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BuchhändlerInnen im Portrait

Monika Fuchs
aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg

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Über mich:
bin eine Buchhändlerin, die mit Herzblut dabei ist. Ich liebe gut gemachte Unterhaltungsliteratur, bei denen ich auch noch etwas über das Leben und die Geschichte lernen kann.
Alter:
56 Jahre
Abteilung:
Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
Funktion:
Buchhändlerin
Lieblingsautoren:
Nina George, Nicole Walter, Julia Fischer, Charlotte Roth, Carmen Lobato, Lydia Conradi, Heidi Rehn, Micaela Jary
An meinem Beruf gefällt mir:
dass ich Menschen mit meinen Lieblingsbücher glücklich machen kann.
Im Beruf seit:
1982
Das beste Buch aller Zeiten:
Nina George, Das Lavendelzimmer

Meine Empfehlungen

Kommt mit der Glückskatze wirklich das Glück?

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 17.05.2019

Bei den Romanen für Erwachsene, die Hermien Stellmacher schreibt, merkt man, dass sie Katzen liebt. Trotzdem sind ihre Romane keine Katzenromane, sondern schöne, leichte Romane für Frauen, die viel Atmosphäre mögen. So wie es Romane gibt, wo Hunde eine nicht unbedeutende Nebenrolle spielen, sind des bei Hermien Stellmacher Katzen.

Das Cover und der Titel zeigen gleich an, wohin uns die Autorin dieses Mal entführt. Beim ersten Roman „Cottage mit Kater“ ging es nach Cornwall, beim zweiten „Katzenglück und Dolce Vita“ in die Toskana und nun sind wir in der Provence angekommen. Anders als in den beiden vorherigen Romanen würde ich dieses Mal nicht sagen, dass es vor allem um eine Frau geht, die am Wendepunkt ihres Lebens angekommen ist. Diesmal gibt es gleich mehrere Hauptpersonen, die irgendwie zusammengehören:

- Die Foodbloggerin Alice mit ihren beiden Katzen Zazou und Colette wurde ja bereits hier bei thalia.de in der Inhaltsangabe vorgestellt. Sie lebt in einer Wohnung in Beaulieu und sucht nach einem bezahlbaren Haus für sich und ihren Liebsten Léon.
- Dann gibt es die 78 Jahre alte Jeanine, die berühmt für ihre Aprikosenmarmelade ist. Sie ist es auch, die die kleine Glückskatze Trouvé gefunden hat. Leider wird Jeanine im Laufe der Geschichte immer tüdeliger und zieht sich immer mehr in die Vergangenheit zurück.
- Georges ist ein alter Freund Léons, der sich gegen den Willen seiner Eltern dazu entschieden hat, einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Er ist ein leidenschaftlicher Koch und hat in Beaulieu ein wunderbares Bistro eröffnet. Seine größte Angst ist, dass ein Restaurantkritiker seine Küche verdammen würde.
- Willem ist ein junger Niederländer, der sich nach Beaulieu verirrt. Er braucht einen Neuanfang und lernt bei Georges Jeanine und Alice kennen. Da Jeanine seine Hotelwirtin kennt und verachtet, nimmt sie ihn einfach mit auf ihren Hof.
Wichtige Nebenrollen spielen die charmante Postbotin Josephine, Henri, dem das dem Verfall überlassene Hotel Le Tilleul gehört, Alain, ein Notar, der anscheinend ein Auge auf Alice geworfen hat und Monsieur Dupont, ein dichtender Makler, der leider nie das perfekte Haus für Alice parat hat. Und natürlich die drei Katzen Zazou, Colette und Trouvé.

Hermien Stellmacher hat einen wunderbaren Sommerroman geschrieben, der uns in die Provence führt. Bei all den Beschreibungen der Landschaft und des guten Essens bekommt man sofort Lust dorthin zu reisen. Am Ende hätte ich mir nur noch ein paar lecker Rezepte der Gerichte gewünscht, die im Roman erwähnt wurden.

Nachdem die kleine Glückskatze aufgetaucht ist, ändert sich viel im Leben der Hauptpersonen. Leider aber nicht nur zum Guten. Doch dies wäre kein Sommerroman, wenn sich nicht am Ende doch alles so fügen würde, wie es sollte.
Doch warum passieren plötzlich so viele unvorhergesehene Dinge? Was verbindet Jeanine mit dem alten Hotel Le Tilleul. Und wer ist eigentlich dieser Jacques, von dem Jeanine in letzter Zeit so oft erzählt? Folgen Sie der Autorin in ihre Geschichte und dann werden Sie die Antworten finden. Mich hat das Buch immer wieder überrascht. Am Anfang hatte ich erst ein wenig Schwierigkeiten zu erkennen, wie die ganzen Personen zusammengehören. Und was für Geheimnisse sie verbergen. Aber dann bin ich immer mehr in der Geschichte versunken. Besonders Jeanine, Henri und Monsieur Dupont haben es mir angetan. Und natürlich die Katzen!

Diese Buchbesprechung wurde übrigens unter strenger Aufsicht meiner Katze geschrieben!

Die Katze im Lavendelfeld - Hermien Stellmacher
Die Katze im Lavendelfeld
von Hermien Stellmacher
(2)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Eine friedliche Revolution und ihre Folgen

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 14.05.2019

2014 erschien von Volker Weidermann das Buch „Ostende 1936 – Sommer der Freundschaft“. Dieses Buch über einige deutschsprachige Autoren, die sich im Sommer 1936 zu einem letzten unbeschwerten Sommer in Ostende getroffen haben, habe ich gelesen. Mir hat die Art, wie der Autor über das Leben dieser Menschen berichtet hat, sehr gefallen. Als mir nun eine Freundin bei einem München-Besuch das Buch „Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen“ empfohlen hat, hab ich sofort gedacht, dass das etwas für mich sei.

