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Meine Bewertungen

Mal was völlig anderes

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 30.09.2019

Wer ist diese Evil Miss Universe, alias Dominique, und was treibt sie an? Was hat sie zu dem gemacht was sie ist? Ist sie wirklich die hinterlistige Superschurkin, wie so manch einer sagt, oder nicht doch eher die große Wohltäterin von Paris im Kampf für Recht und Ordnung?
Um das herauszufinden muss man schon dieses Buch hier lesen. Der Verfasser ist auch gleichzeitig der geheimnisvolle Erzähler, der erst einmal nicht erkannt werden will. Dieser Erzähler aber kennt als einziger sämtliche Zusammenhänge und alle kleinen und großen Geheimnisse hinter der großen Figur der Evil Miss Universe.

Diese Geschichte hier kann ich mit keinem der Bücher vergleichen die ich bisher gelesen habe (was schon sehr viele sind). Es kommen höchstens Comics in Frage, und dann noch.
Obwohl sich das Buch wie eine Biographie liest, bleibt die Protagonistin Dominique für den Leser einigermaßen unnahbar. Dominique ist ein toller Charakter weil man nie weiß, was ihr als nächstes einfällt. Sie ist impulsiv und rachsüchtig. Sie weiß ganz genau was sie will, und nimmt es sich dann auch. Sie ist unberechenbar, aber auf ihre Weise fair. Sie würde jemanden aus ihrem Team niemals im Regen stehen lassen. Es macht Spaß über die Pläne zu lesen, die sie immer mal wieder ausheckt.

Als Kulisse dienen aktuelle Ereignisse aus dem Weltgeschehen. Mit allen Coups die Dominique plant, kann man also etwas anfangen weil man von dessen Hintergründe erst kürzlich irgendwo gehört oder gelesen hat.
Die Orte an denen Dominique agiert, können überall auf dieser Welt sein, sind dem Leser aber meistens bekannt.

Der Schreibstil ist unkompliziert und locker. Dem Erzähler hätte ich ewig "zuhören" können weil er so eine einlullende Art hat. Fast schon konnte ich beim Lesen seine Stimme in meinem Kopf hören.
Gerade weil das Buch mit nichts Bekanntem vergleichbar ist, macht es so spannend. Es ist unmöglich die Handlung vorauszusehen, die Figuren sind immer für eine Überraschung gut.

Das war zwar mein erstes Buch von Meißner, wird aber garantiert nicht mein letztes Buch gewesen sein.

Evil Miss Universe - Tobias O. Meissner
Evil Miss Universe
von Tobias O. Meissner
(3)
Buch (Paperback)
15,00

War das ein Jugendbuch?

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 27.09.2019

Hoshikos Welt ist ein alternatives England um das Jahr 2050 herum, und in zwei Lagern aufgeteilt. Auf der einen Seite leben die Pures, die Elite des Landes. Sie leben ein bequemes Leben, genießen sämtliche Vorteile und müssen niemals hungern. Um niedere Arbeiten brauchen sie sich nicht zu kümmern, denn dafür gibt es die Dregs. Die Dregs, das ist die andere Seite der Medaille. Sie werden in Slums gehalten, hausen in jämmerliche Hütten und besitzen keinerlei Rechte.
Regelmäßig werden Dregs-Kinder aus ihren Familien gerissen um im Zirkus fortan als Artisten zu arbeiten, sobald sie ein wenig Talent zeigen. So ist auch Hoshiko im Zirkus gelandet. Der Verschleiß an Artisten ist in der Arena sehr hoch und die Hoffnung, jemals lebend aus dieser hinaus zu kommen, hat Hoshiko schon lange aufgegeben.

Das Buch wird Jugendlichen ab zwölf empfohlen und ich finde, dafür ist es unnormal brutal.

Die Dregs werden von den Pures noch schlechter behandelt als Tiere, auch wenn die schon nichts zu lachen haben. Was die Artisten alles über sich ergehen lassen müssen, erfährt der Leser von Kapitel zu Kapitel, Stück für Stück aufs genaueste geschildert, bis ins kleinste Detail. Und je weiter man kommt, umso brutaler werden auch die Szenen, als ob die Autorin sich immer selber übertreffen wollte in ihren Schilderungen.
Manche Szenen, besonders eine Besondere, hat sogar Ekel bei mir hervor gerufen. Ich bin keine Mimose, ich finde solche Szenen nur einfach in einem Jugenbuch fehl am Platz und völlig übertrieben detailreich.

