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Meine Lieblingsbuchhändler

André Pingel
aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen

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Meine Empfehlungen

"Kängurus können sehr freundlich sein. Die sind nicht alle mies."

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 17.05.2020

Tief in den Wäldern der USA liegt ein altes Herrenhaus, das von der Regierung als militärische Irrenanstalt genutzt wird. Alle dort untergebrachten Soldaten leiden an unterschiedlichen Geisteskrankheiten. Doch ist das wirklich die Wahrheit? Oder spielen die Insassen nur die Verrückten?
Der Marine-Psychiater Hudson Cane soll Licht ins Dunkel bringen, doch nicht die Insassen sind seine größte Herausforderung, sondern vielmehr die Dämonen der eigenen Vergangenheit…

Der US-amerikanische Autor William Peter Blatty ist vor allem durch seinen 1971 erschienenen Roman „Der Exorzist“ bekannt und das auf diesem (meiner Meinung nach) Meisterwerk der Horrorliteratur basierenden Drehbuch für den 1973 entstandenen Film, für das er sogar einen Oskar erhielt.
Bereits 1966 schrieb Blatty allerdings einen ebenso genialen Roman, zuerst mit dem Titel „Twinkle, Twinkle, Killer Kane“, später veröffentlicht als „The Ninth Configuration“. Der Festa-Verlag ließ es sich zum Glück nicht nehmen, dieses Werk in seiner „Festa-Must-Read“-Reihe neu herauszugeben und so kommen auch die deutschen Leser in den Genuss dieses hervorragenden Buches. Im Gegensatz zu „Der Exorzist“ ist „Die neunte Konfiguration“ fern ab von Horror und vielmehr im Bereich des psychologischen Romans angesiedelt, angereichert mit viel Philosophie. Es werden Dinge erörtert wie die Existenz Gottes, ein mögliches Leben nach dem Tod, um nur zwei Beispiele zu nennen. Manche Abschnitte sind unheimlich humorvoll, andere dagegen sind unheimlich tragisch. Am Anfang werden zwar sehr viele Charaktere vorgestellt und eine Sortierung fällt erst schwer, mit jeder gelesenen Seite kristallisieren sich jedoch die Protagonisten heraus und die Struktur innerhalb der Irrenanstalt wird zunehmend klarer. Simulieren die Gefangenen ihren Wahnsinn nur, um sich vor dem Dienst in der Armee zu drücken? Flüchten sie sich vielleicht in den freiwilligen Wahnsinn, um sich vor dem wirklichen Durchdrehen zu schützen? Oder sind die Patienten wirklich verrückt? Und was hat das mit der Vergangenheit von Hudson Kane zu tun? Nach einem wirklich exzellenten Twist und im großen Finale hat man fast auf alles eine Antwort und manche Fragen brauchen letztendlich keine klare Beantwortung, sondern können so wie sie sind auch einfach stehen bleiben. Einfach großartig!
Wer hier Horror erwartet, wird vollkommen enttäuscht. Wer sich allerdings auf einen psychologischen und philosophischen Roman einlässt, der Komik und Tragik unheimlich gut vereint, der wird mit einem ganz besonderen Buch belohnt. Ich bin mehr als nur begeistert!

Die neunte Konfiguration - William Peter Blatty
Die neunte Konfiguration
von William Peter Blatty
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,99

Oldschool-Gruselschocker!

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 16.05.2020

Amerika, 1968: Es ist Halloween und in der Kleinstadt Mill Valley wird dieses Fest auch ausgelassen gefeiert. Eine Gruppe Jugendlicher begeht den bösen Fehler, ein Geisterhaus auskundschaften zu wollen und dringt in das ehemalige Anwesen der Familie Bellows ein, das sich am Rande der Stadt befindet. Ein junges Mädchen aus der Gruppe entdeckt ein mysteriöses Buch und schon kurze Zeit später wünscht sie sich, dass sie es nie in die Hand genommen hätte, denn noch nicht alle Geschichten sind geschrieben…