In München ist etwas Außergewöhnliches geschehen. Es hat eine friedliche Revolution gegeben. Am 7. November 1918 schafft Kurt Eisner dieses Wunder und wird der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern. Es bildet sich eine Regierung, der viele Dichter angehörten. Volker Weidermann beschreibt in seinem Buch die Revolution und ihre Folgen, bis sie am 2. Mai 1919 endgültig gescheitert ist. Er berichtet von den einzelnen Dichtern, ihren politischen Gedanken und Träumen und ihrem Miteinander als auch ihrem Gegeneinander. Es ist ein sehr interessantes Buch über einen Versuch, ein gerechtes Gesellschaftssystem aufzubauen. Aber man merkt diesem Buch auch an, dass es Träumer ohne wirkliche politische Erfahrung waren, die dies versucht haben. Innerhalb dieser kurzen Zeit gab es im Prinzip drei unterschiedliche Regierungen, die zuletzt allesamt gescheitert sind. Schon zu dieser Zeit zeigte sich, dass leider die linken Parteien nicht an einem Strang zogen. SPD, USPD und KPD waren heillos zerstritten. Und so hatten die Freikorpsverbände, die später von der regulären Armee unterstützt wurden, ein leichtes Spiel, diese Revolution niederzuschlagen. Und das verlief dann leider nicht mehr unblutig.

Es ist ein sehr interessantes Buch, bei dem man viel über die unterschiedlichen Dichter und ihre Träume erfährt. Kurt Eisner, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Thomas Mann, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke und Ernst Toller sind einige der Dichter, die direkt oder indirekt an der Revolution beteiligt waren, oder sich hierzu geäußert haben. Besonders Thomas Mann ist mir hierbei aufgefallen, und das eher negativ, da er sein Mäntelchen offensichtlich gerne in den Wind hängte. In dem Buch wird vielfach aus den Texten der Dichter zitiert. Das macht das Buch besonders lebendig. Im Anhang findet sich eine umfangreiche Bücherliste, die Lust macht, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.

Ein erster, gut zu lesender Überblick über eine interessante Episode in der Geschichte Münchens, die man sich heute fast gar nicht vorstellen kann. Ich werde danach beim nächsten München-Besuch die Stadt und ihre Wirtshäuser mit anderen Augen betrachten. Es liest sich allerdings nicht so einfach wie „Ostende 1936 – Sommer der Freundschaft“. Dafür ist das Thema einfach zu komplex.

Wenn man dieses Buch liest, erkannt man deutlich, was passiert, wenn Träumer ohne professionelle Hilfe versuchen, ein Gesellschaftssystem durch eine Revolution zu ändern. Doch leider waren es alles Individualisten, die sich auch untereinander nicht auf einen gemeinsamen Nenner verständigen konnten. Dazu ganz viel Enthusiasmus und eine gehörige Portion Naivität. Das konnte leider nicht gut gehen. Schade, es wäre den Münchner und letztendlich auch den ganzen anderen Ländern, die am 2. Weltkrieg beteiligt waren, viel erspart geblieben.

Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen - Volker Weidermann
Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen
von Volker Weidermann
(10)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Amrum – ein aufstrebendes Nordseebad Ende des 19. Jahrhunderts

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 10.05.2019

Anke Petersen scheint eine neue Autorin auf dem Büchermarkt zu sein. Aber wenn man einmal bei Facebook nachschaut, oder sie googelt, erkennt man, dass es ein Pseudonym der bereits etablierten Autorin Nicola Steyer (historische Romane) und Linda Winterberg (Romane aus der Zeit der jüngeren Geschichte) ist. Unter Anke Petersen ist jetzt der erste Band einer auf drei Bände ausgelegten Familiengeschichte erschienen, die Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Amrum ihren Anfang nimmt.

Wenn in der Verlagsbeschreibung dieses Buches nicht Amrum gestanden hätte, hätte ich das Buch auf Grund des Covers nicht in die Hand genommen. Denn ich empfinde das Cover als sehr dramatisch und kitschig und hätte eigentlich keine Geschichte nach meinem Geschmack erwartet. Außerdem verstehe ich nicht, warum sich der Verlag bei einer Nordseegeschichte ausgerechnet für den Grundton rot entschieden hat. Irgendwie musste ich bei diesem Cover an den Film „Vom Winde verweht denken“. Ich hatte vage die Szene vor Augen, wo Scarlett O‘Hara schwört „Bei Gott, ich werde nie mehr hungern!“ Aber ich habe das Buch nun also trotzdem gelesen und war positiv überrascht.

Auch die Inhaltsangabe stellt das Buch dramatischer dar, als es in Wirklichkeit ist. Die Geschichte beginnt im September 1891 in Hamburg. Das Ehepaar Wilhelm und Marta Stockmann lebt mit ihren drei Töchtern Rieke, Ida und Marie in St. Georg. Wilhelm hat eine gehobene Position in einem Handelsunternehmen im Hamburger Hafen. Seine Frau Marta ist bei ihrer Tante Nele in einer Pension in der Poststraße aufgewachsen. Dort hat sie auch ihren späteren Mann kennengelernt. Sie hat sich noch nicht wirklich mit ihrer neuen gesellschaftlichen Position angefreundet und träumt noch immer von einer eigenen Pension. Rieke, die älteste Tochter ist knapp 18 Jahre alt und beginnt sich verstärkt für das männliche Geschlecht zu interessieren. Ida, die mittlere Tochter ist neun Jahre alt, und Marie ist eine kleine Nachzüglerin und gerade ein gutes Jahr alt.

