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Sabine aus Köln

Gesamte Bewertungen 61 (ansehen)


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Meine Bewertungen

Um Reich und Krone

Sabine aus Köln , am 04.10.2018

Über die drei Grey-Schwestern hatte ich bisher noch nichts gelesen, daher war ich sehr gespannt auf diesen zweiten Band der „Das Erbe der Tudors“-Reihe. Den Einstieg fand ich noch etwas schwierig, nachdem ich mich dann aber bei all den Personen orientiert hatte, war ich gefesselt und habe die Lektüre sehr genossen.

Es gibt drei Teile im Buch und jeder Teil wird aus Sicht einer Schwester geschrieben. Zunächst geht es um Jane, die als sogenannte 9-Tage-Königin bekannt geworden ist. Sie erzählt von ihrem Aufstieg, ihrer Zeit als Königin ihrer Religion und ihrer Gefangenschaft im Tower, bevor sie dann auf dem Schafott landet und hingerichtet wird. Im zweiten Teil steht Katherine im Mittelpunkt, die sich ganz anders als ihre große Schwester nicht der Religion verschrieben hat, sondern frivoler rüberkommt und voller Lebenslust und Energie steckt. Doch ihr Wunsch nach Liebe und ihre heimliche Hochzeit werden ihr zum Verhängnis, und letztlich erwartet sie ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Jane. Der letzte Abschnitt wird von Mary erzählt, der kleinwüchsigen Schwester, die zwar nur 4 Fuß misst, dafür aber kraftvoll und selbstbewusst rüberkommt. Doch auch sie wird zum Opfer ihrer Liebe und muss ähnlich wie ihre Schwestern lange Zeit in Gefangenschaft verbringen.

So unterschiedlich die Schwestern waren, so unterschiedlich waren auch ihre Geschichten – und doch verbindet sie alle eins, und genau das bringt sie alle drei zu Fall. Es ist die Liebe, der sie sich hingeben, egal ob der weltlichen oder der Liebe zu Gott. Janes Kapitel hatte zugegebenermaßen seine langatmigen Passagen, was aber ihrer langen Haft zu verdanken ist. Dafür aber ist ihre tiefe Religiosität wunderbar dargestellt, und ich bewundere Jane für ihre Standhaftigkeit und ihre Unerschütterlichkeit. Sie war keine sympathische Person, dennoch aber eine, der ich Respekt zolle. Anders war das bei Katherine, die erst im Laufe der Geschichte an Reife gewinnt – dann aber ist auch sie eine gestandene Frau, die für ihre Lebenslust bezahlen muss. Am meisten beeindruckt hat mich Mary, die es als Kleinwüchsige am Hof sicherlich nicht leicht hatte. Dafür besticht sie aber durch ihren wachen Verstand, und auch sie glänzt mit einem sympathischen Selbstvertrauen und lässt sich trotz widriger Umstände nicht unterkriegen.

Letztlich ist die Geschichte eine tragische und die Schwestern Grey hatten kein schönes Leben. Im Buch scheint alles an Elisabeth I. zu liegen, die bei Philippa Gregory nicht gut davonkommt und als verhärmte, neidische und gemeine Königin dargestellt wird. Sie scheint nur sich zu sehen und kann anderen kein Glück gönnen – schon mal gar nicht, wenn es um die wahre Liebe und langersehnte Kinder geht. Sie ist eine unerbittliche Königin und schreckt auch vor Intrigen nicht zurück. Dabei ist es in diesem Roman wenig politisch – vielmehr stehen die emotionalen Beziehungen im Vordergrund, das Weltgeschehen wird erst im letzten Teil von Mary angeschnitten.

Man sollte sich in der englischen Geschichte ein wenig auskennen, um in den vollen Genuss dieses Buches zu kommen. Gerade am Anfang war ich da auch ein wenig verwirrt und oft habe ich in den vorangestellten Stammbäumen der Tudors, Seymours und Dudleys nachgeschaut, wenn ich eine Person nicht zuordnen konnte. Es hat aber nicht lange gedauert und ich war drin in der Geschichte und habe die weitere Lektüre dann auch genossen.

Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen, auch wenn er nicht immer einfach ist – dafür aber hat er die Atmosphäre sowohl der Zeit als auch der verschiedenen Orte sehr gut eingefangen. Und gerade bei den Haftumständen hatte ich viele Bilder vor Augen, so bildgewaltig sind die Beschreibungen.

Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe 4,5 von 5 Sternen – einen halben Stern ziehe ich nur ab, weil mir Elisabeth doch zu negativ dargestellt wurde.

Mein Fazit
Ein opulenter Roman über die drei Grey-Schwestern, die – jede in einem eigenen Kapitel – über ihre Leben berichten, die sehr beeinflusst waren von Königin Elisabeths zum Teil sehr willkürlichen Entscheidungen. Die drei Schwestern sind sehr unterschiedlich, und so sind auch ihre Erfahrungen völlig verschieden – auch wenn man letztlich das Gefühl hat, alle drei verbringen einen Großteil ihres Lebens in Gefangenschaft. Ich gebe diesem unterhaltsamen Roman 4,5 von 5 Sternen, der Abzug ist der negativen Darstellung Elisabeths geschuldet, die bei den Schilderungen Philippa Gregorys wirklich zu keinem Zeitpunkt gut wegkommt.

