Warenkorb
 

Bewerter

Meine Bewertungen

Und irgendwann macht es "Bähm"!

Unsere Bücherwelt , am 08.05.2019

Ich möchte zuallererst voranstellen: Ich mag dieses Buch und ich hatte tolle Lesestunden! Das erwähne ich deshalb, weil mir der Anfang des Buches zunächst eine etwas andere Meinung vermittelt hat, als letztendlich das Gesamtpaket.
Dies ist eins dieser Bücher, die seicht und eher langsam starten. Man erwartet nach den ersten Seiten eine lockere Fantasy-Geschichte, die man in ähnlicher Art schon zig mal gelesen hat. Ich hatte auf den ersten 100 Seiten auch echt so ein paar kleine Fragezeichen im Kopf, habe Handlungen, Aussagen und Gedanken einiger Protagonisten nicht so ganz nachempfinden können oder fragte mich, wie das alles zusammen hängt und wohin das eigentlich alles führen soll. Einige Übergänge verwirrten mich zudem etwas.

Doch dann machte es urplötzlich, ohne Vorankündigung BÄHM!!!
Auf einmal überschlugen sich die Ereignisse, die Handlung nahm an Fahrt auf und es passierten echt krasse Dinge! Ich bekam Antworten, verstand die Handlungsstränge mit einem mal besser und bin an der ein oder anderen Situation echt fassungslos-geschockt und angewidert zurück geblieben.

„Himmelsklang und Höllendröhnen“, allein der Titel drückt ja schon absolute Gegensätzlichkeit aus. Betrachtet man das Cover genauer, so sieht man auch gleichzeitig Feuer und Eis.

Kaylas und Elias Geschichte, und ja, es ist ihrer beider Geschichte, denn sie erzählen das Geschehen abwechselnd aus ihrer Sichtweise, ist eine Geschichte der Gegensätze, noch dazu eine sehr tiefgründige. Sie zeigt uns sehr deutlich, wie schmal der Grad gegensätzlicher Emotionen oft sein kann und wie nah sie doch miteinander verknüpft sind.
Es geht um Themen wie Barmherzigkeit und Rache, um Liebe und Hass, um Vertrauen und Verrat, um das Verzeihen und das Verachten, um den Himmel und die Hölle, um das „Klingen“ und das „Dröhnen“.

Kayla und Elias erleben all diese emotionalen Gegenpole und haben es beide verdammt schwer, damit umzugehen und den richtigen Weg zu wählen. Sie haben beide eine schwierige Vergangenheit hinter sich, die miteinander verwoben zu sein scheint.

Kayla, die als Mensch ein „Dröhnen“ wahr nimmt, das ihr zeigt, dass schreckliche, als Menschen getarnte Dämonen in ihrer unmittelbaren Nähe sind, weiß nicht, woher diese Gabe kommt, ist sich aber sicher, dass sie auf Dämonenjagt gehen muss.

Elias, der als Geächteter Engel auf der Erde wandelt und nur ein Ziel verfolgt, nämlich ein bestimmtes Versprechen einzuhalten, muss feststellen, dass das gar nicht so einfach ist, wenn Gefühle ins Spiel kommen. Er muss schwere Entscheidungen treffen, die ihn an seine Grenzen bringen. Zudem hat er da so einige Geheimnisse mit sich herum zu tragen, die es ihm nicht leichter machen.

Wer Lust auf eine tiefgründige und actiongeladene Story mit phantastischem Setting hat, wer wissen will, wie man ein Damön, ein Geächteter oder ein Gefallener wird oder wer mal einen Blick in die Hölle werfen will, der sollte sich dieses Buch mal näher anschauen.

Es erwartet euch ein Kampf von Himmel, Hölle und der Menschheit und ein sehr persönlicher Kampf von Kayla und Elias selbst, bei dem es darum geht, was und wer sie sind und was sie sein wollen.

Fazit

Eine Geschichte, die uns zeigt, wie leicht man Fehler machen kann, wie manipulativ man selbst ist, wenn Emotionen uns leiten und wie viele Wege es gibt, dann letztendlich damit umzugehen.
Es ist eine Geschichte der Gegensätze, mit einem engelsgleichen und gleichzeitig höllischen Setting, eine Geschichte um Macht, Egoismus und dem Kampf der Hölle und des Himmels.

Kayla und Elias sind für mich sehr charakterstarke Protas, vielleicht gerade, weil sie nicht fehlerfrei sind. Sie treffen ihre Entscheidungen mal aus Liebe und mal aus Hass, haben aber ihr Herz beide am rechten Fleck.

Für mich bekommt das Buch eine Leseempfehlung, wobei man hier etwas Durchhaltevermögen braucht, denn erst nach etwa 100 Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das Ende hat mich eine Kleinigkeit vermissen lassen, denn ich hätte gerne zu einer bestimmten Person noch etwas mehr erfahren, aber ich konnte im Großen und Ganzen gut damit leben.

Himmelsklang & Höllendröhnen - Aurelia L. Night
Himmelsklang & Höllendröhnen
von Aurelia L. Night
(7)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Atmosphärisch ...

Unsere Bücherwelt , am 21.04.2019

Camillas Leben ist aus den Fugen geraten, ihre Ehe ist gescheitert, sie hat keinerlei Einfluss mehr auf ihre Teenager-Tochter Marie und sie versinkt in der ihr selbst auferlegten Arbeit in der Firma ihres Vaters.

Ob es dann also eine gute Idee ist, eine Reise in das Bergdörfchen Loursaq nach Südfrankreich zu unternehmen, wenn Camilla ihre Tochter sogar mehr oder weniger dazu zwingen muss, in das Auto zu steigen?

