Warenkorb
 

Bewerter

Dr. M. Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 716 (ansehen)


Über mich:
Warum verschwinden andauernd Rezensionen? Oktober: 6, November 3.

Meine Bewertungen

"Kein Mann sollte auf Dauer allein sein. Das ist einfach nicht gut."

Dr. M. , am 12.11.2018

Über den Tod kann man nicht siegen. Er ist endgültig. Juliens große Liebe endete nach fünf Jahren mit dem Tod seiner jungen Frau. Er schafft es kaum, darüber hinwegzukommen. Und nun soll er auch noch seiner toten Helene einen letzten Wunsch erfüllen: Ihr 33 Briefe schreiben und sie ihr auf den Friedhof bringen. In ihren Grabstein hat er extra ein Fach dafür einbauen lassen.

Nach einer Weile verschwinden diese Briefe und an ihre Stelle treten kleine Hinweise. Julien begreift das alles nicht. Der Leser jedoch schon. Dass hier eine andere Frau ihre Hände im Spiel hat, wird schnell klar. Nur welche? Nicolas Barreau macht es seinen Lesern, wohl meistens Frauen, leicht und beschränkt die Auswahl auf genau zwei. Das ist nicht schlimm, denn schließlich schreibt er keine Kriminalromane, sondern romantische Geschichten, bei denen es nicht darauf ankommt, wer der Täter ist, sondern ob die Sache gut ausgeht.

Das ist ihm hier wieder einmal hervorragend gelungen. Da macht es auch nichts aus, dass die Geschichte bei allen Versuchen, sie leicht zu verwirren, doch recht durchschaubar bleibt. Hauptsache, sie endet schön und man kann sich den romantischen Gefühlen, die sie transportiert hingeben. In diesem Sinne kann man den Autor nur beglückwünschen. Er versteht, was seine Leserinnen wollen. Schön geschrieben, aber vielleicht etwas in die Länge gezogen.

Die Liebesbriefe von Montmartre - Nicolas Barreau
Die Liebesbriefe von Montmartre
von Nicolas Barreau
(16)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

"Eine neue Welt wurde geboren"

Dr. M. , am 12.11.2018

Angeblich soll Ryosukes Vater diese überschwänglichen Worte bei der Geburt seines Sohnes deklamiert haben. Bewahrheitet haben sie sich nicht. Ryosuke ist der Held dieses seltsamen Buches. Nun ist japanische Literatur oft etwas spröde, und nicht immer können Mitteleuropäer manch seltsames Verhalten von japanischen Romanhelden wirklich nachvollziehen. In diesem Buch bekommt man es mit einer japanischen Kleingesellschaft zu tun. Sie lebt auf einer kleinen Insel im Pazifik. Dort gibt es einen Berg, ein paar Wiesen und jede Menge Ziegen, die nur gelegentlich bei bestimmten Ritualen getötet und verspeist werden. Die Insulaner leben vom Fischfang und ein wenig Landwirtschaft. Man braucht keinen Laden, keine medizinische Versorgung oder gar eine Ordnungsmacht. Was zu tun ist, bestimmt der "Vorsitzende". Täglich stellt eine Fähre die Verbindung zur Außenwelt her.

Auf dieser Fähre trifft man zu Beginn der Handlung Ryosuke. Er ist mit zwei anderen arbeitsuchenden Menschen auf dem Weg in die pazifische Abgeschiedenheit. Die zwei anderen sollen später angeblich seine Freunde werden, glaubt man dem Klappentext dieses Romans, der im Original etwas frei übersetzt "Insel der Ziegen" heißt. Um die Beziehung der drei Neuankömmlinge geht es jedoch gar nicht. Ryosuke ist nämlich nicht nur auf der Suche nach Arbeit. Er möchte einen ehemaligen Freund seines Vaters treffen und die dramatische Familiengeschichte seiner Eltern verstehen.

Durian Sukegawa versetzt diese Geschichte sicher nicht ohne Absicht in eine abgeschlossene Gesellschaft, die auszusterben droht und immer wieder dabei scheitert, Zuwachs von außen zu gewinnen. Die Traditionen der Inselgesellschaft sind nicht verrückbar und lassen Veränderungen nicht zu.

Wenn es Sukegawa also darum ging, einen solchen Konflikt darzustellen, dann hat er sich die Sache sehr leicht gemacht. Die Insulaner verhalten sich nämlich außergewöhnlich dämlich, sind alle etwas minderbemittelt und rückständig. Dass Traditionen auch einen Sinn haben, zeigt Sukegawa nicht. Selbst in abgeschlossenen Gesellschaften gibt es immer Kräfte, die intelligent genug sind, um notwendige Veränderungen zu verstehen und zu fordern. Ob sie sich schließlich durchsetzen können, ist eine andere Frage. Ein solcher Konflikt existiert aber auf Sukegawas Insel nicht. Er wird lediglich von außen importiert.

