Warenkorb
 

BuchhändlerInnen im Portrait

André Pingel
aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen

Gesamte Empfehlungen 327 (ansehen)


Alter:
34 Jahre
Abteilung:
Krimi & Thriller / Horror / Fantasy & Science Fiction
Funktion:
Buchhändler
Im Beruf seit:
2015

Meine Empfehlungen

Dr. Lecter ist zurück!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 18.05.2019

Bei einem Einsatz, der von Clarice Starling geleitet wird, geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Viele Menschen kommen dabei um’s Leben, Verbrecher wie auch Polizisten. Danach darf sie sich auf Anweisung des höchsten Vertreters ihrer Behörde nur noch minderen Aufgaben widmen. Doch dann wird sie wieder auf Dr. Hannibal Lecter angesetzt, der vor sieben Jahren entflohen ist. Doch sie ist nicht die einzige, die an Lecter interessiert ist. Mason Verger hat noch eine Rechnung mit dem kannibalischen Psychiater offen und nutzt Clarice Starling als Köder, um an Lecter heran zu kommen…

Etwas mehr als 10 Jahre nach „Das Schweigen der Lämmer“ kam die direkte Fortsetzung mit „Hannibal“ auf den Markt und markierte den Schlusspunkt der Reihe. Inhaltlich setzt Thomas Harris wesentlich stärker auf Ekel- und Schockeffekte und tritt leider etwas zurück, was die psychologische Tiefe angeht. Das ist zwar schade, weil es sich einfach nicht mehr so liest, wie die beiden Vorgänger, der Schreibstil ist aber wie gewohnt gut und so geht auch „Hannibal“ in einem Rutsch runter. Harris lässt so gut wie nichts aus, was den Puls des Lesers beschleunigen könnte, ihm eine gepflegte Gänsehaut verpasst oder aber auch einfach nur schockt in seiner drastischen und blutigen Darstellung. Dabei wird Hannibal Lecter dem Leser dennoch immer sympathischer, was aber auch daran liegt, dass sein Gegenspieler Mason Verger einfach nie Sympathiepunkte für sich verbuchen kann. Man fiebert mit dem guten Bösewicht bis zum unausweichlichen Finale mit.
Die Geschichte an sich ist wirklich pure Unterhaltung und hat nur noch wenig von dem psychologischen Tiefgang der ersten beiden Teile. Wer aber einiges vertragen kann, der darf hier gerne zugreifen. Es ist zwar nicht mehr das, was man von Thomas Harris bis dato gewöhnt war, denn „Hannibal“ kommt leider etwas flacher daher, aber wer gerne mal blutig abschalten möchte, kommt hier voll auf seine Kosten!

Hannibal - Thomas Harris
Hannibal
von Thomas Harris
(5)
Buch (Taschenbuch)
10,99

Absolutes Popcorn-Kino!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 13.05.2019

Auf dem Planeten Cybertron tobt ein Krieg zwischen Autobots und Decepticons. Der Widerstand der Autobots wird fast vollständig vernichtet, doch zuvor wird B-127 zur Erde geschickt, die er im Jahr 1987 erreicht. Er soll dort eine Basis errichten und den Planeten schützen, damit sich die Autobots neu formieren können. In Form eines alten VW Käfers versteckt sich B-127 auf einem Schrottplatz einer kleinen kalifornischen Küstenstadt. Dort wird der kampfgeschwächte Autobot allerdings von der rebellischen Charlie gefunden, die sich zu ihrem 18. Geburtstag nichts sehnlicher gewünscht hat, als ein eigenes Auto. Sie beginnt den alten VW Käfer zu reparieren und stellt recht zeitnah fest, dass der Käfer keineswegs die alte Schrottmühle ist, für die sie ihn gehalten hat…