Basierend auf der Geschichtensammlung „Scary Stories to tell in the Dark“, die von Alvin Schwartz zusammen getragen und von Stephen Gammell illustriert wurde, hat dieser geile Horrorfilm das Licht der cineastischen Welt erblickt und hat mich restlos begeistert!
Regisseur André Øvredal und Produzent Guillermo del Toro legen ein unheimliches Gespür für Grusel und Horror an den Tag und die beiden haben die Geschichten wahnsinnig gut inszeniert. Legen Sie diesen Film ein, schalten Sie die Lichter aus und lehnen Sie sich zurück und sofern Sie gute Horrorfilme lieben, genießen Sie die folgenden 103 Minuten in vollen Zügen. Aus den Geschichten, die eigentlich für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren am Lagerfeuer erzählt werden, hat Øvredal mit seiner Liebe zum Detail einen Oldschool-Grusel-Schocker gezaubert, der auf ganzer Länge überzeugt. Die Schockmomente sitzen, der Ekelfaktor wird stellenweise enorm in die Höhe getrieben und die Effekte sind zum Großteil noch schön von Hand gemacht und nur da wo es sein musste, wurde mit CGI gearbeitet. Allein die Leiche in „The Missing Toe“ sieht so heftig aus, dass man das verwesende Fleisch fast durch den Fernseher wahrnehmen kann. Großartig! Bei der filmischen Umsetzung hat man sich fast 1:1 an den Illustrationen von Stephen Gammell orientiert, was auch noch einmal als absoluter Pluspunkt vermerkt werden kann.
In diesem Teil der Reihe (die demnächst zum Glück fortgesetzt wird, denn der zweite Teil befindet sich bereits in der Produktion) wurden nun einige der Kurzgeschichten, die sich in den drei Bänden von „Scary Stories to tell in the Dark“ finden (z.B. „Harold“, „The Missing Toe“ und „The Dream“), zu einer Handlung zusammen gesetzt und das wirkt nicht im Geringsten holprig, sondern ist eine völlig runde Sache.
Laut del Toro handelt es sich bei der filmischen Umsetzung um einen Familienhorrorfilm (in den USA erhielt er sogar ein PG-13-Rating), allerdings finde ich die Altersfreigabe ab 16 hier in Deutschland völlig gerechtfertigt. Er ist zwar nicht übermäßig blutig, aber die Schockeffekte sitzen und auch die Grundstimmung des Films ist unheimlich düster. Es ist kein Film, den ich Kindern unter 16 zwingend zeigen würde, wenn ich nicht Lust hätte, danach einen Therapeuten zu bezahlen oder ständig Bock hätte, die Bettwäsche zu waschen. Ein herrlicher und liebevoll umgesetzter Horrorstreifen, der mich satte 103 Minuten unterhalten hat und die meiste Zeit über auch schocken konnte. Für Oldschool-Horrorfans eine absolute Empfehlung!

Scary Stories to tell in the Dark
Scary Stories to tell in the Dark
(1)
Film (DVD)
12,79 bisher 14,99

"Immer wieder sah sich die Naturwissenschaft mit Rätseln konfrontiert, ...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 15.05.2020

...aber wenige haben sich so lange gehalten wie das des Aals."

