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Gesamte Bewertungen 588 (ansehen)


Meine Bewertungen

War leider nicht meins

Marian Dahle ist Kommissarin bei der Polizei in Oslo. Seit sie mit persönlichen Schwierigkeiten aus dem Kommissariat für die schweren Fälle zurückgetreten ist, arbeitet sie an Cold Cases. Doch dann geschieht ein Mord auf einer Lichtung, zu der sie hinzu gerufen wird. Zunächst will sie nichts damit zu tun haben, doch der Mord erinnert an einen Fall von vor ein paar Jahren, als an genau der gleichen Stelle eine junge Frau getötet wurde. Doch dieses Mal unterscheiden sich die Fälle gravierend und doch scheint es, als gäbe es Zusammenhänge. Marian Dahle beginnt zu ermitteln.
Meine Meinung
Das Cover schreit gleich nach einem skandinavischen Krimi und da kann ich eigentlich selten nein zu sagen. Doch hier gestaltete sich bereits der Einstieg als etwas schwierig, denn Autorin Unni Lindell beginnt gleich mitten im Geschehen und das mit vielen verschiedenen Perspektiven, an die ich mich zunächst gewöhnen musste, um überhaupt die handelnden Personen zuordnen zu können.
Auch sonst fiel es mir hier sichtlich schwer, der Handlung konzentriert zu folgen, denn ich hatte das Gefühl, dass die Autorin während des Erzählens immer wieder zu weit abschweift. Beschreibungen von äußeren Umständen mitten in den Gedanken über einen Mordfall brachten mich doch immer wieder aus dem Lesefluss. Stilistisch ist das Buch recht leicht gestaltet, denn meistens sind die Sätze kurz und prägnant, was mir immer recht gut gefällt, weil das eine gewisse Eindringlichkeit zeigt.
Wie ich bereits erwähnte, erzählt die Autorin aus unterschiedlichen Sichten, mal vom Täter, mal von der Ermittlerin, mal von Nebencharakteren. Das ganze könnte eigentlich spannend wirken, doch hier fühlte es sich viel zu sprunghaft an und ich hatte zwischendurch Schweirigkeiten, nachzuvollziehen, wer gerade erzählte, da es auch keinerlei Hinweise dafür gibt, wenn die Sicht wechselt.
Der Fall an für sich fand ich sehr spannend, denn Unni Lindell baut hier wirklich interessante Themen ein, doch auch da wäre es vielleicht besser gewesen, wenn man es ein bisschen geringer gehalten hätte. Da man auch hier das Gefühl hatte, fast schon überfordert zu werden, von Borderline oder Savant Syndrom bis hin zur problemüberlasteten Kommissarin.
Kommissarin Marian Dahle ist eine sehr schwierige Persönlichkeit und mit all ihren Sorgen und Problemen schon fast wieder eine klischeehafte Ermittlerin. Mir gelang es leider nicht, zu ihr einen Bezug aufzubauen und sie wurde mir nur mäßig sympathisch. Nebencharaktere gab es recht viele, zumindest fühlte sich auch das so an. und auch hier blieb ich mehr der Beobachter und konnte mich nicht so richtig hineindenken.
Mein Fazit
Der Klappentext klang so unheimlich vielversprechend und der Fall an für sich, der hier behandelt wurde, klang spannend und fesselnd. Doch all die bereits genannten Punkte brachten mir leider nur mäßigen bis kaum Lesespaß und so zog sich das Buch in die Länge. Wie alles im Leben ist natürlich auch Geschmackssache und was mich hier völlig überfordert hat und mich immer wieder aus dem Fall herausbrachte, könnte für einen anderen Leser schon wieder spannende Hintergrundinfos sein. Bei diesem Buch bekommt man schon in der Leseprobe einen guten Eindruck, wie es geschrieben ist, so rate ich einfach jedem, hier einmal hineinzuschnippern, wenn das Buch anspricht. Mein Fall war es leider nicht.

Im Wald wirst du schweigen - Unni Lindell
Im Wald wirst du schweigen
von Unni Lindell
(2)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Gelungene Fortsetzung (4,5 Sterne)

Achtung: inhaltliche Spoiler zu Band 1 vorhanden!

