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monerl aus Langen

Gesamte Bewertungen 119 (ansehen)


Über mich:
monerl

Meine Bewertungen

Madeira, Avila und ein schrecklicher Sturm

monerl aus Langen , am 14.05.2019

Meine Meinung
Comissário Avila ermittelte endlich wieder! Bereits der Auftakt dieser Serie hatte mir sehr gut gefallen und ich hoffte auf weitere Fortsetzungen mit diesem sympathischen Ermittler und seinem Team.

Mittlerweile Vater ein Tochter, versucht Avila den neuen Anforderungen einer Familie mit Kind gerecht zu werden. Von seiner Frau Leticia wird er für ein Wochenende in das abgeschiedenste Hotel Madeiras überredet, wo er unglücklicherweise auch noch seinen Chef sowie seinen Schwiegervater ertragen muss. Ob das wohl gut geht?

Doch ein schrecklicker Sturm wütet auf Madeira und schneidet die Gäste des Hotels von ihrer Umgebung ab. Zudem ist unter ihnen ein Mörder, der bereits zwei Tote auf dem Gewissen hat.

Avila und sein Chef André, der Wolf, ermitteln unter schwersten Bedingungen. Erstaunlicherweise kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich wunderbar.

Joyce Summer hat in Avilas zweitem Fall die Insel Madeira auch wieder, ganz wie nebenbei, schön in den Mittelpunkt gesetzt. Doch dieses Mal von der dunklen, stürmischen Seite. Ich konnte mir die Gegend und das Setting sehr gut vorstellen.

Spannend verknüpfte die Autorin zwei Handlungsstränge. In jenem, der von Avilas Mitarbeiter Vasconcellos geführt wird, versuchen die Ermittler den Mörder eines Tauchers aufzudecken, der womöglich der gleiche ist wie der, der sich im von der Zivilisation abgeschnittenen Hotel Encosta de Calheta befindet, wo Avila, der Wolf, Leticia mit Tochter Felia, Schwiegervater Oriol und noch ein paar andere Gäste feststecken. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Joyce Summer hat es wieder mal geschafft, dass man wunderbar miträtseln konnte. Ihre angenehme Schreibweise und der flüssige Schreibstil lassen einen schnell in die Geschichte eintauchen und am liebsten das ganze Buch am Stück durchlesen zu wollen. Die Figuren sind sehr realistisch gezeichnet, sodass man sie sich gut vorstellen kann und ihnen ihre Handlungsweise auch abnimmt. Die kleinen Spitzen um das Festland Portugal und seine Insel Madeira lockern den Krimi auf und bringen auch eine angenehme Heiterkeit ins Buch, die ich in einem Regionalkrimi erwarte. Die sehr gut hin und wieder eingebauten portugiesischen Ausdrücke runden diesen Madeirakrimi ab. Und nebenbei erfährt man auch noch mehr über Gifte und Shakespear.


Fazit
Wer gerne Krimis liest, die nicht zu blutig sind und bei denen man die Ermittlerarbeit nachvollziehen und gleichzeitig miträtseln kann, ist mit Joyce Summers Madeirakrimis absolut an die richtigen Bücher geraten! Sie sind nicht überfrachtet und insgesamt jeweils abgeschlossen. Aber auch hier empfehle ich bei Teil 1 zu beginnen, um die Entwicklung des persönlich-privaten Handlungsstrangs um Avila und die anderen verfolgen zu können.

Madeirasturm - Joyce Summer
Madeirasturm
von Joyce Summer
(2)
eBook
4,99

Anders als erwartet!

monerl aus Langen , am 13.05.2019

Meine Meinung
Dieses Buch habe ich im ersten Moment ganz falsch eingeschätzt. Irgendwann lag es im Briefkasten und nach dem Öffnen der Post mochte ich zwar das Cover, das so unkompliziert, fröhlich und frühlingshaft wirkte doch der Klappentext konnte mich erst nicht so ganz fesseln. Das Buch lag nun schon eine Weile hier und wollte schlussendlich doch gelesen werden. Ich machte mich auf leichte und oberflächliche Lektüre gefasst. Doch weit gefehlt.

Die Autorin schenkte den Leser*innen eine schöne, spannende und unvorhersehbare Geschichte, die sich intensiv mit Problemen einer Beziehung auseinandersetzt und nicht nur auf der Oberfläche bleibt.

Anni und Thies lieben sich, haben eine schöne und stabile Beziehung und doch bringt der Wunsch nach Heirat alles durcheinander, denn Anni will gar nicht heiraten und zweifelt plötzlich an ihren Gefühlen und der Beziehung.

