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BuchhändlerInnen im Portrait

Stefan Moldenhauer
aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen

Gesamte Empfehlungen 27 (ansehen)


Alter:
54 Jahre
Abteilung:
Gesundheit, Lebenshilfe, Esoterik, Ernährung, Sport, Biografien, Zeitgeschehen
Funktion:
Buchhändler
An meinem Beruf gefällt mir:
Der Kontakt mit den Kunden, der Umgang mit Büchern und daß man ständig etwas Neues dazulernt.
Im Beruf seit:
1988
Das beste Buch aller Zeiten:
Der `Herr der Ringe`?

Meine Empfehlungen

PFLICHTKAUF FÜR GEORGE R.R. MARTIN FANS !

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 24.06.2018

Fantastischer Text-Bildband, die Detailfülle ist beeindruckend und die Illustrationen sind hervorragend.

Alles was man immer schon zur Geschichte der sieben KÖNIGSLANDE wissen wollte und was sonst nur beiläufig erwähnt wurde, wird hier in aller Ausführlichkeit dargestellt.

Angefangen bei den Kindern des Waldes und dem alten Valyria, den ersten Menschen und den Andalen wird alles in Test und Bild abgehandelt, was in George R.R. Martins Welt eine Rolle spielt.
Auf wie viele Jahrtausende kann das Haus STARK zurückblicken? Wann (und vor allem WIE) wurde die große Mauer gebaut? Auf wen bezieht sich ARYA STARK, wenn sie ihren Schattenwolf NYMERIA nennt? Diese und tausend andere Fragen werden hier beantwortet.

FAZIT: Die Grenze ist die eigene Fantasie...

Westeros - George R. R. Martin, E. Garcia, Linda Antonsson
Westeros
von George R. R. Martin
(40)
Buch (gebundene Ausgabe)
29,99

Unverzichtbares kartographisches Nachschlagewerk zu Tolkiens Welt.

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 19.07.2016

Der historische Atlas enthält nicht nur Landkarten, sondern auch viele andere Zeichnungen, teilweise aus der Vogelperspektive oder als Querschnitt (im Aufriss), so dass man – im wahrsten Sinne des Wortes – Einblicke gewinnt. Beispielsweise kommt Minas Tirith nur aus der Vogelperspektive richtig zur Geltung, genauso wie man Cirith Ungol (Kankras Lauer) einfach als Aufrisszeichnung sehen muss.
Sehr gut sind auch die informativen und genauen Kommentare zu den Karten/Zeichnungen, die die dargestellten Begebenheiten erläutern.
Alle Zeitalter von Arda werden abgehandelt. Basis für das Werk ist nicht nur das `Silmarillion` und `Nachrichten aus Mittelerde`, sondern ebenso die neunbändige `History of Middle-Earth`, von der auf deutsch nur die ersten beiden Bände als `Buch der verschollenen Geschichten, Tl. 1 & 2` erschienen sind. Schwerpunkte sind natürlich die Geschehnisse im dritten Zeitalter, d.h. vor allem `Der Herr der Ringe` und `Der Hobbit`.
Es gibt verschiedene thematische Karten, die die Bereiche Geologie, Klima, Vegetation, Population und Sprachen behandeln; außerdem eine grafische Darstellung, die die Entwicklung der wichtigsten Sprachen Mittelerdes zeigt. (Bekanntermaßen waren Sprachen ja Tolkiens Fachgebiet.)
Hilfreich ist auch das Namensregister am Ende des Buches.

Allemal ein lohnenswerter Kauf!

Historischer Atlas von Mittelerde - Karen W. Fonstad
Historischer Atlas von Mittelerde
von Karen W. Fonstad
(5)
Buch (gebundene Ausgabe)
26,95

FILMPERLE

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 17.07.2016

"KÖNIG DER FISCHER" von 1991 ist ein umwerfend toller Film mit Robin Williams und Jeff Bridges. Regie führte der geniale Terry Gilliam (`Brazil`, `12 Monkeys`)
Komisch dass dieser überragende Film nirgens bei Zusammenfassungen von Robin Williams besten Filme auftaucht. Vielleicht hat ihn niemand gesehen ?!
Williams zeigt hier jedenfalls sein ganzes Können. Er spielt den schwer traumatisierten, aber liebenswerten Obdachlosen Parry, der durch ein tragisches Schicksal seine geliebte Frau verloren hat und in Wahnsinn und Obdachlosigkeit abgedriftet ist, weil er das Geschehene psychisch nicht verarbeiten kann.
Ich habe kaum jemals wieder einen Film von solcher Komplexität und Tiefgründigkeit gesehen, der mit soviel LIEBE gemacht war. Und LIEBE bzw. Mitgefühl ist letztlich auch die Botschaft dieses wunderbaren und mitreißenden Films.

