Warenkorb
 

Bewerter

Meine Bewertungen

Rabenschwarzer Humor!

peedee , am 21.05.2019

Helenes Mann Hermann betrügt sie – wieder einmal! Ist es Zufall, dass sie just in dem Moment den Artikel „Allergietod durch Nuss-Kuss“ liest? Ihr Mann ist nämlich ebenfalls Allergiker – so könnte sie ihn doch einfach loswerden. Nur würde das bedingen, dass er sie überhaupt noch küsst. In der Planungsphase stellt sie fest, dass sie nicht die Einzige ist, die den grossen, einzigartigen, unfehlbaren Hermann Winter eliminieren will…

Erster Eindruck: Ein urgemütliches Cover mit dem Holz und dem mit Stoff hinterlegten ausgeschnittenen Herzen – gefällt mir sehr gut.

Der „gute“ Hermann hat bei mir ja so gar keine Punkte sammeln können. Er ist nur darauf bedacht, als Diplomat in einem guten Licht dazustehen. Wenn ihm seine Frau dabei nicht nützt, macht er sie vor den Augen aller schlecht. Er meint lapidar zu ihr: „Helene, für meine Begriffe bist du eine glatte Fehlinvestition!“ Somit ist klar, dass es nicht DIE grosse Liebe war, die zur Heirat führte. Helene ist Mitte dreissig und fragt sich, ob das alles ist, was sie vom Leben erwarten darf. Als sie einmal das Thema Kinder anspricht, meint er nur, dass sie eh nichts auf die Reihe kriege. Er besorgt ihr den Pitbull-Terrier Draco als Kinderersatz – obwohl sie Hunde gar nicht mag! Selbstverständlich ist sie schuld, wenn der Hund nicht das tut, was Hermann möchte.
Helene stellt fest, dass es gar nicht so einfach ist, ihren Plan umzusetzen. Wie könnte sie ihn eliminieren, ohne dass sie nachher als Mörderin dasteht? Ins Gefängnis würde sie ja schon ungern gehen… Mit ihrer Freundin Alma kann sie so ein Thema zudem schlecht beim dienstäglichen Kaffeeplausch im Café Bräunerhof besprechen (diese ist sowieso gerade frisch verliebt und hätte kein Verständnis). Tereza ist die Haushälterin in der Villa Winter in Baden bei Wien. Sie ist patent und hat für alle Probleme eine Lösung. Sie steckt ihrer Chefin auch, wer die neue Geliebte von Hermann ist.

Es gibt immer wieder Passagen von Mailwechseln zwischen zwei namentlich zwar genannten aber trotzdem noch unbekannten Personen. Es wird schnell klar, dass die eine Person auch persönliche Aversionen gegen Hermann hat…

Fazit: Ein wirklich amüsanter Krimi aus Niederösterreich mit rabenschwarzem Humor! Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen – von mir gibt es daher die einzig richtige Bewertung: 5 Sterne.

Das Nussstrudelkomplott - Beate Ferchländer
Das Nussstrudelkomplott
von Beate Ferchländer
(4)
Buch (Taschenbuch)
10,90

Ein guter Reihenstart

peedee , am 18.05.2019

Anabela Silva, Band 1: Anabela Silva schreibt Kolumnen. Ihr baldiger Ex-Mann hält nicht viel davon – von ihr als Person auch nicht, da er sich nämlich eine 21-Jährige geangelt hat. Eine Auszeit bei ihren Eltern an der Algarve kommt Anabela gerade recht, auch wenn die Umstände nicht so erfreulich sind. Anabela wundert sich über die vielen Todesfälle in der Gegend; ihr journalistisches Interesse ist geweckt. Zufall oder ein auf Senioren spezialisierter Mörder? Sie überlegt noch, als wieder ein Toter zu beklagen ist. Dies ruft nun auch João Almeida, Chefinspektor der Polizei, auf den Plan…

Erster Eindruck: Ein Cover, das einen seufzend an den nächsten Urlaub denken lässt – gefällt mir sehr gut.