Lena ist es gelungen, die veränderte Vergangenheit rückgängig zu machen, so dass es in ihrer Zeit wieder so ist, wie es sein soll. Endlich sieht sie auch Bobby wieder, die es kaum abwarten kann, mehr über den geheimnisvollen Chronografen herauszufinden. Doch zunächst wiegelt Lena das ganze ab. Eigentlich müsste sie den Chronografen sogar schnellstmöglich loswerden, doch leider ist dieser nicht nur dafür da, um durch die Zeit zu reisen, sondern auch um Dante wiederzusehen. Der Junge mit dem weißen Haar und den verschieden farbigen Augen, der ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Sie gibt Bobby den Chronografen, allerdings bleibt dies nicht folgenlos.
Meine Meinung
Optisch ist auch dieses Buch wieder ein absolutes Highlight und passt im Regal wundervoll zum ersten Band. Dank des Rückblicks auf dem ersten Band zu Beginn des zweiten Bandes fiel es auch sehr leicht, wieder in die Story zu finden. Ansonsten knüpft die Handlung zeitnah an das Ende von Teil 1 an. Sprachlich ist es absolut passend für die Zielgruppe, da es leicht und flüssig geschrieben wurde. Auch meine Tochter, die nun gerade zwölf geworden ist und zur Zielgruppe gehört, fand die Geschichte sehr spannend erzählt.
Das Thema der Zeitreise fand ich schon immer sehr interessant. So langsam erfährt man hier auch immer mehr über die Zeitreisenden und deren Struktur. Doch nach wie vor bleiben hier Fragen offen, bei denen wir wohl auf den dritten Band für eine Aufklärung warten müssen. Toll fand ich, dass es hier ein paar Überraschungen gab. Ich hoffe, jetzt nicht zu sehr zu spoilern, aber da das schon auf dem Klappentext zu lesen ist, kann ich wohl ruhig erzählen, dass nun Bobby zunächst diejenige ist, die eher unfreiwillig durch die Zeit reist. Klar, ich hätte jetzt vermutet, dass es Bobby schwerer fällt, zu verstehen, was geschehen ist, das wurde vielleicht etwas zu leicht abgehandelt. Doch da man hier auch immer wieder bedenken muss, dass die Geschichte für Kinder oder jüngere Teenies geschrieben ist, fand ich das so schon gelungen. Es wird auf jeden Fall richtig abenteuerlich und in der Vergangenheit liegt auch die ein oder andere Erklärung.
Erzählt wird die Geschichte wieder aus unterschiedlichen Perspektiven durch einen dritte Person Erzähler. Wir bekommen als Leser einen guten Überblick über die Situationen und durch die Änderungen der Blickwinkel auch die unterschiedlichen Gedanken der Charaktere.
Dieses Mal steht mehr Lenas Freundin Bobby im Vordergrund und man lernt dieses deutlicher kennen. Hat man sie im ersten Teil schon als loyale Freundin erlebt, spürt man hier deutlich, dass es auch eine Einserschülerin wie Bobby es nicht immer leicht hat. Sie selbst sieht sich ein wenig im Schatten ihrer besten Freundin stehen und wäre so manches Mal gerne wie Lena, vor allem beim Sport oder beim Selbstvertrauen. Doch in diesem Band muss Bobby lernen, zu sich selbst zu stehen und zu akzeptieren, wie sie ist.
Lena ist hier, wie schon im ersten Band, die lebhafte und zielstrebige. Allerdings hätte ich erwartet, dass sich die Geschichte mit Dante deutlicher weiterentwickelt, doch diese bleibt erstmal nebensächlich. Tatsächlich rückt Dante über weite Teile der Geschichte in den Hintergrund. Doch auch bei Dante gibt es einige Veränderungen, auf die ihr gespannt sein dürft.
Es gibt hier auch mehrere Nebencharaktere, wie Antagonist König und über dessen Hintergründe und Beweggründe auch viel mehr erfahren und auch bei Dantes Freundin und Kollegin Coco ist etwas passiert, die mir gut gefallen haben. Zwar bleiben dieses mehr im Hintergrund, sind aber für die Entwicklung der Geschichte genügend ausgearbeitet.
Mein Fazit
Wer den ersten Band der Reihe schon mochte, der wird auch den zweiten Band mögen. Hier erwartet euch eine leicht erzählte, aber trotzdem recht komplexe Story, die Spaß macht und abenteuerliche Unterhaltung bietet. Sympathische Charaktere, mit denen sich vor allem auch die jüngeren Leser sehr gut identifizieren können, einen spannenden Einblick in die Vergangenheit und einige Wendungen machen es leicht, durch die Seiten zu fliegen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung und bin gespannt, wohin uns die Reise im nächsten Band führen wird.

Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen - Monika Peetz
Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen
von Monika Peetz
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Wem vertraust du wirklich?

Dr. Kate English kann es kaum glauben, als sie die Nachricht erhält, dass man ihre Mutter ermordet hat. Wer sollte das getan haben? Ihre Mutter war allseits beliebt. Doch schon kurz nach der Beerdigung wird alles nur noch schlimmer, denn auch Kate erhält Drohnachrichten. Zum Glück ist ihre alte Freundin Blaire, mit der sie sich vor fünfzehn Jahren im Streit getrennt hat, nun endlich wieder an ihrer Seite. Gemeinsam mit Blaire grübelt Kate, wer ihr etwas antun möchte und wer der Mörder ihrer Mutter sein könnte. Doch so nach und nach wirken alle Personen um sie herum bedrohlich und Kate fragt sich, wem sie überhaupt noch trauen kann, denn selbst ihr Ehemann scheint etwas vor ihr zu verbergen.
Meine Meinung
Schon in ihrem ersten Buch “Mein Leben gegen deins” konnten mich das Autorinnenduo Liv Constantine überzeugen und so war ich äußerst gespannt darauf, wie es in diesem Roman wohl sein wird. Auch hier schreiben die beiden wieder sehr flüssig und eindringlich und sie ergänzen sich einfach fantastisch. Zwar brauchte ich zu Beginn ein wenig Eingewöhnungszeit, um mich an die unterschiedlichen Personen und deren Zuordnung zu gewöhnen, aber je mehr man voranschreitet in der Geschichte, desto klarer wird es. Oder halt auch nicht, denn genauso wie Protagonistin Kate wusste auch ich nachher einfach nicht mehr, ob und wem ich hier vertrauen soll.
Dadurch, dass die Autorinnen ihre Charaktere gedanklich immer wieder in die Vergangenheit schweifen lassen, erfährt man auch mehr über die einzelnen und deren Hintergründe. Somit bekommt man von jedem etwas mit, dass er zu verbergen hat und was den Leser misstrauisch werden lässt. Genau diese Suche nach der Wahrheit und den Zusammenhängen macht die Geschichte spannend. Ich wollte wissen, wer dahinter steckt und was Kate überhaupt getan hat, um so bedroht zu werden, so dass ich regelrecht durch die Seiten getrieben wurde, bei der Suche nach der Wahrheit.
Aus wechselnden Perspektiven zwischen den Freundinnen Blaire und Kate verfolgt man die Ereignisse, beobachtet die anderen um sie herum und ist sich doch nie sicher, was dahinter steckt. Man kann hier also immer wieder miträtseln und Theorien aufstellen und ziemlich weit zum Ende hin hatte ich auch eine Idee, doch so ganz gelang es mir nicht, auf die Lösung zu kommen.
Die Charaktere sind vorstellbar gezeichnet, doch so richtig nah kam ich ihnen nicht. Wobei ich mir hier durchaus vorstellen kann, dass genau das beabsichtigt ist, sorgt das doch alles dazu, dass man nicht auf den Täter kommen kann. Kate English mochte ich zu Beginn noch und ja, ich kann durchaus verstehen, dass sie durch all diese psychischen Belastungen an ihre Grenzen trifft. Doch irgendwann war ich mir selbst bei ihr nicht sicher, ob ich ihr glauben und vertrauen kann. Auch Blaire bleibt mir fremd und auch mit ihr ging es mir ähnlich wie mit Kate. Also aus psychologischer Sicht wurden die Charaktere wirklich gut ausgearbeitet.
Mein Fazit
Auch mit “Was du getan hast” konnten mich Liv Constantine wieder fesseln und brachten mir absolut spannende Unterhaltung. Ein gekonnter Spannungsaufbau und immer wieder neue Überraschungen sorgten dafür, dass ich das Buch erst aus der Hand legen konnte, als ich es beendet hatte. Definitiv eine tolle Lektüre für spannende Lesestunden.