Ihr ahnt es sicher schon, es wird nicht einfach für die beiden Großstädterinnen, aber sie bekommen in Frankreich beide neue Impulse, die alles für sie ändern werden. Sie wachsen über sich hinaus, reflektieren sich selber und ihre Interessen verschieben sich.

Klar findet ihr in „Das Honigmädchen“ auch die eine oder andere Liebesgeschichte nebenher laufen, aber hier steht ganz klar die Mutterliebe und generell die Beziehung zwischen Mutter und Kind im Vordergrund. Da ich selber einen Sohn im gleichen Alter wie Marie habe, konnte ich mich absolut in Camilla rein empfinden. Es hat sich alles so echt angefühlt. Später habe ich erfahren, dass die Autorin selber gar keine eigenen Kinder hat. Diese Tatsache hat mich mehr als erstaunt, denn die Geschichte von Mutter und Tochter hat sich wahnsinnig authentisch lesen lassen. Ein großes Kompliment also an dieser Stelle von meiner Seite an die Autorin.

Der Einstieg in das Buch ist klasse, man ist gleich mitten drin in der großstädtischen Alltagsatmosphäre mit den Familienproblemen, die dem einen oder anderen sicher bekannt vor kommen werden.
Ich denke, jeder kann sich hier an irgendeiner Stelle im Buch wieder finden und identifizieren, was dieses Buch automatisch zu einem echten Gefühlsbuch macht, welches man nicht einfach so zuschlägt, wenn man es beendet hat, sondern es noch eine Weile nachwirken lassen muss.

Leider hatte der Mittelteil so ein paar Längen für mich, es gab Zeitsprünge, die mir zu schnell gingen, so dass mir das Gefühl zur Story stellenweise etwas abhanden gekommen ist, jedoch hat das letzte Buchdrittel alles wieder raus gehauen und wett gemacht.
Die letzten 150 Seiten waren so emotional, dass mir zwischendurch genauso schwindelig wurde wie Camilla, als sie so gewisse Momente des Erkennens oder Zweifel hatte.
Unerwartete Familiengeheimnisse werden an so einigen Stellen von vielen Seiten ans Licht gebracht und es wurde mir vor Augen geführt, wie wichtig und unabkömmlich das eigene Vertrauen in sich selbst ist. Die Geschichte hat mir gezeigt, dass man als Einzelkämpfer nicht weit kommt und genereller Zusammenhalt einfach sehr wichtig ist und das Leben zusätzlich nur bereichern kann. „Etwas weniger Stolz und etwas mehr Hartnäckigkeit“ sind übrigens gute Wegbegleiter, eine Botschaft, die ich auch aus der Geschichte mitgenommen habe.
Vielleicht haben mir das die Bienen gesagt, die hier in der Geschichte natürlich einen ganz besonderen Stellenwert bekommen, vielleicht haben mir das aber auch die Bewohner von Loursaq vermittelt. Das malerische Örtchen, welches ganz automatisch zum Innehalten einlädt und dem Leben durch das Naturverbundene ganz automatisch einen ganz anderen Stellenwert gibt, hat sein übriges getan.
Gerade, wenn man aus der Großstadt kommt, wie Camilla und Marie, ist man sicher erst mal geblendet von den vielen überwältigten Eindrücken des Landlebens und der generell anderen Lebensphilosophie.
Aber Loursaq sollte ja eigentlich nur stellvertretend für alle Orte dieser Welt sein. Man muss mit sich im Reinen sein, man muss ein offenes Herz haben, sich und anderen Vertrauen schenken können und man muss verzeihen können. Dann kann man sicher auch zufrieden auf einem winzigen Balkon in einer versmogten Großstadt, mit hupenden Autos im Hintergrund sitzen und muss nicht zwingend auf einer einsamen, duftenden Wildwiese, dem Summen der Bienen lauschend, liegen und in den blauen Himmel schauen, um glücklich zu sein.

Ihr merkt, „Das Honigmädchen“ hält so einiges an Botschaften bereit. Die Autorin hat der Geschichte von Camilla und Marie eine ganz tolle Kulisse und Atmosphäre geschenkt. Das soll übrigens nicht heißen, dass es in Loursaq keine Probleme gibt, im Gegenteil! Die Bewohner dort haben ihre ganz eigenen und speziellen Katastrophen zu bewältigen, darauf dürft ihr mehr als gespannt sein.

Mein Lieblingscharakter ist übrigens der im Klappentext erwähnte Nachbar. Er ist für mich der philosophische Vermittler der Geschichte und glaubt mir: er ist auch noch so viel mehr.

Fazit

„Das Honigmädchen“ ist für mich ein absolutes Atmosphäre- und Gefühlsbuch, welches dazu anhält, die Alltagsprobleme mal ruhen zu lassen und einfach mal eine Reise zu seinem Inneren Selbst zu unternehmen. Sich selber zu reflektieren, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, kann so einiges bewirken. Das malerische Örtchen Loursaq in Südfrankreich, mit seinen herzerwärmenden und teilweise auch verbohrten Bewohnern ist ein super geeigneter Ort dafür. Taucht ab in die Natur, lasst die Bienen zu euch sprechen und seht selbst, was es in euch bewirkt.

Das Honigmädchen - Claudia Winter
Das Honigmädchen
von Claudia Winter
(27)
Buch (Klappenbroschur)
9,99

furchtbar grausam, wahnsinnig intelligent und durchweg fesselnd!

Unsere Bücherwelt , am 13.04.2019

Das Buch ist zugeschlagen und ich bin wie immer eigentlich nach einem beendeten Fitzek: sprachlos und schockiert.
Ich saß jetzt wirklich eine Weile einfach nur da und habe mit weit aufgerissenen Augen die Wand angestarrt.
Das Ende war für mich in keinster Weise vorauszusehen und dabei hab ich mir doch diesmal wirklich Mühe gegeben, Herrn Fitzek endlich mal zu durchschauen.