Der schwedische Autor Patrik Svensson begibt sich in seinem Debüt auf große Spurensuche und schreibt ein Buch über den Aal. Die Geschichte des Aals in einem Buch? Echt jetzt? Es gibt bereits Bücher über Oktopoden, Wale, Insekten und verdammt viele andere Dinge und Tiere, die hier so auf der Erde kreuchen und fleuchen, also warum nicht auch ein Buch über den Aal? Es wäre auch verdammt schade gewesen, wenn Svensson es nicht geschrieben hätte, denn es ist nicht nur unheimlich erkenntnisreich, sondern nebenbei auch noch wunderschön!
Wussten Sie zum Beispiel, dass sich sogar Sigmund Freud daran versucht hat, das Geschlecht des Aals zu finden? Er fand leider nie heraus, wie sich Männchen und Weibchen unterscheiden, denn zur damaligen Zeit war ihm noch nicht bekannt, dass Aale gar keine sichtbaren Geschlechtsorgane haben, bevor sie sie benötigen: „Ein Aal wird, was er sein muss, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“
Dieser Fisch legt bis zu fünfig Kilometer am Tag zurück und ist in der Lage bis zu 1000 Meter unter der Meeresoberfläche zu schwimmen. In Gefangenschaft wurden Aale bis zu achtzig Jahre alt, in freier Wildbahn wird ihr höchstes Alter auf knapp 50 Jahre geschätzt. Mittlerweile ist der Aal allerdings vom Aussterben bedroht.
Svensson erzählt in seinem Werk nun aber nicht nur die unheimlich faszinierende Geschichte eines der rätselhaftesten Tiere dieser Welt, sondern bettet hier ebenso die Geschichten von ihm und seinem Vater mit ein und schafft es auf diesem Wege auch existentielle Fragen zu stellen, die jeden Menschen betreffen. Wo komme ich her? Wo will ich hin? Wer bin ich eigentlich?
Svensson erzählt in einem sehr unaufgeregten, ruhigen und wunderschönen Stil, der einen als Leser völlig fort trägt, mitten in die faszinierende, geheimnisvolle und immer noch stellenweise unbekannte Welt der Aale, denn auch wenn wir heute viel über diese Tiere wissen, sind dort immer noch kleine schwarze Flecken in der Geschichte zu finden. So bleibt der Aal auch weiterhin ein kleines Mysterium, das bereits Aristoteles fasziniert hat und auch heute noch die Wissenschaft beschäftigt. Svenssons Buch ist wirklich ganz großes Kino und eine bedingungslose Empfehlung für alle, die sich für solche Erzählungen interessieren!

Das Evangelium der Aale - Patrik Svensson
Das Evangelium der Aale
von Patrik Svensson
(99)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Blut, Sex, Gewalt und mordende Mumien...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 13.05.2020

Im alten Ägypten wurde Amara als Geächtete bestattet und ihre Grabkammer, sowie ihr Sarkophag, wurden mit Bann- und Schutzsiegeln versehen. Doch der Sarkophag gelangt als Folge von Ausgrabungen nach Kalifornien. Als die schützenden Siegel zerbrochen werden, bekommt die Mumie Amara erneut die Chance unter den Lebenden zu wandeln und zieht eine blutige Spur hinter sich her…
Währenddessen erwacht Ed Lake in einem Käfig. Er wurde nieder geschlagen, entführt und eingesperrt. Doch warum genau ist er an diesem Ort? Er ist nicht der einzige Gefangene und kurze Zeit später wird er notgedrungen in das perverse Spiel seiner Entführer eingeweiht…

Richard Laymon gilt als ein König unter den Horror-Autoren. Er starb bereits 2001, hat der geneigten Leserschaft aber einen ordentlichen Haufen an unterhaltsamen Geschichten hinterlassen. „Der Käfig“ ist nun eine davon und wenn man vorher dachte, dass mordlüsterne Mumien und perverse Spiele im Folterkeller nicht Hand in Hand gehen können, der wird von Laymon eines Besseren belehrt.
Auf der einen Seite hat man Amara, die aus ihrem Sarkophag entkommen ist und nun ihren kleinen Rachefeldzug in Kalifornien veranstaltet, auf der anderen Seite hat man Ed Lake, der mit zwei weiteren Gefangenen in einem Keller hockt und zu perversen Spielen gezwungen wird. Diese Geschichten laufen lange Zeit nebeneinander her und es werden hier und da mal wieder neue Charaktere eingeführt, denen man als Leser folgt, zu denen man aber keine sonderlich große Bindung entwickelt. Es ist wie in einem Horror-B-Movie…die Menschen sind anwesend, manche länger, manche auch nicht.
Laymon ist bei „Heyne Hardcore“ recht gut aufgehoben, denn auch wenn die Geschichte nach dem blutigen Auftakt ein klein wenig Zeit braucht, um richtig in Schwung zu kommen, werden danach keine Gefangenen mehr gemacht. Amara splattert sich durch die Nacht, es werden Kehlen zerrissen, Gesichter abgenagt und auch der arme Ed Lake muss einiges über sich ergehen lassen, bis beide Geschichten in einem grandiosen Finale ineinander laufen und der Metzelfaktor noch einmal gehörig nach oben schießt.
Für Genrefans also eine absolute Empfehlung, denn Laymon ist nicht umsonst eines der Aushängeschilder des makabren und blutigen Horrors!

