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Meine Bewertungen

Eine merkwürdige Flaneurin

FrauSchafski , am 05.05.2019

Dieses Buch hat mich vor allem deswegen interessiert, weil es in Russland, genauer gesagt in St. Petersburg, spielt und ich Land und Kultur kaum kenne. Viele der darin beschriebenen kulturellen Eigenheiten erschienen mir befremdlich, ebenso wie der Eindruck, den unsere Protagonistin Lubotschka von Deutschland und „dem Westen“ hat. Der Blick, den sie dem Leser auf „ihre“ Stadt gewährt, ist gefärbt von Aufbruch und melancholischer Tauer gleichermaßen, wird sie doch in Kürze ihre Heimatstadt gen Deutschland verlassen.

Es dauert eine Weile, bis man sich in der schnell wechselnden Erzählweise zurecht findet. Die Erzählerin springt von einem Gedanken zum nächsten, greift eine Anekdote auf, nur um durch ein Stichwort gleich zur nächsten angeregt zu werden. Währenddessen flaniert sie seitenlang durch die Stadt, lässt uns deren Schönheit, aber auch Eigenheiten durch ihre Augen erleben. Es ist der Blick einer jungen Frau, die gerade das Erwachsenenalter erreicht. Die Sehnsucht nach Abenteuer und Zerstreuung verleitet sie dazu, jede sich ihr bietende Gelegenheit zum Zeitvertreib zu nutzen. Oft wirkt sie getrieben von Vergnügungssucht, weil sie weiß, dass sie bald fort geht, und ihr Handeln grenzt zuweilen an großem Leichtsinn. Bei all dem wirkt Lubotschka jedoch meist merkwürdig unbeteiligt, als würde sie in einer Blase über allem schweben. Doch dies ist nur ein Schutz, den sie um sich herum gebaut hat. In ihr streiten widersprüchliche Gefühle. Die Auffälligsten sind Abneigung bis hin zu Ekel und gleichzeitig eine tief empfundene Liebe zu „ihrer“ Stadt. Beides vereint sich in ihren Eindrücken, während sie scheinbar ziellos durch die Straßen irrt.

Fazit: Diese Protagonistin hat es mir sehr schwer gemacht. Sie ist eigensinnig und sperrig, ihr Auftreten, ihre Haltung macht sie unsympathisch. Auf mich wirkte sie meist ablehnend und völlig haltlos. Ja, es gelingt ihr, Stadt und Menschen durch ihren Blick gefiltert zu vermitteln, jedoch ist dieser meist wenig freundlich, sodass der Leser die Liebe in ihren Worten suchen muss. Daher komme ich über drei Sterne nicht hinaus und hoffe, dass Lubotschka den Sinn hinter all dem für sich irgendwann gefunden hat.

Lubotschka - Luba Goldberg-Kuznetsova
Lubotschka
von Luba Goldberg-Kuznetsova
(5)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Erlebe Stockholm von seiner hässlichsten Seite

FrauSchafski , am 04.05.2019

Historische Romane lese ich nur sehr selten. Vielleicht liegt das daran, dass ich eher ein auf die Zukunft ausgerichteter Mensch bin und dadurch eher zu Gegenwartsromanen oder Sci-Fi greife. Aber bei diesem historischen Kriminalroman haben mich die vielen positiven Stimmen so neugierige gemacht, dass ich mir unbedingt selbst eine Meinung bilden wollte. Und was soll ich sagen, das ist ganz schön harter Tobak ...

Was für ein Glück, dass ich nicht in dieser Zeit gelebt habe! Und das ist gleichzeitig auch ein dickes Kompliment an den Autor. Der hat das Stockholm dieser Zeit so gut eingefangen, dass es mich fast schon anwidert. Überall Unrat und Gestank, Körperflüssigkeiten begegnen uns auf Schritt und Tritt, der Alkohol fließt in Strömen, weil er den Bürgern dieser Zeit einerseits zum Vergnügen, andererseits zum Vergessen dient. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft extrem auseinander. Frauen in der unteren Schicht sind nichts wert, dienen den Männern entweder als Ventil für ihre sexuellen Bedürfnisse oder als billige Arbeitskräfte ohne Rechte. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich die Aufklärung der Todesumstände einer Leiche, die ohne Arme und Beine, Zunge, Zähne und Augen im dreckverseuchten Fluss gefunden wird. Dass die Todesumstände überhaupt geklärt werden könnten, scheint unmöglich.

