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Meine Lieblingsbuchhändler

Bodo Volle
aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen

Gesamte Empfehlungen 18 (ansehen)

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Alter:
47 Jahre
Abteilung:
Taschenbuch
Lieblingsautoren:
Edward Abbey, Joe Lansdale, Martha Gellhorn, Martin Amis, Dorothy Parker, Ulf Torreck/David Gray, Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Hunter S. Thompson, Salman Rushdie
Im Beruf seit:
1994
Das beste Buch aller Zeiten:
Der Graf von Monte Christo

Meine Empfehlungen

If you're still in need for something to read:

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 17.10.2020


"You've read the story of Jesse James
Of how he lived and died;
If you're still in need
Of something to read,
Here's the story of Bonnie and Clyde."





Wer kennt sie nicht, das tragisch-romantische Gangsterpärchen, die Bella-und-Edward der Depressionsära? Mit wechselnden Kumpanen machen beide eine Zeitlang den Südwesten unsicher, überfallen Banken und Geschäfte und töten auch mal den ein- oder anderen - tragisch, aber die Zeiten sind hart! Immer wieder schlüpfen sie den ihnen nachjagenden Häschern durch die Maschen des von diesen ausgeworfenen Netzes, unter Anderem weil Clyde vor allem Autos von Ford klaut, die den oft zu langsamen Polizeifahrzeugen - die Ausrüstung der Cops war in jeder Hinsicht beklagenswert - locker davon rauschten.

Bis dann die Gesetzeshüter den Plan mit dem Hinterherfahren aufgaben und einfach - schwerbewaffnet - an der Strasse warteten, bis die Reichtumsumverteiler mit ihrem Ford an ihnen vorbeifuhren. Dann verschossen sie einen Großteil der in weiser Voraussicht mitgeführten Munition, und das wars dann!
Am Ende sind sie also beide tot, und auch das Auto wurde nachhaltig seiner Fahrtüchtigkeit beraubt.



"Some day they'll go down together;
And they'll bury them side by side;
To few it'll be grief
To the law a relief
But it's death for Bonnie and Clyde."
-Bonnie Parker -


Neben John Dillinger - der währen und nach seiner Zeit ein sehr ähnliches Schicksal erlitt wie unser Dou Infernale - waren Bonnie & Clyde Inc. Die berühmtesten Verbrecher ihrer Zeit. Was vor allem den Medien - der Zeitung - zuzuschreiben war. Als sie - noch warm - tot in ihrem Auto lagen versuchten Schaulustige bereits irgendwelche Souvenirs zu ergattern, und kleinere Körperteile wie zB ein Finger gehörten selbstverständlich dazu. Auch um Dillinger gab es ein ähnliches Brimborium..... Kaum ein anderer Verbrecher hatte jemals eine bessere Presse - außer diesem Typen in England, dessen Name auch mit den Depressionsgangstern immer wieder in Verbindung gebracht wurde.

Ein anderer Aspekt für ihren medialen Erfolg ist sicherlich die Zeit. Die Depression machte viele Leute ungerechter Weise sehr arm, beraubte sie all ihrer Habe, da waren natürlich Leute die dieses System angriffen und sich etwas zurückholten viel sympathischer als zum Beispiel die Polizei.
Und wer kann schon einer tragischen Geschichte um junge Liebende widerstehen?

Ansonsten war an den beiden so garnichts Interessant!

Die Zeiten trieben viele Menschen über die Armut in die Kriminalität, allerdings tatsächlich wenige mit dieser auch das eigene Leben missachtenden Konsequenz.

Das vorliegende Buch möchte ein Sachbuch sein, es möchte sachlich über die Ereignisse und die Beteiligten aufklären.
Warum?
Was interessiert uns heute ein Gangsterpärchen, dessen Legende (Klischee) längst alle Wahrheiten überschattet?

Und die Umstände machen es schwer, nicht Position zu beziehen - und der fast krampfhafte Versuch das trotzdem zu tun ist einer der größten Schwachpunkte dieses Buchs.

Als Sachbuch ist es auch gerade was die Beschreibung der Hintergründe und der diese begünstigenden Zeit viel zu fragmentarisch, ein Gesamtportrait und eine Analyse der Zeit an sich wäre vermutlich spannender gewesen.

Viel erfreulicher wäre unter Umständen auch ein "von Bonnie & Clyde inspirierter" Roman gewesen, eine auf Tatsachen beruhende und doch fiktive von der Autorin durch eigene Schwerpunkte bereicherte spannende Geschichte - womit sie sich zwar in eine lange Schlange einreihen müsste, andererseits aber unter Umständen den Personen und ihren Motiven näher gekommen wäre als das in einem ausschließlich Fakten wiedergebenden Sachbuch möglich ist.