Dies ist Band 1 einer Reihe und mein zweites Buch der Autorin, da ich unorthodoxerweise mit dem zweiten Band begonnen habe und nun mit Band 1 nachsitzen „musste“.

Anabela hat mir gleich gefallen. Sie ist neugierig und spontan – die Fragen purzeln aus ihrem Mund, bevor sie überhaupt zu Ende gedacht hat (also im diplomatischen Dienst könnte sie so nicht arbeiten *grins*). Wie sie dann manchmal leidvoll feststellen muss, wäre ein vorheriges Nachdenken stark empfehlenswert gewesen. Nun denn, man kann ja auch nicht immer alles vorher hin und her durchkauen… Nun ist sie also wieder im Land ihrer Eltern. Ihre Mutter hatte sie gebeten, herzukommen; sie meinte am Telefon, dass sie sich nicht aufregen solle und es nicht so schlimm sei. Auf Anabelas Nachfrage, was denn passiert sei, meinte die Mutter: „Ich muss operiert werden, der Knochen guckt raus.“ Hach, die Mutter ist doch herrlich, oder? Doch nebst eigenen gesundheitlichen Problemen macht sich die Mutter Sorgen um ihren Mann, da er sich zeitweilig eigenartig verhält und vergesslich geworden ist. Aber zum Arzt? Nein, das wäre ja noch schöner.
Da Anabela zweisprachig ist, kommt sie unverhofft zu einem Aushilfsjob bei der Polizei: João Almeida, Chefinspektor, benötigt ihre Hilfe als Dolmetscherin. Ein sehr sympathischer Mann, dieser João…

Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und trotz ernster Themen gab es auch Humor. Die kursiv geschriebenen Passagen aus der Sicht einer lange unbekannten Person sorgten für die nötige Spannung. Von mir gibt es 3 Sterne für den guten Reihenstart.

Mord an der Algarve - Carolina Conrad
Mord an der Algarve
von Carolina Conrad
(12)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Sehr guter Reihenstart

peedee , am 17.05.2019

Die Lighthouse-Saga, Band 1: Niclas Hunter war ein erfolgreicher Staatsanwalt, bis ihn seine Konkurrentin Gillian Mulhare medienwirksam zu Fall brachte. Er macht sich Vorwürfe, dass aufgrund eines Zwischenfalls ein Vergewaltiger und Mörder frei herumläuft. Niclas flüchtet nach Cape Cod in das Familienanwesen Sunset Cove. Das Haus ist jedoch nicht leer, denn eine Frau steht unter der Dusche und ein fremder Hund hält die Stellung…

Erster Eindruck: Ein schönes Sehnsuchtscover – gefällt mir sehr gut.

Dies ist Band 1 der Reihe und zugleich mein erstes Buch der Autorin.

Niclas ist gleich von Marie McMillan, so der Name der Unbekannten, fasziniert. Sie entspricht zwar überhaupt nicht seinem üblichen Frauenbild, aber eigentlich hat er von Frauen sowieso gerade mal genug… zumindest sagt er sich das. Diese Frau ist so anders – sie wirkt taff, mutig und auch sehr verschlossen. Aber Marie sollte nun wirklich nicht das Ziel seiner Gedanken sein, sondern der Plan, wie er seinen Ruf wiederherstellen kann.
Marie war Buchhalterin und wurde zu Unrecht als Betrügerin verurteilt; sie musste vier Jahre einsitzen und ist nun auf Bewährung draussen. Ihr Leben ist ein Scherbenhaufen. Ihre Familie und auch ihr Verlobter haben sich von ihr abgewendet. Marie versucht, sich ein neues Leben aufzubauen, was jedoch nicht einfach ist, wenn man jeden Dollar zweimal umdrehen muss.
Niclas und Marie sind von ihrer Herkunft sehr unterschiedlich, doch eint sie eins: Ihre Eltern interessieren sich nur für sich selbst. Insbesondere den Eltern von Niclas ist es äusserst wichtig, dass der Schein stets gewahrt wird. Diese unliebsame Berichterstattung über Niclas ist verheerend für die Hunters, die in höchsten Kreisen verkehren (die Eltern haben bei mir gar keine Punkte gesammelt!).