Manch Leser glaubt auch, in dieser Geschichte den Versuch der Selbstbefreiung Ryosukes zu sehen. Aber auch diese Variante, das Buch zu interpretieren, überzeugt wenig. Sukegawa lässt seinem Helden zwar den kleinen persönlichen Erfolg, von dem jedoch niemand erfahren wird, wenn man sich mit dem rätselhaften Ende der Geschichte abfindet. Immerhin ist dieses Ende offen, aber es wirkt hilflos.

Unabhängig davon schreibt Sukegawa sehr schön. So kann man sich von dieser sonderbaren Geschichte einigermaßen unterhalten fühlen, so lange man sich nicht fragt, was uns der Dichter nun eigentlich sagen wollte.

Die Insel der Freundschaft - Durian Sukegawa
Die Insel der Freundschaft
von Durian Sukegawa
(7)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Gut zu wissen: "Nichts verabscheuen echte Gespenster so sehr, wie einen Menschen, der niest"

Dr. M. , am 12.11.2018

Sylvester konnte nicht ahnen, auf wen er bei seiner Flucht aus dem Waisenhaus treffen würde. Die Nacht war dunkel und der stürmische Regen peitschte durch seine eh schon klatschnassen Klamotten. Als er am Waldrand Licht sieht und so auf eine einsame Hütte trifft, hofft er auf Rettung vor Dunkelheit, Kälte und Nässe…

Ein fast schon klassischer Beginn für eine Gruselgeschichte. Doch ganz so gruselig wird sie dann doch nicht. In der Hütte wohnt ein alter Mann, der Gespenster von Krankheiten kuriert. Auf eine solche Idee muss man als Autor erst einmal kommen. Das hinter dem Pseudonym auf dem Cover steckende Münchner Autorenpaar entwickelt daraus eine eher nette Geschichte für Kinder ab zehn Jahren, bei der man sich nicht unbedingt die Fingernägel abkauen wird, weil sie erstens gut ausgeht und zweitens auch einen gewissen Humor verbreitet.

Auch wenn man aus der Idee vielleicht mehr hätte machen können und das Ende eher unbefriedigend ausfällt, so bleibt dennoch ein nettes Buch, das auch haptisch überzeugt. Vielleicht hätten ihm einige Illustrationen gut getan. Gespenster geben das schließlich immer her.

Sylvester und der Gespensterdoktor - Nicholas Cornelius
Sylvester und der Gespensterdoktor
von Nicholas Cornelius
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,00

"Außergewöhnliche Herausforderungen"

Dr. M. , am 12.11.2018

Mit dem Wort Herausforderung umschreibt man dem Zeitgeist folgend eigentlich immer ungelöste Probleme. Jedenfalls benutzen Politiker dieses Wort gerne auf diese Weise, um Fehlschläge positiv erscheinen zu lassen. In diesem Kalender geht es jedoch um sportliche Herausforderungen im weitesten Sinne. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob es sich bei diesen Herausforderungen um ziemlich sinnlose Mutproben, sportliche Höchstleistungen oder Schwachsinn handelt. Oder um alles gleichzeitig. Alles organisiert von RedBull.

Denn Sport zu fördern, ist ohne Zweifel eine gute Tat, die man dem Konzern hoch anrechnen kann. Dabei legt RedBull aber eher weniger den Schwerpunkt auf den Breitensport, sondern mehr auf werbewirksame Sportarten wie Fußball oder die Formel Eins. Oder eben auf Minderheiten-Extrem-Wettbewerbe. RedBull verleiht schließlich Flügel. Man wünscht den Akteuren die Sicherheit, zu wissen, was sie da gerade so tun.

