ermittelt sehr persönlich

Dagmar , am 21.09.2017

Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe werden zu einem Toten am Brenner gerufen. Ein alter Mann wurde brutal zu Tode geschleift. Kurz darauf wird ein weiterer Mord, ebenfalls an einem älteren Mann, begangen. Dieser hat eine Münze im Mund, die auf den zweiten Weltkrieg hinweist. Die Ermittlungen reichen bis in das Jahr 1946 zurück, was war damals geschehen? Und was hat der Fall mit dem Mord an Grauners Eltern vor vielen Jahren zu tun? Oder haben die Morde etwas mit der entdeckten Hanf-Plantage zu tun? Mit all diesen Fragen müssen sich die Ermittler beschäftigen. Die Auflösung bleibt bis zum Endes des Buches spannend und bietet eine Überraschung. Ich bin gespannt, ob es hier noch eine Fortsetzung geben wird.

Auch der dritte Fall für Commissario Grauner hat mir wieder sehr gefallen. Die handelnden Personen sind gut beschrieben, das ungleiche Ermittlerpaar sympathisch. Johann Grauner wäre eigentlich lieber Viechbauer und liebt seine Heimat über alles. Claudio Saltapepe kommt ursprünglich aus Neapel und hat immer noch Heimweh nach dem Meer. Diese zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten respektieren sich immer mehr, was für diesen Fall besonders wichtig ist.

Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist in einer sehr schönen Sprache geschrieben. Lenz Koppelstätter schreibt manchmal mystisch und geheimnisvoll und dennoch keinesfalls abstrakt. Es gelingt ihm, immer wieder eine ganz besondere Stimmung aufkommen zu lassen. Durch diese wunderbaren Beschreibungen von Land und Leuten konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden. Auch aktuelle Themen behandelt der Autor. So gibt es Diskussionen über das Outlet am Brenner mit den Schnäppchen für Durchreisende. Und für Flüchtlinge ist die Italienisch/Österreichische Grenze damals wie heute von besonderer Bedeutung.

Das Cover passt sehr gut zum Buch und zu Südtirol. Sehr schön finde ich, dass auf der ersten und der letzten Seite des Buches jeweils eine Landkarte abgedruckt ist, eine zeigt den Brenner und seine Umgebung, die zweite Südtirol. So kann man nachvollziehen, wo sich die einzelnen Schauplätze befinden.

Mein Fazit: Wer solide Kriminalfälle mit sehr viel Lokalkolorit mag, der ist mit diesem Krimi bestens bedient.

Nachts am Brenner - Lenz Koppelstätter
Nachts am Brenner
von Lenz Koppelstätter
(56)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Berührende Lebensgeschichte