Nach insgesamt fünf Transformers-Filmen, die von Michael Bay in Szene gesetzt wurden, durfte bei diesem Teil Travis Knight auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Viele finden die Reihe ja absolut bekloppt und Katja Nicodemus, Redakteurin bei „Der Zeit“ hat den ersten „Transformers“ auch als „Triumph der Hirnlosigkeit“ bezeichnet, aber ich muss gestehen, dass ich bisher jeden einzelnen Teil massiv gefeiert habe. Gute und böse Roboter hauen sich in einem fabulös inszenierten Effektgewitter die Moppe voll. Was braucht man als Zuschauer mehr, um gepflegt abzuschalten? Nichts!
„Bumblebee“ kommt jedoch etwas anders daher, als die bisherigen Teile, was diesem Film aber sehr gut zu Gesicht steht. Der Anfang ist zwar noch ordentlich mit Action ausgelastet, nach dem Kampf auf Cybertron und einer kurzen Klopperei auf der Erde wird es allerdings erst einmal etwas ruhiger. Den Zuschauer erwartet also keinesfalls so ein heroisches Actionkino wie bisher, sondern vielmehr eine Abenteuergeschichte mit viel Witz und guten Effekten. Natürlich darf in einem „Transformers“-Film auch die Action nicht fehlen und so kommt es natürlich auch auf der Erde zu der ein oder anderen Auseinandersetzung und es gibt natürlich auch einen herrlichen und actiongeladenen Showdown.
Der Film fängt das Flair der 80er Jahre sehr gut ein, zeigt Gefühl und lässt den Zuschauer an der Geschichte von B-127 teilhaben. Man lernt warum man ihn später „Bumblebee“ nennt, er sein Radio zur Verständigung benutzen muss und warum „The Breakfast Club“ einfach mal ein geiler Film ist. Alles in allem waren es zwar sehr vorhersagbare, aber trotz allem enorm unterhaltsame 2 Stunden, die garantiert nicht für künstlerisch und soziologisch interessierte Cineasten geeignet sind, aber als Popcorn-Kino ihren Dienst absolut erfüllt haben!

Bumblebee
Bumblebee
(2)
Film (Blu-ray)
17,99

Es wird obszön, vulgär und abartig...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 13.05.2019

Die Ehe von Nick und Eve ist am Ende, aber noch klammern sich beide an die Beziehung. Genau in dem Moment, in dem Nick endlich den Mut dazu aufbringen will, Eve um die Scheidung zu bitten, informiert sie ihn darüber, dass sie schwanger ist. Nick ist am Boden, denn wenn er eins niemals wollte, dann Kinder…und Eve wusste das sehr genau. Aber wenn Eve lebensverändernde Entscheidungen alleine treffen kann, dann kann Nick das erst recht. Kurz entschlossen kauft er ein Haus in einem kleinen Kaff, weit weg von allen Freunden, Kollegen und der Familie. Dort wird Eve ihm ausgeliefert sein. Doch die Einwohner des kleinen Städtchens sind ziemlich exzentrisch, vor allem die Frauen und bald ist Eve Nicks kleinstes Problem…

