Warenkorb
 

Bewerter

Pink Anemone aus Wien

Gesamte Bewertungen 148 (ansehen)


Über mich:
www.pinkanemoneblog.wordpress.com

Meine Bewertungen

Ein locker-leichter Frühlingskrimi mit einem holprigem Einstieg, noch etwas unausgereiftem Schreibstil und langem Ende.

Pink Anemone aus Wien , am 11.05.2019

Kommissar Poensgens wohlverdienter Urlaub nimmt ein jähes Ende, als seine ehemalige Vermieterin tot in ihrer Freiburger Wohnung aufgefunden wird – ermordet während der Zubereitung eines Spargelgerichts. Der charismatische Ermittler mit körperlichem Handicap begibt sich zwischen Rebenlandschaften und den Spargelfeldern des Kaiserstuhls auf die Suche nach dem Täter – bis er sich auf einmal selbst im Kreis der Verdächtigen wiederfindet...(Klappentext)



"Sie sieht und hört schlecht, trotzdem weiß sie, dass plötzlich jemand hinter ihr steht, dass gleich etwas Furchtbares passieren wird. Sie riecht die Gegenwart des Ungeheuers. Eine Brühe aus kaltem Schweiß, warmem Atem und süßlichen Aftershafe schlägt ihr entgegen."
(S. 9)

Kommissar Poensgen scheint Mord un Totschlag regelrecht anzuziehen, selbst in seiner Freizeit. Da will er nach Jahrzehnten mit einem Freund seinen Geburtstag in Wien feiern und schon liegt da ein erschossener Würstelverkäufer vor seinen Füßen. Doch auch zu Hause gab es einen Mord. Henriette von Schubert, eine wohlhabende Witwe von stattlichen 85 Jahren, wurde in ihrer Wohnung erschlagen. Da sie Poensgens ehemalige Vermieterin ist, trifft ihn das besonders.
Vorbei ist es mit Entspannung an seinen freien Tagen, Poensgen muss so schnell wie möglich zurück nach Freiburg, um den Fall selbst aufzuklären. Bei der Tatortbegutachtung begegnet er einem sprechenden Papagei und einem Dandy-Opa. Wer das schon für skurril hält, wird überrascht sein was sich noch so alles in diesem Krimi tummelt. Und während man schmunzelt und einem hin und wieder das Wasser im Mund zusammenläuft, begibt man sich auf die Suche nach dem Täter.

Hier begegnet einem ein ganz besonders Exemplar eines Kommissars. Poensgen ist 46, einer der besten Ermittler und ein kleiner Grießkram. Trockener Humor und Sarkasmus gehören zu seinem Grundwortschatz und er hat ein Handicap. Nein, diesmal kein Alkoholiker oder drogenabhängiger Kommissar, er hat wirklich ein Handicap. Er sitzt seit einem mißglückten Polizeieinsatz im Rollstuhl - hüftabwärts gelähmt. Wer nun denkt einen vor Selbstmitleid triefenden Ermittler anzutreffen irrt gewaltig. Poensgen lässt sich nämlich nicht durch so eine "Lapalie" wie einen Rollstuhl aufhalten.

">>Gott sei Dank, der Schädel ist okay, der scheint zu funktionieren. Der Kopf ist der wichtigste Körperteil. Auf Beine kann ich verzichten<<, denkt Poensgen und spürt das Beißen seines Zynismus auf der Zunge wie zuvor den sauren Schleim." (S. 62)

Der Krimi besticht durch einen einfachen und flüssigen Schreibstil, doch der Erzählstil ist leider etwas ausschweifend, als ob die Autorin nicht wüsste wohin mit ihren vielen Ideen und Schmähs. Dadurch kommt es zu der ein oder anderen Länge. Auch mit dem eigenwilligen Deutsch der Autorin hatte ich manchmal zu kämpfen, hier ein paar Beispiele:

"Er hat noch nie mit einem Messer Spargeln geschält,..." (S. 73

"Maria zieht ihre graugrüne Parka aus..." (S. 179)

"Als er sicher sitzt, zieht er seine Sonnenbrille auf,..." (S. 194), etc.

Hauptsächlich störte mich das ständig auftretende Wort "Spargeln", wobei ich mir nicht sicher bin, ob das ev. eine landesspezifische Pluralbezeichnung für Spargel ist. Ich als Österreicherin habe es jedenfalls noch nie gehört. Das Lektorat scheint hier jedenfalls auch nur huschwusch drübergelesen zu haben.
Durch diese Kombinationen wirkt alles etwas unausgereift.

Der Krimi strotzt nur so vor skurrilen Figuren, was anfangs durchaus amüsant ist, dem Krimi aber auch etwas das Genick bricht. Immerzu witzige Sprüche, die manchmal etwas aufgesetzt wirken und es wieder auf Kosten der Spannung geht, denn diese will sich leider so gar nicht einstellen. Zudem wirken die Protagonisten dadurch, und vor allem die Kollegen von Poensgen, als hätten sie alle zusammen einen IQ eines Styroporkugerls. Wirklich ernst nehmen kann man außer Poensgen niemanden.

">>Also, nun mal ehrlich, es ist doch so, Tragödien beginnen mit der großen Liebe und enden erst dann, wenn alle umgebracht sind...<<"
(S. 49)

Ab der Mitte des Buches bessert sich das jedoch. Es kommt Spannung auf und es werden auch ernstere Töne angeschlagen. Weiters steckt der Krimi trotzdem voller überraschender Wendungen und ich huschte dann nur so durch die Seiten. Leider wurde mir persönlich das Ende wieder zu sehr in die Länge gezogen - über knapp 50 Seiten.

Im Anschluß hält die Autorin noch ein Rezept für ein Spargel-Mousse bereit. Eines, welches die alte Dame nicht mehr genießen konnte.

Fazit:
Der Anfang gestaltete sich für mich etwas holprig und auch nervig, denn diese ewiglangen und sinnbefreiten Aus- und Abschweifungen, sowie der Überfluss an gestelzt wirkenden Schmähs, zerrten doch etwas an meiner Geduld. Zudem wirken Schreib- und Erzählstil noch etwas unbeholfen und unausgereift. Das änderte sich ab der Hälfte schlagartig und die Autorin scheint ihren Flow gefunden zu haben. Während ich an der ersten Hälfte zwei Tage las, verschlang ich die 2. Hälfte in einem Rutsch. Nur das Ende war wieder eine etwas langwierige Geschichte.
Im Großen und Gnazen ist es jedoch ein locker-leichter Frühlingskrimi, der mich vor allem durch den unkonventionellen Ermittler begeistern konnte.
Falls sich die Autorin entschließen sollte einen zweiten Teil zu schreiben, würd eich ihn sofort lesen...vorausgesetzt sie verwendet das Wort "Spargeln" nicht mehr ;-)

Der letzte Spargel - Alexa Rudolph
Der letzte Spargel
von Alexa Rudolph
(2)
Buch (Taschenbuch)
11,90

Anfangs amüsant, doch im weiteren Verlauf eine eher langwierige und fade Geschichte ohne Ende

Pink Anemone aus Wien , am 08.05.2019

"Aber Cotta glaubte ja, dass es seinen Büchern guttäte, wenn er sich mehr den Menschen zuwenden würde. Was für ein Blödsinn. Wann war je ein Stück wahrer Literatur entstanden, das nicht in der Einsamkeit der Studierstube geschrieben wurde?"
(S. 15)

Was wäre, wenn Goethe und Schiller noch leben würden? Zwar schon etwas in die Jahre gekommen, genauer gesagt 265 und 255 Jahre alt, mit so mancher verstaubten Ansicht, aber der modernen Zeit nicht gänzlich abgeneigt? In diesem Roman wird uns diese Frage auf sehr amüsante Weise beantwortet.
Goethe und Schiller müssen von ihrem Verlag aus auf eine Lesetour durch Schulen tingeln, um für ihre eigenen Werke etwas Marketing zu betreiben. Diese werden nämlich so gut wie nicht mehr verkauft, geschweige denn gelesen. Die klassische Literatur ist dem Untergang geweiht und dem muss entgegengewirkt werden, um gleichzeitig den gesamten Buchmarkt wieder zu pushen. Während Schiller sich zu einer wahren Rampensau entwickelt und diese Aufmerksamkeit geniesst, ist Goethe todunglücklich, denn Schulen waren Goethes Sache nicht.