Der Käfig - Richard Laymon
Der Käfig
von Richard Laymon
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

"Aber bist du nicht sein Blut?" - "Ich bin niemandes Blut."

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 05.05.2020

Sucher ist ein Jäger mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn und wenn er einmal Witterung aufgenommen hat, verliert er die Spur nicht mehr. Seine neue Aufgabe wird jedoch auch zu seiner bisher größte Herausforderung: Er soll einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Die Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Hexen, Gestaltenwandlern und noch vielem mehr, was sich ihm in den Weg stellt, doch wird er am Ende den Jungen wirklich finden und die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen?

„Man Booker Prize“-Träger Marlon James weiß genau, wie er die Gemüter erhitzen kann und nichts anderes wird auch sein neuer Roman „Roter Wolf, Schwarzer Leopard“ leisten. Nach dem unheimlich genialen „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ und dem ebenso verstörenden wie großartigen Werk „Der Kult“ lässt er einen richtig geilen Fantasy-Brecher von der Leine, der die Leserschaft spalten wird. Von vielen unheimlich abgefeiert, trifft der derbe und raue Ton von James nicht nur auf Wohlwollen, sondern auf ebenso heftige Ablehnung.
Und ja, die Art zu schreiben, die der Autor an den Tag legt, dürfte nicht wirklich etwas für jeden Leser dort draußen sein. Marlon James nimmt absolut kein Blatt vor den Mund, schildert Sex in all seinen Formen und lässt seinen homosexuellen Helden eine unfassbare Spur von Gewalt und Blut hinter sich herziehen. Platzende Herzen sind hier nur die kleine Spitze des Eisberges. Jede Schilderung von James ist explizit (sei es nun Sex oder Gewalt) und legt es darauf an, zu schocken. Das schafft der Autor auch unheimlich gekonnt und ist dabei so genial wie er nur sein kann!
Das Ganze spielt dann in einer Fantasy-Welt, die sich sehr stark von afrikanischen Mythen beeinflusst zeigt, wie zum Beispiel die „Mingi-Kinder“, die der Protagonist auf seiner Reise trifft, dem Fabelwesen „Asanbosam“ und dem „Nkisi Nkondi“. Das sind nur drei Entlehnungen aus der afrikanischen Glaubenswelt und der Welt der afrikanischen Mythen und Sagen. Marlons Werk ist voll davon und so mixt der Autor fröhlich seine Fantasy-Welt mit existierendem Glauben und Legenden. Einfach nur geil!
Der Stil von Marlon James ist zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftig und die holprige Art des Erzählens hat mich knapp 200 Seiten gekostet, damit ich mich erst einmal zurechtfand, aber das war es mehr als wert! Zu Beginn seiner Geschichte findet der Leser eine Auflistung der Figuren, die in dieser Erzählung auftauchen und im Buch sind mehrere Karten, die einem die Orientierung erleichtern. Falls man also mal nicht weiß, wo man sich befindet und wer wer ist, kann man sich immer wieder Hilfe holen. Wenn man aber erst einmal in der Welt angekommen ist, die der Autor hier hochgezogen hat, nimmt sie einen auch völlig gefangen und auch die vielen Orte und Personen stellen kein Problem mehr dar. Der Auftakt zur „Dark-Star“-Trilogie ist James also mehr als nur gut gelungen und hat mich absolut begeistert zurückgelassen. In Anbetracht der Tatsache, dass bei diesem Buch die Meinungen jedoch extrem auseinander gehen, sei hier aber der Rat gegeben, vorher einmal reinzulesen. Passt es oder passt es nicht?
Für mich hat es absolut gepasst und meiner Meinung nach ist es wieder einmal ein Geniestreich aus der Feder eines der besten Autoren unserer Zeit!

Schwarzer Leopard, roter Wolf - Marlon James
Schwarzer Leopard, roter Wolf
von Marlon James
(18)
Buch (gebundene Ausgabe)
28,00

"Sie werden sterben. Und die Welt wird nach heute ein bisschen besser sein."