Wer dieses Buch liest, braucht einen starken Magen. Die Beschreibungen sind so schonungslos, dass mir mehr als einmal flau wurde. In anderen Rezensionen habe ich häufig das Wort „derb“ gelesen und das trifft es ziemlich genau, wobei ich noch menschenverachtend und grausam hinzufügen möchte. In vier Erzählabschnitten, die nicht chronologisch aufeinander folgen und sich zudem zwischenzeitlich um Personen drehen, die scheinbar überhaupt nichts miteinander zu tun haben, nähern wir uns der Auflösung. Das ist gut gelungen, dennoch war ich zeitweise verwirrt, weil der Zusammenhang absolut willkürlich scheint. Auch wenn sich letztlich alles fügt, empfand ich den Weg dorthin immer wieder etwas zäh und ich habe lange gebraucht, bis ich einigermaßen in der Handlung angekommen war.

Fazit: Den überschwänglichen Lobreden über eine Neudefinition des Genres möchte ich mich nicht anschließen. Ja, das ist gut konstruiert und so detailliert beschrieben, dass es regelrecht weh tut. Jedoch habe ich mich zeitweise sehr schwer getan und vergebe daher „nur“ 4 Sterne.

1793 - Niklas Natt och Dag
1793
von Niklas Natt och Dag
(159)
Buch (Paperback)
16,99

Eine Reise des jugendlichen Leichtsinns

FrauSchafski , am 01.05.2019

Ab und an habe ich großen Spaß daran, mich lesend in die Phase als Jugendliche zu versetzen. Diese Zeit, in der man sich oft so missverstanden, aber auch unbesiegbar fühlte, weil die Zukunft als schillerndes Etwas vor einem lag. Diese Stimmung hatte ich mir in Andreas Thamms Jugendroman „Heldenhaft“ erhofft. Und zunächst schien es auch so, als hätte ich zum richtigen Buch gegriffen. Denn zu Beginn konnten die Protagonisten dieses Gefühl vermitteln und würzten dies mit einem slapstickartigen Humor, der mich mehr als einmal zum Grinsen brachte. Doch das änderte sich im Verlauf der Handlung leider. Klar, der Klappentext verspricht den Wechsel zu einer ernsthafteren Thematik, jedoch hätte ich nicht erwartet, dass die Protagonisten beginnen, sich einfach nur noch dämlich zu verhalten, während die Frage nach dem Warum immer größer wird, und doch in weiten Teilen unbeantwortet bleibt.

Der Autor packt viele wichtige Themen an. Was passiert, wenn ein Junge in bescheidenen Verhältnissen aufwächst und durch einen schlimmen Fehltritt im Gefängnis landet? Wie geht man mit Eltern um, die ihrer Tochter die eigenen religiöser Überzeugungen aufzwingen wollen? Das Schwierige hierbei ist nur, dass dies die Probleme der Nebenfiguren ist, sodass davon nur durch die Augen unseres Erzählers Andi berichtet wird, der nicht annähernd in der Lage ist, die Problematik zu umfassen oder Hintergründe zu beleuchten. Am Ende blieb bei mir dann lediglich das Gefühl zurück, dass diese Konflikte zwar angefasst, jedoch nicht oder nur unbefriedigend zuende gebracht werden und das finde ich doch eine zweifelhafte Aussage.

Fazit: Beginnt gut, baut dann jedoch sehr stark ab. Die Wunderkerze auf dem Cover mag zwar funkeln, jedoch ist sie zu schnell ausgebrannt. Für mich bleiben nicht mehr als zwei Sterne übrig.

Heldenhaft - Andreas Thamm
Heldenhaft
von Andreas Thamm
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,00

Quo vadis?