Hier haben wir es mit zwei völlig verschiedenen Charakteren zu tun. Da wäre der extrovertierte Schiller, immer zu Späßen aufgelegt, manchmal etwas laut und immer in Flirtlaune. Er genießt den Rummel, lebt richtig auf und sonnt sich in der Aufmerksamkeit. Und dann haben wir den etwas arrogant wirkenden und griesgrämigen Goethe, der gerne im Stillen vor sich hin flucht, dabei kein Blatt vor den Mund nimmt und lieber zu Hause in seinem Studierzimmer hocken oder in den Armen einer jungen Frau liegen würde. Während wir die beiden auf ihrer Lesereise "Klassiker zum Anfassen" begleiten, sich Goethe in eine junge Buchhändlerin verliebt und Schiller auf einmal sein neuestes Werk, einen Fantasy, präsentiert, wird Schiller immer kränker und über Goethes Haupt braut sich ein Skandal zusammen ... wie wird diese Reise wohl enden?

"Aber Schiller, die korrupte Sau, kannte nichts: Er las tatsächlich eine stümperhaft zusammengeschusterte Geschichte von Elfen und Einhörnern, Gnomen und vielen bösen, finsteren Mächten, die im Krieg mit einer Heerschar von aberwitzig abgedroschen gezeichneten umotiviert handelnden Figuren-Versatzstücken aus tausenduneinem Papierkorb lagen. Es war schaurig."
(S. 91)

Goethe und Schiller waren schon zu ihren Lebzeiten enge Freunde, so eng, dass sich Goethe nach seinem Tod sogar neben Schiller begraben ließ. Goethe sah in Schiller schon immer den jungen Konkurrenten und Schiller war immer schon ein aufgeweckter Mensch, wenn man den Geschichten glauben darf. Dies wird in diesem Roman sehr gut aufgegriffen, vom Autor weitergesponnen und in unsere Zeit transportiert.
Zudem haben noch zwei weitere Figuren die Zeit überdauert. Johann Friedrich Freiherr von Cotta und Johann Peter Eckermann. Schon damals war Cotta der Verleger von Goethe und Schiller. Diese Tätigkeit führt er auch hier fort. Eckermann war ein enger Vertrauter Goethes und fungiert hier als so eine Art Sekretär von Goethe, ist quasi sein Mädchen für alles.

Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Story enthält Witz und Humor. Auch die Idee die beiden Herren die Zeit überdauern zu lassen fand ich genial. Insgesamt habe ich mir aber wohl mehr von diesem Roman versprochen, als er geboten hat.
Anfangs war es noch amüsant die beiden Literaten auf ihrer Reise zu begleiten und insbesonders die Darstellung von Goethe fand ich sehr gelungen und witzig, aus dessen Perspektive übrigens erzählt wird. Doch im Grunde passiert hier immer das Gleiche und es wird zunehmend langweilig.

"Er suchte in seiner Tasche nach dem >Werther<. Den konnte er im Grunde auswendig. Aber er hasste ihn. Hätte er doch diesen Kitsch niemals geschrieben. Andererseits zog er noch immer."
(S. 30)

Es wird von einer Schule zur nächsten getingelt, Schiller freut's, Goethe motzt und ... ja, das war's auch schon. Und das Ende? Nun, es gibt irgendwie keines. Der Roman scheint mittendrin zu enden und lässt mich mit einem verdutzten und enttäuschtem Gesicht zurück.

Fazit:
Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut, bin ich doch vor allem eine Bewunderin Goethes und lese seine Werke immer noch gerne, selbst den "Werther" finde ich toll.
Anfangs war ich begeistert von diesem Roman und fand den griesgrämigen Goethe durchaus witzig, doch leider wurde es schnell langweilig. Diese Idee zwei uralte klassische Schriftsteller in die Gegenwart zu transportieren würde einiges hergeben, doch leider wurde dies nicht genutzt. Zum Schluß hin scheint der Autor selbst keine Lust mehr darauf gehabt zu haben und ließ den Roman irgendwie unvollendet. Schade.

Unsterblichkeit ist auch keine Lösung - Christian Tielmann
Unsterblichkeit ist auch keine Lösung
von Christian Tielmann
(4)
eBook
11,99

Enttäuschung - flache Charaktere, lächerliche Auflösung, Klischees wohin man blickt

Pink Anemone aus Wien , am 05.05.2019

"Die Katakomben" gehört zu der Reihe "Die beängstigendsten Orte der Welt" aus Jeremy Bates Feder. "Suicide Forest" war der Auftakt dieser Reihe, man kann jedoch jedes Buch unabhängig voneinander lesen, da jede Story in sich abgeschlossen ist.

Nach dem 1. Teil dieser Reihe wollte ich diese Reihe eigentlich nicht mehr weiterverfolgen. Zu sehr war ich davon enttäuscht, vor allem vom Ende und den nervigen und blassen Charakteren. Das Setting der Pariser Katakomben hat mich jedoch zu sehr angefixt. Tja, hätte ich es wohl besser gelassen, denn "Die Katakomben" ließ mich noch enttäuschter zurück als der japanische Selbstmordwald. Aber erstmal auf Anfang ...

Die Katakomben von Paris bestehen aus dunklen Gängen, welche sich 350km wie ein Netz unterhalb von Paris schlängeln. Sie liegen ca. 20 Meter unter der Erde und werden hauptsächlich als Gebeinhaus genutzt. Nachdem 1785 mehrere Friedhöfe aufgelassen wurden, wurden tausende Schädel und Knochen in die ehemaligen Steinbrüche gebracht, in denen konstante Temperaturen von 14 Grad herrschen. Die Katakomben sind heute eine schaurige Touristenattraktion, wobei jedoch nur ein kleiner Teil für die Öffentlichkeit zugänglich ist, während der restliche Teil ein komplexes Labyrinth ist, eingebettet in tiefste Dunkelheit.

Mit Will, dem Protagonisten des Buches, begeben wir uns in einen dieser unbekannten Bereiche.
Der Amerikaner ist beruflich in Paris gelandet und hat hier Danièle kennengelernt. Sie und einer ihrer Freunde, Pascal, treiben sich öfters in den Katakomben herum, um diese unbekannten Bereiche zu erforschen. Diesmal ist es jedoch anders.
Pascal hat bei seiner letzten Tour tief in den Katakomben eine Videokamera gefunden. Diese zeigt wie eine Person hektisch und voller Angst durch die Gänge irrt, schließlich zu laufen beginnt und die Kamera schließlich vor Schreck fallen lässt. Danièle und Pascal möchten dem auf den Grund gehen und Danièle überredet Will in den finsteren Untergrund voller Gebeine hinabzusteigen. Mit von der Partie ist auch Rob, ein Kanadier und der Schwager von Danièle. Auch er will die unvergleichliche Atmosphäre der Pariser Katakomben endlich erleben. Es sei nur so viel gesagt - sie hätten es wohl besser lassen sollen.

">>Ich schätze mal, die Deutschen wollten nicht, dass die Frösche in ihr Versteck kamen.<<, sagte Rob.
Ich schüttelte den Kopf.
>>Es gibt nur diesen einen Eingang. Die waren dazu gedacht, die Leute DRINNEN zu halten.>>"
(S. 128)

Man liest aus verschiedenen Perspektiven, z.B. aus der von Danièle und von Pascal. Diese sind jedoch eher kurz gehalten, während Will hauptsächlich zu Wort kommt. Zwischendurch wird die Story von Zeitungsberichten unterbrochen und gewähren in bereits zurückliegende Vorfälle in den Katakomben.

Schon mit den Charakteren hatte ich so meine Probleme. Diese bleiben bis zum Ende hin eher blass und zudem nervten sie mich unheimlich. Das Mimimi von Pascal und Will ist fast nicht zu ertragen, Danièle ist eine manipulative und unsensible Tusse, einzig Rob sorgte bei mir hin und wieder für Schmunzeln. Trotzdem wollte ich jeden einzelnen von ihnen tot sehen und sehnte eine dementsprechende Handlung herbei.