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 17.04.2020

Bis auf ihr Aussehen haben die beiden Zwillinge Zara und Zoë nichts gemeinsam. Die eine ist Europols beste Profilerin, die andere arbeitet für die Mafia. Doch nun ist es wieder an der Zeit die Rollen zu tauschen, denn es geht darum, einen Terroranschlag zu verhindern und das geht nicht ohne Zoë. Durch ihre Skrupellosigkeit kommt sie an Orte, die ihrer (eigentlich immer) regelkonformen Zwillingsschwester verwehrt bleiben. Doch dieser Rollentausch fordert dieses Mal auch von Zara sich auf kriminelle Machenschaften einzulassen…

Denkt man an Frankreich, dann denkt man an gutes Essen, schöne Strände, den Eifelturm…
Alexander Oetker kennt als langjähriger Frankreichkorrespondent aber auch eine andere Seite dieses Landes und die zeigt er seinen Lesern. Fernab von Lavendelträumen und Weingelagen, präsentiert er in der Reihe um die beiden Zwillingsschwestern, Zara und Zoë, ein zerrissenes Land mit den Reichen auf der einen Seite, den Armen auf der anderen Seite und einer immer weiter schwindenden Mitte. Die Kriminalität ist hoch und die Perspektiven der Menschen, die nicht das Glück hatten, in einer guten Familie aufzuwachsen, tendieren gegen Null.
In diesem Szenario entfaltet Alexander Oetker seine erneut actionreiche Geschichte, erzählt von Mafiamachenschaften, Terroranschlägen und den Zuständen in den Flüchtlingslagern an der Grenze zu Europa. Das alles speist sich zum Großteil aus den Erfahrungen von Oetker, die er als Frankreichkorrespondent gesammelt hat, was er in der Danksagung auch noch einmal erläutert. Das macht diesen Thriller vom Setting her sehr realistisch.
Über Zara und Zoë erfährt man leider nicht viel Neues, obwohl ich mir gewünscht hätte, dass im zweiten Teil etwas mehr zur Geschichte der beiden Schwestern erzählt wird. Ein paar Bröckchen bekommt man hingeworfen und Oetker hebt sich wahrscheinlich noch genug auf, um auch in den folgenden Bänden (hoffentlich) noch weiter von den beiden zu erzählen.
Für alle, die einen Thriller fernab aller Mittelmeer-Romantik lesen wollen ist die Reihe um Zara und Zoë auf jeden Fall etwas, was man als Leser antesten sollte! Gut recherchiert, voller Action, glaubwürdige Charaktere und spannend bis zum Schluss. Und genau der hat vor allem in Teil zwei auch einen ordentlichen Schockeffekt. Ich hoffe der dritte Band lässt nicht allzu lange auf sich warten!

Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge - Alexander Oetker
Zara und Zoë - Tödliche Zwillinge
von Alexander Oetker
(38)
Buch (Paperback)
14,99

"Ich glaube, man lebt immer in der Hölle auf Erden, ganz gleich, wer man ist."

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 14.04.2020

Jack hat ein großes Ziel im Leben und genau deshalb ist er nach Hollywood gekommen: Er will ein berühmter Star werden. Doch so leicht gestaltet sich der Aufstieg in Hollywood nicht und zunächst landet Jack auf dem Strich, um sich den Drogenkonsum leisten und die Miete zahlen zu können. Doch dann lernt er die wunderschöne und reiche Bella kennen und glaubt, dass nun all seine Träume wahr werden, doch wie sich zeigt, fängt der Albtraum gerade erst an…