Um Reich und Krone - Philippa Gregory
Um Reich und Krone
von Philippa Gregory
(5)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Orpheus

Sabine aus Köln , am 23.09.2018

Ich habe das Buch vorab schon testlesen dürfen und war deswegen natürlich mächtig stolz. Im Vergleich zur ersten Rohfassung hat sich ene Menge getan, im positiven Sinne – ich habe die Lektüre wirklich genossen; und wer offen ist für einen anderen, besonderen Stil, der sollte sich „Orpheus“ wirklich mal anschauen.

Ich kann gar nicht sagen, in welches Genre ist das Buch stecken würde – es ist eine Mischung aus Roman, Krimi, Charakterstudie und Essay; auf jeden Fall ist es besonders, und gefallen hat mir, dass es im letzten Drittel dann auch richtig spannend wird und ich das Buch nur schlecht aus der Hand legen konnte. Die erste Hälfte dagegen glänzt nicht durch Spannung, sondern durch die Gedanken und die Wortwahl.

Wer schon „Briefe an die grüne Fee“ kennt, weiß um den außergewöhnlichen Schreibstil des Autors, und auch in diesem Buch erkennt man ihn gut wieder. Ich würde den Stil als blumig und lyrisch bezeichnen, dennoch aber auch direkt und auf den Punkt. An manchen Stellen ist er sehr schnörkelig, an anderen wieder eher plump und hart – es ist eine sehr besondere Mischung, die mich völlig eingenommen hat, in die ich abtauchen und in der ich mich suhlen konnte. Auf jeden Fall entsteht so eine besondere Atmosphäre – sie ist dicht und voll durch Beschreibungen und Metaphern; in manchen Passagen war mir das tatsächlich ein wenig zu viel. Es gibt an einigen Stellen viel zu verdauen und viel Stoff zum Nachdenken – nicht, dass die Geschichte schwer ist, aber die vielen Bilder und Metaphern haben mich immer wieder das Buch zuklappen lassen müssen, um sie sacken zu lassen.

Die Idee der Geschichte ist klasse und auch nach Beenden habe ich noch lange drüber nachgedacht. Das Buch heißt nicht umsonst Orpheus, auch wenn es während des Lesens nicht immer offensichtlich war, warum der Titel so gewählt wurde. Am Ende aber gibt dann doch alles einen Sinn und der Kreis schließt sich zu einem runden Ganzen.

Die Charaktere sind alle gut durchdacht und der Autor nimmt sich Zeit, sie nacheinander vorzustellen. Sie sind alle stark und sehr authentisch – immer wieder habe ich mich gefragt, wie viel autobiographisches da drin steckt – denn die Charaktere wirken echt und wie aus dem Leben gegriffen. Stereotype findet man hier nicht, dafür aber richtige Charakterköpfe, die voller Ecken und Kanten stecken und damit unheimlich glaubhaft und lebendig erscheinen.

Mich hat der Autor auch mit diesem Buch wieder packen können – es ist vor allem sein Stil, den ich unheimlich gerne mag; seine Wortgewalt, die Metaphern und diese dichte, einhüllende Atmosphäre machen das Buch zu etwas Besonderem – es ist sicherlich nicht für jeden geeignet und man sollte sich an schönen Stilen erfreuen können, dann aber erhält man eine wirklich berauschende Sammlung von Bildern, Beschreibungen und Handlungen.

Mein Fazit
Man sollte sich eine Leseprobe gönnen, ob man den Stil des Autors mag, denn der ist besonders mit großer Wortgewalt, wunderschönen Bildern, ernüchternden Metaphern und einer unglaublichen Atmosphäre – mag man das, erhält man eine interessante Mischung aus Roman, Charakterstudie und Krimi. An manchen Stellen war mir die Stimmung zu dicht, trotzdem habe ich die Lektüre genossen und empfehle sie auch gerne weiter, wenn man sich mal auf etwas anderes, Neues einlassen möchte.

Orpheus - Salih Jamal
Orpheus
von Salih Jamal
(5)
Buch (Taschenbuch)
13,60

Das Weingut

Sabine aus Köln , am 02.09.2018

Ich habe mich sehr gefreut, als die Autorin mich ansprach, ihr neues Buch zu rezensieren, denn ich kenne sie von ihren Mittelalter-Romanen, die ich großartig finde. Diesmal entführt sie uns ins Elsass des 19. Jahrhunderts und damit auch in die Zeit des deutsch-französischen Kriegs. Es ist die Geschichte der Weinhändler-Familie Gerban, die ihren Sitz im elsässischen Weißenburg hat. Und die steht tatsächlich auch Im Mittelpunkt, über das Weingut selbst, die Herstellung des Weins und seinen Verlauf erfährt man leider nur sehr wenig. Dabei hatte ich mich gerade auch darauf gefreut, denn die Kulisse ist für mich neu, und ich hatte gedacht, auch darüber mehr Informationen zu erhalten.