Da Wilhelm an Asthma leidet, empfiehlt ihm sein Hausarzt unbedingt einen längeren Aufenthalt auf der Insel Amrum. Anders als Sylt und Föhr ist Amrum erst am Anfang seiner Seebäderkarriere und dementsprechend noch sehr ursprünglich. Als etwas Unvorhergesehenes passiert, lässt sich Wilhelm tatsächlich überreden, einen vierwöchigen Aufenthalt auf Amrum zu buchen. Die ganze Familie kommt natürlich mit. Sie kommen bei zwei eigenwilligen älteren Damen in einer Pension unter. Und bis auf Rieke, die ihre Freundin und einen ganz speziellen jungen Mann in Hamburg vermisst, fühlt sich die Familie auf Amrum gleich sehr wohl. Per Zufall entdecken Wilhelm und Marta unabhängig voneinander ein altes, leerstehendes Gebäude, was sich hervorragend als Martas Traumpension eignen könnte. Und sie beschließen tatsächlich auf Amrum einen Neubeginn. Doch es läuft nicht alles so glatt, wie sie es sich vorgestellt haben.

Was mich an dieser Geschichte so besonders fasziniert hat, ist, wie unaufgeregt die Autorin sie erzählt. So erscheint einem beim Lesen alles durchaus vorstellbar und realistisch. Dadurch, dass sie historisch verbürgte Personen in ihre Handlung mit eingebaut hat, kommt das Ganze noch authentischer rüber. Trotzdem fehlt es aber nicht an Dramatik. Mit einer Situation habe ich z.B. gar nicht gerechnet. Damit hat Anke Petersen mich richtig geschockt! Aufgrund des Klappentextes hatte ich mir insgesamt eine viel dramatischere Geschichte vorgestellt und war dann sehr (positiv) überrascht.

Beim Lesen erkennt man, dass Amrum eine Insel im Umbruch ist. Mir war z.B. gar nicht bewusst, dass Wittdün erst Ende des 19. Jahrhunderts tatsächlich aus dem Boden gestampft wird. Wittdün ist kein natürlich gewachsener Ort der Einheimischen, sondern ein Ort, der von Anfang an für den Tourismus gedacht war. Ansonsten ist die Insel noch sehr ursprünglich. Ich war überrascht, wie gut die Familie Stockmann gleich von den Einheimischen aufgenommen wurde. Damit hatte ich nicht gerechnet. Allerdings sind nicht alle für diese neue Entwicklung. Pastor Bertramsen sieht darin z.B. einen Zerfall der guten Sitten. Das wird auch Wilhelm im Laufe der Geschichte noch zu spüren bekommen. Die Autorin erzählt die Geschichte so, dass wir der Familie Stockmann bei ihrem Leben gut folgen können. Eine Familie, die mir mit ihren sehr unterschiedlichen Charakteren schnell ans Herz gewachsen ist. Besonders Ida und ihr Freund Thaisen, die so herrlich eigenwillig sind, haben mir richtig gutgefallen. Ebenso die beiden Schwestern Sine und Kaline Petersen, die es wirklich gegeben hat. Gerade Kaline ist ein absolutes Original. Wir erfahren einiges über das Leben zu der Zeit auf Amrum. Aber wir bekommen auch eine der großen Katastrophen in Hamburg mit – die Cholera-Epidemie 1892, die für viele Tote gesorgt hat. Danach hat sich in Hamburg einiges geändert. Und auch auf der Insel passieren Dinge, gegen die sich insbesondere die Frauen des Romans zur Wehr setzen. Zum Ende wird die Geschichte sehr dramatisch. Und so bin ich nun sehr gespannt, wie es im 2. Teil weitergehen wird. Der 2. Band „Wind der Gezeiten“ soll schon am 01. Juli 2019 erscheinen, aber auf den 3. Band „Stürmische See“ müssen wir dann bis zum 03. Februar 2010 warten.

Im Anhang des Buches gibt es übrigens noch zwei Rezepte aus der Hotelküche zum selbst ausprobieren – „Heißwecken“ und „Bratkartoffeln mit Nordseekrabben“

Eine gut erzählte Familiengeschichte, bei der der Autorin eine wahre Geschichte zugrunde lag, die uns nach Amrum Ende des 19.Jahrhunderts entführt. Gut zu lesen und durchaus realistisch erzählt. Ich freue mich auf die weiteren Bände.

Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer - Anke Petersen
Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer
von Anke Petersen
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Geschichte eines Kino-Imperiums – faszinierend

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 05.05.2019

Seit einigen Jahren liebe ich die Romane von Heidi Rehn und freue mich, dass zumeist im Frühjahr ein neues Buch von ihr herauskommt. Ihre Bücher, die meistens in der Zeit von 1913 bis in die 50er Jahre spielen, zeichnet aus, dass die Autorin sehr akribisch recherchiert. Dies kommt nicht zuletzt auch ihren Roman-Spaziergängen zugute, die sie in München anbietet. Ich durfte einmal einen zum Thema Kaufhäuser, d.h. auf den Spuren der Hirschvogls aus dem Roman „Das Haus der schönen Dinge“ mitmachen und war begeistert!
Das zweite, was ich an ihren Romanen liebe, ist, dass immer wieder Figuren aus ihren anderen Romanen in der Handlung auftauchen. Dazu muss man die anderen Romane nicht gelesen haben. Aber wenn man es gemacht hat, freut man sich, wenn man alte Bekannte wiedertrifft. Und manchmal ist man auch traurig, wenn man erfährt, dass welche inzwischen gestorben sind.