Am besten gefallen haben mir Andrew, Niclas‘ Bruder, und Jake, der beste Freund der Brüder. Und auch Holly, die Besitzerin des Restaurants „Fairway“ und Freundin von Marie. Holly ist gar nicht gut auf die „Hunterbrut“ zu sprechen – ich bin gespannt, weswegen.

Ich bin ziemlich „anfällig“ für Reihen – also war es nur eine klitzekleine Frage der Zeit, wie lange es dauern würde, bis ich die Lighthouse-Saga beginne. Die Geschichte über Recht und Unrecht, Freundschaft, Neubeginn, hat sich flüssig lesen lassen und war zuweilen ziemlich vorhersehbar, aber schliesslich ist es ja auch ein Liebesroman. Von mir gibt es 4,5 Sterne, die ich somit gerne auf die maximale Punktzahl aufrunde. Ich habe mich am Cape Cod wohlgefühlt – ein grossartiges Setting! – und freue mich auf Band 2.

Rückkehr nach Sunset Cove - Ella Thompson
Rückkehr nach Sunset Cove
von Ella Thompson
(16)
Buch (Klappenbroschur)
9,99

Veränderung ist möglich

peedee , am 16.05.2019

Mitten im Leben – was kommt jetzt noch? Was will ich mit meinem weiteren Leben anfangen? Soll es so weitergehen wie bisher? Oder fange ich endlich etwas Neues an? Tanja Köhler ist Psychologin und arbeitet als Coach und Speaker; sie hat sich selbst gefragt, welche Wünsche oder Veränderungsvorhaben sie (noch) hat. Sie wollte unbedingt Dudelsack spielen lernen, aber war sie dafür nicht schon zu alt? Eine Anleitung zur Veränderung in der Mitte des Lebens.

Erster Eindruck: Das Cover selbst ist mit seinen Acrylmalereien in Grüntönen nicht sehr auffällig, daher umso mehr der aussergewöhnliche Buchtitel – gefällt mir sehr gut.

Ich kann hier schon voraus erwähnen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat. Ein Sachbuch lese ich bewusst in kleineren Schritten, damit ich die Impulse auch verarbeiten bzw. umsetzen kann.

„Ein ganz normaler Zollstock oder die Frage «Ist es zu spät? Bin ich zu alt, um Dudelsack zu lernen?»“ Als ich das gelesen habe, habe ich mich schon gefragt, was das bedeuten soll. Die Leserin wird angehalten, sich einen normalen Zollstock zu holen und vor sich zu legen. Links steht die Null und rechts die 82 (die statistische Lebenserwartung von Frauen). Nun markiere ich die Zahl, die meinem jetzigen Alter entspricht. Wie viel Zeit liegt zwischen dieser Zahl und der 82? Was will ich in dieser Zeit machen? Eine simple Übung, aber eine, die mich ziemlich zum Nachdenken gebracht hat.

„Veränderung ist harte Arbeit. Veränderung ist Hinschauen. Veränderung ist ein intensives Auseinandersetzen mit sich selbst und seiner Herkunft.“ Dem Lesen dieser Sätze folgte mein Seufzen, denn genau so ist es!
„Veränderung = D x Z x U“: Dies ist die Leitformel der Autorin für die persönliche Veränderung: D wie Dringlichkeit spüren; Z wie Ziele klären; U wie Umsetzung. Die Autorin erklärt detailliert die einzelnen Punkte.

Eine der inneren Bananenschalen auf dem persönlichen Weg ist die Unehrlichkeit zu sich selbst. Manchmal ist man doch zu gerne versucht, sich einen Umstand oder ein Nichthandeln schönzureden. Hm, nicht gut… Es ist auch nicht gut, immer auf den Veränderungsimpuls zu warten. Das Warten könnte die Lebenszeit überdauern!

