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BuchhändlerInnen im Portrait

Meine Lieblingsbuchhändler

Matthias Kesper
aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn

Gesamte Empfehlungen 416 (ansehen)

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Über mich:
"Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige!" Dieses Zitat des Diogenes Verlags ist seit über dreißig Jahren im Beruf mein Motto.
Alter:
58 Jahre
Abteilung:
Belletristik
Im Beruf seit:
1981
Das beste Buch aller Zeiten:
Astrid Lindgren - Michel aus Lönneberga ! Damit begann 1965 für mich buchmäßig alles...

Meine Empfehlungen

"Das Büro des Chefs hat den Medien gesteckt, es sei Selbstmord gewesen! Ermittlungen eingestellt."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 28.05.2020

Der o.g. "Selbstmord" hätte sich demnach so zugetragen: "Selbstmord? Glaubt ihr echt, das war Selbstmord? Ich fahre mit dem schicken Zug, nehme mir ein Okapi (ein in Südafrika weit verbreitetes Messer), steche es mir in den Hinterkopf, breche die Klinge ab und werfe mich dann selbst zum Fenster raus? Klar, denn ich bin Superman und lebensmüde. Brilliante Ermittlungsarbeit, Bennie. Ihr braucht uns nicht mehr. Ihr könnt jetzt Comichefte schreiben und haufenweise Geld scheffeln..."

Natürlich ist dieses Ermittlungsergebnis nicht Bennie Griessel und seinem Kollegen Vaughn Cupido zu verdanken! Sondern eine Folge der allgegenwärtigen staatlichen Kriminalität in Südafrika. Wobei der rätselhafte Tod eines ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters die zwei besten Kommissare der "Valke", i.e. die Kriminalpolizei, durchaus an ihre Grenzen führt. Dazu ein Selbstmord, der wohl keiner war, und auch hier scheint der "Secret Service" des Landes verwickelt zu sein. Was das aber nun alles mit der Rückkehr Tobelas (Der Atem des Jägers), einst bester Scharfschütze des ANC, auf die literarische Bühne zu tun hat, müssen Sie einfach selber lesen!...

Deon Meyer setzt seine Leserschaft wieder von der ersten Seite an unter Strom, und er dreht den Regler erst nach 450 Seiten zurück, die Mischung aus Forsyths "Schakal" und klassischem Cop-Thriller mit viel schwarzem Humor ist kaum zu überbieten. Die zwei Erzählstränge sind meisterlich miteinander verflochten, die Story stark und sehr aktuell, sind doch die Entwicklungen der letzten Jahre in Südafrika mehr als Besorgnis erregend. Die herrschende Klasse, einst echte Freiheitskämpfer, ist korrupt, denkt nur an das eigene Wohl, hat längst jegliches Ansehen verloren und das Erbe Nelson Mandelas verraten.

Beute - Deon Meyer
Beute
von Deon Meyer
(58)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

"Dann wirst du sehen, Viga-Ljot", erwiderte Vigdis, "dass mein Wille ebenso hart ist wie deiner!"

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 25.05.2020

1909 erschien dieser frühe Roman von Sigrid Undset, die Autorin war gerade einmal 27 Jahre alt, stand noch am Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere. Knapp zwei Jahrzehnte später erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, als dritte Frau überhaupt. Ihr wohl wichtigstes Werk, "Kristin Lavranstochter", hatte sie in den Jahren zuvor veröffentlicht. Aber schon in "Viga-Ljot & Vigdis" offenbarte sie ihre ganze Kraft als Autorin!

Die Erzählung von der Liebe der beiden Protagonisten, die durch Gesellschaft, Umgebung, Traditionen und der typisch männlichen Gewalt Viga-Ljots zerstört wird, kommt ganz im Stil der klassischen nordischen Sagas daher: Kein Wort zuviel, knapp, oftmals kühl und doch von elementarer Wucht. Vigdis, die ihren Sohn, das lebende Beispiel für das, was ihr angetan wurde, trotz allem in tiefer Zuneigung annimmt, löst zuerst fast Unverständnis für ihr Verhalten aus. Aber relativ schnell wird klar, es ist nicht nur Mutterliebe, die sie so handeln lässt, sondern auch Rachegedanken: Eines Tages soll ihr Sohn Ulvar seinen Vater im Zweikampf erschlagen...