Meike Werkmeister hat mit ihren Protagonisten ein realistisches Paar erschaffen. Ich verstand Annis Zweifel wie auch Thies Verletzheit gegenüber Annis Verhalten und die Sorge, ob so eine Auszeit ein Neubeginn mit gefestigter Beziehung oder eine endgültige Trennung sein wird.

Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar und so folgte ich Anni gerne nach Norderney. Die landschaftlichen Beschreibungen und der dargestellte Charakter der Insel hatte auch meine Reiselust geweckt.

Sehr schön konnte man die Entwicklung beider Protagonisten verfolgen und nachvollziehen. Die Autorin hat einige Wendungen und Überraschungsmomente eingebaut, sodass auch der Schluss nicht vorhersehbar und absolut als gelungen bezeichnet werden kann.

Meike Werkmeister schafft es mit ihrer angenehmen Geschichte nicht ins Kitschige abzudriften. Dies ist kein Chic-Lit-Roman. Dies ist ein Selbstfindungsroman aber auch eine authentisch dargestellte Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, in die ich gerne eingetaucht bin.


Fazit
Wer man wieder Lust auf einen Roman aus dem Genre Liebe hat, der nicht nach Schema F geschrieben wurde, ist bei diesem Buch vollkommen richtig. Keine überzogenen Geschichte, klischeehaftes Verhalten oder oberflächliche Liebschaften. Meike Werkmeister ist ein toller Roman gelungen, der einen zusätzlich mit wunderbaren und lustigen Sprüche aufheitert oder auch zum Nachdenken bringt.

Mein Favorit-Spruch von Anni:
“Wenn das Leben dir Sturm schickt, mach wenigstens die Haare auf.”

Sterne sieht man nur im Dunkeln - Meike Werkmeister
Sterne sieht man nur im Dunkeln
von Meike Werkmeister
(87)
Buch (Klappenbroschur)
10,00

Tolle Idee mäßig umgesetzt

monerl aus Langen , am 08.05.2019

(3,5 von 5 Sternen)

Meine Meinung
Die Leseprobe hatte mich sofort überzeugt! Schon auf den wenigen Seiten zeigt sich der tolle Schreibstil der Autorin und der sprachliche Biss, der der Geschichte das gewisse Etwas verleiht.

Und auch die Charaktere machen die Geschichte zu etwas Besonderem. Allen voran Großmutter Margo. Sie ist eine richtig fürchterliche Person; dominant, herrschsüchtig, nach Komplimenten haschend, vorlaut, rassistisch unvm! Sie organisiert die Flucht aus Russland nach Deutschland unter Angabe von falschen Voraussetzungen. Und als sie es geschafft hat, als falsche Jüdin in einem Wohnheim für geflüchtete Juden unterzukommen, lässt sie kaum ein gutes Wort an Juden, Deutschen, Arabern… Ihre große Unzufriedenheit war für mich nicht so richtig greifbar. Sie ist eine verletzte und trauernde Mutter (obwohl das nicht richtig rüberkommt), die ihre Tochter verloren hatte und sich nun (ihrer Meinung nach) aufopferungsvoll um den (ihrer Meinung nach) kranken, dummen und bald verkrüppelnden Enkel Max kümmert. Dabei muss sie auch noch ihren (ihrer Meinung nach) faulen, zu nichts zu gebrauchenden, sturen und wortkargen Ehemann Tschingis aushalten, unterstützen und unterhalten, wo es doch eigentlich andersherum sein sollte.

Dies erfahren wir taktischerweise aus der Sicht des kleinen Max, der von seiner Großmutter in jedweder Hinsicht unterdrückt wird. Seine Offenheit und Naivität und auch Leichtigkeit, die er trotz dieser schrecklichen Großmutter an den Tag legt, ist herrlich erfrischend und gibt der Geschichte eine positive Note.

Gespannt verfolgte ich die Idee, dass sich der wenig beachtete Großvater in eine um einiges jüngere jüdische Mitbewohnerin verliebt. Was wird alles passieren? Wie wird die tyrannische Großmutter das Ganze aufnehmen?

Und Alina Bronskys Antwort überraschte mich sehr! Damit hatte ich nicht gerechnet. Und wenn ich ehrlich bin, konnte ich das Handeln von Margo nicht so ganz nachvollziehen. Ihre Großzügigkeit war nicht leicht sondern natürlich in erster Linie egoistisch. Sie nahm sich, was sie wollte und brauchte und nahm dabei wenig Rücksicht auf andere. Ebenso konnte ich die Reaktion des Großvaters Tschingis und der Geliebten Nina nicht nachvollziehen, da Alina Bronsky nicht genug darstellt, wieso ihre Figuren so handeln wie im Buch beschrieben.