Was du getan hast - Liv Constantine
Was du getan hast
von Liv Constantine
(8)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Eine gelungene Zeitreise

Das Jahr 1903, die junge jüdische Ärztin Rahel Hirsch macht sich auf den Weg nach Berlin, um dort ihre neue Stelle als Assistenzärztin an der berühmten Charité anzutreten. Keine leichte Aufgabe in dieser Zeit, denn ihre Kollegen sind ausschließlich Männer und Rahel stösst auf so manch einen Widerstand. Doch die junge Ärztin ist nicht so weit gekommen, um dann einfach aufzugegeben und verfolgt zielstrebig ihr Ziel.
Zur gleichen Zeit arbeitet in der Wäscherei der Charité die junge Barbara. Auch wenn diese aus einfachsten Verhältnissen stammt und ständig am eigenen Leib erfahren muss, wie Männer mit Frauen umzugehen pflegen, kämpft auch sie für Gleichberechtigung.
Als sich die beiden Frauen zufällig kennenlernen, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft. Beide Frauen kämpfen auf ihe Art für Gleichberechtigung, doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und alles ändert sich.
Meine Meinung
Schon der erste Band der Charité Reihe aus der Feder von Ulrike Schweikert hat mir aussergewöhnlich gut gefallen und auch dieser zweite Band war absolut spannend und fesselnd zu lesen.
Ulrike Schweikert schafft es unglaublich leicht und mitreißend, die Zeit des Beginns des zwanzigsten Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Sprachlich findet man sich genau in dieser Zeit wieder und doch erzählt die Autorin so leicht, dass man sich einfach mitten in der Geschichte wiederfindet. Interessant wird es, wenn sie ihre Figuren berlinern lässt, was das ganze noch authentischer wirken lässt. Ebenfalls beeindruckend sind die absolut dichte Atmosphäre und das Gefühl, eine Zeitreise zu begehen. Respekt, Frau Schweikert, das ist wirklich ganz hervorragend recherchiert und auch wenn ich selbst keine Ahnung von der Zeit an der Charité habe, kann ich mir dieses genau so auch vorstellen.
Was mich als Frau hier immer wieder zum Schlucken brachte, ist die Zeit in der das ganze stattfindet und wie man da noch mit Frauen umging. So manches Mal habe ich mich regelrecht über die Männer der Zeit geärgert und hätte mich am liebsten mit an die Seite der Protagonistinnen Barbara und Rahel gestellt.
Was dieses Buch ebenfalls zu etwas besonderem macht, ist diese einzigartige Art über die Zeit an der Charité zu erzählen und das mit den persönlichen Geschehen der Charaktere zu verknüpfen. Man erfährt so viel über die Entwicklung der Medizin in dieser Zeit, aber auch über das allgemeine Leben in Berlin. All das fesselt den Leser an die Seiten und man sieht direkt das Geschehen vor sich.
Mit ihren Charakteren hat die Autorin wieder ganz besondere Persönlichkeiten erschaffen. Die junge, jüdische Ärztin Rahel hat mich sehr beeindruckt, denn ich konnte mir nur allzu gut vorstellen, wie schwer es für sie sein musste, sich an diesem von Männern dominierten Arbeitsplatz durchzusetzen. Als Frau musste sie hier einfach noch mehr Einsatz zeigen, weder Müdigkeit noch Erschöpfung zulassen, da man ihr das als Schwäche angekreidet hätte und noch vieles mehr. Ich habe mit dieser tollen Frau absolut mitgefiebert und fand sie hervorragend ausgearbeitet. Doch auch Barbara, die Frau aus der Wäscherei ist für ihre Zeit eine beeindruckende Persönlichkeit, die absolut zielstrebig ihren Weg geht und sich auch nicht von Männern vorschreiben lässt, was sie zu tun und zu lassen hat. Frauen wie diesen ist es zu verdanken, dass es für uns Frauen heute anders aussieht, auch wenn ich zugeben muss, dass es da nach wie vor noch Vorteile für Männer, explizit in der Arbeitswelt, gibt.
Neben diesen tollen Protagonistinnen wirken aber auch die Nebencharaktere absolut authentisch und rundeten das eh schon hervorragend dargestellte Zeitgeschehen noch einmal ab.
Mein Fazit
Ein durch und durch hervorragend durchdachtes und ausgearbeitetes Buch über eine Zeit, in der es nicht nur in der Medizin immer wieder zu bedeutenden Fortschritten kam. Seien es die realen Begebenheiten oder die Fiktion, alles zusammen wirkt absolut dicht und atmosphärisch und ich fühlte mich beim Lesen direkt in die Zeit zurückversetzt. Beeindruckende Geschichte die lebendig erzählt wirkt und die einfach spannend zu lesen ist. Ganz klare Leseempfehlung!

