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Frau im Dunkeln

Roman


Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Die erwachsenen Töchter sind jetzt beim Vater in Kanada, und Leda muss sich eingestehen, dass sie statt der erwarteten Sehnsucht vor allem Erleichterung empfindet. Den heißen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort: Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr allerdings eine übermütig lärmende neapolitanische Großfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, wohlwollend. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls und tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Unbegreifliches an. Und wird selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen – an gravierende Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer eigenen Töchter ...

Was bedeutet es, eine Frau und Mutter zu sein? Mit frappierender Ehrlichkeit ergründet Elena Ferrante die widersprüchlichen Gefühle, die uns an unsere Kinder binden.

Rezension
"Hochspannende Parabel über das Leben moderner Frauen!"
Literarische Welt 21.11.2018
Portrait

Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans im Jahr 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga – bestehend aus Meine geniale Freundin, Die Geschichte eines neuen Namens, Die Geschichte der getrennten Wege und Die Geschichte des verlorenen Kindes – ist ein weltweiter Bestseller. Ab 2018 erscheinen im Suhrkamp Verlag auch Ferrantes jüngster Band Frantumaglia sowie ihre früheren Romane Lästige Liebe, Tage des Verlassenwerdens und Frau im Dunkeln in neuer Übersetzung.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 188
Erscheinungsdatum 11.02.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42870-2
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 21,3/13,1/2,2 cm
Gewicht 340 g
Originaltitel La figlia oscura
Auflage 1
Übersetzer Anja Nattefort
Verkaufsrang 2.618
Buch (gebundene Ausgabe)
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Buchhändler-Empfehlungen

„Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind am schwierigsten zu erzählen...“

Claudia Engelmann, Thalia-Buchhandlung Korbach

Leda ist eine Frau im besten Alter, beruflich erfolgreich. Die sich im Sommer einen Badeurlaub an der italienischen Küste gönnt. Unbeschwerte Wochen am Strand, versorgt mit Lektüre und Arbeit, genießt sie das sonnige Dasein. Bis eines Tages eine junge Frau mit ihrer Tochter in dieses Urlaubsleben tritt, und alles ändert sich. Leda tut etwas ganz und gar Unbegreifliches, und ab diesem Zeitpunkt durchlebt sie ihre eigene Vergangenheit, ihr Leben mit und ohne ihre beiden Töchter, wird von ihren Schuldgefühlen eingeholt und den Gedanken an die Entscheidungen, die sie treffen musste, um nicht unterzugehen. Ein großartiges und eindringliches Buch über eine Frau in einer Männerwelt, die sich traut, eine „Rabenmutter“ zu sein, um sich selbst nicht zu verlieren. Aktueller denn je... Leda ist eine Frau im besten Alter, beruflich erfolgreich. Die sich im Sommer einen Badeurlaub an der italienischen Küste gönnt. Unbeschwerte Wochen am Strand, versorgt mit Lektüre und Arbeit, genießt sie das sonnige Dasein. Bis eines Tages eine junge Frau mit ihrer Tochter in dieses Urlaubsleben tritt, und alles ändert sich. Leda tut etwas ganz und gar Unbegreifliches, und ab diesem Zeitpunkt durchlebt sie ihre eigene Vergangenheit, ihr Leben mit und ohne ihre beiden Töchter, wird von ihren Schuldgefühlen eingeholt und den Gedanken an die Entscheidungen, die sie treffen musste, um nicht unterzugehen. Ein großartiges und eindringliches Buch über eine Frau in einer Männerwelt, die sich traut, eine „Rabenmutter“ zu sein, um sich selbst nicht zu verlieren. Aktueller denn je...