Mir haben der Schreibstil und auch der Humor sehr gut gefallen. Ebenso die Informationen rund um das Dudelsackspiel (einmal mehr wurde mir bewusst, wie viel mehr dahintersteckt). Von mir gibt es 5 Sterne und meinen herzlichen Dank für die Anregungen.

Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen - Tanja Köhler
Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen
von Tanja Köhler
(1)
Buch (Taschenbuch)
20,00

Ein Land voller Gegensätze

peedee , am 15.05.2019

Reihe Länderporträts, Kenia: Was wusste ich bisher über Kenia? Klar, Kenia liegt in Afrika, die Hauptstadt ist Nairobi, liegt in der Nähe des Äquators… - eigentlich wusste ich somit also gar nichts. Die Autorin, die seit Jahrzehnten in Afrika lebt und arbeitet, erzählt von „ihrem“ Kenia.

Erster Eindruck: Ein zweigeteiltes Cover; oben einen Strand mit farbenfroh gekleideten Frauen, die Lasten auf dem Kopf tragen; unten nur der Buchtitel und Autorenname – gefällt mir.

Die Autorin kam in den 1980er Jahren nach Nairobi, um an der dortigen Universität Deutsch zu unterrichten. Sie hätte wohl selbst nicht gedacht, wie nachhaltig ihre Bindungen an Kenia werden würden, da sie später einen Kenianer aus Kisumu geheiratet hat. Dies ist bereits mein fünftes Länderporträt (nach Israel, Indien, Russland und China). Wie auch bei den anderen Länderporträts bin ich von der Fülle der Informationen schier überwältigt. Die Notizen, die ich mir gemacht habe, würden den Rahmen einer üblichen Rezension sprengen (zudem soll sich ja jede/r selbst einen Eindruck verschaffen und das Buch lesen). Hier ein paar Beispiele:
- Ein Land mit 48 Mio. Einwohnern; die Asiaten, Europäer und Araber machen nur 1% aus (Vergleich: Ausländeranteil in der Schweiz 25%, in Deutschland ca. 13%). 70% der Kenianer sind Christen; es sollen über 8‘000 unterschiedliche Kirchen und Sekten registriert sein! Englisch ist die Amtssprache, Kisuaheli die Landessprache, dazu kommen weitere 40 Sprachen. Die Unterschiede von Arm und Reich sind auch in diesem Land gross.
- Es gibt zig unterschiedliche Volksgruppen und es ist für jeden Kenianer wichtig zu wissen, zu welcher Gruppe sein Gegenüber gehört.
- Die Politik und die Korruption scheinen leider Hand in Hand zu gehen. Diesen Eindruck gewinnt man aus den Erzählungen. Es ist tragisch, dass die Kenianer den eigenen Landsleute dadurch schaden. Aber wer nur auf eigenen Profit aus ist… „Die führenden Politiker, so sagt man in Kenia, entstammen noch immer der colonial cradle und sind immer noch durch den Kolonialismus geprägt: Selbstbezogen, autoritär fixiert und unfähig zu eigenständigem politischen Denken, sind sie nicht in der Lage, sich auf internationaler Bühne zu bewegen.“
- Sehr beeindruckt hat mich Wangari Maathai (ich gebe zu, der Name hat mir leider nichts gesagt): Sie war eine Umweltaktivistin, die 1977 das „Greenbelt Movement“ gegründet hatte und 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. Unbedingt mal nach ihr googeln!

Für den Smalltalk eignet sich übrigens immer der Zustand der Strassen, denn es gibt kaum einen Kenianer, der sich nicht darüber zu beklagen wüsste!

Kenia - Ingrid Laurien
Kenia
von Ingrid Laurien
(2)
eBook
9,99

Mir fehlte das gewisse Etwas

peedee , am 13.05.2019

Felicitas arbeitet als Regie-Assistentin und dafür viel unterwegs. Der nächste Auftrag führt sie auf die Insel Föhr. Der Regisseur ist kein einfacher Mensch und macht Felicitas das Leben und den Job schwer. Unerwarteterweise muss sie sich auch ihrer Vergangenheit stellen, denn die neue Hauptdarstellerin war einst ihre beste Freundin, die ihr den Freund ausspannte! Ob Felicitas je wieder eine neue Liebe findet? Der Künstler Frederick hat es ihr irgendwie angetan…

Erster Eindruck: Wie immer ein sehr schönes Sehnsuchtscover – gefällt mir.