Womit wir bei der Handlung wären.
Abgesehen davon, dass im Prolog schon viel zu viel verraten wird, entwickelt sich die Story leider in eine gänzlich andere Richtung als von mir erwartet und erhofft. Die Auflösung erfolgt übrigens schon in der Mitte des Buches und ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen, der im Verlauf nicht wirklich besser wurde. Das Ende kostete mir daher nur einen müden Lacher. Im Grunde war der Rest einfach nur Blabla.
Apropos Blabla, auch hier schweift der Protagonist ständig in seine Vergangenheit ab, dies konnte zwar die Spannung nicht zusammenfallen lassen, da sowieso keine vorhanden war, aber es stört trotzdem. Vor allem da dies absolut keine Relevanz für die Handlung hat.
Dies habe ich schon bei "Suicide Forrest" bemängelt und auch bezüglich der Dialoge scheint sich der Autor nicht weiterentwickelt zu haben.Zudem ist die Story vollgepumpt mit Klischees und Logikfehlern. Es wird sich trotz Schutzhelm der Kopf an einem Felsen blutig geschlagen (beim Gehen daran angestoßen), im ersten Absatz sind die Hände einer Person gefesselt, im nächsten doch wieder nicht, um im übernächsten plötzlich doch wieder gefesselt zu sein, etc.

Während ich bei "Suicide Forrest" von der Settingbeschreibung und der damit einhergehenden Atmosphäre begeistert war, ist dies hier leicht in die Hose gegangen. Der Autor schafft es nicht die drückende und unheimliche Stimmung der Katakomben einzufangen. Einmal, nur ganz kurz, sah ich sie vor Augen und es kam Gruselstimmung auf, doch das war's dann auch schon.
In so manchen Dokumentationen und Reiseberichten werden die Pariser Katakomben besser und unheimlicher beschrieben als in diesem Buch.

"Ein weiteres Klicken. Fast wie das Geräusch, das man macht, wenn man mit der Zunge gegen den Gaumen schnalzt. Pascal erstarrte. Alles in ihm erstarrte.
Wer macht dieses Geräusch?
Was macht dieses Geräusch?
'VERSCHWINDE VON HIER! GEH! JETZT!' er wirbelte zur Flucht herum.
Und schrie."
(S. 180)

Der Schreibstil ist einfach gehalten und das Buch lässt sich dadurch sehr flüssig lesen. das war es aber auch schon mit dem Lob.

Fazit:
Ich habe das Buch zwar in einem Rutsch gelesen, ich wollte jedoch eigentlich nur, dass es so schnell wie möglich endet. Selten so einen Schwachsinn gelesen, angefangen über die flachen und nervenden Charaktere, über die lächerliche und blödsinnige Auflösung, welche einem schon in der Mitte vor die Füße geknallt wird, bis hin zu einer sinnbefreiten Handlung ohne Spannung.
Ich gebe Autoren gerne eine 2. Chance, diese hatte Jeremy Bates mit diesem Buch und hat es in meinen Augen völlig versemmelt.
Ob Jeremy Bates und ich diesbezüglich jemals Freunde werden, wage ich zu bezweifeln und ich würde nun gerne von mir behaupten diese Reihe nie wieder anrühren zu wollen ... doch in Bezug auf die folgenden Teile, die noch folgen werden, kann ich für nichts garantieren: Helltown in Ohio - ein verlassene Indianersiedlung und Isla de las Muñecas - Insel der Puppen in Mexiko, auf der Hunderte verstümmelte Spielzeugpuppen in den Bäumen aufgehängt sind. Und wer kann bei so einem Setting schon widerstehen? So wie es aussieht wird der Autor von mir also noch eine 3. Chance bekommen.

© Pink Anemone

Die Katakomben - Jeremy Bates
Die Katakomben
von Jeremy Bates
(1)
Buch (Taschenbuch)
13,95

Actiongeladene und atmosphärisch dichte Dystopie mit einer starken Frau als Protagonistin. Ich bin begeistert!

Pink Anemone aus Wien , am 22.04.2019

"Sie sah hinunter auf die zerstörte Stadt. Bis zum Horizont erstreckten sich Ruinen ihrer untergegangenen Zivilisation. Da gab es kein Wiederauferstehen, nur Verfall, Vergesse und Tod."
(S. 32)

Bei Elenor Avelle ist man von der ersten Seite an mitten im Geschehen. Während man über Motorhauben hechtet und Jägern die Machete in die Eingeweide rammt, lernt man die Charaktere und die dystopische Welt kennen. In dieser kam es vor acht Jahren zu einem Seuchenausbruch.
Die Infizierten, auch Jäger genannt, sind jedoch keine Zombies, wenn sie auch manchmal wie solche agieren. Wie Zombies sind sie von Hunger getrieben, gieren nach frischem und auch totem Fleisch, fressen sich also auch schon mal selbst. Sie sind schnell, laufen manchmal wie Tiere auf allen Vieren und können auch wie diese Witterung aufnehmen. Die Jäger können aber wie Nicht-Infizierte getötet werden. Es muss also nicht zwangsweise der Schädel und somit das Gehirn zerstört werden. Man wird nicht nur einer von ihnen, wenn man gebissen wird, oh nein, es reicht schon der Kontakt mit der Körperflüssigkeit von diesen Jägern. Selbst Spucke ist infektiös und sie spucken und geifern viel. Dies mach die Seuche und vor allem diese Infizierten so gefährlich ... außer für Charly. Sie ist immun und scheint die Einzige mit dieser Immunität zu sein.
Charly ist eine junge Frau, hart im Nehmen und noch härter im Töten von Jägern und sie und ihre Gruppe versuchen in dieser zerstörten Welt zu überleben. Nebenbei versucht Charly herauszufinden wer der Typ ist, welcher sie seit Beginn an verfolgt, ihr auch schon mal hilft, sich ihr jedoch nicht zu erkennen gibt und ihr nie zu nahe kommt. Und so beginnt der Kampf, das nackte Überleben in dieser dystopischen Welt und nicht jeder wird es schaffen.

"Die Infizierten hielten, verwirrt vom Blut, neben dem Bus inne. IHre dreckigen Kleider hingen in Fetzen von den ausgemergelten Körpern. Die langen Haare hingen verfilzt und mit Laub gespickt in ihre Gesichter. Ihre Hände hielten sie wie Klauen und die Nägel an ihren rostrot verfärbten Finger waren teilweise abgerissen. Einige hatten Fleischwunden an Armen und Beinen. Vermutlich Bisswunden von ihren Artgenossen."
(S. 68)

Man liest aus der Sicht von Charly und ich bin von diesem Charakter begeistert. Endlich eine Dystopie mit einer starken weiblichen Protagonistin. Dies findet man in diesem Genre ja eher selten. Sie steht den Männern in nichts nach und zieht mit der Machete schwingend durch die Gegend, springt über Dächer und hat so einige coole Moves drauf. Sie ist die einsame Wölfin in der Gruppe, denn sie liebt ihre Unabhängigkeit und zieht auch schon mal alleine durch die Gegend. In gewisser Weise erinnert sie mich an Michonne aus "The Walking Dead".
Die Figur Charly enthält also Tiefe, doch auch alle weiteren Figuren sind durchaus gut gezeichnet und vor allem authentisch.
Vereinzelt liest man aber auch aus der Perspektive dieses "Schattens", welcher Charly verfolgt und dieser hält einige Überraschungen bezüglich der Handlung bereit.

Man lernt diese dystopische Welt jedoch nicht nur durch die Charaktere kennen. Die Autorin hat es drauf dieser Welt Atmosphäre einzuhauchen, sodass Bilder einer zerstörten Welt vor Augen erscheinen. Eine Welt ohne Strom und ohne fließendes Wasser, welche langsam von der Natur zurückerobert wird und die Gefahr hinter jeder Ecke lauert ... und eine Welt in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Da der Ausbruch in der Vorweihnachtszeit statt fand, findet man überall Lichterketten, vertrocknete Girlanden und Christbäume, Weihnachtsdeko und zurückgelassene Geschenke. Dies führt während des Lesens noch zusätzlich zu einer ganz besonderen Atmosphäre. Atmosphäre schaffen kann Elenor Avelle also und das nicht zu knapp.