Im Januar kraxelt man den Aufsprunghang der Großschanze von Harrachov hinauf. Um die Wette, versteht sich. Im Februar geht es mit dem Fahrrad im Affenzahn steil abwärts durch einen dichten Wald. Da wird im Ernstfall auch der Helm nicht mehr helfen. Der März zeigt einen Wakeboarder, wie er über einen Fluss fliegt. Immerhin ist da wenigstens die Notlandung etwas weicher. Bei der Air Race Challenge geht es meines Wissens um eine Art Hindernisflug überm Wasser mit kleinen Flugzeugen. Das zeigt uns der April. Im Mai muss ein Freerider sein Fahrrad durch unwegsames Gelände auf Island schleppen. Windsurfing an Südafrikas Küsten ist dagegen ein Vergnügen (Juni). Der Juli zeigt die Kletterin Eiter, die schon 9b-Routen bezwungen hat. Wakeboarden ist im August das eher harmlose Thema, während es im September dann völlig grenzwertig wird: Eine Kanutin stürzt sich mit samt ihrem Fahrzeug durch ein Felsloch in einen reißenden Strom. Liebe Kinder …

Im Oktober kommt dann das wohl beste Foto. Es zeigt eine Montage wie Max Stöckl in der Atacama-Wüste über eine Schotterpiste mit fast 168 Sachen zu Tale rast. Auf dem Radl selbstverständlich. Das sieht so aus, als ob da eine Karawane durchzieht, aber es ist der gute Max immer wieder talwärts fotografiert und dann überlagert. Wirklich sensationell. Aber was soll uns das eigentlich beweisen?

Bei November-Bild kann man sich dann wieder erholen, denn dieses Foto ist total statisch, obwohl es Carlos Sainz jr. bei einem Rennen gegen seinen Vater zeigt. Der Junior wurde nur sitzen in seinem Fahrzeug fotografiert. Letztlich ist auch das abschließende Dezember-Bild nicht aufregend. Es zeigt Angel Collinson beim Bergabfahren auf einer weißen Schneefläche in gähnender Leere. Ein schönes Bild, vielleicht auch, weil es völlig ungefährlich aussieht.

Egal, wie man nun zu dieser Art von Herausforderungen oder zu RedBull steht – dieser Kalender enthält einige wirklich gute Fotografien. Leider sind auch einige weniger interessante dabei, etwa so, als ob sich die Macher nicht entscheiden konnten, was sie nun wirklich wollen: dynamische, rasante Fotos oder die Darstellung der RedBull-Wettbewerbe.

Beyond the Ordinary 2019
Beyond the Ordinary 2019
(3)
Kalender
25,00

"Aquarelle der Natur"

Dr. M. , am 12.11.2018

Die Natur malt gewöhnlich nicht, schon gar nicht mit Wasserfarben. Wenn man sich jedoch die Luftaufnahmen in diesem Band ansieht, dann sehen manche tatsächlich wie abstrakte Kunst aus. So, als hätte sie jemand mit einem sicheren Gefühl für Ästhetik erzeugt. Die Wahrheit sieht natürlich etwas anders aus. Denn es sind eigentlich Michael Poliza und sein unglaublich sicherer Blick für solche Ausschnitte aus der Natur, die bei uns erst diesen Eindruck erzeugen.

Wenn man nach Island kommt, dann trifft man auf nordisches Licht, Leere (abgesehen von touristischen Sammelstellen) und gedeckte Farbtöne. Alles zusammen ergibt etwas Einzigartiges. Diese Welt wirkt fremd. Aber sie besitzt gleichzeitig eine seltsame Attraktivität, von der man nicht mehr losgelassen wird. Wenn jemand dies in Szene setzen kann, dann Michael Poliza, wohl einer der ungewöhnlichsten Naturfotografen der Welt. Fast jedes seiner Bilder könnte man sich großformatig an die Wand hängen. Blicke würden immer daran hängen bleiben und sich lange nicht lösen können.

Man solle Island auf eigene Faust entdecken, nicht mit dem Reisebus, heißt es im Buch. Das ist abgesehen vom Zeitaufwand nicht ganz so einfach und verlangt etwas Abenteuergeist. Man sollte ein Fahrzeug mit Allradantrieb benutzen und die App 112 Iceland auf seinem Smartphone haben, damit man in Notfällen geortet werden kann. Ungeführte Offroud-Touren jenseits befestigter Wege sind inzwischen auf der Insel verboten. Das erfährt man in den wenigen kurzen Textteilen dieses eindrucksvollen Buches, das von Island einen Eindruck vermittelt, den viele Reiseführer mit ihrer praktischen Sachlichkeit nicht erzeugen können. Schon allein, wenn man die Luftaufnahmen der Hauptstadt betrachtet, bekommt man eine so klare Vorstellung von Reykjavik, wie ich sie noch nirgends gesehen habe.