Dagmar , am 17.01.2016

Philippine Welser wächst im 16. Jahrhundert als Kaufmannstochter in Augsburg auf. Der Vater hat sich „aus dem Staub“ gemacht und lebt in Ravensburg. Ihre Mutter, Anna Welser, muss die Familie ernähren. Sie schickt Philippine regelmäßig zum Kräutersammeln, um Arzneien anrühren zu können. Im August 1556 fährt Philippine zu ihrer Tante Katharina nach Böhmen. Dort trifft sie auf den Habsburger Ferdinand II. Beide verlieben sich ineinander und heiraten heimlich, da der Sohn des künftigen Kaisers keine Bürgerliche ehelichen darf. Damit beginnt für beide eine sehr schwierige Ehe, die immer wieder durch Giftanschläge auf Philippine oder die gemeinsamen Kinder gefährdet ist. Wir begleiten Philippine von ihrer Jugend bis zu ihrem Tod.
Dieser Roman ist eine Mischung aus Realität und Fantasie. Brigitte Riebe hat aus historisch bekannten Fakten eine fiktive Lebensgeschichte aus Sicht von Philippine Welser niedergeschrieben. Philippine Welser hat tatsächlich Friedrich II geheiratet und die Ehe musste aus politischen Gründen geheim gehalten werden. Dadurch hatte Philippine den Ruf einer Geliebten und die gemeinsamen Kinder waren eine Schande. Das Kräuterbuch von Anna Welser ist überliefert und wurde von Philippine genutzt. Sie hat sich mit dem Thema Kräuterkunde intensiv beschäftigt und der Bevölkerung bei Krankheiten geholfen. Mich hat die Geschichte der Philippine Welser sehr berührt. Sie hat zwar ihre große Liebe geheiratet, aber sie saß mit ihren Kindern im goldenen Käfig und durfte dennoch nicht das Leben führen, das ihr und ihren Kindern eigentlich zustand. Dazu kamen die Schrecken der Zeit, wie z. B. die Pest. Ein bemerkenswertes Schicksal, das uns dieses Buch auf sehr beeindruckende Weise nahelegt.
Die einzelnen Kapitel beginnen mit Kräuterzeichnungen von Heil- und Giftpflanzen aus alten Kräuterbüchern und enden mit fiktiven Tagebuchauszügen von Philippine. Im Nachwort erläutert die Autorin die historischen Fakten. Das Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, es lässt sich flüssig lesen und hat eine sehr angenehme Sprache. Allerdings würde ich dieses Buch beim besten Willen nicht als Kriminalroman bezeichnen. Dennoch bekommt es von mir ein „Empfehlenswert“.

Die schöne Philippine Welserin - Brigitte Riebe
Die schöne Philippine Welserin
von Brigitte Riebe
(20)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Minipli-Man und Hornbrillen-Girl lösen Fall Nr. 5 – Einfach lesenswert

Dagmar , am 18.10.2015

Loretta Luchs hat einen eher ausgefallenen Job, sie arbeitet in einem Callcenter bei einer Sexhotline. Seit kurzem hat sie zwei neue Kolleginnen – die „Zwergin“ Belinda und die Hippe Jeannette, die sie beide überhaupt nicht leiden kann und die auch bei ihren Kolleginnen alles andere als beliebt sind. An diesem Montag werden Loretta und ihre Kollegin und gute Freundin Doris zu ihrem Chef Dennis ins Büro gerufen. Bereits seit einiger Zeit sieht Dennis sehr schlecht aus und die beiden Frauen erfahren, warum. Dennis wird erpresst, er soll das Callcenter dem „Porno-Gnom“ Belinda überschreiben. Sie und Jeanette machen bereits jetzt Telefonakquise für einen Puff. Das soll ausgeweitet werden und dafür braucht man das Callcenter. Die Hintermänner schrecken auch nicht vor Gewalt zurück, wie Dennis schon schmerzhaft auf verschiedene Art erfahren musste. Doris informiert sofort ihren Mann Erwin, einen ehemaligen Polizisten. Es wird beschlossen, dass die gemeinsame Freundin Bärbel - entsprechend verkleidet als „Babsi“ - in das Callcenter eingeschleust wird und sich mit Belinda und Jeannette anfreundet. Ihr Freund Frank verkleidet sich als Lude „Fränkie“. Und dann wird auch noch Sandra, die neue Freundin von Dennis entführt. Lorettas neuer Freund Pascal ist zunächst gar nicht von den Eigenmächtigkeiten seiner Freundin begeistert, leistet dann aber als Tontechniker wertvolle Hilfe. Natürlich überschlagen sich die Ereignisse im Puff und Kommissarin Küppers, Erwins Patenkind, schlägt mal wieder die Hände über dem Kopf zusammen über so viel gefährliche Eigeninitiative, ohne die Polizei dabei einzuschalten.
Auch in Band 5 treffen wir wieder auf Lorettas energiegeladenen und zu überstürzten Handlungen neigenden Freundeskreis. Alle Personen werden liebevoll dargestellt, besonders Frank mit seiner Ruhrpottschnauze ist ein Original. Lorettas Freundin Diana lebt seit einiger Zeit mit ihrem Freund Okko an der Nordsee und kann deshalb nur noch telefonisch an den Ermittlungen teilnehmen. Die Schilderung von Okkos Heiratsantrag an Diana ist einfach köstlich und gehört zu den Geschichten, die man noch seinen Enkelkindern erzählen wird.
Das Cover, eine Karikatur, die von Ommo Wille gezeichnet wurde, ist wunderbar auf das Buch abgestimmt. Dieses Mal zeigt es Loretta bei der Arbeit, denn es geht in diesem Fall ja um das Call-Center.
Rundum ein gelungener 5. Teil der Loretta Luchs Serie – ein abgeschlossener Fall, den man problemlos auch einzeln lesen kann. Lotte Minck nennt ihre Werke „Krimödien“ und das sind sie: Spannende Fälle, die unglaublich humorvoll erzählt werden. Dabei bleibt die Ernsthaftigkeit eines Krimis durchaus gewahrt, ein sicherlich nicht ganz einfacher Spagat, der hier absolut gelungen ist. Dazu kommt sehr viel Lokalkolorit: Ruhrpottatmosphäre pur.