Die Charité. Aufbruch und Entscheidung - Ulrike Schweikert
Die Charité. Aufbruch und Entscheidung
von Ulrike Schweikert
(48)
Buch (Paperback)
14,99

Ben und Arthur und das Universum

Als Arthurs Mutter, eine Rechtsanwältin, wegen eines Falles den Sommer in New York verbringen muss, ist es keine Frage, dass Arthur und sein Vater sie begleiten. Während seine Mutter am Fall arbeitet, macht Arthus ein Praktikum in der Kanzlei. Auf dem Weg zur Post trifft Arthur einen Jungen mit einem großen Paket der ihn auf den ersten Blick verzaubert. Kurzentschlossen spricht der sonst eher schüchterne Arthur den Paketjungen an. Sie unterhalten sich, doch dann passiert es, Ben verschwindet in dem Getümmel New Yorks und Arthur kennt weder seinen Namen, noch seine Telefonnummer. Das kann das Universum doch nicht ernst meinen? Zuerst trifft er den Jungen seiner Träume und dann verschwindet dieser plötzlich? Arthur beginnt nach Ben zu suchen. Und Ben? Auch ihm geht Arthur nicht aus dem Kopf und auch er versucht Arthur wiederzufinden.
Meine Meinung
Das Cover ist perfekt zum Buch gewählt und passt einfach nur zu gut, denn genauso habe ich mir auch Ben und Arthur vorgestellt.
Becky Albertalli und auch Adam Silvera sind beides für mich keine unbekannten Autoren und ich war schon mehr als gespannt auf die Zusammenarbeit der beiden. Die Geschichte liest sich leicht und locker und hat dabei einen humorvollen Unterton, der mich einfach in seinen Bann ziehen konnte und mich immer wieder beim Lesen vor mich hin lächeln ließ. Der Schreibstil der beiden Autoren ergänzt sich so perfekt, dass ich hier einfach nicht bemerkt habe, wer wessen Part geschrieben hat. Mit vielen Erwähnungen von Musik und Filmen wird die Geschichte noch einen Tick aktueller und spricht dadurch auch mit Sicherheit die jüngere Zielgruppe an.
Ich fand hier gleich von Beginn an leicht in die Geschichte, denn die beiden Protagonisten, die man schon zu Beginn kennenlernen darf, waren mir auf den ersten Blick sympathisch. Ich habe mit beiden ordentlich mitgefiebert und mitgehofft, dass das Universum ihnen wohl gesinnt ist und sie sich in solch einer Riesenstadt wiederfinden werden. Dabei geraten beide immer mal wieder in äußerst komische Situationen, die die Geschichte noch zusätzlich auflockerten.
Arthur und Ben erzählen jeweils in der Ich-Perspektive abwechselnd von ihren Eindrücken und ihrem Erlebten. Die beiden Protagonisten könnten eigentlich kaum unterschiedlicher sein. Arthur ist eher ruhig und schüchtern und durch und durch das Landei. Er wirkt gebildet und allem Anschein nach ist er wohlbehütet aufgewachsen. Ben kommt zwar aus einfacheren Verhältnissen, doch auch er bekommt Unterstützung von seinen Eltern. Die Schule hat ihm allerdings Schwierigkeiten bereitet und so muss er die Sommerschule besuchen, was allerdings sehr an ihm nagt. Während Arthur sich erst vor kurzem geoutet hat, hat Ben gerade erst seine erste Beziehung zu seinem Freund beendet. Die beiden Jungs sind also wie zwei Seiten einer Medaille, ergänzen sich dadurch aber wirklich wunderbar und es macht Spaß, sie ein Stück weit durch den Sommer zu begleiten.
Doch nicht nur die beiden Protagonisten haben mir gut gefallen, sondern auch die Nebencharaktere, wie die Freunde der beiden und deren Eltern. Alle gehen sehr aufgeschlossen mit der Homosexualität der Jungs um und es wirkt einfach so natürlich, wie es auch für alle sein sollte. Die Figuren sind lebendig und authentisch gezeichnet und vor allem Bens besten Freund Dylan mochte ich mit seiner frechen und lustigen Art unheimlich gerne. Ich könnte mir absolut vorstellen, mit dieser Clique mal einen Nachmittag gemeinsam in New York zu verbringen.
Mein Fazit
Ein tolles Jugendbuch, das mir einfach richtig gut gefallen hat und deren Seiten beim Lesen einfach nur so verflogen, was auch mit an dem leichten und lockeren Schreibstil der beiden Autoren lag. Doch diese Geschichte lebt vor allem durch seine wundervollen Charaktere, die mir schnell ans Herz wuchsen und die realistisch und lebendig gezeichnet wurden. Wunderschön und perfekt für gemütliche Lesestunden!