Die Texte stammen übrigens vom Stern-Redakteur Christian Krug und runden dieses Buch hervorragend ab. Die Einzigartigkeit Islands führte in den letzten Jahren zu einem Anstieg des Tourismus, der kaum noch zu verkraften ist. Leider gehen die Isländer mit ihm so um wie ihre ehemaligen Banken mit Krediten kurz vor der Finanzkrise 2008. Bleibt also zu hoffen, dass sie nicht auch noch ihre unvergleichbare Natur in den Bankrott führen. Immerhin kommen auf die ungefähr 350.000 Isländer sechs Mal so viele Touristen im Jahr, die sich dann an wenigen Stellen herumdrängeln. Im Sommer wandern mehr Fremde auf Island umher als dort Einheimische leben. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Dazu im Kontrast steht, dass dieses schöne Buch zwar diesen Zustand beschreibt, gleichzeitig aber eine ungeheure Lust auf diese Inseln erzeugt, wenn man schlechtes Wetter oder den Norden überhaupt mag.

Island - Michael Poliza, Christian Krug
Island
von Michael Poliza
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
39,90

Wir schaffen das: der große Plan, den es angeblich nicht gibt

Dr. M. , am 12.11.2018

Unter Kulturmarxismus kann sich der gewöhnliche Zeitgenosse nicht viel vorstellen. Daran ist sicher auch dieser schlecht gewählte Begriff selbst schuld, hinter dem nichts anderes steckt als die Ideologie der 68er-Bewegung. Sie entstand allerdings bereits lange vor 1968. Inzwischen ist sie so etwas wie eine Staatsdoktrin geworden, was man allein daran merkt, dass Abweichungen von ihr mit Zuweisungen in die rechte Ecke geahndet werden. Es gibt (wie bei einer Staatsdoktrin) nur noch eine richtige Sichtweise, die inzwischen auch Eingang in europäische und deutsche Gesetze und Bestimmungen gefunden hat.

Nach dem Verständnis von Marxisten ist der Kommunismus die lichte Zukunft der Menschheit. Als die Große Sozialistische Oktoberrevolution 1917 in Russland siegte, begann diese lichte Zukunft. Allerdings dauerte die Illusion nicht sehr lange. Spätestens mit Stalins physischer Ausrottung der russischen und ukrainischen Klein- und Mittelbauern und den sich daran anschließenden Hungersnöten in den 1930er Jahren wurde den meisten linken westeuropäischen Intellektuellen deutlich vor Augen geführt, dass der sowjetische Weg zum Kommunismus nicht besonders attraktiv ist. Sozialistische Revolutionen waren bereits vorher in Westeuropa gescheitert.

Aus dieser Situation heraus entstand eine neue Illusion, die man heute mit dem Begriff Kulturmarxismus umschreibt. In diesem sehr gut geschriebenen Buch erklärt sein Autor die Grundzüge dieser Ideologie, die mit dem "langen Marsch durch die Institutionen" einen beispielhaften Sieg errungen hat. Mancher Zeitgenosse behauptet, die Medien in Deutschland seien inzwischen gleichgeschaltet. Doch es fehlt eine fassbare Macht, die dies erzwungen haben könnte. Tatsächlich kam diese Gleichschaltung ganz freiwillig aus den Medien selbst, eben weil sich dort die Vertreter des Kulturmarxismus durchgesetzt haben.

Ähnlich wie die bolschewistischen Berufsrevolutionäre in Russland geht der Kulturmarxismus davon aus, dass die Menschheit von einer Gruppe elitärer Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden muss. Es soll eine neue paradiesische Gesellschaftsordnung aufgebaut werden, in der es keine Familien und Nationen, Rassen oder schlimme sexuelle Einfalt mehr gibt. Denn all diese traditionellen Strukturen oder Daseinsformen führen aus der Sicht der Kulturmarxisten stets zum Faschismus.

Ganz so direkt sagt man das zwar inzwischen nicht mehr. Wenn man diese Sichtweise und die dahinterstehende Denklogik seiner Vertreter erst einmal verstanden hat, dann ergibt sich ganz zwangsläufig die Unterteilung der Welt in moderne, bunte , vielfältige oder sonst irgendwie toll definierte Ansichten, die immer richtig sind, und in die Restmenge, die braun, dunkel, rückständig und schädlich ist, und deshalb mit aller Härte bekämpft werden muss.

Wer das im Detail verstehen möchte, sollte zu diesem Buch greifen. Hat man erst einmal das System verstanden, das sich kurz vor seinem Endsieg wähnt, dann erschließen sich sofort all die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Zeit in einem ganz anderen Licht. Sie werden in ihrer kulturmarxistischen Logik völlig klar. Der Kulturmarxismus und seine Anhänger werden selbstverständlich (wie alle sozialistischen Denkmodelle) letztlich praktisch scheitern, weil ihnen ein komplettes Unverständnis der Triebkräfte menschlichen Verhaltens gemein ist. Auf diesem Weg des letztlichen Scheiterns werden jedoch stets ganze Gesellschaften um ihren Wohlstand beraubt.