Erzählt wird immer abwechselnd aus zwei Perspektiven in der Ich-Form.
Einmal aus Hoshikos Sicht, dem Dreg-Mädchen und Star der Manege. Mit ihr erlebt der Leser den ganzen Wahnsinn des Zirkus.
Zum Zweiten wird aus Bens Sicht erzählt. Er ist ein Pure und mit ihm wird erst der krasse Unterschied zwischen beiden Schichten der Gesellschaft deutlich.
Die Wechsel zwischen den beiden Perspektiven erfolgt recht häufig, oft wird sogar jede zweite bis dritte Seite zwischen den Protagonisten gewechselt. Das soll wohl mehr Tempo in die Erzählung bringen, was auch geklappt hat. Gestört haben mich die häufigen Wechsel nicht, man gewöhnt sich schnell dran.

Durch die schlimmen Dinge die geschildert werden, bleibt die Atmosphäre die ganze Zeit über sehr düster und niedergeschlagen. Nicht für eine Sekunde bekommt man ein positives Gefühl beim Lesen, denn es folgen Grauen über Grauen.

Was mir fehlte waren Informationen zur Hintergrundgeschichte dieser Dystopie. Warum ist die Gesellschaft so gespalten? Was ist passiert das die Menschen so verändert hat? Es gibt nur einen kurzen Satz der erklärt dass die Dregs als Einwanderer nach England kamen und das Land überlaufen wollten. Das ist mir als Erklärung definitiv zu wenig. Was außerhalb Englands passiert, erfährt man leider auch nicht. Ich hoffe dass diese Fragen noch im zweiten Band geklärt werden.

Dann gibt es noch die plötzliche Liebe zwischen den Hauptfiguren die ich aber sehr unglaubwürdig finde. Sie haben keinen Grund sich zu vertrauen oder gar ihr Leben für den Anderen aufs Spiel zu setzen. Sie kennen sich kaum und eigentlich müssten sie sich hassen. Es ist aber auch schwer vor einer solchen Kulisse, Romantik aufkommen zu lassen.

Trotz meiner Kritikpunkte ist das Buch immer noch sehr spannend, man mag es eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen. Band zwei werde ich auf jeden Fall lesen. Die Autorin hält sich dann hoffentlich mit ihren brutalen Details ein wenig zurück. Man möchte nicht immer alles ganz genau wissen.

Die Arena: Grausame Spiele - Hayley Barker
Die Arena: Grausame Spiele
von Hayley Barker
(54)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Magische Eiswelt

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 12.09.2019

Grischa hält es bei seinem Vater und seinen Brüdern in Russland einfach nicht mehr länger aus. Eines Nachts flieht er und bemerkt dabei nicht, dass seine kleine Schwester Katya ihm heimlich folgt.

Denn Katya kann nicht ohne Grischa sein und wenn Grischa ehrlich mir sich selbst ist, kann auch er nicht ohne Katya sein. Also machen sich die Beiden auf, träumen von einem besseren Leben und versuchen ihr Möglichstes, damit es nicht nur bei einem Traum bleibt.


Wie schon der Klappentext verrät, beginnt die Geschichte im eiskalten Russland. Katya ist zu Beginn der Erzählung zwar erst neun Jahre alt, aber man merkt gleich dass sie etwas ganz besonderes ist. Sie ist fasziniert von Eis und Kälte und behauptet sogar, das Eis "singen" zu hören. Sie braucht es nur anzusehen, schon weiß sie wie es beschaffen ist.

Wenn es um die Figuren geht, merkt man dass dies der erste Teil einer Reihe ist. Die Autorin nimmt sich nämlich Zeit ihren Figuren Leben einzuhauchen. Nach und nach entdeckt man immerzu neue Facetten in den Charakteren.