FrauSchafski , am 27.04.2019

Begleitend zu dieser Dystopie nahm ich an einer Leserunde teil, die vom Autor selbst veranstaltet wurde. Das war gut, denn ohne seine Erläuterungen hätte ich insgesamt einen schlechteren Eindruck von diesem Buch. Gezeigt hat es mir vor allem eines: Das, was ich lese, muss nicht unbedingt das sein, was der Autor beabsichtigt. Gleichzeitig würde ich behaupten wollen, dass es doch eben darum gehen sollte, die Leser da hinzubekommen, wo man sie haben möchte.

Woran liegt es, dass das bei diesem Buch für mich nicht so richtig funktioniert, das habe ich mich lange gefragt. Irgendwann kam ich der Antwort dann etwas näher: Mir fehlte der Zugang zur Hauptfigur Dan, die emotional sehr verschlossen wirkt, sodass ich ihre Handlungen und Entscheidungen oft nicht nachvollziehen konnte. Häufig kam sie mir wie ein Roboter vor, die die ihr auferlegte Aufgabe in dieser dystopischen Welt immer weiterverfolgt, egal, ob sie gerade einen wichtigen Menschen verloren hat oder nicht.

Was auch sehr schwierig war: Wie ich vom Autor erfahren habe, ist dieser Mehrteiler eigentlich ein einziges, mehr als 1000 Seiten starker Wälzer, der aufgeteilt wurde. Und das merkt man leider sehr deutlich. Dieser Teil endet abrupt, quasi mittendrin und lässt dadurch nahezu jede Frage offen, die ein Leser sich bei dieser doch sehr komplex konstruierten Dystopie stellen kann. Hinzu kommt: Der zweite Teil ist noch nicht erschienen, sodass es eines guten Gedächtnisses erfordert, den ersten Band zu erinnern. Daraus habe ich jedoch eines gelernt: Nicht jede*r Autor*in kann publizieren, wie sie*er will, vermutlich ist es schon schwer genug, überhaupt von einem Verlag angenommen zu werden. Und als relativ Unbekannte*r gleich einen 1000-Seiter auf den Markt zu bringen ... seien wir ehrlich, da traut sich doch keiner ran.

Fazit: Letztlich lande ich bei drei Sternen. Ich denke, Michael G. Spitzer kann durchaus noch an seinem Stil feilen, um alles etwas „runder“ zu machen. Insgesamt ist es ein interessantes Szenario, was er hier spinnt, jedoch hängt es ohne die Beantwortung wenigstens ein paar der relevanten Fragen irgendwie im luftleeren Raum.

Die Letzte Melderin - Michael G. Spitzer
Die Letzte Melderin
von Michael G. Spitzer
(4)
Buch (Taschenbuch)
13,90

Der Leser als Psychiater

FrauSchafski , am 14.04.2019

Mit großer Bestürzung habe ich diesen Roman zur Seite gelegt und musste mich erst einmal sammeln, zu sehr hat mich der Strudel tief hinein in Eva Grubers Kopf mitgenommen. Eine Figur, die mir so noch nicht begegnet ist. Von ihr und ihrer subjektiven Weltsicht lebt dieser ganze Roman.

Wir befinden uns in einer Psychiatrie, das wird schnell klar, und Eva wird gerade eingewiesen. Warum, bleibt Spekulation. Der erste Eindruck von unserer Protagonistin lässt vermuten, dass es gar nicht so schlimm sein kann, denn sie sammelt Sympathiepunkte durch ihren schnoddrig, derben Humor, der zum Zynismus tendiert. Doch je weiter wir in der Geschichte voranschreiten, je mehr wir von Eva erfahren, umso düsterer und erschreckender wird dieses Bild. Und dabei können wir uns nie sicher sein, dass das, was die Ich-Erzählerin da so von sich gibt, auch der Wahrheit entspricht. Selten habe ich eine so unzuverlässige Erzählerin erlebt, die den Leser dazu zwingt, ständig zwischen den Zeilen zu lesen und nach Erklärungen für ihr Verhalten zu suchen. Im Prinzip wird jeder Einzelne zum Psychiater. Diese Protagonistin polarisiert und genau das will sie auch. Es ist ein Schutzpanzer, den sie um ihr traumatisiertes Inneres gebaut hat, in Form von entwaffnendem Humor, schonungsloser Ehrlichkeit, aber auch gewalttätigen Ausbrüchen. All das ist sprachlich von der Autorin so treffend umgesetzt, dass man vor ihrem Debütroman nur den Hut ziehen kann. Ich schätze, von Angela Lehner werden wir noch einiges hören.