Mein Hirn rattert immer noch so laut, dass man es eigentlich hören müsste.

Der Plott-Twist war mega genial, aber auch sehr verworren und teilweise auch irgendwie zusammenhanglos, gleichzeitig jedoch war er fesselnd vom ersten bis zum letzten Wort!
Ich fragte mich ständig Dinge wie: Wie passt das denn jetzt dazu? Welche Rolle spielen die einzelnen Personen wirklich? Wer steckt hier eigentlich mit wem unter einer Decke und vor allem WARUM?
Und als sich dann der Hauptprotagonist selber ständig die Frage stellte, was er hier übersehen haben könnte, da dachte ich nur: „Genau, endlich sagt es mal jemand, ich bin ganz deiner Meinung! Das frage ich mich doch auch!!!“

Ich wollte Antworten, bekam sie aber natürlich nicht, was mich fast geärgert hat und so war ich schon fast bereit, an komische Zufälle oder mysteriöse Umstände bei den mitwirkenden Charakteren zu glauben.
Jedoch wann überlässt Sebastian Fitzek jemals etwas dem Zufall?
Das war ja auch wirklich ein dummer Gedanke von mir. Am Ende, allerdings erst dann, liefert der Autor für alles stichfeste Argumente und Beweise, die Zusammenhänge werden endlich klar und sorgen für ultra-krasses Kopfkino.
Ich hab mir natürlich die Zeit genommen, um alles gedanklich nachzukonstruieren und zu überprüfen.
Wer hätte es gedacht, aber ich habe keinen Fehler gefunden! Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Story alles andere als eine leichte und schnell nachvollziehbare Story ist, mehr als genial! Hier ist wirklich der Weg das Ziel und man muss dauerhaft gut aufpassen.

Kindesentführung und Misshandlung der abartigsten Art, sind in dem Buch die zentralen Themen, welche auch mehr als bildhaft dargestellt werden.
Es gibt noch einige weitere Randthemen, die kaum an Widerlichkeit zu übertreffen sind, die aber spoilern würden, wenn ich sie erzähle, also erwähne ich sie nicht.
Das Buch ist definitiv nichts für Zartbesaitete und auch nichts für logisch Denkende, denn diese Geschichte zeigt: nichts ist unmöglich, alles kann in Betracht gezogen werden und dann kommt es doch ganz anders, als man denkt.

Ich habe schon mehrere Rezensionen gelesen, die das Buch als „frauenfeindlich“ betiteln und diesen Rezensenten kann ich nur raten: Lest doch bitte andere Büchergenre, die euch mehr ansprechen! „Der Insasse“ hat einfach total perverse Protagonisten und somit ist das Buch nun mal widerlich, abartig, blutig, krank, brutal und pervers! Die Geschichte bietet nicht nur einen Moment, an dem man angewidert die Augen schließen muss oder innerlich zusammen zuckt, weil das gerade Gelesene die eigene gesunde Vorstellungskraft übersteigt. Genau diese Aspekte sind es übrigens, die das Buch zu einem verdammt guten Psychothriller machen, einen, der unter die Haut geht und der einen innerlich lähmt, weil man es einfach nicht fassen kann.

Da ich ein großer Fitzek-Fan bin und seine Werke meistens mit 5 „Büchlein“ bewerte, ziehe ich dieses mal ein halbes ab, weil mir die Grundgeschichte, trotz der genialen Auflösung, während dem Lesen ein wenig zu verworren und auch teilweise etwas unglaubwürdig vor kam.

Eine absolute Leseempfehlung bekommt „Der Insasse“ aber dennoch von mir, weil er so furchtbar grausam, super intelligent und durchweg fesselnd geschrieben ist.

Fazit

Ein Psychothriller mit sehr charakterstarken, intelligenten, aber auch abgrundtief perversen Protagonisten.
Der Plot ist super genial, keine leichte Kost und schon gar nicht locker-flockig!
Man fliegt zwar nur so durch die Seiten, hat aber ständig ein Brett vor dem Kopf und fragt sich: What? Wieso? OMG – Nicht wirklich, oder?
Das Ende ist der Hammer!
Durchhalten wird belohnt und grübeln? Bringt euch eh nix, denn es kommt eh ganz anders, als ihr vielleicht denkt!

Der Insasse - Sebastian Fitzek
Der Insasse
von Sebastian Fitzek
(242)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,99

Ein Mystery-Thriller, der es in sich hat!

Unsere Bücherwelt , am 13.04.2019

Puh, das Buch ist harte Kost und das empfohlene Alter von 16 Jahren finde ich auch absolut angemessen. Schließlich erleben hier junge Teenager diese mehr als blutrünstige „Blutschule“ des Grauens und das auch noch im direkten Familienkreis. Da die Geschichte auch noch in der Ich-Perspektive geschrieben ist und aus der Sicht des Jungen Simon berichtet wird, wirkt alles noch viel persönlicher.

Einige dieser Schreckensszenarien werden übrigens gar nicht wörtlich ausgeschmückt, sondern finden nur in unserem Kopf statt. Das macht das Grauen aber nicht minder authentisch oder abstoßend furchterregend, im Gegenteil. So spricht es doch nur für die Genialität des Autors in seiner Schreibweise.

Sebastian Fitzek schreibt hier unter dem Pseudonym „Max Rhode“.
Ziemlich schnell wird klar, dass wir es hier aber mit einem „echten“ Fitzek zu tun haben, denn das Buch ist wirklich durchweg fesselnd und hochkarätig spannend, wie man es von dem Autor gewohnt ist.

