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Winter im Sommer – Frühling im Herbst

Erinnerungen

Joachim Gauck

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Beschreibung


Der politische und sehr persönliche Rückblick eines friedlichen Revolutionärs

Eine Schlüsselfigur der jüngsten deutschen Geschichte erinnert sich: Joachim Gauck, engagierter Systemgegner in der friedlichen Revolution der DDR und herausragender Protagonist im Prozess der Wiedervereinigung als erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Joachim Gauck verlebte seine Kindheit in einem Dorf an der Ostseeküste. Später studierte er Theologie in Rostock und fand seinen Weg in die Kirche in Mecklenburg. Distanz zum DDR-System prägte seine Tätigkeit von Anfang an. Wie selbstverständlich wurde er Teil einer kritischen Bewegung und schließlich zu einer Symbolfigur im Umbruch von 1989. Nach dem Mauerfall übernahm Gauck politische Verantwortung, er wurde Abgeordneter im ersten freien Parlament der DDR und erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Der Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen blieb als Redner und Kommentator sein großes Thema, auch als er nach zehn Jahren aus dem Amt ausschied.

Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen aufgeschrieben. Ihm ist ein gleichermaßen politisches wie emotional berührendes Buch gelungen, in dem er in klaren Bildern die traumatisierende Erfahrung der Unfreiheit und das beglückende Erlebnis der Freiheit nachzeichnet und den schwierigen Übergang von erzwungener Ohnmacht zu einem selbstbestimmten Leben beschreibt.

"Nicht nur gut geschrieben, sondern auch von eindringlicher Reflexionskraft." Neue Zürcher Zeitung, 03.06.10

Joachim Gauck, geboren 1940 in Rostock, stand von 1965 bis 1990 im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitete viele Jahre als Pastor. Er war Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstandes gegen die SED-Diktatur, 1989 gehörte er zu den Mitbegründern des Neuen Forum und wurde in Rostock dessen Sprecher. Von 1990 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (Stasi). Von 2003 bis 2012 war er Vorsitzender des Vereins »Gegen Vergessen – Für Demokratie«. 2012 bis 2017 war Joachim Gauck Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 344
Erscheinungsdatum 12.10.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-88680-935-6
Verlag Siedler
Maße (L/B/H) 22,2/14,6/3,5 cm
Gewicht 584 g
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Auflage 17. Auflage
Verkaufsrang 60663

Buchhändler-Empfehlungen

Ein bewegtes Leben

Sylvia Donath, Thalia-Buchhandlung Ettlingen

Die Erinnerungen von Joachim Gauck - "Winter im Sommer - Frühling im Herbst" - zeigen die vielen Facetten des Lebens von Joachim Gauck. Geboren an der Ostseeküste, als Theologie nicht DDR-Linienkonform und nach der Wende der erste Beauftragte für die Stasiunterlagenbehörde. Joachim Gauck hat es ich zur Aufgabe gemacht immer wieder zu Erinnern. Die Ereignisse und das Leben in der DDR sollen nicht in Vergessenheit aber auch nicht verklärt werden. Ein beeindruckendes Leben und ein Mann, der zu seinen Worten steht.

Erinnerungen an die friedliche Revolution

Stefan Wimmer, Thalia-Buchhandlung Reutlingen

Joachim Gauck erzählt spannend und persönlich über seine Erlebnisse seit der Kindheit im Krieg bis hin zur Ernennung als Bundesbeauftragter der Stasi-Akten. Das Buch liest sich nicht nur als rein politisches Establishment mit dem man abrechnen will, sondern als sehr persönliche Rückschau auf ein sehr bewegtes Leben. Gerade zum Jahrestag des Mauerfalls und der Auflösung der DDR, sollte man sich diese geschichtlichen Akzente nochmals zu Gemüte führen. Ein wichtiges Buch auf alle Fälle!