Der jetzt neue Roman ist der erste Teil eines Zweiteilers. Auf den zweiten Teil müssen wir wohl leider bis zum Frühjahr 2020 warten. Heidi Rehn erzählt darin die Geschichte einer fiktiven Kino-Dynastie der Familie Donaubauer. Die Familie Donaubauer sind:

- Zenzi Donaubauer, die Matriarchin
- ihr Sohn Karl
- dessen Ehefrau Elsa
- und deren zwei Töchter Sidonie und Jette
- ihre Tochter Ulla
- deren Ehemann Heinrich
- und dessen Sohn Knut aus 1. Ehe

Der Roman beginnt 1926, wo Elsa gerade beschwingt von einer Filmvorführung im Emelka-Haus (ab 1932 Bavaria) zurückkommt. Ihr Mann Karl musste die Vorstellung leider wegen einer Migräne vorzeitig verlassen. Doch Elsa muss Zuhause feststellen, dass ihr Mann sie angelogen hat und mit einer farbigen Revue-Tänzerin durchgebrannt ist. Zu ihrem Glück im Unglück hat sie allerdings einen festen Stand bei ihrer Schwiegermutter und bleibt damit in der Firma. Auch damit sie das Erbe für ihre beiden Töchter erhalten kann. Elsa ist für die künstlerische Seite des Kinos zuständig, ihr Schwager Heinrich, ein Freund Karls aus den Grabenkämpfen im 1. Weltkrieg, ist für die kaufmännische Seite. Über allem steht nach wie vor Zenzi. Seit 1914 hat sich das Kino-Imperium der Donaubauers auf 5 Kinos erhöht, wovon das Elvira das neueste und prunkvollste ist. Wir erfahren so nebenbei in einigen Nebensätzen, wie die Kinos die Zeit des 1. Weltkriegs, der Revolution und der schwierigen Zeit danach überstanden haben. Jetzt ist allerdings die große Zeit der exquisiten Kinopaläste. Nicht mehr nur einfache Leute gehen ins Kino, sondern auch die Menschen aus den gehobenen Klassen. Kinopremieren sind ebenso angesagt, wie Theaterpremieren. Allerdings hinkt München Berlin immer ein wenig hinterher. Wir erfahren viel über die Kinos der Zeit, ihrer Ausstattung und der Filme, die damals gezeigt wurden. Wir leiden mit der Familie während der Krise, wo die Stummfilm-Ära endet und die Tonfilm-Ära beginnt. Wir erkennen, dass Elsa und Heinrich immer mehr Konkurrenten werden. Und wir müssen mit Entsetzen feststellen, dass Heinrich den Nationalsozialisten immer näher rückt. Wie wird es der Familie während des 3. Reichs ergehen? Und wird Karl noch einmal zur Familie zurückkehren? Der 1. Band endet mit dem Beginn des 2. Weltkriegs.

Da ich nicht so kinoaffin bin, musste ich mich erst einmal ein wenig in die Handlung einlesen. Es dreht sich in diesem Roman wirklich viel um die Geschichte des Kinos. Aber man erfährt dabei auch unglaublich viel zu diesem Thema. So wusste ich z.B. nicht, dass es während der Stummfilmzeit Explikateure gab, die dem Kinobesucher während der Vorführung die Handlung erläuterten. Auch war mir nicht bekannt, dass die Filme während der Stummfilmzeit nicht nur von einem Klavierspieler begleitet wurden, sondern sogar von ganzen Orchestern. Und wussten Sie, dass es damals Geruchskino gab? Auch die Bedeutung der Kinos für die Nationalsozialisten war mir neu. Also ist dieser Roman eine wahre Fundgrube für Cineasten, denn es wird auch viel über Filme der damaligen Zeit gesprochen und über Schauspieler und Regisseure.

Aber nachdem ich mich dann auch eingelesen habe, habe ich mit der Familie Donaubauer, insbesondere mit Zenzi, meinem persönlichen Liebling, und Elsa mitgefiebert. Wie bekommt Elsa die Doppelbelastung Beruf und Mutter hin? Wer wird den Sieg davontragen? Elsa oder Heinrich? Und wie gehen die anderen Familienmitglieder mit der Situation im 3. Reich um? Eine wirklich faszinierende Geschichte, bei der ich wieder ganz viel neues auf sehr unterhaltsame Weise kennenlernen durfte. Jetzt kann ich es gar nicht abwarten, wie es während des 2. Weltkriegs und danach mit den Kinos und der Familie weitergeht.

Lesen Sie dazu bitte auch unbedingt die kostenlose Kurzgeschichte „Das Lichtspielhaus – Wie alles begann“. Sie können sie bei thalia.de kostenlos herunterladen und auf einem-e-reader, Smartphone, einem Tablet oder dem PC lesen. Die ISBN lautet: 9783426455548. Darin erfahren Sie, wie die Wienerin Elsa ihren Mann Karl, einen Münchner kennengelernt hat und 1914 das erste Mal eines der beiden Kinos von ihm und seiner Mutter Zenzi besucht. Und wir lernen ein klassisches Ladenkino aus der Zeit kennen, worin sich die einfachen Leute ein wenig die Zeit vertreiben ließen und der Wirklichkeit entfliehen konnten.

Eine wirklich faszinierende Familiengeschichte um ein fiktives Kino-Imperium in der Zeit von 1926 bis 1939. Nicht nur für Cineasten gibt es viel Wissenswertes zu entdecken!

Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung - Heidi Rehn
Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung
von Heidi Rehn
(2)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Was für ein wundervolles Buch!

