Maifliegenzeit
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Matthias Jügler

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Beschreibung

Details

Verkaufsrang

600

Gesprochen von

Jörg Schüttauf

Spieldauer

3 Stunden und 12 Minuten

Family Sharing

Ja

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

13.03.2024

Hörtyp

Lesung

Beschreibung

Rezension

Feinfühlig und zugleich kraftvoll erzählt Matthias Jügler in diesem spannenden Roman davon, dass die Vergangenheit nie vorbei ist.

Details

Family Sharing

Ja

Mit Family Sharing können Sie Hörbücher innerhalb Ihrer Familie (max. sechs Mitglieder im gleichen Haushalt) teilen. Sie entscheiden selbst, welches Hörbuch Sie mit welchem Familienmitglied teilen möchten. Auch das parallele Hören durch verschiedene Familienmitglieder ist durch Family Sharing möglich. Um Hörbücher zu teilen oder geteilt zu bekommen, muss jedes Familienmitglied ein Konto bei einem tolino-Buchhändler haben.

Verkaufsrang

600

Gesprochen von

Jörg Schüttauf

Spieldauer

3 Stunden und 12 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

13.03.2024

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

24

Verlag

BUCHFUNK Hörbuchverlag

Sprache

Deutsch

EAN

9783868476620

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Unbedingt lesen!

Kristall86 aus an der Nordseeküste am 19.05.2024

Bewertungsnummer: 2204370

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

!ein Lesehighlight 2024! Klappentext: „Für Katrin und Hans wird der Alptraum aller Eltern wahr: Nach der Geburt verlieren sie noch im Krankenhaus unweit von Leipzig ihr erstes Kind – und kurz darauf auch sich als Paar. Denn Katrin quälen Zweifel an der Darstellung der Ärzte, Zweifel, von denen Hans nichts wissen will. Als Katrin Jahre später stirbt, wird klar, dass sie mit ihren Befürchtungen womöglich Recht hatte. Bei seinen Recherchen, die ihn tief in die Geschichte der DDR führen, stößt Hans auf Ungereimtheiten und eine Mauer des Schweigens. Klären kann er all seine Fragen in Zusammenhang mit dem Tod des Säuglings nicht, doch der Gedanke daran, in einem entscheidenden Moment seines Lebens versagt, etwas versäumt, einen Fehler begangen zu haben, lässt ihn künftig nicht mehr los. Da klingelt eines Tages das Telefon und sein Sohn ist am Apparat. Aufgewachsen in einer Adoptivfamilie, unterscheidet sich seine Vorstellung von der Vergangenheit grundlegend von dem, was Hans ihm erzählt. Wird sich die Kluft, die das Leben in einem Unrechtsstaat und vierzig fehlende gemeinsame Jahre gerissen haben, wieder schließen lassen?“ Welche bewegendes und tief-in-der-Wunde-bohrendes Buch hier auf die Leserschaft wartet. Es war wahrlich besonders zu lesen und dennoch für mich auch nicht. Als Kind der DDR erschütterte mich diese Geschichte nur bedingt, denn fest steht, solche Fälle wie uns Autor Matthias Jügler hier erzählt, gab es leider zuhauf. Selbst im Bekanntenkreis meiner Familie ist so ein „mysteriöser“ Fall bekannt, der bis heute nicht geklärt ist. Ich betrachte dieses Buch also recht „objektiv“, sage aber klar aus, Jügler hat hier durch seinen besonderen Ton und die Wahl seiner Worte und Emotionen eine ganz besondere Geschichte erzählt die tief unter die Haut geht und keinesfalls den Leser kalt lässt. Einige Geschichten dazu sind öffentlich bekannt aber viele leider nach wie vor unter dem Deckmantel des Schweigens begraben. Eine Auflösung wird es wohl in den allermeisten Fällen nie dazu geben. Unsere Protagonisten Katrin und Hans sind an diesem Alptraum als Paar zerbrochen. Hans‘ Geschichte weiter zu folgen ist absolut lesenswert, da hier extreme psychologische aber auch philosophische Parts mit einfließen. Dass dieser Roman nachhallt, ist von Beginn an einleuchtend. Fakt ist, es ist eine von sehr vielen solcher Geschichten aber dies ist keine negative Verurteilung für dieses Buch. Ganz im Gegenteil. Über diese Taten von damals muss stets berichtet werden, denn was damals in der DDR diesbezüglich geschah, ist absolut menschenunwürdig und sollte verurteilt werden. Jügler hat es jedenfalls absolut bravourös geschafft, hier eine von eben ganz vielen Geschichten sehr packend und emotional zu erzählen, dass der Leser gar nicht anders kann als dieses Buch zu verschlingen. Jügler beleuchtet aber nicht nur das Grauen sondern bringt auch wirklich wunderschöne natürliche Momente in diese Geschichte. So wie er die Natur und die Örtlichkeiten beschreibt, muss eine ganz tiefe Verbundenheit in ihm herrschen. So kann man nur schreiben wenn man diese Themen auch im Herzen trägt. Ich bin wirklich tief beeindruckt wie Jügler hier die Verbindungen zu alle dem knüpft und eben diesen besonderen Ton anschlägt. Das ist alles wirklich bemerkenswert austariert und frei von jeglichem Kitsch oder Klischee. Sie merken schon, dieses Buch muss man lesen und die 5 Sterne hat es absolut verdient. Ganz klare Leseempfehlung hierfür!
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Unbedingt lesen!