Im Original-Klappentext wird als Aufhänger eine Sammlung von Briefen benutzt, die Felicitas in ihrer Hamburger Wohnung unter einem losen Brett findet. Sie weiss weder, von wem die Briefe stammen, noch von wem sie geschrieben wurden. Doch sie ist sehr berührt vom Gelesenen. Ist es Zufall, dass die Briefe auf Föhr geschrieben wurden, wo sie nun aus beruflichen Gründen hinfahren muss? Die Briefe werden dann wohl ab und zu mal wieder erwähnt, aber aus meiner Sicht hätten sie auch weggelassen werden können.

Ich fand es interessant, ein paar Einblicke hinter die Kulissen einer Filmproduktion zu schauen. Es gibt so viele Dinge zu organisieren! Und wenn dann ein schwieriger Mensch Regie führt, das Team einen Lagerkoller kriegt, Statisten ausfallen oder das Wetter einfach nicht mitspielt, sind das äusserst diffizile Bedingungen für eine Regie-Assistentin. Wenn dann noch ein Sponsor den Geldhahn zudreht, ist man auch schnell mal den Job los.

Am besten gefallen hat mir Tim, Felicitas‘ bester Freund und Mitbewohner; die beiden sind ein gutes Team. Und natürlich Leevke (auch wenn ich mit Esoterik und Geistern aller Art nicht so viel anfangen kann) – sie wurde Felicitas eine gute Freundin, und das ist, was zählt.

Dies war das achte von mir gelesen Buch der Autorin – leider war es für mich das schwächste davon. Die Geschichte hat sich wohl flüssig lesen lassen und die Beschreibungen der Insel waren sehr schön, doch fehlte mir einfach das gewisse Etwas.

Sommerwind - Gabriella Engelmann
Sommerwind
von Gabriella Engelmann
(9)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Sympathisch und bescheiden – beeindruckend

peedee , am 11.05.2019

Friedrich Hänssler war jahrzehntelanger (über 65 Jahre!) Leiter des Hänssler-Verlags. Zum 100. Jubiläum des Verlags hat dieser die Biografie von Friedrich Hänssler herausgegeben. Simone Martin hat Episoden aus seinem Privat-, Verlags- und vor allem Glaubensleben zusammengetragen.

Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir sehr gut (obwohl ich kein Fan von Schutzumschlägen bin); ein sympathischer Friedrich Hänssler blickt einem entgegen. Ich finde es bezeichnend, dass kein Hochglanz oder Firlefanz verwendet wurde – es zeigt für mich seine Bescheidenheit. Ich finde es sehr schön, dass es so viele Bilder gibt; persönliche Fotos bereichern eine Biografie immens.

Wer sich für den Glauben und christliche Literatur interessiert, wird früher oder später ein Buch aus dem Hause SCM Hänssler in den Händen halten. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass anlässlich der 100-Jahr-Feier des Verlags eine Biografie über Friedrich Hänssler herausgegeben wurde. Als Vorgeschmack zum Buch hat der Verlag ein neunminütiges Video produziert, das mich noch neugieriger auf die Erzählungen von Friedrich Hänssler gemacht hat. Das Buch geht zurück bis zu Friedrich Hänssler senior, behandelt Friedrichs Kindheit/Jugend, die schweren Kriegsjahre, seine Leidenschaft für die Musik, die Verlagsarbeit, seine Familie, und vor allem: seinen Weg mit Gott.