Am Ende seines sehr erhellenden Textes versucht der Autor dies deutlich zu machen. Allerdings ist dies der schwächere Teil eines hervorragenden Buches. Zwischen der Erklärung der kulturmarxistischen Durchdringung der bundesdeutschen Gesellschaft und der Prognose ihres Scheiterns liegt jedoch noch die Beschreibung einer anderen Gruppe, für die die Kulturmarxisten nur nützliche Schwachköpfe sind. Gemeint sind Teile der internationalen (besser amerikanischen) Finanzeliten. Inzwischen besitzen einige wenige dieser Leute so viel Kapital, wie früher ganze Staaten oder Staatengruppen. Und sie benutzen dieses Kapital zur Veränderung der Welt in ihrem Sinne. Ein besonders gut zu beobachtender Vertreter dieser Wenigen ist der Milliardär George Soros, der über die Finanzierung zahlreicher sogenannter NGOs einen großen Teil der sogenannten weltweiten Flüchtlingsbewegung am Laufen hält. Auch das wird im Buch sehr gut erklärt.

Benjamin Kaiser schreibt: "Die Auflösung traditioneller Bindungen und Solidargemeinschaften, von der Familie bis zum Volk, ist mehr als ein Programmpunkt auf der kulturmarxistischen Agenda. Mit der Auflösung dieser Bindungen entsteht nämlich keine Freiheit, …, sondern eine neue Form der Tyrannei. Menschen, die sich weder einer Familie, einer Religion, noch einer Nation mehr zugehörig fühlen, sind der neuen Ideologie gänzlich verfügbar. Ihr neues Weltbild ist rein materiell und egoistisch auf eine Art Nutzen-Kosten-Rechnung fokussiert."

Und weiter: "So entsteht mit dem neuen bindungslosen Menschen eine ökonomisch durchrationalisierte, globale Effizienzgesellschaft. In dieser schönen neuen Welt wird der Einzelne zum atomisierten, urbanen Konsumenten. Er wird, …, zunehmend von sozialen Transferleistungen abhängig und damit zum Spielball staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen." Das jedenfalls ist die Perspektive der Globalisten.

Mit ziemlicher Sicherheit wird keine der beiden Vorstellungen sich letztlich durchsetzen. In das erzeugte gesellschaftliche Vakuum wird viel wahrscheinlicher eine gut strukturierte Gruppe stoßen, nämlich vorhandene islamische Gesellschaften, die sich auf deutschem Boden schon parallel entwickeln und das ganze Gegenteil der Vielfältigkeitsillusion der Kulturmarxisten durchsetzen wird. Auch das macht der Autor in seinem Buch deutlich.

Kurz gesagt: Wer die Entwicklungen der letzten 25 Jahre in Deutschland und Teilen West- und Nordeuropas wirklich verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Kulturmarxismus - Benjamin Kaiser
Kulturmarxismus
von Benjamin Kaiser
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,90

War klar: Die Gabe ist ein Fluch

Dr. M. , am 09.11.2018

Ohne weitere Erklärungen beginnt die Autorin ihr drittes Buch am Cliffhanger des Vorgängerbandes. Das setzt ein gutes Gedächtnis beim Leser voraus, denn das Erscheinungsdatum des zweiten Bandes liegt schon einige Zeit zurück. Dennoch kommt man erstaunlich schnell wieder in die laufende Handlung. Hannah befindet sich nun auf der Flucht. Und mit ihr ihre Gruppe unter Führung von Raphael. Dazu gesellt sich merkwürdigerweise auch Valentins Truppe.

Sie werden nun vom Chef dieser Akademie verfolgt, denn der braucht Hannah als Verjüngungskur und Kraftspende. Und so zieht sich diese Flucht durch den ganzen letzten Band, der dann schließlich mit einem dramatischen Showdown endet. Zwischendrin Liebeswirrwarr im Dreiecksverhältnis mit dazu gehörigem Zickenstress.