"Die geplünderten Geschäfte trugen das gleiche aberwitzige, abgetragene Gewand wie der Rest der Stadt. Kitschige Tannenbäumchen mit angelaufenem Lametta und staubigen, roten Kugeln standen in regelmäßigen Abständen im Flur. Die leere Hülle eines aufblasbaren Schneemanns lag auf dem Boden, als wäre er in der Sonne geschmolzen. Reklameschilder wiesen auf Weihnachtsangebote hin und große Papptafeln, die von der Decke hingen, wünschten ein frohes Fest."
(S. 219)

Weiters bin ich vom Schreib- und Erzählstil der Autorin begeistert. Es erwartet einen ein klarer und flüssiger Schreibsil, eine packende Story mit Wendungen, die ein oder anderen Actionszene, die einem die Luft anhalten lassen, sowie beklemmende und spannende Szenen.
Der Untertitel "Geheime Sehnsucht" ist das Einzige was, meiner Meinung nach, etwas unglücklich gewählt ist, suggeriert dieser doch in gewisser Weise es könne sich hier um einen Erotik- oder Liebesroman handeln (gibt es nicht eine amerikanische Soap die auch diesen Titel trägt?). In dieser Dystopie kommt es zwar zu der ein oder anderen Liebesszene und romantische Gedankengänge sind auch vorhanden, doch diese stehen weder im Vordergrund, noch sind sie kitschig und werden nur kurz angeschnitten, worüber ich persönlich ja sehr froh bin, da ich damit so überhaupt nichts anfangen kann.

Fazit:
Hier passt meiner Meinung nach einfach alles! Gut gezeichnete und authentische Charaktere, dichte und kopfkinoerzeugende Atmosphäre und eine Story, die einen packt und nicht mehr loslässt. Ich habe das Buch, aufgrund so mancher Szene nägelkauend verschlungen und am Ende ließ es mich begeistert zurück. Da soll noch einer sagen Frauen können keine actiongeladenen Dystopie schreiben. Elenor Avelle beweist das Gegenteil udn gelangt daher als Autorin auf meine Must-Read-List und daher wird auch der 2. Teil der Charly-Reihe wohl demnächst bei mir einziehen.

Infiziert - Elenor Avelle
Infiziert
von Elenor Avelle
(3)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Eine wunderbare Reise nach Longbourn und in die Zeit der Regency-Ära

Pink Anemone aus Wien , am 21.04.2019

"Die ersten Aufgaben des Tages: Holz und Wasser holen, die Feuerstellen ausfegen und die Herdplatte schwärzen, danach Ruß und Schwärze von den Händen schrubben, damit sie sauber für die eigentliche Arbeit des Tages waren. Draußen wartete der eisige Pumpenschwengel auf Sarah. Lieber noch hätte sie glühende Kohlen aus dem Feuer geholt."
(S. 51)

Wer Jane Austens "Stolz und Vorurteil" kennt, dem ist auch das Haus Longbourn wohl bekannt. Doch in dem vorliegenden Buch stehen nicht die Bennets im Mittelpunkt, sondern deren Personal. Man darf sich also keine zweite Version von "Stolz und Vorurteil" im Stile von Jane Austen erwarten, sondern begibt sich Downstairs und schaut dem Personal über die Schultern, vor allem über die von Sarah, dem Mädchen für alles.
Während sie sich die Hände wund schrubbt, den Kamin fegt und die Bennets still aus dem Hintergrund bedient, träumt sie von einem aufregenden Leben und fernen Ländern. Als ein neuer junger Hausdiener eingestellt wird, sorgt er gleichzeitig für etwas Abwechslung. Unter all der Schrubberei des dreckigen Saums von Elizabeth und der Leier von Mrs. Bennet über ihre Nerven, passiert nun endlich etwas interessantes. Sarah hat nämlich den Verdacht, dass James ein Geheimnis verbirgt und ist fest entschlossen dieses aufzudecken und nach und nach beginnt sie sich in ihn zu verlieben ohne es selbst zu bemerken, denn es gibt da noch diesen aufregenden und exotischen Diener von Mr. Bingley.

Es wird hauptsächlich aus der Sicht von Sarah erzählt, aber auch in Mrs. Hills und James' Perspektive erhalten wir Einblick. Aufgrund dessen wird schnell klar, dass James wirklich etwas zu verbergen hat und dies nicht nur eine Phantasie von Sarah ist, um endlich etwas Aufregendes zu erleben. Natürlich spinnt sich Sarah wahre Schauergeschichten bezüglich James zusammen, ähnlich wie Catherine in "Northanger Abbey".

Es mag nun etwas merkwürdig klingen, aber genau aufgrund ihrer Naivität mochte ich Sarah, womit wir bei der Charakterzeichnung wären und diese ist der Autorin durchaus gelungen.
Sarah ist eine einfach gestrickte junge Frau, die noch nicht viel vom Leben weiß, es jedoch gerne würde. Sie hat keinerlei Lebenserfahrung, geschweige denn bezüglich Männer und kennt nur das arbeitsreiche Leben einer Dienstmagd, daher ist sie natürlich in gewisser Weise naiv und sieht viele Dinge anders, ist aber auch eine sehr liebenswerte Person, welche im Storyverlauf eine große Entwicklung durchläuft.
Doch auch die Nebencharaktere sind authentisch und gut gezeichnet. Da wäre Mrs. Hill, die gute Seele des Hauses, ihr Mann Mr. Hill, ein schrulliger, alter Mann, für alle grobe Arbeiten zuständig und teilt sich mit seiner Frau ebenfalls ein Geheimnis.
Polly, das aufgeweckte, kleine Dienstmädchen, welches gerne vor sich hin träumt, ihren Kindermund nicht immer im Zaum hat und mich daher so manches Mal schmunzeln ließ. Und natürlich James, der geheimnisvolle Neue, der vor etwas davonzulaufen scheint und sich dadurch regelrecht in die Arbeit stürzt. Im Verlauf der Geschichte erhalten wir auch Einblick in seine Vergangenheit und gleichzeitig in die Sicht eines Soldaten zur Zeit der napoleonischen Kriege.

">>Die schnarchen beide wie die Schweine! Und Mr. Hill ist ein fürchterlicher Knallfurzer.<<
>>Polly!<<
>>Wenn's doch wahr ist! Dem gehen mehr Winde ab als einem Pferd.<<"
(S. 118)

Die Bennets nehmen keinen großen Raum ein und man sieht das Geschehen von "Stolz und Vorurteil" aus dem Blickwinkel des Personals. Aufgrund dessen mögen hier die Charaktere auch anders erscheinen als Jane Austen-Kenner sie aus dem besagten Klassiker kennen. Mr. Collins wird zum Beispiel von Sarah und Mrs. Hill durchaus positiv wahrgenommen, während Wickham sogar ein noch viel größerer Unmensch ist.

Der Schreibstil ist einfach gehalten und flüssig, daher huscht man nur so durch das Buch. Man darf sich also keineswegs einen Schreibstil a la Jane Austen erwarten, was eventuell auch überhaupt nicht zu Sarahs Perspektive passen würde, ist sie doch eine einfache Magd und dies kein Roman einer Schriftstellerin aus der Regency-Zeit.

"Das Leben war so willkürlich und unbeeinflussbar wie das Wetter, und wenn man noch dazu so sehr von den Launen und Bedürfnissen anderer Menschen abhängig war, dann war es ihrer Meinung gar kein richtiges Leben mehr."
(S. 227)

Die kurzen Kapitel begünstigen das flotte Lesen und nur zu oft wird man dazu verleitet zu sagen: "Ach, nur noch ein Kapitel".
Zudem wird jedes Kapitel mit einem Zitat aus "Stolz und Vorurteil" eingeleitet, was nicht nur eine wunderbare Idee ist, sondern man als Jane Austen-Leser erkennt was sich gerade Upstairs abspielt. Zudem hat die Autorin einige Wendungen eingebaut, sodass die Story, trotz der ein oder anderen Länge, interessant bleibt.

Fazit:
Dieser historische Roman beinhaltet viel mehr als eine Liebesgeschichte, welche übrigens alles andere als kitschig daherkommt. Man erhält einen authentischen Blick auf das Leben des Dienstpersonals zur Zeit der Regency-Ära und in das Leben eines einfachen Soldaten. Ich habe diesen Roman innerhalb kürzester Zeit gelesen und habe mich nur zu gern Downstairs von Longbourn aufgehalten, James auf seinem Weg als Soldat begleitet und hinter die Kulissen der Bennets geblickt. Dieses Buch ist natürlich nicht nur für Jane Austen-Liebhaber geeignet, doch vor allem diese werden es lieben wieder zu den Bennets zurückzukehren und Longbourn aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenzulernen.

