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Sharon Baker aus Mönchengladbach

Gesamte Bewertungen 239 (ansehen)


Über mich:
Rezensentin www.sharonbakerliest.de

Meine Bewertungen

Nervenaufreibend, schonungslos & spannend ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 11.06.2019

Elias und Laia ist es gelungen, ihren Bruder aus dem Gefängnis zu befreien, aber unter welchen Opfern. Elias ist nun der Seelenfänger und muss sich um die Geister der Verstorbenen kümmern. Dazu muss er sich einer uralten Macht unterwerfen, sich und alles Weltliche aufgeben, auch seine Liebe. Laia muss sich den Nachtbringer stellen und für ihr Volk kämpfen. Tja und dann haben wir noch Helena, die an allen Fronten gefordert wird. Sie muss ihre Schwester beschützen, dann die Aufgaben des verrückten Imperator Marcus ausführen und zu guter Letzt, die Menschen vor einem Blutbad bewahren. Die Dunkelheit braut sich zusammen und ein Sturm zieht auf. Kann Laia den Nachtbringer bezwingen? Wird Helena ihrer Aufgabe gerecht werden? Und kann Elias zwischen zwei Welten wandeln?

Diese Reihe hat wirklich eine ganz eigene Welt und ist eine der Besten der letzten Jahre. Begonnen hat das alles mit einem Band, der ursprünglich als Stand-Alone galt, und nun sind wir schon bei Band drei und ein vierter soll folgen. Ich bin ja so gespannt gewesen, wie die Autorin hier die Strippen weiterentwickelt und da sie so gern, böse Cliffhänger am Ende einbaut, auch wie es mit den Helden weitergeht. Ob ich auf meine Kosten gekommen bin, erzähle ich euch nun.

Der dritte Band knüpft auch direkt an den zweiten an und wir geraten mitten in einen Hinterhalt. Dieser Auftakt ist schon ein böses Omen und genau so ist dieser Band, ein Kampf für unsere Protagonisten. Laia ist mit ihrem befreiten Bruder Darin unterwegs, sie versuchen sich gegen das Imperium aufzulehnen, um die Kundigenstämme zu beschützen. Aber vor allem möchte Laia den Nachtbringer aufhalten, denn ihre Schuld von damals lastet sehr auf ihr. Zur gleichen Zeit kämpft Elias im Dämmerwald einen ganz anderen Kampf. Er hat sich als Seelenfänger verpflichtet, die Geister der Verstorbenen in die nächste Welt durchzuschleusen, das gelingt ihm aber nur mäßig, weil er noch viel zu sehr an seinem Menschendasein hängt. So braut sich in der Zwischenstadt ein Tumult auf und die Geister wollen dieser entfliehen, was für die Menschen überall eine tödliche Gefahr darstellt. Tja, und dann haben wir noch unseren Blutgreif, Helena muss an so vielen Stellen die Übersicht behalten, das sie kaum dazu kommt zu schlafen. Sie muss sich den fragwürdigen Befehlen vom Imperator Marcus beugen und Dinge tun, die sie eigentlich vermeiden möchte. Außerdem will Helena gern Keris Veturia stellen, denn wenn sie an die Macht kommt, ist es ein Untergang für alle im Imperium vorprogrammiert.

Jeder der drei kämpft somit an unterschiedlichen Stellen, selten haben sie eine Szene zusammen und trotzdem tragen sie die ganze Geschichte. Diese Protagonisten treffen Entscheidungen, jeder mit einer anderen Sicht auf die Gefahr und gerade deshalb sind sie für den Ausgang der Geschichte so wichtig.

Wenn man das Buch in vier Worten zusammenfassen müsste, würden mir diese dazu einfallen: Das Imperium schlägt zurück. Der dritte Band ist somit, einfach nervenaufreibend. Beim Einstieg merkte ich schon, das mein vergangenes Wissen mich etwas im Stich lies und da es keine wirklichen Wiederholungen gibt, hatte ich an der einen oder anderen Stelle, ein kleines Erinnerungsloch, aber das hat meinen Lesefluss nicht gestört, ich musste, nur kurz grübel, wie es damals noch gleich gewesen war. Aber wirklich groß Zeit ließ ein dieses Buch nicht dazu. Dadurch, das alle drei ständig in Bewegung sind, von der Dunkelheit eingenommen zu werden, kommt man kaum zum Luftholen. Man konnte sich auch gar nicht, auf eine einzige Stimme freuen, denn alle drei machen einen Horrortrip durch und versinken regelrecht in einem Abwärtsstrudel und bekommen keinen Rettungshalm zu greifen. Wie auch in den ersten Bänden nimmt die Autorin hier kein Blatt vorm Mund, sie lässt uns schonungslos und brutal den Verlauf der Geschichte verfolgen und wir müssen dem verzweifelt zusehen, wie alle drei in den Abgrund stürzen. So viele Schreckensmomente, so viel Gänsehaut und so viel Dunkelheit, hach mein armes Herz. Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu und am Ende ist man hoffnungslos, wie will die Autorin hier noch den Bogen bekommen, aber wie sagt man so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt, oder das kann einfach nicht das Ende sein.

Sabaa Tahir hat es wieder geschafft mich in diese grausame Welt hinein zuziehen, mich atemlos zurück zulassen und einfach mit ihren Figuren mitfiebern zu lassen. Ihre drei Helden sind verflucht gute Charaktere, die unglaublich mitreißen und vielschichtig dargestellt sind, das gibt der Geschichte noch eine ganz andere Größe. Für mich ein absolut guter dritter Band, der mich böse überrascht hat und einen wirklich das Herz bricht. Nun heißt es warten, aber bitte bitte nicht zu lang. BITTE!

In den Fängen der Finsternis ist ein würdiger dritter Teil, der die Geschichte in die Höhe treibt und einen mit den Figuren abstürzen lässt. Böse, brutal und schonungslos. Das Böse schlägt hier zu, aber eine klitzekleine Hoffnung lebt.