In der Thalia-Stories-Ausgabe vom Frühjahr 2019 sagte Bela B., dass Bücher weh tun müssen und zwar nicht nur, wenn man sie wirft. Dieser Meinung bin ich auch und deswegen darf man zwischendurch gerne mal literarische Grenzen überschreiten und dabei an seine eigenen Grenzen beim Lesen gehen oder auch weit darüber hinaus. Die „Festa Must Read“-Reihe ist da eigentlich ein recht guter Garant für anspruchsvolle Horror- und / oder Psychothriller, die zwar unfassbar hart sind, aber dennoch anspruchsvoll und gut geschrieben. Bei der Autorin C.V. Hunt, bin ich jedoch sehr zwiegespalten, was meine abschließende Meinung angeht. Hunt lässt in ihrem Roman Sex zu einem grausamen und obszönen Akt werden und lässt dabei so gut wie nichts aus, was einen als Leser wirklich weit über die Grenze des Ertragbaren hinaus katapultiert. Das Cover und auch der Titel lasen bereits erahnen, was da auf den Leser losgelassen wird. Die Erzählung aus der Ich-Perspektive von Nick ist dabei anfangs recht angenehm und flüssig zu lesen, man bekommt ein Gefühl für Nicks Charakter und die Spannung wird nach und nach aufgebaut, dabei nimmt der Gruselfaktor ab dem ersten Drittel des Buches stetig zu. Vorher plätschert die Geschichte vor sich hin und lässt einem als Leser erst einmal die nötige Zeit, um überhaupt anzukommen. Danach wird es von Seite zu Seite aber immer obszöner, vulgärer und abartiger. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Autorin hat hier wirklich einiges zu bieten und nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Wer den „Festa-Verlag“ kennt, weiß was ich meine, wer ihn nicht kennt sei gewarnt, denn hier geht es wirklich ans Eingemachte. Dabei hält sich die Gewalt noch recht zurück, aber die Schilderung der unterschiedlichen sexuellen Akte wird immer übler und das Buch bekommt zu Recht 5 Totenschädel auf der Verlagsseite für Sex und Obszönität. Hierbei ging für mich dann auch der Anspruch flöten, denn den habe ich leider nicht mehr ausmachen können.
Die Kundenmeinungen waren fast durchweg positiv, weswegen ich dem Buch mal eine Chance geben wollte, aber bei mir ist die Geschichte leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Angepriesen als der weibliche Chuck Palahniuk, habe ich das durch dieses Werk leider nicht nachvollziehen können. Da dies aber auch der erste Roman von C.V. Hunt für mich war, möchte ich ihr deswegen ihre Qualitäten nicht absprechen, aber bezogen auf „Rituelle Menschenopfer“, wurde sie einem solchen Anspruch einfach nicht gerecht. Es bleibt leider ein Buch, das ich nur sehr eingeschränkt an Leser weiterempfehlen kann, die ihre Grenzen weit überschreiten möchten und absolut nicht zartbesaitet sind. Der Verlag hat jedenfalls nicht gelogen, als er die gute Dame als Autorin anpries, für die es keine Hemmungen gibt. Für mich war es zwar kein grandioses Leseerlebnis, aber Meinungen sind ja in der Regel immer subjektiv!

Rituelle Menschenopfer - C. V. Hunt
Rituelle Menschenopfer
von C. V. Hunt
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,99

Hannibal Lecter ist zurück!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 04.05.2019

Nur ein Mann kann dem FBI noch helfen, den Frauenmörder "Buffalo Bill" zur Strecke zu bringen: Dr. Hannibal Lecter. Der kannibalische Psychiater wird auf Grund seiner eigenen Verbrechen, unter strengsten Sicherheitsauflagen, in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik verwahrt. Die junge FBI-Agentin Clarice Starling wird zu den Ermittlungen hinzugezogen. Frisch von der Akademie, trifft sie auf Lecter und kann noch nicht ahnen, auf welches Spiel sie sich hier eingelassen hat...

Es geht weiter mit Thomas Harris, denn nun dauert es nicht mehr lange, bis sein neues Werk das Licht der Bücherwelt erblickt.
Der zweite Thriller von Harris mit Hannibal Lecter, rückt diesen nun deutlicher in den Vordergrund. Wenn man vom Datum der Veröffentlichung ausgeht, war dies der zweite Teil der Reihe, chronologisch ist es jedoch schon der dritte, denn mit "Hannibal Rising" schrieb Harris 2006 die Vorgeschichte dieses Mannes.
1990 kam die erste deutschsprachige Ausgabe von "Das Schweigen der Lämmer" auf den Markt und dieser Thriller hat es wirklich in sich. In "Roter Drache" war ja schon so einiges los, aber Harris hat hier noch einmal eine ordentliche Schippe drauf gepackt und sein (für mich und bis jetzt) bestes Werk geschrieben. Psychologisch unheimlich dicht, stellenweise unfassbar brutal, durchgehend spannend und großartig geschrieben. Wie bereits in "Roter Drache", mischt Harris in seinem Thriller die klassische Ermittlungsarbeit mit Horrorelementen, allerdings noch einmal auf einem höheren Level.
Wer sonst bei aktuellen Werken zu Autoren wie Chris Carter, Cody McFadyen oder ähnlichen Schreibern greift und bisher noch nicht zu diesem (für mich) Klassiker durchgedrungen ist, sollte dies auf jeden Fall nachholen. Wie bereits bei "Roter Drache" sind die Ermittlungswerkzeuge zwar absolut veraltet, aber das tut dem Gesamtkonzept überhaupt keinen Abbruch. Man muss sich beim Lesen nur vergegenwärtigen, wie die Technik "damals" war und dann kann's losgehen. Ein geniales Ding!