Im Hause Longbourn - Jo Baker
Im Hause Longbourn
von Jo Baker
(54)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Eine wunderbare Reise durch die Geschichte, Mythen und Legenden

Pink Anemone aus Wien , am 22.03.2019



"Eine Reise in die alten Wälder, zu den versteckten Höhlen der wilden Tiere, zur Tür in ein Niemandsland. Wohin Äneas Odysseus folgte und Dante Virgil."
(S. 553)

Alles beginnt in einer dystopischen Welt in naher Zukunft, in der Krankheiten und Seuchen die Welt in eisigem Griff haben. In dieser Zeit findet ein kranker Witwer eine verletzte Krähe in seinem Garten. Anstatt sie zu töten, päppelt er die Krähe auf und diese ist niemand geringeres als Dar Eichling.
Dar Eichling ist die älteste Krähe der Welt, denn er kann nicht sterben, bzw. wird er immer wiedergeboren. Er flog durch die Epochen der Zeit, hat viel gesehen, viel erlebt und hat auch gelernt mit manchen Menschen zu kommunizieren. Nun sitzt er bei dem alten Mann und dieser schreibt als Erster Eichlings Geschichten auf - vom Anbeginn der Zeit bis hin zum heutigen Tage. Eine Geschichte über Veränderungen, Entscheidungen, die Krähen und die Menschen, aber vor allem Geschichten über das Leben und den Tod ..... und somit treten wir in die Welt der Krähen ein.

Dar Eichling ist der gefiederte Protagonist dieser Geschichte. Er war schon als Jungkrähe aufgeweckt und neugierig, wollte Gebiete entdecken, welche noch nie zuvor von Krähen gesehen wurden und flog daher immer schon weiter als andere Krähen. Dadurch entdeckte er als erste Krähe seiner Kolonie die Menschen, gibt als erste Krähe Dingen und auch den Krähen Namen. Man ist dabei als Eichling die Sprache der Menschen lernt, wenn er Schlachten beobachtet, wir erleben, wenn er mit Schamanen auf Reisen geht, wie Krähen zu Totenvögel wurden, die zwischen den Welten reisen. Man lebt mit Eichling, man stirbt mit ihm und man wird mit ihm wiedergeboren.

"Denn es war eine Schlacht, und die Krähen selbst waren in dieser Schlacht und Gegenstand dieser Schlacht - ein Wort, das sie erst später lernen würden, ein Wort, das sie später oft erwähnten, manchmal begeistert, manchmal ehrfürchtig (oder so nahe Krähen diesen Gefühlen überhaupt kommen), denn es war eine Veränderung, die nie wieder rückgängig gemacht werden konnte, nicht über tausend Jahre, und die sie reich und viele und gefürchtet und geehrt machen würde. An diesem Tag koppelten sich die Krähen dieser Gegend an die Geschichte der Menschen an, und damit begann auch ihre eigene Geschichte."
(S. 70)

Wer einen actiongeladenen High-Fantasy erwartet, wird enttäuscht sein, denn es handelt sich hier um eine ruhige, melancholische und auch sehr tiefsinnige Geschichte, ähnlich einer Sage.
Für diejenigen, die den Golkonda-Verlag bereits kennen, ist das vermutlich keine Überraschung, denn dieser ist für seine literarisch anspruchsvollen Bücher im Bereich Fantasy, SciFi und Phantastik bekannt. Das vorliegende Buch ist also nicht nur Fantasy, sondern enthält unglaubliche Sprachgewalt mit Tiefe, die einem mitreißt und in die Geschichte zieht aus der man nicht mehr auftauchen möchte. Dies liegt vor allem an John Crowleys Schreibstil - anspruchsvoll aber dennoch klar und flüssig, während der Erzählstil atmosphärisch und packend und die Story herrlich anders ist. Man spürt beim Lesen den Wind in den Flügeln und sieht die Landschaft unter sich vorbei gleiten, während man zwischen den Welten wandert.

Hier begibt man sich auf ein wahres Krähen-Abenteuer, blickt dabei durch den Nebel von Mythen und Legenden. Man reist mit Eichling durch die Zeiten, ist dabei als all diese Mythen und Sagen entstehen, welche sich heute noch erzählt werden. Doch eines wird niemals erzählt - es war immer eine Krähe dabei und diese Krähe war Dar Eichling.

"In keiner dieser Geschichten wird allerdings erwähnt, dass eine Krähe auf dem Rahsegel oder dem Bug hockte, hin und wieder die Flügel spreizte, um das Gleichgewicht zu halten, den Kopf hierhin und dorthin wandte, aber fest und unverwandt in Richtung Westen blickte, und sein Bericht - wie zumindest er den Ozeanfluss zur anderen Seite schaffte -, ja, das war nie Bestandteil jener Geschichten."
(S. 315)

Es ranken sich viele Mythen und Legenden um die schwarz gefiederten Vögel und sie spielten schon jeher eine wichtige Rolle in verschiedenen Sagen, Märchen und vor allem im Volksglauben.
In der nordischen Mythologie symbolisieren sie Weisheit, Odin war immer umgeben von seinen Raben Hugin und Munin, die ihm berichteten was auf der Welt vorging. Die keltische Göttin Morrígan wird von Krähen begleitet, wenn sie ein Schlachtfeld betritt und kann sich ebenso in eine verwandeln. Raben und Krähen wurden verehrt und erst durch die Christianisierung erhielten sie ihr schlechtes Image als Unglücksvogel und als dämonischer Begleiter.
Doch wie war es wirklich - die Geschichte der Welt, der Krähen und der Menschen? Mit diesem Fantasy-Epos erschuf der Autor eine weitere Sage von und über Krähen und wer weiß .. vielleicht steckt darin sogar ein Fünkchen Wahrheit ;-)

"Das ist also die Geschichte, wie Eichling, der an einen Ort wollte, wo es keine Krähen gab, von allen Krähen zu einem wahren Reisenden wurde und, ohne weit zu fliegen, von einem Reich in ein anderes überwechselte, ein Reich, das so fern war, dass Leben und Tod dort anders waren, und zurückkehrte, um davon zu erzählen, falls es ein Zurück überhaupt gab."
(S. 128)

Fazit:
Dies war für mich eines der wenigen Bücher, welches ich nicht zu Ende lesen wollte und zwar aus dem einzigen Grund - weil die Geschichte von Dar Eichling dann zu Ende ist, ich daraus auftauchen muss und nicht mehr mit der Krähe reise.
Obwohl dies ein sehr ruhiger Fantasy ist, konnte er mich vollends einfangen und mit sich reißen. Literarisch anspruchsvoll, mit einer dichten Atmosphäre voller Tiefe und einem unvergleichlichen gefiederten Protagonisten.

KA – Das Reich der Krähen - John Crowley
KA – Das Reich der Krähen
von John Crowley
(22)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,90

Interessante Einblicke in historische Kriminalfälle aus Dörfern, sowie in die Geschichte selbst

Pink Anemone aus Wien , am 19.03.2019

Ein Erzbischof wird im Wald erschlagen. Ein Torfstecher findet eine Leiche im Moor. Eine Lehrerin wird von einem Verehrer verfolgt, bis er sie in der Bauernschaftsschule aufspürt und ein Messer zückt. Von rund 30 historischen Kriminalfällen vom Land berichtet dieses Buch. Der Autor Gisbert Strotdrees, Historiker und Journalist, hat dafür Gerichtsakten, Dorfchroniken und Verhörprotokolle gewälzt. Alle Fälle im Buch haben zweierlei gemeinsam: Sie haben sich auf dem Land, in Dörfern oder Bauernschaften ereignet, und sie sind nicht erdacht, sondern haben sich tatsächlich zugetragen!...(Klappentext)

"Unter dem Strich gewähren die Aufzeichnungen des Gogerichtes zur Meest einen Blick auf den Tatort Dorf und lassen in Abgründe blicken:
Abgründe menschlicher Existenz in karger Zeit."
(S. 35)

Von wegen, die wahrhaft grausigen Verbrechen fanden schon dazumal hauptsächlich in den Städten statt. Von wegen, auf der Alm, oder in diesem Fall auf dem Dorf, da gibt's koa Sünd!
Dieses Buch enthält historischer Kriminalfälle aus Dörfern und hierbei handelt es sich keineswegs nur um Diebstahl von Weizen und Hühnern. Mord und Totschlag, Sexualverbrechen und schwerer Raub, kamen damals ebenso in kleinen Gemeinden und Dörfern vor und waren nicht weniger erschütternd als Kriminalfälle in den großen Städten.