Elias & Laia - In den Fängen der Finsternis - Sabaa Tahir
Elias & Laia - In den Fängen der Finsternis
von Sabaa Tahir
(20)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Charmant, Magisch & so geistreich ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 02.06.2019

Im Haus auf der Rue Edgar-Charellier Nr. 18 wurde eingebrochen und seine Bewohner aufgeschreckt. Hubert im Keller eingeschlossen, Abby und Julien wurden dann von dem amerikanischen Tourist Bob zu Hilfe gerufen und damit sich die Nerven beruhigen, trinken sie alle einen guten Tropfen aus dem Jahr 1954. Nichtsahnend, das sie alle am nächsten Tag im Jahre 1954 aufwachen würden, in dem Jahr, aus dem der Wein entstammt. Die Welt hat sich verändert, Paris in den Fünfzigerjahren ist ein anderes. Jeder der vier, trifft die Erkenntnis anders, hat aber einige überraschende Begegnungen parat. So tauchen im Laufe des Tages einige schillernde Persönlichkeiten der Zeit auf und wirbeln die Zeitreisenden durcheinander, so kostet Audrey Hepburn einen Drink, Edith Piaf isst mit ihnen zu Abend und Bob hat vielleicht sogar eine erleuchtende Situation. So ist der Tag nicht nur Chaos, sondern auch magisch und bringt die Vier dazu, über sich selbst nach zudenken und seine Gefühle zu sortieren. Aber wie kommen Sie in die Gegenwart zurück? Oder ist das alles nur ein Traum?

Ich liebe die Bücher von Antoine Laurain und das ist eigentlich kein Geheimnis. Er hat einfach einen unglaublichen Sound und sein Humor ist einfach geistreich, dann ist doch auch klar, dass ich sein neustes Werk lesen musste. Hier gibt es immer eine Wohlfühlgarantie und Unterhaltung de luxe. Ob ich nun auch in die 50 ziger reisen möchte, erzähle ich euch nun.

Wir lernen und begleiten in dieser Geschichte vier Personen und jeder hat so seine eigene Vergangenheit. Da haben wir Hubert, er ist Immobilienverwalter und der Mann, der alles über das Haus in der Rue Edgar-Charellier weiß. Das liegt daran, dass seine Familie auch die Erbauer waren, nur ist das komplette Haus nicht mehr in familiärer Hand, sondern nur noch seine Wohnung. Das matert ihn ein wenig und auch diese sagenumwobene Geschichte von dem verschollenen Onkel. So ist Hubert, ein spießiger gemachter Mann, den alle Bewohner kennen, seine Sprüche nachplappern können, aber richtig nah an sich herankommen, lässt er keinen. Dann haben wir Magalie, sie ist Restaurateurin und liebt es, Dinge wieder zusammenzusetzen, das liegt vielleicht daran, was sie schon alles verloren hat, nämlich ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall und ihre Tante. Aber sie ist auch optisch anders, als die anderen, denn ihr Style ähnelt einer TV-Figur, der Abby aus Navy CIS und deshalb wird sie auch nur Abby genannt. Somit kommen wir direkt zu Julien, dem neusten Zugang im Haus, ein junger Barkeeper, der sich den Cocktails verschworen hat und in Magalie schwer verliebt ist, aber nicht weis, wie er es ihr zeigen soll. In seiner Familiengeschichte gibt es einen verschwundenen Großvater, der einmal im Leben den besten Wein gemacht hat, und das war 1954. Und zu guter Letzt, Bob aus Amerika, er war Ingenieur bei Harley Davidson und wollte mit seiner Frau immer nach Paris reisen, nun ist sie sterbenskrank, aber der Traum soll nun erst recht wahr gemacht werden. Direkt in Paris hat er schon eine aufregende Begegnung und das soll nicht seine letzte sein.

Antoine Laurain ist ein unglaublich charmanter Geschichtenerzähler mit der gewissen Prise des Besonderen. Diesmal hat er wirklich einen sehr interessanten Mix an Persönlichkeiten geliefert und gezeigt, wie facettenreich er sein kann und das er auch das aktuelle Weltliche gut mit verpacken kann. Vom richtigen Amerikaner mit Bikerweste bis zum snobigen Franzosen ist alles Vertreten und was diese alles erleben. Aber beginnen tut die Geschichte im Jahre 1954 mit einer Begegnung der dritten Art und einem Wein, der eine Zeitreise auslöst. Dieses Buch ist wie eine Tüte Bertie Botts Bohnen, man weiß nie, welche Geschmacksrichtung man erwischt und welche Geschichte dann erzählt wird und doch hängt alles irgendwie zusammen und verschmilzt miteinander. So haben wir hier vier verschiedene Lebenswege und jeder bekommt seinen eigenen Platz in der Geschichte, aber wir haben da auch Paris. Ein anderes Paris, ein pulsierendes, ein überschäumendes und ein lebendiges Paris der 50 ziger Jahre. Man spürt sofort die Veränderung, man kann es sogar durch die Buchseiten riechen und man schwebt regelrecht dahin. Wie schafft es der Autor nur mit wenigen Worten, solch ein Gefühl auszulösen, einfach großartig, dazu die kleinen und großen Persönlichkeiten der damaligen Zeit geschickt einfließen zu lassen und einem beim Lesen ein euphorisches Gefühl auszulösen. Herrlich, großartig, gekonnt.

Ein Tropfen vom Glück ist wie ein Film, oder es sollte einfach verfilmt werden. Diese Geschichte wäre perfekt dafür, mit dem Charme und den Witz, dazu noch die perfekte Kulisse und wir hätten einen würdigen Mix aus Amelie und Woody Allens Midnight in Paris. Ich glaube, ich muss es einfach nochmals lesen, um alles noch einmal zu erleben. Antoine Laurain bleibt für mich einfach der französische Lieblingsautor der einen berührt, aufmerksam macht und uns den Wechsel der Zeit am schönsten beschreibt. Charmant, witzig und geistreich, jetzt möchte ich auch wieder nach Paris.

Ein Tropfen vom Glück - Antoine Laurain
Ein Tropfen vom Glück
von Antoine Laurain
(67)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Rasant, filmreif und unterhaltend ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 26.05.2019

Im Kopenhagener Kunstmuseum wird ein aufsehenerregender Gemäldediebstahl verübt und somit das teuerste Gemälde Dänemarks gestohlen. Dabei geht nicht nur eine Wand des Gebäudes kaputt, nein, ein Wachmann überlebt diesen Überfall auch nicht und ein Dieb bleibt am Tatort zurück. Seine Identität lässt auf den Auftraggeber, den Mafiaboss Nebojsa Savic schließen und dieser möchte wohl einen Machtwechsel demonstrieren, denn das Gemälde ist eine Leihgabe von Brian Frost, dem König von Kopenhagens Unterwelt. Nur gibt es noch ein Problem, denn im Werk ist ein Mechanismus vorhanden, der das Bild zerstört, sollte es nicht rechtzeitig zurückgehängt werden. Brian Frost, kennt nur einen, der ihm bei der Zurückbeschaffung helfen könnte, und zwar den besten Freund seines Sohnes, Tom Grip. So muss Tom sein Leben auf der Flucht beenden und nach vier Jahren wieder selbst in Aktion treten, denn er war einer der besten Kunstdiebe überhaupt. Er nimmt den Auftrag an, für seinen verstorbenen Freund und reist nach Kopenhagen. Wird er den Tätern auf die Schliche kommen? Kann er das Gemälde retten? Und kann er sich mit seinen Schuldgefühlen aussöhnen?