„Im Innern der Puppe“

Sabine van Ahlen, Thalia-Buchhandlung Münster

Leda ist eine kultivierte Frau, knapp fünfzig, alleinstehend, zwei erwachsene Töchter, Hochschuldozentin in Florenz, ein wenig gestresst vielleicht, aber jetzt hat sie sich Urlaub genommen und am Strand des Badeortes bereits einen bequemen Stammplatz eingerichtet. Voller Sympathie beobachtet sie hier eine junge Mutter, die ausgelassen und sehr liebevoll mit ihrer kleinen Tochter und deren Puppe, in die beide geradezu vernarrt zu sein scheinen, am Strand spielt. Sie strahlen Schönheit und Anmut aus und eine innige, fast schon symbiotische Zuneigung, und Leda sieht ihnen gerne zu bis - ja bis sie erkennt, dass die beiden zu der lärmenden, raumgreifenden und vulgären Großfamilie aus Neapel gehören, die, kaum angekommen, den Strand für sich vereinnahmt, ja geradezu beherrscht. Und in Leda macht das Gefühl der Freude, Entspannung und Erholung einem Gefühl der Bitterkeit und Beklemmung Platz, denn in dieser lauten, aufdringlichen und schamlosen Sippe sieht sie sich mit ihrer eigenen Herkunft konfrontiert, einer Herkunft, die sie längst glaubte überwunden und hinter sich gelassen zu haben. Die Begegnung, ja Verstrickung mit diesen Menschen, wird sich für sie als ebenso verstörend wie reinigend erweisen…
Elena Ferrante hat in ihrem vierten Roman aus dem Jahr 2006 die zentralen Motive ihrer berühmten „Freundin“-Tetralogie gewissermaßen komprimiert vorweggenommen. Was sie Jahre später in der umfassenden Familiensaga ausformulieren wird, ist hier kammerspielartig verdichtet, und gerade das macht dieses Buch außerordentlich fesselnd und – in mancher Hinsicht durchaus provokant.
Letztendlich geht es um die Verwirklichung von weiblichen Lebensentwürfen, um die Möglichkeit (oder Unmöglichkeit?) sich von Herkunft und vorbestimmter Rolle zu emanzipieren. Kann man sich je wirklich ganz von seinem Ursprung (dem familiären „Sumpf“, wie Leda es nennt) lösen, was vermag Erziehung und Selbsterziehung? Verkommt der ehrgeizig, ja geradezu verbissen verfolgte Lebensentwurf mit der Geburt der eigenen Kinder zu einer bloßen Idee, zu reiner Makulatur? Endet alles in Vergeblichkeit und einer Art Selbstaufopferung, Selbstbetrug? Es scheint, als sei man als Mutter fortan einzig auf genau diese Funktion reduziert, und weder in der Fremd- noch fatalerweise in der Selbstwahrnehmung als Person mit (einstmals) eigenen Wünschen und Zielen noch erkennbar. Kann eine radikale Trennung von der eigenen Familie, den eigenen Kindern, eine echte (Er)Lösung sein? „Ich bin Eure Geschichte, bei mir fangt ihr an!“ will Leda ihren, durch die mütterliche Flucht tief verletzten Töchtern zurufen, die allerdings für ihre späten Rechtfertigungsversuche und Motive offensichtlich kaum Interesse aufbringen. Leda fühlt sich wie eine Puppe, die den kindlichen Bedürfnissen und Übergriffen jederzeit und durchaus willentlich zur Verfügung stand, wie ein Spielzeug, allerdings mit der besonderen Fähigkeit, Leben hervorzubringen, unter Aufgabe ihres eigenen. So ist das zentrale Symbol dieses an Symbolen reichen Romans, eine Puppe, verkörpert in eben jener Puppe des kleinen Mädchens vom Strand, das Leda ihr eines Tages aus einem unerklärlichen Impuls heraus kurzerhand stiehlt. Ein hässliches, abgenutztes, abgeliebtes Ding, aus dessen Mund eine schmutzige braune Brühe läuft und in deren Körper sich etwas undefinierbares, fast unheimliches verbirgt. Leda wird es gelingen, dieses Etwas aus dem Bauch der Puppe ans Licht zu bringen - und schließlich auch ihre eigenen Dämonen.
Gerade in dieser fast novellenhaften Form zeigt sich die große Begabung Elena Ferrantes als Erzählerin, gerade in der Verknappung und Fokussierung vermag sie eine Spannung zu erzeugen, der man sich bis zum Schluss nur schwer entziehen kann. Unbedingt lesenswert.