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 01.05.2019

Kennen Sie schon den Julia Eisele Verlag? Er wurde 2016 von Julia Eisele gegründet und ist ein selbständiger, inhabergeführter Verlag, bei dem Frau Eisele selbst aussucht, was sie veröffentlichen möchte. Für mich ist dies das erste Buch, was ich aus diesem Verlag gelesen habe. Inzwischen habe ich einige weitere Bücher aus diesem Verlag gelesen. Und alle waren auf ihre Art ungewöhnlich und wirklich toll.

Ich gebe zu, auf dieses Buch wäre ich gar nicht wirklich aufmerksam geworden, wenn nicht zwei ganz unterschiedliche Autorinnen auf Facebook so von diesem Buch geschwärmt hätten. Da ich diese beide Autorinnen und ihren Geschmack sehr schätze, bin ich neugierig geworden. Die Autorin Carol Rifka Brunt ist selbst noch ein Neuling in der Buchbranche, hat es aber auf Anhieb geschafft, dass sie von verschiedenen amerikanischen Magazinen zum Buch des Jahres 2017 gewählt wurde.

Zum Inhalt möchte ich Ihnen dieses Mal gar nicht so viel sagen, um Ihnen nicht zu viel vorab zu verraten. Das Buch spielt im Jahr 1986 in einem kleinen Vorort von New York. Erzählt wird die Geschichte von June, einem Mädchen, dass zur Zeit der Geschichte vierzehn Jahre alt ist. Sie lebt mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Greta und ihren Eltern, beides Steuerberater, zusammen. Vor kurzem ist ihr Onkel Finn, der jüngere Bruder ihrer Mutter, an AIDS gestorben. June hatte ein sehr inniges Verhältnis zu ihrem Onkel. Und durch seinen Tod steht sie plötzlich allein da, denn sie ist ein sehr eigenwilliges und im gewissen Sinne auch einsames Mädchen. Früher war ihre Schwester ihre beste Freundin, aber seit einiger Zeit ist diese nur noch gemein zu ihr und dementsprechend keine Hilfe bei ihrer Trauer. Doch dann tritt ein neuer Mensch in ihr Leben.

Mich hat dieses Buch ganz schnell gefangengenommen. Mich hat fasziniert, wie die Autorin dieses Familiengeflecht beschrieben hat, diese Interaktionen und das Thema Kommunikation, bzw. die fehlende Kommunikation. Es ist ein wunderbarer Roman über das Thema Erwachsenwerden. Aber auch ein Roman, der sich mit den Themen Liebe, Freundschaft, Eifersucht und Schuld auseinandersetzt. Und nicht zuletzt ein Roman, der uns in die Zeit zurückversetzt, wo die Krankheit AIDS noch ganz neu war und die Menschen absolut hysterisch reagiert haben. June ist ein wunderbares Mädchen, was durch den Tod ihres Onkels gezwungen wird, ihren Blickwinkel auf die Menschen um sie herum zu erweitern. Sie lernt selbst Entscheidungen zu treffen und das, was ihre Eltern und ihre Schwester ihr erzählen, nicht mehr einfach vorbehaltlos hinzunehmen. Während des Lesens habe ich mich des Öfteren an die Bücher „River“ von Donna Milner und „Der Regen, bevor er fällt“ von Jonathan Coe erinnert gefühlt. Beides ebenfalls Bücher, die in die ähnliche Richtung gehen und zu meinen liebsten Büchern zählen.

Unbedingt lesen!

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause - Carol Rifka Brunt
Sag den Wölfen, ich bin zu Hause
von Carol Rifka Brunt
(42)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Eine einfache Einführung in das Thema

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 01.05.2019

Stefanie Stahl ist ihnen als Autorin sicherlich auch inzwischen geläufig, auch wenn Sie noch kein Buch von ihr gelesen haben. Es gibt ja kaum eine Zeitschrift für Frauen, in der sie noch nicht aufgetaucht ist. Bekannt geworden ist sie 2015 mit ihrem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Dann folgten „Das Kind in dir muss Heimat finden – Das Arbeitsbuch“ (2017), „Jeder ist beziehungsfähig“ (2017), „Nestwärme, die Flügel verleiht“ gemeinsam mit Julia Tomuschat (2018) und jetzt eben „Sonnenkind und Schattenkind“ (2019. Alle Bücher eint, dass sie sich irgendwie geartet mit dem Thema „Das innere Kind“ beschäftigen. Vielleicht haben Sie sich ja schon selbst einmal mit diesem Thema beschäftigt, oder sind neugierig geworden, was es mit diesem Thema auf sich hat? Und vielleicht kennen Sie ja schon dieses Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ von Erika J. Chopich und Margaret Paul, welches bereits 1993 erschienen ist und lange der Klassiker zu diesem Thema war.

Das jetzt erschienene Buch „Sonnenkind und Schattenkind“ ist eine einfache Einführung in das Thema inneres Kind. In der Art und Aufmachung ähnelt es den Büchern von Matthew Johnstone, die ich Ihnen ja bereits vorgestellt habe, in denen er sich mit dem Thema „Depression“ beschäftigt. Es sind Bilderbücher für Erwachsene. Auf angenehme und spielerische Art bringen uns die Autoren und Illustratoren ihre Themen näher. Bei Stefanie Stahl eben „das innere Kind“, welches sie in Sonnenkind und Schattenkind aufteilt.

Aber mehr als eine kurze Einführung in das Thema ist es nicht. Wenn Sie also selbst mit dem Thema zu tun haben, werden Sie nicht umhinkommen, mindestens eins der anderen Bücher dieser Autorin oder anderer Autoren zu lesen, oder aber mit ihrem Therapeuten daran zu arbeiten. Ich werde jetzt das Grundbuch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ lesen und danach das dazugehörige Arbeitsbuch durcharbeiten. Und dann berichte ich Ihnen davon.