Der Verlag wirbt mit den Worten, dass es sich hier um ein atemberaubendes Thriller-Debüt handelt, was zugleich in der Kunstszene und im Mafia-Milieu spielt. Der Autor soll, in seiner Heimat dafür euphorisch gefeiert worden sein und aus der Figur Tom Grip soll somit direkt eine Reihe entstehen. Klingt doch interessant, bei solchen Worten werde ich hellhörig und sehr neugierig, also habe ich ein Ticket nach Kopenhagen gelöst und bin durch die Buchseiten geflogen. Ob es mir auch gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Tom Grip ergreift auch direkt das Vorwort und erzählt uns, das er für den Tod von fünf Menschen verantwortlich ist und nun seine Geschichte erzählt. Und dann geht es los, mit einem neuen Kunstdieb, der sich selbst Peruggia nennt, ein netter Einfall, denn der echte Vincenzo Peruggia hat 1911 die Mona Lisa aus dem Louvre geklaut. Dieser hier hat aber etwas ganz anderes vor und spielt im wahrsten Sinne des Wortes ein raffiniertes Doppelspiel. Erst dann verschlägt es uns nach Porto, und zwar zu Tom Grip, der nach seinem letzten Coup abgetaucht ist und nun seine Tarnung auffliegt, denn er wird gefunden und das geht nicht gut aus. Aber erst im Casino in Lissabon wird er sein Einsiedlerleben überdrüssig und stellt sich der Gefahr. Während dessen passiert der Überfall in Kopenhagen und das berühmteste Bild verschwindet von der Bildfläche.

Mehr zum Inhalt mag ich gar nicht sagen, sonst würde ich einfach zu viel verraten, da muss man sehr aufpassen, denn alle Strippen hier sind ineinander verflochten. Der Kunstdiebstahl wird hier auf das Spektakulärste beschrieben. Coole Sprüche, dumme Kraftprotze, jede Menge Mafia Gebärden. Der Rubel muss rollen und die Macht muss dem Richtigen gehören und da fährt man den amtierenden Boss an die Karre, alle Klischees erfüllt. Dann die Erkenntnis der Bösen, dass bei ihnen auch was nicht richtig läuft und somit wird der korrupte Polizist engagiert. Während man hier also losprescht, hingt Tom Grip hinterher und das ist so ein bisschen mein Knackpunkt an der Geschichte, denn seine Aktionen bei diesem Kunstdiebstahl befinden sich im letzten Drittel der Geschichte, davor lesen wir einfach seine Lebensgeschichte und das ist zwar interessant und muss man wissen, um das große Ganze zu verstehen, hat sich aber doch für mich ein bisschen in die Länge gezogen. Somit wurde aus dem knackigen Start, eine etwas längere Durststrecke.

Überhaupt hat mich Philip Birk überrascht, denn sonst sind die Skandinavier doch etwas trocken, ernster und melancholischer, hier hat man aber das Gefühl einen Actionfilm zu sehen, oder einen Agententhriller, das Einzige was abweicht, ist, das hier ein Gemälde im Mittelpunkt steht. Die Szenen sind manchmal etwas überladen und ein bisschen zu viel gewollt, aber wer solche Filme gern guckt, ist hier auch bestens bedient. Das Zweite was mich am Ende hin etwas gestört hat, war seine Lösung, die war für mich zu dick aufgetragen und das Doppelspiel der Doppelspiele, einfach zu viel des Guten. Trotzdem war es ein gutes Thrillerdebüt, überraschend anders, als erwartet, viel frischer und lockerer, dabei eine gute Portion Humor und fertig ist Tom Grip. Ziemlich unterhaltsam und für alle die sich gern noch einen 007 Schinken anschauen.

Operation Peruggia ist eine Mischung aus Mafia-Milieu und Agententhriller, nur eben ohne Agent und mit einem Kunstdieb. Action geladen, gekonnt verstrickt und sehr unterhaltend.

Operation Peruggia - Philip Birk
Operation Peruggia
von Philip Birk
(2)
Buch (Klappenbroschur)
15,00

Locker, witzig und wie ein Urlaub zwischen den Buchseiten ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 17.05.2019

Maya ist eine beliebte Reisebloggerin, ständig unterwegs, nie lange an einem Ort und sie will immer mehr. Da wird geplant und schon gebucht, aber der Moment nicht mehr genossen. Allerdings gibt es einen Ort auf der Welt, den sie niemals betreten möchte: La Gomera. Nun passiert aber etwas unplanmäßiges, denn Maya wird von der einen Nacht mit Tobi schwanger und bevor sie sich endgültig entscheidet, möchte sie es ihm sagen. Kurzum sucht sie ihn und Tobi hält sich genau an dem einen Ort auf, den sie nie betreten wollte. Nun fliegt sie widerwillig auf die Kanareninsel und muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Noch ahnt sie nicht, was diese Reise für Auswirkungen haben wird. Warum will sie nicht nach La Gomera? Warum kann Maya nie an einem Ort bleiben? Und wird die Insel sie verzaubern?

Ich bin von der Autorin, ein Leser der ersten Stunde und ich mag einfach ihre Geschichten. Diese sind leicht, mit Humor und trotzdem gehen sie oft tiefer als erwartet. Außerdem kann man so richtig schön mit den Büchern reisen, man schlägt die ersten Seiten auf und ist im Urlaub, herrlich für Körper und Geist, wenn einem so ein tolles Urlaubsfeeling durchströmt. Ob das hier auch der Fall war, erzähle ich euch nun.

Wir lernen Maya gar nicht zuerst kennen, sondern im Prolog, Karoline und diese steht bei Wind und Sturm mit einem Korb am Wasser und wartet begierig darauf die Insel zu verlassen. Die Fracht ist kostbar und der Schrecken tief, aber Karoline muss stark sein, für die kleine Hand, die sie hält. Das ist doch mal ein Auftakt, der direkt mit schlimmen rechnen lässt und die Spekulationen kreisen. Was ist da bloß passiert. Erst dann, 32 Jahre später, lernen wir die erwachsene Maya kennen. Sie ist mit ihrer besten Freundin im Taiwan und besucht ein Laternenfest und auch dort begegnet sie Tobi und verbringt eine Nacht mit ihm. Wie wir ja schon wissen, mit Folgen. Aber man spürt direkt, dass Maya nicht glücklich ist, dieser Drang, immer erfolgreicher, immer mehr zu bieten, immer schnell durch die Welt zu reisen, hinterlässt Spuren. Maya ist nicht wirklich im Gleichgewicht und diese Schwangerschaft kommt für sie überhaupt nicht in Frage, was soll sie bloß mit einem Kind, bei ihrem Lebensstil. Tja, und dann muss sie auch noch auf La Gomera, dort wo ihre Mutter lebt, nein, ihre Adoptivmutter um genau zu sein. Die ihr nie die Wahrheit gesagt hat und der sie einfach nicht verzeihen kann. Aber sie fährt und versucht ganz erwachsen, allem aus dem Weg zu gehen. So versteckt man sich auch mal hinter einen Busch, oder sprintet einfach davon. Maya ist keine einfache Figur, zwischen trotzig, bockig, bei ihr ist da viel verletzter Stolz und eine große Leere in ihr, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben.