Dennoch gibt es hier für mich Unterschiede, was ich auch echt super finde, denn meiner Meinung nach sollten Pseudonyme klar abgegrenzt werden.
Anders wie bei Sebastian Fitzeks Psychothrillern, bei denen es immer rational erklärbare Themen sind, von denen er schreibt, handelt es sich hier eher um einen Mystery-Thriller, denn hier geht nichts so wirklich mit rechten und erklärlichen Dingen zu.

Zwischenzeitlich dachte ich sogar, dass ich eher einen Horror-Roman lese und fühlte mich an Werke von Stephen King erinnert. Das meine ich absolut nicht negativ, im Gegenteil, die Atmosphäre war nur einfach generell eine andere. Verbunden mit der Ich-Perspektive war es also eine andere Fitzek-Erfahrung, was ja auch gut ist, denn schließlich ist es ja auch ein Buch von Max Rhode.

Interessanterweise übernimmt besagter Max Rhode in Fitzeks Werk „Das Joshua Profil“ eine Protagonistenrolle. Mit diesem Wissen im Hintergrund, finde ich eine klare Abgrenzung im Schreibstil der beiden „Autoren“ um so wichtiger und natürlich auch authentischer. Das ist hier also absolut gelungen.

„Die Blutschule“ ist eins dieser Bücher, die man aufschlägt und fassungslos und angewidert durchs Geschehen flitzt. Man will einfach nur wissen, wie alles ausgeht. Und dann liest man das Ende und weiß kurz vorher ganz genau, dass man im Anschluss noch mal den Anfang lesen muss, damit sich einem alles in vollem Umfang erschließt.

Inhaltlich gebe ich hier natürlich keinerlei Input, denn Thriller leben nun mal davon, dass man die Handlung völlig unvoreingenommen selber erlebt. Interessiert euch also die Geschichte laut Klappentext, dann könnt ihr wenig bis nichts falsch machen.

Es gab allerdings so ein paar Stellen, die mir etwas weit hergeholt waren oder die ich nicht gänzlich nachvollziehen konnte. Aber da wären wir auch wieder bei dem Thema, dass es eher ein Mystery-Thriller ist. Diese Tatsache hätte ich vorher gerne gewusst, denn ich war darüber wirklich überrascht. Das muss man nämlich mögen und sich drauf einlassen können.

Ich konnte mich drauf einlassen und fand dieses Buch seinem Genre entsprechend wirklich unfassbar abartig und widerlich, allerdings auch irgendwie traurig und erschütternd, was an dieser Stelle natürlich ein Kompliment ist.

Ob ich zukünftig einen Ausflug an die Seen rund um Berlin machen werde, weiß ich noch nicht, vermutlich aber nicht. :-)

Fazit

Ein Mystery-Thriller aus der Feder von Sebastian Fitzek, unter dem Pseudonym Max Rhode, der es echt in sich hat.

Man wird hier mit vielen blutrünstigen und abartigen Situationen konfrontiert, die besonders unter die Haut gehen, weil sie jungen Teenagern, on Top durch die Hand ihres Vater, passieren.

Wer kein Problem damit hat, einen Thriller zu lesen, deren Ereignisse nicht immer rational zu erklären sind, der hätte hier ein extrem fesselndes Exemplar als Tipp.

Die Blutschule - Max Rhode
Die Blutschule
von Max Rhode
(88)
Buch (Taschenbuch)
9,90

Toller Einstieg in ein Mystery-Serial!

Unsere Bücherwelt , am 04.04.2019

Durch diesen ersten Teil des Mystery-Serials bin ich geradezu durch geflitzt!
Das lag sicher ein wenig an der Kürze des Buches, aber hauptsächlich sicherlich an der Spannung, dem Nervenkitzel und der großartigen Protagonistin.

Amber Woods ist toll! Sie ist der Chuck Norris oder der Van Helsing-Typ, nur mit dem Unterschied, dass sie eine Frau ist. Sie ist tätowiert, mit einem selbstbewussten Auftreten und einem lockeren Züngchen, das wohl immer einen zynischen oder derben Spruch auf Lager hat. Sie wirkt furchtlos, auch wenn man genau spürt, das in ihrem Inneren eine verängstigte Seele schlummert, die bereits viel im Leben durch gemacht hat.

Das Büchlein ist von der Art her, wie eine Folge einer echte TV-Serie und es ist eine Einführung in die Arbeit der „Seelensucher“. Wir lernen quasi Amber kennen und bestreiten mit ihr einen paranormalen, mysteriösen Fall, bei dem sich alles um Geister oder verlorene Seelen dreht.

Man muss schon gruselsicher sein, das Mitfiebern mögen und offen für Paranormales sein, denn man bekommt beim Lesen schon den Eindruck, dass das hier Gelesene nicht unbedingt nur reine Fiktion ist. Das kleine Special am Ende des Buches, 12 abgedruckte Tatsachenberichte verschiedener Menschen, bestätigen diese Atmosphäre natürlich.

Gänsehautmomente hatte ich jede Menge, auch wenn einiges für mich vorhersehbar, leicht zu durchschauen oder nicht ganz so nachvollziehbar war. Mich hat Amber und ihre Mission als „Seelensucher“ gepackt, die gesamte Atmosphäre hat mich berieselt, mich gänzlich in das Buch tauchen lassen und ich will mehr!
Ich freue mich nun wahnsinnig auf das nächste Abenteuer mit Amber, Hailey, Noah und seiner Crew!

Wer die sind? Finde es heraus!
Es sind auf jeden Fall weitere sehr coole Leute, deren riesiges Potential ich erahne und die ich unbedingt näher kennen lernen muss.

Ein neuer Seelensucher-Auftrag wird am Ende bereits in Aussicht gestellt. Ich bin sowas von wieder dabei und stelle mir gerne erneut mit Amber die Frage: Ist die eigene Bestimmung ein Fluch oder ein Geschenk?

