Persönliche Lese-Tipps für Sie
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BuchhändlerInnen im Portrait

Meine Lieblingsbuchhändler

Jan-Hendrik Kopf
aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen

Gesamte Empfehlungen 7 (ansehen)


Alter:
32 Jahre
Lieblingsautoren:
Vor allem die russischen und französischen Klassiker: Tolstoj, Dostojewski, Turgenjew, Tschechow, Balzac usw. usf. An aktuellen Autoren gerade am liebsten Mario Vargas Llosa. Außer Konkurrenz: Walter Moers!
Im Beruf seit:
2011
Das beste Buch aller Zeiten:
Anna Karenina

Meine Favoriten

1.

Anna Karenina

von Leo N. Tolstoi

mehr

2.

Verbrechen und Strafe

von Fjodor M. Dostojewski

mehr

3.

Verlorene Illusionen

von Honore de Balzac

mehr

4.

Das Fest des Ziegenbocks

von Mario Vargas Llosa

mehr

Meine Empfehlungen



Katzen haben sieben Leben, Blaubären ein paar mehr

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 30.12.2011

Es gibt Menschen ohne Fantasie und es gibt Menschen mit Fantasie. Und es gibt Walter Moers. Der hat nicht nur eine überbordende, schier grenzenlos anmutende Fantasie, sondern auch noch einen Sinn für Humor, wie ich ihn bisher bei keinem zweiten seines Faches gefunden habe. Und sein Roman über „Die 13 ½ Leben des Kapitän Blaubär“ ist sein Husarenstück.

Blaubär – wie er sich selbst nennt – kam in einer Nussschale auf die Welt, irgendwo auf den unendlichen sieben Weltmeeren. Wie und wo denn auch sonst? Zwei äußert gesprächige Tratschwellen brachten ihm das Sprechen respektive Erzählen bei, eine Fähigkeit, die er im Anschluss in Gesellschaft der Klabautergeister zur Meisterschaft bringen sollte. In späteren Jahren… Moment, an dieser Stelle muss ich mich selbst unterbrechen. Man könnte ein ganzes Buch mit den Abenteuern füllen, die der gute Blaubär mit seinen 13 ½ Lenzen bereits erlebt hat. Und Walter Moers hat mir diese schwierige Aufgabe dankenswerter Weise bereits abgenommen. Und wie er das hat!

Dieser Roman über die Lügengeschichten und das Seemannsgarn des kleinen Buntbären ist eine Ansammlung sonderbarer, unglaublicher, verrückter, undenkbarer, aberwitziger und vor allem zum Brüllen komischer Geschichten aus dem Leben des Kapitän Blaubär. Liebevoll illustriert von Moers selbst und mit unglaublich viel Herzblut geschrieben ist dies ein Buch für Jung und Alt und einfach alle dazwischen. In diesem Sinne: Ahoi ihr Landratten!

Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär / Zamoninen Bd.1 - Walter Moers
Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär / Zamoninen Bd.1
von Walter Moers
(106)
Buch (Taschenbuch)
14,00

Deutsche Geschichte. Schon wieder – und doch ganz anders

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 30.12.2011

Ein wenig ironisch bis abschätzig wurde ich von Freunden und Kollegen belächelt, als ich mich kürzlich mit Eugen Ruges Debut-Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ zeigte. „Buchpreis-Gewinner? So etwas kauft man sich doch nur, um es am Ende doch wieder ungelesen ins Regal zu stellen“ – so der einhellige, wenn auch nicht ganz ernst gemeinte, Kanon.