König der Fischer
König der Fischer
(2)
Film (Blu-ray)
10,29 bisher 19,99

"Gurus kommen und gehen..."

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 14.07.2016

Janwillem van de Weterings letztes und bestes Zen-Buch. Kurzum, ein Meisterwerk!

Wie schon in "Der leere Spiegel" und "Ein Blick ins Nichts" versammelt van de Wetering auch in diesem Spätwerk selbst Erlebtes aus seiner aktiven Zen-Zeit, Zen-Anekdoten und erzählt überhaupt viele düstere, merkwürdige und unerhörte Dinge aus einer ansonsten eher abgekapselten Welt.

Nicht nur informativ, sondern kurzweilig - ja spannend, voller interessanter Begebenheiten, Geschichten, Begegnungen und philosophischer Diskurse. Das alles dargeboten im lockeren Plauderton, wunderbar geerdet und - Buddha sei Dank - völlig respektlos.

Das eigentlich Schöne aber sind die vielen skurrilen und manchmal etwas verrückten Figuren, die das Buch bevölkern; wobei man den sturen und knorrig-verschrobenen Autor natürlich zu diesen seltsamen Persönlichkeiten auf jeden Fall dazuzählen muss.

Hauptthema Van de Weterings ist die allgegenwärtige Verblendung, auch die eigene! Was mitunter sehr lustig ist. Wer also keinerlei Sinn für Humor hat, von dem er weiß, für den ist dieses Buch nicht das richtige.

Mitunter ist man als Leser aber auch einfach nur schockiert, wenn man z.Bsp. von einem todunglücklichen, alten Zen-Meister liest, der sich quasi vor den Augen seiner Schüler erhängt; oder von einem saufenden, geilen tibetischen `Rimpoche`(ein tibetischer Heiliger), der allen Frauen nachstellt, wenn er betrunken ist und seinen Schüler ohne einen Cent in Indien zurückläßt, weil der gewagt hat, ihn zu kritisieren.

Daneben erhält man noch etwas Nachhilfe in Sachen KOAN-Arbeit. U. U. nützlich, auf jeden Fall lehrreich.

Der grandiose Autor fehlt der spirituellen Szene schon jetzt. Außer ihm kenne ich jedenfalls niemanden, der so schonungslos wie er die spirituelle Szene seziert und entlarvt, weswegen er bei manchen Zenschülern eine Art "dunklen" Ruf genießt.

Ein Buch für die Fußgänger zur Erleuchtung und natürlich für altgediente bzw. frustrierte Zen-Schüler und solche die es werden wollen! (Monkey: "Ich zeige Dir eine Falle und Du fällst hinein!")

Reine Leere - Janwillem van de Wetering
Reine Leere
von Janwillem van de Wetering
(3)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Klasse "Best of" ihrer frühen Jahre bei A&M Records

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 31.10.2015

Gute Zusammenstellung von Songs aus den 70er Jahren, darunter viele Eigenkompositionen von Frau Baez.

12 Stücke, im Grunde alles Klassiker, angefangen mit dem großartigen und gefühlvollen `Diamonds & Rust`, in dem sie ihre gescheiterte Liebesbeziehung zu Bob Dylan besingt, bis zu dem alltime classic `The night they drove old Dixie down`, darunter auch einige Livetracks von `From every stage`(1976), außerdem `Imagine` von John Lennon und das schöne `Gracias a la vida`.

Tracklist: Diamonds & Rust, Forever Young, Prison Trilogy (Billy Rose), Simple twist of fate, Never dreamed you`d leave in summer, Love song to a stranger, Please come to Boston, Children & all that Jazz, Sweeter for me, Imagine, Gracias a la vida, The night they drove old Dixie down.

Am Rande:

Die Hardrock- und spätere Heavy Metal Band `Judas Priest` coverte schon 1977 Baez Eigenkomposition `Diamonds & Rust` und das auch noch exzellent! Wer also mal eine tolle `männliche` Version des Songs hören will kann dies auf Priests genialen `Sin after sin` Album!