Das ist in meinen Augen die größte Schwäche des Buches. Es gibt nicht genug Erklärungen und Anhaltspunkte, um die skurrilen Charaktere zu verstehen. Vielleicht liegen sie zwischen den Zeilen verborgen. Doch leider war ich nicht in der Lage sie zu filtern.

Das Ende kam ein wenig überhastet. Und wieder hadere ich damit, es nicht zu verstehen. Ja, Großmutter Margo will Großes erreichen, unmögliches vollbringen, sich großzügig zeigen… aber so? Warum dieses Ende mit dem titelgebenden Zopf? Schade, dass Alina Bronskys Gedanken nicht bis zu mir durchdringen konnten.


Fazit
Die Idee dieses Buches ist fantastisch und die Autorin kann mit Sprache und ihrem eigenen Stil grandios jonglieren. Doch leider gefiel mir die Umsetzung weniger. Einige Seiten mehr hätten dem Buch sehr gut getan, um die Lücken und die immer schneller voranschreitende Handlung der Geschichte zu füllen und nachvollziehbar zu machen. So bleibt das Buch, trotz seiner eigenen Genialität, eine etwas unausgegorene Geschichte.

Der Zopf meiner Großmutter - Alina Bronsky
Der Zopf meiner Großmutter
von Alina Bronsky
(39)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Science-Fiction ohne Aliens!

monerl aus Langen , am 07.05.2019

Meine Meinung
Die Erde in einer möglichen Zukunftsversion 172 Jahre nach dem heutigen 2019. Die Menschen haben es nicht geschafft den Klimawandel, die Ressourcenausbeutung und die Umweltschäden zu stoppen, sondern weiter vorangetrieben. So lange, bis sie fast untergingen. Der Untergang der Menschheit wurde durch Askit abgewendet, eine künstliche Intelligenz, die ab da alles steuert, überwacht und über alles entscheidet, auch darüber, wie die Menscheit weiter existieren soll. Askits oberstes Ziel ist den Planeten Erde zu retten. Was, wenn die Menschen auch im kontrollierten 22. Jahrhundert diesem Ziel im Wege stehen? Wie wird sich Askit entscheiden?

Die Natur des Menschen basiert größtenteils auf Egoismus und dem Streben nach Geld und Macht. Um das einzudämmen hat Askit eine neue Gesellschaftsstruktur eingeführt. Nur die Reinsten, die für die Gesellschaft und die Natur handeln als auch ausgeglichenen Charakters sind kommen in den inneren Kreis, der direkt mit Askit und der Agenda (den Gründern und ihren Nachfahren) zu tun hat, mit ihnen kommunizieren und in der Forschung und Wissenschaft tätig werden kann. Die Menschen mit der höchsten Punktzahl, dem “Score”, sind sehr angesehen und werden verehrt und geachtet. Jährlich gibt es Abschlussprüfungen für die Reinsten, die sich in umfassenden psychologischen Tests vor Askit beweisen müssen. Es ist DAS Ereignis des Jahres.

Der Autor hat mit seinem Buch eine spannende und interessante Dystopie geschrieben, die Science-Fiction-Charakter aufweist. Thore D. Hansen befasst sich mit moralischen Aspekten, der Umwelt und Natur, dem technischen Fortschritt, einer Super-KI mit gottähnlichen Zügen unvm.

Aufgrund der Themen ist das Buch nicht immer ganz leicht zu lesen, denn der Autor hat sehr gut recherchiert und die zukünftigen Entwicklungen sehr plausibel dargestellt. Oftmals sehr technisch und wissenschaftlich, was das Buch aber genau deswegen aufwertet und es von ähnlich gearteten Geschichten abhebt.

Die neue Gesellschaftsform der Menschen wird sehr gut und nachvollziehbar erklärt, was dem*r einen oder anderen als langatmig vorkommen könnte. Die Katastrophe spitzt sich langsam zu und offenbart zum Schluss interessante Ideen und Plottwists, die ich so nicht vorhergesehen hatte.

Wir lernen Paradise und Askit City kennen, die Metropolen New Paris und Deep Water. Menschen, die sich Askit nicht unterwerfen wollten, leben als “Angepasste” (ohne Gehirnchip in Paradise) oder außerhalb von Paradise als Abtrünnige und Degradierte (von Askit Verstoßene) in den Kolonien. Ich habe gespannt verfolgt was passiert, als die “neuen und reinen Menschen” auf die “alten und freien” aus den Kolonien trafen. Nicht alle haben den gleichen Wissensstand und es gibt Geheimnisse, die gelüftet werden.