Die hier aufgeführten Kriminalfälle beginnen im Jahr 1225, gehen bis 1966 und beschränken sich auf Westfalen. Es beginnt mit der Ermordung des Kölner Erzbischofs am 7. November 1225, man erhält Einblick in Westfalens berühmtesten Mordfall 1783, welcher auch in dem Klassiker "Die Judenbuche" verarbeitet wird, man entdeckt 1922 eine Moorleiche und fandet im Jahr 1966 573 Tage nach Bruno Fabeyer, etc.

In diesen Berichten werden Tat, Motiv, sowie das Strafverfahren beschrieben, wobei dies auf sehr plastische und detailierte Art und Weise geschieht. Man erhält einen kurzen Einblick in die Biographie der Beteiligten und Einsicht in Verhörprotokolle, Ermittlungsakten und Zeitungsberichten. Doch dieses Buch enthält nicht nur Kriminalfälle. Es wird einem einen Blick in den Oldenberger Sachsenspiegel, ein Rechtsbuch aus dem 13. Jahrhundert,gewährt, erfährt was es mit so manchen Steinkreuzen auf sich hat oder was an Moorleichen so faszinierend ist.

"Wenn jemand etwas findet und er es leugnet, wenn man danach fragt, ist das Diebstahl. Was ein Mann findet oder Dieben oder Räubern abjagt, soll er seinen Dorfgenossen und in der Kirche bekanntmachen."
(S. 15 - Auszug aus dem Oldenburger Sachsenspiegel)

So manches ist auch äußerst amüsant zu lesen. So durfte man z.B. im Mittelalter auch für Beleidigungen belangt werden. Die Bezeichnungen "Hundsfott" oder "Lümmelschwanz" waren z.B. Beleidigungen schweren Kalibers und wenn man jemandem während eines Streits den blanken Hintern zeigte, war wirklich Schluß mit lustig.

Aufgrund der Aufführung von Dorfchroniken erhält man zusätzlich Einblick in die jeweiligen Dorfgemeinschaften und deren Geschichte, blickt somit quasi hinter die Kulissen.
Durch die chronologische Anordnung sieht und erkennt man gleichzeitig den Wandel der Zeit und die dadurch auftretenden Veränderungen innerhalb der Dorfgesellschaften und die Krisen, welche bestimmte Zeiten mit sich brachten. Es ist also nicht nur ein Buch über historischer Kriminalfälle, sondern es werden einem gleichzeitig die Geschichte selbst näher gebracht.

"Rädern hieß:
Der Verurteilte wurde auf den Boden gelegt, gestreckt und festgepflockt. Dann zerschlug ihm der Henker mit einem scharfkantigen Wagenrad die Gliederknochen.
Der zermarterte Körper wurde dann auf ein anderes Rad gelegt. Die Gliedmaüen wurden dabei wie Flechtwerk durch die Speichen geschoben. Der Delinquent starb nach endlosen Qualen durch Verbluten oder Herzstillstand."
(S. 12)

Dies alles wird in einem flüssigen Schreib-, packenden Erzählstil und leicht verständlich an den Leser gebracht. Wie schon erwähnt werden Taten sehr detailliert beschrieben und diese sollten dann wohl von sensiblen Lesern besser überblättert werden.

Zusätzlich enthält dieses Buch zahlreiche Abbildungen, wie z.B. von Zeitungsausschnitten, Gemälden, Fotographien, oder auch wie eine Tatortskizze aus dem Jahr 1607 aussah. Dies trägt zusätzlich zu einem besseren Verständnis bezüglich der damaligen Zeit bei.

"Die Täter sollten den Bruder des Toten ein Schwert sowie zehn Schillinge geben, für die Versorgung der Kinder des Toten aufkommen sowie >>zum Seelenheil des Toten<< 30 Messen lesen lassen und zwei Wallfahrten unternehmen. Außerdem wurden sie verurteilt >>ein steinernes Kreuz zu setzen vor Albaxen<<, wo die Tat geschehen ist." (S. 30)

Am Ende befindet sich noch ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis, falls man sein Wissen zu einem bestimmten Fall oder allgemein bezüglich Geschichte, vertiefen möchte.

Fazit:
Bezüglich Literatur zu historischen Kriminalfällen war dies mein absolutes Lesehighlight. Man erhält hier nicht nur Einblick in historische Kriminalfälle, sondern auch gleichzeitig in den Wandel der Zeit und somit in die Geschichte, egal ob bezüglich auf die Dorfgesellschaft, die Kriminalistik oder allgemein. Die zahlreichen Abbildungen konnten meine Begeisterung sogar noch toppen und somit war dies ein Sachbuch, welches ich, trotz der Thematik, regelrecht verschlungen habe.

Tatort Dorf - Gisbert Strotdress
Tatort Dorf
von Gisbert Strotdress
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,95

Leider ein eher weichgespülter David Hunter-Teil

Pink Anemone aus Wien , am 13.03.2019

"Eins. Zwei. Acht.
Die Ziffern des Zerfalls. In diesem Verhältnis verwesen alle Organismen, ob groß oder klein. An der Luft, im Wasser, unter der Erde. Bei gleichen klimatischen Bedingungen wird eine Leiche im Wasser zweimal so lange brauchen, um zu verwesen, wie eine an der Oberfläche. Unter der Erde wird es achtmal so lange dauern.
Eins. Zwei. Acht.
Eine einfache Formel - und eine unveränderliche Wahrheit."
(S. 9 -Anfang)


Es beginnt alles vor 8 Jahren. In diesem Teil erhalten wir Informationen zum Fall Jerome Monk und wie Dr. David Hunter zu diesem Fall stieß.
Für alle die David Hunter nicht kennen - er ist freiberuflicher forensischer Anthropologe und mittlerweile einer der besten seines Fachs. Dieser wird von Detective Chief Superintendent Simms an einen äußerst unwirtlichen Ort gerufen. Im Dartmoor wurde ein Grab entdeckt und das bedeutet nur eines - es ist möglich endlich ein Opfer des Serienmörders Jerome Monk gefunden zu haben. Dieser verbüßt bereits eine Haftstrafe, doch obwohl er sich zu den Morden an vier Frauen für schuldig bekannte, hat er nie verraten wo er seine Opfer begrub. Man vermutete schon immer, dass das Dartmoor der jeweilige Ort ist, hat jedoch trotz Suche nie auch nur eine Leiche der vier Opfer gefunden.


Der 2. Teil und somit der Hauptteil des Buches katapultiert den Leser in die Gegenwart. Terry Connors, ein alter Bekannter aus früherer Zeit und damals vor 8 Jahren bei der Suche im Dartmoor beteiligt, steht plötzlich vor Hunters Tür und hat eine äußerst unangenehme Nachricht - Jerome Monk ist aus dem Gefängnis geflohen. Kurz darauf meldet sich die damals bei der Grabsuche beteiligte Kriminalpsychologin Sophie mit einer geheimnisvollen Bitte an Hunter. Die Ereignisse überschlagen sich und die Jagd nach dem entflohenen Serienkiller und den Gräbern hat begonnen...doch wer wird hier wirklich gejagt?

"Etwas Rundes und Blasses kam zum Vorschein, das bald als kahler Schädel zu erkennen war. Eine gebeugte Gestalt trat in die Öffnung und sprang, ohne das Trittbrett zu benutzen, heraus.
Dann richtete sie sich auf, und ich sah zum ersten Mal Jerome Monk."
(S. 99)

Im ersten Abschnitt lernen wir die verschiedenen Charaktere kennen und es wird uns ein kleiner Einblick in die Anthropologie und Kriminalbiologie gewährt. Für manche mag das langweilig klingen, doch genau diese speziellen und gut recherchierten Einblicke in diesen teil der Forensik macht die David Hunter-Reihe aus und so zu etwas besonderem unter all den Thrillern.
Weiters befinden wir uns in diesem Teil des Buches kurz vor dem 1. Teil "Die Chemie des Todes" und ist quasi ein kleines Prequel. Fans dieser Reihe wird das besonders freuen, denn hier erhält man Einblick in die Zeit, als Hunters Karriere gerade im Aufschwung war und in sein Leben als Familienvater, ergo in die Zeit bevor seine Frau und Tochter verunglückten und bis zu diesem schicksalhaften Tag.