Fazit: So wie Eva im Roman immer wieder ihren Bruder durchschütteln möchte, tut sie es mit dem Leser. Eine verstörende Protagonistin, die noch lange in meinem Kopf herumspuken wird. Sprachlich ist das ganz großes Kino. Vier Sterne mit deutlicher Tendenz nach oben.

Vater unser - Angela Lehner
Vater unser
von Angela Lehner
(7)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Ein Pferd, namens Hetfield

FrauSchafski , am 13.04.2019

Was hat ein Pferd namens Hetfield mit der Story zu tun? Eigentlich nichts, aber Hetfield ist mein heimlicher Held dieses Thrillers. Nicht, weil er besonders wichtig wäre, sondern weil die Protagonistin Frida ihn nach James Hetfield, dem Sänger von Metallica, benennt und das fand ich einfach mal erfrischend anders.

Der Rest der Handlung ist dagegen nicht unbedingt „erfrischend anders“, gewinnt aber ungemein an der Tatsache, dass Romy Flöck den Lokalkolorit des ländlichen Nordens hervorragen einfängt. Als Leser begleitet man die Figuren durch die gespenstigen Marschen, riecht förmlich die andere, frische Luft. Auch die Werte und Gepflogenheiten der Menschen, die seit Jahrzehnten in dieser Region leben, sind gut nachvollziehbar: Familie ist hier das oberste Gut, Zusammenhalt und Gemeinschaft werden auch in Notsituationen großgeschrieben, egal, welche Streitigkeiten vorher geherrscht haben. Das ist in meinen Augen die große Stärke dieses Thrillers. Dem gegenüber steht der Fall, den ich als eher langatmig empfunden habe. Hier wird sich bewährter Mittel bedient, um die Spannung aufrecht zu erhalten, ein Mysterium führt zum nächsten und ich fühlte mich irgendwann eher hingehalten als unterhalten. Leider war die Auflösung dann wie erwartet etwas zu aufgeblasen. Klar, wenn man lange Zeit einen Luftballon aufbläst, muss er auch zum Ende so richtig schön platzen. Mit hätte es jedoch gereicht, wenn die Luft einfach nach und nach entwichen wäre.

Fazit: Bei aller Kritik: Es ist ein Debüt und ein sehr ordentliches dazu. Atmosphäre und Lokalkolorit stimmen hier, davon möchte ich in den nächsten Bänden gerne mehr lesen. Und in Aufbau und Auflösung eines Kriminalfalls bekommt man als Autorin bestimmt Übung. Unterm Strich 3 Sterne, die aber deutlich nach oben tendieren.

Totenweg - Romy Fölck
Totenweg
von Romy Fölck
(106)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Dialog des Verliebens

FrauSchafski , am 12.04.2019

Viele werden Bernhard Aichner vor allem mit seinen Thrillern in Verbindung bringen und überrascht sein, dass er auch Liebesromane kann. Für mich war das tatsächlich das erste Buch des Autors, sodass ich nun vielmehr neugierig auf seine „andere Seite“ bin.

