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Meine Bewertungen

Sehr guter, spannender Psyho-Thriller mit etlichen Wendungen, aber auch mit kleinen Schwächen.

ingo101 , am 17.05.2019

Die Geschichte wird mit Hilfe von Zeitsprüngen erzählt. Der Leser wandert in die Vergangenheit der Protagonisten, erfährt dort Beweggründe / Gedanken / Motivation des Handelnden. Das gefällt vielleicht nicht jedem. Ich fand es anfangs verwirrend: nicht wegen der Zeitachse, sondern, weil einige Verhaltensweisen der Protagonisten seltsam waren. Im Kontext des Endes der Geschichte ergeben sie meistens (wieder) einen Sinn. Die Geschichte selber fließt am Anfang etwas dahin, das Kennenlernen der Charaktere fällt – vielleicht durch die Zeitsprünge – für meinen Geschmack etwas zu lange aus. Die Erzählung eckt an diesen Stellen an, Einzelheiten und Details rücken in den Vordergrund; das zieht etwas in die Länge. xxxxxx

Liest man weiter, baut sich eine verwobene Geschichte auf, die den Leser gerade zum Schluss in den Bann zieht. Vielleicht sind es die Details der Charaktere oder das langsame Kennenlernen? Auf jeden Fall hat die Autorin etwas richtig gemacht. Gerade die letzten Abschnitte zur Auflösung des Buches lesen sich fast wie aus einem Guss: Spannend, gut geschrieben und motivierend zum Weiterlesen, lassen sie einen bis zur finalen Auflösung nicht mehr los.xxxxxx
Besonders, wenn sich am Ende die Handlungsfänden zusammenfügen und der Leser das komplette Bild der Geschichte Revue-passieren lässt, ergibt sich eine komplexe und vielschichtige Erzählung voller Wendungen, die stellenweise – emotional – unter die Haut geht. In dieser Hinsicht ist der Roman sehr düster und traurig - das Ende sticht hier hervor. Unweigerlich fragt man sich als Leser, ob der Verlauf an irgendeinem Punkt hätte geändert werden sein können; hätten die Darsteller doch noch die Kurve bekommen, wäre alles „gut“ ausgegangen? Die Autorin deutet so etwas an.xxxxxx
Die Nebencharaktere bleiben hinter den Hauptdarstellern Kim und Sebastian in der Ausarbeitung zurück. Teilweise sehr eindimensional sind sie hauptsächlich Beiwerk als Stichwortgeber . Ausgenommen Carmen, die zwar auch wenig Hintergrund hat, aber die Geschichte vorantreibt. Fairerweise, werden sie auch nicht besonders beansprucht. Die Story dreht sich hauptsächlich um Kim und Sebastian.
Schade, dass es keinen Epilog gibt.xxxxxx

Fazit:
Der Leser sollte sich auf den Erzählstil einlassen wollen und sich – besonders nach dem Buch – seine Gedanken machen wollen (Was wäre wenn / Ach, da ist der Zusammenhang).
Die Hauptcharaktere finden erst im letzten Drittel zu sich, wenn die Geschichte anfängt einen Sinn zu ergeben – dann aber umso nachdrücklicher. Nebencharaktere sind einsilbig und Stichwortgeber.
Die Geschichte selber wird im Laufe immer spannender, immer besser erzählt, immer fesselnder und – im positiven – immer fordernder an den Leser. Die Auflösung ist gelungen und emotional. xxxxxx
Ein toller Debut-Roman.

Negatio - Julia Fürbass
Negatio
von Julia Fürbass
(3)
eBook
3,99

Guter, solider Einstieg in die Tempe Brennan-Serie

ingo101 , am 27.04.2019

Mit der Fernseh-Bones hat sie nicht viel gemeinsam. Die Lebensumstände sind grundverschieden – nur die dargestellten Charaktereigenschaften ähneln sich etwas. Besonders, dass sie mit dem Kopf durch Wand möchte und Gefahren für sich und ihr Umfeld ausblendet. Negativ dagegen die Sprunghaftigkeit und die teilweise Verleugnung bzw. ignorieren von guten Argumenten / Gefahren / Vernunft / Fürsorge / Sorgen. Diese Eigenschaften lesen sich wie eine Achterbahnfahrt und sind nicht immer nachvollziehbar.