Natürlich spielt das Eis in diesem Buch eine große Rolle. Wenn die Autorin es beschreibt, bekommt die Geschichte eine gehörige Portion Poesie verpasst. Man glaubt gar nicht wie unterschiedlich Eis sein kann. Katyas liebste Welt ist die aus Eis, dann wird alles um sie herum magisch, ob das Eis geheimnisvoll glitzert oder es gefährlich knirscht und kracht. Es macht Spaß darüber zu lesen und wird dabei selbst ganz verzaubert.


Ihr Bruder Grischa bringt Abwechslung in die Geschichte. Er ist fest entschlossen das Beste aus seinem Leben zu machen und um Geld zu verdienen gerät er in so manches Abenteuer.

In Liebesdingen aber will er sich nicht festlegen.

Das ist vielleicht der einzige Punkt der mich gestört hat: In Sachen Liebe geht es bei allen Protagonisten ziemlich Auf und Ab. Überhaupt nimmt dieser Aspekt der Geschichte sehr großen Raum ein.

Dabei würde ich viel lieber noch mehr über die Orte lesen die Katya und Grischa im Laufe des Romans entdecken.

Das ist sowieso das Tollste an dem Buch. Nie ist man zu lange an einem Ort, immer gibt es Neues zu entdecken. Ob es jetzt das geschäftige Durcheinander am Hafen ist, die Gerüche und Farben auf indischen Märkten oder die frostige Eislandschaft Norwegens. Katya und Grischa kommen schwer rum.


Das Buch endet so, dass man ungeduldig auf den zweiten Band wird. Leider dauert es noch etwas bis es weitergeht, aber ich freue mich schon darauf.

Die Eisbaronin - Nicole C. Vosseler
Die Eisbaronin
von Nicole C. Vosseler
(7)
eBook
9,99

Kein Lesefluss

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 07.08.2019

Avery und Bett sollen Freundinnen werden. Das jedenfalls wünschen sich ihre Väter die sich ineinander verliebt haben und nun möchten, dass sich die Mädchen kennen lernen. Dazu werden sie in ein Camp geschickt wo sie sich ganz aufs Freundschaften schließen konzentrieren können. Nur haben Avery und Bett andere Pläne und weigern sich sogar miteinander zu reden, so kommt dieser lebendige E-Mail-Austausch zustande.



Ich muss sagen, am Anfang war ich von diesem Buch wirklich begeistert. Avery und Bett sind zwei tolle Charaktere die man schon alleine am Schreibstil auseinander halten kann. Die Eine ist sehr zurückhaltend und vorsichtig, die Andere ist selbstbewusst und schießt schon mal übers Ziel hinaus. Mir gefiel es zu lesen welche Gedanken sich die Beiden über ihre Väter und über das Leben im allgemeinen machen. Sie haben sich viel zu erzählen und merken gar nicht, dass sie sich schon längst angefreundet haben.



Dann aber kommen immer mehr andere Briefe dazu und es ging nicht mehr nur um die Mails zwischen Avery und Bett. Plötzlich melden sich die Väter bei den Mädchen, die Oma schreibt per Post, die Verwaltung des Camps schickt Rundschreiben und einige andere Menschen haben etwas zu sagen. Irgendwann fand ich dann diese Art, wie das Buch aufgebaut ist, nur noch ermüdend zu lesen.



Mir fehlte auch zunehmend das Erzählerische eines Romans. Das, was eine Geschichte erst zu einer Geschichte macht. Durch die E-Mails bleibt Alles doch recht flach, es kann keine Atmosphäre aufgebaut werden weil keine beschrieben wird. Zum Beispiel hätte ich gerne viel mehr über das Camp erfahren: Wie das Leben dort ist, wie die Leiter drauf sind, ob es bei den Mahlzeiten laut zugeht und solche Dinge. Ein paar Punkte werden zwar in den Briefen erwähnt, aber sie werden immer nur angedeutet. Das war mir definitiv zu wenig.



Die Handlung selbst hat mir gut gefallen. Das die Mädchen echte Freundinnen werden war zwar ganz klar vorauszusehen, es gibt aber die eine oder andere überraschende Wendung mit der ich nicht gerechnet hatte.

An Nachteule von Sternhai - Holly Goldberg Sloan, Meg Wolitzer
An Nachteule von Sternhai
von Holly Goldberg Sloan
(90)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,00

Diesmal mit ein paar Längen

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 17.07.2019

Endlich geht die Geschichte um Avery und Cade weiter. Der Cliffhanger am Ende des ersten Teils "Limonadentage" war schon echt gemein.