Durch Eve lernen wir das Leben in Paradise und außerhalb in den Kolonien kennen. Eve ist die zentrale Figur. Sie erhielt als jüngster Mensch damals einen Gehirnchip und die Verbindung zu Askit und ist heute der Mensch, mit dem allerhöchsten Score überhaupt. Und sie ist diejenige, die unerwartet von Askit degradiert wird und ab da ohne Verbindung zu Askit auf sich alleine gestellt, in der immer noch von großen Umweltschäden zerstörten Natur, überleben soll. Was ist ihre Aufgabe? Hat Askit einen Plan? Wenn ja, welchen?

Weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich den Plan und das Ende ganz verstanden habe und weil ich gerne noch ein bisschen mehr erfahren hätte, ziehe ich einen Stern ab.


Fazit
Ein tolles Buch, das unsere heutige Situation weiterspinnt und eine mögliche Zukunft zeichnet. Eine Science-Fiction ohne Aliens, die sich ausschließlich auf die Menscheit und die Umweltzerstörung fokusiert und die moralische Frage aufwirft, ob und warum Menschen weiterhin existieren sollten, wenn sie für das Überleben des Planeten Erde nicht notwendig wären, wenn sie dem Überleben sogar im Weg stehen würden. Eine spannende Frage nicht nur für Science-Fiction-Fans!

Die Reinsten - Thore D. Hansen
Die Reinsten
von Thore D. Hansen
(39)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Ein toller Einblick in ein lang vergangenes Zeitalter

monerl aus Langen , am 12.04.2019

Meine Meinung
Dies ist bereits mein zweiter Comic von Chen Uen und ich stelle fest, dass ich mich so langsam in den Zeichenstil, die Thematik und die Kultur eingelesen habe. Es fällt mir leichter die Bilder zu entziffern und zu deuten, wobei ich hin und wieder manches einfach so hinnehmen musste, da mir die Bedeutung nicht ganz klar war. Womöglich liegt das aber an der Tatsache, dass ich diesen kulturellen Kreis mit evtl. Anspielungen schlichtweg nicht verstehe(n) (kann).

Auch hier wird wieder der Comic mit einigen farbigen Zeichnungen eingeleitet und es geht dann schlichter mit schwarz-weiß weiter. Was ich sehr, sehr schade finde, denn ich muss zugeben, dass mir die farbigen Zeichnungen um einiges besser gefallen! Sie wirken viel lebendiger, anschaulicher und auch verständlicher, da das Auge durch die Farben viel besser durch das jeweilige Bild geführt wird.

Es erstaunt mich sehr, wie unterschiedlich der Zeichner die Gesichter darstellen konnte. Ein jeder Charakter ist wiederzuerkennen, auch in ganz kleinen Bildern mit vielen Menschen.

Im vorliegenden ersten Band der Trilogie bekommen wir acht verschiedene Geschichten präsentiert, die jeweils ein anderes Zeitalter betreffen. Chen Uen arbeitet sich von 770 v. Chr. bis 252 v. Chr vor und erzählt von einfacheren Menschen, die zu Helden wurden, über Konfuzius und Xi Shi, deren Schönheit Jahrtausende überdauert hat bis hin zur Kindheit von Ying Zheng, der der spätere Qin Shinhuangdi ist, alle Reiche unterwarf und als erste Kaiser des vereinten chinesischen Reiches bekannt wurde, und von dem man in der Comic-Biografie "Der erste Kaiser" mehr erfährt.

Ich staunte mal wieder über diese Masse an Intriegen, die Missgunst, kriegerischen Auseinandersetzungen, manch ausgeprägte Unterwürfigkeit wie auch den Drang zur Selbstopferung unvm, von dem die unterschiedlichen Geschichten handeln. Die letzte Geschichte hat noch eine große Priese Erotik, in die ich unerwartet gestolpert bin.

Chen Uen gelingt es unglaublich gut in kriegerischen Handlungen und Intrigen die Gewalt als auch den Schmerz in die Bilder zu zeichnen. Als Leser*in bzw. Betrachter*in der Zeichnungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie furchtbar diese Zeit war und in welcher Angst die Menschen gelebt haben.

Auch in diesem Band gibt es zu Beginn das Vorwort zur Neuausgabe, sowie Anmerkungen des Übersetzters, in denen man mehr zum Thema und den Schwierigkeiten der Übersetzung erfährt.

Die Zeittafel als Abschluss des Comics zeigt nochmals schön und struckturiert die wichtigsten Eckpunkte der Frühlings- und Herbstperiode (770 – 476 v. Chr.) und die Zeit der Streitenden Reiche (475 – 221 v. Chr.). Zum Schluss gibt es noch eine ganz kleine Karte, in der die verschiedenen Reiche aus der jeweiligen Epoche eingezeichnet sind. Leider konnte ich mit dieser nicht so viel anfangen, da für mich keine Grenzen sichtbar waren und sie zudem einerseits zu schlicht und andererseits überfrachtet ist mit chinesischen Zeichen, die mir natürlich nichts sagen. Ich hätte mir verschiedene schöne, große Karten gewüscht, aus denen man herauslesen kann, wie sich die Grenzen über Jahrhunderte hinweg verschoben haben.