Die Geschichte dreht sich um das Dienstmädchen Irene, das unter merkwürdigen Umständen in das Herrenhaus gelangt und sich schon bald in den Sohn des Weinhändlers verliebt. Ihrer Liebe werden Steine in den Weg gelegt, und unter keinen Umständen soll es zur Hochzeit kommen – und da spielt den beiden nicht nur der Krieg ein Schnippchen.

Es beginnt spannend mit einem Prolog, der 15 Jahre vor der eigentlichen Geschichte spielt und der neugierig macht auf das, was noch kommt. Vieles ist dann leider sehr vorhersehbar und ich hätte mir mehr Überraschungen und unerwartete Wendungen gewünscht, trotzdem sind die Seiten rasch dahingeflogen durch den lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei Irene immer den Mittelpunkt bildet.

Sie ist eine sympathische Figur, die leider schnell ihre anfangs erfrischende Neugierde und Keckheit verliert, um zu einer devoten Angestellten zu werden. Gemocht habe ich sie trotzdem und gerade in der zweiten Hälfte habe ich auch mit ihr gelitten und gefiebert – denn da wird ihr ganz schön zugesetzt. Denn nicht alle sind ihr wohlgesonnen, gerade in der Familie Gerban gibt es einige, die intrigant und gemein gegen sie vorgehen. Dabei scheinen gerade der Weinhändler Wilhelm, seine Frau Pauline und Tochter Mathilde mehrere Gesichter zu haben, mal erscheinen sie freundlich und nett, dann wieder hinterhältig und gemein. An manchen Stellen fand ich das überzogen und dadurch nicht glaubhaft, auch wie sich die Figuren entwickeln, war mir zu konstruiert. Aber gerade durch dieses Verhalten kommt in der zweiten Hälfte des Buches richtig Fahrt auf. Auch die Entwicklung und wie die Familie miteinander umgeht, fand ich etwas übertrieben, so dass ich den Fortgang der Geschichte leider nicht sehr glaubwürdig fand. Das Ende ist sehr offen gehalten und es gibt keinen richtigen Abschluss der Geschichte – so bin ich natürlich neugierig auf den 2. Band.

Sehr gut recherchiert sind die Erlebnisse während des Krieges – da ist mir wirklich oft ein Schauer über den Rücken gelaufen, so realistisch beschreibt die Autorin das Geschehen an der Front, aber auch im Lazarett. Und auch die Konflikte der Menschen, die in grenznahen Regionen wohnen, sind sehr gut dargestellt, wer früher noch Freund war, wird plötzlich zum Feind. Die politischen Zusammenhänge bleiben da eher im Hintergrund – das hat mich aber nicht weiter gestört.

Insgesamt hat mich der Roman gut unterhalten, auch wenn vieles vorhersehbar war und mancher Charakter etwas stereotyp geraten ist. Ich gebe daher knappe 4 von 5 Sternen und bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

Mein Fazit
Die Autorin entführt ins Elsass des 19. Jahrhunderts und greift damit eine interessante Zeit auf. Im Mittelpunkt steht aber eine tragische Liebesgeschichte – vom Leben auf dem Weingut erfährt man leider nur wenig. Insgesamt gibt es wenige Überraschungen, trotzdem wurde ich gut unterhalten und durch den lebendigen Schreibstil in eine andere Zeit entführt. Ich gebe knappe 4 von 5 Sternen.

Das Weingut. In stürmischen Zeiten - Marie Lacrosse
Das Weingut. In stürmischen Zeiten
von Marie Lacrosse
(18)
Buch (Paperback)
13,00

Wie Treibholz im Sturm

Sabine aus Köln , am 01.07.2018

Das neue Buch von Daniela Ohms war anders und hatte nicht so einen starken Sog auf mich wie "Winterhonig", trotzdem aber war die Geschichte eindringlich, dicht erzählt und voller Atmosphäre.

Der Klappentext könnte einen denken lassen, es handelt sich um eine rührige Liebesgeschichte im Nachkriegsdeutschland, doch ich habe das ganz anders empfunden. Ja – es gibt auch eine Liebesgeschichte, aber vielmehr steht für mich die Frage der Schuld im Mittelpunkt. Wer hat Schuld am ganzen Kriegsgeschehen, am Leid, das gerade an der Front unbeschreiblich ist, in den Lazaretten, aber auch bei den Hinterbliebenen, die in Schutt und Asche um ihr Leben kämpfen, Hungersnöte und Kälte zu überstehen versuchen; ist mal als Mitläufer nicht auch schuldig oder kann man sich darauf zurückziehen, nur Befehlen gefolgt zu sein; jeder geht anders mit seinem Erlebten um, den einen zerfrisst die Schuld, andere überspielen sie mit bitteren Scherzen, wieder andere schweigen sich aus und versuchen zu vergessen.

Neben Hannah, die nach Schleswig-Holstein auf einen Gutshof evakuiert wurde, nachdem sie ihre ganze Familie verloren hat, stehen im Mittelpunkt noch drei Soldaten, mit denen sie sich eine kleine Dachkammer teilt. Nach anfänglichem Misstrauen und Unsicherheit, entwickelt sich zwischen den ungleichen Menschen langsam so etwas wie Freundschaft, bis sie alle von ihren unterschiedlichen Vergangenheiten eingeholt werden.