Katharina Herzog nimmt uns diesmal auf eine Kanareninsel mit, und zwar La Gomera, ehrlich, von der hatte ich irgendwie noch gar nicht gehört, aber sie klingt richtig toll. Dort haben sich wohl viele Aussteiger und Künstler niedergelassen. Dazu ist die Insel auch extrem abwechslungsreich, Strände und Meer, aber Inselmittig ein wahrer Dschungel an Grün. Diese Gegensätzlichkeit, verbindet auch die Geschichte, denn eigentlich gibt es zwei, denn in Rückblenden wird auch die Vergangenheit von Karoline beleuchtet. Die als junge Frau die Insel besuchte und sich nicht nur in den Ort, sondern auch in einem jungen Mann verliebte und doch mit einem Kind in Hamburg allein lebte. Während Karoline wieder auf La Gomera lebt und dort als Therapeuten arbeitet, versucht Maya, um die Insel einen großen Bogen zu machen, ohne zu ahnen, wie wichtig dieser Ort auch für sie ist. So haben wir eine einsame Frau, die sich nach der Nähe ihres Kindes sehnt und eine junge Frau, die kindisch vor einer Aussprache davon läuft. Nun ändert sich aber alles und Maya muss ihr Leben in die Hand nehmen.

Mir hat die Mischung richtig gut gefallen, der Anfang war, einfach herrlich zu lesen, denn Maya werden direkt die Besonderheit der Insel präsentiert, mit Hippies, Kiffern und Yogalehrerin. Zum einem schmunzelt man da sehr in sich hinein, aber diese Figuren strahlen mit der Zeit eine Wärme aus, dass man diesen ganzen esotherischen Kram nicht mehr zum Naserümpfen empfindet. Mitten drin dann auch noch Karoline, die man eigentlich als gestandene bodenständige Frau empfindet und sich so ein wenig abhebt, vom Rest der Gemeinschaft. Dazu kommt natürlich noch ein Aussteiger, der die Welt von Maya mit den richtigen Sprüchen bearbeitet und ihren Gemütszustand explosionsartig beeinflusst. Das ist, das tolle an der Geschichte, es geht nicht nur um Maya, sondern auch um unsere Welt, wie wir sie wahr nehmen und welche Auswirkungen wir uns damit aussetzten. Gerade die Sicht auf unseren Social Media Verhalten, kam mir sehr bekannt vor und ja, da muss ein Umdenken her. Aber auch das man sich selbst nicht mehr die Zeit nimmt zum genießen und bewusst den Augenblick wahrnehmen war hier toll mit eingebunden. Ach, was soll ich sagen, ich hatte einen megagenialen Aufenthalt und würde mit Katharina Herzog direkt wieder losfliegen.

Der Wind nimmt uns mit, ist viel mehr als nur eine Lebenskrise zu überwinden, sondern auch ein Aussöhnen mit der Vergangenheit und sich selbst zu erden. Man sollte eben mehr auf sein Herz hören und nicht nur auf seinen logischen rationalen Verstand. Herrlich locker und bildhaft erzählt, mit einer Prise Humor und viel Liebe.

Der Wind nimmt uns mit - Katharina Herzog
Der Wind nimmt uns mit
von Katharina Herzog
(60)
Buch (Paperback)
12,99

Ideenreich, lebendig und ein großes Abenteuer ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 11.05.2019

Alex und Conner sind Zwillinge und machen gerade eine schwere Zeit durch, denn ihr Vater ist gestorben und alles um sie herum ändert sich. Nicht unbedingt zum Guten, aber es muss ja irgendwie weitergehen. Beide Geschwister leiden auf ihrer Art und dann steht auch noch ihr Geburtstag vor der Tür. Von ihrer Großmutter bekommen sie das beste Geschenk, nämlich das heiß geliebte Märchenbuch, was mit vielen tollen Erinnerungen verbunden ist und sie sehr lieben. Da ahnte natürlich noch keiner von den beiden, das sie das Portal in ein anderes Reich in den Händen halten. Wie es natürlich kommen muss, landen sie in der Märchenwelt und müssen durch viele Gefahren wandern, um ihre Lage zu verbessern. Dabei begegnen sie viele bekannte Figuren und merken, nicht alles ist so, wie es sonst scheint und manches Happy End ist etwas verzwickt. Ein Tagebuch soll sie nach Hause bringen, nur blöd, das die böse Königin das gleiche vor hat. Wen werden Alex und Conner alles Begegnen? Werden sie die Märchenwelt überleben? Und was hat es mit diesem Tagebuch auf sich?

Oh, ich liebe Märchen. Das habe ich schon als Kind und es begleitet mich auch als Erwachsener weiter. Es gibt nichts Tolleres als abzutauchen und Geschichten aus Mut, Geheimnissen, Gefahren, Freundschaft und Liebe zu lesen, die einen aufregen, feinfühlig machen und mit Aussage sind. Klar, liebe ich auch Disney Filme, aber ein ordentliches Märchen mit nicht immer guten Happy End ist da was ganz anderes. Da die Reihe in Amerika ein mega Erfolg verbuchen kann, musste ich doch auch mal meine Nase in die Seiten stecken und ob ich es gut fand, erzähle ich euch nun.

Alex ist eine absolute Streberin, sie passt im Unterricht auf und ist die Erste, die immer die richtige Antwort parat hat. Allerdings macht sie das auch sehr einsam und zum Außenseiter. Dagegen ist ihr Zwillingsbruder Conner beliebt, hat aber im Unterricht ein Müdigkeitsproblem und fällt ganz gern unangenehm auf. Trotz der Unterschiede, halten sie zusammen und versuchen für ihre Mutter stark zu sein, obwohl sie selber mit der Trauer und den Veränderungen zu kämpfen haben. Immer ein Highlight ist der Besuch ihrer Großmutter väterlicherseits, sie ist herzlich, überschwänglich und macht immer alles Gut. Als sie zum Geburtstag auftaucht, ist es wie ein Sonnenstrahl im grauen Wolkenmeer. Das sie auch noch das Märchenbuch bekommen, können die Geschwister kaum glauben, freuen sich aber immens. Alex hängt sehr an den alten Märchen, während Conner diese zwar auch liebt, es aber nicht so öffentlich hinaus trägt. Allerdings benimmt sich Alex nach ihrem Geburtstag immer merkwürdiger und auf einmal kommen aus ihrem Zimmer immer mehr komische Geräusche und bevor sich Conner versieht, springt er schon seiner Schwester ins Buch hinterher.