Nach meinem Eindruck war der zweite Band der eigentliche Höhepunkt dieser Geschichte, weil es der Autorin dort gelang, das erzählerische Netz gut aufzuspannen und Dynamik in die Handlung zu bringen. Der letzte Band hingegen enthält das übliche Problem solcher mehrbändigen Romane: Man weiß inzwischen, was die Stunde geschlagen hat und wartet nur darauf, wie die Geschichte ausgeht. Das aber zieht sich hier ziemlich in die Länge. Eigentlich - so konnte man es jedenfalls erwarten - besitzt Hannah die größte Kraft von allen, vielleicht mit Ausnahme der beiden obersten Ausbilder. Da es zum finalen Drama aber erst am Ende des Buches kommen kann, muss sich Hannah kraftlos mit laschen Erklärungen durch den ganzen letzten Band schleppen und obendrein auch noch den kontrollsüchtigen Raphael ertragen.

Ihr letztendlicher Kraftausbruch kommt also zwar erwartungsgemäß, aber ziemlich überraschend, wenn man ihr müdes Verhalten bis zu diesem Punkt betrachtet. Kurz gesagt: Ich fand diesen Abschlussband gelegentlich langweilig und nicht unbedingt schlüssig. Für ein Mädchenbuch geht es dabei übrigens ungewöhnlich brutal zur Sache. Aber recht unterhaltsam war er bis auf gelegentliche Längen dennoch.

Aura 3: Aura – Der Fluch - Clara Benedict
Aura 3: Aura – Der Fluch
von Clara Benedict
(12)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,00

Was für eine Show: "Weihnachten wird immer anders als man denkt"

Dr. M. , am 09.11.2018

Beim Anblick des Covers könnte man auf die Idee kommen, es handle sich bei diesem Buch um eine der üblichen seichten romantischen Weihnachtsgeschichten, die man so gerne in der dunklen Jahreszeit liest oder ansieht. Doch der Titel ist ironisch gemeint. Und mich wundert es nicht, dass französische Buchhändler diesen Roman im vergangenen Jahr zu ihrem Lieblingsweihnachtsbuch auserkoren haben.

Die Geschichte beginnt in Heathrow. Ein Schneesturm hat den Flugverkehr lahmgelegt. William, ein Londoner Kunsthändler, muss dringend nach Frankreich, um einen wichtigen Termin wahrzunehmen. Die Schwestern Scarlett und Melie kommen nicht mehr zu ihrer Mutter über den Kanal. Weihnachten droht auszufallen, was besonders nach dem Tod des Vaters eine mittlere Tragödie ist, denn er fehlt allen. In ihrer ohnmächtigen Wut verirrt sich Scarlett in die Männertoilette, wo sie mit William zusammentrifft, der das ganz reizend findet.

Um es kurz zu machen: Weihnachten findet dann bald bei William statt, der in Kensington wohnt, wohin sich später auch seine bekloppte Familie nach einem Wasserschaden bei sich zu Hause flüchten wird. Das aber ahnt der gute William noch nicht als er Scarlett und Melie zu sich einlädt. Wie so oft zum Fest entfesselt sich der jahrelange Kommunikationsstau in seiner Familie als es wegen der beiden jungen Damen zu einigen unerwarteten Komplikationen im üblichen Ablauf kommt, bei deren Diskussion dann unerwartet und schlagartig alle Dämme brechen.

Diese verrückte, aber liebenswerte Geschichte wird von Lucie Castel sehr schwungvoll erzählt. Melie, Sexualtherapeutin für Schwierigkeiten beim Verkehr, die man selbstverständlich jederzeit anrufen kann, sorgt für katalytische Zündfunken und William für den englischen Humor. Daraus entsteht eine romantische Liebeskomödie, die keineswegs kitschig daherkommt, sondern witzig und bei aller Zuspitzung auch immer noch einigermaßen realistisch ist.

Weihnachten wird wunderbar - Lucie Castel
Weihnachten wird wunderbar
von Lucie Castel
(3)
Buch (Paperback)
15,00

" … lernen, erfolgreich das kritische Denken ihrer Mitmenschen zu umgehen"

Dr. M. , am 09.11.2018

Liest man sich die Rezensionen zu diesem Buch durch, dann scheint Timon Krause ein Meister darin zu sein, dass kritische Denken seiner Leser auszuschalten. Und vermutlich haben diese Leser auch seine Anweisungen befolgt, die man nach jeder Lehrstunde findet. Merkwürdigerweise erfährt man in den Lobpreisungen nichts über die Erfolgsquote bei diesen Versuchen. Oder darüber wie oft seine schwer begeisterten Leser ihre Partner oder Freunde mittels Gedankenlesens durchschaut haben. Von Manipulationen ihrer Mitmenschen mal ganz abgesehen.