Wie gesagt, klassischer Saga-Stoff in authentischer Form, von Gabriele Haefs formvollendet ins Deutsche übertragen. Ich bin sicher, man könnte diesen Text problemlos in der "EDDA" unterbringen, er würde sich nahtlos einfügen...

Ganz große Literatur!

Viga-Ljot und Vigdis - Sigrid Undset
Viga-Ljot und Vigdis
von Sigrid Undset
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,00

"Ich glaube, wir haben etwas Gutes angefangen. Ich glaube daran, dass wir uns finden können..."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 22.05.2020

Mit diesem Statement endet der erste richtige Streit zwischen Daniel und Sophia, drei Moante, nachdem die beiden sich kennen gelernt, Hals über Kopf verliebt haben und umgehend zusammen gezogen sind. Er ist ein weltberühmter Cellist Anfang Fünfzig, sie Ende Dreißig, Journalistin, nicht gerade vom Erfolg verwöhnt. Alles scheint perfekt, Daniel sorgt und kümmert sich um Sophia, verschafft ihr den nötigen Freiraum, auch finanzieller Natur, um die Brotarbeiten als Free-Lancerin in der schreibenden Zunft hinter sich lassen zu können, damit sie sich endlich "ihrem" Roman widmen kann.

Auslöser für den oben erwähnten Streit war ein Hauch von Eifersucht bei Sophia, als sich Daniel lobend über eine neue Kollegin äußert. Mit der er jetzt auch noch auf Konzertreise unterwegs ist. Allein in der großen Münchner Jugendstilwohnung drängen sich die Überlegungen bei ihr immer stärker in den Vordergrund, wer Daniel eigentlich ist. Von da aus ist es nur ein kurzer Weg, doch mal einen Blick in seine Photoalben zu werfen. Sie hätte es wohl besser unterlassen....

Erwarten Sie jetzt bitte weder eine unfassbar kitschige Liebesgeschichte zweier Menschen, die bereits einen guten Teil ihres Lebens ohne den anderen gelebt haben, oder gar einen drittklassigen Psycho-Thriller, in dem sich der "neue" Partner als der schon seit Ewigkeiten gesuchte Massenmörder entpuppt. Bei Georg Oswald darf man, zu Recht, etwas ganz anderes erwarten - nämlich das Psychogramm einer glücklichen Beziehung, die durch eine scheinbare Kleinigkeit mehr und mehr vergiftet wird. Kongenial mischt der Autor Vergangenheit und Gegenwart, geradezu fiebrig folgt man der Geschichte, wie immer auf den Punkt genau formuliert, einfach ein Genuss!

Vorleben - Georg M. Oswald
Vorleben
von Georg M. Oswald
(5)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

"Für ihr Leben hatte sie klare Regeln aufgestellt. Regeln, die sie bis gestern eingehalten hatte..."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 21.05.2020

Felicitas Booths Regeln sind tatsächlich ganz klar, die wichtigste: Keine enge Bindung an andere, dann kann dich auch niemand verletzen.Jahrelang hält sie sich daran, eigentlich schon seit der Ermordung ihres Vaters vor fast 40 Jahren in dessen Werkstatt, die sie als Fünfjährige beobachtete.Sie fühlt sie sich indirekt mitschuldig an der Tat, worin sie ihre Mutter noch bestärkt, das Verhältnis der beiden ist mehr als zerstört. Felicitas tritt in die Fußspuren ihres Vaters, auch sie wird Tier-Präparatorin, ein Beruf den sie allein ausüben kann. Als ihre Mutter stirbt, findet sie einen Karton mit Unterlagen, Fotos und Schmalspurfilmen, die eine Afrika-Expedition Anfang der 60er Jahre dokumentieren. Dazu Todesanzeigen und diverse Zeitungsartikel über die Teilnehmer dieser Safari, an der auch ihr Vater teilgenommen hat. Als bei ihr eingebrochen wird, und sie kurz darauf beim Bestatter im Sarg ihrer Muter eben jenen Totengräber erdrosselt vorfindet, weiß sie, dass sie sich jetzt endlich der Vergangenheit ihrer Familie eben so stellen muss, wie ihrer persönlichen Gegenwart!