Das Buch wurde übrigens von der Illustratorin Jenny Harbauer gestaltet.

Sonnenkind und Schattenkind - Stefanie Stahl
Sonnenkind und Schattenkind
von Stefanie Stahl
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,00

Weit mehr als „nur“ ein Regionalkrimi

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 29.04.2019

Es gibt mindestens zwei Verlage, die ihren Krimis im Untertitel immer schon gleich ein Etikett aufdrücken. Das sind der Emons Verlag und der Gemeiner Verlag. Ob das nun sinnvoll ist, wird sich wahrscheinlich schwer nachprüfen lassen. Immerhin weiß man bei diesen Krimis dann sofort, in welcher Region sie spielen und welchen Dialekt man vielleicht verstehen sollte. Bei mir persönlich bedeutet das aber auch irgendwie gleich, dass ich diverse dieser Krimis sofort gedanklich aussortiere, da ich denke, dass die Region die Hauptrolle spielt und nicht die Kriminalgeschichte. Das dies ganz anders sein kann, davon hat mich der Krimi von Nicole Lingen überzeugt!

Allerdings hätte ich als bekennende Nicht-Krimi-Leserin dieses Buch gar nicht in die Hand genommen, wenn mir die Autorin nicht bekannt gewesen wäre. Ich halte sehr viel von ihr. Da es ihr erster Krimi in Buchform ist, war ich natürlich sehr neugierig darauf. Lingen ist übrigens ein Pseudonym der Autorin. Wenn Sie wissen wollen, unter welchem Namen sie noch schreibt, gucken Sie einfach mal bei Google oder Facebook nach.

Die Inhaltsangabe ist gut! Ich ergänze nur ein ganz klein wenig. Sophia Alvarez ist Ende dreißig und geschieden. Sie hat einen Sohn und eine Tochter. Aufgewachsen ist sie in Niederbayern. Ihre Mutter stammt von dort, ihr Vater ist Portugiese. Daher hat Sophia auch ihr Temperament. Ihr Vater ist nie wirklich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen worden und auch Sophia musste darunter leiden, dass ihr Vater ein „Kanake“ war. Dann ist etwas passiert, weshalb Sophia den Kontakt zu ihrer Mutter und Großmutter komplett abgebrochen hat. Was das gewesen ist, erfahren wir im Laufe des Krimis. Sophia hat ein großes Gerechtigkeitsempfinden und lässt sich von niemanden etwas sagen. Das hat ihr schon viel Ärger mit ihren Vorgesetzten eingebracht. Deshalb wird sie auch in den bayrischen Wald strafversetzt. Sie soll wieder Streifendienst versehen. Doch bevor sie dort überhaupt offiziell angefangen hat, kommt es zu dem dramatischen Ereignis an Pfingsten. Der örtliche Polizeichef Zöpfl will es schon als Suizid ablegen, aber Sophia hat Zweifel und ermittelt gegen den Willen ihres Chefs. Dass sie dabei richtig liegt, ist bei einem Krimi natürlich klar. Und was sie dabei so langsam an die Oberfläche holt, ist ausgesprochen spannend. Wird es weitere Morde geben? Das Buch läuft auf ein großes Finale hinaus, bei dem mir fast das Herz stehen geblieben ist!

Nicole Lingen hat das Buch sehr geschickt aufgebaut. So beginnt das Buch damit, dass man jemanden beobachtet, der Fensterln geht. Schon das ist sehr bedrohlich und unheimlich. Solche Kapitel werden immer wieder eingeschoben, so dass man der psychischen Verfassung dieser Person langsam auf die Schliche kommt. Aber mir als nicht versierter Krimileserin hat sich trotzdem erst sehr spät eröffnet, wer es ist. Im zweiten Kapitel lernen wir dann Sophia kennen. Die Autorin besticht auch in ihrem Krimi wie in ihren Romanen durch ihre gute Beobachtungsgabe, ihre Menschenkenntnis und ihr psychologisches Einfühlungsvermögen. Sophia ist ein Mensch, der sehr genau beobachtet und sich gut in andere Menschen hineinversetzen kann. Deshalb war ihre Aufklärungsrate in München auch außergewöhnlich gut. Aber ihr unbeherrschtes Temperament macht es für alle Seiten schwer mit ihr zusammenzuarbeiten. Und die Vergangenheit belastet sie zusätzlich schwer. So macht sie es auch niemanden an ihrer neuen Dienststelle leicht, ihr näher zu kommen. Sie ist ein einsamer Wolf, der immer wieder aneckt.

Der Fall, den Nicole Lingen sich ausgesucht hat, hat mich sehr mitgenommen und wird mich auch noch weiter beschäftigen. Ein Thema, was bei uns gerne noch unter den Teppich gekehrt wird. So etwas darf einfach nicht möglich sein!

Mein Fazit zu diesem Krimi ist, dass sich unter dem Etikett „Niederbayern-Krimi“ ein richtig guter, packender Krimi verbirgt. Es ist ein Krimi, der unblutig ist. Aber die Autorin versteht es Angst aufzubauen. Der Krimi spielt halt im Bayrischen Wald und nimmt damit die Eigenheiten der dortigen Bevölkerung auf. Aber die Handlung ist ausgesprochen spannend. Und sie hätte auch überall woanders stattfinden können. Natürlich gibt es Dialoge in (Nieder-)bayrisch, aber bis auf einzelne Worte kann man alles gut verstehen. Und dass diese Worte halt Schimpfworte sind, dass erschließt sich auch aus dem Zusammenhang!
Ich hoffe sehr, dass es noch weitere Fälle mit Sophia Alvarez geben wird. Aber der letzte Satz macht Hoffnung.