"Limonadenträume" geht genau da weiter wo Band 1 aufgehört hatte. Avery ist von Cades Abgang zutiefst geschockt und ihr Herz zerbricht in tausend Teile.
Obwohl Cade ja seine Gründe hatte sich von Avery zu trennen, geht es ihm kein Stück besser.
Die Beiden können einem nur Leid tun.

Während ich den ersten Teil wundervoll fand, kommt mir dieser zweite Teil etwas in die Länge gezogen vor. Besonders die erste Hälfte fand ich etwas langatmig, weil im Grunde nicht mehr passiert als das Avery und Cade versuchen ohne den jeweils Anderen den Tag, die Woche, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen.
An Band 1 gefielen mir vor allen Dingen die vielen Rückblenden die erzählen, wie Avery und Cade sich kennen und lieben gelernt haben. Diese Rückblicke fehlen im zweiten Band fast völlig, nur selten gibt es noch die Eine oder Andere Szene aus der Kindheit. Das Meiste wurde sicherlich schon längst erzählt, aber gerade diese Episoden aus der Vergangenheit machten Band 1 so besonders emotional und brachten das gewisse Etwas, was mir jetzt gefehlt hat.

Avery und Cade müssen noch einige Zerreißproben überstehen, bis sie endlich zusammen sein können. Besonders Cade kriegt dabei den Hintern nicht hoch und oft muss man über ihn den Kopf schütteln.
Richtig gut gefiel mir die falsche Schlange Melinda. Ihr fallen einige gemeine Dinge ein, um Cade auf ewig an sich zu binden. Melindas Hinterhältigkeit sorgen für Abwechslung, ein paar schöne Konflikte und als Leser hat man jemanden dem man die Pest an den Hals wünschen kann.

Bis auf die etwas in die Länge gezogene erste Hälfte, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Limonadentage und Limonadenträume ist eine richtig schöne Liebesgeschichte die für starke Emotionen (besonders in im ersten Band) und gute Unterhaltung sorgt.

Limonadenträume - Annie Stone
Limonadenträume
von Annie Stone
(16)
Buch (Taschenbuch)
10,00

Gemeinsam stark sein

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 01.07.2019

Kate darf ihren ersten richtigen Artikel für den "Brixton Chronicles", dem örtlichen Lokalblättchen, schreiben.
Darin soll es um die mögliche Schließung des Freibads von Brixton gehen. Zu diesem Zweck lernt Kate Rosemary - die älteste Schwimmerin des Freibads - kennen und merkt bald, dass es vielen Menschen um mehr geht, als nur um ein Becken voller Wasser.
Aus einem kleinen Protest gegen die Schließung, entwickelt sich nach und nach etwas Großes, Bedeutsames.


Ach du meine Güte, war das ein schönes Buch. Das wird definitiv eines meiner Lese-Highlights dieses Jahr werden...

Mittelpunkt ist und bleibt das Freibad. Erzählt wird abwechselnd entweder aus Rosemarys, oder auch aus Kates Sicht. Dabei geht die Autorin nach und nach immer mehr in die Tiefe der jeweiligen Charaktere. So lernt man verstehen warum Rosemary so an das Freibad hängt, warum ihr das Schwimmen so wichtig ist. Dabei helfen Kapitel, die von Rosemarys Vergangenheit erzählen. Darin werden ihre glücklichsten, aber auch ihre schwierigsten Momente aufgezeigt.
Bei Kate liegt die Sache etwas anders. Sie versteckt sich vor dem Leben. Jeder Tag ist für sie eine Herausforderung. Sie ist furchtbar einsam, schüchtern und die Angst sitzt ihr ständig im Nacken. Warum das so ist, wird ebenfalls in kleinen Rückblenden erklärt. Das Freibad wird schnell zu Kates Rettungsanker, ihrem Ruhepol, ihrem Lebensmittelpunkt. Er wird für Kate überlebenswichtig und so muss sie versuchen, das Freibad zu retten.