Die Geschichte ist sehr ruhig und obwohl es doch viel Schreckliches zu berichten gibt, bleibt die Erzählung leise, dafür aber umso eindringlicher. Sie gibt erschreckende Einblicke in die Nachkriegszeit, was die überlebende Bevölkerung durchmachen musste, wie sie um ihr Überleben hart kämpften. Nur langsam hat sich eine subtile Spannung aufgebaut, und ich muss gestehen, dass mir gerade die erste Hälfte des Buches doch ein wenig zu ruhig war. Dabei sind die Charaktere wirklich großartig gezeichnet – sehr differenziert und fernab jeglicher Klischees, mit Ecken und Kanten, so dass sie sehr authentisch wirkten.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, hauptsächlich steht dabei Hannah im Mittelpunkt. Es gibt aber immer wieder auch Abschnitte, in denen in die Vergangenheit geblickt wird, was einzelne Soldaten im Krieg an der Front erlebt haben; außerdem gibt es Tagebucheinträge, die das Geschehen nochmal aus einer anderen Sicht erzählen. So erhält man als Leser nach und nach ein umfassendes Bild – doch trotz des umfassendes Blicks auf die Dinge steht es mir nicht zu, ein Verhalten zu bewerten oder gar ein „Urteil“ zu fällen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, sehr dicht und voller Atmosphäre. An manchen Stellen war mir die Erzählweise ein wenig zu langatmig, trotzdem waren die Beschreibungen fantastisch und authentisch und vor meinen Augen sind viele Bilder entstanden – jetzt habe ich ein sehr konkretes Bild vom Nachkriegsdeutschland vor Augen.

Im Nachwort geht die Autorin auf die Idee zu diesem Roman ein – und interessant finde ich die Parallele zu den aktuellen Flüchtlingsproblemen. Insgesamt ist auch dieses Buch wieder sehr gelungen, auch wenn es mir trotz aller Eindringlichkeit und Atmosphäre an manchen Stellen zu ruhig und langatmig war. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle es allen, die sich für diesen Zeitabschnitt Deutschlands interessieren.

Mein Fazit
Eine eindringlich und dicht erzählte Geschichte, die ein sehr gutes Bild des Nachkriegsdeutschlands zeichnet; dabei steht die Liebesgeschichte gar nicht so sehr im Vordergrund, vielmehr die Schuldfrage der Soldaten, aber auch die der Hinterbliebenen. Nachdem mir die erste Hälfte ein wenig zu ruhig war, baut sich in der zweiten dann eine subtile Spannung auf – und ab da habe ich mich auch angekommen im Buch gefühlt. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch auf jeden Fall an Interessierte weiter.

Wie Treibholz im Sturm - Daniela Ohms
Wie Treibholz im Sturm
von Daniela Ohms
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Die Ärztin

Sabine aus Köln , am 01.07.2018

Helene Sommerfeld ist ein Pseudonym, und dahinter verbirgt sich ein Autorenduo, das schon viele andere historische Romane geschrieben hat. Die Geschichte ist nicht nur gut recherchiert, sondern auch sehr lebendig erzählt. Kurzum - ich hatte großen Spaß beim Lesen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ricarda, die der Leser im 19. Jh. begleitet, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter. Dabei erhält man nicht zu nur viele Einblicke in die damalige Zeit, die Lebensumstände verschiedener sozialer Schichten und deren Alltag, sondern auch zur Stellung der Frau in der Gesellschaft und speziell auch in der Medizin. Ricarda ist eine sympathische Protagonistin, die ich von Beginn an ins Herz geschlossen habe. Sie ist eine sehr herzliche Person, die sich gerne für die Menschen einsetzt. Sie brennt für die Medizin, und das schon fast bis zur Selbstaufgabe. Zum Glück kriegt sie immer wieder doch noch die Kurve und geht nicht vor lauter Arbeit und Engagement unter. Aber nicht nur Ricarda ist eine sehr gut gestaltete Figur, auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Bei jedem hatte ich ein genaues Bild vor Augen, so gut sind die Figuren gestaltet. Sie sind wunderbar beschreiben, haben eine eigene Geschichte und sind einfach sehr lebendig. Sie sind auch nicht einfach nur gut oder schlecht, sondern jeder hat gute wie auch schlechte Seiten.

Langweilig wird es in der Geschichte nie, dafür passiert einfach zu viel, ohne dass es aber zu rasant wird. Es gibt immer wieder Wendungen und unerwartete Ereignisse, die nicht nur kurzweilig zu lesen sind, sondern auch die Spannung erhöhen. Dass die Medizin dabei im Mittelpunkt steht, kann man sich sicherlich denken – zu medizinisch wird es aber nicht und auch auf abstoßende Beschreibungen hat die Autorin verzichtet. Also auch mit einem empfindlicheren Seelchen kann man sehr gut in diese Geschichte abtauchen und muss keine Angst vor blutigen Beschreibungen haben.