Kristall86 aus an der Nordseeküste am 19.05.2024
Bewertungsnummer: 2204370
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

!ein Lesehighlight 2024! Klappentext: „Für Katrin und Hans wird der Alptraum aller Eltern wahr: Nach der Geburt verlieren sie noch im Krankenhaus unweit von Leipzig ihr erstes Kind – und kurz darauf auch sich als Paar. Denn Katrin quälen Zweifel an der Darstellung der Ärzte, Zweifel, von denen Hans nichts wissen will. Als Katrin Jahre später stirbt, wird klar, dass sie mit ihren Befürchtungen womöglich Recht hatte. Bei seinen Recherchen, die ihn tief in die Geschichte der DDR führen, stößt Hans auf Ungereimtheiten und eine Mauer des Schweigens. Klären kann er all seine Fragen in Zusammenhang mit dem Tod des Säuglings nicht, doch der Gedanke daran, in einem entscheidenden Moment seines Lebens versagt, etwas versäumt, einen Fehler begangen zu haben, lässt ihn künftig nicht mehr los. Da klingelt eines Tages das Telefon und sein Sohn ist am Apparat. Aufgewachsen in einer Adoptivfamilie, unterscheidet sich seine Vorstellung von der Vergangenheit grundlegend von dem, was Hans ihm erzählt. Wird sich die Kluft, die das Leben in einem Unrechtsstaat und vierzig fehlende gemeinsame Jahre gerissen haben, wieder schließen lassen?“ Welche bewegendes und tief-in-der-Wunde-bohrendes Buch hier auf die Leserschaft wartet. Es war wahrlich besonders zu lesen und dennoch für mich auch nicht. Als Kind der DDR erschütterte mich diese Geschichte nur bedingt, denn fest steht, solche Fälle wie uns Autor Matthias Jügler hier erzählt, gab es leider zuhauf. Selbst im Bekanntenkreis meiner Familie ist so ein „mysteriöser“ Fall bekannt, der bis heute nicht geklärt ist. Ich betrachte dieses Buch also recht „objektiv“, sage aber klar aus, Jügler hat hier durch seinen besonderen Ton und die Wahl seiner Worte und Emotionen eine ganz besondere Geschichte erzählt die tief unter die Haut geht und keinesfalls den Leser kalt lässt. Einige Geschichten dazu sind öffentlich bekannt aber viele leider nach wie vor unter dem Deckmantel des Schweigens begraben. Eine Auflösung wird es wohl in den allermeisten Fällen nie dazu geben. Unsere Protagonisten Katrin und Hans sind an diesem Alptraum als Paar zerbrochen. Hans‘ Geschichte weiter zu folgen ist absolut lesenswert, da hier extreme psychologische aber auch philosophische Parts mit einfließen. Dass dieser Roman nachhallt, ist von Beginn an einleuchtend. Fakt ist, es ist eine von sehr vielen solcher Geschichten aber dies ist keine negative Verurteilung für dieses Buch. Ganz im Gegenteil. Über diese Taten von damals muss stets berichtet werden, denn was damals in der DDR diesbezüglich geschah, ist absolut menschenunwürdig und sollte verurteilt werden. Jügler hat es jedenfalls absolut bravourös geschafft, hier eine von eben ganz vielen Geschichten sehr packend und emotional zu erzählen, dass der Leser gar nicht anders kann als dieses Buch zu verschlingen. Jügler beleuchtet aber nicht nur das Grauen sondern bringt auch wirklich wunderschöne natürliche Momente in diese Geschichte. So wie er die Natur und die Örtlichkeiten beschreibt, muss eine ganz tiefe Verbundenheit in ihm herrschen. So kann man nur schreiben wenn man diese Themen auch im Herzen trägt. Ich bin wirklich tief beeindruckt wie Jügler hier die Verbindungen zu alle dem knüpft und eben diesen besonderen Ton anschlägt. Das ist alles wirklich bemerkenswert austariert und frei von jeglichem Kitsch oder Klischee. Sie merken schon, dieses Buch muss man lesen und die 5 Sterne hat es absolut verdient. Ganz klare Leseempfehlung hierfür!