Fazit

An jedem noch so kleinen Ort, schlummert ein kleines, schmutziges Familiengeheimnis. Geister oder verlorene Seelen könnten dabei in Erscheinung treten, denn sie haben immer noch etwas zu erledigen. Ob das was Gutes oder Böses ist … wer weiß.

Wenn diese auf der Bildfläche auftauchen, kommt die charakterstarke und charismatische Amber Woods ins Spiel, die Frau, die Geister erspüren und mit ihnen kommunizieren kann.

„Seelensucher“ ist ein sehr atmosphärisches, spannendes und mysteriöses Serial, das mit diesem ersten Band eine tolle Einführung hingelegt hat. Gemeinsam mit der Protagonistin Amber lösen wir einen gruseligen und übersinnlichen Fall, der so einige Überraschungen ans Licht bringt.

Seelensucher - Sophie Hilger
Seelensucher
von Sophie Hilger
(6)
Buch (Taschenbuch)
7,99

Eine vermeintlich gut geplante Reise nach Schottland

Unsere Bücherwelt , am 03.04.2019

Ich bin wiedereinmal von dem Schreibstil der Autorin begeistert. Die schottische Kulisse und auch das Leben dort haben mich sofort in den Bann gezogen. Valerie möchte mit ihrer Vergangenheit abschließen und endlich wieder einen neuen Lebensweg beschreiten. Durch die ungewollte Reisebegleitung gerät ihre sorgsam festgelegte Planung ganz schön ins Wanken. Alle Charaktere fand ich toll ausgearbeitet und machen diese Geschichte rund. Eine Spur Dramatik, ein Hauch Liebe und auch ein Selbstfindungstrip erwarten euch bei dieser Geschichte und diese Balance ist Stina Jensen auch sehr gut gelungen. Eine klare Leseempfehlung von mir, für diejenigen, die sich auf eine wunderbare Reise nach Schottland begeben wollen und sich dort von dem Flair verzaubern lassen möchten.

Eine ausführliche Rezension findet ihr auf „Unsere Bücherwelt“.

Gipfelrot - Stina Jensen
Gipfelrot
von Stina Jensen
(3)
eBook
3,99

Ein Buch zum Fühlen, Abtauchen und Nachdenken!

Unsere Bücherwelt , am 29.03.2019

Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch! Ich liebe einfach alles an ihm!
Zunächst liebe ich natürlich das malerische Örtchen Blackwood selbst, das mich mit seiner zauberhaften und mythischen Atmosphäre einfach von Anfang an dort fest gehalten hat.

„Es ist, als wäre ich auf einem fremden Planeten gelandet und hätte mein Raumschiff zurück auf die Erde verpasst.“
(Zitat Gesine)

Generell hat dieses Buch so eine ganz einzigartige Stimmung, die einen einfach mit Haut und Haaren gefangen nimmt, man kann gar nicht anders und will es auch gar nicht.

Blackwood ist eines dieser Dörfchen, wo jeder jeden kennt und durch den ortseigenen Radiosender „Radio Blackwood“, wird zudem auch noch jeder von Bran Foley über wirklich alle Vorkommnisse der Bewohner auf dem Laufenden gehalten. Bran Foley entgeht nichts!

Ich liebe einfach alle Bewohner Blackwoods, selbst die biestigen und hinterhältigen. Sämtliche Charaktere sind so liebevoll und greifbar ausgearbeitet, dass man sie mit einer Leichtigkeit gerne begleitet hat und sie nun schmerzhaft vermisst.

Mein Lieblingscharakter ist eindeutig Mimi, mit ihrer grundehrlichen Art, ihren flotten Sprüchen und Weisheiten sowie ihrem bezaubernden Cafe. Ich glaube niemand außer Mimi könnte mich dazu bewegen, einen Algenmuffin zu probieren. Doch sie würde es vermutlich schaffen.

Auch Gesines Tante Wanda mit ihrem Cottage und der hauseigenen Pottery hat mich mit ihrem warmen Herzen und ihrer natürlichen Art einfach nur begeistert.

Blackwood hat natürlich noch mehr tolle Personen zu bieten, aber die solltet ihr völlig frei und unbefangen selber kennen lernen.
Die Dialoge sämtlicher Charaktere sind jedenfalls so erfrischend köstlich, dass ich meine Mundwinkel ständig dabei ertappt habe, wie sie nach oben gewandert sind.

Ihr müsst einfach Gesine, auch Ge genannt, kennen lernen und sie auf ihrem Weg nach Irland begleiten. Ihr sollt fühlen, was sie dort in Blackwood erlebt, was ein gewisser Arian Mary in ihr auslöst und wie sie mit all den mythischen und mysteriösen Dingen um geht, die ihr dort begegnen.

Ich gebe euch bewusst keine näheren Infos zu dem merkwürdigen Brief, den Ge von ihrem zukünftigen Ich erhält, denn auch das sollt ihr völlig unbefangen auf euch wirken lassen. Es lohnt sich!

Mich haben Gesines Erfahrungen sehr zum Nachdenken und Innehalten angeregt. Ich habe mit Ge mit gefühlt, gelitten und geliebt.

Zurückgelassen hat sie mich eindeutig mit der Erkenntnis, dass man nicht alle Dinge erklären kann und auch nicht muss.

Man darf vieles nicht rational betrachten und sollte stets im Hier und Jetzt leben, nicht der Vergangenheit hinterher trauern, aber auch nicht krampfhaft in die Zukunft blicken.
Man sollte immer seinem Herzen vertrauen, denn dieser Weg kann einfach nicht falsch sein.