Es ist ein angenehmes Tempo, mit dem die Autorin den Leser durch die Geschichte führt. Lediglich am Ende gibt es eine Wendung, die mir gar nicht gefallen hat, die aber die Geschichte in eine bestimmte Richtung bringt, die anders nicht gelungen wäre. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, denn dann würde ich spoilern – wer das Buch aber gelesen hat, der weiß sicher, was ich meine. Auch wenn diese Wendung notwendig war, um die Geschichte den bestimmten Weg einschlagen zu lassen, hat sie mir nicht gefallen.

Dass es nicht langweilig wurde, liegt aber auch an dem lebendigen Schreibstil. Er ist nicht nur angenehm zu lesen, sondern lässt die Personen zum Leben erwachen – ich zumindest fühlte mich als Teil der Geschichte. Dabei schafft die Autorin eine unglaubliche Atmosphäre die auch zur Zeit, in der die Geschichte spielt, passt.

Nicht so gelungen fand ich dagegen das Ende - streng genommen gibt es gar keines, denn die Geschichte hört einfach mittendrin auf. Zum Glück erscheint der Folgeband schon bald, so dass die Wartezeit nicht zu lange wird. Insgesamt hatte ich aber wirklich schöne Lesestunden und gebe daher gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine wirklich schöne Geschichte, die hier erzählt wird in einem angenehmen Tempo, so dass es nie langweilig wird, aber auch nicht zu rasant. Der Schreibstil ist sehr lebendig, so dass ich richtig in die Geschichte abgetaucht bin. Die sympathische Protagonistin hat es mir zudem noch mal leichter gemacht. Lediglich das Ende hat mir nicht gefallen – einfach weil es keines ist und die Geschichte einfach mittendrin aufhört; aber zum Glück erscheint der Folgeband ja schon bald.

Die Ärztin: Das Licht der Welt - Helene Sommerfeld
Die Ärztin: Das Licht der Welt
von Helene Sommerfeld
(30)
Buch (Klappenbroschur)
9,99

Das Meer so nah

Sabine aus Köln , am 06.06.2018

Die ersten beiden Bücher der Autorin haben mir schon gut gefallen und auch dieses hat meinen Geschmack genau getroffen - Fiona Blum wird langsam zu einer meiner Lieblingsautorinnen.

Es ist vor allem die Atmosphäre, die mich völlig eingenommen hat, diese Mischung aus Hommage an die grüne Insel, Roadmovie und Charakterstudie. Und das Ganze erzählt mit wundervollen Worten, die - ohne schnörkelig zu sein - trotzdem lieblich und herzergreifend sind.

Es gibt mehrere Erzählstränge, die sich immer mal wieder kreuzen, dann aber auch wieder auseinandergehen, dazu auch Rückblicke in die Vergangenheit. Lucy, eine Mathematiklehrerin durch und durch, erfährt durch einen Telefonanruf von ihrem schwerkranken, bis dahin aber nicht bekanntem Vater – sie macht sich auf nach Irland, doch kommt leider zu spät; ihr Vater ist bereits verstorben. Und trotzdem beginnt für die Lucy ein Abenteuer, in dem sie sich selber von einer ganz neuen Seite kennenlernt.

Lucy ist ein skurriler Charakter und vielleicht habe ich sie gerade deswegen auch sofort ins Herz geschlossen. Wirkt sie erst wie eine Mathematikerin, die nur für ihre Zahlen lebt und dadurch sehr spröde und trocken rüberkommt, zeigt sie auf ihrer Reise durch Irland auch noch eine andere Seite – eine liebevolle, berührende und herzliche Art. Und am meisten hat mir gefallen, dass sie sich auf Veränderungen eingelassen hat, sich ihnen stellt und damit einen ganz neuen Lebensabschnitt beginnt.

Aber nicht nur Lucy ist als Figur gut gelungen – in Irland trifft sie auf eine Gruppe alter Freunde ihres Vaters, die alle sehr eigen und schrullig sind – aber sympathisch schrullig und mit dem Herz am rechten Fleck. Nach und nach erfährt man auch von ihnen die jeweiligen Vergangenheiten und kann die eine oder andere Marotte viel besser nachvollziehen. Durch diese Ecken und Kanten wirken sie echt und authentisch – und damit glaubhaft und sympathisch.

Die Geschichte ist – obwohl sie fast einem Roadmovie nahekommt – doch eine ruhige. Und auch wenn es nicht sonderlich spannend ist, entwickelt sie doch eine Sogwirkung, die sich langsam aufbaut, so dass ich im letzten Drittel nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Ich habe mich richtig wohlgefühlt mit den Charakteren, habe die Reise durch Irland mit tollen Beschreibungen richtig genossen und mich der ruhigen und liebevollen Atmosphäre, die im Buch herrscht, hingegeben. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 4 von 5 Sternen. Einen Stern ziehe ich nur ab, weil der Einstieg doch etwas gemächlich war – das hat sich aber zum Glück dann verloren.

Mein Fazit
Eine schöne Geschichte, die den Leser nicht nur in Irland abtauchen lässt, sondern auch wundervolle und gestandene Charaktere bietet, die trotz – oder gerade wegen? – ihrer Ecken und Kanten einfach nur sympathisch sind. Eine tolle Atmosphäre, eine wunderschöne Sprache voller Poesie, die dabei aber keineswegs schnörkelig ist und eine Reise zu sich selbst – zumindest für die Protagonistin. Ich gebe der Geschichte 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch gerne weiter.