Was ist mit uns - Becky Albertalli, Adam Silvera
Was ist mit uns
von Becky Albertalli
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,00

Tolle Grundstory

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist es nichts ungewöhnliches, dass die Menschen neun Leben haben. Nach jedem Tod werden sie wiedergeboren und der Mensch, der sie dann sind, ist eine neue und verbesserte Form des eigenen Ichs. Für viele Jugendliche wird es ein regelrechter Sport den Freitod zu wählen. Doch nicht alle Jugendlichen sind davon überzeugt und einer von ihnen ist Julian, dessen Mutter kurz vor ihrem Permatod ein völlig anderer Mensch wurde. Julian beginnt nachzufragen und trifft dabei auf eine weitere Gruppe Jugendlicher, die alles andere als überzeugt von der Wiedergeburt sind. Denn nicht alles läuft dabei immer glatt und so manch einer kommt mit Mankos wieder, die man zunächst nicht sieht.
Meine Meinung
Allein schon dieser Klappentext versprach eine völlig neue und absolut spannende Story, die ich hier auch definitiv erhalten habe. Zach Hines erzählt sehr flüssig und schnell gelang es mir, hier in die Story zu finden. Sprachlich ist es durchaus auch für die Zielgruppe jugendlicher Leser geeignet, doch es gibt hier auch die ein oder andere wirklich erschreckende und grausige Szene. Dementsprechend ist diese Geschichte auch spannend für erwachsene Leser umgesetzt.
Die Grundstory fand ich wirklich unheimlich spannend und interessant und vor allem mal wieder etwas ganz Neues, Eigenes. Auch vom Tempo her liest sich dieses Buch leicht und flüssig. Man selbst stellt sich beim Lesen immer wieder die Frage, ob man selber nicht vielleicht auch solch einen Schritt wagen würde, um einfach “verbessert” wieder aufzuerstehen. Doch eine gewisse Skepsis bleibt dabei vorhanden und macht das Lesen dementsprechend spannend. Man möchte einfach die Beweggründe verstehen und genau da hapert es ein wenig bei mir. Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass vor allem Jugendliche sich selbst verbessern wollen. Doch was genau hatte es mit diesen Punkten auf sich, die die Familie für das Hergeben ihrer Leben bekommen? Vor allem eines war mir nicht klar: woher kam es, dass Menschen plötzlich neun Leben hatten und was hat es mit den Seen zu tun? Da blieben für mich doch ein paar Fragen noch offen, die mir das gesamte Szenario besser erklärt hätten.
Das machte dann auch das Worlbuilding ein wenig undurchsichtig, da mir einfach auch die Grundlagen dazu fehlten. Insgesamt habe ich mir die Welt eigentlich so vorgestellt, wie unsere Welt auch heute ist, nur mit den neun Leben und den Seen, in denen man wiedergeboren wird. Da hätte es für mich, wie ich auch schon erwähnte, ruhig noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können.
Erzählt wird die Story aus der Sicht des Teenagers Julian, der dem gesamten Konzept der Wiedergeburt äußerst kritisch gegenübersteht. Das basiert zwar auf der erlebten Geschichte mit seiner Mutter und doch hat Julian auch sonst Zweifel. Mir hat dieser Junge sehr gut gefallen, denn er ist weder der rasante Draufgänger, noch ein Superheld. Er ist einfach Julian, der versucht, seinen eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Das er dabei auf Hindernisse stösst, ist natürlich vorprogrammiert.
Neben Julian spielen noch weitere Jugendliche wichtige Rollen, vor allem die Kinder, die am Rande der Stadt aufwachsen und die der Behörde der Wiedergeburt auf die Spur kommen wollen. Gemeinsam mit Julian geraten sie in Schwierigkeiten und Hilfe bekommen sie von jemanden, mit dem ich gar nicht so gerechnet hätte. Alles in allem sind die Personen facettenreich und unvorhersehbar, was die Spannung der gesamten Geschichte mit aufrecht hält.
Mein Fazit
Alles in allem ein spannendes Debüt mit einer wirklich neuen und ungewöhnlichen Idee, die mir so in der Art noch nicht begegnet ist. Zwar gab es in der Umsetzung noch das ein oder andere, das mich gestört hat, doch im großen und ganzen bin ich sehr gut unterhalten worden. Protagonist Julian machte es doch recht leicht, ihn zu mögen und so konnte man mit ihm mitzittern und mitfiebern. Auf jeden Fall ist “Neun” mal etwas anderes und ich bin gespannt, was Zach Hines noch so in petto hat.

Neun - Zach Hines
Neun
von Zach Hines
(6)
Buch (Paperback)
14,00

Verwirrend, aber genial

Als Secret Service Agent Ethan Burke mitten in einem kleinen Kaff wieder zu sich kommt, fehlt ihm zunächst jegliche Erinnerung an das, was passiert ist, selbst den eigenen Namen weiß er nicht mehr. Er verliert sein Bewusstsein und kommt in einem Krankenhaus wieder zu sich. Hier kommen dann auch so langsam wieder Erinnerungen zurück. Wayward Pines heißt das kleine Kaff, in dem er sich befindet und in dem er nach zwei verschwundenen Agenten suchen sollte. Doch ein Unfall hat seiner Suche ein jähes Ende bereitet. Burke verlässt heimlich das Krankenhaus, doch während er sich nun auf die Suche nach der Wahrheit begibt, wird alles immer verwirrender. Die Menschen verhalten sich merkwürdig, seine Fragen werden nur ausweichend beantwortet und auch sonst scheint es nicht mit rechten Dingen in Wayward Pines zuzugehen. Nur was steckt wirklich hinter all den Merkwürdigkeiten?
Meine Meinung