„Kaschmirgefühl“ ist für mich eher eine Kurzgeschichte - kein seitenfüllender oder eindrücklicher Roman. Darüber lässt sich sicher streiten, jedoch ist das Buch einfach unglaublich schnell weggelesen - es besteht nämlich nur aus dem Telefondialog der beiden Protagonisten. Dennoch: Der hat es in sich. Was wie ein herkömmlicher Anruf bei einer Sexhotline beginnt, wird schnell zu einer Nachtfüllenden Veranstaltung. Denn eines ist schnell klar, zwischen Gottlieb und Marie knistert es. Und so wohnen wir dem Flirt der beiden bei, beobachten, wie sie sich gegenseitig auf den Prüfstand stellen, sich gegenseitig Dinge auftischen, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob sie wahr oder übertriebene Auswüchse der Selbstdarstellung sind. Das ist nicht jedermanns Sache, flirtet jede Person doch auf ihre eigene Art und Weise. Und so steuern die beiden auf ein überraschendes, aber gut durchdachtes Ende zu, das den Leser mit einem wohligen „Kaschmirgefühl“ zurück lässt.

Fazit: Das Verlieben geschieht leider nur zwischen den Zeilen und war für mich kaum nachvollziehbar. Das ist schade, denn die Grundidee ist schön und insgesamt ergibt sich dennoch eine wärmende Geschichte für zwischendurch, deren Lektüre nicht wehtut. Für mich reicht es jedoch nicht für mehr als 3,5 Sterne.

Kaschmirgefühl - Bernhard Aichner
Kaschmirgefühl
von Bernhard Aichner
(85)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,90

Wenn eine Geschichte Wirklichkeit wird

FrauSchafski , am 30.03.2019

Vor Kurzem ist ja nun der zweite Teil des Kopenhagener Ermittlerteams erschienen, da dachte ich mir, bevor ich mir den gleich zulege, lese ich vielleicht erst mal „Krokodilwächter“ von dem so viele schwärmen. Zustimmen kann ich dem zwar nicht uneingeschränkt, aber lesenswert ist der Krimi allemal.

Was mir wirklich gefallen hat, ist die Idee, die der Handlung ihre Grundlage gibt: Ein Manuskript beschreibt den verübten Mord bereits vor der Tat. Das verrät bereits der Klappentext. Diese Verschränkung von Realität und Fiktion innerhalb der Fiktion ist ein spannendes Konstrukt und trägtin meinen Augen den Großteil der Handlung. In dem Einheitsbrei von Action und Effekthascherei, die das Genre in großen Teilen begleitt, sind solche Ideen eine willkommene Abwechslung. Außderdem geht es recht unblutig zu, ohne dass die Spannung darunter leiden würde. Diese lebt vor allem durch die vielen am Fall beteiligten Figuren, die alle ein Geheimnis mit sich heraumtragen. Das würde ich jetzt mal als eher klassisches Vorgehen bezeichen: Viele undurchsichtige Verdächtige, viele potenzielle Täter, nicht alle sind Sympathieträger. Soweit, so gut. Doch jetzt kommt mein Aber: Leider fand ich die Ermittlerfiguren sehr farblos. Ich habe bereits jetzt Probleme, mir sie in Erinnerung zu rufen. Da fehlen Charisma, Ecken und Kanten, irgendwas, das im Gedächtnis bliebt. Auch das Zusammenspiel zwischen Jeppe und Anette wirkt nicht so richtig echt. Für den Auftakt einer Krimireihe ist das natürlich problematisch, hier muss die Autorin in den Folgebänden noch nachlegen. Ach ja, und das Ende ... das war mir dann nach den komplizierten Verstickungen der Handlung zu platt und einseitig.

Fazit: Für ein Debüt ist das eine ordentliche Leistung, die ich gerne mit drei Sternen bedenke. Und somit werde ich mir den zweite Teil „Blutmond“ ganz sicher irgendwann schnappen, um zu sehen, ob die Ermittlerfiguren etwas mehr Profil entwickeln.

Krokodilwächter - Katrine Engberg
Krokodilwächter
von Katrine Engberg
(123)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Überraschung vorprogrammiert

FrauSchafski , am 23.03.2019

Hätte ich früher gerafft, dass Dennis Lehane der Autor der Buchvorlage von einem meiner Lieblingsfilme „Mystic River“ ist, hätte ich ganz sicher schon früher etwas von ihm gelesen. Nun sage ich mir „Besser spät als nie“ und freue mich darüber, dass mir die weiteren Bücher dieses Autors noch bevorstehen. Denn, das sei vorweggenommen, dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen.