Leda ist eine kultivierte Frau, knapp fünfzig, alleinstehend, zwei erwachsene Töchter, Hochschuldozentin in Florenz, ein wenig gestresst vielleicht, aber jetzt hat sie sich Urlaub genommen und am Strand des Badeortes bereits einen bequemen Stammplatz eingerichtet. Voller Sympathie beobachtet sie hier eine junge Mutter, die ausgelassen und sehr liebevoll mit ihrer kleinen Tochter und deren Puppe, in die beide geradezu vernarrt zu sein scheinen, am Strand spielt. Sie strahlen Schönheit und Anmut aus und eine innige, fast schon symbiotische Zuneigung, und Leda sieht ihnen gerne zu bis - ja bis sie erkennt, dass die beiden zu der lärmenden, raumgreifenden und vulgären Großfamilie aus Neapel gehören, die, kaum angekommen, den Strand für sich vereinnahmt, ja geradezu beherrscht. Und in Leda macht das Gefühl der Freude, Entspannung und Erholung einem Gefühl der Bitterkeit und Beklemmung Platz, denn in dieser lauten, aufdringlichen und schamlosen Sippe sieht sie sich mit ihrer eigenen Herkunft konfrontiert, einer Herkunft, die sie längst glaubte überwunden und hinter sich gelassen zu haben. Die Begegnung, ja Verstrickung mit diesen Menschen, wird sich für sie als ebenso verstörend wie reinigend erweisen…
Elena Ferrante hat in ihrem vierten Roman aus dem Jahr 2006 die zentralen Motive ihrer berühmten „Freundin“-Tetralogie gewissermaßen komprimiert vorweggenommen. Was sie Jahre später in der umfassenden Familiensaga ausformulieren wird, ist hier kammerspielartig verdichtet, und gerade das macht dieses Buch außerordentlich fesselnd und – in mancher Hinsicht durchaus provokant.
Letztendlich geht es um die Verwirklichung von weiblichen Lebensentwürfen, um die Möglichkeit (oder Unmöglichkeit?) sich von Herkunft und vorbestimmter Rolle zu emanzipieren. Kann man sich je wirklich ganz von seinem Ursprung (dem familiären „Sumpf“, wie Leda es nennt) lösen, was vermag Erziehung und Selbsterziehung? Verkommt der ehrgeizig, ja geradezu verbissen verfolgte Lebensentwurf mit der Geburt der eigenen Kinder zu einer bloßen Idee, zu reiner Makulatur? Endet alles in Vergeblichkeit und einer Art Selbstaufopferung, Selbstbetrug? Es scheint, als sei man als Mutter fortan einzig auf genau diese Funktion reduziert, und weder in der Fremd- noch fatalerweise in der Selbstwahrnehmung als Person mit (einstmals) eigenen Wünschen und Zielen noch erkennbar. Kann eine radikale Trennung von der eigenen Familie, den eigenen Kindern, eine echte (Er)Lösung sein? „Ich bin Eure Geschichte, bei mir fangt ihr an!“ will Leda ihren, durch die mütterliche Flucht tief verletzten Töchtern zurufen, die allerdings für ihre späten Rechtfertigungsversuche und Motive offensichtlich kaum Interesse aufbringen. Leda fühlt sich wie eine Puppe, die den kindlichen Bedürfnissen und Übergriffen jederzeit und durchaus willentlich zur Verfügung stand, wie ein Spielzeug, allerdings mit der besonderen Fähigkeit, Leben hervorzubringen, unter Aufgabe ihres eigenen. So ist das zentrale Symbol dieses an Symbolen reichen Romans, eine Puppe, verkörpert in eben jener Puppe des kleinen Mädchens vom Strand, das Leda ihr eines Tages aus einem unerklärlichen Impuls heraus kurzerhand stiehlt. Ein hässliches, abgenutztes, abgeliebtes Ding, aus dessen Mund eine schmutzige braune Brühe läuft und in deren Körper sich etwas undefinierbares, fast unheimliches verbirgt. Leda wird es gelingen, dieses Etwas aus dem Bauch der Puppe ans Licht zu bringen - und schließlich auch ihre eigenen Dämonen.
Gerade in dieser fast novellenhaften Form zeigt sich die große Begabung Elena Ferrantes als Erzählerin, gerade in der Verknappung und Fokussierung vermag sie eine Spannung zu erzeugen, der man sich bis zum Schluss nur schwer entziehen kann. Unbedingt lesenswert.