So schwankt die Autorin zwischen sachlicher Schilderung, Mitleid mit dem Opfern und einer gewissen.... verständnisgeschwängerten Bewunderung für die Outlaws, und lässt den Leser mit einem etwas schalen Nachgeschmack auf der Zunge zurück


Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall - - Michaela Karl
Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall -
von Michaela Karl
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Ein herausragender Abenteuerroman

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 17.10.2020

Dieses wahrhaft herausragende Werk ist weder ein historischer Krimi noch ein Wildwestroman! Es ist ein Abenteuerroman!

Ein Abenteuerroman beschreibt in der Regel - von der es natürlich Ausnahmen gibt - die Reise eines oder mehrerer Protagonisten. In vielen Fällen, von Karl May bis Rider Haggardt sind die Ereignisse auf dieser Reise, die Abenteuer, der zentrale Punkt der Erzählung. In dem hier vorliegenden Buch allerdings - und hier sei Joseph Conrad als anderes Beispiel genannt - ist das Innenleben des Protagonisten die treibende Kraft, sowie der Veränderungen seines Verhaltens und seines Charakters, die durch die Eindrücke der Reise ausgelöst werden.

Auch der hier vorliegende Roman beschreibt eine solche Reise. Deren Ziel ist nicht primär nur die Aufklärung des Verbrechens und der damit einhergehende Unschuldsbeweis für Bowman. Vielmehr geht es darum mit der Vergangenheit abzuschließen, darum vielleicht ein wenig Frieden zu finden.
Varenne beschreibt hier die Stadt London als überwiegend dreckige, stinkende Kloake, deren Einwohner unterhalb eines zum leben notwendigen Einkommens in einer Art gesetzlosem Slum hausen. Auch die Polizei, die eigentlich zum Schutz der Gesellschaft agieren sollte rekrutiert ihr Personal vornehmlich aus den niederen Schichten, die Grenze zwischen dem Gesetz und der Gesetzlosigkeit ist relativ durchlässig.

Seine Spur führt Bowman irgendwann in die Vereinigten Staaten, das bevorzugte Ziel all derer, die sich in einer freien Umgebung ein neues, besseres Leben wünschen.

New York zeigt sich Bowman allerdings als ebenso düster und verkommen wie die Stadt, aus welcher er kommt.
Er wird Zeuge wie eine Demonstration für besser Löhne von Soldaten gewaltsam beendet wird. Diese feuern weiter, auch als die Teilnehmer längst fliehen - es sind vor allem Frauen und Kinder.

Und selbst im Westen, fernab vom sehr britisch geprägten, "zivilisierten" Osten zerschlägt der Autor unser Traumbild der Neuen Welt: Eine Siedlung zerfällt und vergeht langsam, da die Bewohner zwar idealistisch genug waren diese zu gründen, aber in der Praxis nicht dazu in der Lage waren sie am Leben zu halten.



Was Bowman dagegen am Leben erhält ist seine Suche, welche immer mehr auch eine Suche nach dem Grund seines Überlebens und dem Scheitern der anderen wird, es ist eine Suche die weit jenseits der Jagt auf einen Mörder führt, es ist diese Suche die verhindert das auch Bowman am dem Leben, welches ihm nach all den schrecklichen Ereignissen geblieben ist, scheitert. Und es sind diese Erfahrungen mehr denn das erfolgreiche Abschließen der Suche die ihm irgendwann, irgendwo vielleicht etwas Frieden bringen mögen.

Auch wenn ich Prognosen dieser Art eher ablehne, so glaube ich doch das dieser Roman das Zeug zu einem Klassiker hat - allein schon weil er heute nur wenig Konkurrenz fürchten muß!

Die sieben Leben des Arthur Bowman - Antonin Varenne
Die sieben Leben des Arthur Bowman
von Antonin Varenne
(8)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Literatur, wie sie sein sollte!

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 15.10.2020

Dorothy Parker als eine der größten Autorinnen des 20. Jahrhundets zu bezeichnen wird wohl kaum ernsthaften, geschweige denn fundierten Widerspruch hervorrufen!

Sei es als Autorin von Kurzgeschichten, Essays oder Gedichten, ihr scharfsichtiger Sinn für die Absurditäten des normalen Lebens, ihr kluger Witz gepaart mit ihrem Talent, mit Worten und Sprache umzugehen machen ihre Werke zu einem aus der Masse herausragendem Lesevergnügen.

"The first thing I do in the morning is brush my teeth and sharpen my tongue!"

Ihr Thema war hauptächlich die Gesellschaft, und dabei vorrangig das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, was ihren Geschichten etwas zeitloses verleiht - unser Umgang miteinander scheint beinahe eine Konstante in der menschlichen Geschichte zu sein: Man findet ein solches zusammenspiel auch bei Shakespeare, ähnlich eloquent und entlarvend dargeboten, mit dem ihm eigenen Sinn für Humor.

Gegen die ihr eigenen Selbstzweifel ihr Talent betreffend anschreibend schärfte sie ihren unbarmherzigen Humor in einer lockeren Runde aus Journalisten, Dramatiker, Kritikern und durchaus auch anderen Künstlern (uA dem Komponisten Deems Taylor sowie den Schauspielern Douglas Fairbanks, Tallulah Bankhead und Harpo Marx) in der heute immer noch berühmt-berüchtigten Runde im Hotel Algonquin in Manhattan.