Manchmal ist das so: Man schaut ein Buch an, denkt: "Was hat sich der Verlag denn bei dem Cover gedacht - ich kann ja kaum den Titel entziffern...", man möchte es erst gar nicht aufschlagen. Dann liest man den Klappentext, fängt an und wird von der ersten Seite an völlig gefangen genommen. So ging es mir mit der "Präparatorin"! Ein durch und durch gelungener Kriminalroman, spannend bis zur letzten Seite, mit einer Protagonistin und einer Story die weit vom üblichen "Schema F" abweicht. Oft behauptet, hier stimmt es: Ein etwas anderer Krimi - für alle, die die ewigen Serienkiller über haben...

Die Präparatorin - Andreas Wagner
Die Präparatorin
von Andreas Wagner
(18)
Buch (Klappenbroschur)
16,00

"Früher gab es ja auch keinen Gnadenlosen..." - "Jede Zeit hat ihren eigenen Gnadenlosen!"

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 20.05.2020

"Wenn wir am Gesetz etwas ändern wollen, dann müssen wir etwas gegen den Gnadenlosen unternehmen. Sollte ich dabei verrecken, sei`s drum! Hauptsache, er verreckt ebenfalls!"

Ganz leicht wird es nicht werden, den Gnadenlosen zu vernichten - er ist ein Virus! Etwas, das in einem Labor für Bio-Waffen erschaffen wurde, vielleicht der perfideste biologische Kampfstoff, der jemals-niemals das Licht der Welt hätte erblicken dürfen! Das Virus nistet sich in der DNA ein und wird um das Erreichen der Volljährigkeit aktiv, der Wirt altert innerhalb von Stunden und stirbt. Einhundert Jahre nach Ausbruch der künstlichen Seuche gibt es nur noch kleinere menschliche Gruppen, streng hierachisch aufgebaut, die sich um die wenigen Resourcen des Planeten in Dauerfehde befinden. Tim, genannt Nerd, soll eigentlich aus seinem "Stamm" der "Parker" verstoßen werden, weil er wegen seiner Fehlsichtigkeit von keinerlei Nutzen für die Gemeinschaft, z. B. bei der Jagd, darstellt. Aber er kann als einer der wenigen lesen. Ein Tagebuch der Gründerin von "Park", dazu ein alter Straßenatlas und Belka, die seit vier Jahren allein in den Sümpfen lebt, ist das, was ihm zum überleben bleibt. Und das Wissen um ein Gegenmittel gegen das Virus, das wohl immer noch in dem militärischen Hochsicherheitsbau lagert, wo alles seinen Anfang nahm. Leider rund 300 Meilen entfernt, schier unerreichbar für Nerd und Belka, müssen sie doch, um dorthin zu gelangen, nicht nur "City" und "Town", sondern vor allem auch das "Verbrannte Land" lebend durchqueren....

Jan Valetov hat ein herrlich düsteres Endzeit-Abenteuer geschrieben, eine gelungene Mischung aus "Herr der Fliegen", "Mad Max" und "The Walking Dead"! Eigentlich Action pur, aber dank der eingeschobenen Story, wie alles begann, auch ab und an etwas nachdenklich. Man begreift, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist, wie schnell und leicht aus einer weit entwickelten Welt ein Rückfall in Stammeskulturen, seltsamste Religionsvorstellungen und archaische Gewalt möglich ist - aber damit werden Sie beim lesen nicht allzu sehr gestört, es kracht, knallt und splattert die meiste Zeit recht ordentlich, was auch durch die eher schlicht gestrickte Sprache noch verstärkt wird :-)

Nichts für Feingeister, aber für alle Fans schwärzester Dystopien unbedingt empfehlenswert!