Kathy Reichs erste Geschichte um Dr. Temperance Brennan ist spannend geschrieben. Die Story baut sich langsam auf und steigert sich immer weiter. Die teilweise sehr langatmigen Beschreibungen bremsen zum einen, zum anderen aber tragen sie zur dichten Atmosphäre bei. Dr. Brennan ist als Charakter gut beschrieben, die meisten anderen werden – ebenso wie Tempe – meistens aus der Gegenwart heraus definiert. Die wenigsten haben keine „Hintergrundgeschichte“; kommen aber auch über die Rolle als Nebendarsteller / Lebensretter / Bösewicht / Gewissen / Stichwortgeber nicht hinaus. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Sie tragen ihren Teil zu einer guten Geschichte hinzu.

Teilweise sehr drastisch beschrieben wird das, was der Täter mit den Leichen angestellt hat, aber auch das Arbeitsfeld in der Gerichtsmedizin wird ohne viel Schonung dargestellt. Wie werden die Knochenteile vorbereitet, damit sie die Geschichte des Tatherganges liefern? Welche Rückschlüsse lassen sich noch aus den kleinsten Knochensplittern lesen? Das liest sich sehr brutal und wissenschaftlich und detailverliebt – was die meiste Zeit über gut ist, manchmal allerdings auch nervt.

Fazit:
Ein sehr guter Krimi/Thriller. Spannend, brutal, teilweise etwas zu detailversessen und langatmig, aber auch dichte Atmosphäre. Macht Lust auf die anderen Bücher der Serie. Löst man sich gedanklich von der bekannteren TV-Serie, steht das Buch für sich alleine sehr viel besser da – obwohl mir Tempe Brennans sprunghaftes Verhalten sehr oft die Stirn in Falten gelegt hat: „Warum, Tempe, meint Du, musst Du das jetzt wirklich machen?“.

Tote lügen nicht - Kathy Reichs
Tote lügen nicht
von Kathy Reichs
(24)
eBook
8,99

Schneller Erzählstil mit wenig Details, Charaktere ohne Hintergrund, aber spannend und temporeich

ingo101 , am 18.04.2019

Ein interessanter Ansatz für eine Geschichte und viele philosophische was-wäre-wenn Fragen. Diese sind in einer spannenden Geschichte untergebracht, die zum Weiterlesen animiert. Am Anfang ist der Schreibstil noch etwas ungewohnt, aber das bessert sich deutlich nach 20-30 Seiten, vielleicht weil es das Erstlingswerk des Autors ist? Aber letztendlich entfaltet die Erzählung eine Spannung.
Viele Szenen nur oberflächlich beschrieben werden, das ist gewöhnungsbedürftig. Das scheint dem Schreibstil geschuldet zu sein, der, ungefähr ab dem zweiten Drittel an Tempo und Geschwindigkeit immer wieder nachlegt. Tiefere oder überhaupt vollständige Beschreibungen der Umwelt, der Gefühlswelt, der Charaktere oder der aktuellen Situation sind da – offensichtlich - fehl am Platz. Glaubwürdigkeit (auf die Erzählweise/Beschreibungen bezogen) leider auch. Viele Szenen werden rasch und schnell abgehandelt – Schlag auf Schlag, ohne tiefer eintauchen zu wollen.
Die Charaktere sind wie aus dem Leben gegriffen. Sie haben ihre Macken und Schrullen und Problemchen. Allen gemeinsam ist, dass wenig über ihr Leben vor den Ereignissen erzählt wird. Es gibt zwar einige Rückblenden, die den Hintergrund beleuchten, diese sind aber selten. Trotzdem fühlt man sich nach einigen Seiten (siehe oben) mit den Figuren verbunden. Erstaunlich wie es der Autor schafft, die Charaktere nur mit den aktuellen Ereignissen dem Leser oberflächlich näherzubringen.

Spannend, nach den ersten 20-30 Seiten gut zu lesender Krimi. Charaktere bleiben blass, aber gleichzeitig interessant. Das Tempo der Erzählung wird zum Ende hin immer schneller.