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Ein weiteres dunkles Kapitel DDR- Geschichte

Bewertung aus Baden-Baden am 12.05.2024

Bewertungsnummer: 2198874

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Matthias Jügler, noch in der DDR geboren, und zwar 1984 in Halle, hat sich schon in seinem zweiten Roman „ Die Verlassenen“ mit der Vergangenheit seines Landes beschäftigt. Und das, obwohl er das DDR- Regime kaum bewusst erlebt hat; schließlich war er zur Wendezeit noch ein Kindergartenkind. Trotzdem lässt ihn das Thema nicht los. Bei Recherchen zum unrühmlichen Kapitel der Zwangsadoptionen, bei denen man Eltern, die als „ Staatsfeinde“ galten, ihre Kinder weggenommen und zur Adoption freigegeben hatte, stieß er auf eine noch unglaublichere Geschichte. Ein realer Fall wurde dann zur Grundlage seines neuen Romans . Der 65jährige Rentner Hans wird nach seiner Heimkehr vom Angeln von seiner Lebensgefährtin Anne mit einer Nachricht überrascht. Sein Sohn Daniel habe angerufen. Dabei ist Daniel doch vor vierzig Jahren schon gestorben, gleich nach seiner Geburt. Eigenhändig hatte Hans das Grab für sein Kind ausgehoben. Wie glücklich waren Hans und Katrin, beides Lehramtsstudenten, über die Schwangerschaft. Sie machten Pläne für die Zukunft, Heirat, ein gemeinsames Haus, ein zweites Kind. Doch dann, als Katrin 1978 nach einem Kaiserschnitt einen Jungen zur Welt bringt, zerbrechen alle Wünsche und Hoffnungen. Das Baby wird der Mutter sofort weggenommen, es müsse dringend behandelt werden. Und dann der Schock: das Kind ist tot. So ein Schicksalsschlag kann Paare noch fester aneinander binden, wenn beide sich in ihrer Trauer Trost und Stütze sind. Nicht aber hier. Während Hans wie erstarrt sich in das Unabänderliche fügt, zweifelt Katrin an den Aussagen der Ärzte. Sie ist überzeugt, dass ihr Kind gesund ist, dass es lebt. Hans erträgt ihre Zweifel nicht, er will, dass Katrin den Verlust akzeptiert. Die Beziehung zerbricht. Die beiden sehen sich erst wieder neun Jahre später, Katrin ist an Krebs erkrankt. Vor ihrem Tod nimmt sie Hans noch das Versprechen ab, er möge die Augen offenhalten, falls sich irgendwann eine Möglichkeit ergibt, Genaueres zu erfahren. Nach dem Mauerfall unternimmt Hans mehrere Versuche, Einblicke in die alten Krankenhausakten zu erhalten. Dabei stößt er zunächst auf erheblichen Widerstand, doch später erhält er geschwärzte Dokumente. Etwas scheint tatsächlich vertuscht worden zu sein. Und dann kommt der Anruf von seinem Sohn. Nur knapp 160 