„Vom Muttersein“

Claudia Tross, Thalia-Buchhandlung Offenbach

Diese frühe Ferrante zu lesen - nachdem man die "Neapolitanische Saga" kennt - ist wie eine Offenbarung. "Frau im Dunkeln" wirkt wie eine Feldstudie zu den 4 großen Romanen und zeigt Ferrantes großes Thema: Bildung bei Frauen. Auch Leda hat sich aus dem Arbeiterviertel Neapels herausgekämpft und genau deshalb ist sie so fasziniert vom Strandleben der Familienclans. Das ist der Auslöser dafür, dass ihr Unvermögen als Mutter an die Oberfläche ploppt, vergleichbare Szenen wie auch bei Elena Creco, die ihre Kinder mal da hin, mal dort hin weg organisiert, um frei zu sein. Ein kleiner, sehr feiner Roman. Diese frühe Ferrante zu lesen - nachdem man die "Neapolitanische Saga" kennt - ist wie eine Offenbarung. "Frau im Dunkeln" wirkt wie eine Feldstudie zu den 4 großen Romanen und zeigt Ferrantes großes Thema: Bildung bei Frauen. Auch Leda hat sich aus dem Arbeiterviertel Neapels herausgekämpft und genau deshalb ist sie so fasziniert vom Strandleben der Familienclans. Das ist der Auslöser dafür, dass ihr Unvermögen als Mutter an die Oberfläche ploppt, vergleichbare Szenen wie auch bei Elena Creco, die ihre Kinder mal da hin, mal dort hin weg organisiert, um frei zu sein. Ein kleiner, sehr feiner Roman.

„Wenn die Seele nicht mehr schweigen will...“

Ulrike Ackermann, Thalia-Buchhandlung Erlangen

Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, genießt Leda den Sommer und den Strand in Süditalien. Dort beginnt sie, regelmäßig fasziniert eine neapolitanische Großfamilie mit Mutter und kleiner Tochter zu beobachten.

Es beginnt alles ganz harmlos...

...und Ferrante hat mich einfach mitgenommen!

Nachdem die Kinder aus dem Haus sind, genießt Leda den Sommer und den Strand in Süditalien. Dort beginnt sie, regelmäßig fasziniert eine neapolitanische Großfamilie mit Mutter und kleiner Tochter zu beobachten.

Es beginnt alles ganz harmlos...

...und Ferrante hat mich einfach mitgenommen!

Stefanie Kellmann, Thalia-Buchhandlung Chemnitz-Röhrsdorf

Eine so faszinierende, böse und doch banale Geschichte las ich noch nie. Ferrante fesselt von der ersten Seite an, ohne eine bestimmt Thematik zu treffen. Unbedingt lesen! Eine so faszinierende, böse und doch banale Geschichte las ich noch nie. Ferrante fesselt von der ersten Seite an, ohne eine bestimmt Thematik zu treffen. Unbedingt lesen!

„Geniale Ferrante!“

Annegrit Fehringer, Thalia-Buchhandlung Kassel

Ja, die menschlichen Abgründe. Da sind sie wieder. Eigentlich eine kleine harmlose Sommergeschichte in Italien. Aber sie "entpuppt" sich alles andere als harmlos. Unbedingt lesen! Ja, die menschlichen Abgründe. Da sind sie wieder. Eigentlich eine kleine harmlose Sommergeschichte in Italien. Aber sie "entpuppt" sich alles andere als harmlos. Unbedingt lesen!