Krauses Buch ist in der Tat nicht schlecht. Wer sich ein wenig mit den Themen beschäftigt hat, die er in seinen Lehrstunden mehr oder weniger nur anreißt, der wird jedoch kaum Neues in diesem Buch finden. Die Zusammenstellung ist allerdings etwas ungewöhnlich, weil sie neben der üblichen Analyse der Körpersprache auch Manipulationstechniken und Methoden umfasst, die helfen, den eigenen mentalen Zustand zu verbessern. Der Text selbst besitzt starke manipulative Züge, was natürlich nicht verwunderlich ist. Krause lebt von seinen Shows. Und die leben von manipulativen Techniken. Das fasziniert Menschen. Einerseits, weil sie nicht sofort verstehen, wie diese Techniken funktionieren. Und andererseits, weil sie das auch gerne können möchten. Manipulationen verleihen eine scheinbare Macht, die man auch gerne hätte. Doch Zirkus hilft im wahren Leben nicht wirklich.

Um der Gefahr zu begegnen, missverstanden zu werden: Selbstverständlich funktionieren die in diesem Buch vorgestellten Techniken im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wenn man sie tatsächlich beherrscht. Immerhin ist Krause so ehrlich, um zuzugeben, dass man sie nur durch mannigfaches Üben praktisch erlernen kann. Ich möchte bezweifeln, dass seine begeisterten Anhänger seinen Anweisungen wirklich folgen werden. Und noch etwas: Niemand kann die Gedanken anderer lesen. Und in diesem Buch gibt es dazu auch keine Techniken. Der Untertitel ist also auch nichts weiter als eine geschickt formulierte Manipulation. Wer will schon bestreiten, dass "wer Gedanken liest, klar im Vorteil ist"? Diese Aussage suggeriert, dass man in diesem Buch dazu Techniken findet, was jedoch nicht der Fall ist.

Krauses "Gedankenleserei" bedeutet nichts weiter als das Deuten von Körpersprache und einigen anderen Nebeninformationen. Liest man seine Auslassungen dazu mit kritischem Abstand, dann fällt immer wieder auf, dass er vor falschen Schlüssen warnt. Körpersprache ist erstens nicht für jeden leicht zu entschlüsseln und zweitens nicht immer eindeutig, weil man als Außenstehender oft nicht den ganzen Kontext kennt. Tiere kommunizieren mit uns über die Sprache ihres Körpers und sie deuten unsere Körpersprache. Dabei geht es um ganz einfache Zusammenhänge, die weit unter dem Niveau liegen, das in diesem Buch für Menschen erklärt wird. Und dennoch scheitern die meisten Hundebesitzer bereits an dieser Aufgabe.

Beim Deuten der menschlichen Körpersprache in diesem Buch geht es immer nur darum, Abweichungen von der sogenannten Baseline, also dem Normalniveau unseres Verhaltens, festzustellen. Man muss also zunächst einmal erfassen, wie sich der beobachtete Mensch im Normalzustand verhält, um dann aus eventuellen Abweichungen beispielsweise auf Lügen zu schließen. Hat man diese "Baseline" also identifiziert, dann muss man es innerhalb einer normalen Lebenssituation, in die man durch Interaktion auch irgendwie verwickelt ist, schaffen, nebenbei auch noch verräterische Abweichungen zu erkennen, die (wie Krause nicht müde wird zu betonen) keineswegs immer eindeutig sind. Kommt dazu noch die Suche nach verräterischen Mikrobewegungen im Gesicht, dann ist der Normalbürger schnell überfordert, weil die Anzahl der zu beobachtenden Parameter für Ungeübte einfach zu groß ist.

Die vielen zukünftigen Mentalisten haben jedoch sicher inzwischen alle die geforderten drei Personen pro Woche hypnotisiert, sich das Rauchen abgewöhnt, ihre Spinnenphobie entsorgt und sich allerhand gute Angewohnheiten antrainiert. Sie erkennen inzwischen die Manipulationsversuche sämtlicher Gebrauchtwagenhändler oder Politiker und haben darüber hinaus ein Mega-Gedächtnis. Das alles und noch viel mehr bringt Krause seinen Lesern in diesem Buch bei. Oder er lässt sie besser im Glauben, man könne das so einfach nebenbei schnell erlernen. Und wenn sie es nicht bringen, dann kann es nur an ihnen gelegen haben. Wenn man genügend Bücher dieser Art gelesen hat, wird man feststellen, dass diese geniale Methode dort Standard ist.