Hätte ich mich indes in einem Anflug jungendlichen Leichtsinns von diesen Einschätzungen (fehl)leiten lassen, wäre mir ein besonderes Lesevergnügen entgangen: Ruges „Roman einer Familie“ schildert die generationenübergreifende Geschichte einer Intelektuellen-Familie zu Zeiten des realexistierenden Sozialismus in der DDR. Dabei erhält der inflationär gebrauchte (und gescholtene) Begriff des Generationenkonflikts bei Ruge eine ganz eigene Konnotation. Da gibt es die Großeltern, überzeugte Kommunisten und ideologische Eiferer, den Vater, der, wenngleich kein überzeugter Verfechter des Regimes, doch zumindest in seinem naiven Glauben an die Veränderbarkeit der Umstände als tatkräftiger Mitläufer auftritt, sowie den Sohn, der sich, entfremdet von Familie und System, Jahre nach seiner Flucht in den Westen, auf die Suche nach den Spuren seiner verstorbenen Großeltern begibt. Ruge beschreibt nicht nur Menschen, er charakterisiert Stereotype, beleuchtet deren emotionale wie sozio-politischen Wurzeln und inhärente Konflikte. Dabei kehrt das Geschehen, das sich immerhin über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren erstreckt, immer wieder zurück zu einem Ereignis am Vorabend des Mauerfalls, das die verworrenen und verzweigten Fäden dieser Familiengeschichte zusammenführt.
„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist ein Buch über deutsche Geschichte. „Schon wieder“ möchte man reflexartig ausrufen. Und doch verhält es sich diesmal anders. Geschickt umschifft Eugen Ruge in seinem Buch historisch-belletristische Plattitüden und Allgemeinplätze, erzählt episodisch-verwoben und mit einer feinen Portion Sprachwitz die Geschichte einer Familie, wie sie so noch nicht erzählt wurde.

So ist zumindest eines sicher: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ wird nicht das gleiche (ungelesene) Schicksal ereilen, das den früheren Buchpreis-Gekrönten meiner Kollegen zuteilwurde. Im Gegenteil, es bekommt an dieser Stelle eine klare Kauf- und Leseempfehlung.

In Zeiten des abnehmenden Lichts - Eugen Ruge
In Zeiten des abnehmenden Lichts
von Eugen Ruge
(34)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,95

Der wahre Fluch der Karibik

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 30.12.2011

Ein geheimnisvoller alter Seemann. Schatten in der Nacht. Eine Karte. Ein Schatz. Das sind die Grundzutaten für eine spannende, halsbrecherische Abenteuergeschichte um Freibeuter, Schurken und jede Menge Dukaten. R. L. Stevenson bietet uns mit seiner „Schatzinsel“ den Prototypen des Abenteuerromans, der uns über die sieben Weltmeere hinweg auf einsame Inseln, in modrige Grotten und an verlassene Strände entführt. Stevenson hat mit seinem ebenso spannenden wie unterhaltsamen Roman einige der legendärsten Figuren der Literaturgeschichte erfunden – und nicht zuletzt das Bild des Otto-Normal-Piraten entscheidend mitgeprägt. Wer wissen möchte, wo all die Ideen für Jack Sparrow und Co. herstammen, der sollte sich dieses großartige Buch einmal zu Gemüte führen. Eine wunderbare Sache, speziell für lange, kalte Winterabende!

Die Schatzinsel - Robert Louis Stevenson
Die Schatzinsel
von Robert Louis Stevenson
(2)
Buch (Taschenbuch)
11,00

Ein Klassiker ist ein Klassiker ist ein Klassiker…

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 15.12.2011

Jeder kennt sie wohl, die Abenteuergeschichten des Jules Verne. Diese hier, die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, verdient indes besondere Aufmerksamkeit. Alles beginnt, als der Hamburger Geologieprofessor Lidenbrock (ein nicht ganz unkomplizierter Charakter, wenngleich eine Kapazität in seinem Fach) und sein Neffe Axel auf eine geheimnisvolle Botschaft des längst verstorbenen Alchimisten Arne Saknussemm stoßen: Angeblich besteht von einem isländischen Vulkan aus eine direkte Verbindung zum Mittelpunkt der Erde! Klar, dass der kauzige Professor Lidenbrock nicht anders kann, als diese Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So beginnt eine abenteuerliche, ja aberwitzige Reise, die nur ein Ziel kennt: den Mittelpunkt der Erde.

Diese ist wohl die einzige Vision Jules Vernes, die (bisher!) nicht auch Realität geworden ist. Schade eigentlich. Denn wie immer verquickt Verne auf einzigartige Weise Wissenschaft mit Fiktion zu einem literarisch gekonnt in Szene gesetzten Ganzen, das ebenso spannend wie lehrreich zu lesen ist. Im Kanon seiner unzähligen Romane ist „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ eine ganz besondere literarische Perle und ein hervorragender Einstieg in die abenteuerlich-faszinierende Welt des Jules Verne.