Im Kapitel „Begegnungen mit Folgen“ habe ich mir die vier Punkte, die Friedrich Hänsslers Leben wie einen roten Faden durchziehen, markiert:
„1. Gott gestaltet ein Leben – bis ins Detail.
2. Gott ist immer der Erste, der handelt.
3. Gott führt ein Leben und gibt Berufung – ‚Berufung ist das Gegenteil von Selbstbestimmung.‘
4. Alles im Leben ist Geschenk aus der guten Hand Gottes.“

Friedrich Hänssler hat in seinem Leben sehr viele berühmte Persönlichkeiten kennengelernt, wie auch ein paar der Fotos festhalten, so z.B. Pfarrer Wilhelm Busch (1897 – 1966) oder Jim Irwin, US-amerikanischer Astronaut und Pilot der Mondlandefähre, der zu diesem Erlebnis meinte: „Viel wichtiger, als dass ein menschlicher Fuss den Mond betreten hat, ist, dass Jesus Christus auf diese Erde gekommen ist.“

Es ist schön, auch etwas über seine Familie zu erfahren. Er und seine Frau haben sechs Kinder, das jüngste davon hat das Downsyndrom. Ich fand es sehr erfrischend, wie Friedrich Hänssler von seinem Jüngsten erzählte, z.B. als sie still und leise in einem Restaurant beten wollten, aber Jürgen das nicht akzeptieren wollte, da zu Hause schliesslich immer laut gebetet wurde. Jürgen hatte ja eigentlich absolut recht – warum sollte das im Restaurant anders laufen, als zu Hause? Die Liebe zu seiner Familie ist sehr gut spürbar.

„Der Glaube sieht das Unsichtbare, glaubt das Unglaubliche und bekommt das Unmögliche!“ (S. 149) Ein wunderbares Bild.

Das Buch kann ich vollumfänglich empfehlen: Es hat mir intensive Lesestunden beschert, mich zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht – vielen Dank dafür!
Während der Lektüre musste ich erfahren, dass Friedrich Hänssler Anfang Mai 2019 mit 92 Jahren verstorben ist. Es ist eigenartig, eben noch über sein Leben zu lesen und dann ist er verstorben. Mein Beileid gilt der Familie.

Friedrich Hänssler - Ein Leben für das Evangelium - Simone Martin
Friedrich Hänssler - Ein Leben für das Evangelium
von Simone Martin
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,99

Absolute Empfehlung

peedee , am 08.05.2019

Eine Auswahl von 74 Bibelgeschichten über Noah, Abraham, Josef, Mose, David und Jesus zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren. Martin Polster (1938 – 2015), evangelischer Theologe, hat die Texte geschrieben und Rike Janssen, Illustratorin, hat wunderbare Zeichnungen erstellt.

Erster Eindruck: Ein grossformatiges Bilderbuch mit stabilem Hardcover. Das Cover zeigt, in welch detailreichem Stil das ganze Buch bebildert ist – sehr schön.

==Text==
Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis befindet sich am Ende des Buches. Die Geschichten sind sowohl aus dem Alten als auch aus dem Neuen Testament:
- Altes Testament, Beispiele: Vom Anfang der Welt (Gott macht Himmel und Erde, Tiere und Menschen; Adam und Eva leben im Garten Eden); Jakob und seine zwölf Söhne (Josef ist Vaters Liebling; Josef verzeiht seinen Brüdern)
- Neues Testament, Beispiele: Maria bringt ein Kind zur Welt (Jesus wird geboren; Jesus lässt sich von Johannes taufen); Jesus erzählt von Gott und hilft den Menschen (Jesus findet gute Freunde; Jesus hat Brot für alle)
Jede Bibelgeschichte wird auf einer Seite erzählt. Es werden kurze Sätze mit einfachen Worten verwendet, so dass sie für die gewünschte Zielgruppe gut verständlich sind.

==Illustrationen==
Es gibt auf jeder Seite sehr schöne Zeichnungen, die den Text sehr gut ergänzen. Eine Vielzahl von Details lässt die vorlesende Person und das Kind länger bei der einzelnen Geschichte verweilen. Farbgestaltung, Zeichnungen, Details – sehr schön!