""The price of admission is a serpent's tongue and a half-concealed stiletto."
Harpo Marx

In späteren Jahren sah sie diese Runde durchaus differenziert -
".... The Round Table was just a lot of people telling jokes and telling each other how good they were....
- dürfte sich andererseits dort mehr als zuhause gefühlt haben. In dieser durchaus auch vom Alkohol beflügelten Runde - "I am not a writer with a drinking problem, I am a drinker with a writing problem!" - wurde sie als diejenige anerkannt, die sie sein wollte, was in dieser Gesellschaft sehr willkommen war.
Doch dieses Bild entsprach nur einem Teil ihrer Persönlichkeit, ihre tiefe Melancholie und Verletzlichkeit begrub sie unter ihrer offensiven Art:

“If you want to know what God thinks of money, just look at the people he gave it to.”

oder auch:

“Tell him I was too fucking busy-- or vice versa.”

Das ihre Texte - im Gegensatz zu anderen, welche die selben Themen aufgriffen - heute noch nicht nur Bestand haben, sondern - soweit würde ich durchaus gehen - als Teil der Literatur geradezu als essentiel betrachtet werden können, liegt vor allem an der Qualität der Texte selber. Parkers Umgang mit Sprache, die Art wie sie Worte verwendet und Formulierungen einsetzt, um etwas deutlich zu machen hebt ihre Werke deutlich über das Schaffen anderer Schriftsteller - nicht nur ihrer Zeit - hinaus.
Und gerade heute ist es meiner Ansicht nach mehr als notwendig sich daran zu erinnern und sich bewusst zu machen, welche Kraft die Literatur, und sei es auch in der kurzen Form, entfalten kann, wie wirkungsvoll das geschriebene Wort in den richtigen Händen sein kann.
Es ist ausserdem ein ungeheures und bereicherndes Vergnügen, die Früchte der Arbeit einer wahren Meisterin in ihrem Fach genießen zu dürfen!



New Yorker Geschichten - Dorothy Parker
New Yorker Geschichten
von Dorothy Parker
(3)
Buch (Taschenbuch)
13,00

Drive in - to never come out....

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 10.10.2020

Robert E. Howard - der Autor von ua. Conan - war der Überzeugung das der Mensch nur einen sehr dünnen "Mantel" der Zivilisation trägt, und das darunter der Barbar, das natürliche Wesen der Menschen, verborgen liegt.
Lansdale bestätigt das!
Als das "Drive-In" im ersten Teil auf sich gestellt ist siegt dieses barbarische über den zivilisierten Teil, und das Chaos nimmt seinen Lauf. Eine breite Masse schart sich um den jeweils Stärksten, folgt denjenigen, der sie zu führen und zu manipulieren versteht.... Oder scharrt sich um diejenigen, die die einfachste Antwort gefunden zu haben glauben.

Das ist es worin Lansdale sich von so vielen anderen unterscheidet. Was immer er den Menschen an bizarren Monstern entgegentreten lässt - es geht hier darum, wie die Menschen diesem Schrecken begegnen! Sie haben die Wahl, sie können "sich erheben und untergehen", sie haben die Wahl "sich zu bewaffnen gegen eine See von Plagen", oder zu sterben, sich zumindest der bösen Kraft nicht unterzuordnen.

Lansdales Fokus liegt hier nicht auf Monstern und Blutvergießen und Gemetzel, Lansdale stellt die Frage was der Mensch zu tun bereit ist und was er aushalten kann bis er seine Menschlichkeit - auch gegenüber seinem Nächsten - verliert und wie ein Tier instinktgesteuert seinen Weg geht, den Weg des bloßen Überlebens, der Decke der Zivilisation beraubt und bar jeden Zweifels die eigene Existenz sichernd und verteidigend.


Lansdale mochte den ersten Teil seines Opus nicht, es zu schreiben war mehr Zwang als Freude, und mit ähnlicher Skepsis betrachtete er die Fortsetzungen. Heute hält er dieses Werk für eine seiner besten Arbeiten.
Diese Trilogie sticht sicherlch heraus aus dem Werke Joe Lansdales. Sie gleicht keinem seiner anderen Werke und ist doch auf der anderen Seite die Quintessenz seines literarischen Schaffens, allerdings konsequenter denn zuvor, auf eine eigene Art denn auch weiter weg vom lansdalschen Mainstream als andere werke aus seiner Feder.