Das Buch wendet sich auch an Chinesischlernende, denn der Comic ist auf Deutsch und auf Chinesisch vorhanden. Die erste Hälfte des Bandes macht den Comic auf Deutsch aus, die zweite auf Chinesisch. Man liest das Buch untypischerweise von “hinten” nach “vorne”.

Ganz am Ende gibt es noch einen Zusatz in Form einer Vokabelliste, die auch den Inhalt in einfacher Sprache zusammenfast.


Fazit
Dieser erste Band "Wege zum Ruhm" der Trilogie “Helden der Östlichen Zhou-Zeit” hat mir sehr gut gefallen. Wenn man sich an den Stil der Tuschezeichnungen gewöhnt hat, fällt es nicht mehr schwer, sich auf den Inhalt, den sie darstellen, zu konzentrieren. Auch hier habe ich wieder einiges über Chinas Historie gelernt, wenn auch sehr komprimiert. Doch der erste Schritt zum Verständnis wurde gemacht. Ich fühle mich gewappnet, um nach weiterer Literatur aus diesem Bereich zu suchen, die kein Comic ist. Gerne möchte ich mal einen Roman darüber lesen.

Helden der östlichen Zhou-Zeit - Band 1 - Uen Chen
Helden der östlichen Zhou-Zeit - Band 1
von Uen Chen
(4)
Buch (Taschenbuch)
28,00

Sehr gelungen!

monerl aus Langen , am 11.04.2019

Stichworte
Gegenwartsroman, Bulgarien; Georgi Markow, Politik, Regenschirm-Attentat, Frauen, Familie

Handlung 5 - interessant, aufschlussreich, abwechselnd, mehrere Zeitebenen
Sprache 5 - flüssig, einfach zu lesen/hören
Charaktere 5 - fiktiv und historisch, tiefgründig
Ende 5 - schön, rund, überraschend
Hörbuch 4 - Autorin ist Sprecherin

Gesamtwertung
4,8 / 5

Fazit:
Der Autorin ist ein wundervolles Buch gelungen, das einen historischen Mord aus dem Kalten Krieg mit einer fiktiven Geschichte aus Bulgarien verbindet. Gegenüber stehen sich vier Generationen von Frauen und das Leben eines Schriftstellers, der ins Exil flüchten musste, um zu überleben. Und dennoch erwischte ihn der lange Arm des bulgarischen Geheimdienstes.

Stefanie Greggs fiktive Geschichte um Anelija hat mir sehr gut gefallen. Sie, ihre Mutter, Groß- und Urgroßmutter sind sehr liebevoll und tiefgründig ausgearbeitet. Ihr Leben im Kommunismus, Sozialismus, ihr Alltag und die Probleme und Ängste waren alle intensiv beschrieben und nachvollziehbar dargestellt.

Obwohl bekannt ist was mit Georgi Markow passieren wird, empfand ich diese Passagen ebenso spannend, wie die Entwicklung der Geschichte insgesamt.

Stefanie Gregg schreibt flüssig und in einer einfach lesbaren Sprache. Das Hörbuch hat sie selbst besprochen und gibt diesem deshalb eine eigene, persönliche Note. Sie macht er sehr gut, wobei man doch raushören kann, dass sie keine professionelle Sprecherin ist. Gerne würde ich die Geschichte nochmals mit einer anderen Stimme hören, die nicht so tief in der Geschichte steckt, wie die Autorin selbst. Absolute Lese- bzw. Hörempfehlung!

Duft nach Weiß (Ungekürzt) - Stefanie Gregg
Duft nach Weiß (Ungekürzt)
von Stefanie Gregg
(1)
Hörbuch-Download (MP3)
9,99

Ungewöhnlicher und harter Thriller

monerl aus Langen , am 10.04.2019

Meine Meinung
Ein Buch, das namentlich prädestiniert ist für mich und meinen Blog! #MonerlLiestMonerl

Doch was sich dem Titel nach so richtig nett anhört, hat es inhaltlich mächtig in sich! Monerl ist ein heftiger Thriller, der nichts für schwache Nerven ist! Es geht um Kindesmissbrauch, um Mord und dabei war die Autorin keineswegs zimperlich. Die Morde werden recht intensiv aber auch detailliert beschrieben und wer kein Blut sehen oder davon lesen kann, sollte unbedingt die Finger von diesem Buch lassen!