Das Cover fand ich ja ziemlich spannend und auch ein wenig unheimlich und irgendwie musste ich dabei an Twin Peaks und dem Tagebuch der Laura Palmer denken. Das Crouch tatsächlich von dieser Serie mit inspiriert wurde, fand ich dann ziemlich gelungen und so war ich mehr als neugierig auf Psychose.
Der Einstieg fiel mir sehr leicht, denn Crouch schreibt absolut flüssig und fesselnd. Dabei lässt er so vieles unausgesprochen, dass man einfach ganz tief in den Sog des Buches gerät und nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Mit wenigen Details, aber dann doch mit genau der richtigen Menge an Bildern wird die Geschichte lebendig. Beim Lesen habe ich dann auch erfahren, dass die Trilogie sogar verfilmt wurde und ich bin absolut gespannt darauf, wie dieses Buch im Film umgesetzt wurde. Beim Buch war es auf jeden Fall ein mysteriöses, verwirrendes und absolut spannendes Kopfkino, das mich das Buch verschlingen ließ.
Die Geschichte selber ist unheimlich spannend und je mehr man in der Geschichte vorankommt, desto verwirrender wird hier alles. Auf welcher Reise mich der Autor mitnehmen wollte, blieb mir lange unbeantwortet und doch fesselt genau dieses. Man möchte wissen, was es mit Wayward Pines auf sich hat und dabei trifft man auf so manche mysteriöse Begebenheit. Alles in allem ist dieses Buch eine Mischung aus Thriller, Fantastik, Mystery und Science Fiction und was da wirklich hintersteckt, konnte mich noch zusätzlich verblüffen. In Wayward Pines ist alles nicht so, wie es scheint.
Die Atmosphäre des Buches passt hier unheimlich gut und macht immer wieder Gänsehaut. Während man durch einen Erzähler in dritter Person aus der Sicht des Special Agents Burke das Geschehen verfolgt, ist man als Leser genauso ratlos, wie der Protagonist selber. Hin und wieder bekommt man auch einen Blick auf die Familie des Agents, was allerdings noch lange nicht zur Aufklärung der Geschichte beiträgt.
Special Agent Ethan Burke fand ich sehr gelungen, wenn er auch trotz seiner schweren Verletzungen vielleicht ein wenig zu sehr Held ist. Trotzdem passt das hier einfach auch zur gesamten Geschichte und trägt nur dazu bei, noch ein wenig mehr auf Spannung und Tempo zu drücken. Burke war mir durchaus sympathisch und ja, ich war hier mindestens genauso verwirrt wie der Agent selber. Neben Burke sorgen noch einige weitere Personen des Ortes für die geheimnsivolle Stimmung und auch hier kann ich nur sagen: in Wayward Pines ist alles anders.
Mein Fazit

Mit dem ersten Band der Wayward Pines Trilogie konnte mich Blake Crouch absolut fesselnd und spannend unterhalten und die Auflösung hat mich dabei völlig geplättet zurück gelassen. Was für eine mysteriöse, abgedrehte und actionreiche Geschichte, die einfach nur Spaß macht und die ich an nur einem Abend regelrecht inhaliert habe. Tatsächlich könnte man diese Geschichte auch mit diesem ersten Band beenden, doch ich bin schon äußerst gespannt, was mich noch so alles in Wayward Pines erwarten wird. Absolut spannend! Dieses Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung!

Psychose - Blake Crouch
Psychose
von Blake Crouch
(5)
Buch (Klappenbroschur)
10,00