Jedoch zieht Joe Lansdale hier andererseits alle Register seines nicht unbeträchtlichen Könnens um auch Leser auf ihre Kosten kommen zu lassen, denen all das psychologische vollkommen abgeht und die nur auf der Suche nach einer spannenden und abgefahrenen Handlung sind. Auch jenseits aller Deutungen, die der Leser zu recht vornehmen mag unterhält diese Trilogie mit schrägen Ideen und abgefahrenen Twists in der Handlung. Niemand wird hier - auch das ein "Markenzeichen" Lansdales - gezwungen sich den Kopf über eine mögliche Bedeutung der Handlung und ihrer verschlungenen Wege Gedanken zu machen. Die "Drive Inn-Trilogie" funktioniert auch als Horrorgeschichte der etwas eigenen Art. Man kann einfach eintauchen und die Geschichte auf sich wirken lassen und durch sie vortrefflich unterhalten werden, ohne weiter darüber nachzudenken. Wie sooft im Werk dieses bemerkenswerten Autors funktioniert hier eine Erzählebene ohne die andere, welchem man mit einbeziehen kann, aber niemals muß.

Auf der anderen Seite ist hier alles vorhanden was der echte Lansdale-Leser erwartet, die selbe Tiefgründigkeit, der selbe böse Humor, und diese Ehrlichkeit, die ihn und seine Figuren auszeichnen. Es ist nicht die Tatsache das sein "Held" etwas böses oder zumindest zweifelhaftes tut, was diese Ehrlichkeit ausmacht, es ist die Tatsache das sich der Protagonist über seine Handlunge Gedanken macht, vielleicht sogar diese in Zweifel zieht. Wie schon so oft in Lansdales Romanen ist die Frage von Richtig oder Falsch nicht eine Moralische, sondern eine Frage der Notwendigkeit.

Seit "Act of love", seinem Debutroman bewegt Lansdale diese Fragen, und niemals gibt er uns die Antwort vor, was er allerdings sagt ist das es manchmal richtig sein kann das Falsche zu tun, wenn es ums überleben geht.

Die "Drive In Trilogie" mag als ein Anachronismus in Joe Lansdales Werk gesehen werden, vor allem da er selber lange Zeit gemischte Gefühle gegenüber dieser Trilogie hatte, doch für mich steht fest das wir es hier mit einem seiner besten Werke zu tun haben.

Drive-In - Joe R. Lansdale
Drive-In
von Joe R. Lansdale
(3)
Buch (Taschenbuch)
14,99

Southern Noir

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 10.10.2020

In "Sturm über New Orleans" zeigte uns Burke auf eindrucksvolle Weise, das nicht die Natur das Übel ist, sondern der Mensch - gerade wenn er sich nicht mehr im Mantel der Zivilisation einhüllt oder einhüllen muß. Nun, es braucht keinen Sturm diesen Mantel zu verwehen.

Das erschreckende in dieser Geschichte ist tatsächlich die fast vollständige Abwesenheit des Guten. Niemand, auch nicht die Hauptfigur, ist tatsächlich reinen Herzens - die einzige Ausnahme sind tatsächlich seine Frau und sein Kind.

Wenn also diese Nullinie des Bösen der Richtwert ist, was kann uns Leser dann noch erschrecken?
Hier bringt der Autor die Figur des Buchalter ins Spiel, ein wahres Destillat all des Bösen um ihn herum, eine Figur, die selbst aus diesem fauligen Sumpf der Schlechtigkeit noch heraussticht - nicht unähnlich dem Antagonisten der Romane "Regengötter" und "Glut und Asche".

Natürlich kann man argumentieren das Robicheaux das Gesetz vertritt und somit automatisch der Guten Seite zuzurechnen ist. Er mag aufgrund seiner Vergangenheit und dem Übel, mit welchem er tagtäglich konfrontiert wird seine Illusionen verloren haben und dennoch auf der Richtigen Seite stehen.
Ebenso kann man die Meinung vertreten das jemand, der den Dreck wegmacht ebenfalls dreckig wird, das jemand, der Wölfe jagt sich sicher in deren Revier bewegen muß.... All das ist sicher wahr - macht die Person aber nicht besser im moralischen Sinn, sondern allenfalls effektiver.

Ähnlich wie bei Thompson und Woodrell - um nur zwei zu nennen - ist Burkes Sicht auf die Gesellschaft die er schildert äußerst pessimistisch. Der Kampf scheint aussichtslos - und vielleicht ist es genau das was Robicheaux und wenige andere doch auf der Seite des Guten verbleiben lässt: Sie haben sich entschlossen nicht aufzugeben und weiter zu kämpfen. Mag die Aussicht auf Erfolg noch so trostlos sein, die Gewissheit aufgegeben zu haben ist noch um einiges trostloser.

James Lee Burke macht aus dem Noir-Roman ein Epos einer griechischen Tragödie gleich, wie es bisher niemand der in diesem Genre schreibt getan hat. Trotz aller Länge ist das von ihm erdachte Handlungsgeflecht außerordentlich dicht und treibt mit einer ungeheuren Kraft vorwärts, niemals angetrieben von billigen literarischen Tricks wie Cliffhangern und ähnlichem. Es ist auch nicht die Auflösung am Ende welche uns atemlos Seite um Seite umblättern lässt - es ist diese nächste Seite, und die ihr folgende, die wir nicht abwarten können.

Mississippi Jam - James Lee Burke
Mississippi Jam
von James Lee Burke
(2)
Buch (Taschenbuch)
17,99

Leider kein guter Film!