Fazit: Ein wunderschön gestaltetes Buch mit kurzen Geschichten – wohlverdiente 5 Sterne.

Die schönsten Bibelgeschichten zum Vorlesen - Martin Polster
Die schönsten Bibelgeschichten zum Vorlesen
von Martin Polster
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
10,00

Die Begeisterung ist ausgeblieben

peedee , am 07.05.2019

Ezra Kramer wächst in einer ultraorthodoxen jüdischen Familie in Boston auf und besucht eine konservative jüdische High School. Als er unerlaubterweise ein Mädchen fotografiert, fliegt er von der Schule – ein Skandal in der Gemeinde! Ezra kümmert dies wenig, träumt er eh davon, als Fotograf zu arbeiten. Seine Familie hat ganz andere Pläne mit ihm. Was nun? Sich fügen oder ausbrechen?

Erster Eindruck: Das Cover mit dem für ultraorthodoxen Männer üblichen Hut und den Schläfenlocken sowie einer Kamera vor dem Hintergrund einer Grossstadt gefällt mir gut. Die Schriftart erinnert an Leuchtreklame. Ein Cover voller Gegensätze: Tradition vs. Moderne.

Dieses Buch ist das Debüt des italienischen Autors Simone Somekh; es wurde gleich mit dem „Premio Viareggio“, einem prestigeträchtigen Literaturpreis Italiens für das erste Werk, ausgezeichnet. Beim Klappentext wird das Buch von „La Repubblica“ mit „von einer wohltuenden Frische“ gelobt. Die Auszeichnung und die Lorbeeren haben meine Neugier geweckt; ich hatte eine hohe Erwartungshaltung.
Der Hauptdarsteller, Ezra, war mir leider unsympathisch. Für mich wirkte er egoistisch, nur an seinen eigenen Bedürfnissen interessiert. Freunde? Braucht er nicht, ausser sie seien ihm „nützlich“. Okay, wenn das seine Definition von Freundschaft ist… Im Originalklappentext wird die Freundschaft mit Carmi speziell hervorgehoben, die aber im weiteren Buchverlauf nur noch eine winzige Rolle spielt. Ezra muss zu einer Psychologin, um sein Fehlverhalten zu korrigieren. Mich hat es sehr überrascht, dass er zu einer Frau ging, denn für mich wäre logisch gewesen, dass er zu einem Psychologen, also einem Mann, gehen muss. Die Sitzungen haben sich sehr unprofessionell entwickelt.
Die einzige Figur, die mir gefallen hat, war Tante Suzie, die Schwester von Ezras Mutter. Sie ist eine moderne Frau, die ihren Weg geht – mit dem strengen Judentum hat sie nichts zu tun.
Die Einblicke in das ultraorthodoxe Judentum waren für mich interessant, denn ich hatte bisher ausser TV-Dokumentation oder Berichten über Israel keine Berührungspunkte damit. Diese Ausrichtung des Judentums ist für mich schwer nachvollziehbar, da es für mich nach einer Menge Regeln und Einschränkungen aussieht. Ich kann nicht verstehen, dass so viele ultraorthodoxen Männer gar nicht arbeiten, sondern sich ausschliesslich ihren religiösen Studien widmen. So versuchen die Frauen, etwas zum Familieneinkommen beizutragen, aber das ist nicht einfach, denn schliesslich haben sie durchschnittlich sieben Kinder aufzuziehen!

Das Thema ist grundsätzlich sehr interessant: junge Menschen zwischen Tradition und Moderne, charedisches vs. modernes Judentum. Leider konnte mich die Umsetzung nicht begeistern (z.B. hat es viele Sprünge in der Geschichte) und so kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen, schade.