Reise zum Mittelpunkt der Erde - Jules Verne
Reise zum Mittelpunkt der Erde
von Jules Verne
(13)
Buch (Taschenbuch)
12,00

Wenn Wohltäter zu Tätern werden

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 14.12.2011

Es sind große politische Themen, die Mario Vargas Llosa in seinem Roman „Das Fest des Ziegenbocks“ behandelt: Macht, Unterdrückung, Devotismus und Widerstand. Die Handlung dieses großartigen Romans dreht sich um die historisch verbriefte Figur des dominikanischen Diktators Trujillo, der sein Land bis in die 60er Jahre hinein mittels Gewalt, Überwachung, Terror und Folter regierte. Geschickt erzählt Vargas Llosa die Geschichten der Täter und Opfer dieses despotischen Systems aus verschiedensten Erzählperspektiven.

Trujillo selbst ist ein schonungs- und mitleidloser Autokrat, der, im Glauben stets im Sinne und für das Wohl seines Volkes zu handeln, vor keinem noch so perfiden Mittel zurückschreckt, sich seiner politischen Gegner zu entledigen. Dazu bedient er sich eines ausgeklügelten Machtapparates aus Militärs und Politikern, deren Brutalität nur noch von ihrer Hingabe zum großen „Wohltäter“ der Nation überragt wird.

Doch gleichsam regt sich Widerstand gegen die untragbaren Verhältnisse, unter denen täglich Menschen auf mysteriöse Weise verschwinden und nie wieder auftauchen. Ein eingeschworener Kreis von Eingeweihten – jeder von ihnen aus ganz eigenen und persönlichen Beweggründen – plant ein Attentat auf den Diktator, dessen Gelingen alles andere als sicher ist.

Nicht zuletzt sind es vor allem aber auch die persönlichen Einzelschicksale, die einen bei der Lektüre dieses aufwühlenden Buches bewegen. So wie bei der Exil-Dominikanerin Urania, die nach drei Jahrzehnten in ihre Heimat zurückkehrt, um sich den Schatten ihrer Vergangenheit zu stellen.

All diese unterschiedlichen Charaktere und Handlungsstränge verknüpft Mario Vargas Llosa auf meisterliche Weise zu einem mitreißenden literarischen Kosmos aus Gewalt, Intrige, Aufbegehren und Hoffnung. Dabei erweist er sich stets als grandioser Erzähler und Beobachter: Seine Figuren sind facettenreich, vielschichtig, im besten Sinne ambivalenter Natur und dadurch vor allem eines, lebendig. Es ist der großen Schreibkunst des Autors zu verdanken, dass seine Protagonisten weder schablonenhaft noch holzschnittartig, weder grundsätzlich gut noch böse wirken, sondern im höchsten Maße glaubwürdig und menschlich daherkommen. „Das Fest des Ziegenbocks“ ist ein bewegendes, schonungsloses, unglaublich spannendes und nicht zuletzt hochpolitisches und humanitäres Buch, das Mario Vargas Llosa einmal mehr als großartigen Kenner der lateinamerikanischen Geschichte und Seele ausweist.

Das Fest des Ziegenbocks - Mario Vargas Llosa
Das Fest des Ziegenbocks
von Mario Vargas Llosa
(5)
Buch (Taschenbuch)
14,00