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 10.10.2020

Der Film erzählt die wahre Geschichte – die für eine filmische Aufbereitung notwendigen Änderungen der Ereignisse sollten als gegeben hingenommen werden – über drei afroamerikanische Frauen, die maßgeblichen Anteil am Erfolg des amerikanischen Weltraumprogramms, hier die Erdumrundung von John Glenn, hatten.

Gerade heute ist es wichtig eine Geschichte wie diese aus dem Schatten heraus ins Licht zu ziehen und vor allem den Rassismus darin zu entlarven und bloßzustellen.



Leider versagt der Film hier auf ganzer Linie, so gut gemeint er auch sei mag. Er reduziert das Ganze auf eine typische amerikanische Underdog-Story, wie wir schon unzählige „Du kannst es schaffen wenn Du nur an Dich glaubst“- Geschichten sehen durften. Allerdings geht es in den anderen Filmen häufig um Sport – das ist hier anders!

Dieser Film ist ein schöner, spannender und auch lustiger Familienfilm, der niemanden wirklich belasten oder gar aufrütteln will. Es gibt die für die Handlung notwendigen rassistischen Antagonisten – sehr sehenswert „Sheldon“ Parsons – und den „Big White Daddy“, der absolut gegen alle Arten von Diskriminierung ist!



Hach, diese Szene, in welcher Kevin Costner das „Schwarzefrauenkloschild mit einer Brechstange entfernt! Ein echter Heldenmoment, und der Held ist weiß!



Hach, wie entlarvend jener Moment, wo eine der Frauen einen von weissen Männern besetzten Klassenraum betritt, und der einzige für sie freie Platz in der ersten Reihe ist.... nachdem einige Szenen früher ein für die 60er Jahre typischer Bus von innen gezeigt wurde....



Der Kampf von Persönlichkeiten wie zB Dr, King kommen eher im Hintergrund vor, wen zB ein laufender Fernseher gezeigt wird. All die Hindernisse und all die Feindschaft welche diese Frauen erdulden mussten werden hier auf die dramaturgisch notwendigen Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg, die ein solches Underdog-Movie braucht, reduziert und in meinen Augen somit abgewertet.



Gerade heute ist es wichtig, eine wahre Geschichte wie die dieser außergewöhnlichen und mutigen Frauen zu erzählen, die für so viele als Beispiel dienen können!



Man glaubte wohl auf diese Art mehr Menschen zu erreichen, doch diese Story – so wie sie her erzählt wurde – erreicht nachhaltig niemanden.



Zu oft hat man dergleichen schon gesehen: Irgendein Looser beweist sich, und am Ende entschuldigt sich der Blödmann – und alle sind happy!

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
(13)
Film (DVD)
7,69

Western-Dime-Novel-Pulp

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 10.10.2020

„Western“ waren immer schon die Mythologie der Amerikaner. Die genreüblichen Klischees sind so alt wie der Westen selber, und beide hatten kaum etwas miteinander gemein, allerdings überlebten hauptsächlich die „Legenden“.
Und irgendwann fingen einige Leute an diese Mythologie zu verwenden, um ihre eigene Sichtweise zu schildern, sie rührten solange verschiedene Zutaten und Gewürze in den Westernmythensuppentopf, bis alles ihrem Geschmack entsprach.



Und warum sollte ein indianischer Medizinmann nicht dieselbe Rolle einnehmen wie in Europa ein Druide, Hexer oder Zauberer? Sollte Vampire und Zombies der Zutritt zum „Wilden Westen“ verwehrt bleiben, nur weil sie keine breitkrempigen Hüte auf dem Kopf und einen Colt an der Hüfte tragen sondern genau diese Utensilien das einzige sind, was sie von ihren Opfern zurücklassen – zumindest was Zombies angeht – die essen keinen Filz.
Und auch untote Cowboys können cool sein....



Diese vollständige Ausgabe der Jebidiah-Mercer-Geschichten sind eine Hommage an einige der Pulp- und „Weird-Western“- Geschichten, welche Joe Lansdale lange begleiteten und ihn – was das Aufzeigen von literarisch Möglichem angeht – bis heute prägen.



Immer wieder durchbricht Joe Lansdale die Genregrenzen, seine Werke können kaum in nur eine Schublade gesteckt werden – mit Ausnahme dieses Buches: Es kommt in die Lade mit dem abgefahrenen, coolen Zeugs, das sonst nirgendwo reinpasst!



Die Zutaten sind bekannt, auch wenn die Figuren vor ihrer Verwendung gelansdaled wurden. So haben wir zwar Zombies, Vampire und ähnliches, welche allerdings – in der Tradition wurzelnd – den Gegebenheiten der Geschichten angepasst wurden.


„Strasse der Toten“ ist pure „Weird Western Pulp“ – Literatur, hier ist alles erlaubt was (den Lesern solcher Geschichten) Spaß macht und gruselig ist.