Seiten braucht Matthias Jügler um diese unwahrscheinliche Geschichte zu erzählen. Aus Hans‘ Perspektive und in der Rückschau erfahren wir vom Geschehen. Ohne Pathos und ohne Sentimentalitäten, beinahe nüchtern schildert Hans das Erlebte. Dabei lernen wir einen stillen, introvertierten Menschen kennen. Kraft und Trost findet Hans beim Angeln, ein Hobby, das schon sein Vater pflegte. Hier, in der Einsamkeit der Natur, kann er seinen Gedanken nachgehen. Lange hatte er die Erinnerung an Katrin und seinen Sohn verdrängt. „ Heute weiß ich, dass der Versuch, die Ereignisse der Vergangenheit unter den Teppich zu kehren, um das zu führen, was man ein normales Leben nennt, von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.“ Schuldgefühle plagen ihn. Katrin gegenüber, weil er sich damals so empathielos verhalten und ihre Zweifel nicht ernstgenommen hat und auch, weil seine Versuche, die Wahrheit herauszufinden, anfangs nur halbherzig waren. Fragen quälen ihn. Wie wäre sein Leben verlaufen ohne dieses Verbrechen? Wie das von Katrin und seinem Sohn? Wie der Autor Vergangenes und Gegenwart, Reflexionen und Erlebnisse miteinander verknüpft, spricht für sein literarisches Können. Ruhe verströmen die zahlreichen Passagen übers Angeln. Jügler versteht es durch leise Andeutungen und viele Metaphern aus dem Naturbereich Stimmungen und Gefühlslagen spürbar zu machen. Die titelgebenden Maifliegen verharren monatelang auf dem Grund der Flüsse und Bäche und steigen nur zur Paarung nach oben. „ Aber nur, weil sich etwas dem Blick so konsequent entzieht, heißt das nicht, dass es nicht existiert.“ Das Angeln lehrt auch Geduld und das Loslassen - Können, beides Eigenschaften, die Hans brauchen kann. Jügler lässt vieles im Ungefähren, in der Schwebe, lässt Raum für eigene Gedanken, und trotzdem ergibt das eine runde, stimmige Geschichte. In der Nachbemerkung lesen wir, dass so etwas kein Einzelfall war. „ Aufgeklärt sind bis zum heutigen Zeitpunkt drei solcher Verbrechen, die Zahl der Verdachtsfälle liegt jedoch bei 2000.“ Die „Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR“ kümmert sich um diese. Der Leipziger Autor hat unlängst für diesen Roman den Rheingau- Literaturpreis erhalten, völlig zu Recht. Dieses stille, aber umso eindringlichere Buch verdient alle Aufmerksamkeit, weil es jeglicher Ostalgie entgegenwirkt, in dem es ein weiteres Kapitel des Unrechtsstaates DDR aufzeigt.
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Ein weiteres dunkles Kapitel DDR- Geschichte