Ach übrigens – wenn Sie wissen wollen, was ein Suppenbrunzer ist, googeln Sie doch einfach einmal. Es gibt viele schöne Bilder dazu im Netz.

Suppenbrunzer - Nicole Lingen
Suppenbrunzer
von Nicole Lingen
(3)
Buch (Taschenbuch)
11,90

Dunkle Wolken ziehen auf

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 25.04.2019

Im Frühjahr 2018 habe ich Ihnen das Buch „Ein Sommer wie Limoneneis“ von Marie Matisek vorgestellt. Davon war ich richtig begeistert. Ein schöner Sommerroman, der aber auch seine Momente hatte, wo man einmal innehalten und über das Leben nachdenken konnte. Nun ist in diesem Frühjahr „Unter dem Limonenhimmel“ erschienen. Und wie der Titel schon vermuten lässt, ist dieses Buch eine Fortsetzung des letztjährigen Romans. Doch nachdem ich es gelesen habe, würde ich sagen, dass es nicht zwangsläufig notwendig ist, dass man „Ein Sommer wie Limoneneis“ vorher liest. Aber da das so ein tolles Buch ist, würde ich mir den Genuss nicht entgehen lassen.

Marco und Lisabetta leben endlich zusammen auf der Zitronenplantage von Marcos Vater Raffaele. Allerdings richtet sich Lisabetta auch eine eigene Wohnung ein, denn sie möchte endlich einmal erleben, wie es ist, ganz für sich alleine zu sein. Marco wechselt zwischen München und der Amalfiküste hin und her. Für die Plantage hat er große Veränderungen vor. Doch sein Vater ist davon noch nicht überzeugt. Die ganze Situation verschlechtert sich dramatisch, als eine ehemalige Kollegin, Nathalie, von Marco bei ihm auftaucht. Ihr wurde gekündigt. Und sie weiß, dass ihr gemeinsamer Chef Marco seine Abfindung nicht zahlen will. Doch dieses Geld braucht er dringend für seine Modernisierungen. Und dann taucht auch noch dieser alte Schuldschein auf. Doch bei dem ist Marco noch ganz optimistisch. Denn der Nutznießer wäre sein Freund Mimmo, der Hotelier.

Pippo, der ausgesprochen sympathische Eisverkäufer, der so zufrieden in seiner Hütte lebt, hat sein eigenes Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen, von dem keiner seiner Freunde eine Ahnung haben. Und Nathalie bringt die alte Geschichte an die Oberfläche. Und auch Lisabetta hat noch ein Geheimnis, von dem nur ein einziger weiß.

Marie Matisek wandert in diesem Buch zwischen Gegenwart und Vergangenheit und zwischen Marco, Lisabetta und Pippo hin und her. Das Buch liest sich wieder ausgesprochen gut. Man bekommt richtig Lust auf Italien, die italienische Küche, Eis, Zitronen und Wein. Es ist ein toller Sommerroman, der so ganz nebenbei auch ein paar interessante Themen aufgreift. Tradition gegen Moderne. Das Alter und seine Tücken. Und natürlich Amore! Es gibt Überraschungen, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Aber insgesamt fehlt mir bei diesem zweiten Teil etwas die Tiefe. Für mich ist es ein toller Sommerroman, der viel Spaß macht. Aber er hat bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Kein Thema, über das ich noch weiter nachdenken muss.

Und jetzt muss ich Eis essen gehen!

Unter dem Limonenhimmel - Marie Matisek
Unter dem Limonenhimmel
von Marie Matisek
(13)
Buch (Paperback)
9,99

Wieder ein Buch, welches Sehnsüchte weckt

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 23.04.2019

Anne Barns ist für mich ebenso eine Autorin von Kuscheldeckenbüchern wie Gabriella Engelmann und Tanja Janz. Alle drei eint, dass sie wunderbare Geschichten schreiben, bei denen man sich einfach wohlfühlt und in die Geschichte fallen lassen kann. Bei Anne Barns kommt dann noch hinzu, dass die Autorin selbst leidenschaftlich gerne backt. So weckt sie bei mir meist gleich mehrere Sehnsüchte. Sehnsüchte nach dem Meer und Sehnsüchte nach dem Gebäck, welches sie in ihren Büchern beschreibt. Für Menschen, die gerne backen, liefert sie auch dieses Mal die Rezepte gleich mit.

Die Autorin erzählt in diesem Buch gleich mehrere Geschichten. Zum einen ist es die Geschichte, die hier bei thalia.de steht. Nämlich die Geschichte des Briefes, der 1941 geschrieben, aber erst jetzt zugestellt wurde. Es ist aber auch die Geschichte von Anna. Anna ist Ende zwanzig und lebt mit ihrem Freund Jens zusammen in Dortmund. Während der Geschichte besucht sie allerdings gerade ihre Großmutter in Lüdinghausen. Vor Kurzem ist Annes beste Freundin aus Jugendtagen, Mona, gestorben und sie kann diesen Verlust einfach nicht verwinden. Dazu kommt, dass sie das Gefühl hat, dass sie und ihr Freund nicht wirklich zusammenpassen. Dieses Gefühl wird noch verstärkt, als sie einen Abend zusammen mit Timo, Monas ehemaligem Freund verbringt. Sie hat ihm immer schon Gefühle entgegengebracht, aber für ihre beste Freundin zurückgesteckt. Als mit diesem ominösen Brief dann auch noch Annas beste Freundin Peggy auftaucht, die sie durch die Freundschaft mit Mona vernachlässigt hatte, ist es Zeit für sie, einfach mal in Ruhe nachzudenken, wie ihr Leben weitergehen soll. Dazu passt es super, dass ihre Oma mit ihr zusammen nach Ahrenshoop fahren will, um Nachforschungen zu dem Brief vor Ort anzustellen. Als bei Peggy im privaten Umfeld auch noch Probleme auftauchen, laden sie sie spontan ein, sich zu ihnen zu gesellen.