Die Story hätte wirklich viel bieten können, doch sie scheint ab dem 2. Teil so gar nicht in Fahrt zu kommen. Zusätzlich sind ein paar Logikfehler enthalten, nur wenig Spannung, dafür blasse Charaktere.
Mit der Figur Sophia hatte ich besonders zu kämpfen und ich hätte sie am liebsten die meiste Zeit quer durch das Buch klatschen mögen. Sie verhält sich wie ein kleines trotziges Mädchen, agiert keineswegs kompetent und ihres Berufes entsprechend, ist begriffsstutzig, dickköpfig und ist ständig beleidigt, wenn Hunter (oder egal wer) anderer Meinung ist, baut aber selbst Scheiße am laufenden Band. Wie Hunter diese Person attraktiv finden kann ist mir ein Rätsel.
Die Story wimmelt allgemein nur so von Unsympathlern. David scheint der einzige normal Denkende zu sein.

"Ich folgte ihrem Blick. Keine hundert Meter von uns entfernt stand eine reglose Gestalt und beobachtete uns. Sie schien aus dem Nichts aufgetaucht zu sein." (S. 309)

Einzig der typische Schreib- und Erzählstil von Beckett, welcher durchaus atmosphärisch ist, und die Hoffnung auf einige überraschende Wendungen, hielten mich bei der Stange.
Im letzten Drittel bekommt der Autor und somit die Story, dann doch noch die Kurve und zwar mit diesen von mir erhofften Wendungen. Diese gestalteten die Story dann überaus spannend und ich habe das Buch schließlich in einem Rutsch fertig gelesen. Doch alles in allem ist es ein eher weichgespülter Hunter-Teil.

Fazit:
Von diesem Hunter-Band bin ich etwas enttäuscht, da er sich im Gegensatz zu den Vorgängern alles andere als spannend gestaltete und eine weichgespülte Version davon ist. Logikfehler und Figuren, die das Lesen wahrlich anstrengend machen, ließen mich in den ersten beiden Dritteln nur widerwillig zum Buch greifen. Erst im letzten Drittel flog ich nur so durch die Seiten, wurde überrascht und folgte bis zum Ende gespannt der Handlung.
Der Autor kann es definitiv besser und das ist auch der Grund, der mich gleich zum nächsten Band greifen lässt ... in der Hoffnung, darin wieder einen gewohnten Beckett zu finden.

Verwesung. David Hunter - Simon Beckett
Verwesung. David Hunter
von Simon Beckett
(205)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,95

Erschütternd, sachl. informativ, gut recherchiert und das in einem fesselnden Schreibstil

Pink Anemone aus Wien , am 13.03.2019

Auch in der vermeintlich fast lückenlos überwachten Diktatur des Dritten Reiches konnten Serienmörder ihr Unwesen treiben. Nach umfangreichen Recherchen legt Wolfgang Krüger nun einen weiteren Band zu Mordfällen aus der Zeit des Dritten Reiches vor. Diesmal begibt er sich auf die Spur unheimlicher Serienmörder. Er beschreibt detailliert die Verbrechen des berüchtigten Münchner Triebtäters Eichhorn und des Berliner S-Bahn-Mörders Ogorzow. Er zeichnet aber auch die Vorgehensweise der Dortmunder "Raubmord-GmbH" nach, die Untaten eines Serienmörders am Rande des Schwarzwaldes, die erschütternden Morde eines Melkers, der 1940 innerhalb von drei Wochen die Mark Brandenburg, Magdeburg und das sudetendeutsche Eger heimsuchte, indem er vier kleine Mädchen an sich lockte, sie mißbrauchte und tötete. Schließlich wird der polnische Serienmörder Wignaniec geschildert, der als Fremdarbeiter im westfälischen Osnabrück drei seiner Landsleute ermordete und beraubte...(Klappentext)

&#9760;&#9760;&#9760;&#9760;&#9760;

"Am späten Nachmittag des 24. Mai 1940 spielte auf dem Marktplatz des beschaulichen Städtchens Aken an der Elbe, wenige Kilometer von Dessau gelegen, eine klein Schar von Kindern.
Da trat ein Mann auf die fröhlich herumtollenden Kleinen zu und sprach gezielt ein kleines Mädchen an, nämlich die neunjährige Anni Hellwig."
(S. 165)

Die Zeit des Dritten Reiches ist wahrlich ein schwarzes Kapitel in der Geschichte. Als ob diese Zeit nicht schon grausam genug gewesen wäre, als ob da nicht schon genug Morde im Namen des Führers verübt wurden, gab es trotzdem noch Mörder, welche in dieser Zeit noch zusätzlich für Schrecken sorgten. Serienmörder die ihren krankem Treiben nachgaben und in dem sich rühmenden Überwachungsstaat trotzdem lange Zeit unentdeckt blieben. Manche nutzten die Kriegssituation regelrecht aus und manche kamen aus den eigenen Reihen der SS.

Hier werden sechs Serienmörder vorgestellt, welche von 1933-1945 ihr Unwesen trieben - ihre Taten, die Ermittlungen, sowie das Strafverfahren:

Johann Eichborn, der Frauenmörder von München
August Scheer und August Schulte - Die Dortmunder Raubmord-GmbH
Josef Schäfer - Der Serienmörder aus dem Schwarzwald
Rudolf Zimmermann - der Mädchenmörder der Mark Brandenburg
Paul Ogorzow - Der unheimliche S-Bahn-Mörder von Berlin
Antonin Wignaniec - Der polnische Serienmörder von Osnabrück

In einem für Laien leicht verständlichen und äußerst plastischen Erzählstil, werden Biographie von Täter und Opfer aufgeführt und schließlich die Taten. Man erhält einen äußerst tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit und wie sich diese trotz Entbehrungen und Schwierigkeiten des Krieges gestalteten und am Ende natürlich das Strafverfahren.

"Deutschland befand sich im Kriegszustand, da konnte man sich langwierige Prozeßverfahren nicht mehr leisten. Aus diesem Grunde waren mit Ausbruch des Krieges auch Schwurgerichte abgeschafft worden.
Aburteilungen von Gewaltverbrechen hatten von nun an in der Regel vor einem Sondergericht zu erfolgen."
(S. 58)

Diese Vorstellung von Serienmördern lesen sich aufgrund des flüssigen Schreibstils wie Thriller. Der Autor hat also durchaus Schreibqualitäten eines Krimi-Autors, wenn er sich auch hin und wieder wiederholt und bei den Beschreibungen des Ortes zu sehr ins Detail geht. Doch vor allem wurden diese Kriminalfälle von Anfang bis Ende gut recherchiert. Man erhält auch Einblick in Ermittlungsakten, Verhöre und Zeugenaussagen.

Für schwache Gemüter und sensible Mägen ist dieses Sachbuch jedoch nur bedingt zu empfehlen.
Die Taten werden ebenso detailiert und bildhaft beschrieben , wie auch der Zustand der Leiche. Die Bilder, welche die Fälle begleiten, beinhalten nicht nur Zeitungsausschnitte, Tatort- oder Fahndungsfotos, sondern auch Bilder der Opferleichen bei der Entdeckung, darunter auch die von kleinen Mädchen. Während jetzt manche sicherlich diesbezüglich empört aufschreien und sich fragen, ob das in einem Sachbuch wirklich notwendig ist, habe ich eine andere Sichtweise und frage mich nur wie damals Ermittler mit solch grobkörnigen Bildern arbeiten, bzw. etwas sehen/finden konnten. Man sollte diese Bilder, so erschütternd diese auch sind, also vom forensischen Standpunkt aus betrachten.