Das Schweigen der Lämmer - Thomas Harris
Das Schweigen der Lämmer
von Thomas Harris
(16)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Auf der Suche nach einem ganz normalen Leben...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 30.04.2019

Cleveland, 2003: Ein junger Mann beginnt sein Studium am College und lernt dabei Emily kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten kurz darauf sogar. Er hat sich jedoch bei der Armee verpflichtet und wird das Land bald verlassen, um in den Irak zu gehen. Wieder zurück aus dem Krieg, kann er sich von den Bildern und Eindrücken nicht befreien und flüchtet mit Hilfe von Drogen aus der realen Welt. Auch Emily wird mitgezogen und bald schon beginnt der junge Mann Banken auszurauben, um den gemeinsamen Drogenkonsum zu finanzieren...

"Cherry" ist so ein Roman, der sich tief in seine Leser hineinfrisst, immer tiefer und tiefer und tiefer. Es ist ein Roman, den man nie mehr vergessen wird, wenn man ihn einmal gelesen hat, ob man will oder nicht!
Das Debüt von Nico Walker beschreibt das Leben eines fast ganz normalen jungen Mannes, der sein Studium am College beginnt und es über einen Nebenjob und den gelegentlichen Verkauf von Drogen finanziert. Ab und zu nimmt er sie auch selbst. Weil er sonst keine Perspektive sieht, verpflichtet er sich bei der Armee und geht als Sanitäter in den Irak. Die Beschreibungen von seinen Einsätzen lassen die Sinnlosigkeit des Ganzen, aber auch die schrecklichen Bilder, ungebremst auf den Leser los:
"Wir legen Rodgers in den Leichensack. Ein schockierter Seargent namens Edwards meint, da sei noch was von Rodgers im Humvee. Er zeigt auf einen glibberigen Schleimbatzen, der an den Überresten des Fahrersitzes herunterläuft. [...]. Dann gehe ich die Straße runter, von oben bis unten mit Blut und Dreck besudelt, und nichts ergibt irgendeinen Sinn." (S. 169)
Die kurzen Beschreibungen der Erlebnisse fressen sich in das Gehirn des Lesers und lassen ihn so schnell nicht mehr los. Walker greift aber nicht nur den Irak-Krieg auf, sondern geht ebenfalls auf die Opiodkrise ein und zeigt dem Leser die dunkle Seite der amerikanischen Gesellschaft. Das verschreibungspflichtige Medikament Oxycontin spielte diesbezüglich schon ab 1996 eine große Rolle.
Die Rückkehrer aus dem Irak werden konsequent im Stich gelassen, psychologische Hilfe findet sich kaum und Walkers Protagonist flüchtet sich immer mehr in eine Welt, die von Drogen dominiert wird und von Oxycontin geht's zu Heroin. Das Leben ist nur noch im Rausch erträglich.
Was Walker hier entfesselt ist ein literarischer Schlag in die Schnauze des "American Dream". Er zeigt dem Leser eine andere Form der amerikanischen Gesellschaft und zwar die, die ganz unten angekommen ist und keine Möglichkeit mehr sieht, nach oben zu kommen. Die Sprache ist hart, derbe und reduziert. Wer hier nach schönen Satzkonstruktionen sucht, ist Fehl am Platz. Der Stil entspricht dem Protagonisten und das ist einfach nur unheimlich gut gemacht.
Falls sie nach einem Roman mit Happy End suchen oder sich beim Lesen gut fühlen möchten, lassen sie bitte die Hände von diesem Buch. Für alle, die die Keule der Realität vertragen können, ist dieses Werk aber eine absolute Empfehlung, denn man merkt dem Autoren auf jeder Seite an, dass er genau weiß, wovon er spricht. Nico Walker war selbst Sanitäter im Irak und sitzt zur Zeit eine Haftstrafe wegen zahlreicher Banküberfälle ab. Dieses Buch entstand auf einer Schreibmaschine im Knast. Was hier an eigener Biografie hineingeflossen ist, ist nicht ganz klar, aber ich schätze, es war einiges. Für mich ist das, was Walker hier bietet, ein richtig starkes Stück amerikanischer Literatur. Hart, direkt und schonungslos! "Heyne-Hardcore´" hat seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht und ich bin dankbar, dass der Verlag diesen Titel auf den deutschen Markt gebracht hat. Bitte lesen sie dieses Buch, wenn sie es vertragen können, denn es ist großartig!