„Verlange nicht zu viel von anderen. Erwartungen sind nichts anderes als Diebe des Hier und Jetzt“. (Zitat Gesine)

Fazit

Eine wahnsinnig atmosphärische Geschichte über Gesine, die in das malerische Örtchen Blackwood nach Irland ziehen muss.

Es begegnen euch tolle, aber auch irgendwie verrückte Menschen, jede Menge Mythen, mysteriöse Vorkommnisse und Geheimnisse.

Ein Buch zum 100 %igen Fühlen, Abtauchen und Nachdenken.

Für mich ist dieses Buch ein ganz wertvoller Schatz, den ich für immer in meinem Bücherherz tragen werde.

Blackwood - Britta Sabbag
Blackwood
von Britta Sabbag
(30)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,99

Auch nach 40 Jahren noch inspirierend!

Unsere Bücherwelt , am 18.03.2019

Ein Meisterwerk zu rezensieren, welches bereits 40 Jahre lang die Bücherwelt erobert, ist gar nicht so einfach, denn man will unbedingt die richtigen Worte finden. Viele kennen leider nur den Film, der dem Buch leider nicht gerecht wird und man muss wissen, wenn der Blockbuster zu Ende ist, dann hat man gerade mal das halbe Buch gelesen.

Ich bin mit diesem Buch groß geworden, es war meine erste große Bücherliebe und nun, fast 30 Jahre später, liebe ich dieses Juwel noch viel mehr, weil man es als erwachsene Person nochmal auf einer ganz anderen Ebene wahr nimmt. Es steckt voller Tiefsinn, poetischer Offenbarungen, unterschwelligen Lebensweisheiten und hält jede Menge wundervolle philosophische Botschaften bereit. Die Kunst ist lediglich, dass man das alles erkennen muss. Als Kind habe ich das tatsächlich auch nicht alles erfasst, wie ich es jetzt beim erneuten Lesen getan habe.

Für mich hat sich nach all den Jahren aber nichts geändert, als ich das Buch aufgeschlagen habe. Ich war mit den ersten Worten gefangen, habe mit und durch Bastian die größten Abenteuer erlebt, habe gelacht, geliebt, gelitten und mit gefiebert. Man nimmt die Phantasie auf eine ganz besondere Art und Weise wahr, wie ich persönlich es bisher kein zweites mal erlebt habe.

Bücher über „Bücher“ sind an sich schon grandios, doch „Die unendliche Geschichte“ liest man nicht einfach nur, man fühlt sie, man ist in ihr, ihrer Geschichte und der Phantasie gefangen und man kann schon bald nicht mehr die Grenzen zwischen unserer Welt und Phantásien auseinander halten. Ist ja aber auch kein Wunder, denn Phantásien hat keine Grenzen, wie uns das Buch bereits nach kurzer Zeit aufführt.

Hinzu kommt, dass das Buch eine ganz edle und besondere Aufmachung geniest. Es ist samtig rot, mit dem AURYN-Symbol, dem Zeichen Phantásiens, auf dem Umschlag und hat in seinem Inneren zwei verschiedene Schriftfarben, zum kennzeichnen, in welcher Welt wir uns gerade befinden. Man spürt einfach, dass man einen ganz wertvollen Schatz in der Hand hält und es ist wirklich genau dasselbe Buch, in welchem auch Bastian, der Hauptcharakter liest. Kein Wunder also, dass seine Geschichte auch irgendwie unsere ist oder?

Die einzige Veränderung zur Erstausgabe aus 1979 ist der nun schwarze Schutzumschlag, den ich aber sogar noch passender finde und auf die besonders schön illustrierten Anfangsbuchstaben wurde verzichtet, die ein neues Kapitel einläuten und sich früher über eine ganze Buchseite erstreckt haben. Nun sind die Anfangsbuchstaben immer noch nett ausgearbeitet, aber leider bei weitem nicht mehr so künstlerisch ausgeprägt wie damals.

„Die unendliche Geschichte“ ist ein Abenteuer, kein unbedingt nur glückliches und friedvolles, denn schließlich geht es um Leben und Tod. „Das Nichts“ hat Phantásien befallen und es droht mit all seinen wunderbaren und vielseitigen Bewohnern ausgelöscht zu werden.

Der Gedanke, dass keine Bücher mehr gelesen werden und somit Phantásien, stellvertretend für unsere eigene Phantasie, stirbt, hat mich während dem Lesen fortlaufend bestürzt und mich mit Bastian auf der ganzen Linie mitfiebern lassen.

Das Buch hält neben einem grandiosen Fantasyabenteuer, so viele Botschaften bereit. Es macht Mut, immer an sich zu glauben und für sich selbst und andere einzustehen, denn ein jeder ist besonders. Auch gibt es Kraft, dass man selbst im Dunkel niemals allein ist, auch wenn man das glaubt. Jeder kann ein Held sein und jeder sollte niemals die Fähigkeit verlieren zu träumen, zu hoffen und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Es ist zudem ein Buch über die Macht der Wünsche, Liebe, Freundschaft, Selbstvertrauen und Glück und wie alles miteinander verbunden ist.

Die unendliche Geschichte ist zeitlos, sie ist grandios und definitiv nicht nur für jugendliche Leser geeignet, ich bin da das beste Beispiel. In meinen Augen ist es fast eine literarische Bildungslücke, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Und ich spreche hier eindeutig vom Lesen, denn die Buchverfilmung ist zwar auch irgendwie nett, aber sie löst bei weitem nicht das im eigenen Inneren aus, was sie sollte. Der Film ist gute Unterhaltung, das Buch ist reine und tiefgründige Philosophie.