Weitwinkel - Simone Somekh
Weitwinkel
von Simone Somekh
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,90

Einmal „Reset“, bitte!

peedee , am 05.05.2019

Ein Pastor hat Vorbildcharakter: Er weiss alles, er zweifelt nicht und er ist mit sich selbst absolut im Reinen. Ein Pastor mit psychischen Erkrankungen? Nein, das gibt es nicht. Soweit das gängige Schubladendenken. Volker Halfmann leidet seit der Kindheit unter Zwangsgedanken/-handlungen und Depressionen. Er wird Pastor und nach aussen läuft lange Zeit alles gut. Doch das Äussere und das Innere harmonieren nicht: er rutscht ab; Alkohol, Ängste, Bulimie und Suizidgedanken. In diesem Buch erzählt er offen von seinen Niederlagen, Ängsten und Zweifeln.

Erster Eindruck: Das Cover ist sehr gut gemacht: schwarzes Foto mit den goldenen Akzenten; der „goldene Sprung in der Schüssel“ ist sehr gut visualisiert.

Ich mag Geschichten über Menschen und ihren Glauben. Auch ein Pastor ist nicht einfach fehlerfrei und hat per se ein sorgloses Leben. Er muss mit sich kämpfen und lernen, mit seinen Problemen zu leben. Wie angenehm wäre es, wenn man bei Problemen einfach mal kurz auf den Resetknopf drücken könnte. Psychische Erkrankungen sind heutzutage immer noch für viele Menschen ein Tabu, denn „die sollen sich doch mal nicht so anstellen“. Wer so urteilt, sollte zutiefst dankbar sein, dass er selbst von psychischen Erkrankungen verschont geblieben ist.

Die Vorworte haben mir sehr gut gefallen, insbesondere das von seiner Frau. Sie gibt zu, dass es in ihrer Beziehung schwere Zeiten gegeben hat, es also viele Risse gäbe. Doch gäbe es auch sehr viele Perlen zu entdecken. „Aber die Perlen sind ein Schatz, den mir niemand nehmen konnte und kann.“

Ich mag die offene, ehrliche Art, mit der Volker seine Situation beschreibt. Er beschönigt nicht. Eine Suchterkrankung und eine völlige psychische Erschöpfung führen in mehrere Wochen in eine Klinik. „Ich war am Ende: am Ende mit dem Versuch, zu funktionieren, und am Ende mit der Hoffnung, dass es für mich noch einmal besser werden könnte. Ich hasste mein Leben und war doch zu feige zum Sterben. Ich war erbärmlich!“ Eine erschütternde Aussage. Als Volker zum ersten Mal in die Klinik kommt, hat es bei mir schon fast ausgehängt – als ich von diesen Behandlungsmethoden las, hätte ich schreien können! In Zweierreihen händchenhaltend durch den Park spazieren oder kuscheln im Gemeinschaftsraum! Oder auch diese Therapie, wo einer auf den anderen draufliegt und man dann die Gefühle rauslassen soll! Arggggghhhhh! Das ginge für mich gar nicht – ich brauche eine gewisse Distanz zu unbekannten Menschen.

Claudia zu ihrem Mann: „Volker, Gott hat dich nicht aufgegeben, ich habe dich nicht aufgegeben und du solltest dich auch nicht aufgeben.“ Das finde ich eine sehr berührende Aussage und zeigt die grosse Liebe von Claudia.

„Kintsugi“ ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik, bei der – sehr vereinfacht gesagt – die Risse mit Goldlack aufgefüllt werden. Mir war diese Methode vorher nicht bekannt, aber als ich im Internet ein paar Bilder angesehen habe, habe ich festgestellt, dass die meisten Werke mit diesen „Rissen“ viel interessanter sind. So ist es doch auch bei den Menschen: die mit Falten im Gesicht oder „Sprüngen in der Schüssel“ haben einiges erlebt und wissen daher auch viel zu berichten. Volker Halfmann zeigt sehr viel Mut, seine Geschichte, die ihn vorübergehend auch von Gott wegführte, zu präsentieren und er kann dadurch hoffentlich auch anderen helfen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Vielen Dank dafür!

Mein goldener Sprung in der Schüssel - Volker Halfmann
Mein goldener Sprung in der Schüssel
von Volker Halfmann
(4)
Buch (Paperback)
16,99

 
zurück