Das letzte Sakrament - Thomas Kowa
Das letzte Sakrament
von Thomas Kowa
(5)
eBook
7,99

Ein überhastetes Ende. Mördersuche ohne Ermittlungsarbeit. Keine Highlights - solide. Wenig Krimi.

ingo101 , am 09.04.2019

Vorab: Ich lese die Reihe in chronologischer Reihenfolge. Ich kenne – bisher – nur die ersten beiden Bände.

Der zweite Teil der Rizzoli & Isles-Reihe liest sich deutlich angenehmer als der erste Band wenn man den Vorgänger kennt. Die Geschichte funktioniert zum Teil auch ohne Vorkenntnisse, aber die unterschwellige Bedrohung von Jane Rizzoli durch ‚den Chirurgen‘ ist Dünger für die Spannung.

Wobei, jetzt, nach dem zweiten Buch, bin ich mir nicht sicher, ob es ein Krimi ist. Sicher, es gibt blutige Szenen, eine Mördersuche, überraschende Entwicklungen zum Ende (warum der Hintergrund des ‚Dominators‘ so ausgelegt wurde, erschließt sich mir noch nicht), eine Bedrohung des Hauptcharakters… aber irgendwie fehlt mir die Ermittlungsarbeit: Die Puzzleteile, die Rizzoli und Ihre Kollegen verbinden, zusammensetzen und in Erkenntnisse zu dem Mörder verdichten. Die kleinen Hinweise. Gerritsen lässt uns teilhaben an den Beschreibungen der Tatorte/Handlungsorte oder Besprechungen oder Situationen, aber dort werden keine Aha-Momente vorgestellt. Daraus erfolgen selten weitere konkrete Handlungsstränge.

Das Ende kommt plötzlich und unerwartet. Ein wenig hastig und hingeschludert; zufällig und ein wenig banal / einfallslos.

Die Hauptcharaktere (Rizzoli / Hoyt) sind gut getroffen. Jetzt, nachdem Rizzoli etwas ‚ruhiger‘ geworden ist, ist sie mir deutlich sympathischer als ihre Charakterzeichnung im ersten Teil. Sie zeigt sich verletzlich, einfühlsam, gibt Einblicke, wie sie die Ereignisse getroffen haben. Gleichzeitig „muss“ sie nach außen funktionieren und keine Schwäche zeigen. Auch Hoyt, als einer der Antagonisten, wird so intensiv dargestellt, dass ich ihn am Ende – bei seinen philosophischen Fragen – fast verstehen kann, zumindest seine Sichtweise auf sich selbst (nicht seine Taten) ein wenig nachvollziehen kann. Das Ende ist ein Spoiler auf einen zukünftigen Bösewicht?



Fazit: Besser als der erste Teil, den man kennen sollte. Weiterentwicklung der Charaktere ist gut gelungen. Eher eine (Charakter-)Studie, denn ein Krimi mit Ermittlungsarbeit. Trotzdem spannend zu lesen, aber ohne echte Höhepunkte und einem schlechten, übereiltem Ende.

Der Meister - Tess Gerritsen
Der Meister
von Tess Gerritsen
(61)
eBook
9,99

Blasse Charaktere, Spannung baut sich langsam auf. Gerade noch so ein solider Krimi.

ingo101 , am 03.04.2019

Hinweis: Ich habe die Ebook-Fassung gelesen (epub), die sehr schlecht formatiert ist. Bindestriche mitten in der Zeile, und das lese-unfreundlichste: keine doppelten Absätze, wenn die Handlung an einem anderen Strang wieder ansetzt.


Die Geschichte liest sich gut weg, mir sind die Protagonisten, Moore und Rizzoli, zu blass. Im Grunde genommen, fühlt es sich an, als ob beide nur Schwarz und Weiß in ihrem Handeln / Ihren Gefühlen / Ihrem miteinander kennen. Im Gegensatz zu Rizzoli, die flach und uninspiriert erzählt wirkt, wird Moore etwas detailreicher beschrieben. Nicht viel – nur etwas. Die einzigen Personen, die ein wenig mehr „tieferen, dichteren“ Hintergrund bekommen, sind die Opfer. Dicht genug, um mit Catherine mitzufühlen, aber oberflächlich genug, um keine große Bindung aufkommen zu lassen.