Best of Joan Baez
Best of Joan Baez
von Joan Baez
(2)
Musik (CD)
11,29

Beeindruckender Erlebnisbericht eines britischen Kriegsgefangenen aus dem Herzen der Finsternis

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 08.10.2015

Äußerst lesenswertes und wichtiges Buch über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Gut lesbar und dabei so geschrieben, daß man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein Buch das einen fassungslos und beschämt zurückläßt, dabei aber den Blick für die konkreten Auswirkungen der nationalsozialistischen Gräueltaten auf den Menschen schärft.
Denis Avey kommt als junger Mann in ein Lager für alliierte Kriegsgefangene bei Auschwitz und muß auf dem Gelände der Buna-Werke der IG-Farben 11 Stunden am Tag Schwerstarbeit leisten. Hier fallen ihm sofort die "merkwürdigen Schattenwesen" auf, die zu Tausenden auf der Baustelle arbeiten. Es sind jüdische Häftlinge, die so apathisch und geschwächt sind, daß sie dem Tod näher scheinen als dem Leben. Er erlebt auch den unmenschlichen Umgang der SS-Männer mit den jüdischen Häftlingen, die in einem eigenen schwerbewachten Lager (Auschwitz III - Monowitz) untergebracht sind. Barbarische Gefangenenmißhandlungen und brutale Morde sind auf dem Werksgelände an der Tagesordnung. Avey wird Zeuge der "Vernichtung durch Arbeit", die Häftlinge schuften sich buchstäblich zu Tode. Um zu erfahren, was im eigentlichen KZ vor sich geht, tauscht Avey für zwei Nächte mit einem KZ-Insassen die Kleidung und schleicht sich zweimal unter Lebensgefahr in Monowitz ein. Er beschreibt das KZ eindrucksvoll als einen Ort der absoluten Hoffnungslosigkeit und der völligen Vereinsamung. Mitgefühl, auch unter den Häftlingen, gibt es nicht. Jeder denkt angesichts des allgegenwärtigen Todes, des Siechtums und des körperlichen Verfalls nur an sein eigenes Überleben. Die Häftlinge werden gezielt mangelernährt, um sie zu schwächen, und auf jede nur erdenkliche Art und Weise schikaniert und gedemütigt. Wer zusammenbricht oder zu schwach zum Arbeiten ist, wird ausgesondert und umgebracht und Avey ist froh, dieser Hölle bald wieder mit heiler Haut entkommen zu können.

Ein mutiger Mann, ein großer Mensch!

The Man Who Broke Into Auschwitz: A True Story of World War II - Denis Avey
The Man Who Broke Into Auschwitz: A True Story of World War II
von Denis Avey
(1)
Buch (Taschenbuch)
16,99

Authentischer und daher glaubwürdiger und beeindruckender Kriegsbericht

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 08.10.2015

Eines der besten Bücher über Männer und Krieg, die man lesen kann, eigentlich nur zu vergleichen mit Michael Herrs: "Dispatches - An die Hölle verraten" (gab es mal bei Rowohlt), in dem es um den Vietnamkrieg ging. Man muß Junger allerdings mehr Tiefgang bescheinigen, er ist auf psychologischem Gebiet versierter und geht analytischer und vor allem strukturierter zu Werke, außerdem ist sein Buch bei weitem nicht so finster wie Herrs unzusammenhängende, apokalyptische Reportagensammlung.
Sebastian Junger weiß, wovon er redet, er hat als "eingebetteter Reporter" 2007/2008 immer wieder längere Zeitspannen bei einer U.S.-Kampfeinheit in Afghanistans Korengal-Tal verbracht. Dieser gilt als der meistumkämpfte Ort des ganzen Landes. Er beschreibt das Leben an der Front in all seinen Facetten, so wie er und sein Kameramann es erlebt haben, authentisch, ungeschönt und schnörkellos. Der Autor ist ein guter Beobachter und ob er den Krieg nun als ordinäres Menschenschlachthaus, als infantiles Kriegsspiel oder einfach nur als dumpfen Irrsinn erlebt, er selbst bringt keinerlei Wertung hinein und ist immer trocken, sachlich und direkt. Gut bei Junger ist, daß er auch über seine Angst, getötet oder verkrüppelt zu werden, schreibt, und auch über seine Angst, im Ernstfall zu versagen oder sich als Feigling zu erweisen. Sehr gut und aufschlußreich ist seine Schilderung der verschworenen Kameradschaft unter den Männern, die etwas Männerbündisches an sich hat, ein Thema, das allein schon die Lektüre des Buches lohnt.
Immer wieder werden harmlose afghanische Dorfbewohner bei den Kämpfen getötet und es hinterläßt einen schalen Beigeschmack, daß das Leben eines Einheimischen nur so wenig gilt. Bei dem ganzen sinnlosen Geschlachte kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen, die U.S.Armee hat sich nämlich, nachdem an die 100 Amerikaner im Korengal-Tal gefallen sind, längst von dort zurückgezogen und es ihrem Erzfeind, den Taliban, überlassen... Erinnert sich noch irgendjemand an die "WHY?"-Antikriegsplakate aus den 80ern?