Zwischendrin gibt es immer mal wieder Kapitel die von den Menschen erzählen, die das Freibad nutzen. Dann kommt man sich als Leser schon fast wie ein heimlicher Beobachter vor. Man ist nicht nur dabei, wenn diese Leute ihre Bahnen durch das Wasser ziehen, man lernt auch die Gründe kennen, warum sie versuchen dem Alltag ein wenig beim Schwimmen zu entkommen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Sie schafft es immer wieder, die richtige Stimmung einzufangen. Man kann sich in die Figuren hineinversetzen, kann mit ihnen mitfühlen.
Es gibt viele witzige Stellen, aber auch ebenso viele bedrückende, traurige Momente.
Es geht um die großen Themen des Lebens: Darum, niemals aufzugeben. Aber auch darum, eigene Schwächen zuzugeben und das es kein Problem ist auch mal um Hilfe zu bitten. Es geht um Liebe und Freundschaft und um das Vertrauen in die eigene Stärke. Es geht darum, die eigenen Ängste zu überwinden und auch mal, über den eigenen Schatten zu springen. Ein wirklich schönes Buch...

Im Freibad - Libby Page
Im Freibad
von Libby Page
(163)
Buch (Paperback)
14,99

Magisch, aber auch aufwendig

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 01.07.2019

Ceviche besteht hauptsächlich aus weißen Fisch der mit Hilfe von Salz und dem Saft von Zitronen oder Limetten gegart wird.
Der Koch Juan Danilo ist mit diesem Essen aufgewachsen. Schon als Kind hat er in Peru gelernt, dass ein großartiges Gericht nur wenige Zutaten braucht.
An den kleinen notizartigen Bemerkungen die Juan Danilo zu jedem Gericht zu erzählen weiß, kann man oft erkennen wie sehr er das Land mit seinen Farben, Gerüchen und Traditionen liebt.

Besonders gelungen finde ich die ersten Seiten zur Einführung in die Welt des Ceviche. Darin wird erklärt woher das Gericht kommt, wie die Art der Zubereitung entstand, wie wandlungsfähig dieses Essen ist, wie das garen mit der Säure funktioniert, und einiges Wissenswertes mehr.
Es gibt auch ein kurzes Kapitel welches nur den Ají-Pfefferschoten gewidmet ist. Es gibt sie in vielen verschiedenen Varianten und die Unterschiede im Geschmack könnten mannigfaltiger nicht sein. Außerdem sind sie in nahezu allen Gerichten in diesem Kochbuch enthalten, die peruanische Küche scheint wohl ohne diese Pfefferschoten nicht auszukommen. Gut also, dass die wichtigsten von ihnen in Form, Farbe und Geschmack beschrieben werden.

Nun zu den Rezepten: Im ersten Teil geht es um die traditionellen Ceviches, deren Basis entweder aus weißem Fisch oder Meeresfrüchten besteht.
Der zweite Teil besteht aus sogenannten "Nikkei"-Rezepten. Japanische Einwanderer nahmen Einfluss auf die peruanische Küche, woraus eine ganz eigene Traditionsküche entstand, das Nikkei.
Diese Rezepte gefielen mir am besten weil hier mit (für mich) bekannteren Lebensmitteln gearbeitet wird. Auch kommt im Gegensatz zu den rein peruanischen Gerichten fetterer Fisch, wie Thunfisch oder Lachs, zum Einsatz.
Wirklich innovativ finde ich die vegetarischen Rezepte aus dem dritten Teil. Hier werden die verschiedensten Gemüsesorten mit Steinobst, Beeren und Süßkartoffeln kombiniert.

Die Rezepte sind im großen und ganzen machbar, ja fast kinderleicht nachzukochen. Das meiste der Zutaten wird einfach in Würfel oder Scheiben geschnitten und mit allen anderen Zutaten im Rezept vermengt, fertig.
Beim zweiten Blick sieht man aber, ganz so einfach ist es nicht. Und da kommt der vierte Teil des Buches zum Einsatz: Hier geht es um die vielen Extras, die man zum Kochen braucht. Am wichtigsten ist die sogenannte "Tigermilch" die gleich in drei verschiedenen Varianten gebraucht wird.
Bei der klassischen Tigermilch werden Fischreste zusammen mit Gemüse und Gewürzen püriert. Bei der Nikkei-Tigermilch kommen zwar keine Fischreste,dafür aber Algen zum Einsatz. Am einfachsten ist da noch die vegetarische Tigermilch, die wirklich nur aus Gemüse und Kräutern besteht. Und bei allen gilt: bloß nicht die Pfefferschoten vergessen.
Manchmal braucht man für die Ceviches eine Paste aus Ají-Pfefferschoten. Auch sie will im Vorfeld schon mal hergestellt werden.
Ganz so flott sind die Ceviches also nicht mal eben gezaubert.