Spannend, naja, man möchte erfahren, wie es weitergeht, aber erst gegen Ende baut sich die Suchtspirale auf, die auf Spannung beruht und einen weiterlesen lassen möchte. Vorher, hmm, man muss sich am Anfang / bis zur Mitte überwinden weiterzulesen. Die Puzzlestücke brauchen zu lange, um an Ort und Stelle zu fallen. Und im Grunde genommen, gibt es nur zwei oder drei.

Einige Entscheidungen, die die Autorin ihre Figuren treffen lässt kann ich nicht nachvollziehen. Okay, Rizzolis‘ Antrieb für ihr Verhalten ist klar: die einzige Frau in der Mordkommission, das Mobbing der männlichen Kollegen, keine Unterstützung von Vorgesetzen oder Kollegen geht einem an die Nieren. Aber alle Figuren und auch die Geschichte dann so eindimensional darzustellen, ist schade. Ob man die Erzählung dann so in einen Gender-Kampf ausarten lassen muss (Für mich, gegen mich – es gibt nichts anderes), ist nicht unbedingt meines. Bei den Opfern kann ich diese Sichtweise nachvollziehen, aber bei Jane Rizzoli? Dafür fehlt mir das Hintergrundwissen, das mir die Autorin aber auch nicht an die Hand gibt. Aber das ist vielleicht der Zeit geschuldet, als der Roman geschrieben wurde. Vielleicht war es zu der Zeit bei der Bostoner Polizei so (Erst-VÖ in deutsch: 2002)

Blasse Charaktere, Spannung baut sich langsam auf: keine Unmittelbarkeit der Gefahr. Manchmal liest man nur aus Pflichtgewühl weiter – nicht aus Interesse. Bewertung: Knapp unter einem „soliden“ Krimi.

Die Chirurgin - Tess Gerritsen
Die Chirurgin
von Tess Gerritsen
(139)
eBook
9,99

Spannend und aufregend zu lesen: Paradebeispiel eines Psychothrillers. Nichts für schwache Nerven.

ingo101 , am 29.03.2019

Der 3. Teil der Servaz-Reihe fasziniert von Anfang an mit einer dichten Atmosphäre. Alles zieht einen sofort in seinen Bann. Spannung wird durch eine unterschwellige Drohkulisse erreicht – und indem der Leser über die Worte nachdenkt / begreift / hinterfragt. Genauso wie zu der Beziehung Leser / Christine. Vorwissen aus den anderen Büchern ist kaum erforderlich.

Es schön zu sehen, dass Servaz wieder da ist. Nach den Erlebnissen der Vorgängerbücher, leidet man mit, sehnt sich mit ihm nach Normalität, fragt sich und sinniert mit ihm. Diese Einblicke auf ihn und den anderen Hauptcharakter Christine sind sehr gut ge- und beschrieben. Beide Protagonisten und Nebencharaktere sind gut getroffen und glaubhaft erzählt. Ihre Entwicklung innerhalb der Geschichte (mit dem Hintergrundwissen des Endes) nachvollziehbar und realistisch.

Das Buch fesselt – teilweise konnte ich es nicht aus der Hand legen. Und das, obwohl mir das eine oder andere Mal mehr als mulmig war, nicht nur, weil es grausame Szene beschreibt oder stellenweise brutal ist, sondern weil der psychologische Druck auf die Protagonistin so stark zunimmt, dass es mich beim Lesen mit erdrückt hat. Unglaublich übergreifend wurden diese Passagen geschrieben; lebhaft, ehrlich, glaubwürdig – als würde man in den Kopf von Christine sehen. Dieser Handlungsstrang überwiegt, ein Großteil der Seiten befasst sich damit. Servaz tritt in den Hintergrund.

Während all dieser Seiten merkt man, wie sich Fragen und Gedanken unterbewusst auftun: Wer Servaz aus den Vorgängerbüchern kennt, z.B. wie viel Leid jemand erfahren und erleben muss, um wieder aufzustehen. Oder im Falle von Christine: Wie schnell geht die eigene Selbstbestimmung verloren? Kontrollverlust, Fremdbestimmung bzw. die vermeintliche Notwendigkeit bestimmte Dinge zu tun und dem Drehbuch (anderer) zu folgen?