„Seelenleben....“

Simone Büchner, Thalia-Buchhandlung Coburg

Im Mittelpunkt des jetzt erst auf Deutsch erschienenen frühen Werkes der Autorin steht Leda, die ihren Urlaub in Süditalien verbringt. Selbst Mutter zweier erwachsener Töchter und geschieden, beobachtet sie zuerst interessiert, dann gelangweilt und schließlich genervt das Treiben zahlreicher Strandbesucher. So auch ein kleines Mädchen, dessen kostbarster Schatz eine Puppe ist. Nach einem besonders ereignisreichen Tag am Strand nimmt Leda die Puppe des Mädchens an sich. Dies setzt bei Leda einen Gedankenstrudel in Gang, infolgedessen sie ihr bisheriges Leben, vor allem die Zeit, als ihre Töchter noch klein waren, Revue passieren und bewerten lässt. Eindringlich erzählt!
Im Mittelpunkt des jetzt erst auf Deutsch erschienenen frühen Werkes der Autorin steht Leda, die ihren Urlaub in Süditalien verbringt. Selbst Mutter zweier erwachsener Töchter und geschieden, beobachtet sie zuerst interessiert, dann gelangweilt und schließlich genervt das Treiben zahlreicher Strandbesucher. So auch ein kleines Mädchen, dessen kostbarster Schatz eine Puppe ist. Nach einem besonders ereignisreichen Tag am Strand nimmt Leda die Puppe des Mädchens an sich. Dies setzt bei Leda einen Gedankenstrudel in Gang, infolgedessen sie ihr bisheriges Leben, vor allem die Zeit, als ihre Töchter noch klein waren, Revue passieren und bewerten lässt. Eindringlich erzählt!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
18 Bewertungen
Übersicht
10
7
1
0
0

Ungeschminkte Einblicke in die Seele einer Frau unserer Zeit. Emotional, berührend, einfach gut.
von Lesendes Federvieh aus München am 20.04.2019

Leda, verbringt angenehme Tage an der süditalienischen Küste. Sie genießt die Stunden am Meer, träumt vor sich hin und beobachtet eine junge Mutter und ihre kleine Tochter, die zu einer italienischen Großfamilie gehören. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken über das Idyll und Leda tut etwas völlig Unbegreifliches... "Frau im Dunkeln"... Leda, verbringt angenehme Tage an der süditalienischen Küste. Sie genießt die Stunden am Meer, träumt vor sich hin und beobachtet eine junge Mutter und ihre kleine Tochter, die zu einer italienischen Großfamilie gehören. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken über das Idyll und Leda tut etwas völlig Unbegreifliches... "Frau im Dunkeln" ist ein absolut gelungenes Portrait einer Frau unserer Zeit, die in einer scheinbaren Idylle am Meer ihre Gedanken in die Vergangenheit richtet. Was dabei so alles an die Oberfläche schwebt, ist ehrlich, berührend und ein Stückchen Wahrheit, die, so vermute ich jetzt einfach, jede Leserin in irgend einer Weise kennt. Leda, die Protagonistin des Buches ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, sie hadert zwischen Karriere und Mutterschaft und setzt ihre Pläne konsequent durch. Elena Ferrante seziert die Seele Ledas förmlich, direkt, schonungslos offen und auf den Punkt gebracht, so dass ich als Leserin immer wieder gezwungen wurde mir Gedanken über Ledas Verhalten zu machen, das ist es auch, was die Geschichte für mich so besonders und berührend macht. Man kann es nicht einfach lesen und weglegen, es hallt nach und gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern des Jahres 2019. Ihr Schreibstil ist klar und eindringlich zugleich, für mich hat sich daraus eine richtige Sogwirkung entfaltet. Aber auch ihre kraftvollen, bildhaft und lebendig ausgearbeiteten Charaktere verleihen der Erzählung ihre Authentizität und Kraft. Die Autorin schreibt über Ledas Leben so berührend, ich konnte mich als Frau, Mutter und auch als Tochter zwischen den Zeilen wiederfinden. Fazit: Ungeschminkte Einblicke in die Seele einer Frau unserer Zeit. Emotional, berührend, einfach gut.