Matthew Stokoe hat mir bereits mit seinem Erstling „Kühe“ gezeigt, dass man abartig und genial zugleich sein. In „High Life“ geht Stokoe noch mehrere Schritte weiter. Wer Literatur an der Grenze des ertragbaren möchte, ist bei diesem Autoren an der falschen Adresse, denn Stokoe prügelt seine Leser mit aller Gewalt über diese Grenze hinaus.
Bereits 2002 erschien die amerikanische Originalausgabe von „High Life“ und es hat satte 16 Jahre gedauert, bis dieses Meisterwerk dank dem Festa-Verlag 2018 auch auf den deutschen Buchmarkt kam. Stokoe widmet sich hier auf unvergleichliche Art der dunkelsten Seite von Hollywoods Film- und Fernsehwelt und seine Leser müssen all das ertragen, was er an Sex, Gewalt und Drogen auf sie fallen lässt wie ein Sack Backsteine. Aber nicht nur seine Darstellungen sind übel, auch seine Sprache ist unheimlich derbe und trifft wie ein gezielter Schlag in die Magengrube. Man hat beim Lesen schon fast körperliche Schmerzen. Es ist ein Roman, der einem auf die übelste und konsequenteste Art vor Augen führt, was passiert, wenn man den Ruhm über alles stellt.
Ganz in der Tradition von „American Psycho“ und „Fight Club“ reißt Stokoe literarische Grenzen nieder und konfrontiert seine Leser mit einer grauenhaften und brutalen Welt, die von Drogen und Sex dominiert wird und aus der es kein Entkommen mehr gibt, sobald man sie einmal betreten hat. Das stellt Jack bereits sehr früh fest: „Ich hatte eine Linie überschritten, die die Normalität von etwas anderem trennte; ich hatte etwas getan, das den meisten Menschen ein Anlass für Lynchjustiz wäre, und ich fühlte mich an diesem Morgen so real wie einer dieser Typen in den Escape-Werbespots. Es war schmutzig und abstoßend gewesen, aber ich wollte mehr davon.“
Stokoe sticht mit seinen Worten immer wieder unerbittlich zu, aber das reicht ihm natürlich nicht. Er dreht das Messer auch noch in der Wunde, damit sie sich nicht schließen kann und holt dann den Zitronensaft. Er schickt seinen Protagonisten immer tiefer in die Hölle und der Rückweg ist versperrt. Um höher hinaus zu kommen, muss Jack immer weiter gehen und tiefer sinken, doch das tut ihm nicht einmal ansatzweise leid. Es findet eine Entwicklung bei ihm statt, die ihn immer tiefer in den Strudel aus Gewalt, Sex und Drogen reißt, ohne dass es ihn auch nur annähernd stört. Eher das Gegenteil. Das einzige, was ihn wirklich nervt ist, wenn der Erfolg und der Ruhm ausbleibt, denn er tut wirklich alles, um dazu zu gehören.
Stokoe hat mit „High Life“ ein unheimlich brutales Meisterwerk entfesselt, dass die Grenzen eines normalen Krimis oder einer beißenden Satire mit aller Kraft sprengt und zu etwas ganz eigenem wird. Ich war gleichzeitig angeekelt, fasziniert und begeistert! Wer sich traut und beim Lesen gerne über seine Grenzen hinaus geht, der sollte hier zugreifen, denn aus meiner Sicht ist dieser Mann zu gleichen Teilen widerlich und genial. Wer auf solche Experimente allerdings keinen Wert legt, sollte einen großen Bogen um Stokoe machen. Von mir gibt es allerdings für das sehr abgehärtete Publikum eine klare Leseempfehlung!

High Life - Matthew Stokoe
High Life
von Matthew Stokoe
(11)
eBook (ePUB)
5,99

"Wandere lange genug mit offenen Augen durch die Welt, dann fängst du irgendwann an, ...

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 09.04.2020

...Entdeckungen zu machen."

England 1946. Das Land ist vom Krieg gezeichnet. Robert Appleyard ist 16 Jahre alt und nicht sonderlich begeistert von der Aussicht, bald unter Tage arbeiten zu müssen. So wie sein Vater, dessen Vater und dessen Vater…
Bevor es für ihn in den Stollen gehen soll, um Kohle abzubauen, will er das Meer erleben und macht sich auf den Weg, zu Fuß zur Küste. Auf seiner Reise lernt er die äußerst unkonventionelle Dulcie Piper kennen und durch sie auch ein Leben, das ganz anders ist, als alles, was er bisher kannte…