Bewertung aus Baden-Baden am 12.05.2024
Bewertungsnummer: 2198874
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Matthias Jügler, noch in der DDR geboren, und zwar 1984 in Halle, hat sich schon in seinem zweiten Roman „ Die Verlassenen“ mit der Vergangenheit seines Landes beschäftigt. Und das, obwohl er das DDR- Regime kaum bewusst erlebt hat; schließlich war er zur Wendezeit noch ein Kindergartenkind. Trotzdem lässt ihn das Thema nicht los. Bei Recherchen zum unrühmlichen Kapitel der Zwangsadoptionen, bei denen man Eltern, die als „ Staatsfeinde“ galten, ihre Kinder weggenommen und zur Adoption freigegeben hatte, stieß er auf eine noch unglaublichere Geschichte. Ein realer Fall wurde dann zur Grundlage seines neuen Romans . Der 65jährige Rentner Hans wird nach seiner Heimkehr vom Angeln von seiner Lebensgefährtin Anne mit einer Nachricht überrascht. Sein Sohn Daniel habe angerufen. Dabei ist Daniel doch vor vierzig Jahren schon gestorben, gleich nach seiner Geburt. Eigenhändig hatte Hans das Grab für sein Kind ausgehoben. Wie glücklich waren Hans und Katrin, beides Lehramtsstudenten, über die Schwangerschaft. Sie machten Pläne für die Zukunft, Heirat, ein gemeinsames Haus, ein zweites Kind. Doch dann, als Katrin 1978 nach einem Kaiserschnitt einen Jungen zur Welt bringt, zerbrechen alle Wünsche und Hoffnungen. Das Baby wird der Mutter sofort weggenommen, es müsse dringend behandelt werden. Und dann der Schock: das Kind ist tot. So ein Schicksalsschlag kann Paare noch fester aneinander binden, wenn beide sich in ihrer Trauer Trost und Stütze sind. Nicht aber hier. Während Hans wie erstarrt sich in das Unabänderliche fügt, zweifelt Katrin an den Aussagen der Ärzte. Sie ist überzeugt, dass ihr Kind gesund ist, dass es lebt. Hans erträgt ihre Zweifel nicht, er will, dass Katrin den Verlust akzeptiert. Die Beziehung zerbricht. Die beiden sehen sich erst wieder neun Jahre später, Katrin ist an Krebs erkrankt. Vor ihrem Tod nimmt sie Hans noch das Versprechen ab, er möge die Augen offenhalten, falls sich irgendwann eine Möglichkeit ergibt, Genaueres zu erfahren. Nach dem Mauerfall unternimmt Hans mehrere Versuche, Einblicke in die alten Krankenhausakten zu erhalten. Dabei stößt er zunächst auf erheblichen Widerstand, doch später erhält er geschwärzte Dokumente. Etwas scheint tatsächlich vertuscht worden zu sein. Und dann kommt der Anruf von seinem Sohn. Nur knapp 160 Seiten braucht Matthias Jügler um diese unwahrscheinliche Geschichte zu erzählen. Aus Hans‘ Perspektive und in der Rückschau erfahren wir vom Geschehen. Ohne Pathos und ohne Sentimentalitäten, beinahe nüchtern schildert Hans das Erlebte. Dabei lernen wir einen stillen, introvertierten Menschen kennen. Kraft und Trost findet Hans beim Angeln, ein Hobby, das schon sein Vater pflegte. Hier, in der Einsamkeit der Natur, kann er seinen Gedanken nachgehen. Lange hatte er die Erinnerung an Katrin und seinen Sohn verdrängt. „ Heute weiß ich, dass der Versuch, die Ereignisse der Vergangenheit unter den Teppich zu kehren, um das zu führen, was man ein normales Leben nennt, von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.“ Schuldgefühle plagen ihn. Katrin gegenüber, weil er sich damals so empathielos verhalten und ihre Zweifel nicht ernstgenommen hat und auch, weil seine Versuche, die Wahrheit herauszufinden, anfangs nur halbherzig waren. Fragen quälen ihn. Wie wäre sein Leben verlaufen ohne dieses Verbrechen? Wie das von Katrin und seinem Sohn? Wie der Autor Vergangenes und Gegenwart, Reflexionen und Erlebnisse miteinander verknüpft, spricht für sein literarisches Können. Ruhe verströmen die zahlreichen Passagen übers Angeln. Jügler versteht es durch leise Andeutungen und viele Metaphern aus dem Naturbereich Stimmungen und Gefühlslagen spürbar zu machen. Die titelgebenden Maifliegen verharren monatelang auf dem Grund der Flüsse und Bäche und steigen nur zur Paarung nach oben. „ Aber nur, weil sich etwas dem Blick so konsequent entzieht, heißt das nicht, dass es nicht existiert.“ Das Angeln lehrt auch Geduld und das Loslassen - Können, beides Eigenschaften, die Hans brauchen kann. Jügler lässt vieles im Ungefähren, in der Schwebe, lässt Raum für eigene Gedanken, und trotzdem ergibt das eine runde, stimmige Geschichte. In der Nachbemerkung lesen wir, dass so etwas kein Einzelfall war. „ Aufgeklärt sind bis zum heutigen Zeitpunkt drei solcher Verbrechen, die Zahl der Verdachtsfälle liegt jedoch bei 2000.“ Die „Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR“ kümmert sich um diese. Der Leipziger Autor hat unlängst für diesen Roman den Rheingau- Literaturpreis erhalten, völlig zu Recht. Dieses stille, aber umso eindringlichere Buch verdient alle Aufmerksamkeit, weil es jeglicher Ostalgie entgegenwirkt, in dem es ein weiteres Kapitel des Unrechtsstaates DDR aufzeigt.