Zone - Jan Valetov
Zone
von Jan Valetov
(3)
Buch (Paperback)
15,00

"Es scheint kein Motiv zu geben, aber an einem Ort wie diesem hier braucht man wohl auch kein Motiv"

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 15.05.2020

"Meine Bühnenausbildung hat mich gelehrt, dass Leute, die in grotesk verschnürten Positionen tot aufgefunden werden, in der Regel Opfer irgendeines heimtückischen Verbrechens sind!"

Vorhang auf für einen fast vergessenen Amateur-Detektiv, Peter Duluth. Die Erstauflage datiert auf das Jahr 1936, die letzte deutschsprachige Ausgabe erschien 1989.

Peter Duluth hat sich, nach dem Tod seiner geliebten Frau bei einem Brand, erst dem Alkohol ergeben, dann selbst in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, er weiss, ohne therapeutische Hilfe wird er über kurz oder lang an den Folgen der Sucht sterben. In der psychiatrischen Klinik des geheimnisvollen Dr. Lenz wird er langsam wieder zu dem Mensch, der er war. Aber je klarer seine Welt im wahrsten Sinne des Wortes wieder wird, um so seltsamer gestalten sich die Dinge vor Ort. Als der ein oder andere Patient dann auch noch Stimmen hört, die davon reden, dass "Jemand sterben wird", wäre das in diesen Räumlichkeiten eigentlich nicht besonders bemerkenswert. Nur der grausam zu Tode gekommene Mann, der eingangs erwähnt wird, deutet darauf hin, dass hier wohl einiges im Argen liegt. Peter Duluth, eigentlich Broadway-Produzent, wagt seine ersten ermittlungstechnischen Schritte...

Wenn Sie sich auch ab und an nach einem Krimi der "Alten Schule" sehnen, mit einer Story, die Hand und Fuß hat, mit einem Tableau voller Hauptfiguren, das genial zusammengestellt ist, dazu Wortwitz und wunderbaren Formulierungen, das Ganze vortrefflich ins Deutsche übertragen, dann sind Sie bei Patrick Quentin (Richard Webb & Hugh Wheeler) genau richtig. Allein die Mischung aus Patienten und einem echten Panoptikum an Ärzten plus Pflegepersonal, unterhält aufs Feinste. Perfekt ergänzt wird das alles durch einen scheinbar hanebüchenen Mordfall, der dann aber völlig logisch, Schritt für Schritt gelöst wird - Nein, der Mörder war nicht der Gärtner :-)

Der Rezensent setzt darauf, dass dieser klassisch-britische Krimi, zumindest sind die beiden Autoren gebürtige Engländer, viele neue Leser gewinnt - denn dann wird der Atrium-Verlag hoffentlich auch die weiteren Bände peu a peu übersetzen lassen, zumal Patrick Quentin eigentlich in einem Atemzug mit Raymond Chandler oder Dashiell Hammett genannt werden sollte!

Mord im Irrenhaus - Patrick Quentin
Mord im Irrenhaus
von Patrick Quentin
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

"Was stand da in Rot an eine Wand geschmiert? Gott ist ein Chaot! Von meinem iPhone gesendet"

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 13.05.2020

Das richtige Buch für eine seltsame Zeit: Wer dazu neigt, ein wenig Techno-Phob zu sein, kommt hier voll auf seine Kosten, versprochen!
Turek, seinen Vornamen, wohl Valdemar, hat er erfolgreich verdrängt, arbeitet für ein innovatives Groß-Unternehmen, dass die Zukunft baut, sogenannte Smart-Cities, volltechnisiert, selbstlernende KI allgegenwärtig, Verbrechen, Unfälle, Krankheiten etc wird es bald kaum noch geben, der Weg dahin ist ab und an etwas steinig und langwierig, aber es wird schon werden.
Sein Chef hat von einem alten, nie in die Tat umgesetzten Plan gehört: Die Flutung der Quattar-Senke im Norden Afrikas. Ein ehemaliges Meer im unendlichen Wüstensand, 300 m unter dem Meeresspiegel liegend. Die offene See nur 60 Kilometer entfernt, ein Kanal, oder gewaltige Rohranlagen, würden das Wasser fließen lassen, die Wüste begrünen und das Klima deutlich verbessern. Nebenbei würde natürlich auch z.B. Holland vor der drohenden Überflutung bewahrt - es kann halt nicht alles perfekt sein. Als Elon Musk für das Projekt begeistert werden kann, scheint alles in trockenen Tüchern....