Zu Beginn ist der Thriller sprachlich etwas gewöhnungsbedürftig, da Angela L. Forster einen sehr eigenen und speziellen Schreibstil gewählt hat. Kurz und bündig wird erzählt. Es ist kein Wort zu viel. Treffend und ungeschönt schreibt sie über Monerls Kindheit und Schicksal. Gleich zu Beginn gerät man in den Strudel des Geschehens und muss heftig schlucken.

Doch der Schreibstil ist der Geschichte angepasst und bringt sie dadurch noch etwas mehr zur Geltung. Schnell hat man sich eingelesen und folgt ihr gespannt. Wie weit wird Monerl gehen? Wie kann sich die Geschichte entwickeln? Denn als Leser*in weiß man was passiert ist und wer mordert. Die Frage ist, wie dieser Thriller endet / enden kann, damit die Story dennoch realistisch bleibt.

Spannend baut die Autorin ihr Buch auf und es gelingt ihr ein rundes Ende, mit dem ich voll und ganz zufrieden war. Angela L. Forster treibt den*die Leser*in an und schafft es dennoch, einen nicht überhasteten und abgehackten Schluss zu schreiben. Das schaffen nicht viele Autor*innen. Ein großes Lob dafür!

Neben dem Lob habe ich noch kleine Kritikpunkte. “Tausendschön” und “Graf” mögen vielleicht liebliche Kosenamen für verliebte Paare sein, doch mich nervte das irgendwann. Vielleicht bin ich zu empfindlich, aber ein ganzes Buch über davon zu lesen, strengte mich an.

Hin und wieder holperten manche Dialoge, wenn Gespräche über einen etwas längeren Zeitraum zu lesen waren.

Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher, jedoch konnte ich keinen richtige Bezug zur Story finden. Eventuell stellt er den Feuervogel dar, den schlimmsten Peiniger von allen. Bin mir aber nicht sicher.


Fazit
Ein außergewöhnlicher und harter Thriller, der sich einem wichtigen Thema zuwendet und dabei auch sehr gut die Schwierigkeiten aufzeigt, denen Opfer von Missbrauch gegenüber stehen. Für alle, die dieses Thema ertragen können und nicht davor zurückschrecken, wenn es direkt zur Sache geht.

Monerl - Angela L. Forster
Monerl
von Angela L. Forster
(7)
Buch (Taschenbuch)
14,00

Weckt Urlaubsgefühle

monerl aus Langen , am 10.04.2019

(3,5 Sterne)

Kurzmeinung

Genre: Roman, Gegenwartsliteratur, Romantik

Handlung: Camilla versucht mit ihrer Tochter Marie zurande zu kommen. Das 15jährige Mädchen ist ihr seit der Scheidung entglitten. Camillas Vater schlägt beiden eine Reise nach Frankreich vor. Dort sollen sie sich entspannen und ihre Beziehung aufarbeiten. Zudem könnte Camilla auch die Honigmanufaktur und deren Betreiber kennenlernen, die sie eigentlich “abstoßen” wollte, da sie ein Minusgeschäft darstellen. Vor Ort aber entwickelt sich alles anders als von Camilla gedacht und ein lang gehütetes Familiengeheimnis wird aufgedeckt.

Charaktere: Hier liegt mein größtes Problem, denn mit den wichtigsten Protagonisten bin ich so gar nicht klargekommen, denn sehr lang entwickeln sie sich überhaupt nicht. Das ermüdete mich auf Dauer. Camilla ist als Mutter, Alleinerziehende und Berufstätige mit Ambitionen überfordert. Sie möchte ihrem Vater beweisen, dass sie in der Lage wäre, das Unternehmen alleine und erfolgreich zu führen. Doch ihre Tochter macht ihr große Probleme, die ihre Konentration stören. Camilla weiß in der Erziehungsfrage nicht mehr weiter. Diese Hilfslosigkeit und das Selbstmitleid störten mich sehr. Camilla ist weit entfernt davon eine starke und taffe Frau zu sein und dreht sich permanent im Kreis. Marie wiederum ging mir ebenso auf die Nerven, da ich sie für ihre 15 Jahre als zu bockig empfand. Für mich war ihr Verhalten in dieser extremen Form ihrer Mutter gegenüber nicht nachvollziehbar. Tobias, der Nachbar, der Camilla ein Dorn im Auge ist, für Marie jedoch eine Art besten Freund darstellt, konnte bei mir auch nicht wirklich punkten. Dagegen mochte ich Henri, Manon und Nikos sehr. Sie passten sehr gut in das erfunden Dorf Loursacq in Südfrankreich und waren ein guter Ausgleich zu den mir nicht so geliebten Charakteren.