Das ist so ungefähr der erste Teil der Geschichte, wir bekommen diese beiden Hauptprotagonisten sehr ans Herz gelegt und ihr Umfeld genau erklärt. Somit wächst man direkt mit dem beiden zusammen und ist der unsichtbare dritte Mann. Und dann geht auch schon das große Abenteuer los, einmal komplett durch die Märchenwelt, und zwar der Gebrüder Grimm und Christian Anders, sehr spannend, unterhaltsam, zauberhaft, einfallsreich und wirklich sehr Bildreich. Man hat einfach einen riesigen Spaß, selber sein Märchenwissen auf den Prüfstand zu stellen und erlebt so einige Überraschungen. Deshalb mag ich gar nicht so viel verraten, denn das muss man einfach selber erleben.

Chris Colfer hat auf jeden Fall einen ganz besonderen Zauber losgetreten und aus alten verstaubten Stoff, ein lebendiges Neuland geschaffen, mit bekannten Figuren, aber neuen Sorgen, Nöten und wie es nach dem Happy End weitergeht. Dazu zeigt er auf, dass alles seine beiden Seiten hat und es nicht immer klar schwarz und weiss gibt, sondern sehr viele Grauzonen. Für Kinder und Erwachsene ein wahrer Spaß und ich kann die Euphorie darin absolut nachvollziehen und freu mich schon auf die nächsten Abenteuer, denn es geht schon bald weiter. Dieser Autor hat selbst Spaß an seiner Geschichte und das merkt man dem Werk an, geschickt erzählt und toll in Szene gesetzt. Übrigens verfällt man diesem jungen Autor schon mit seiner Widmung an seiner Großmutter, ehrlich total liebenswert.

Land of Stories ist ein wahrer Märchenschatz und lebendiger, den je erzählt, mit vielen Überraschungen und jeder Menge Abenteuer. Was für ein Spaß!

Land of Stories: Das magische Land 1 - Die Suche nach dem Wunschzauber - Chris Colfer
Land of Stories: Das magische Land 1 - Die Suche nach dem Wunschzauber
von Chris Colfer
(51)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Wunderbar, einfühlsam und authentisch erzählt ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 11.05.2019

Elizabeth Keane verlässt ihr New York und ihren Sohn um nach Irland zu fahren, um sich um die Sachen ihrer verstorbenen Mutter zu kümmern. Jahre haben sie von ihrer Heimat ferngehalten und das Zurückkommen macht es ihr nicht leicht. Ihre Mutter hat ihren Vater und ihre Geburt geheimgehalten und als Kind einer alleinerziehenden Mutter hat man es in Irland nicht leicht, so fühlte sich Elizabeth nie richtig zu Hause. Nun ist sie allerdings da und findet in den Hinterlassenschaften ihrer Mutter, ein Bündel voller Briefe und ihr Wunsch mehr zu erfahren wächst mit jeder Seite. Was hat sie zu verlieren und so unternimmt Elizabeth eine Reise durch die Vergangenheit und macht sich auf die Suche nach den Spuren ihrer Mutter. Ihr Weg führt sie an die Klippen einer Farm, wo der Wind rau weht und eine Burgruine ihren Schatten wirft. Welche Geheimnisse wird Elizabeth herausbekommen? Wer ist ihr Vater? Und in welchem Licht wird Elizabeth ihrer Mutter sehen?

Ich habe damals schon das Debüt vom Autor sehr gemocht und ganz klar, möchte man da auch den Zweitling lesen. Vor allem wenn da steht voller Sehnsucht und Geheimnisse. Außerdem Irland, das allein ist doch schon lesenswert. Nun gut, ich habe es gelesen und nun erzähle ich euch, wie es mir gefallen hat.

Die Geschichte beginnt mit einem zuvor und lässt uns kurz bei Edward vorbei schauen, dort passiert gerade etwas schlimmes und wir merken die Schwere und Unentschlossenheit bei ihm. Aber was ist passiert und worum geht es. Damit fesselt der Autor schon einen, weil man einfach die Zusammenhänge erfahren möchte und dann lernen wir Elizabeth kennen.

Elizabeth Keane hatte eine unbeschwerte Kindheit, trotz das ihre Mutter ihr ihren Vater und die Umstände ihrer Geburt verschwieg. Aber trotzdem füllte sie sich auch erdrückt und gefesselt an das Haus ihrer Kindheit und so wollte sie einfach weit weg. So ist sie in New York gelandet, liebt ihre kleine Wohnung und ihren Job. Das Leben ist allerdings nicht leicht, denn ihre Ehe ist geschieden und jede Menge Probleme lauern in ihrem Umfeld drumherum. Sie ist eine Frau, die mit ihrer Vergangenheit nicht im reinen ist und das beeinflusst auch ihr gegenwärtiges Leben. Diese Reise nach Irland schmeckt ihr somit gar nicht und statt sich darum zu kümmern, weswegen sie da ist, geht sie auf Jagd nach der Vergangenheit.

Gleichzeitig lässt der Autor noch eine zweite Erzählschiene auftauchen, nämlich die von Patricia Keane, Elizabeths Mutter. Diese Kapitel ergänzen die Nachforschungen der Tochter und zeigen uns auf, was in der Vergangenheit passiert ist. Wie eine junge Frau mit Ambitionen zur Krankenpflegerin der eigenen Mutter verkümmert, wie sie in der Familie um ihren Besitz kämpfen muss und das sie schon als junge Frau, als Jungfer abgestempelt wird. Mit ihrer Freundin will sie sich dem nicht abfinden und setzt eine Annonce auf, mit fatalen Folgen. Mehr möchte ich über Patricia‘s Leben nicht verraten, denn ihre Geschichte ist schlimm, ergreifend und unglaublich schmerzlich.