Es gibt Bücher, die nehmen ihre Leser gar nicht gefangen. Dann gibt es Bücher, die brauchen vielleicht bis zur Hälfte, um wirklich zu zünden. Es gibt allerdings auch welche, die bereits nach nur wenigen Seiten für absolute Begeisterung sorgen und dann gibt es diese seltenen Bücher, die es bereits mit nur wenigen Sätzen schaffen. „Offene See“ von Benjamin Myers war für mich genau so ein Buch. Nur drei Sätze haben ausgereicht und ich war begeistert. Es ist ein Buch, das die Kraft des geschrieben Wortes in all seinen Formen feiert!
Ein Buch voller Poesie und liebenswerter Charaktere, ein Buch das einen besonderen Blick auf das Leben wirft und eines besonders deutlich macht: Wir existieren nicht um zu arbeiten (auch wenn es viele Jobs gibt, die wichtig sind), sondern wir existieren um zu leben. Irgendwann steht man vielleicht wie der Protagonist vor dem Spiegel und fragt sich: „Wo ist das Leben geblieben?“
Zeit ist etwas, was vergeht und wenn man irgendwann vor dem Spiegel steht und die Person nicht mehr erkennt, die einem dort entgegenstarrt, weil die Falten immer tiefer geworden sind, wird man sich zu den Momenten zurück träumen, in denen man das Leben einfach gelebt hat. Ein wunderschönes, tiefgründiges Buch, das dem Leser die Frage stellt: „Wohin führt das Leben?“
Benjamin Myers hat ein für mich zeitloses Werk verfasst, das noch lange in mir nachwirken wird. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man bereits im ersten Durchgang viel zwischen den Zeilen liest, aber mit etwas zeitlichem Abstand auch garantiert neue Dinge entdeckt, die einem zuvor entgangen sind. Es ist eines dieser Bücher, das man mit Sicherheit öfter als nur einmal lesen wird! Für solche Momente sollte ich mir vielleicht doch endlich mal einen Hut zulegen, denn den würde ich nun gerne vor diesem Autoren ziehen. Ich kann sie nur bitten dieses Buch zu lesen, in der Hoffnung, dass es sie genau so begeistern wird, wie mich, denn das wäre einfach nur wundervoll!

Offene See - Benjamin Myers
Offene See
von Benjamin Myers
(88)
eBook (ePUB)
15,99

„Sofort anschnallen!“ – „Alles klar, andernfalls könnte es gefährlich werden!“

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 08.04.2020

Sarah Connor hat es damals geschafft und den Tag der Abrechnung verhindert. Skynet hat also nie die Kontrolle übernommen, doch der Krieg zwischen Mensch und Maschine geht dennoch weiter. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte nach diesem Ereignis, lebt Dani Ramos zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Vater ein recht einfaches Leben in Mexiko City, als ein hochentwickelter Terminator – ein Rev-9 – zurück durch die Zeit reist, um sie aufzuspüren und zu töten. Skynet wurde zwar vernichtet, allerdings haben die Menschen weiter an einer KI geforscht und nun hat „Legion“ in der Zukunft die Kontrolle übernommen und Dani wurde als Gefahr identifiziert, da sie in der Zukunft den Wiederstand anführen wird. Grace, eine weiterentwickelte Supersoldatin, wurde aber ebenfalls in der Zeit zurück geschickt, um Dani vor dem Terminator zu beschützen und auch Sarah Connor mischt ordentlich mit. Doch als die drei Frauen an ihre Grenze kommen, scheint ein alter T-800 die letzte Rettung zu sein…