Spannung: “Das Honigmädchen” ist kein Spannungsroman. Dennoch war ich gespannt darauf, was es mit der besonderen Honigmanufaktur in Frankreich auf sich hat und warum Camillas Vater, trotz des Minusgeschäfts mit ihr, weiterhin an ihr festhalten wollte. Irgendein Geheimnis verbarg sich dahinter, das wollte ich entdecken.

Sprache & Schreibstil: Die Geschichte liest sich sehr flüssig. Mir gefiel sehr, dass die Autorin es geschafft hat, einen gewissen französischen Flair heraufzubeschwören. Durch die französischen Worte in den Dialogen fühlte ich mich nach Frankreich versetzt. Ich liebe diese Sprache und genoss es sehr, sie in meinem Kopf zu hören. Claudia Winter schreibt sehr bildhaft und lebendig. Der Teil der Bienen fügt sich sehr schön in die Familiengeschichte ein und rundet den Roman sehr schön ab.

Ende: Die Geheimnisse sind nicht leicht vorhersehbar und überraschen deshalb positiv. Das Ende ist rund, harmonisch und lässt einen zufrieden zurück, wie man es von so einem Roman erwartet.

Fazit: Ein interessanter Roman, der einem zum Ende hin ein sehr gutes Gefühl sowie Urlaubsstimmung hinterlässt. Der Mutter-Tochter-Konflikt sowie die Liebesgeschichte konnten mich jedoch leider nicht überzeugen. Da dies aber die Grundlage des Romans ist, muss ich leider Sterne abziehen.

Das Honigmädchen - Claudia Winter
Das Honigmädchen
von Claudia Winter
(27)
Buch (Klappenbroschur)
9,99

Sehr spannend und ein guter Einstieg in die Geschichte des Chinesischen Reichs!

monerl aus Langen , am 08.04.2019

Meine Meinung
Chinesische Literatur, ob aus der / über die Gegenwart oder die Historie ist ein schwarzer Fleck auf meinem Blog und auch in meinem allgemeinen Lesen. Ich weiß nichts über chinesische Mythen, Legenden oder auch Helden. Dies wollte ich ändern und das Ganze dabei behutsam angehen. Ein anderer Kulturkreis mit anderer Schrift und schwer einprägsamen Namen führte dazu, dass ich dachte, ich gehe das Schließen meiner Wissenslücke bildhaft an. So entschied ich mich für diese Comic-Biografie über den ersten Kaiser Chinas.

Im vorliegenden Comic zeigt Chen Uen, wie es der junge Herrscher, der König von Qin, der 223 v. Chr. 26 Jahre alt war, geschafft hatte alle einzelnen Reiche zu einem großen Chinesischen Reich zu vereinen.

Es gibt insgesamt 10 vollständig farbige Seiten, der Rest ist schwarz-weiß. Der Zeichenstil wechselt von klaren und weichen Zeichnungen bis zur festen Strichführung und minimalistischer Darstellung, in der z.B. Gesichter sehr aggressiv und fokusiert abgebildet sind.

Chen Uen gelingt es unglaublich gut in kriegerischen Handlungen und Intrigen die Gewalt als auch den Schmerz in die Bilder zu zeichnen. Als Leser*in bzw. Betrachter*in der Zeichnungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie furchtbar diese Zeit war und in welcher Angst die Menschen gelebt haben.

Um einen Überblick über die agierenden Personen zu haben, musste ich immer wieder ein paar Seiten zurück blättern, da für meine Ohren viele Namenssilben sehr ähnlich klangen. Aber es war nicht schwierig, sich in dieser Hinsicht schnell wieder aufzugleisen.

Sehr gut gefällt mir auch zu Beginn das Vorwort zur Neuausgabe, in der man erfährt, wie Chen Uen dazu kam über den ersten Kaiser zu erzählen, wie er die Figur zeichnerisch entwickelt hat und welchen Problemen er sich dabei stellen musste.

Am Ende gibt es noch eine Zeittafel, die sehr schön eine Übersicht über das Leben des ersten Kaisers bietet. Sie wird mir als Grundlage für meine weiter Recherche dienen. Ich hätte mir noch eine schöne, große Karte gewüscht, in der die verschiedenen Reiche, die der erste Kaiser vereint hat, abgebildet sind. Manchmal fiel es mir schwer mir vorzustellen, welches Reich gerade überfallen wurde und wie Qin Shihuang sich ausgebreitet hat.

Das Buch wendet sich auch an Chinesischlernende, denn der Comic ist auf Deutsch und auf Chinesisch vorhanden. Man liest das Buch untypischerweise von “hinten” nach “vorne”. Die erste Hälfte ist auf Deutsch, die zweite auf Chinesisch.