„Pulp-Literatur“ sollte hier allerdings keinesfalls mit der heute üblichen minderwertigen Groschenheftliteratur a la „Lassiter“ usw verwechselt werden. Immerhin waren diese „Pulps“ der kreative Nährboden für manchen bedeutenden Autor, viele der Figuren sind heute noch populär und leben in Comics, Filmen und Büchern weiter.


„Strasse der Toten“ macht einfach Spaß, weil es sich an keine Regeln ausser den eigenen hält, weil es spannend und spaßig zugleich ist, die Figuren ebenso Klischee wie Joes eigene Erfindung sind.


Hier zeigt sich eine andere Seite von Joe Lansdale, welche in Meisterwerken wie „Die Wälder am Fluß“ nur ansatzweise zu erkennen ist – wenn es zB. um grausige Details eines Mordes geht.
Dieses Buch trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack, auch der ein- oder andere Lansdale-Fan könnte hier passen wollen.
Alle anderen werden ihren Spaß haben!


Also schwingt eure Ärsche in den Sattel, auf nach Texas!

Straße der Toten - Joe R. Lansdale
Straße der Toten
von Joe R. Lansdale
(3)
Buch (Kunststoff-Einband)
16,90

Lansdale lässt uns im Hochsommer erschauern!

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 05.10.2020

Joe Lansdales literarische Vielseitigkeit gepaart mit seinem Talent, seinem zum Teil derben Humor sowie sein Scharfblick für Typen haben ihn zu einem der Großen der amerikanischen Literatur werden lassen.
Eine der Konstanten in seinem Werk ist der Blick auf den Menschen und sein Verhalten. Der Mensch ist der Motor der Geschichten, es sind seine Entscheidungen, welche die Handlung vorantreiben und ihr eine Richtung geben.
- Richard Dane stellt nachts in seinem Haus einen Einbrecher und erschießt diesen in Notwehr. Doch dessen Vater, ein soeben aus dem Gefängnis entlassener Gewaltverbrecher, ist schon auf dem Weg, um Rache zu nehmen. Richards Sohn für seinen.

Die Polizei ist lange machtlos, und so zieht der alte Russel nach Rache dürstend seine Kreise durch Richard Danes Leben, weidet sich an dessen Angst, bevor er - die Polizei regelrecht ausbootend - zuschlägt....
Doch dann macht Richard Dane eine Entdeckung, welche alles, was er weiß oder zu wissen glaubte in Frage stellt....

"A man 's gotta do what a man 's gotta do!"
"Ein Mann muß tun was ein Mann tun muß!"
(Alte Cowboyweisheit)


Diese alte Weisheit ist sozusagen das Credo dieses Frühwerks aus der Feder Joe Lansdales. Allerdings handelt es sich hier nicht um irgendeine machomäßige Pseudo-Tough-Guy-Cowboyscheiße zur Rechtfertigung irgendwelchen Blödsinns!
Auch Richard Dane tut, was er tun muß: Als ein Einbrecher den Frieden seines Hauses stört, bewaffnet er sich und schreitet zur Tat. Vorher muß er allerdings den Revolver und die abseits davon extra gelagerte Munition erst auspacken. Als er, den Revolver in der Hand, zur Tat schreitet ist ihm kotzübel, als er - in Notwehr, der Einbrecher eröffnet das Feuer auf seinen Entdecker - schießt, macht er sich in die Hose, und zwar nicht metaphorisch, er tuts in echt.
Lansdale lässt seinen Protagonisten selber erzählen und schafft so eine fast intime Nähe zwischen Hauptfigur und Leser, was Danes Handlungen und deren Rechtfertigung, vor allem vor sich selber, ungeheuer glaubwürdig macht.
Er ist kein Held, und wollte nie einer sein. Er ist - und das bleibt er auch im weiteren Verlauf der Handlung - ein einfacher Mann, der sich gezwungen sieht seine Familie zu verteidigen, und schon da wird es offensichtlich, das er dazu denkbar ungeeignet ist.
Im Verlauf der Handlung bekommt Dane oft die Gelegenheit, sich zurückzuziehen, auszusteigen und einfach nicht mehr weiter zu machen, doch er tut, was er tun muss, nicht, wie schon gesagt, um einem Männerbild gerecht zu werden, sondern, und ich denke viele von uns kennen dieses Gefühl, weil etwas einfach getan werden muß, weil es notwendig ist, es zu tun, weil es das richtige ist.

Vielleicht - dieses Gedankenspiel sei mir hier gestattet - ist es das was wahre Männer wirklich ausmacht: Wirklich zu tun, was man tun muß, weil es keine andere Möglichkeit gibt, um seine Selbstachtung zu bewahren. Weil es richtig ist, es zu tun, und weil man sich auch im Nachhinein die eigene Untätigkeit nie verzeihen könnte.
„Die einzige Voraussetzung für den Triumph des Bösen ist, daß gute Menschen nichts tun.“
Edmund Burke

Vielleicht ist das aber auch alles heldenhafte Cowboykacke, dieses zu beurteilen überlässt auch Lansdale seinem Leser.