Cherry - Nico Walker
Cherry
von Nico Walker
(6)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Eine Besondere unter vielen!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 24.04.2019

Vom unbekannten Korsen, aufgestiegen zum Revolutionär auf dem Kaiserthron und schließlich abgestiegen ins Exil auf St. Helena: Die Biografie von Napoleon Bonaparte bietet so ziemlich alles und Günter Müchler fasst es in seiner Einführung auch sehr gut zusammen: "Letztlich ist es sein Leben, das bis heute in seinen Bann schlägt. Es ist ein Leben voll an hinreißenden Bildern; ein Leben, dessen Spannweite für hundert reichen würde." (S.18)
Geboren am 17. August 1749, feiert Napoleon in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag und über die letzten Jahre haben diverse Biografien das Licht der Welt erblickt. Warum sollte man nun ausgerechnet die von Günter Müchler lesen?
Viel Neues lässt sich in der Tat nicht erfahren, über den "kleinen Korsen", aber was diese Biografie wirklich zu etwas Besonderem macht, ist der Erzählstil von Müchler. So spannend, lebendig, faszinierend und so mitreißend wird leider viel zu selten in diesem Sektor geschrieben. Man merkt dem guten Mann, bezüglich seines Schreibstils, den Journalisten also durchaus an. Es gab natürlich schon einige Werke zuvor, die sich mit dem Leben Napoleons beschäftigt haben, jedoch war es oft nötig, sich mit mehr oder manchmal noch mehr Hintergrundwissen auszustatten, um allen Zusammenhängen zu folgen. Das ist ein weiterer Pluspunkt, der auf's Konto von Müchler wandert, denn für dieses Buch ist es zum Glück nicht erforderlich, sich zusätzlich noch Wissen anzulesen, um überhaupt die Zusammenhänge zu verstehen. Diese Biografie ist dadurch sowohl für Profis, als auch für interessierte Laien geeignet. Ein weiterer positiver Aspekt ist das verwendete Bilder, die den Leser nicht erschlagen, sondern wohldosiert daher kommen und gänzlich in schwarz-weiß gehalten sind.
Was ich als etwas negativ bewerte, ist das fast gänzliche Fehlen von Kartenmaterial. Bei manchen Ausführungen Müchlers hätte ich mir durchaus eine passende Karte gewünscht. In seinem Werk finden sich allerdings nur zwei davon (auf den Seiten 586 und 587), die einmal Europa im Jahr 1789 und einmal im Jahr 1812 zeigen. Das war mir persönlich zu wenig. Was leider auch manchmal etwas zu stark zum Tragen kommt, ist die Bewunderung von Müchler für Napoleon, die das Werk auf mancher Seite sehr subjektiv machen. Allerdings sind das auch wieder nur zwei kleine Sachen, denn das mit dem Kartenmaterial ist absolut zu verschmerzen und ich habe bisher auch noch nie eine Biografie gelesen, die gänzlich objektiv verfasst wurde.
Am Ende bleibt eine hervorragend geschriebene Biografie, die dem Leser die Person "Napoleon Bonaparte" näher bringt, als jemals zuvor. Das kommt raus, wenn fundiertes Wissen auf einen schönen Schreibstil knallt!