Tote Hippe an der Strippe - Lotte Minck
Tote Hippe an der Strippe
von Lotte Minck
(15)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Interessanter Krimi mit Landeskunde und Lokalkolorit

Dagmar , am 21.08.2015

Toni ist Pistenarbeiter im Schnalstal in Südtirol. Nachts ebnet er mit seiner Pistenraupe ganz nahe am Gletscher die Skipisten, damit die Skifahrer morgens eine gut vorbereitete Piste vorfinden. Kurz vor Weihnachten sieht er ein Licht, geht darauf zu und wird niedergeschlagen. Als er wieder zu sich kommt findet er eine Leiche, ganz in der Nähe vom „Ötzi“-Fundort. Der Prolog, der diesen Fund beschreibt, ist ein wenig mystisch und unheimlich gestaltet.
Commissario Johann Grauner, Südtiroler und „Viechbauer“ mit Leib und Seele und sein Mitermittler Ispettore Claudio Saltapepe, der aus Neapel in die Berge versetzt wurde, übernehmen den Fall. Die Spuren führen ins Südtiroler Archäologiemuseum – hat der Direktor Claus von Troyenstein etwas mit dem Mord zu tun? Er benimmt sich auf jeden Fall äußerst verdächtig sowie auch der Bürgermeister des Schnalstals. Aber auch der Tote selbst gibt Rätsel auf. Er ist vor einigen Jahren in eine Höhle in den Wald gezogen und hatte seitdem dort als Einsiedler gelebt. Außerdem ist auch seine Frau, von der er sich nie hat scheiden lassen, verdächtig. Und die Südtiroler selbst lassen sich nicht in die Karten schauen, die zwei Ermittler treffen auf eine Mauer des Schweigens.
Dies ist ein Krimi, der erst ganz zum Schluss aufgeklärt wird und etwas überrascht. Das Privatleben der handelnden Personen kommt nicht zu kurz. Der Autor geht auch auf die großen Unterschiede der italienischen Mentalitäten ein, das gefällt mir sehr gut. Das Cover ist schön gestaltet und passt zum Handlungsschauplatz, der auch durch zwei kleine Landkarten verdeutlicht wird. Die Schreibweise ist ein wenig ungewöhnlich aber gut und vor allem flüssig zu lesen. Dieser Krimi hat mir gut gefallen und ich würde ihn durchaus weiterempfehlen. Meiner Meinung nach muss nicht aus jedem Krimi eine Serie werden, aber hier würde es mich freuen, mehr über dieses ungleiche Ermittlerpaar zu lesen.

Der Tote am Gletscher - Lenz Koppelstätter
Der Tote am Gletscher
von Lenz Koppelstätter
(34)
Buch (Taschenbuch)
9,99

 
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