Fazit
Nachdem ich mich mit dem Umgang des Buches vertraut gemacht hatte und wusste, dass man das Buch von rechts nach links lesen muss, hatte ich sehr gut hineingefunden. Ich konnte mich einfach auf die Geschichte bzw. diese Comic-Biografie einlassen. Durch die aussagekräftigen Bilder und die sehr gute Übersetzung ins Deutsche, hatte ich keine Probleme dem Geschehn zu folgen. Was der Comic auslässt, verfollständigt die Zeittafel. Ich habe nun ein gutes Gefühl, den ersten Schritt in Chinas Historie erfolgreich gemeistert zu haben.

Als nächstes werde ich mich der Trilogie “Helden der Östlichen Zhou-Zeit” widmen. Im ersten Band “Wege zum Ruhm” geht es um die (schwierige) Kindheit des ersten Kaisers sowie die Intrigen seiner Widersacher und interne Machtkämpfe während seiner ersten Herrscherjahre auf dem Thron des Reiches Qin, als seine Herrschermacht noch nicht gefestigt war. Diese Trilogie ist ebenso von Chen Uen und ich bin schon sehr gespannt!

Der erste Kaiser - Uen Chen
Der erste Kaiser
von Uen Chen
(6)
Buch (Paperback)
32,90

Intensiv und eindrücklich!

monerl aus Langen , am 03.04.2019

Meine Meinung

“Was war ich? Nein, was bin ich? Was bin ich eigentlich? Ein Schimpfwort auf zwei Beinen, dem man es nicht ansieht, dass es ein Schimpfwort ist!” (Zitat aus Hörbuch)


Ein Buch, durch das ich regelrecht geflogen bin. Ich fühlte mich getrieben, wie auch der Protagonist Otto Silbermann, der leider viel zu spät erkannt und akzeptiert hat, dass er als Jude, auch wenn ihm die Religion immer herzlich egal war, in Deutschland keine Heimat mehr hat. Er wollte nicht wahrhaben, dass so jemand wie er, der im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, nun ein Niemand sein soll, dem man das Deutsch-Sein absprach.

Mit seinem letzten Hab und Gut, einer Aktentasche voller Geld, versucht er sich ins Ausland abzusetzten. Doch es ist zu spät. So findet er sich wieder als Reisender mit der Deutschen Reichsbahn, die gleichermaßen Freiheit und Gefängnis für ihr geworden ist.

Man fühlt die wachsenden Ängste, die Verzweiflung und die Resignationsgedanken des Protagonisten. Es gibt keinen Ausweg. Soll er sich seinem Ende ergeben? Doch welchem Ende? Der Gefangenschaft im KZ, dem Tod oder gar dem Freitod?

Durch das Nachwort erfährt der*die Leser*in, dass der Roman starke auto- bzw. familienbiografische Züge aufweist. Ulrich Alexander Boschwitz floh 1935 mit seiner Mutter nach Schweden und es ist sehr tragisch, dass dieser damals noch sehr junge Autor 1942 mit dem Schiff unterging und starb, auf dem er sich auf der Rückreise vom Internierungslager von Australien nach England befand, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. (Quelle: Wikipedia)

Boschwitz erzählt intensiv und sehr eindrücklich über die Zeit in Deutschland, kurz bevor der 2. Weltkrieg ausbrach. Man spürt ganz deutlich, wie ihn diese Veränderung durcheinander brachte und er nicht nachvollziehen konnte, wie unmenschlich und unwürdig Juden nun behandelt wurden.

In seinem Roman setzt er sich mit verschiedenen Denkansätzen von Deutschen, ob Juden oder Nicht-Juden, auseinander. Er geht soweit, dass er Otto Silbermann die Juden hassen lässt, die in seinen Augen für sein Schicksal verantwortlich sind, denn durch sein recht arisches Aussehen könnte er als Nicht-Jude durchgehen, wenn nicht dieses große, gelbe “J” in seinem Pass leuchten und ihn anprangern würde.


Fazit
Ein absolut lesens- und hörenswertes Buch, das als ein gelungenes zeitgeschichtliches Dokument die dunkle Zeit in Deutschland und Europa beschreibt, das heute leider wieder thematisch sehr aktuell geworden ist. Sei es auf den Judenhass bezogen wie auch auf den Umgang mit Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und wie mit ihnen in Deutschland und Europa umgegangen wird. Man kann nach der Lektüre sehr gut sehen, wie die Vergangenheit die Gegenwart wieder eingeholt hat und in eine neue Sprialebene mündet und sich weiter dreht.

Der Reisende - Ulrich Alexander Boschwitz
Der Reisende
von Ulrich Alexander Boschwitz
(77)
Hörbuch-Download (MP3)
13,99

 
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