Napoleon - Günter Müchler
Napoleon
von Günter Müchler
(9)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

Jagd auf einen schizophrenen Killer...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 23.04.2019

In Florida verbreitet ein brutaler Killer Angst und Schrecken. Sein Ziel: Familien. Zwei fünfköpfige Familien hat er schon komplett ausgelöscht und es sieht nicht so aus, als wäre er schon fertig. Der junge FBI-Agent Will Graham wird auf den Fall angesetzt. Vor drei Jahren konnte er bereits den kannibalischen Psychiater, Dr. Hannibal Lecter, hinter Gitter bringen und wer könnte ihm jetzt bei einem psychologischen Profil des neuen Täters besser helfen, als Dr. Lecter? Die Jagd beginnt...

Am 20.05.2019 erscheint endlich ein neuer Thriller von Thomas Harris ("Cari Mora") und was kann man da besseres tun, als die alten Sachen nochmal aus dem Schrank zu holen? Eigentlich nichts, denn was dieser Mann im Thriller-Genre angerichtet hat, sucht seinesgleichen.
Gut, aus heutiger Perspektive sind die meisten Gerätschaften der Polizei völlig veraltet und es ist schon etwas seltsam, wenn sich die Menschen nicht ständig mit dem Handy gegenseitig anrufen oder sich per WhatsApp die neuesten Stände der Ermittlung zusenden, aber ich finde trotzdem, dass diese Bücher nicht an Reiz verloren haben. "Roter Drache" erschien bereits 1981 und wurde vom Heyne-Verlag 1988 auch auf die deutschen Leser losgelassen. Es ist der erste Roman von Thomas Harris, in dem er Dr. Hannibal Lecter ins Spiel bringt, auch wenn dieser wirklich nur eine Nebenrolle spielt.
Harris legt ein unheimliches Gespür für seine Charaktere an den Tag und das ist auch genau das, was ich in vielen Thrillern der heutigen Zeit vermisse. Harris weiß, wann er das Gaspedal treten muss und wann die Bremse, ohne dass die Spannungskurve absinkt. Das ist wirklich große Kunst und macht beim Lesen enorm viel Spaß!
Der Autor mixt fröhlich die klassische Ermittlungsarbeit mit harten Thriller-Elementen, dem ein oder anderen Ausbruch ins Horror-Genre und oben drauf kommt noch eine wunderbare psychologische Studie über den Wahnsinn des schizophrenen Mörders, der sich zeitweise für einen Drachen hält. Aber auch der ermittelnde FBI-Agent hat sein Päckchen zu tragen und auch das wird von Harris wunderbar erzählt.
Insgesamt ist "Roter Drache" ein enorm guter Thriller mit nur ganz wenig Luft nach oben und für alle, die ihn noch nicht kennen und ein gewisses Maß an Härte vertragen können, ein wunderbarer Einstieg in die Reihe um Dr. Hannibal Lecter!

Roter Drache - Thomas Harris
Roter Drache
von Thomas Harris
(18)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Michael Myers kehrt nach 40 Jahren zurück nach Haddonfield!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 11.04.2019

40 Jahre ist die brutale Mordserie in Haddonfield nun her und seitdem sitzt der Täter, Michael Myers, in einer psychiatrischen Anstalt, abgeschottet von der Außenwelt. Zusammen mit anderen hochgefährlichen Insassen soll Myers nun jedoch verlegt werden und es kommt, wie es kommen muss, während des Transports gelingt ihm die Flucht. Myers folgt seiner Berufung zu töten und kehrt zurück nach Haddonfield, wo er eine Spur aus Blut und Grauen hinter sich her zieht. Es kommt zur Konfrontation zwischen Michael und Laurie, die ihm damals nur knapp entkommen konnte. Doch wer ist in diesem Szenario der Jäger und wer der Gejagte?