Das Meer so nah - Fiona Blum
Das Meer so nah
von Fiona Blum
(9)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,00

Das Haus der Seidenblüten

Sabine aus Köln , am 06.06.2018

Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen, nachdem mir das Debut der Autorin so gut gefallen hatte - dieses Buch konnte mich leider nicht überzeugen..
Die Geschichte spielt in London, Mitte des 18. Jahrhunderts. Die junge Anna kommt vom Land in die Stadt, um dort in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Doch sie interessiert sich viel mehr für den französischen Seidenweber Henri – aber der entspricht nicht den Vorstellungen der Familie. Doch die Einwanderer haben es nicht leicht in England und bald gerät Henri in Gefahr.
Irgendwie hatte ich gedacht, es wäre nicht eine reine Liebesgeschichte, sondern das Seidenweben und auch die politischen Geschehnisse ständen mehr im Vordergrund. Zwar wurde davon auch berichtet, dennoch war es vor allem Annas Leben in London mit seinen gesellschaftlichen Zwängen, das den Mittelpunkt der Geschichte bildete. Und so waren die ersten 2 Drittel der Geschichte auch sehr langatmig, ich habe alles als reines Geplänkel empfunden, weil einfach nicht viel passierte. Zwar habe ich so noch einmal nette Einblicke in das gesellschaftliche Leben Londons im 18. Jahrhundert erhalten, aber gefesselt war ich davon leider nicht. Erst im letzten Drittel kommt richtig Bewegung in die Geschichte, es wird spannend und damit auch packender – und trotzdem war es auch hier die Liebesgeschichte, die eigentlich der Dreh- und Angelpunkt war. Interessant war dann aber doch die Art und Weise, mit der die Protagonistin Anna ihre Interessen durchsetzt – eigentlich wirkte sie vorher eher zurückhaltend und schüchtern, sehr lieb, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Dass sie dann so ganz andere Geschütze auffährt, hätte ich nicht erwartet.
Die Figuren sind gut gezeichnet und gerade Anna und ihr Henri sind beide sympathische Charaktere. Sie hatten jetzt nicht unbedingt große Ecken und Kanten, waren lieb und umgänglich, was sie auch ein wenig langweilig dastehen ließ. Das hat sich erst im letzten Drittel etwas gewandelt, als Bewegung in die Geschichte kommt und die das schon lange vorhersehbare Ende dann auch tatsächlich eintritt.
Der Plot war leider für mich nicht fesselnd, und dass ich drangeblieben bin an der Geschichte lag vor allem auch an dem Schreibstil, der wirklich schön und eingehend ist, angenehm zu lesen, ohne große Schnörkel, dabei aber doch warm und gewinnend.
Leider hat mich das Buch insgesamt nicht überzeugen können, es war nett, aber letztlich nur eine einfach Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund. Ich kann daher leider nur knappe 3 von 5 Sternen vergeben.

Mein Fazit
Leider hat mich dieses Buch enttäuscht – ich dachte, einen komplexen Roman über das Seidenweben und die französische Einwanderer im 18. Jahrhundert in England zu erhalten, letztlich war es aber nur eine einfache Liebesgeschichte. Zwar gab es liebenswerte Charaktere und einen angenehmen Schreibstil, gerade die ersten zwei Drittel fand ich aber sehr langatmig. So kann ich leider nur knappe 3 von 5 Sternen vergeben.

Das Haus der Seidenblüten - Liz Trenow
Das Haus der Seidenblüten
von Liz Trenow
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Das Schweigen der Bienen

Sabine aus Köln , am 03.04.2018

Das Cover hat mich neugierig gemacht, der Klappentext lässt dann an einen Krimi denken – doch auch wenn es um die Suche nach einem Mörder geht, ist die Geschichte doch eher eine ruhige, die leise und eindringlich erzählt wird und erst am Ende richtig an Fahrt aufnimmt.

Sam und Olli haben ihre Mutter verloren und ziehen nun zu ihrem Vater Bear, der in einem Zelt lebt und sein Geld mit der Bienenzucht verdient. Als eine junge Frau ermordet aus dem Fluss gezogen wird, denken alle, der exzentrische Bear ist der Mörder – und alles scheint auch auf ihn als Täter hinzuweisen. Nur die fünfzehnjährige Sam glaubt an seine Unschuld.

Auch wenn die Geschichte erst auf den letzten 50 Seiten richtig spannend wird und ich das Buch da dann auch kaum aus der Hand legen konnte, haben mir auch die Seiten davor gut gefallen, die sehr eindringlich sind und mich in diese ganz andere Welt entführt haben. Intensiv, aber dennoch ruhig erzählt die Autorin von der Vergangenheit der Mädchen, von ihrem neuen Leben auf der Weide und von den neuen Nachbarn und Freunden. Die Beziehung zwischen den beiden Geschwistern Sam und Ollie ist dabei eine ganz besondere. Während Sam eher robust und selbstbewusst auftritt und gerne mal nach vorne pirscht, ist die zehnjährige Olli ganz zurückhaltend – was auch daran liegt, dass sie seit dem Tod der Mutter nicht mehr spricht. Den Mystery-Anteil habe ich jetzt nicht so gemocht, richtig störend fand ich ihn aber auch nicht, zumal er zwar eine Rolle spielt, die Geschichte aber auch ohne ihn glaubhaft erscheint. Olli ist sehr sensibel und feinsinnig und steht so in großem Gegensatz zu Sam.