Allerdings muss man sich erst einmal durchbeißen ... Der erste Satz verspricht zwar gleich große Ereignisse, jedoch lassen diese Hunderte Seiten auf sich warten. Stattdessen wird zunächst einmal die Protagonistin Rachel seziert, ihr schwieriges Verhältnis zur Mutter und der unbekannte Vater in den Mittelpunkt gerückt. Ihre daraus resultierende schwierige Persönlichkeit lässt sich aus ihrer Vergangenheit gut begründen, aber dafür muss man sich eben auch mit dieser eher zähen Phase ihres Lebens auseinandersetzen. Das wird den ein oder anderen Leser abschrecken und vielleicht auch zum Aufgeben bringen, aber durchhalten lohnt sich. Denn hat man erst einmal einen bestimmten Punkt erreicht, beginnt sich alles zu fügen und die langwierige Einführung des psychischen und charakterlichen Hintergrunds von Hauptfigur Rachel begründet ihr späteres Verhalten. Darüber hinaus geht es nun Schlag auf Schlag. Lehane ist wirklich gut darin, sich unvorhergesehene Wendungen jenseits bekannter Muster auszudenken. Die Entwicklung der Handlung hätte ich so niemals erwartet, geschweige denn vorausahnen können und das macht richtig Spaß. Letztlich war ich so gepackt, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte und die letzten 300 Seiten bis tief in die Nacht (es war zum Glück ein Samstag) verschlungen habe.

Fazit: Für mich bisher die Überraschung des Jahres. Zwar keine ganzen fünf Sterne wert, da der Einstieg schon eine echte Hürde darstellt, aber der Einfallsreichtum des Autors und die Konsequenz, wie er seine Figur aufgebaut hat, finde ich absolut bewundernswert.

Der Abgrund in dir - Dennis Lehane
Der Abgrund in dir
von Dennis Lehane
(110)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,00

Und was geschieht, wenn Liebe dazu kommt?

FrauSchafski , am 10.03.2019

Die Grundlage für diesen Roman ist so faszinierend wie real. Die sogenannte „Wasserbrücke“, die zwischen zwei Wasserbehältern entsteht, wenn man sie unter Spannung setzt. Ein dünner Wasserfaden verbindet dann beide Behälter, die bis zu 7 cm auseinander stehen können. Und wie überträgt man das nun auf einen Roman?

Ganz einfach, einer von Theresa Prammers Protagonisten, Stefan, ist Wissenschaftler und erforscht unter anderem eben jenes Phänomen. Seine Theorie: Da Wasser Hauptbestandteil des menschlichen Körpers ist, strebt dieser automatisch nach Verbindung, menschliche Anziehung beruht also auf Wasser und ist nicht unbedingt steuerbar. Und auch, wenn diese Erkenntnis nicht über Gebühr hinaus in den Mittelpunkt gestellt wird, so schwingt sie immer mit. Mannigfaltige Wasser-Methaphern begleiten die Geschichte der Familie Schneider. Die drei Kinder Stefan, Emma und Fred sowie ihre Mutter Hannah wurden vor Jahren von ihrem Vater und Ehemann verlassen. Warum, das wissen sie nicht. Aber dieses Ereignis hat ihr Leben für immer verändert, sie alle kämpfen mit den Auswirkungen des Verlustes. Im Laufe des Romans werden wir ebenso wie die Figuren erfahren, was damals geschehen ist, was mit John, ihrem Vater, passiert ist. Und das ist so feinfühlig und emotional nachvollziehbar dargestellt, dass die Geschichte dieser Familie tief berührt.

Fazit: Prammers Buch ist absolut lesenswert und lässt ganz viel Raum, für Interpretationen und eigene Gedanken. Sie erzählt mit großer Leichtigkeit, die die Schwere der Handlung gekonnt auffängt. Das hat mir sehr gefallen und ich möchte hierfür 4,5 Sterne vergeben.

Auf dem Wasser treiben - Theresa Prammer
Auf dem Wasser treiben
von Theresa Prammer
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

 
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