Ganz wichtig finde ich die letzten Seiten, da werden nämlich die ganzen Online-Händler aufgelistet wo man die peruanischen und teilweise japanische Zutaten herbekommt.
Da man erst mal schauen muss wo das meiste der Lebensmittel herzukriegen ist und dementsprechend vorher geplant werden muss, ist dieses Kochbuch auf keinen Fall für den alltäglichen Gebrauch geeignet.
Mit diesen Gerichten kann der geneigte Hobbykoch seine Gäste aber auf jeden Fall beeindrucken.

Die Qualität des Kochbuches an sich ist ganz hervorragend, die Photos einsame spitze. Das ganze Werk ist eine Zierde für jedes Kochbuchregal.

Ceviche. Das Kochbuch - Juan Danilo
Ceviche. Das Kochbuch
von Juan Danilo
(29)
Buch (gebundene Ausgabe)
29,90

Bonbonfarbenes Träumchen in Kitsch

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 26.03.2018

Maja träumt lange schon davon in einer Boutique ihre eigene, selbst kreierte Mode an die Frau zu bringen und dadurch die Welt ein klein wenig besser zu machen. Denn sie glaubt fest daran, dass das richtige Kleidungstück seinem Träger Glück bringt und dessen Leben positiv verändern kann.

Allerdings steht es mit ihrem Selbstvertrauen nicht zum besten und sie macht sich selbst immer kleiner als sie ist. Bis sie den Rentner Leo kennen lernt. Der erkennt nicht nur Majas gute Seele, sondern auch ihr besonderes Talent, aus einen Haufen Stoff etwas wunderschönes zu schaffen.

Und dann hat Leo ja noch einen netten Enkel...



Es ist schon lange her, dass ich so etwas kitschiges gelesen habe. Dabei fing alles so schön an.

Der Leser lernt Maja kennen und ihre Liebe zur Mode. Die Autorin weiß, wie man mit Worten zaubern kann. Sie beschreibt ein Kleidungsstück so himmlisch schön, dass man es quasi auf einer duftenden rosafarbenen Wolke vor sich schweben sieht. In jeder kleinsten Kleinigkeit kann man es vor seinem inneren Auge sehen und man möchte nur noch seufzen vor lauter Verzückung. Das meine ich wirklich ernst, die Autorin kann echt gut mit Worten spielen.

Aber dann lernt man Maja noch ein kleines bisschen besser kennen. Ich habe noch nie mit einer Figur zu tun gehabt, die so liebenswert und so verdammt selbstlos ist, dass es fast schon lächerlich scheint. Immerzu möchte Maja helfen und immerzu möchte Maja weinen, wenn sie etwas schönes sieht, und tut es dann auch. Maja ist so sanft wie eine Feder die langsam zu Boden schwebt. Nichts traut sie sich zu, niemals lässt sie ein böses Wort fallen. Maja kann man einfach nur lieben, denn selbst ihre Stimme ist so weich, dass sie nur noch flüstert, wenn sie etwas unglaublich findet.

Ja, ich übertreibe jetzt ein wenig, aber so habe ich ihr ganzes Wesen in Erinnerung behalten. Sie ging mir, je mehr ich über sie las, einfach nur noch auf die Nerven.

Die einzigen Lichtblicke bei ihr sind für mich die Szenen im Kaufhaus. Sie arbeitet dort und muss sich jeden Tag mit seelenloser Kleidung und ihrer gemeinen Chefin herum schlagen. Die Chefin ist ebenfalls total stereotyp, aber wenigstens hat Maja bei der immer total freche und sarkastische Antworten parat. Leider spricht sie diese Antworten nie aus - natürlich nicht, denn Maja ist niemals frech - aber wenigstens hat man da nicht mehr das Gefühl, dass Maja perfekt ist, sondern ein normales menschliches Wesen, dass auch Abneigungen gegen andere Menschen entwickeln kann.