Tiefschlag für Harry Hole

Da es sich hier mittlerweile um den zwölften Band einer Reihe handelt, gibt es Spoiler zum Privatleben der Charaktere.
Seit der Trennung von seiner Frau Rakel scheint Harry Hole in alte Muster zu fallen. Doch nicht nur die Trennung macht ihm zu schaffen, denn auch Serienvergewaltiger und -mörder Svein Finne ist nach zwanzig Jahren Haft wieder auf freiem Fuss und hat Harrys Familie bedroht. Als er dann in einer Nacht dem Alkohol viel zu sehr zugesprochen hat, dass ihm am nächsten Tage jegliche Erinnerungen fehlen, scheint der Tiefpunkt gekommen zu sein. Doch warum hat er Blut an der Kleidung? Kurze Zeit danach bekommt Harry eine Antwort, eine Antwort, die den eh schon schwer gebeutelten Kommissar völlig zerstört.
Meine Meinung
Mit Messer ist nun der mittlerweile zwölfte Band der Harry Hole von Jo Nesbo erschienen und ich bin seit dem ersten Teil ein Fan des Schriftstellers und seines äuerst charismatischen Ermittlers Hole.
Dementsprechend gespannt war ich dann auch auf den neuen Band der Reihe, der gleich so beginnt, wie ich es nach dem Ende des letzten Bandes schon erahnt hatte. Damit gelingt der Einstieg leicht und schnell war ich wieder ganz bei Hole und dessen Ermittlungen. Nesbo hat etwas, mit dem er mich immer wieder an seine Bücher fesselt, dabei hat er eigentlich immer eine recht schwere, düstere und melancholische Grundstimmung. Diese ist in dem neuen Hole Fall ganz besonders hart zu spüren, da Hole tiefer betroffen und getroffen wird, als jemals zuvor. Genau das ließ mich hier auch wieder regelrecht durch die Seiten fliegen und der Spannungsaufbau ließ keine Wünsche offen. Von Beginn an war ich wieder ganz dicht am Geschehen und wie immer fand ich, dass der Thriller von Anfang bis Ende durchdacht und schlüssig wirkte.
Hole macht sich dieses Mal auf die Spur nach einem Täter, den er schon einmal dingfest gemacht hat. Dabei ist er sich selbst nicht ganz schlüssig, ob dieser ihm wirklich das alles angetan hat. Aber nicht nur die Jagd nach einem Mörder steht hier im Mittelpunkt, denn Nesbo knüpft auch einige weitere Themen, wie z. B. das PTBS mit in seine Geschichte ein. Dabei schafft es Nesbo mich immer wieder mit teilweise wirklich unglaublichen Plottwists zu verblüffen und mit so manch einer Entwicklung hat er mich tatsächlich tief betroffen gemacht.
Aus unterschiedlichen Blickwinkel, bei denen natürlich meist Ermittler Harry Hole im Mittelpunkt steht, verfolgt der Leser das Geschehen. Wer hinter der Tat wirklich steckt, bleibt dabei aber ein Rätsel und immer wieder befindet man sich auf falscher Fährte.
Ich weiß nicht, was es ist, was mich immer wieder zu Harry Hole zieht. Er war auf jeden Fall der erste Ermittler eines Thrillers, den ich kennengelernt habe, der so am Ende war. Ein Alkoholiker, der immer wieder abdriftet, der aber trotzdem ein unglaubliches Gefühl für Fälle und deren Täter hat. Definitiv hat Hole eins: Charisma und diesem erliegen doch so einige Frauen. Aber nicht nur Hole ist im Laufe der Jahre ein Charakter, dem ich nie widerstehen kann, sondern auch Nesbos andere Figuren sind äußerst interessant gezeichnet. Man hat das Gefühl, die Personen zu kennen und doch gelingt es Nesbo immer wieder, mich völlig zu überraschen.
Mein Fazit
Oftmals kann man Thriller einer Reihe auch für sich alleine lesen, doch das wäre im Falle der Hole Reihe nicht wirklich sinnvoll, denn die Entwicklung der Charaktere ist doch immer wieder grundlegend in den Nesbo Thrillern. Mit diesem Buch hat mich der Autor bestens unterhalten und wieder einmal völlig überrumpelt, denn was da wirklich passiert ist, war fast schon unglaublich und doch wiederum so schlüssig dargestellt, dass ich Nesbo alles abekauft habe. Wer die Reihe mag, wird auch an Messer nicht vorbei kommen.

Messer - Jo Nesbo
Messer
von Jo Nesbo
(107)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

Fünf Tage ohne Handy?

Digital Detox – mehrere Tage offline sein, ohne Handy, Tablet oder sonstiges Kommunikationsmittel – genau das scheint es zu sein, was die Menschen brauchen und so gibt es nun die Möglichkeit, solch eine Reise zu buchen. Auch Jenny und ihre drei Mitarbeiter werden zu fünf Tagen in einem einsamen, noch nicht ganz renoviertem Hotel eingeladen. Gemeinsam mit einer handvoll weiteren Gästen begeben sie sich mitten im Winter auf ihre Reise. Doch in dem Hotel angekommen, werden sie von einem gewaltigem Schneesturm überrascht und völlig von der Aussenwelt abgeschlossen. Genau das wollten sie doch, oder? Doch als einer von ihnen beim Frühstück nicht erscheint und nach der Suche schwer misshandelt aufgefunden wird, beginnt die Suche nach einem Irren. Wer steckt hinter diesem Angriff? Einer von ihnen? Einer der beiden Hausmeister? Oder versteckt sich jemand im Hotel? Als dann noch ein Opfer gefunden wird, beginnen die übrigen Gäste, sich gegenseitig zu verdächtigen.
Meine Meinung
Erst einmal großes Lob zur Covergestaltung an den Verlag, denn dieses Cover sieht wirklich mal so richtig gelungen aus.
Der Einstieg in Arno Strobels neuem Psychothriller gelingt sehr leicht, denn schon der Prolog brachte das ein oder andere Gänsehautfeeling. Doch auch danach geht es spannend weiter und ich muss schon sagen, Arno Strobel weiß genau, womit er Angst machen kann, zumindest mir. Er schreibt direkt und klar und als Leser hat man das gesamte Szenario des einsamen und eingeschneiten Hotels in den Bergen direkt vor Augen. Was das ganze dann noch einmal beklemmender werden lässt, ist die Tatsache, dass sich der Täter unter den Personen, die sich im Hotel befinden, sein muss. Diese Angst, dieses gegenseitig Misstrauen der Personen im Hotel hat der Autor hier absolut gelungen dargestellt. Einsam, eingeschneit und ohne Kommunikationsmöglichkeiten befinden sich die Charaktere des Psychothrillers in dem Hotel. Man verfolgt die Diskussionen der Charaktere untereinander, man sieht ihnen zu, wie sie sich gegenseitig beschuldigen und doch hat man das Gefühl, der Lösung einfach nicht näher zu kommen.
In erster Linie verfolgt man das Geschehen aus der Perspektive einer leitenden Angestellten einer Computerfirma, Jenny. Aber auch hin und wieder erlebt man direkt die Gedanken eines der Opfer, was mir regelrecht Angst machte, denn die Taten hier sind absolut entsetzlich und was das Opfer hier durchlebt, einfach grauenhaft.
Ganz besonders gut gefallen haben mir die Beschreibungen der einzelnen Personen, die auf den ersten Blick schon wieder ein wenig klischeehaft wirkten. Der großspurige Schönling mit der Sonnenbrille, die verantwortungsbewusste leitende Angestellte, der abgehalfterte Reiseleiter usw. Doch gerade durch diese typischen Charaktere wird dem Leser recht schnell bewusst, wie sehr jeder einzelne abhängig ist. Diese Dynamik innerhalb der Gruppe, die mit zunehmender Bedrohung immer härter, immer misstrauischer wird, fand ich wirklich sehr gut gelungen und authentisch. Ich selbst hatte immer wieder einen anderen in Verdacht und lag letzten Endes dann doch falsch. Lediglich das Ende kam mir ein wenig zu abrupt vor, das hätte durchaus noch ein wenig mehr in Richtung Showdown gehen können.
Mein Fazit
Ein spannender Psychothriller bei dem Autor Arno Strobel ganz geschickt mit den Ängsten der Menschen spielt. Er macht hier deutlich, wie sehr man doch von den heutigen Kommunikationsmitteln abhängig ist und wie sehr man ohne diese doch aufgeschmissen ist. Das Szenario ist perfekt gewählt und brachte noch zusätzlich die passende Atmosphäre. Doch vor allem das Verhalten der Charaktere untereinander fand ich richtig gelungen und hier macht das Wort Psycho diesem Buch alle Ehre. Lesenswert!

Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein, Jetzt sitzt du in der Falle. - Arno Strobel
Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein, Jetzt sitzt du in der Falle.
von Arno Strobel
(55)
Buch (Paperback)
14,99

Nicht so gruselig wie erwartet

Die unscheinbare Helen Franklin lebt alleine in Prag, seitdem sie vor etwas aus ihrer eigenen Vergangenheit regelrecht geflohen ist. Sie hat nur wenige Freunde, doch als einer davon, Karel, ihr eines Abends in der Bibliothek die Lebensgeschichte eines ihr fremden Mannes übergibt, der vor kurzem verstorben ist. Zu Hause beginnt Helen zu lesen und das was Josef, der Verstorbene, da berichtet, klingt äußerst mysteriös und unheimlich. Denn er erzählt von Melmoth, einer Frau, die dazu verdammt wurde, bis zum Ende aller Zeiten allein auf Erden zu wandeln. Während Helen beginnt immer mehr über Melmoth in Erfahrung zu bringen, fühlt sie sich immer mehr verfolgt.
Meine Meinung
Dieses Buch ist optisch eine absolute Augenweide mit den glitzernden Federn auf dem Schutzumschlag und auch unter diesem Einband ist es einfach nur wunderschön gestaltet.
Doch so richtig einfach ist diese Geschichte nicht. Ohne Frage, Sarah Perry schreibt unglaublich atmosphärisch. Ihre Sprache klingt beinahe poetisch und doch ist darin das düstere und dunkle wiederzufinden. Sie arbeitet mit vielen Metaphern, bei denen man schon zu Nachdenken kommt, um dahinter zu kommen, was sie herauskristallisieren will. Aber was mir hier schwer fiel, waren den teilweise weit ausholenden Erzählungen zu folgen. Das Buch ist dementsprechend keine leichte Lektüre für entspannte Lesestunden auf dem Sofa, sondern fordert absolute Aufmerksamkeit.
Doch trotz dieser tiefen Hoffnungslosigkeit, die in Sarah Perrys Beschreibungen durchscheinen, fehlte mir hier das gruselige, was ich anhand des Klappentextes erwartet hatte. Für mich klang das Buch nach einer Schauergeschichte und ja, irgendwie ist es das auch, wie ein schauriges Märchen und doch wiederum nicht. Zwar kommt immer wieder eine leichte Gänsehautatmosphäre auf, die dann aber schnell wieder abflachte. Dieses liegt dann an den weit ausholenden Erzählungen, Protagonistin Helen forscht, wer Melmoth war und stösst dabei auf Manuskripte etc., die hier mit in die Story einfließen. Alles in allem werden somit viele unterschiedliche Zweige eingeflochten, die für mich dann einfach zu weit abschweiften und das Lesen recht zäh machten.
Der Handlungsort, Prag, hat mir sehr gut gefallen. Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich zur Abifahrt in Prag war, doch diese ganz bestimmte Atmosphäre der Stadt, dieses alte, tagsüber lebendige, doch im dunkeln durchaus unheimlich wirkende der Gegend, kamen für mich recht gut hervor.
Ein Erzähler in dritter Person Perspektive führt den Leser durch den Roman. Dabei begleiten wir in erste Linie Helen, von der wir gleich zu Beginn erfahren, wie unscheinbar und wenig auffallend sie ist. Auch dass dieses Verhalten einen Grund hat, nämlich eine Schuld, die sie sich vor zwanzig Jahren aufgeladen hat, bekommen wir gleich zu Beginn präsentiert. Doch ansonsten fiel es mir schwer, einen Bezug zu ihr aufzubauen. Doch nicht nur bei Helen fiel mir das schwer, denn auch die anderen Charaktere, die man zum Teil nur durch die Dokumente kennenlernt, sind alle auf ihre Art seltsam. Irgendwie wirkten sie alle ein wenig anders und so richtig vorhersehbar war hier niemand.
Mein Fazit
Alles in allem habe ich schon irgendwie eine düstere und atmosphärische Geschichte erwartet, bei der der Schwerpunkt auf Melmoth liegt. Doch Sarah Perry, deren Erzählstil auf alle Fälle mal etwas ganz anderes ist, mit all seiner Poesie, lenkt doch immer wieder die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Personen der Geschichte. Dieses Buch ist keine locker leichte Lektüre für zwischendurch, doch ich bin mir sicher, dass gerade Leser anspruchsvoller Lektüre hier ihre Freude dran haben werden. Mein persönlichen Erwartungen konnten hier allerdings nicht erreicht werden.

Melmoth - Sarah Perry
Melmoth
von Sarah Perry
(25)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

 
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