"Die Jahre gingen is Land.
Das Saarland kam 1935 wieder ans Deutsche Reich, die Hitler-Diktatur ewann 1936 durch geschickte Propaganda an internationalem Ansehen, als sie die Olympischen Sommer- und Winterspiele ausrichtete, das faschistische Italien überfiel Abessinien, in Spanien brach ein verheerender Bürgerkrieg aus.
In München und Umgebung dagegen setzte sich die Serie der Überfälle auf junge Frauen fort, doch alle Ermittlungen verliefen im Sande."
(S. 26)

Am Ende des Buches befindet sich noch ein Literatur- und Quellenverzeichnis, wobei mich natürlich eher die Bücher interessieren.
Dieses Buch ist ebenso wie das bereits von mir vorgestellte Buch "Historische Serienmörder" aus dem Hause Kirchschlager. Es ist der 2. band der Reihe "Kriminalfälle aus der Zeit des Dritten REiches", kann jedoch, wie alle anderen Bände, eigenständig gelesen werden. Das Verlagshaus Kirchschlager ist allgemein zu Büchern mit dieser Thematik zu empfehlen.

Fazit:
Dieses Buch konnte mich trotz der Thematik fesseln. Es ist gut recherchiert, sachlich informativ, keineswegs reißerisch und lässt den Leser in die dunkle Aera des Dritten Reiches eintauchen und Tätern, wie auch Ermittlern gleichermaßen über die Schultern blicken.

Kriminalchronik des Dritten Reiches / Serienmörder des Dritten Reiches - Wolfgang Krüger
Kriminalchronik des Dritten Reiches / Serienmörder des Dritten Reiches
von Wolfgang Krüger
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,95

Trotz genialem Schreibstil so gar nicht mein Fall - durchgehend psych. labile Figuren mit Null Entwicklung.

Pink Anemone aus Wien , am 12.03.2019

Ich bin Lukas.
Neunundzwanzig, manisch depressiv und Vollidiot mit Hang zum Exzess, der Schizo-Gespräche mit seinem Karma führt und Tagebuch schreibt.
Bisher bestand mein Leben aus zwei Ländern, zwei Namen, einer Menge kreativer Inkompetenz und zu vielen Fehlentscheidungen. Eine davon war, mich von Inga zu trennen. Danach habe ich erfolglos versucht, zu kompensieren, es in achtzehn Jahren nicht geschafft zu haben, ihr zu erzählen, dass ich nicht nur ein paar psychische Probleme, sondern auch noch einen Zwillingsbruder habe ... (Klappentext)

"Mein Blick geht starr geradeaus, in die Waschmaschine.
Ich fühle mich auch wie im Schleudergang: neunzig Grad Kochwäsche, aber die Gedanken werden trotzdem nicht sauber."
(S. 12)

Luc ist am Boden zerstört. Die Beziehung zu seiner Jugendliebe Inga hat er beendet, da er sich selbst finden, seine Depressionen in den Griff und eine Familienangelegenheit klären muss. Doch ohne Inga fehlt ihm der Halt und er stürzt in ein tiefes Loch. Drogen, Alkohol und Sex bestimmen nun sein Leben. Sein Zwillingsbruder Silas, der ihm fremd geworden ist und zu dem er nun wieder Nähe sucht, macht das ganze auch nicht besser und sein Inneres aufräumen hat er sich ebenfalls leichter vorgestellt. Wird Luc seinen Weg zu sich selbst finden?

Ich hätte beim Lesen des Klappentextes auf mein Bauchgefühl hören sollen, denn dieser Roman war so gar nichts für mich. Ich kann mit Liebesromanen, Gefühlsduselei, Erotik- und Depri-Romanen nämlich prinzipiell nichts anfangen und Bücher aus diesem Genre werden von mir immer mit einem großen Bogen umgangen. "Schneepoet" habe ich jedoch mit inniger Empfehlung und Überschwang geschenkt bekommen und ich dachte: "Na wenn diese Freundin so davon begeistert ist, dann kann es mir doch auch durchaus gefallen." Ich wollte diesen Roman wirklich mögen, stürzte mich also voller Freude darauf, denn auch aufgrund aller weiteren Rezensionen musste es sich hier um einen abgefahrenen Selbstfindungstripp eines Charakters fern von 08/15 handeln und einer Story, welche witzig, fesselnd und tiefsinnig zugleich ist.

Anfangs fand ich die Charaktere und vor allem Luc gelungen, die Story fesselnd und die Gedanken des Protagonisten auch durchaus tiefsinnig, ehrlich und witzig zugleich. Die Autorin schafft es hervorragend die manische Depression und die Gedanken eines Betroffenen in Worte zu fassen, dieser Krankheit ein Bild zu geben und dies mit all ihren verschiedenen Facetten. Luc ist ein Getriebener, entwurzelt, orientierungslos und rastlos, aber doch auf der Stelle tretend, gleichzeitig sich im Kreis drehend und mit einem leeren Kopf voller Gedanken. Dies äußerst sich bei ihm in Panikattacken, Realitätsverweigerung, Drogen- und Alkoholmissbrauch und einer pathologischen BDSM-Beziehung, inklusive Psychospielchen, sprich - die Flucht in Exzesse jeglicher Art, um sich entweder zu spüren oder um sich gar nicht mehr zu spüren. Wie gesagt - hervorragende und vor allem authentische Schilderung.

"Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass mich jemand umarmt, weil ich mich mal wieder nicht mehr echt fühle.
Ich löse mich auf, mein Körper ist freigestellt von sämtlichen bisher bekannten Gesetzen; wattig, schwer, kratzig, durchsichtig."
(S. 30)

Ab der Mitte des Buches wird dieses ständige emotionale Auf und Ab dann aber auch langweilig und nervig. Es ist immer die selbe Leier - Inga-Mimimi, Sex und Exzesse, unterbrochen von ironisch-sarkastischen Gedankengängen, welche das Ganze mit der Zeit auch nicht mehr auflockern konnten und dann ebenfalls nervte.
Wie auch Luc bleibt die Story auf der Stelle kleben und entwickelt sich ebenso wenig weiter wie unser Protagonist - auf der Stelle und orientierungslos im Kreis drehend. Bis zum Ende hin erfolgt keine Entwicklung des Protagonisten, kein Licht am Ende des Tunnels, bis zum Ende hin bedrückend, depressiv-nervend.
Zudem wimmelt die Story von psychisch labilen Figuren und dies ist das was ich ebenfalls zu bemängeln habe. Ich hätte mir zu all diesen kaputten Charakteren einen positiven und ausgleichenden Gegenpol gewünscht, jemanden dem es nicht dreckig geht oder psychisch im Eck' ist. So eine Person sucht man hier jedoch vergeblich.
Dann noch ständig diese Sex-Geschichten. Irgendwann war mir diese Fickerei echt zu viel, selbst um diese Art von Flucht und Exzess begreiflich zu machen.

"Ich wünschte, ich könnte einen Schalter umlegen und die Unvernunft in mir abstellen, vor mir zu flüchten, damit ich mich der Herausforderung des Lebens stelle.
Aber so sehr ich es mir auch wünsche, zu funktionieren, ich tu es nicht.
Meine Gedanken sind schwer wie Zement und verhindern den Aufschwung, den ich bräuchte, um etwas besser zu machen."
(S. 78)

Einzig der Schreib- und Erzählstil der Autorin konnten mich dazu bewegen dieses Buch zu Ende zu lesen. Dies und die Hoffnung auf eine Wendung, bzw. Entwicklung des Charakters Luc. Alle anderen Figuren waren mir im Grunde ziemlich egal. Der Schreibstil ist klar und flüssig, enthält gleichzeitig eine poetische Sprachgewalt und riss mich doch irgendwie mit, sodass ich bis zum Ende durchhielt.

Fazit:
Es mag an meinem Genre-Geschmack liegen, daran, dass ich um Liebes-, Erotik- und Depri-Romane prinzipiell einen großen Bogen mache, aber "Schneepoet" war leider so gar nicht mein Fall.
Das wirklich Faszinierende daran war für mich, wie die Autorin es schafft der manischen Depression ein Gesicht zu geben, diese begreiflich zu machen, inkl. Symptome nach außen. Authentisch und ohne Blatt vor dem Mund, ohne zu beschönigen. Doch alles andere war mir einfach too much and always the same.
Diese Reihe werde ich also nicht weiter verfolgen und nehme nun wieder gehörigen Abstand zu diesem Genre. Es ist einfach nichts für mich.

Schneepoet - Nika Sachs
Schneepoet
von Nika Sachs
(1)
Buch (Taschenbuch)
10,99

 
zurück