Das Buch der Bücher

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 14.12.2011

Was bringt einen dazu, ein Buch mit mehr als 1200 Seiten zu lesen? Zum Beispiel dieser erste Satz: „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Selten haben 14 Worte das tiefere Verständnis für des Menschen Leid so präzise und allumfassend eingefangen. Noch weniger Worte bedarf es indes, um die Brillanz dieses Buches zu umschreiben: „Anna Karenina“ ist ein Meisterwerk, ein Jahrhundertbuch. Es ist DER große Gesellschaftsroman der Weltliteratur und beinhaltet auf konzentrierte Weise all das Wesentliche und Unwesentliche, das Tolstoi zu einem der großen Meister der Literaturgeschichte macht. Die Handlung um die titelgebende Heldin Anna Arkadjewna Karenina an dieser Stelle umreißen zu wollen, stellt ein in besonderem Maße unmögliches Vorhaben dar, weswegen ich mich auf folgende Informationen beschränken möchte: Tolstoi entspannt auf meisterliche Weise verschiedenste Handlungsstränge um ein gutes Dutzend Hauptpersonen, die alle für sich genommen bereits genügend Stoff für ein ganzes Buch hergeben würden, in ihrer Gesamtkomposition und Verflechtung aber etwas noch Größeres ergeben. „Anna Karenina“ ist dabei nicht nur ein Gesellschaftsroman, ein fulminantes, von Meisterhand komponiertes Sittengemälde des 19. Jahrhunderts zu Zeiten des russischen Zarentums, das sowohl das dekadent-artifizielle Leben des aristokratischen Hochadels als auch das von Entbehrungen gekennzeichnete Dasein der Bauern und der Landbevölkerung beleuchtet. Es ist mehr. Viel mehr. Der Text ist von geradezu berauschender philosophischer und psychologischer Tiefe, ein Spiegel der Weltanschauungen und Religion, deren Reflexionen den Roman zu einem allumfassenden Werk über die menschliche Seele werden lassen. Letzten Endes ist „Anna Karenina“ aber vor allem auch eines: Eine Brandschrift für die Humanität. Besonderes Lob soll abschließend noch die vorliegende Ausgabe des Hanser Verlages in der Übersetzung von Rosemarie Tietze genießen. Hier werden zum ersten Mal die sprachliche Opulenz und Finesse Tolstois erfassbar, die dem Text eine ganz eigene, unerreichte Authentizität verleihen. Müsste ich mich bis auf eines von allen meinen Büchern trennen, ich würde dieses hier behalten.

Anna Karenina - Leo N. Tolstoi
Anna Karenina
von Leo N. Tolstoi
(51)
Buch (gebundene Ausgabe)
42,00

Psychogramm eines Mörders

Jan-Hendrik Kopf aus der Thalia-Buchhandlung in Bremen , am 14.12.2011

„Verbrechen und Strafe“ (in früheren Übersetzungen noch unter dem Titel „Schuld und Sühne“) ist das wohl bekannteste Werk Dostojewskijs. Es erzählt die Geschichte um den Mord des Studenten Raskolnikow an einer alten Wucherin. So kurz, so banal ließe sich die Handlung von Dostojewskijs erstem großen Roman zusammenfassen. Und so weit wäre man damit von der literarischen Tiefe dieses Werkes entfernt. „Verbrechen und Strafe“ ist ein Meisterstück und das vielleicht in sich schlüssigste, konzentrierteste Werk des russischen Literaten. Und es bietet so unendlich viele Perspektiven, sich dem Text zu nähern: „Verbrechen und Strafe“ ist ebenso Kriminalroman wie Portrait der russischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert, das um keinen noch so ungeschönten Blick in den Schmutz und das Elend der besitzlosen russischen Unterschicht verlegen ist. Ebenso ist dieser Roman aber auch eine bis ins letzte psychologische Detail haarfein ziselierte Charakterstudie eines kranken Geistes, der durch die Not und Ausweglosigkeit seiner Situation zu der verhängnisvollen Tat getrieben wird. Dostojewskij versteht es wie kein zweiter in die seelischen Abgründe seiner Figuren zu blicken. Dabei tritt er weniger als beschreibender sondern vielmehr als beobachtender Autor auf, der seinen Protagonisten viel Raum zur Entfaltung lässt. Die Charaktere dieses Romans werden nicht von ihm beschrieben, sie beschreiben sich selbst – mit ihrer Sprache, ihrem Handeln, ihrem Gestus. Großen Anteil an der Erfassbarkeit des Textes hat die brillante Übersetzung von Swetlana Geier. Sie lässt die Figuren in ihrer ihnen ganz eigenen Sprache, ja Mundart sprechen und ermöglicht dem Leser somit, die Vielschichtigkeit dieses Werkes zu erfahren. „Verbrechen und Strafe“ ist kein leichtes Buch. Im Gegenteil, es fordert einen, zwingt einen sich eingehend mit dem Text zu beschäftigen. Und trotz allem, diese Mühe macht sich bezahlt. Mit jeder einzelnen Seite, mit jedem einzelnen Wort.

Verbrechen und Strafe - Fjodor M. Dostojewski
Verbrechen und Strafe
von Fjodor M. Dostojewski
(4)
Buch (Taschenbuch)
16,00