Fazit

Ein philosophisches Meisterwerk, welches zwar schon 40 Jahre lang auf dem Büchermarkt zu finden ist, aber immer noch so wahr, lebhaft und lehrend für jedermann sein kann. Wunderbar, dass es durch die neue Jubiläumsausgabe wieder mehr Aufmerksamkeit genießt.
Ein Buch nicht nur für Jugendliche, im Gegenteil. Erwachsene erkennen vielleicht sogar noch konkreter, welche Botschaften uns Michael Ende hier übermitteln wollte und mit diesen Offenbarungen hat der Autor nicht gegeizt.
Man liest ein wahres Fantasyabenteuer durch die Augen eines 10 jährigen Jungen und begibt sich mit ihm auf eine Reise durch Phantásien, die eigene Phantasie und zu seinem inneren Selbst.
Falls es da draußen wirklich noch Menschen gibt, die „Die unendliche Geschichte“ nicht gelesen haben, ändert das! :-)

Die unendliche Geschichte - Michael Ende
Die unendliche Geschichte
von Michael Ende
(15)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Tolle Adaption mit viel Tiefgang!

Unsere Bücherwelt , am 15.03.2019

Wir werden in eine düstere Zukunft versetzt … in eine Welt, die nach einer großen Dunkelheit verseucht ist. Ein Atmen draußen macht krank, zu essen gibt es nur noch das, was der Rest Natur zu bieten hat, was übrigens nicht unbedingt appetitlich ist, und die Erde ist mit riesigen Müllbergen angehäuft.

Als ich mir das Szenario der gigantischen Müllhügel vorgestellt habe, habe ich unterschwellig schon die Ironie der Autorin heraus gelesen: „Tja, selber schuld, wenn ihr eure Umwelt über Jahrhunderte selbst vermüllt! Nun seht zu, wie ihr genau mit diesem Müll und den Folgen lebt und zurecht kommt!“

Jedenfalls suchen die Menschen auf den Müllbergen nach wiederverwertbaren Rohstoffen, die sie für Kleidung oder Waffen verwenden können.

Besser gesagt: Die Warladys lassen suchen! Denn in dieser Geschichte sind die Frauen an der Macht. Sie herrschen über einzelne Reiche, müssen dabei stärker als stark sein und dürfen keinerlei Schwäche zeigen oder sich gar Emotionen hingeben.

Schon irgendwie ironisch oder? Leute, die etwas zu sagen haben, wirken doch meist stark und über allem erhaben. Schwäche und Gefühle zeigen wird doch fast immer als mangelndes Führungsattribut gewertet und als Frau muss man leider erst recht knallhart sein, um als das „schwache“ Geschlecht in einer Männerhierarchie zu bestehen.

Mir hat der Gedanke gefallen, dass in dieser Geschichte das weibliche Geschlecht regiert. Obwohl es einen sehr bitteren Nachgeschmack gab, denn leider haben sich hier fast alle von der offensichtlichen äußeren Schönheit täuschen lassen, selbst eine knallharte Warlady, was ihr auch sehr zum Verhängnis wurde.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was mir die Autorin damit sagen will … Ist es ein Fehler knallhart und emotionslos zu regieren ohne seine eingebauten Gefühlsantennen zu benutzen, die wir Frauen ja sogar sehr gut besitzen? Ganz sicher sogar, denn mutig und stark zu sein bedeutet doch vor allem, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, wenn das erforderlich ist und eine hinterhältige Person, die sich hinter einer offensichtlich schönen und guten Fassade versteckt, erkennt man sicherlich nur, wenn man sein Köpfchen benutzt und auf sein Bauchgefühl hört. Frauen, die Frauen sein dürfen wären also die beste Wahl, nur mal so am Rande. ;-)

Ihr merkt, für mich hat diese gerade mal 137 Seiten lange Dystopie mit Steam-Punk-Elementen unheimlich viel Tiefgang.

Dabei hatte ich zunächst leichte Probleme in die Geschichte zu finden, war verwirrt und konnte mich in der Welt mit den vielen Personen nicht richtig zurecht finden.
Doch bereits nach ein paar Seiten hat sich das schlagartig geändert, ich hatte meinen Sympathie Protagonisten gefunden und war startklar für das Abenteuer!
Tja, hier wurde auch ich getäuscht, denn das Böse, Hinterhältige habe auch ich nicht gleich erkannt.

Ihr lest hier wirklich eine Schneewittchen Variante, mit einem gigantisch anderen Setting!
Katherina Ushachov hat on top nur mal eben aus der Schneewittchen-Prinzessin einen Prinzen gemacht und aus der bösen Stiefmutter einen bösen Stiefvater.

Und natürlich gibt es den alles rettenden Prinzen, der auch einen Geschlechtertausch vollzogen hat. Diese Rolle übernimmt die Warlady-Tochter Elessa.

Ich bin so froh, dass es Elessa gibt. Sie ist für mich die Heldin dieser Geschichte. Sie hat ihr Herz am rechten Fleck, sie denkt scharf nach, lässt sich nicht blenden, folgt ihren Instinkten und setzt sich für Schwächere und die Wahrheit ein. Es müsste definitiv mehr Elessas auf dieser Welt geben.

Diese Märchenadaption, mit dystopischem Setting und Steampunk-Elementen, war ein echter Lesegenuss für mich.

Sie ist wahnsinnig rasant, intelligent und sozialkritisch geschrieben, was ich aufgrund der Kürze des Buches sehr beeindruckend fand.

Auch gibt es hier unvorhersehbare Wendungen, die für echte Ohhh-Effekte gesorgt haben und einen Kreis, der sich schließt, obwohl man das in dieser Art zu Beginn nicht vermutet hätte.