War - Sebastian Junger
War
von Sebastian Junger
(1)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Ein wichtiges Buch und dabei gut lesbar.

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 06.10.2015

Wahrscheinlich das beste und umfangreichste Buch über die Taliban, ihre Ziele und ihre Herkunft. Alles von Interesse wird abgehandelt. Wer wissen will, wer und wie die Taliban wirklich sind, kommt um dieses Buch nicht herum. Wer die Taliban - aus welchem Grund auch immer - verstehen will, kann hier lernen, wie sie denken. Angesichts der wachsenden Probleme in Afghanistan nach dem Abzug der westlichen Truppen bzw. der Bundeswehr aus dem Kunduz ein wichtiges Buch und dabei leider (schon) wieder brandaktuell!
Ahmed Rashid kommt selbst aus der Krisenregion und kennt sich deshalb dort aus wie in seiner Westentasche. Hintergründig und gewissenhaft erforscht er Geschichte und Aufstieg der radikalen Islamisten und erklärt wer ihre Unterstützer sind, wo sie ihren Rückhalt haben, warum sie wieder da sind und warum sie so schwer - wenn überhaupt - zu besiegen sind.

Taliban - Ahmed Rashid
Taliban
von Ahmed Rashid
(1)
Buch (Taschenbuch)
13,49

PRÄDIKAT BESONDERS WERTVOLL!

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 06.10.2015

Äußerst spannend geschriebenes Buch über das Verschwinden der letzten sibirischen Tiger, auch Mandschu- oder Amurtiger genannt, die heute noch im ehemals unzugänglichen “Fernen Osten” Rußlands (Wladiwostok, Ussurigebiet) zuhause sind und früher einmal in halb Asien beheimatet waren.

Ein Buch, dessen Dramatik und Authentizität den Leser sofort gefangennimmt.
Vaillants Thema ist eine ungemein spannend beschriebene Jagd auf einen menschenfressenden Tiger in einer der letzten großen Wildnisse der Erde.
Wer will, kann dem Buch deshalb das Etikett “Männerbuch” verpassen.

Die eigentliche Jagdschilderung wird immer wieder durchbrochen von Recherchen zu den Angriffen auf Menschen, hintergründigen Informationen über Land und Leute, Geschichte der Ussuriregion und Rußlands, soziale Faktoren (wie z.Bsp. die Armut der dortigen Bevölkerung und die sich daraus ergebenden Probleme/Konflikte) und Wissenswertes über den Tiger, die Jagd und die Wilderei.

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine archaisch-brutale Welt, in der nur das Recht des Stärkeren zählt und das ist, wie immer, der Mensch.
Nebenbei rollt Vaillant die 2 Millionen Jahre alte Geschichte des Amurtigers auf, der diese Gegend Rußlands schon lange vor Ankunft der ersten menschlichen Jäger bewohnte und bejagte.

Der Krieg zur Ausrottung der wilden Tiere ist in vollem Gang, das macht dieses Buch unmißverständlich klar. Die Zeiten haben sich seit Veröffentlichung von Farley Mowats bedrückendem Augenöffner “Der Untergang der Arche Noah” (LESETIPP - nur noch antiquarisch!) nicht gebessert. Ganz im Gegenteil, wenn man erfährt auf welch barbarische Art und Weise die Tiere in Rußlands Primorjegebiet teilweise gewildert werden, macht das traurig und wütend!
Doch leider ist es eine Tatsache, daß wilde Tiere selbst in den entlegensten Winkeln der Erde, in die sie sich vor dem Menschen zurückgezogen haben, von Wilderern gejagt und getötet werden. Das trifft in besonderer Weise auf den Amurtiger zu.

