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Die Zeugen

Kroatien im Krieg 1992: In einem Vorort von Split wird ein serbischer Unternehmer ermordet. Womit die Täter nicht gerechnet haben: Die Tochter des Mannes wird Zeugin des Verbrechens. Die Männer entführen sie. Zunächst wird das Verbrechen erfolgreich vertuscht, denn die Täter verfügen über gute Beziehungen zu einflussreichen Personen. Doch immer mehr Leute werden in den Fall hineingezogen.
Krešo will das Mädchen retten. Seine Kriegskameraden wollen sie umbringen. Krešos Schwester Lidija will den Fall an die Öffentlichkeit bringen. Der Arzt Matić will einem Verwandten helfen und der Journalist Galjer nur eine bessere medizinische Behandlung für seine Frau. Und das Mädchen kann nur darauf warten, umgebracht oder gerettet zu werden.
Portrait
Jurica Pavičić ist 1965 in Split geboren, wo er heute lebt. Er ist einer der renommiertesten Autoren und engagiertesten Journalisten Kroatiens, wurde außerdem als Film- und Literaturkritiker mehrfach ausgezeichnet.
Pavičić schrieb als Erster unverhohlen kritisch über den Krieg in den 1990er Jahren in Kroatien. Die Verfilmung "Die Zeugen" seines ersten Romans über eine Soldateska in Split erhielt 2004 den Friedenspreis der Berlinale. In seinen folgenden Romanen geht es weiterhin um aktuelle Probleme wie Korruption, Arbeitslosigkeit und Generationenkonflikte, deren Auswirkungen auf familiäre und gesellschaftliche Strukturen Pavičić meisterhaft beobachtet.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Nein i
Seitenzahl 236 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 11.02.2019
Sprache Deutsch
EAN 9783944359540
Verlag Schruf & Stipetic
Dateigröße 948 KB
Übersetzer Brigitte Kleidt
Verkaufsrang 51.764
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Kundenbewertungen

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Explosive Stimmung
von Sikal am 16.03.2019
Bewertet: Paperback

Da mich das Thema rund um den Balkankrieg in den 90ern sehr interessiert, wollte ich dieses Buch lesen. Der Krieg wird in die Geschichte eingewoben, die Schauplätze und die Stimmung sind allgegenwärtig. Gleich zu Beginn begleiten wir einer Gruppe junger Männer, die sich durch ein Minenfeld tasten. Jeder Schritt... Da mich das Thema rund um den Balkankrieg in den 90ern sehr interessiert, wollte ich dieses Buch lesen. Der Krieg wird in die Geschichte eingewoben, die Schauplätze und die Stimmung sind allgegenwärtig. Gleich zu Beginn begleiten wir einer Gruppe junger Männer, die sich durch ein Minenfeld tasten. Jeder Schritt kann tödlich sein ? die spannungsgeladene Atmosphäre überträgt sich auf den Leser und lässt eine hochinteressante Geschichte vermuten. Als Kreso auf eine Mine tritt und einer seiner Freunde getötet wird, entwickelt sich ihr Leben in eine völlig neue Richtung. Der Auslöser für viele weitere Ereignisse sind die schrecklichen Erfahrungen an der Front, von denen man immer wieder zwischendurch erfährt. Als sie einen reichen serbischen Unternehmer in seiner Villa erschießen und dessen Tochter als Geisel nehmen, ahnen sie noch nicht, welche Verwirrungen sie dadurch heraufbeschwören. Doch was sie nun mit dem Mädchen machen wollen, bleibt fürs erste unklar. Doch diese Episode ist eher zweitrangig. Vordergründig geht es um die junge Generation in diesem Bürgerkrieg, von der die Menschen überfordert sind. Einerseits sind sie gezwungen an der Front ohne Emotion zu töten, andererseits sollen sie im Wochen-Rhythmus ein Privatleben führen. Eine schwierige Situation, mit der die Menschen nicht umgehen können (wie sollte das auch funktionieren). Einerseits wird gemordet ? quasi im Auftrag des Vaterlandes ? andererseits werden sie für den Mord an dem Unternehmer verfolgt? Diese Doppelmoral zieht sich durch die Geschichte. Wichtig finde ich, dass herausgekehrt wird, wie es sich mit Ethik und Moral in Krisenzeiten verhält. Schnell werden Werte zur Seite gekehrt, Selbstjustiz tritt in den Vordergrund, während Recht und Gesetz nicht mehr so wichtig scheinen. Der Familienzusammenhalt wird hoch gehalten, auch über ein Verbrechen hinweg. Sehr gut dargestellt finde ich die Verrohung der Menschen, wie schnell hier ohne mit der Wimper zu zucken über Leben oder Tod entschieden wird, wie sich jeder in ein explosives Pulverfass verwandelt ? jederzeit bereit zum Ausbruch zu kommen. Das Buch ist für mich kein Krimi oder Thriller, was es eigentlich sein sollte. Es handelt sich eher um einen zeitgeschichtlichen Roman, der ein Sittenbild dieser Kriegsgeneration zeigt. Leider konnte mich die Geschichte nicht ganz erreichen, die Charaktere waren zu oberflächlich ausgearbeitet (vielleicht ja so gewollt), so kann man auch während des Lesens keine Sympathie für irgendjemanden entwickeln. Im Großen und Ganzen zu flach, die Geschichte hätte mehr Potenzial. Daher gibt es von mir auch nur 3 Sterne.