Immerhin ist Mentalist Krause auch auf Manipulatoren hereingefallen. Und zwar schon zu Zeiten seiner Shows. Na ja, da war ein wenig müde und hatte nur ein dummes Gefühl, was ihn eigentlich hätte alarmieren müssen. Denn schließlich lehrt er in seinem Buch, dass unser Unterbewusstsein uns fast immer warnt, wenn etwas bedrohlich sein könnte. Nur wenn es ihn selbst betrifft und nicht zur Show gehört, dann hört er plötzlich nicht zu. Irgendwie lustig.

Kurz: Das Buch enthält zahlreiche Techniken, die einem helfen können, in vielen Situationen besser dazustehen. Allerdings muss man sie intensiv üben und vor allem muss man dabei entspannt sein. Krause hat das geschafft, weil es seine Leidenschaft war, die er zu seinem Beruf gemacht hat. Der Erfolg dieses Buches zeigt, dass Krause angekommen ist, denn seine Leser glauben offenbar, dass sie mit Leichtigkeit und hoher Geschwindigkeit bald auf seinem Niveau angekommen sein werden. Es ist wirklich witzig zu sehen, wie so etwas immer wieder funktioniert.

Du bist Mentalist! - Timon Krause
Du bist Mentalist!
von Timon Krause
(4)
Buch (Taschenbuch)
18,00

Helen Jukes, die Bienen und dazu noch etwas Esoterik

Dr. M. , am 09.11.2018

"Ich habe mir vorgestellt, dass ich die Bienen kennenlernen könnte, wenn ich mir einen Bienenstock zulegen würde – verstehen, was sie sind und in welcher Verbindung sie zu ihrem Umfeld stehen. Vielleicht, hatte ich gedacht, könnte das etwas Therapeutisches haben."

Diese Sätze, die man kurz vor dem Ende dieses Buches findet, wiederspiegeln die Beziehung leidender Menschen zu ihrer Umgebung. Sie beziehen alles auf sich und glauben, Heilung dort zu finden, wo sie nicht ist. Heilung geschieht im Inneren, und dort, also bei sich selbst, muss man die Kraft dafür suchen. Helen Jukes Gedankengang war jedoch anders. Endlich – so glaubte sie – war sie etwas sesshaft geworden. In einem Reihenhaus, etwas abseits von London und offenbar nicht besonders heimelig, wollte sie zur Ruhe kommen.

In so einem Bienenstock herrscht Ordnung, dachte Helen vermutlich. Und vielleicht kommt mit den Bienen auch etwas mehr Struktur in ihr eigenes Leben. Aber: " … etwas tatsächlich zu erfahren, ist immer etwas anders als unsere Vorstellung davon", schlussfolgert sie am Ende dieser Erfahrung. Und weiter: "Wenn ich an die letzten Monate zurückdenke, verblüfft mich in Wahrheit häufiger der Eindruck von Verwirrung und Unruhe, der mich unter dem Deckel erwartete, als irgendeiner erkennbaren Ordnung."

Dennoch haben die Bienen Helen Jukes geholfen. Natürlich nicht mit irgendeiner bewussten Absicht, denn schließlich ist die gute Helen den Bienen völlig egal. Aber Helen hatte genug zu tun und viel Stoff, um sich aus ihrer Selbstverkapselung zu befreien, die aus Einsamkeit erwächst, wenn man außer einer unbefriedigenden Arbeit keine Abwechslung um sich herum hat. Dann drehen die Gedanken ihre unendlichen Spiralen und werden schnell zu einer scheinbaren Realität, die diesen Prozess immer mehr beschleunigen, bis er nur noch unter enormen Schwierigkeiten oder gar nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Man findet also in diesem Bienenbuch Zweierlei: Helen Jukes Tagebuch der Selbstbefreiung und eine gewisse Anleitung zum Imkern. Letzteres sogar mit Literaturangaben. Der praktische Teil hält sich allerdings in Grenzen. Vielmehr lernt man etwas über die Geschichte des Imkerns und die Biologie von Bienenvölkern.

Vielleicht hat Jukes Beschäftigung mit den Bienen ihr wirklich dauerhaft einen Weg geöffnet, sich nicht ständig mit sich selbst zu befassen und ihre Probleme auf alles Mögliche in ihrer Umgebung zu projizieren. Wer sich mit sinnvollen Dingen konzentriert befasst, wir eher selten von seinem Verstand in die Irre geführt. Ohne eine ausreichende Beschäftigung kommt der eigene Kopf eigentlich immer nur auf dumme Gedanken.

Sich Bienen als "Haustiere" zu halten, ist geradezu ideal: Sie sind klein, sehr nützlich, halten einen auf Abstand und machen dennoch genug Arbeit, wenn man sie bei sich behalten möchte.

Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen - Helen Jukes
Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen
von Helen Jukes
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

 
zurück