Es ist ein wieder ein richtig schöner Roman über die Liebe, Trauer und die Freundschaft. Was wollte Mona Anne erzählen, als sie auf dem Weg zu ihr war? Und war Mona wirklich diese gute Freundin, die von Anne auf ein Podest gestellt wird? Gibt es eine zweite Chance für Peggy und Anne? Für welchen Mann wird sich Anne entscheiden. Und was bekommen sie über den Absender des Briefes heraus?

Anne Brans erzählt wie Gabriella Engelmann aus der Ich-Perspektive. Anne war mich gleich sehr sympathisch. Und ich kann gut nachvollziehen, dass sie ewig lange überlegt, bevor sie eine Entscheidung trifft. Sie ist einfach ein Mensch, der sehr harmoniebedürftig ist. Das Wohlbefinden der Menschen, die sie liebt, ist ihr wichtiger als ihr eigenes Wohlbefinden. Sie hat aber das Glück, dass sie einfach eine wunderbare Großmutter hat, die für sie da ist und ihr mit ihrer Lebensweisheit weiterhilft.

Wie auch in einigen anderen Romanen, die aktuell erscheinen, spielen Bienen und Honig eine kleine Rolle in dem Roman. Anne Großmutter ist nämlich eine Hobby-Imkerin. Für die Handlung ist dies zwar nicht zwingend erforderlich, aber vielleicht hilft es dabei, dass wir alle wieder ein wenig aufmerksamer bei diesem Thema sind.

Vorsicht – diese Buch weckt die Sehnsucht nach Ahrenshoop und nach dem leckeren Gebäck, was sich Honigseufzer nennt!

Ich freue mich schon auf den „Weihnachtsroman“ von Anne Barns „Bratapfel am Meer“, der im Oktober 2019 erscheinen wird.

Honigduft und Meeresbrise - Anne Barns
Honigduft und Meeresbrise
von Anne Barns
(52)
eBook
8,99

Ein turbulenter Neubeginn an der Cote Azur

Monika Fuchs aus der Thalia-Buchhandlung in Hamburg , am 19.04.2019

Die Autorin Birgit Hasselbusch (Sportreporterin, Radioredakteurin, Autorin von Jugend- und Erwachsenenliteratur) müssen Sie einmal bei einer Lesung erleben. Es ist einfach unglaublich witzig, wenn sie aus ihren Romanen vorliest und dazu ganz viel drum herum erzählt. Ich durfte dies 2017 in Hamburg erleben. Vielleicht habe ich mich deshalb schwer damit getan, dass Buch anschließend zu lesen. Ich hatte Angst, dass mir etwas von ihrem Witz fehlen würde. Ein Artikel in einer Tageszeitung hat mich wieder auf dieses Buch aufmerksam gemacht, so dass ich es mir dann vorgenommen und an knapp 2 Tage verschlungen habe. Und was soll ich sagen? Es hat auch beim Lesen richtig viel Spaß gemacht! Gerade das richtige Buch für einen schönen Sommertag.

Birgit Hasselbusch, die selbst bekennende Frankreichliebhaberin ist und eine der glücklichsten Zeiten ihres Lebens in Südfrankreich verbracht hatte, erzählt die Geschichte eines Sommers in Villefranche. Die Hauptperson ist die Ich-Erzählerin Insa Nicolaisen, die nach einem desaströsen Ende einer kurzen, aber heftigen Beziehung ihre Heimatstadt Hamburg verlässt, um ganz spontan eine Stellung als Hausverwalterin in Villefranche anzutreten. Diese Stellenanzeige muss Schicksal sein, denn in dieser Gegend hat Insa vor 16 Jahren die Liebe ihres Lebens getroffen, aber durch eigene Idiotie auch wieder verloren. Vielleicht, ganz vielleicht kann sie ja an die Geschichte von damals anknüpfen. Doch dann kommt alles ganz anders als geplant. Das Haus, das Insa vermieten soll, ist gar nicht unbewohnt. Die Noch-Ehefrau ihres Auftraggebers weigert sich auszuziehen. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden sich ausgerechnet diese beiden Frauen an und betreiben gemeinsam eine Event-Agentur, die sich speziell um die Ausrichtung von Feiern an der Cote Azur kümmert. Und so beginnt der turbulente Sommer in Villefranche, bei dem neben Insa und der Noch-Ehefrau Véro noch Insas Schwester Jana und eine Trauzeugin aus der Hölle eine wichtige Rolle spielen.

„Sommer in Villefranche“ ist ein wunderbar leichter Sommerroman, der durch seine Situationskomik besticht. Gerade die Dialoge zwischen den Personen sind wirklich herrlich. Man kann sich beim Lesen einfach köstlich amüsieren und sich das Ganze auch richtig bildlich vorstellen. Diese Ideen, die die Trauzeugin aus der Hölle hat - einfach unschlagbar! Woher hat die Autorin nur diese Ideen?

Sommer in Villefranche - Birgit Hasselbusch
Sommer in Villefranche
von Birgit Hasselbusch
(13)
Buch (Taschenbuch)
9,95