Am 25. Oktober 2018 startete "Halloween" in den deutschen und amerikanischen Kinos und ist der mittlerweile elfte Teil des Halloween-Franchise. Der erste Film von 1978 ist ein absoluter Klassiker im Horrorsektor und gilt neben "Freitag der 13." als Meilenstein im Slasher-Genre.
Der neue Teil der Reihe macht eines auf jeden Fall sehr richtig, denn er ignoriert alle bisher gedrehten Fortsetzungen und setzt sich direkt hinter den ersten Teil...40 Jahre später. Statt Michael Myers flüchten zu lassen (wie im eigentlichen zweiten Teil), nachdem er von Dr. Loomies angeschossen wurde, wird er in diesem Szenario verhaftet und in eine psychiatrische Anstalt überstellt, wo er 40 Jahre seines Lebens zubringt, bevor ihm die Flucht gelingt.
Laurie Strode, wieder gespielt von Jamie Lee Curtis, hat sich in diesen 40 Jahren auf ein Wiedersehen mit Michael Myers vorbereitet. Sie weiß so ziemlich mit jeder Waffe umzugehen und ihr Haus gleicht einer Festung. Nach außen hin erscheint sie ziemlich durchgeknallt, doch sie weiß ziemlich genau, was sie tut. Vor allem die Weiterentwicklung ihrer Rolle fällt sehr positiv auf.
Heftige Sozialstudien sollte man hier aber trotzdem nicht erwarten, denn es ist immer noch ein Horrorstreifen, der hauptsächlich zur Unterhaltung und zum Schocken dient und das hat Regisseur David Gordon Green dann auch recht solide und effektvoll inszeniert.
Was am Ende bleibt ist ein moderner Slasher-Film, der durchaus seine harten Momente zu bieten hat, diese aber nicht zu stark in den Vordergrund drückt und auch viel auf Atmosphäre und Schockmomente setzt. Dabei fällt es erneut positiv auf, dass David Gordon Green weniger auf die gern genutzten "plötzlichen" Buh!-Momente setzt, sondern eher stimmungsvolle Schreckmomente schafft. Das gelingt ihm zwar nicht immer, aber meistens. Als Fan der Halloween-Reihe wird man eh ein Auge riskieren, für alle anderen Horrorfans dürfte "Halloween" dennoch alles beinhalten, was das Herz begehrt, ohne das Rad neu zu erfinden oder das Genre auf links zu krempeln. Solide Mittelklasse mit gutem Unterhaltungswert!

Halloween
Halloween
(4)
Film (Blu-ray)
16,99

Essen Sie den Frosch!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 11.04.2019

Wir leben in einer Zeit in der es immer wichtiger wird, so viel wie möglich in möglichst kurzer Zeit zu erledigen. Die Aufgabenliste wird immer länger und die Stunden, die man zur Erledigung der Tätigkeiten hat, nehmen dementsprechend auch schneller ab, als einem lieb ist. Wie schafft man also mehr Arbeit in weniger Zeit?
Die Antwort von Brian Tracy ist recht einfach, wirkt aber auf den ersten Blick sehr unbefriedigend: "Wir haben nie genug Zeit, um alles zu erledigen, was wir erledigen müssten. [...]. Egal wie viele Techniken zur Steigerung der persönlichen Produktivität Sie sich aneignen, es wird immer mehr zu tun sein, als Sie in der Zeit, die Sie zur Verfügung haben, schaffen können." (S. 7)
Brian Tracy verfolgt aus diesem Grund einen anderen Ansatz, denn wir werden niemals in der Lage sein, alles zu erledigen, was wir uns vornehmen, aber wir können lernen, uns auf die wichtigen Dinge zu fokussieren, die uns im Leben weiter bringen. Ich ertappe mich sehr gerne dabei, wie ich mich auf Aufgaben stürze, die zwar recht einfach zu erledigen, die aber nicht wirklich zielführend sind.
Der Buchtitel "Eat that Frog" bezieht sich auf ein amerikanisches Sprichwort, das da lautet: "Wenn du jeden Morgen als Erstes einen lebendigen Frosch isst, wirst du das Schlimmste, das dich an diesem Tag erwartet, bereits hinter dir haben." (S. 14) Der "Frosch" ist in Brian Tracys Buch die größte und wichtigste Aufgabe. Es ist genau die Aufgabe, die von den meisten Menschen immer wieder aufgeschoben wird, die letztendlich aber auch den größten positiven Effekt hätte. Das Erkennen der wirklich wichtigen und zielführenden Aufgaben ist die Grundlage für Tracys Form von Zeitmanagement.
Die effektive und effiziente Nutzung der Zeit, die wir beruflich und privat zur Verfügung haben, ist ein großes Thema und Tracy bricht es auf die wesentlichen Punkte runter. Er stellt insgesamt 21 Prinzipien vor, die bei konsequenter Anwendung zum Erfolg führen sollen. Ich bin durchaus gespannt, denn jetzt wo ich das Buch gelesen habe, werde ich auch versuchen den ganzen Spaß in das eigene Arbeits- und Privatleben zu integrieren. Die Theorie ist ja nur eine Seite der Medaille und die wird vom Autor absolut nachvollziehbar, anschaulich und gut lesbar dargestellt. Die praktische Umsetzung liegt letztendlich aber in der Hand des Lesers und aus diesem Grund kann ich Ihnen nur empfehlen: Essen Sie den Frosch!