Aber auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet, einfach Menschen mit Ecken und Kanten. Ich konnte sie mir alle gut vorstellen und fand sie sehr authentisch.

Der Schreibstil ist toll – nicht nur angenehm zu lesen, sondern voller Kraft und Atmosphäre, eindringlich und oft auch voller Poesie. Gerade die Beschreibungen der Landschaft oder auch der Handlungen verschiedener Leute habe ich sehr genossen.

Während es die ersten dreiviertel des Buches eher ruhig und leise zugeht, dabei aber nie langweilig ist, steigt die Spannung am Ende rasant an. Ich fand, das Finale hat nicht zur restlichen Geschichte gepasst, auch wenn es wirklich gefesselt hat und ich das Buch hier kaum mehr aus der Hand legen konnte. Mir erschien die Auflösung eher konstruiert und leider nicht nachvollziehbar – zu sehr hat es die Autorin hier für mich auf „Schockmomente“ angelegt. Trotzdem hat mir die Lektüre insgesamt gut gefallen, deshalb gebe ich gerne 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine leise, dafür aber eindringlich Geschichte, die eine subtile Hintergrundspannung enthält und erst im letzten Viertel richtig an Fahrt aufnimmt. Tolle Charaktere und ein beeindruckender Schreibstil haben mir viel Lesefreude geschenkt. Nur das Ende und die Auflösung waren mir zu konstruiert – trotzdem fühlte ich mich gut unterhalten und gebe 4 von 5 Sternen.

Das Schweigen der Bienen - Valerie Geary
Das Schweigen der Bienen
von Valerie Geary
(4)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Die bittere Gabe

Sabine aus Köln , am 21.03.2018

Ich war mir nicht sicher, ob mich diese „Zirkusgeschichte“ wirklich packen könnte, trotzdem war ich neugierig, weil mir die anderen Bücher der Autorin gut gefallen hatten – und tatsächlich hat mich die Autorin mit ihren beiden Erzählsträngen, die nach und nach ineinandergreifen, fesseln und auch unterhalten können.

In den 30er Jahren ist Lilly die Protagonistin, die die ersten 10 Jahre ihres Lebens auf einem Dachboden versteckt wird, weil sie ein Monster sei und die Menschen sich bei ihrem Anblick erschrecken würden. Als sie von ihrer Mutter zu einem Zirkus gebracht wird, ahnt sie noch nicht, was ihr noch alles geschehen wird.

In den 50er Jahren erbt Julia überraschenderweise ein Anwesen – beim Aufräumen entdeckt sie mehrere Unterlagen, die ein Geheimnis bergen. Und je mehr sie in diese Geschichte eintaucht, umso mehr unglaubliches kommt zutage – und das macht auch vor ihrem eigenen Leben keinen Halt.

Mich hat die Geschichte von Anfang an packen können – sowohl der Erzählstrang von Lilly als auch der von Julia. Während ich bei Lilly eher bedrückt und erschüttert war, bei dem, was sie durchmacht und erleben muss, ist es bei Julia eher spannend, und ich habe mitgerätselt bei all den Hinweisen, die sie nach und nach findet.

Mit Lilly habe ich gelitten – nicht nur, dass sie auf einem Dachboden eingesperrt aufwächst, auch ihre Zeit im Zirkus ist alles andere als leicht. Sie macht eine unglaubliche Entwicklung vom kleinen, schüchternen Mädchen zur gestandenen, selbstbewussten jungen Frau durch, die mich an mancher Stelle doch verwundert hat. Den Grund, warum sie in einer kleinen Kammer aufwachsen musste, fand ich nicht sonderlich glaubhaft, auch nicht für die Zeit, in der dieser Erzählstrang spielt. Trotzdem aber war ich davon natürlich berührt.

Für die Zeit m Zirkus hat die Autorin sich viel Zeit genommen – sie beschreibt ausführlich, wie es im Zirkus zugeht, erzählt von anderen „Artisten“, den sogenannten Freaks, deren Lebensumständen und den Tieren, die zwar liebevolle Pfleger haben, trotzdem aber gequält und zu Kunststücken gezwungen werden. Mir waren die Beschreibungen ein wenig zu langatmig, auch wenn sie natürlich viele Bilder im Kopf haben entstehen lassen und einen guten Einblick zum Zirkusgeschehen in der damaligen Zeit gegeben haben – dafür ist die Handlung ein wenig zu kurz gekommen, und Lillys Erzählstrang bleibt ein wenig auf der Stelle stehen.