Kurzfazit:
Nichts für schwache Nerven. Einige heftige Szenen, die dem Leser viel abverlangen. Weniger wegen der Gewalt (die es gibt), sondern vielmehr wegen der Empathie zum Hauptcharakter der Christine.
Spannend und aufregend zu lesen: Paradebeispiel eines Psychothrillers, der einen auch mit der Frage zurücklässt „Was würde man selber in so einer Situation machen?“.

Wolfsbeute - Bernard Minier
Wolfsbeute
von Bernard Minier
(11)
Buch (Paperback)
14,99

Typischer David-Hunter-Krimi, der zum Ende immer besser wird.

ingo101 , am 20.03.2019

Zeitlich nach „Kalte Asche“ angesiedelt erzählt das Buch die Geschichten um Dr. David Hunter routiniert weiter.
Etwas am Schreibstil hat sich verändert. Er ist kürzer, knackiger, mehr auf Dialoge zwischen den Personen ausgelegt. Und es gibt eine Stimme aus dem Off: Der Täter, der Einblicke in seinen Geisteszustand gewährt – distanziert, aus der 2. Person erzählend berichtet er von seinen „Werdegang“.

Seltsamerweise scheint sich der Stil in der zweiten Hälfte zu ändern: Gefühlt liest es sich ab dort wie im ersten Teil der Serie (für mich, der in Reihenfolge liest, ist es der bisher beste). Die Spannung baut sich auf, es knistert und knirscht. Die Atmosphäre wird dichter, der Sog der Geschichte entfaltet sich und zieht immer in seinen Bann.


Fazit:
Die erste Hälfte des Buches liest sich routiniert herunter. Die Spannung fehlt ein wenig, die (Neben)-charaktere bleiben mir zu blass. Ab der Mitte ändert sich das, und die Erzählung wird deutlich besser. Wie einige meiner Vor-Rezensenten geschrieben haben: Ein guter und solider Teil der David-Hunter-Reihe. Es geht besser, aber auch deutlich schlechter.

Leichenblässe. - Simon Beckett
Leichenblässe.
von Simon Beckett
(135)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,90

Erst im letzten Drittel eine dichte Atmosphäre, packende Beschreibungen, spannende Protagonisten und Wendungen

ingo101 , am 17.03.2019

Zum Inhalt:
In einem verfallenen Cottage auf einer abgelegen Insel wird eine verbrannte Leiche gefunden. Mord oder spontane Selbstentzündung? Nach der ersten Begutachtung durch David Hunter stellen sich ihm und seinem Team die Nackenhaare auf: Die verbrannte Leiche liegt offenbar seit Monaten dort. Keiner der Inselbewohner scheint verschwunden zu sein. Irgendetwas merkwürdiges geht auf der Insel vor sich. Und Dr. Hunter wird bald darauf selber Opfer eines versuchten Anschlages. Gleichzeitig sorgt ein starkes Sturmtief sorgt dafür, dass keine Verbindung zum Festland besteht. Weitere Brände brechen aus, Personen, die etwas wissen könnten werden ermordet – die Serie an Merkwürdigkeiten geht weiter. Die eingeschworene Inselgemeinschaft wehrt sich gegen den Verdacht, der Täter käme aus Ihrem Kreis.


Fazit:
Ein seltsames Gefühl bei mir: Ich möchte das Buch mögen - immerhin hat mir der erste Teil sehr gut gefallen, aber irgendwie werde ich zu Beginn des Buches nicht "warm" damit. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber für mich ist das Buch eher ein Krimi mit (anfänglichen) Mystiktouch denn ein Thriller.


Irgendwie fehlt mir die Spannung, die Bedrohung das unterschwellig böse für einen Thriller... die Handlung plätschert dahin und das einzige, was Atmosphäre erzeugt, sind die Beschreibungen und die damit verbundene Immersion in die Geschichte. Gute und nachvollziehbare Beschreibungen lassen mich wieder tief in die Gedanken- und Gefühlswelt von David und den anderen eintauchen, und seine innere Zerrissenheit spüren, die – unterschwellig – fast schon depressiv zu sein scheint.