Ein Sittenbild des Jugoslawienkrieges
von Gertie G. aus Wien am 25.02.2019

Die Handlung ist während des Jugoslawienkrieges 1992 in Split angesiedelt. Zum einen begleiten wir eine Gruppe Männer in den Kampf, bei dem einer getötet und ein anderer, Kreso, sein Bein verliert, als sie auf eine Mine treten, die pikanterweise Kreso selbst gelegt hat. Aufgrund dieser Ereignisse sind die Männer... Die Handlung ist während des Jugoslawienkrieges 1992 in Split angesiedelt. Zum einen begleiten wir eine Gruppe Männer in den Kampf, bei dem einer getötet und ein anderer, Kreso, sein Bein verliert, als sie auf eine Mine treten, die pikanterweise Kreso selbst gelegt hat. Aufgrund dieser Ereignisse sind die Männer völlig verroht und gleiten ins kriminelle Milieu ab. Sie erschießen den reichen serbischen Unternehmer als er sie beim Einbruch in seine Villa ertappt. Doch damit nicht genug, ist die zwölfjährige Tochter anwesend. Obwohl Zeugin des Mordes an ihrem Vater, wird das Mädchen zunächst nicht ermordet, sondern versteckt. Ein letzter Funken von Menschlichkeit? Oder ein perfider Plan? Meine Meinung: Ich persönlich halte dieses Buch nicht für einen Krimi oder Thriller. Das erste Drittel des Buchs beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Geschehen an der Front. Erst dann beginnt langsam die Handlung rund um den Kriminalfall. Daher ist das Buch für mich eher das Psychogramm einer verlorenen Generation. In einen Bürgerkrieg hineingestoßen, weiß kaum jemand mit der Situation umzugehen. Die Männer werden zu Kampfmaschinen, zu staatlich sanktionierten Mördern. Eine Woche Kampf, eine Woche frei ? ein seltsamer Rhythmus, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Sehr gut ist die Dominanz der Familienbande geschildert, die quasi über dem staatlichen Gesetz steht. Die ethnische Zugehörigkeit entscheidet über Leben und Tod. Es scheint opportun zu sein, Serben ohne größere Gewissensbisse zu töten, wenn man selbst Kroate oder Bosnier ist (und umgekehrt). In Zeiten wie diesen, treten die latent vorhandenen Abgründe der Menschen deutlich zu Tage. Dass die Täter ein wenig Menschlichkeit zeigen und das Mädchen nicht töten, ist fast schon ein kleines Wunder. Mit den Protagonisten bin ich nicht recht warm geworden. Vermutlich ist das auch nicht das Ziel von Jurica Pavlicic. Einige Charaktere sind trotz ihrer gewalttätigen Präsenz ein wenig flach. Das entführte Mädchen erscheint als vernachlässigte Randfigur, aus der einiges herauszuholen gewesen wäre. Gut herausgearbeitet ist das Leben der Soldaten. Solange andere (Feinde) sterben, ist alles kein Problem. Erst als es einen aus der eigenen Gruppe trifft, können sie mit diesem Verlust nur schwer umgehen. Wir erfahren von Rachegefühlen, von Angst und Schmerzen. Die Männer sind sowohl Täter als auch Opfer. Der zerfallende Staat trägt wenig zur Deeskalation bei. Das Leben der Zivilisten in den betroffenen Gebieten ist düster und von Korruption überschattet. Ohne das übliche Kuvert ist weder eine adäquate medizinische Behandlung noch sonst etwas zu bekommen. Fazit: Eher ein Sittenbild als Krimi oder Thriller, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Leben im Kroatienkrieg
von Fredhel am 24.02.2019
Bewertet: Einband: Paperback

"Die Zeugen" spielt mitten im Kroatienkrieg. Es handelt zwar vordergründig um einen Mord an einem serbischen Geschäftsmann, aber es ist eigentlich mehr eine Darstellung der Lebenssituation der Bevölkerung. Menschen, die in ihrem Schwarz-Weiß-Denken verhaftet sind, die nicht mehr den Menschen im Feind erkennen, Familienbande und Beziehungen über Recht und... "Die Zeugen" spielt mitten im Kroatienkrieg. Es handelt zwar vordergründig um einen Mord an einem serbischen Geschäftsmann, aber es ist eigentlich mehr eine Darstellung der Lebenssituation der Bevölkerung. Menschen, die in ihrem Schwarz-Weiß-Denken verhaftet sind, die nicht mehr den Menschen im Feind erkennen, Familienbande und Beziehungen über Recht und Ordnung stellen und die sich mit der überall herrschende Korruption irgendwie arrangiert haben. Es ist ein düsteres Bild, das sich vor dem Leser ausbreitet und man erschrickt, wie in solchen Ausnahmesituationen sich die primitiven Lebensansichten flächenbrandartig ausbreiten und der gesunde Menschenverstand verschwindet. "Die Zeugen" ist ein Buch, das sich nicht in einem Zug runterlesen lässt. Es bietet durch den Kriminalfall eine gewisse Spannung, aber dennoch bleibt es ein schwerer Stoff, auch wenn Jurica Pavicic spannend und bildhaft zu erzählen weiß. Mir persönlich fehlt ein Sympathieträger in dem Roman, denn durchweg alle Personen haben einen unangenehmen Charakter. Der Verlag tut sich keinen Gefallen damit, das Buch unter dem Genre Thriller laufen zu lassen. Es ist in meinen Augen reine Zeitgeschichte und spricht damit ein ganz anderes Publikum an.