Anders ist das bei Julia, die immer wieder neue Puzzlesteine findet, die zur Lösung des Geheimnisses um ihre Familie beitragen. Dieser Erzählstrang ist spannend und lädt zum Mitraten ein – denn erst nach und nach wird klar, wie die beiden Erzählstränge miteinander verbunden sind und wie Lilly und Julia zueinander stehen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, wirkt an manchen Stellen vielleicht ein wenig „hochgestochen“, was für mich nicht zur Geschichte gepasst hat. Bei manchen Beschreibungen hatte ich das Gefühl, dass die Autorin unbedingt poetisch klingen wollte, was aber etwas gekünzelt gewirkt hat – große Teile aber sind sehr lebendig geschrieben und haben auch die ganz eigene Atmosphäre des Zirkus‘ einfangen können.

Das Ende hat mir dann leider nicht gefallen – das war mir einfach zu viel der unglaublichen und schrecklichen Geschehnisse und wirkte auf mich konstruiert. Trotzdem hat mich das Buch insgesamt fesseln und unterhalten können, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Mein Fazit
Eine packende Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt und den Leser in die ganz eigene Welt des Zirkuslebens in den späten 30er Jahren entführt. Ich habe mich in beiden Erzählsträngen wohl gefühlt und mit den Charakteren gelitten – an manchen Stellen war es mir dann aber zu viel dessen, was ein Mensch aushalten soll, so dass ich einiges dann nicht mehr glaubhaft fand. Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Die bittere Gabe - Ellen Marie Wiseman
Die bittere Gabe
von Ellen Marie Wiseman
(17)
Buch (Taschenbuch)
11,00

Drei Schwestern am Meer

Sabine aus Köln , am 21.03.2018

Die Autorin hat es geschafft, eine Insel-Stimmung zu schaffen und in mir den Wunsch geweckt, sofort nach Rügen zu reisen; die Geschichte selber hat mich dagegen leider nicht ganz überzeugen können.

Im Mittelpunkt stehen die ganz unterschiedlichen Schwestern Rina, Jana und Pia, die sich bei ihrer Großmutter auf Rügen treffen, nachdem diese ins Krankenhaus geliefert werden musste. Jede der dreien hat zudem noch ein eigenes Päckchen zu tragen, und dann gibt es auch noch ein Familiengeheimnis, dass die drei aufzulösen versuchen. Warum hat Oma ihren drei Enkelinnen nicht früher davon erzählt?

Erzählt wird die Geschichte aus Rinas Sicht in Ich-Form, so dass man gerade ihre Gedanken und Gefühle gut kennenlernt und sich auch gut in sie hineinversetzen kann. Dabei ist der Schreibstil leicht und locker, sehr angenehm zu lesen, und er kann diese besondere Insel-Atmosphäre von Rügen wunderbar einfangen.

Alle drei Schwestern waren mir gleich sympathisch, so unterschiedlich sie auch sind. Rina steckt gerade sowohl in einer beruflichen als auch privaten Krise und muss für sich einige Entscheidungen treffen; eigentlich lebt sie in Berlin, erkennt aber bald, dass sie sich mit Rügen tiefer verbunden fühlt, als sie sich bisher eingestanden hat. Auch Pia und Jana mochte ich gerne – und auch die beiden tragen einige, eher private Probleme mit sich rum. Doch als Geschwister-Trio sind die drei unschlagbar – sie stehen zueinander und helfen sich gegenseitig aus der Misere.

In der Geschichte gibt es unglaublich viele Probleme, die zunächst unüberwindbar erscheinen. Letztlich lösen sie sich dann aber fast von alleine auf – und das ist auch mein Kritikpunkt an der Geschichte, denn ich fand das leider nicht glaubwürdig und zu konstruiert. Die drei Schwestern treffen immer genau auf die richtigen Menschen, die ihnen wohlgesonnen sind, ihnen sofort zur Seite stehen und zudem auch noch immer „Gutmenschen“ sind. Hier haben mir ein paar Ecken und Kanten gefehlt, um die Charaktere für mich authentischer wirken zu lassen. Auch der Schreibstil hat für mich nicht zur Geschichte gepasst. So angenehm er auch zum Lesen war, so wenig hat seine Leichtigkeit und Beschwingtheit zu den vielen Problemen der verschiedenen Figuren gepasst.

Insgesamt habe ich die Insel-Atmosphäre im Buch wirklich gemocht und am liebsten würde ich sofort nach Rügen aufbrechen, der Plot hat mich dagegen nicht so begeistern können. Ich gebe daher gute 3 von 5 Sternen, werde die Autorin aber weiter im Auge behalten.

Mein Fazit
Wer Inselatmosphäre schnuppern möchte, ist mit diesem Roman sicherlich gut bedient, denn die hat die Autorin wunderbar einfangen können. Auch der Schreibstil ist wunderbar, locker und beschwingt – passt aber leider für mich nicht zu der Geschichte, die doch einiges an Problemen bietet, die sich dann alle fast schon wie von selber lösen. Ich fand das leider nicht glaubwürdig und gebe daher insgesamt gute 3 von 5 Sternen.

Drei Schwestern am Meer - Anne Barns
Drei Schwestern am Meer
von Anne Barns
(45)
Buch (Taschenbuch)
9,99

 
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