Normalerweise würde ich bei so einem Wetter nicht dazu raten, zum Stubenhocker zu werden, wenn es aber um „Terminator“ geht und noch dazu um eine Empfehlung von Matthias Kesper (herzliche Grüße an dieser Stelle), darf man ruhig mal eine Ausnahme machen. Also…rein mit der Blu-Ray und zurück lehnen…
„Terminator – Dark Fate“ ist der mittlerweile sechste Film der Reihe, chronologisch spielt er allerdings direkt nach „Terminator – Tag der Abrechnung“ und ignoriert alle Teile danach, was eine neue Zeitlinie etabliert. Dieser Schachzug war goldrichtig, denn so eröffnen sich dem Franchise wieder ganz andere Möglichkeiten und dieser Teil ist auch endlich wieder mit Beteiligung von James Cameron entstanden, der am Drehbuch mitgewirkt hat.
Ich kann mich dem Urteil meines Kollegen nur anschließen, denn dieser Film ist wirklich die perfekte Ablenkung von dem, was da draußen zur Zeit passiert. Lehnen Sie sich zurück, drücken Sie „Play“ und lassen Sie zwei Stunden Action auf sich niederregnen. Der Film geht auch recht schnell in die Vollen und es wird geballert, geprügelt und Autos fliegen durch die Luft. Die Produktionskosten von 185 Millionen Dollar wurden gut investiert, denn die Special Effects sind großartig und die Action-Sequenzen haben es in sich! Es knallt, scheppert und kracht an jeder Ecke, aber zwischendurch bekommt man zum Glück auch Zeit, etwas durchzuatmen und es kommt etwas Story um die Ecke. Die unterscheidet sich nicht sonderlich von allen anderen Teilen Terminator, aber man kann ja auch nicht zwei Stunden konsequent durchkloppen. Auch hier wurde also alles richtig gemacht!
Linda Hamilton, die seit ihrem letzten Terminator-Auftritt 1991 wieder Sarah Connor spielen darf, hält ihre Falten selbstbewusst in die Kamera und die stehen ihr auch unheimlich gut. Sie agiert großartig und einem Actionfilm absolut angemessen, genauso wie Arnold Schwarzenegger, der nach einer knappen Stunde seinen Auftritt hat, dann aber auch nach kurzer Zeit das Gaspedal durchtreten darf und das Ding bis zum Ende auch durchgetreten lässt. Beide zeigen deutlich, dass sie es auch im Alter noch drauf haben! So ist’s recht! Der Film kommt natürlich nicht ohne flotte Sprüche aus, erfreulicherweise sitzen die meisten davon aber auch genau an der richtigen Stelle, wie zum Beispiel das vom Kollegen bereits erwähnte „Ich komme wieder!“, das dieses Mal von Sarah Connor kommt.
„Terminator – Dark Fate“ ist letztendlich genau das geworden, was ein Film aus der Reihe sein sollte: Ein konsequenter Krach-Bumm-Streifen mit ordentlich Action. Wer die Reihe mag, wird hier also erneut seine absolute Freude haben!


Terminator - Dark Fate
Terminator - Dark Fate
(3)
Film (Blu-ray)
16,79

"Ein Lehrer führt und deutet zu der Wahrheit, die jeder Schüler für sich selbst finden muss."

André Pingel aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 04.04.2020

Bruce Lee wurde gerade einmal 32 Jahre alt, hat in dieser kurzen Lebensspanne allerdings unheimlich viel erreicht. Er gilt als einer der einflussreichsten Kampfkünstler (er entwickelte den Kampfkunststil „Jeet Kunde Do“) und ebenso als Ikone des Martial-Arts-Films. Doch nicht nur in diesen Bereichen konnte sich Bruce Lee hervorheben, auch seine Lebensweisheiten (die sich aus den Lehren des Buddhismus und des Taoismus speisten) sind nun endlich gedruckt verfügbar und zeigen, mit welcher Intensität er sich mit dem Leben auseinandergesetzt hat.
Ganz dem Buddhismus folgend, sagte er aber auch über seine eigene Philosophie, dass man seinen Ausführungen nicht immer bedenkenlos folgen, sondern alles hinterfragen sollte: „Auf deiner Suche nach der Wahrheit musst du die Dinge unabhängig erforschen, statt dich auf die Ansichten von jemand anderem oder ein Buch zu verlassen.“
Aber auch, wenn man sich nicht auf ein Buch verlassen sollte, darf man sich dieses hier sehr gerne zulegen, wenn man ein Bruce Lee-Fan ist (schuldig) und sich für östliche Weisheiten interessiert (ebenfalls schuldig). Die hier zusammengetragenen Lebensweisheiten (über 800) beziehen sich auf wirklich alle Bereiche des Lebens, wie zum Beispiel das Leben an sich, den Tod, das Glücklichsein, die Vernunft, die Liebe und noch so vieles vieles mehr. Es ist wirklich ein kleiner Schatz, in dem man immer wieder gerne blättert von einem sehr reflektierten und intelligenten Mann! Absolute Empfehlung!

Know yourself! - Bruce Lee
Know yourself!
von Bruce Lee
(5)
eBook (ePUB)
14,99

 
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