Überhaupt, die anderen Figuren: Die sind entweder total nett und voll verständnisvoll und so, oder sie sind böse und gemein. Dazwischen gibt es nichts. Leider macht das auch die Handlung total vorhersehbar.

Das Buch ist perfekt, wenn man Lust auf eine bonbonfarbene heile Welt hat. Das Buch ist auch perfekt, wenn man gerade ein besonders kitschiges Happy End braucht, weil die Woche ziemlich bescheiden war. Ansonsten kann ich das Buch leider nicht empfehlen, wenn man keinen Zuckerschock erleiden möchte.

Das Leben ist ein Seidenkleid - Tanja Wekwerth
Das Leben ist ein Seidenkleid
von Tanja Wekwerth
(21)
Buch (Paperback)
14,99

Die Wahrheit verlässt sich auf ihre eigenen Waffen...

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 20.03.2018

Kit Kavanagh müsste eigentlich überglücklich sein. Sie ist jung, Erbin des "Kavanagh's" - das ist die Schänke ihrer Tante Maura - und gerade erst mit ihrem Richard verheiratet. Doch, glücklich ist sie schon. Nur irgendwie scheint ihr Leben jetzt schon fertig geschrieben zu sein. Was wird sie an Richards Seite erwarten? Arbeiten, Kinder kriegen, Richard umsorgen und dann noch mehr Arbeit. Und gerade als Kit versucht sich an diesen Gedanken zu gewöhnen, macht eine Kompanie von Dragonern bei ihr in der Schänke Halt. Einmal nicht hingesehen, schon ist Richard verschwunden. Er wurde zwangsrekrutiert und Kit beschließt ihn zurück zuholen.
Als Christian Walsh verkleidet, lässt sie sich anwerben und schon am nächsten Tag befindet sie sich auf einem Schiff mit unbekanntem Ziel.

Kit Kavanagh hat wirklich existiert, sie war unter vielen Namen bekannt. Die Autorin gibt zwar bereitwillig zu, dass sie Kits Geschichte ein wenig ausgeschmückt hat, aber auch ohne diese Ausschmückungen ist Kits Leben mehr als nur filmreif gewesen.

Gut an diesem Roman fand ich, das Kits Geschichte die ganze Zeit über unvorhersehbar bleibt. Da sie sich immer im Krieg befindet, bleibt sie auch nie lange am gleichen Ort. Ständig gibt es neue Irrungen und Wendungen. Die Angst, dass ihre wahre Identität entdeckt wird, sitzt ihr ständig im Nacken.
Kit muss öfter in eine andere Rolle schlüpfen, dient dann verschiedenen Herrn. Dabei vergisst sie aber nie ihre Prinzipien und bleibt sich selbst immer treu.
Sie ist wahnsinnig erfindungsreich, kann sich aus schwierigen Situationen retten und weiß auch ganz genau wann es besser ist, die Klappe zu halten.
Die Figur Kit Kavanagh ist einfach nur faszinierend. Für eine Frau aus ihrer Zeit hat sie wahnsinnig viel erreicht, sie ist mutig, loyal und unbestechlich.

Der einzige Minuspunkt war für mich die etwas längere Einleitung. Es geht zwar relativ schnell los mit Kits Abenteuer, als Frau erlebt der Leser sie nicht sehr lange, aber Kits Eingewöhnung als Junge zieht sich was in die Länge. Um ihre Rolle perfekt zu machen interagiert sie anfangs überhaupt nicht mit ihren Leuten. Es wird seitenlang nur beobachtet wie Männer sich verhalten wenn keine Dame anwesend ist. Dabei werden ihre Gefühle und Gedanken beschrieben, manchmal bis ins kleinste Detail. Sie lernt dabei zu fluchen und zu spucken wie ein Kesselflicker. Und fast ein ganzes Kapitel wird der Beschaffung eines speziellen Teils gewidmet der zur natürlich Ausstattung eines Mannes gehört. Kit überlässt da nichts dem Zufall, aber soo genau wollte ich das eigentlich auch nicht wissen.
Wenn aber diese Seiten, die ja doch irgendwie dazu gehören, geschafft sind, ist das Buch nur noch ein wahrer Pageturner. Innerhalb weniger Tage war ich durch mit dem Buch, denn ich wollte es einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Schön fand ich ebenfalls wie anschaulich das Soldatenleben beschrieben wurde. Ständig muss man als Leser Angst um Kits Leben haben. Kit wird eine Menge Feinde haben. Und auch in ihren eigenen Reihen ist ihr nicht jeder wohlgesinnt. Alle anderen Figuren sind ebenfalls fein herausgearbeitet und so wie ich es bereits von Marina Fiorato kenne, sind ihre Charaktere niemals nur gut oder nur böse. Nicht immer weiß man also gleich, ob Freund oder Feind.