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Simone Büchner

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Berechtigte Zweifel

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Autor nimmt sich in „Maifliegenzeit“ einem Thema an, dem ich in der Literatur schon einmal begegnet bin, beleuchtet aber eine andere Facette. Katrin und Hans lernen sich Anfang der 1970er Jahre an der Universität von Jena kennen und lieben. Vier Jahre danach wird diese Liebe gekrönt von der Geburt eines Sohnes. Doch angeblich starb das Kind aufgrund von Komplikationen wenige Tage später in der Kinderklink, so die Mitteilung der Ärzteschaft an die nun verzweifelten Eltern. Die Beziehung zerbricht, weil es keinen gemeinsamen Weg aus der Trauer gibt. Welche unfassbare Richtung das Geschehen nimmt, zeichnet sich zwar von Beginn an ab, nimmt aber trotzdem gefangen bis zum hoffnungsvollen Schluss.
4/5

Berechtigte Zweifel

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Autor nimmt sich in „Maifliegenzeit“ einem Thema an, dem ich in der Literatur schon einmal begegnet bin, beleuchtet aber eine andere Facette. Katrin und Hans lernen sich Anfang der 1970er Jahre an der Universität von Jena kennen und lieben. Vier Jahre danach wird diese Liebe gekrönt von der Geburt eines Sohnes. Doch angeblich starb das Kind aufgrund von Komplikationen wenige Tage später in der Kinderklink, so die Mitteilung der Ärzteschaft an die nun verzweifelten Eltern. Die Beziehung zerbricht, weil es keinen gemeinsamen Weg aus der Trauer gibt. Welche unfassbare Richtung das Geschehen nimmt, zeichnet sich zwar von Beginn an ab, nimmt aber trotzdem gefangen bis zum hoffnungsvollen Schluss.

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*Maifliegenzeit*

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Hans und Katrin verlieren ihr Wunschkind kurz nach der Geburt. Aus der Sicht von Hans wird das nun so tragisch verlaufende Leben schnörkellos erzählt. Das Buch ist kein Erfahrungsbericht sondern empathische Literatur über ein Thema, das wenig aufklärt und viele Fragen aufwirft. Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, arbeitet journalistisch und als freier Lektor.
4/5

*Maifliegenzeit*

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Hans und Katrin verlieren ihr Wunschkind kurz nach der Geburt. Aus der Sicht von Hans wird das nun so tragisch verlaufende Leben schnörkellos erzählt. Das Buch ist kein Erfahrungsbericht sondern empathische Literatur über ein Thema, das wenig aufklärt und viele Fragen aufwirft. Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, arbeitet journalistisch und als freier Lektor.

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