Versuch einer Aufarbeitung der eigenen Persönlichkeit
von einer Kundin/einem Kunden aus Siegen am 31.03.2019

In diesem Roman geht es um Leda, die allein in einem italienischen Badeort Urlaub macht. Sie hat ihr Leben bislang gut gemeistert, so scheint es. Sie lehrt an einer Universität und hat zwei erwachsene Töchter. Sie hat sich aus ihrer Ehe befreit, als die Enge der Familie ihr zu... In diesem Roman geht es um Leda, die allein in einem italienischen Badeort Urlaub macht. Sie hat ihr Leben bislang gut gemeistert, so scheint es. Sie lehrt an einer Universität und hat zwei erwachsene Töchter. Sie hat sich aus ihrer Ehe befreit, als die Enge der Familie ihr zu sehr zusetzte. Somit tritt sie selbstbewusst und emanzipiert auf. Am Strand fällt ihr eine neapolitanische Familie auf, und sie beginnt deren soziale Beziehungen zu studieren. Da es sich um einen Familienclan handelt, gibt es einiges zu beobachten. Besonders eine junge Frau und ihre kleine Tochter wecken Ledas Interesse. Zunächst ist sie den beiden wohlgesonnen, beobachtet die Probleme in der Mutter-Kind-Beziehung und fühlt sich an eigene Erlebnisse mit ihren Kindern in der Vergangenheit erinnert. Jedoch entwickelt sich die Sympathie bald zu Neid, denn sie beobachtet ein sehr intensives Verhältnis zwischen Mutter und Kind, das sie nie zu ihren Töchtern hatte und vielleicht auch nie haben wollte. Sie erinnert sich an Erlebnisse mit ihren Töchtern, die keineswegs harmonisch waren, und ist so frustriert, dass sie aus niederen Beweggründen etwas sehr Gemeines macht, das für die neapolitanische Familie ein Drama bedeutet. Das Buch zeigt uns die Zerrissenheit einer Frau, die gleichzeitig eine Familie betreut und Karriere machen möchte. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihren Kindern sowie dem Wunsch, sich ihnen zu widmen, und auf der anderen Seite dem Streben nach Selbstverwirklichung im Beruf, aber auch im Privatleben. Die Situationen, an die Leda sich erinnert, sind für mich sehr authentisch und haben mich an so manches in meinem eigenen Leben erinnert. Ich bekam dadurch viele Impulse zur Reflektion. Sie beobachtet die junge Mutter am Strand und ihr warmherziges und vertrauensvolles Spiel mit ihrer kleinen Tochter. Für Leda entwickelt sich die bittere Erkenntnis, dass sie ihren Töchtern keine liebevolle Mutter war. Und noch etwas erkennt sie: dass auch sie selbst als Kind nicht in Geborgenheit aufwuchs. Kann nur ein Mensch, der in Liebe und Zuwendung aufwuchs, diese auch später weitergeben? Dies sind grundsätzliche Fragen, auf die es vermutlich keine klaren Antworten gibt. Leda ist sicher keine sympathische Protagonistin, denn sie hat deutlich wahrnehmbare Charakterschwächen, aber diese Schwächen sind sehr authentisch beschrieben, und in der einen oder anderen Schwäche kann sich sicherlich jeder wiedererkennen. Der Schreibstil der Autorin hat mich sehr beeindruckt, denn sie bleibt nicht an der Oberfläche, sondern beleuchtet bis in tiefste emotionale Schichten die Persönlichkeit dieser auf den ersten Blick perfekten Frau. Es ist sicher nicht mein letztes Buch von Frau Ferrante. Das Cover hätte etwas mehr abgestimmt werden können, so dass das Bild der Dominanz des Familienclans am Strand besser abgebildet würde, aber das ist nur eine Kleinigkeit. Insgesamt hat mich das Buch sehr beeindruckt, mich zum Nachdenken angeregt und bleibende Gefühle hinterlassen. Eine eindeutige Empfehlung für Leser mit Vorliebe für tiefgründige Literatur.