Die Kälte im Juli - Joe R. Lansdale
Die Kälte im Juli
von Joe R. Lansdale
(3)
Buch (Taschenbuch)
9,99

Der epische Western von Joe Lansdale

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 23.07.2020

Der Texaner Joe Lansdale zählt heute zu den bedeutendsten und originellsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Seine Empathie und Ehrlichkeit mit seinen Figuren auf der einen Seite, sein Realitätssinn gepaart mit einem zuweilen bösen, schwarzen Humor rücken seine Werke an die Seite eines Twain oder Bierce.

- Weil ein weißer Rassist anstoß daran nimmt das ein farbiger Junge seiner Frau auf den Arsch starrt muss er fliehen, denn der Mob kennt gegenüber der farbigen Bevölkerung keine Gnade.
Er findet Unterschlupf bei einem Farmer, welcher ihm nicht nur Wissenschaft und Literatur näher bringt sondern ihm auch das Schießen beibringt.
Von dort verschlägt es ihn zur Armee und, nachdem die Apachen seine Einheit aufgelöst haben, weiter durch den Wilden Westen bis nach Deadwood.
Doch seine Hoffnung schlussendlich doch ein friedliches Leben führen zu können wird jäh zerstört, und "Deadwood Dick" zieht wieder los. Dieses mal allerdings nicht als Gejagter, sondern als Jäger.

In den letzten Jahren erschien eine Reihe von "Western" auch in Deutschland, doch im Gegensatz zu den die Zeit eher romantisierenden und idealisierenden Romanen eines Louis L'Amour und anderen, welche ein John-Wayne-Bild der Geschichte zeichneten versuchten diese Autoren ein realistisches Bild der 1860er und70er Jahre zu zeichnen. Ihre Welt ist düster, dreckig, und schlecht. Nicht nur die Menschen, auch die sie umgebende Natur ist faulig und stinkend, die USA der Pionierzeit ein Schmelztiegel verkommener menschlicher Bestien.
Nun, beide Seiten haben sicherlich ein bisschen recht, doch beide Extreme bilden nur einen Teil der Wahrheit ab.
Joe Lansdale schert das wenig. Er versucht erst gar nicht eine Romanbiographie des historischen Nat Love zu schreiben. Er schreibt einen harten Abenteuerroman, welcher die Härten des Lebens im Wilden Westen nicht ausspart, aber dennoch die Tatsache nicht verleugnet das es sich hierbei um einen Unterhaltungsroman handelt, und kein Sachbuch. Natürlich romantisiert er dabei, ohne allerdings die alte "Guter Cowboy - Böser Cowboy"-Sichtweise alter Tage zu übernehmen.
Er lässt seine Hauptfigur selber in der ihr eigenen Sprache erzählen, was der Geschichte einen zusätzliche Authenzität verleiht, da sein Protagonist niemals als Außenstehender Beobachter auftritt, sondern mittendrin ist.
Auch wenn er den Apachen ohne Hass entgegentritt ist er doch entschieden dagegen, sich von ihnen umbringen zu lassen, also erschießt er so viele wie er kann - muss dann allerdings ihre taktische Überlegenheit anerkennen und verduften. Seine Sichtweise ist nicht romantisierend-verklärend sondern pragmatisch.
Doch als Farbiger ist er selbst im Westen - wo eher zählt was ein Mann ist, nicht wo er herkommt und was er vorher so getrieben hat - immer ein Außenseiter, auch hier sind es wenige Aufrechte, die jenseits der Hautfarbe den Mann sehen und beurteilen.
So einer ist "Wild Bill" Hickock, welchem hier ein ebenso würdiges Denkmal gesetzt wird wie dem echten Nat Love.
Doch auch bei der Schilderung Hickocks zeigt sich Lansdales Sinn für Realitäten, er macht aus dem bekannten Revolverhelden kein verklärtes Abziehbild oder sonst eine Klischeedarstellung, er schildert gewissermaßen seine Version, seine Sichtweise auf den bekannten Schützen - durch die Augen seines Helden.
Durch diese Ausnutzung der dichterischen Freiheit kommt der Autor dieser zwiespältigen Figur möglicherweise näher als ein Biograph das vermocht hätte, gerade weil er die Fakten den Bedürfnissen seiner Geschichte anpasst, basierend auf den historischen Tatsachen.
Man mag dieses als Widerspruch ansehen, doch durch den Schleier der Legendenbildung schneidet nur eine der Realität nachempfundene eigene Interpretation der Personen und ihrer Handlungen. Man könnte auch sagen das eine Fiktion nur durch eine realistischere Erfindung der Realität, welche längst hinter Legenden und Geschichten unwiederbringlich verloren ist, wieder Realität wird, das Geschichte selbst durch ihre Nachempfindung wieder real wird - real für uns als Leser.
Lansdales Geschichte wird für uns real, weil seine Erzählung sich wahr, realistisch anfühlt, wir glauben das es sich so abgespielt haben könnte, weil es sich so anfühlt, es klingt wahrer als all die romantisierenden Wildwestgeschichten die wir gelesen oder gesehen haben, da wir Lansdales Erzählung eher glauben schenken können als einem John-Wayne-Film.