Für mich war dieser neue Roman von Marina Fiorato mal wieder ein volles Vergnügen.

Das Herz der Kriegerin - Marina Fiorato
Das Herz der Kriegerin
von Marina Fiorato
(5)
eBook
6,99

Unglaublich fantastisch

Eine Kundin / Ein Kunde aus Recht , am 13.03.2018

Matty wusste schon immer, dass seine Familie etwas ganz besonderes ist. Wie genau besonders kann er aber nur raten, denn niemand will so richtig mit der Sprache rausrücken. Aus allem wird ein Geheimnis gemacht.

Nach einer äußerst peinlichen Situation, geschieht mit Matty etwas sonderbares, und schneller als gedacht erfährt er was es heißt Teil der "unglaublichen Familie Telemachus" zu sein.


Die Familie Telemachus: Das sind die allein erziehende und mit Geldsorgen geplagte Irene mit ihrem pubertierenden Sohn Matty. Irenes Brüder Frankie und Buddy. Der eine ist immer überschuldet, der andere scheint auf einen anderen Planeten zu leben. Und natürlich Teddy, er ist der Vater und das Familienoberhaupt.

Aus der Perspektive dieser fünf Hauptakteure wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt. Auch wenn das eine Menge Sichtweisen sind, konnte ich doch jeden Augenblick der Handlung folgen.

Die Handlung selbst war für mich etwas besonderes. Zu Anfang war es so, als würden gleichzeitig fünf verschiedene Romane erzählt werden. Jede Figur schien ihr eigenes Ding zu drehen. Die Familienmitglieder leben fast alle unter dem gleichen Dach, untereinander gab es aber nicht so viele Interaktionen. Dadurch schien es auch fast so, als ob die Handlung nur so vor sich hin plätschert. Einen roten Faden konnte ich lange nicht entdecken und ich fing schon an mich zu fragen, wo das alles hinführen soll.

Aber nicht eine Sekunde lang habe ich mich dabei gelangweilt. Im Gegenteil, durch diesen Erzählstil gewann die Handlung praktisch im vorbeigehen an Dichte und Spannung. Aus fünf verschiedenen Strängen entwickelte sich nach und nach ein einziger. Ein Strang, der unaufhaltsam auf das große Unbekannte, das drohende ZAP zusteuert.

Die Figuren aber waren das Highlight überhaupt. Ich hatte als Leser schon lange nicht mehr das Vergnügen auf so komplexe Figuren zu treffen. Sie sind alles, was man sich als Leser nur wünschen kann. Ihr Handeln blieb immer unvorhersehbar, sie waren teilweise sogar richtig rätselhaft, aber alle sind sie voller Macken, und nicht jeden von ihnen möchte man mögen.

Besonders Teddy hatte es mir angetan. Gerade bei ihm war ich mir lange Zeit unsicher ob er jetzt unglaublich, oder einfach nur total durchgeknallt ist. Und ob sein Talent ein Talent oder nur eine Masche ist. Aber egal wen er gerade austrickste, er blieb dabei stehts ein perfekter Gentlemen.


Dieses Buch ist definitiv das was man "etwas anderes" nennt. Es ist von allem etwas: Ein wenig fiktiv, humorvoll, es hat Drama und ein bisschen Krimi,... aber vor allem ist es unglaublich.

Die erstaunliche Familie Telemachus - Daryl Gregory
Die erstaunliche Familie Telemachus
von Daryl Gregory
(37)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

 
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