Graham Norton zeigt hier wieder ganz klar, er kann schreiben. Seine Figuren sind so greifbar und authentisch, seine Geschichte mit realen Problemen bestickt, die jeder irgendwie verstehen kann und dazu noch ein handfestes Drama aus der Vergangenheit. Am Anfang glaubt man nämlich, man weiß wohin die Reise führt, was wir als Leser vorfinden und aufdecken werden. Aber hier hat der Autor noch ein paar böse Überraschungen in der Hinterhand und überrascht mit einem ganz schlimmen Schicksal. Ich bewundere den Autor für diese Kraft an Ausdruck und dieser besonderen melancholischen Stimmung, die Schwere ist spürbar und trotzdem nicht erdrückend, sondern mutmachend. Diese Geschichte ist wirklich ein Wechselbad aus Sonne und Wolken, wie an der Küste, stürmisch, mit einer unsagbaren Kraft, aber auch leicht und berührend.

Mich konnte diese irische Familiengeschichte packen, berühren und erstaunen. Der Schwerpunkt ist ganz anders gelegt als erwartet, denn ich dachte, die problematische Lebensweise einer alleinerziehenden Frau würde mehr im Vordergrund stehen, aber nein, da erwartet einen was ganz anderes. Ich finde, Graham Norton ist ein ganz toller Autor, denn er schreibt einfach wunderbar mit großer Gewandtheit. Ich werde noch zum Familien-geschichtenleser, wenn das so weiter geht.

Eine irische Familie ist eine Suche nach den Wurzeln, ein Verstehen und ein Finden von Geheimnissen und eine Geschichte über Liebe. Wunderbar eingefangen und erzählt, man möchte selbst sofort nach Irland fahren.

Eine irische Familiengeschichte - Graham Norton
Eine irische Familiengeschichte
von Graham Norton
(39)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Originell und überraschend, wie immer ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 11.05.2019

Gottlieb fühlt sich einsam und anstatt raus zu gehen und Leute kennenzulernen, ruft er die Sexhotline an. Aber anstatt das zu tun, weshalb man dort anruft, reden die beiden nur miteinander. Sie lernen sich kennen, sprechen zum ersten Mal miteinander und aus Minuten werden Stunden. Aber sprechen die beiden auch die Wahrheit? Wie viel ist geflunkert und wie viel echt? Und ist das hier wirklich eine Liebesgeschichte?

Bernhard Aichner ist vor allem für seine Thriller bekannt, hart, brutal und sprachlich sehr intensiv. Auf einer Lesung meinte er einmal, er möchte so gern einen Liebesroman schreiben, aber auf Seite 30 fällt eben immer einer tot um und vorbei ist es mit der Romantik. Nun allerdings hat er wirklich eine Liebesgeschichte geschrieben und ganz klar musste ich diese lesen. Wie diese mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Der komplette Roman ist ein einziger Dialog oder eben ein Telefongespräch. Somit lesen wir nur, was der eine zum anderen sagt und umgekehrt. Keine Beschreibungen dazwischen und auch keine weiteren Ausformulierungen. Tja, und genau das, ist nämlich die Stärke von Bernhard Aichner, trotzdem die richtigen Töne zu treffen, den Leser mit hineinzuziehen und dem ganzen den perfekten Sound zu verpassen. Somit hat man wirklich das Gefühl dabei zu sein, zwei Fremden zu lauschen und anhand der Stimmlage die Höhen und Tiefen abzumessen. Das hat er wieder richtig gut geschafft.

So lernen sich also Gottlieb und Marie kennen, er war Krankenpfleger und betreute seine Mutter und sie na ja, das müsst ihr lesen. Beide sind sich auf anhieb wohl gesonnen, aber was sie so erzählen klingt schon sehr abenteuerlich und man fragt sich, ob sie das ernst meinen, oder doch nur miteinander flunkern. So muss der Leser auch noch zwischen den Zeilen lesen und erahnen was ist Wahrheit und was vielleicht eine Lüge. Die Geschichte ist somit auch noch eine Schnitzeljagd und treibt den Leser voran es zu entschlüsseln.

Für mich war Kaschmirgefühl ein Begleiter für einen Tag, der mich herrlich unterhalten hat, aber irgendwie auch zu kurz war. Ich glaube, ich brauche vom Bernhard eine längere Dosis. Auch muss ich gestehen, dass mir zum Ende hin die Flunkerei zu viel wurde und ich die Auflösung somit gar nicht richtig genießen konnte.

Kaschmirgefühle ist ganz anders als erwartet, spricht von Einsamkeit, aber auch von Mut Schwelen zu überschreiten und Neuanfänge zu startet, natürlich mit dem einzigartigen Sound von Bernhard Aichner geschrieben. Originell halt, wie immer.

Kaschmirgefühl - Bernhard Aichner
Kaschmirgefühl
von Bernhard Aichner
(92)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,90

Einfühlsam, lebensklug & herrlich erzählt ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 30.04.2019

Illy wächst als Einzelkind in einem Tiroler Dorf auf. Die Eltern besitzen ein Sportgeschäft und sind gut situiert und Illy hat noch ihren Urgroßvater. Tatka, wie sie liebevoll zu ihm sagt und Tatka ist ein Urgestein, der älteste Mann im Dorf, letzter Fassbinder und Berserker, wie einer nur sein kann. Diese beiden sind ein eingespieltes Team, Illy verbringt ihre Nachmittage in der Werkstatt des Großvaters und beide Erzählen sich alles, hier gibt es keine Geheimnisse, hier gibt es nur Geschichten und Ratschläge. Als Illy ihren ersten Atlas mit nach Hause bringt, ist die Freude über das Buch immens, bis sie mit ihrem Tatka feststellt, das es schon einen Besitzer gab: Tristan Unger. Zuerst ein Name, aber dabei soll es nicht bleiben, dieser junge Mann wird eine Rolle in Illy Leben spielen, aber was sich daraus entwickelt und welche Konsequenzen diese Begegnung haben wird, konnte sie bis dahin nicht erkennen. Welchen Einschnitt wird diese Freundschaft bei Illy hinterlassen? Kann Tatka ihr helfen? Und welche Bedeutung hat dieser Mai?