Rundum perfekt wäre die Geschichte für mich gewesen, wenn das letzte Viertel nicht gar so schnell abgehandelt worden wäre. Das ging mir teilweise alles etwas zu schnell zum richtig mit Fühlen. Das wäre allerdings nur das i-Tüpfelchen gewesen, denn eine Leseempfehlung bekommt das Buch allemal, nicht nur für Märchenfreunde übrigens.

Für alle, die es nicht wissen: „Die tote Prinzessin und die sieben Recken“ von Puschkin ist quasi die russische Variante von dem uns eher bekannten „Schneewittchen“ der Brüder Grimm und hat nur ein paar wenige Abänderungen. Es lohnt sich das russische Original vorher kurz zu lesen, wenn ihr es nicht kennen solltet, denn Katherina Ushachov hat dieses Märchen ganz fantastisch adaptiert. Ich suche ja immer nach Parallelen während dem Lesen einer Adaption und bin hier mehr als fündig geworden.

Fazit

Eine sehr gelungene Adaption des Märchens „Die tote Prinzessin und die sieben Recken“ als Dystopie mit Steampunk-Elementen geschrieben.

Mir haben die hier verarbeiteten sozialkritischen Themen sehr gut gefallen. Unsere Umweltprobleme haben einen Raum erhalten sowie unsere politische Gesellschaft, ihr Stellenwert und ihre Rangordnung. Und natürlich der Appell an uns alle, sich doch von der äußeren Schönheit nicht blenden zu lassen und immer seinen scharfen Verstand einzusetzen ohne die Emotionen dabei außer Acht zu lassen.

Der tote Prinz - Katherina Ushachov
Der tote Prinz
von Katherina Ushachov
(1)
eBook
2,99

In der Kürze liegt die Würze ...

Unsere Bücherwelt , am 07.03.2019

Die Erwartungen waren schon irgendwie groß, als ich mir das Buch zur Hand nahm. Schließlich hat diese Novelle gerade mal 78 Seiten, soll aber eine abgeschlossene Geschichte sein, obwohl ein 2. Teil folgt. Dieser 2. Teil stellt dann den Gegenpart zu diesem Buch dar, denn die Idee dahinter ist, dass immer 2 Seiten EINES Märchens durchleuchtet werden – einmal die „Gute“ und einmal die „Böse“, aber in zwei separaten Büchern.

Klingt doch wahnsinnig spannend oder?

Sylvia Rieß hat sich als Erste „Die Gänsehirtin am Brunnen“ vor genommen, ein Märchen, in dem der König ja nicht ganz so gut weg kommt, so hat er doch seine Tochter verstoßen, weil er glaubte, dass diese ihn nicht genug liebte. Im Original bekommt er keinen allzu großen Raum, wir lernen ihn einfach als einen herzlosen Menschen kennen, nicht jedoch in diesem Buch.

Tja, was soll ich sagen … diese kurze Novelle steckt voller Emotionen, voller Geheimnisse, voller Magie und voller Liebe.
Der König, der scheinbar offensichtliche Unsympath schlechthin, gibt uns hier Einblicke in sein Leben, in seine unterdrückte Wut, seine Zweifel und seine Trauer, so dass wir gar nicht umhin kommen, als ihn zu mögen und für sein Schicksal, dass er an packt, zu bewundern.
Besonders toll fand ich hierbei, dass der König uns von Anfang an, als der zynische, mächtige und oberflächliche Mensch gegenüber tritt, wie man es von ihm auch erwarten würde. Dass es in seinem Inneren aber ganz anders aus sieht, als die äußere Schale vermuten lässt, wird hier bemerkenswert authentisch verarbeitet. Man muss hier ganz genau zwischen den Zeilen lesen und bekommt für die Kürze des Buches ein bemerkenswert intensives und mitfühlendes Emotionsdrama geboten.

Die Geschichte ist spannend vom ersten bis zum letzten Wort und wir decken ein Familiengeheimnis Stück für Stück auf. Am Ende ist die Geschichte des Königs auch wirklich zu Ende erzählt. Jedoch endet das Buch mit so vielen Fragen, dass man dem 2. Band einfach nur erwartungsvoll entgegen blickt.
Die Idee dahinter, dass das Buch in sich abgeschlossen ist, hat da für mich also nicht zu 100 % funktioniert. Man braucht nämlich dringend Antworten, Antworten, die uns nur andere Personen der Geschichte geben können, die hier nur einen Nebenpart hatten. Diese anderen Personen hat sich vermutlich die Autorin vorgenommen, die den Gegenpart zu diesem Schätzchen geschrieben hat. Zumindest hoffe ich das, denn ich muss so einige, durch diese Geschichte, gebildete Meinungen unbedingt revidiert wissen.
Es ist, als wären hier die Rollen von Gut und Böse vertauscht, wobei wir ja eigentlich nur eine direkte Sicht und Gedankeneingabe von einer Person bekommen. Auf die einer anderen Person, warte ich nun sehnsüchtig, denn nach diesem Buch habe ich schon kleine Vorurteile und vielleicht sogar eine falsche Meinung.

Und was sagt uns das?
Der Mensch urteilt oft viel zu früh und auch nur nach dem, was er selber sieht und vor Augen geführt bekommt.

Man hat übrigens das Original-Märchen ständig im Kopf und prüft parallel automatisch auf Gleichheiten oder hofft, dass es einen auf die richtige Fährte führt. Das war großartig umgestzt.

Fazit

Eine kurze, aber sehr tiefgründige Novelle, die voller Spannung und Emotionen steckt. Man fiebert mit dem scheinbar herzlosen und unsympathischen König hautnah mit und begibt sich mit ihm auf eine Reise, zu seinem inneren Selbst und auf eine Reise zu der Wahrheit.

Die Tränen der Sidhe - Sylvia Riess
Die Tränen der Sidhe
von Sylvia Riess
(6)
eBook
1,99

 
zurück