Einer der Punkte, die Lansdales Werk für mich aus der Masse an genreliteratur hinausheb ist seine Menschlichkeit. Und damit einhergehend die Tatsache das er auch seine "Helden" niemals schont. Sie haben nie den Unversehrbarkeits-Freibrief der unbefleckten guten Hauptfigur, auch sie sind Menschen. Menschen mit Schwächen, mit Fehlern, genau so gut und gerecht oder schlecht und ungerecht wie andere, sie fällen ihre Urteile und begründen ihr Handeln nach dem was und wer sie sind, und nicht weil sie der Autor als die unbefleckten Guten vorgesehen hat.

Selbst dem "Bösen " in diesen Roman kann der Leser mit einem gewissen Verständnis gegenübertreten, auch sein Handeln ist nachvollziehbar und in letzter Konsequenz auch logisch, weil Lansdale hier nicht einfach einen Antagonisten geschaffen hat, damit der Gute jemanden zum bekämpfen hat, auch diese Figur ist bis ins letzte hinein schlüssig. Und gerade darin liegt das Drama dieser Konfrontation - das beide Parteien hier gleichwertig gegenüberstehen, beide verteidigen hier bis zum Letzten das, was sie für richtig halten.






Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick - Joe R. Lansdale
Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick
von Joe R. Lansdale
(8)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,95

Texanische Frauenpower

Bodo Volle aus der Thalia-Buchhandlung in Laatzen , am 23.07.2020

Lansdales ungeheuer vielseitiges Werk umfasst Krimis, Horror, Western und alles dazwischen, seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet und noch häufiger nominiert. Ich persönlich halte Joe Lansdale für einen der ganz großen Stilisten der amerikanischen Literatur, heute und gestern - ich denke er kann neben Autoren wie Twain oder Faulkner mühelos bestehen, sein Werk fügt sich nahtlos in diese Tradition ein, ohne zu imitieren oder zu plagiatieren

Joe Lansdale ist Texaner, und er ist seinem Heimatstaat und seiner Vergangenheit in besonderer Weise verbunden, was sich wie ein Roter Faden durch alle seine Bücher zieht. Nach und nach entstanden einige Romane, die in der texanischen Vergangenheit, vornehmlich in den 30er Jahren, den Jahren der Grossen Depression, spielen. Dazu gehören sowohl die soeben wiederveröffentlichten "Wälder am Fluß" wie auch "Der Teufelskeiler" und "Sturmwarnung". Obwohl diese Romane nicht zusammenhängen tauchen einige Figuren immer mal wieder in verschiedenen Büchern auf.

Eines was Lansdale in meinen Augen so besonders macht ist sein Talent, ein gewisses Gesamtbild zu erschaffen, eine Kulisse, die ein wichtiges Bestandteil der Geschichte ist. Auch der Orkan, welcher am Anfang das Haus von Sunset wegbläst ist nicht die hach so schaurige Untermalung einer dramatischen Scene, die rohe Gewalt, die sich im innern des Hauses bahn bricht spiegelt sich in der Natur wieder, sie ist vom selben Ursprung: Der Natur. Die Menschen bei Lansdale sind immer Bestandteil und Produkt nicht nur ihrer Herkunft sondern auch ihrer Umgebung. Sie unterscheiden sich allein durch die Art, wie sie damit umgehen - das stellt auch das Verhältnis von Sunset und ihrer Schwiegermutter dar.

Ein weiteres Talent des Autors liegt in seinem Umgang mit seinen Charakteren. Jede Figur ist auf ihre Art einzigartig und sorgfältig gezeichnet und dabei allerdings nie überzeichnet oder eine Karikatur eines realen Vorbilds. Sie alle sind sehr lebensecht und glaubwürdig, auch in ihrer Entwicklung - sofern eine stattfindet. Einige bleiben konsequent ihrer Linie treu, wohingegen andere zumindest versuchen in ihrem Leben etwas zu ändern.

Diese Talent, gut erdachte und glaubhafte Charaktere vor einen sehr anschaulich gezeichneten Hintergrund zu stellen und dabei nie das große Ganze aus den Augen zu verlieren oder andererseits die Figuren zu bloßen Abziehbildern ohne Bedeutung zu degradieren macht für mich den Reiz von Joe Lansdales Büchern aus. Er enthält sich jeder Bewertung, seine Figuren sind wie sie sind, aus gutem Grund und jeder mit seiner Berechtigung so zu sein, und es bleibt uns Lesern überlassen, zu urteilen. Lansdale selbst ergreift niemals Partei, und doch ist er immer mittendrin und nie außerhalb, distanziert beobachtend.






Kahlschlag - Joe R. Lansdale
Kahlschlag
von Joe R. Lansdale
(9)
Buch (Taschenbuch)
9,99

 
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