Eat that Frog - Brian Tracy
Eat that Frog
von Brian Tracy
(4)
Buch (Taschenbuch)
20,00

Weltenlenker, mordlustige Bücher und alte VHS-Kassetten...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 10.04.2019

In Scharnow, einem kleinen Ort in der Nähe von Berlin, passiert eigentlich gar nichts. Aber eigentlich ist immer eine Einschränkung, denn plötzlich ist Scharnow das Zentrum für Vieles. Hier treffen sich Agenten, die den Weltenlenkern zu Leibe rücken, fliegende Superhelden kreuzen den Luftraum über dem Dorf, dem Pakt der Glücklichen geht der Alkohol aus, Bücher gehen zum Angriff über und als ein syrischer Praktikant sich für ein Mangamädchen stark macht, kommt auch die Liebe nach Scharnow...

Das ist er also, der erste Roman von Bela B. Felsenheimer. "Scharnow" heißt das gute Stück und auf den etwas über 400 Seiten geht es ordentlich zur Sache. Bela B. zündet ein wahres Feuerwerk an skurrilen und fantasievollen Einfällen, und verliert trotz der oft praktizierten Realitätsferne nicht den Blick für die Realität. Hut ab, denn der Spagat ist schwer!
Die Charaktere sind zahlreich und so wachsen einem die meisten nicht sonderlich ans Herz, denn ihre Auftritte sind in der Regel viel zu kurz und auch die Personen, die die Geschichte tragen, haben durch die Fülle an Geschichten innerhalb des Romans, kaum Platz um sich vor dem Leser zu entfalten. Aber dennoch sind manche der Figuren für den Leser ausreichend greifbar und das soll für's Erste genügen.
Trotz der vielen Geschichten, die hier parallel laufen und hier und da immer mal wieder ineinander greifen, war der Roman aus meiner Sicht nicht überladen. Die genialen Einfälle und die Fantasie von Bela B. tragen dann dazu bei, dass aus "Scharnow" etwas wird, was man in dieser Form selten zu lesen bekommt. Die Liebe des Autoren zu alten Gore-Klassikern auf VHS kommt hier immer mal wieder zur Sprache, Verschwörungstheoretiker werden ordentlich durch den Kakao gezogen, es gibt Sex und Gewalt, homosexuelle Eichhörnchen, aber auch durchaus tragische und ernste Themen. Es gibt in diesem Roman also nichts, was es nicht gibt.
Ich habe mich bei der Lektüre jedenfalls enorm unterhalten gefühlt, ziehe meinen imaginären Hut und würde mich freuen, wenn es bald noch mehr von diesem Mann zu lesen gibt! Wer sich gerne auf literarische Experimente und schräge Ideen einlässt, dem sei "Scharnow" folglich sehr ans Herz gelegt!

Scharnow - Bela B. Felsenheimer
Scharnow
von Bela B. Felsenheimer
(36)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

 
zurück