Auf diese Geschichte bin ich auf Umwegen aufmerksam geworden, zuerst stach mir das ungewöhnliche Cover ins Auge und dann berührte mich der Klappentext. Eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen Urenkel und Urgroßvater, da trennen Jahrzehnte die Sichten aufs Leben und können doch gezielt ins schwarze Treffen. Kurzum ich wollte es dann unbedingt lesen und habe es auch nun getan, ob mich diese beiden erobern konnten, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte heißt „Fünf Tage im Mai“ und es stimmt, sie spielt an fünf Tagen im Mai, aber nicht unbedingt im selben Jahr, sondern zeigt, ein Spektrum von Illy heranwachsen auf. Zuerst der kleine Wildfang, der sich bei der Kommunion übergeben muss und von seinem Großvater aber die nötige Unterstützung bekommt. Wie toll es ist, mit solch einem Urgestein verwandt zu sein und die nötige Portion Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei diesen Einstieg denkt man direkt selbst an die eigene Kindheit zurück und wie gern man zu den Großeltern gefahren ist, entweder wegen denn Verwöhnprogramm, oder weil man sich dort einfach anderes verstanden fühlt. Allerdings verliert man diese Nähe irgendwann, wenn man Teenager wird, weil man sich beengt fühlt, frei sein will, keine familiären Verpflichtungen haben möchte und einfach sich in dieser erwachsen werden Phase befindet. So entfernt man sich von den liebsten Menschen und merkt nicht, wie man ihnen vor dem Kopf stößt. Tja, und dann das eigene Leben, die eigenen Erfahrungen und die Überwindung damit umzugehen und sich wieder zu öffnen. Dieser ganze Prozess ist in diesen Maitagen wieder zu finden, auch wenn es hier noch ein schlimmes Erlebnis dazu gibt, aber die Entwicklung ist einen irgendwie bekannt und nah.

Somit hat Elisabeth R. Hager einen unglaublich einfühlsamen Roman geschrieben, den man unglaublich gern liest. Ihre Figuren sind absolut fantastisch gezeichnet, mit unglaublicher Hingabe gefüllt und einfach lebensecht. Die Autorin hat es wirklich geschafft aus diesen fünf Tagen, ein ganzes Leben zu beschreiben und dabei eine ganze Palette an Emotionen mitgeliefert. Am Anfang ist der Humor die tragende Größe, aber dann kommt die Unvernunft und danach der Schmerz. Die Gefühle sind greifbar, spürbar und die melancholische Art zum Ende hin überwältigend. Selten habe ich Tränen in den Augen, aber diese Freundschaft ist einfach unbeschreiblich schön. Mit Tat‘ka hat Elisabeth R. Hager wirklich ein Original geschaffen, etwas eigenbrötlerisch, aber mit dem besten Humor und einer Weisheit, wie man sie nur bei besonderen Menschen vorfindet. Solch einen Großvater hätte, glaube ich, jeder gern.

Mit dieser ruhigen Geschichte hat die Autorin einen tollen Roman hingelegt, und zeigt damit auf, wie tief Vertrauen und Liebe sein kann. Das eine Freundschaft auch mal Durststrecken aushalten kann und man sich trotzdem nah sein kann. Selbst wenn Jahre vergehen, muss man sich nicht weniger verstehen. Ich mochte diese beiden Figuren unglaublich gern und fand diese Bindung zueinander herrlich zu lesen. Sobald ich das Buch in der Hand hatte, freut ich mich auf die Wörter und Weiterentwicklung der Geschichte und der Dialekt war einfach klasse mit eingebaut.

Fünf Tage im Mai, ist herrlich erzählt, einfühlsam und lebensklug. Ich kann es nur empfehlen. Reintei freintei!

Fünf Tage im Mai - Elisabeth R. Hager
Fünf Tage im Mai
von Elisabeth R. Hager
(60)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Beeindruckend, klug & fesselnd ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 30.04.2019

Fabrizio Collini ist Werkzeugmacher und hat sich sein Leben lang nichts zuschulden kommen lassen, aber trotzdem gibt er sich in Berlin als Journalist aus und tötet einen alten Mann. Er ruft selbst die Polizei und wartet auf seine Verhaftung. Caspar Leinen ist seit 42 Tagen Anwalt und wird als Pflichtverteidiger dazu gerufen. Ein Albtraum, für jemanden ganz am Anfang seiner Karriere, aber er übernimmt und stößt, bei seinem Klienten bloß auf Schweigen. Erst durch die Presse erfährt Leinen, wer das Opfer war und so bricht für ihn ein großer innerer Konflikt los, denn der Tote ist ihm nicht unbekannt und war der Großvater seines besten Freundes. Trotz allem verteidigt er Collini und durch sein Schweigen, ist er gezwungen selbst zu recherchieren und stößt dabei auf ein schreckliches Kapitel unserer deutschen Geschichte. Was wird Leinen heraus bekommen? Warum hat Fabrizio Collini getötet? Und welcher geschichtliche Abgrund wird sich hier auftun?

Der Autor ist ja wahrlich kein Unbekannter mehr in der Literatur, trotzdem habe ich noch nichts von ihm gelesen. Nun schauten mich ständig die Filmplakate an und so musste ich mal auf meinem Reader schauen, ob ich nicht ein Werk vom Autor habe. Siehe da, ich hatte sogar eins und tatsächlich, das Buch, wovon es nun einen Film gibt. Ich wollte, dann auch nur mal kurz rein lesen und schwups war ich durch. Ob es mir nun gefallen hat, erzähle ich euch nun?

Der Roman beginnt auch direkt mit dem Tötungsdelikt und der Leser wird auf harte Weise, Zeuge und Richter, denn wie soll so ein Fall, denn Fragen aufwerfen. Somit kommen wir dann zur nächsten Hauptfigur Caspar Leinen, ein junger Mann und Anwalt. Er ist höflich, zuvorkommend, aber auch extrem schlau. Er übernimmt den Fall und versucht zu helfen, allerdings stößt er bei seinem Klienten nur auf Schweigen und weiß gar nicht, wie er helfen kann. Erst am Abend, als ihm eine ganz aufgelöste Freundin anruft, wird ihm erst bewusst, wen er da vertritt und wer wirklich das Opfer war. Hans Meyer, bei dem er so viele Sommer verbracht hat und dem er stets freundschaftlich verbunden war. Caspar will, wegen Befangenheit den Fall abgeben, aber kann er es sich das so leicht machen? Er grübelt darüber, immerhin hat er sich für den Beruf eines Anwalts entschieden und nimmt sich schlussendlich der Sache komplett an.

Ferdinand von Schirach ist selbst vom Fach und weiß, was ein Strafverteidiger tun kann oder muss. Er lässt somit seinen Protagonisten zuerst die routinierten Handgriffe bewerkstelligen, bevor er wirklich in die Materie abtaucht. Dabei lässt er Caspar Leinen von Anfänger bis zum, mit dem muss man rechnen, entwickeln. Das heran gehen an die Geschichte hat mich unglaublich beeindruckt, die klaren und überschaubarem Worte ergreifen einen, und lassen einen durch die Geschichte rauschen. Obwohl dieser Roman kurz und knackig ist, hat er eine große Durchschlagskraft und erschüttert an den richtigen Stellen. Besonders erschreckend finde ich, dass Willkür und Dummheit, Bosheit und Berechnung in der deutschen Justizgeschichte so vorkommt und immer noch besteht. Das die Schuldfrage einen so erschüttert und man selbst daran zweifelt. Wirklich klug und scharfzüngig gemacht und sehr wach rüttelnd.