Niklas Maak hat eine bitterböse, philosophische Satire geschrieben, die ohne erhobenen Zeigefinger eine "Schöne neue Welt" skizziert, die ganz nah ist, und vor der man sich fürchten kann und sollte. Es gibt unzählige Geschichten in der Geschichte, die einfach großartig sind. Ich habe mich wirklich fast weggeschmissen über die Beschreibungen der ersten öffentlichen Smart-Cars, die ohne Fahrer daherkommen. Oder die verzweifelten Versuche Tureks, seine Smart-Watch zu überlisten, damit sie ihn nicht bei seiner Krankenkasse verpetzt, nur weil er zum dritten Mal in einer Woche Lust auf eine Pizza hat....

Wie gesagt: Tolle Lektüre, gerade in diesen seltsamen Zeiten!!!

Technophoria - Niklas Maak
Technophoria
von Niklas Maak
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
23,00

"Wie man mit dem Dunkel umgeht? Ich habe die Nachtschicht, ich bekomme nichts anderes zu sehen..."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 11.05.2020

Renee Ballard bekommt in der Tat im Beruf nichts anderes zu sehen als die Dunkelheit. Sie ist Polizistin beim L.A. Police Department, eingeteilt für die "Late Show", die Nachtschicht. Eine Schicht, für die sie sich nicht selbst beworben hat, es ist eher eine Strafversetzung, weil sie vor einigen Jahren einen Vorgesetzten der sexuellen Belästigung bezichtigt hat, ihr Partner sie bei der anschließenden Untersuchung im Stich gelassen hat und gewisse Kräfte innerhalb der Polizei sie jetzt als Nestbeschmutzer loswerden möchten. Entweder, weil sie Fehler macht, oder, noch besser, wenn sie einfach kündigen würde. Ein wenig Mobbing kann da nicht schaden...

Es scheint eine normale Nachtschicht zu werden: Ein Fall von häuslicher Gewalt, eine halb tot geschlagene Transsexuelle im Rotlichtbezirk der Stadt, dann allerdings gibt die Nacht Gas. In einem Nachtclub werden fünf Menschen erschossen, drei Morde ähnelten einer Hinrichtung, dazu kommen zwei sog. Kollateralschäden, eine Bedienung und ein Türsteher. Ballard und ihr Partner sind zwar oft die ersten am Tatort, weitergehende Ermittlungen übernehmen dann aber die Detectives der Tagschicht. Aber Ballard wäre nicht die, die sie nun einmal ist, wenn sie nicht, heimlich, selbst versuchen würde, zur Aufklärung der Fälle beizutragen. Die toughe junge Frau ahnt am Anfang allerdings noch nicht einmal, auf welche Abgründe sie stoßen wird...

Der Altmeister des klassischen Cop-Thrillers, Michael Connelly, zeigt seine ganze Stärke. Der Schöpfer des legendären Polizisten "Harry Bosch" war beim Schreiben dieses durch und durch gelungenen Thrillers in Top-Form! Korrupte Polizisten, widerliche Machos und Dialoge, scharf wie ein Teppichmesser, dazu ein gerüttelt Maß an Gewalt, aber auch Ironie, Humor und Gefühl - besser geht`s wirklich kaum!

Late Show - Michael Connelly
Late Show
von Michael Connelly
(8)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,90

"Die Leute fühlen sich zu Hause sicher, vor allem frühmorgens. Da sind sie ganz in ihrer Welt..."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 06.05.2020

Zu Hause = sicher = Ganz in der eigenen Welt! So banal, und aus seiner Sicht völlig folgerichtig, sind für einen der schlimmsten Serien-Vergewaltiger der dänischen Geschichte Orte und Zeit seiner Verbrechen. Die Taten erstrecken sich über mehrere Jahre, dann ist plötzlich Schluß. Nach fünf Jahren taucht sein "Modus operandi" wieder auf, jetzt in Schweden, in Malmö. Eine Frau wird vergewaltigt, doch diesmal tötet der Mann sein Opfer. Eigentlich kein Fall für Tess Hjalmarsson, sie ist die Top-Ermittlerin in sogenannten "Cold Cases", also für Verbrechen, die schon länger zurück liegen, und nie aufgeklärt werden konnten. Ein Fingerabdruck beweist jetzt, dass der dänische Serientäter in irgendeinem Bezug zum Verschwinden der jungen Annika vor einigen Jahren steht. Tess weiß, wenn sie diesen Fall endlich aufklären will, muss sie vorher den "Dänen" stoppen und festnehmen....