Ein Tiger, selbst wenn er von Jägern getötet werden soll, die seiner Fährte schon seit Tagen folgen und die vorher vielleicht sein Weibchen und die Jungen abgeschlachtet haben, darf sich doch nicht zur Wehr setzen gegen den vermeintlich stärkeren Menschen. Tut er es doch und tötet oder verletzt er jemanden, wird er in jedem Fall solange gnadenlos gejagt, bis er tot ist. Kein Recht auf Notwehr oder gar Rache für den Tiger also. Das was wir evtl. für uns beanspruchen, gestehen wir dem Tier nicht zu.

Der deutsche Untertitel “Auf der Spur eines Menschenjägers” ist zwar prinzipiell nicht ganz verkehrt, aber doch sehr einseitig und reißerisch. Mal wieder viel treffender ist der amerikanische Buchtitel. “The Tiger. A true story of vengeance and survival.”

The Tiger - John Vaillant
The Tiger
von John Vaillant
(1)
Buch (Taschenbuch)
10,49

PRÄDIKAT BESONDERS WERTVOLL!

Stefan Moldenhauer aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 06.10.2015

Äußerst spannend geschriebenes Buch über das Verschwinden der letzten sibirischen Tiger, auch Mandschu- oder Amurtiger genannt, die heute noch im ehemals unzugänglichen “Fernen Osten” Rußlands (Wladiwostok, Ussurigebiet) zuhause sind und früher einmal in halb Asien beheimatet waren.

Ein Buch, dessen Dramatik und Authentizität den Leser sofort gefangennimmt.
Vaillants Thema ist eine ungemein spannend beschriebene Jagd auf einen menschenfressenden Tiger in einer der letzten großen Wildnisse der Erde.
Wer will, kann dem Buch deshalb das Etikett “Männerbuch” verpassen.

Die eigentliche Jagdschilderung wird immer wieder durchbrochen von Recherchen zu den Angriffen auf Menschen, hintergründigen Informationen über Land und Leute, Geschichte der Ussuriregion und Rußlands, soziale Faktoren (wie z.Bsp. die Armut der dortigen Bevölkerung und die sich daraus ergebenden Probleme/Konflikte) und Wissenswertes über den Tiger, die Jagd und die Wilderei.

Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine archaisch-brutale Welt, in der nur das Recht des Stärkeren zählt und das ist, wie immer, der Mensch.
Nebenbei rollt Vaillant die 2 Millionen Jahre alte Geschichte des Amurtigers auf, der diese Gegend Rußlands schon lange vor Ankunft der ersten menschlichen Jäger bewohnte und bejagte.

Der Krieg zur Ausrottung der wilden Tiere ist in vollem Gang, das macht dieses Buch unmißverständlich klar. Die Zeiten haben sich seit Veröffentlichung von Farley Mowats bedrückendem Augenöffner “Der Untergang der Arche Noah” (LESETIPP - nur noch antiquarisch!) nicht gebessert. Ganz im Gegenteil, wenn man erfährt auf welch barbarische Art und Weise die Tiere in Rußlands Primorjegebiet teilweise gewildert werden, macht das traurig und wütend!
Doch leider ist es eine Tatsache, daß wilde Tiere selbst in den entlegensten Winkeln der Erde, in die sie sich vor dem Menschen zurückgezogen haben, von Wilderern gejagt und getötet werden. Das trifft in besonderer Weise auf den Amurtiger zu.

Ein Tiger, selbst wenn er von Jägern getötet werden soll, die seiner Fährte schon seit Tagen folgen und die vorher vielleicht sein Weibchen und die Jungen abgeschlachtet haben, darf sich doch nicht zur Wehr setzen gegen den vermeintlich stärkeren Menschen. Tut er es doch und tötet oder verletzt er jemanden, wird er in jedem Fall solange gnadenlos gejagt, bis er tot ist. Kein Recht auf Notwehr oder gar Rache für den Tiger also. Das was wir evtl. für uns beanspruchen, gestehen wir dem Tier nicht zu.

Der deutsche Untertitel “Auf der Spur eines Menschenjägers” ist zwar prinzipiell nicht ganz verkehrt, aber doch sehr einseitig und reißerisch. Mal wieder viel treffender ist der amerikanische Buchtitel. “The Tiger. A true story of vengeance and survival.”

The Tiger: A True Story of Vengeance and Survival - John Vaillant
The Tiger: A True Story of Vengeance and Survival
von John Vaillant
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,89

 
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