Allerdings und das ist reine Geschmacksache, war mir der junge Anwalt zu nüchtern, wo ist die Zerrissenheit, wo der Unglaube, wo die Dramatik in der eigenen Geschichte. Das hat mir ein bisschen gefehlt, oder hätte mich noch mehr überzeugt. Das Ende wieder rum, fand ich hervorragend gewählt und passte perfekt zur Geschichte.

Der Fall Collini ist ein Blick in den Abgrund der Menschheit und das unsere Geschichte mit solcher Schande immer noch bestückt ist, ist einfach unglaublich. Toll das dieser Autor, darauf aufmerksam macht und uns dazu einen beeindruckenden Fall liefert. Vom Blinden zum Sehenden und hoffentlich nicht zum Vergessenden. Lesenswert.

Der Fall Collini - Ferdinand von Schirach
Der Fall Collini
von Ferdinand von Schirach
(32)
Buch (Klappenbroschur)
10,00

Kleine Schwächen, aber immer noch großes Vergnügen ...

Sharon Baker aus Mönchengladbach , am 30.04.2019

Anchorage ist liegen geblieben und nun eine feststehende Stadt, die die Katastrophe überlebt hat. Unter ihren Bewohnern leben auch zwei Abenteurer, nämlich Tom und Hester mit ihrer Tochter Wren. Während Tom bei allen beliebt und geschätzt wird, ist Hester auch noch 16 Jahren, eine Einzelgängerin, eine, die man fürchtet. Das ruhige Leben bekommt eben jeden unterschiedlich gut und die Geschichten von ihren Abenteuern, kann Wren nur schlecht glauben. Sie will selber was erleben und lässt sich auf die erste unüberlegte Sache ein. Als nämlich ein U-Boot in Anchorage anlegt und ihr ein Angebot macht, kann sie sich nicht zurückhalten und lässt sich auf den Deal ein. Einen törichten und unüberlegten Deal, der sie in einen Krieg führt genau zwischen den Traktionsstädten und dem Grünen Sturm. Kann Wren sich behaupten? Wie werden Hester und Tom reagieren? Und welche Figuren werden noch auf dem Plan treten?

Mortal Engines hat sich mit seinen ersten beiden Teilen voll in mein Leserherz geschlichen und für Begeisterung gesorgt. Diese beiden unterschiedlichen Helden und ihr Kampf um einen Platz im Leben mit einem bisschen Glück ist einfach unglaublich toll in Szene gesetzt und brachte mich immer zu einem Leserausch. Nun gibt es eine Tochter und diese sehnt sich nach Abenteuer, ob sie aber mit ihren Eltern mithalten kann, erzähle ich euch nun.

Eigentlich beginnt die Geschichte mit jemandem, den wir alle für tot geglaubt haben und der überraschend doch wieder in Erscheinung tritt. Aber den Clou und was diese Entwicklung mit sich bringt, verschweige ich euch absichtlich. Wir fangen mit Anchorage an, und zwar mit den Natsworthy. Tom liebt sein ruhiges Leben, seine Tochter abgöttisch und seine Frau, obwohl ihm diese ein bisschen Sorgen bereitet. So verschweigt er beiden, dass seine alte Wunde sich wieder meldet und sein Herz ihm Probleme macht. Hester ist in der Gemeinde immer noch die Außenseiterin, zurückgezogen, unnahbar und kalt. Für eine kurze Zeit hatte sie das Glück in den Händen, als ihre Tochter noch klein war, aber nun sieht diese auch nur noch ihre Narben. Sie wird mit jedem Jahr verbitterter und einsamer. Tja, und dann haben beide ihrer Tochter so einiges an Eigenschaften mitgegeben. Wren hat die Ungestümtheit ihrer Mutter geerbt, aber auch die Naivität ihres Vaters. Ihr ist das Leben zu ruhig, sie will auch Abenteuer erleben, wie ihre Eltern und nicht einfach nur dahinleben. So macht sie halt eine große Dummheit und setzt damit viele Rädchen in Anchorage in Gang.

Das ist der erste Teil der Geschichte, der Zweite ist der Suche gewidmet und der Dritte zur Steigerung des Showdowns. Mehr zum Inhalt mag ich gar nicht verraten, denn es werden einige Figuren aus der Vergangenheit auftauchen, die alle große Klasse sind und mich beim Lesen auch erfreut haben, aber auch zugleich, eher zur Geschichte von Hester und Tom gehören und nicht zu Wren. Überhaupt wirkt die Tochter hier eher unselbstständig, naiv und blass. Sie kann in die Fußspuren ihrer Eltern überhaupt nicht reinschlüpfen, geschweige denn ausfüllen. So habe ich ihre Kapitel eher so daher gelesen und mich eher auf dem Grünen Sturm oder unser altes Abenteuerpaar gefreut. Denn hier knallt es gewaltig, nicht nur im Kampf um die Traktionsstädte, die es immer noch gibt und ihren Kampf gegen die Aufständigen. Hier braut sich was zusammen, hier geht es rund, hier kommt die alte Welt von Mortal Engines wieder zum Erscheinen und eine Hester, die aufblüht und gleichzeitig an ihrem Lieben zweifelt. Das war aber wieder spannender, als einer heranwachsenden Göre zuzusehen, die sich nicht entscheiden kann, was sie will.

So konnte mich Band drei nicht ganz überzeugen. Zuerst freut man sich für Hester und Tom, dann kommen einem die Zweifel, ob das wirklich ihr Leben ist und dann Wren. Die Mischung ist nicht ganz gelungen, allein die Geschichte an sich, wurde doch recht gemächlich angefangen, dann dachte man, es geht richtig los und wurde doch wieder zurückgeworfen. Vielleicht hat der Autor hier zu viel auf einmal gewollt, allerdings war sein Showdown wieder vom Feinsten und ließ an Spannung nichts offen und das Ende ist so böse, das man jetzt unbedingt Teil vier lesen muss. Alles im allem, solide, aber nicht so überragend, wie die beiden ersten Teile. Ansonsten wieder eine Welt voller Überraschungen. Ich mag es trotzdem unheimlich gern.

Mortal Engiens, der Grüne Sturm hat so einige Schwächen, aber auch viele Wiedersehen, überraschende Momente und eine Hester, die wieder zur alten Stärke aufblüht.

Mortal Engines - Der Grüne Sturm - Philip Reeve
Mortal Engines - Der Grüne Sturm
von Philip Reeve
(6)
Buch (Taschenbuch)
12,00

 
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