Kundenbewertungen

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Zivilcourage gegen Opportunismus
von Werner Jaroschek aus Duisburg am 07.02.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Zivilcourage gegen Opportunismus „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“, hatte Brandt anlässlich der Wiedervereinigung gesagt. Recht hatte er natürlich, nur zwei Wörter haben gefehlt: „Ganz langsam.“ Gaucks Rückblick ist ein erschütterndes Dokument der Deformierung einer Gesellschaft. Bei 17 Mio. Einwohnern hatte das Min... Zivilcourage gegen Opportunismus „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“, hatte Brandt anlässlich der Wiedervereinigung gesagt. Recht hatte er natürlich, nur zwei Wörter haben gefehlt: „Ganz langsam.“ Gaucks Rückblick ist ein erschütterndes Dokument der Deformierung einer Gesellschaft. Bei 17 Mio. Einwohnern hatte das Ministerium für Staatssicherheit 90 000 hauptamtliche Mitarbeiter. Die Gestapo begnügte sich bei 80 Millionen mit 31 000. Dazu kamen in der DDR noch 180 000 inoffizielle Mitarbeiter. Andere Quellen nennen übrigens wesentlich höhere Zahlen. Im Rückblick ist es erschütternd zu lesen, wie wenig Zivilcourage dem Opportunismus entgegen gesetzt wurde. Was hätte diese Schar verbohrter alter Männer ausrichten können, wenn sich eher Widerstand gezeigt hätte? Aber auch Politiker und Prominente der Bundesrepublik äußerten sich den Politikern der DDR gegenüber und über die dortigen Verhältnisse positiver, als es je gerechtfertigt war. Im Schlusskapitel äußert sich Gauck höchst eindrucksvoll über den Wert der Freiheit, über das Glück, in unserem wiedervereinigten Deutschland zu leben. Wenig Verständnis hat er für die Nörgeleien über unser demokratisches System. Es ist nicht vollkommen, verlangt ständiges Engagement. „Aber kein System ist so lernfähig wie die Demokratie…Sie ist das Komplizierte, was auch einfache Menschen machen können. Die Erwachsenen und Diktaturerfahrenen der Länder sollten zusammenstehen und für ein kleinformatiges Politikmotto werben: nicht für die Gestaltung des absolut ‚Guten‘ und ‚Richtigen‘, sondern des jeweils Besseren.“ Gaucks Buch ist eine wertvolle Hilfe, aus dem Versagen in der Vergangenheit Erfahrungen für eine bessere Zukunft zu schöpfen.

Vom Pastor zum Bürgerrechtler
von Silke Stahl aus Rosenheim am 21.10.2010

Wie war das Leben damals in der DDR? An was haben die Menschen geglaubt? Was bewog Sie zu bleiben und was zu fliehen? In seiner Biographie liefert uns Joachim Gauck beeindruckende und erschreckende Bilder einer Gesellschaft im totalitären System der DDR. Gespannt verfolgt man das Leben des selbstbewussten Jungen aus Rostock. Wa... Wie war das Leben damals in der DDR? An was haben die Menschen geglaubt? Was bewog Sie zu bleiben und was zu fliehen? In seiner Biographie liefert uns Joachim Gauck beeindruckende und erschreckende Bilder einer Gesellschaft im totalitären System der DDR. Gespannt verfolgt man das Leben des selbstbewussten Jungen aus Rostock. Warum er sich für die Theologie entscheidet und wie er zu dem Mann wurde der im Zentrum des politischen Widerstands stand.

Informativ und berührend in einem.
von Teresa Kopp aus Pforzheim am 06.04.2010

Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen festgehalten; er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in der DDR, wo er an der Ostseeküste aufwuchs. Mit seinem Beschluss, Theologie zu studieren, entfernt er sich immer mehr vom Regime, dem er ohnehin nie nahe stand. Er wird immer mehr zu einem bekannten Gegner des... Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen festgehalten; er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in der DDR, wo er an der Ostseeküste aufwuchs. Mit seinem Beschluss, Theologie zu studieren, entfernt er sich immer mehr vom Regime, dem er ohnehin nie nahe stand. Er wird immer mehr zu einem bekannten Gegner des Systems. Als die Mauer 1989 fällt, wird er Abgeordneter im ersten frei gewählten Parlament und erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Gauck schildert die Geschichte der DDR und erzählt seine eigene in einem. Er schreibt von Unfreiheit und Familienglück zu Zeiten der DDR; von Freiheit und zerbröselnder Ehe nach dem Mauerfall. Hervorragend.


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  • "Wo ich her bin ..."