Dieser Auftakt zu einer weiteren gelungenen skandinavischen Krimi-Serie ist Hochspannung pur. Wohltuend ist, dass Tina Frennstedt auf unnötige reißerische Elemente völlig verzichtet, und nicht dem Irrglauben erliegt, das viel Blut, Gewalt und Metzelei unabdingbar sind, wenn es um Spannung geht. Statt dessen setzt sie auf zwei starke ermittelnde Frauen, deren recht turbulentes Privatleben eine wichtige Rolle spielt - allein, um zu wissen, wie es da weiter geht, freut man sich ungeduldig auf den nächsten Roman.

Ich kann nur sagen: Wenn Sie die immer gleichen amerikanischen Krimis, in denen garantiert erst diverse weibliche Opfer in dunklen Kellern misshandelt werden, bevor die ermittelnde Polizistin eben genau landet, so richtig leid sind, lesen "Das verschwundene Mädchen" - Ich garantiere Ihnen Spannung vom feinsten!

Cold Case - Das verschwundene Mädchen - Tina Frennstedt
Cold Case - Das verschwundene Mädchen
von Tina Frennstedt
(72)
Buch (Paperback)
14,90

"Ein Aktenkoffer voller Geld, ein kathartisches Blutbad und ein paar erschossene Kühe..."

Matthias Kesper aus der Thalia-Buchhandlung in Paderborn , am 03.05.2020

Wenn Sie die, zugegeben, sehr knappe Inhaltsangabe von "Flickering Lights" in der Überschrift angesprochen hat, werden Sie bei diesem äußerst schwarz-humorigen Film voll auf Ihre Kosten kommen!

Regisseur Anders Thomas Jensen hat ein klassisches Gangster-Film-Motiv zu einer Verneigung vor den Coen-Brüdern und, natürlich, Quentin Tarantino gemacht: Vier Männer, kleine Gauner, stehen in der Schuld eines großen Bosses der Unterwelt, müssen für ihn immer wieder Auftragsarbeiten übernehmen. Bei einem Einbruch sollen sie einen Koffer mit Geld stehlen. Sie tun es gleich zweifach. Erst wird der Villenbesitzer beklaut, danach das "Der Faröer" genannte kriminelle Schwergewicht. Mit mehreren Millionen Kronen gedenken sich die Vier nach Barcelona abzusetzen, aber die Flucht endet schon irgendwo in einem Waldgebiet in Jütland. Als Unterschlupf dient ein baufälliger ehemaliger Gasthof, den sie nach kurzer Zeit erwerben. Aber "Der Faröer" ist ihnen auf der Spur...

Der Film lebt von der darstellerischen Kraft der vier Hauptdarsteller, herausragend Mads Mikkelsen als kettenrauchender Waffennarr, und den knochentrockenen Dialogen, die man einfach hören, goutieren und bewundern muss. Und all den Bildern, die in all ihrer Kargheit perfekt zur Story passen...

Das Ganze gibt es jetzt digital remastered, Bild und Ton sind auf dem neuesten technischen Stand - Wenn Sie "Einer nach dem anderen" oder "In China essen sie Hunde" schon phantastisch fanden, versichere ich Ihnen: "Flickering Lights" setzt noch einen drauf! Und ist zudem äußerst lehrreich. Oder wußten Sie bereits, daß es Monate dauern kann, bis man ein eigenes, perfektes Erdloch ausgehoben hat, um sein Bier immer genau richtig temperiert darin vorfinden?

Flickering Lights
Flickering Lights
(2)
Film (DVD)
9,29

 
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