So überlegt seine Arbeitsmethodik ist, so sehr scheint er zwischenmenschliche Probleme zu haben: das sich aufbauende Spannungsdreieck zwischen seiner beruflichen Tätigkeit und seinem Verhältnis zu Jenny nagt an ihm. Unschlüssigkeit scheint sich ausbreiten. Am Ende des Buches steht die Frage, ob er bereit sei Jenny oder seine Arbeit aufzugeben – beides scheint sich nicht zu vertragen. Der Nebenplot mit ihr geht mir zu schnell, zu durchsichtig, zu, naja, verdrängend – nach dem Motto: es wird schon wieder.
Auf der anderen Seite - mit seiner Vorgeschichte -scheint sein "Grundvertrauen" in fremde Personen, egal ob Mitarbeiter der Polizei oder Zivilist, anscheinend ungebrochen (unbegründet) stark zu sein. Das ist für mich verstörend und ein Bruch in der Logik: jeder wird verdächtig, aber der Verdacht fällt nie auf die, die ihn umgeben.
Die Beschreibungen der Forensik, der Umwelt und Umgebungen, der "zwischenmenschlichen" Aktionen und Hunters' Gedankengänge, sind sehr gut erzählt und meistens nachvollziehbar (siehe oben). Zusammen bauen sie - im Laufe der Zeit - eine bedrohliche Atmosphäre auf, die die Mörderjagd trägt und spannend hält.
Schade finde ich, dass nicht alle Darsteller einen Schlusssatz bekommen haben und der Leser hängen gelassen wird, was mit ihnen passieren wird.


Arbeitet man sich durch das erste Drittel des Romans (gute Erzählweise, aber mäßige Spannung), durchfliegt das mittlere (Spannung baut sich langsam auf, die Geschichte plätschert dahin), erlebt man im letzten Teil des Buches ein furioses Finale: Die Spannung steigt schlagartig je näher die Auflösung kommt. Das Ende ist überraschend, spannend und gut erzählt. Hier wird das Buch vom Krimi zum Thriller.


Der Epilog endet mit einem Cliffhanger: Ich lese die Bücher der Reihe nach, und bin gespannt, wie es weitergeht.

In einem Satz:
Die Geschichte nimmt langsam Fahrt auf, entwickelt sich vom Krimi zum Thriller. Dichte Atmosphäre, packende Beschreibungen, spannende Protagonisten und Wendungen lassen einen das Buch zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen.

Kalte Asche - Simon Beckett
Kalte Asche
von Simon Beckett
(153)
eBook
9,99

Erzählt aus der Ich-Perspektive von David Hunter entwickelt sich ein verwobener, düsterer Thriller, der bis zur Auflösung Spannung, Dramatik und Aufregung bietet.

ingo101 , am 08.03.2019

zum Inhalt:
David Hunter zieht nach einem Schicksalschlag von London in das ländliche Manham, um dort als Hausarzt zu arbeiten und seinen Erlebnissen zu entfliehen.
Mit seiner Ausbildung in forensischer Anthropologie ist er mehr als überqualifiziert, diese behält er allerdings für sich. Aber diese Berufserfahrungen befähigen ihn, der Polizei bei
einer Serie von Entführungen und Morden in dem kleinem Dorf zu helfen. Erst widerwillig, aber junge Frauen werden entführt, ermordet und verunstaltet. Verdächtig ist jeder im Dorf. Die Ereignisse werden für
ihn bedrohlich, als seine neue Freundin ebenfalls zu den Entführten gehört - der Countdown zur (möglichen) Rettung hat begonnen.

Mein erstes Buch der David-Hunter-Reihe und ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt. Besonders hat mir die Atmosphäre und die Charakterzeichnung der beteiligten Personen und Orte zugesagt.
Die Beschreibungen sind so dicht, so natürlich und nachvollziehbar, dass die bedrohliche Kulisse immer im Hinterkopf mitschwingt und sich sogar mit jeder Seite steigert. Durch die ich-Perspektive
erfährt der Leser viel über die Gefühlswelt von David, über seine Motivation. Dieses und die o.g. Beschreibungen sind so glaubhaft und natürlich, dass ich bei einigen der grausamen Beschreibungen
beklemmend und nachdenklich das Buch zur Seite legen und durchschnaufen musste. So sehr hat es mich in die Geschichte versetzt, in den Ort, in die handelnde Person. Gut, dass David nicht
als Über-Held dargestellt wird, den nichts aus der Ruhe bringt, der alles kann und alles schon einmal gesehen hat. Der Leser leidet (hauptsächlich) mit ihm - auch mit den
anderen Personen, die darin verwickelt sind. Erstaunlich wie der Autor es schafft, die handelnden dem Leser so nahe zu bringen, dass man schnell ein Interesse an ihnen entwickelt und
mitfühlt.