    Wenn ich den Sommer besuchen will, habe ich es nicht weit. Auf dem Fischland, stlich von Rostock an der mecklenburgischen K ste, k hlt er seine Hitze zwischen Ostsee und Bodden. Dort, wo das Land zwischen den beiden Wassern auf gerade einmal f nfhundert Meter zusammenschrumpft, liegt das Ostseedorf Wustrow.
    Von hier stammen die ersten Erinnerungsbilder, die meine Seele aufbewahrt, denn hier verbrachte ich die ersten f nf Jahre meines Lebens: das Gesicht der Mutter ber mir, das Haus, der Baum, der Himmel - hell. Das gro Wasser, die Gro utter, der Himmel - dunkel. Die kleine Schwester, Kindertr n, Kindergl ck. Alles war zum ersten Mal.
    Aber immer, wenn ich mich erinnere, gibt es ein erstes Bild. Ich bin zw lf Jahre, besuche Tante Marianne, eine Freundin meiner Mutter. Sie wohnt mit ihren beiden Kindern in einem uralten Fachwerkhaus am Bodden. Im vorderen Bereich der dunklen Diele mit dem Lehmfu oden sind die St e, hinten liegen die K che und die Zimmer. In der Diele streichen Katzen herum, Schwalben fliegen ein und aus, unter dem Geb haben sie ihre Nester gebaut.
    Das Haus geh rt Opa Konow, Tante Mariannes Vater, einem Mecklenburger Urgestein. Sein kleines Holzboot, eine Polt, liegt f nfzig Schritte entfernt im "Hafen", einer kleinen Ausbuchtung im Schilfg rtel am Rande des Grundst cks. In diesem Boot lerne ich rudern und - da man es schnell in ein Segelboot verwandeln kann - auch segeln. Man holt damit Heu von einer Boddenwiese oder von der gegen berliegenden Kreisstadt das Bindegarn, das f r die M aschine gebraucht wird. Opa spricht nat rlich Plattdeutsch, mit Einheimischen und Fremden gleicherma n, gelegentlich auch mit dem Wind, wenn der es "tau un tau dull" treibt mit dem kleinen Holzboot - nicht, dass man noch beidrehen und reffen muss!
    Wenn sein Enkel Burckard und ich "anstellig" sind, kriegen wir ein gutes Wort und sp r in der Bauernk che Leckmilch, einen fast k rnigen Quark. Wahrscheinlich buttert Tante Marianne gleich. Ich entwickle einen regelrechten Hei unger auf die frische, mit winzigen Wasserteilchen behaftete sattgelbe Butter aus dem Fass, die Tante Marianne am Abend verschwenderisch auf ein St ck Schwarzbrot schmiert. Wir sind immer hungrig, denn wir sind immer drau n, bei Wind und Wetter, auf dem Hof, auf den Wiesen und auf dem Wasser.
    An diesem Tag zieht ein Gewitter auf, was nicht allzu oft geschieht, denn meist, so die Alten, z gen die Gewitter am Fischland vorbei, wegen der Lage zwischen den Wassern. Aber wenn es kommt, dann m tig. Mein Freund und ich rennen in die Laube gegen ber der K che, wir erschauern, wenn die Blitze den Himmel zerrei n, und h ren dem Regen zu, der laut auf das Laubendach trommelt und leise in den weichen Lagen des Rohrdachs gegen ber versickert.
    Es ist so dunkel geworden, dass in Tante Mariannes K che jetzt Licht brennt. Ich sehe sie dort hantieren, die Oberseite der K chent r steht offen. Gern w rde ich ihre Augen sehen - mir war immer, als w rden ihre Augen ja sagen zum Leben. Sie haben das sicher immer und berall getan, aber in diesem Sommer bin ich es, der in den Blick dieser Augen gekommen ist. Ich sp re: Ich bin einer, der dazugeh rt. Tante Marianne hat mich geborgen. Jetzt blickt sie auf, sieht zu uns hin ber in die Laube, sie l elt und winkt, wahrscheinlich gibt es gleich Abendbrot.
    Morgen w rde das Gewitterdunkel weitergezogen sein, Tante Marianne w rde uns mitnehmen in die Wustrower Kirche. Jeden Mittwoch ist hier Sommerabendfeier, ein Abend bestimmt von der Musik durchreisender K nstler, vom Klang der Orgel und immer demselben Lied zum Schluss. Ich werde es schnell auswendig kennen:
    Der Tag nimmt ab. Ach sch nste Zier,
    Herr Jesu Christ, bleib du bei mir,
    es will nun Abend werden.
    Lass doch dein Licht
    ausl schen nicht
    bei uns allhier auf Erden.

    W end wir mit unseren Fahrr rn am Bodden entlang zur ckfahren unter unser Dach, summe ich die Melodie vor mich hin. Heute