Kurzer, pointiert formulierter Roman, der eine Sogwirkung entfaltet und durch das vorweggenommene Ende spannend und raffiniert erzählt ist
von einer Kundin/einem Kunden aus Köln am 09.03.2019

Leda ist 48 Jahre alt, Literaturprofessorin und Mutter zweier erwachsener Töchter, die bei ihrem Vater in Toronto wohnen. Sie verbringt den Sommer allein in einer Ferienwohnung in Kalabrien, wo sie sich ganz den Büchern und der Vorbereitung ihrer Seminare widmen möchte. Am Strand trifft sie auf eine neapolitanische Familie,... Leda ist 48 Jahre alt, Literaturprofessorin und Mutter zweier erwachsener Töchter, die bei ihrem Vater in Toronto wohnen. Sie verbringt den Sommer allein in einer Ferienwohnung in Kalabrien, wo sie sich ganz den Büchern und der Vorbereitung ihrer Seminare widmen möchte. Am Strand trifft sie auf eine neapolitanische Familie, die sie an ihre eigene Familie erinnert. Angezogen fühlt sie sich dabei von Nina, einer jungen Mutter eines dreijährigen Kindes. Die kleine Elena ist eines Tages verschwunden und wird panisch am Strand gesucht. Leda findet das Mädchen und bringt sie zurück zu ihrer Familie. Dabei steckt sie allerdings ihre geliebte Puppe ein, ohne die Elena nicht sein kann. Und auch als Leda täglich sieht, wie die Kleine leidet und die Urlaubsstimmung für die neapolitanische Familie abhanden gekommen ist, gibt Leda die Puppe nicht zurück. Das Buch handelt von der Rolle der Frau und dem Konflikt zwischen Karriere und Mutter-Dasein, zwischen individueller Freiheit und Familie. Leda hat sich in der Vergangenheit von ihrem Mann getrennt und damit auch ihre beiden kleinen Töchter verlassen und sogar drei Jahre ganz den Kontakt zu ihnen abgebrochen. Dieses Verlassen hat die Mutter-Tochter-Beziehungen entscheidend geprägt und nachhaltig erschüttert. Mit dem Beobachten der Familie am Strand kehrt die Erinnerung daran, aber auch an ihre eigene Kindheit und das Verhältnis zu ihrer Mutter zurück. Der kurze Roman, der schonungslos ehrlich geschrieben ist, schockiert und man fragt sich aufgrund der Namensgebung des Kindes, wie viel Autobiographisches in der Novelle steckt. Es ist kaum vorstellbar, dass eine studierte Frau, die auf den ersten Blick mit sich selbst im Reinen und selbst Mutter ist, einem fremden Kleinkind das Spielzeug stiehlt und anschließend zusieht, wie das Mädchen und die ganze Familie leiden. Leda ist keine sympathische Protagonistin. Sie polarisiert, ist exzentrisch und handelt egoistisch, bösartig und gemein. Elena Ferrante traut sich Dinge zu beschreiben, die tabu sind: Eine Frau mit zwei Töchtern, die ihre Erfüllung nicht in der Mutterrolle findet und sich und ihre persönlichen Interessen an die erste Stelle rückt. Leda konnte ihren Töchtern nie die Liebe entgegenbringen, die ihr von der fremden neapolitanischen Familie am Strand vorgelebt wird und die sie nie von ihrer eigenen Mutter erfahren hat. Neid und Eifersucht kommen in ihr auf, was sich letztlich in ihrem niederträchtigen Handeln niederschlägt. "Frau im Dunkeln" ist ein kurzer, pointiert formulierter Roman, der eine Sogwirkung entfaltet und durch das vorweggenommene Ende spannend und raffiniert erzählt ist.