Einige Personen sind allerdings ziemlich eindimensional und oberflächlich. Sie bewegt zwar auch eine nachvollziehbare Motivation, bleiben aber an der Oberfläche. Diese Leute sind eigentlich
nicht tragend für die Geschichte und doch führen sie zu Wendungen bei - sie sind also nicht Lückenfüller.


Schade fand ich, dass der Dorfgemeinschaft nicht mehr "Aktionen" gegönnt worden sind. Ich hätte es als Bereicherung empfunden, wenn sie zusätzlichen Druck auf den Protagonisten ausgeübt
hätte(n), speziell der Pfarrer. Die Gemeinschaft wird als misstrauisch, egozentrisch, verschlossen, aber auch verbunden beschrieben. Voller Vorurteile gegenüber David oder anderen Zugezogenen,
die nicht als "gleichwertig" betrachtet, sondern als Fremde angesehen werden - Ideal also für mehr Beschuldigungen und verborgene Feindseligkeit (als ohnehin schon).


Das Ende/der Epilog ist gut geschrieben und lässt nicht viele Fragen offen. Die Auflösung ist logisch nachvollziehbar, ausreichend und befriedigend. Einige Fragen (speziell Gegebenheit
aus der Geschichte) bleiben offen bzw. der Deutung des Lesers vorbehalten.

Erzählt aus der Ich-Perspektive von David Hunter entwickelt sich ein verwobener, düsterer Thriller, der bis zur Auflösung Spannung, Dramatik und Aufregung bietet.

Die Chemie des Todes / David Hunter Bd.1 - Simon Beckett
Die Chemie des Todes / David Hunter Bd.1
von Simon Beckett
(304)
eBook
9,99

schnell, problemlos, kitschig und seicht - gleichzeitig unterhaltsam, lustig und spannend.

ingo101 , am 05.03.2019

Vorab zur Erklärung: Ich mag die NBC-Serie Castle und habe die Vorgängerbücher gelesen; nicht aber die Derrick-Storm-Romane.

Der 9. Band der Nikki-Heat-Reihe setzt direkt nach dem Vorgänger an. Kenntnisse aus diesem und den anderen Büchern der Serie werden mehr oder weniger vorausgesetzt.
Es gibt zwar kurze Erklärungen, die aber nicht ausreichen, um die Verbindungen von Personen oder Ereignissen ausreichend zu erzählen. Kennt man sie nicht, gehen einige Aspekte der Geschichte verloren.

Das Buch lebt von Situationskomik und witzigen (?) Wortgefechten - besonders die Stellen an denen die Storm-Jungs zusammen reiten (sorry für die Wortwahl) oder ein
Familientreffen, das sehr kitschig (und vorpubertär) die Personen agieren läßt. Trotzdem: Es macht Spass zu lesen und fühlt sich an, wie eine längere Episode der Fernsehserie.

Das ist gut - auch, wenn die Wortgefechte manchmal einen Fremdschäm-Faktor beinhalten. Aber, diese Art der Erzählweise macht das Buch sehr zügig und unterhaltsam zu lesen.

Denkt man nicht darüber nach, sondern will sich einfach nur unterhalten lassen... naja, das Buch soll ja auch unterhalten und sich nicht an Kleinigkeiten wie Glaubwürdigkeit, Wahrscheinlichkeit,
Charakterentwicklung(en) stören, ist es ein gutes Buch.

Fazit:
Also, ein tolles Buch, wenn man sich leicht berieseln lassen möchte und Fan ist/die anderen Bücher kennt. Als "Einstiegswerk" in die Buchreihe ist das Werk nicht geeignet. Zum einen
wegen der fehlenden Vorkenntnissen, zum anderen, weil es zu den schnulzigsten der Serie gehört. Es ist eine gute Fortsetzung, die es manchmal auf die Spitze treibt.

Castle 9: Heat Storm - Hitzesturm - Richard Castle
Castle 9: Heat Storm - Hitzesturm
von Richard Castle
(3)
eBook
8,99

 
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