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Gestaltenwandler

Jannis Niewöhner gewann 2019 für „Beat“ den Grimme-Preis. Helden wider Willen liegen ihm. Sein nächster Geniestreich folgt sogleich: Goldmund. Im Mai dann die Verfilmung von „Der Überläufer“, eine von vier Lieblingserzählungen.

Die Buch-Tipps von Jannis Niewöhner


Narziß und Goldmund

von Hermann Hesse

Dieser Roman erzählt für mich die großen Themen wie Freundschaft und Erwachsenwerden. Goldmund begibt sich auf die Suche, nach seiner eigenen Mutter, aber auch um möglichst vielseitige Erfahrungen zu sammeln – er ist frei und offen, wird Bildhauer, um so seinen Gefühlen, seinem Sehnen nach der Mutter Ausdruck zu verleihen. Beim Lesen des Romans hatte ich seinen Weg sehr lebendig vor Augen. Bei der Drehbuchfassung war für mich dann auch der Aspekt spannend, dass die Frauenfiguren so klar und gefestigt sind. Goldmund lebt in vollen Zügen, Narziss wählt die Askese, und trotzdem oder gerade deshalb verbindet die beiden ein universelles Band.


Der Überläufer

von Siegfried Lenz

Wie sich der Krieg anfühlt, die ständige Bedrohung, die Entbehrungen, wie man mit Schuld lebt, das alles erzählt für mich die Geschichte des Soldaten Walter Proska. Er verliebt sich nach einem Heimaturlaub auf einer Zugfahrt zurück an die Front in ein Partisanenmädchen. Ich habe während der Dreharbeiten oft an meinen Großvater denken müssen, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg war. Er hat es überlebt und starb, als ich 13 war. Im Krieg musste er meine Oma mit dem Bauernhof, mit der Arbeit auf dem Feld allein lassen. Ich habe mir vorgestellt, wie hart das damals für meine Großeltern gewesen sein muss. Was die Abwesenheit von jemand Geliebtem ausmacht.


Rave

von Rainald Goetz

Das Leben von Robert Schlag, genannt „Beat“, findet überwiegend nachts statt. Für diese Rolle habe ich, unter anderem, die Aufzeichnungen von Rainald Goetz gelesen, die auch im Inneren der Nacht spielen. Er hat die Stimmung in der Technoszene einfangen. Kleine Kostprobe: „Ich hatte das Picken der Sechzehntel superhell in meinen Fingerspitzen, weit ausgebreitete Arme.“ „Rave“ hat mir ein Gespür gegeben für eine von vielen unterschiedlichen Gedankenwelten innerhalb der Technoszene, die sehr sprunghaft und intensiv ist. Das war hilfreich für Beat.


Michel aus Lönneberga

von Astrid Lindgren

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und konnte mich vielleicht deshalb prima mit Michel identifizieren und für seine Streiche begeistern. Diese verspielte, naive Sicht auf das Leben versuche ich mir zu bewahren. Nicht durchgehend, versteht sich. Für meinen Beruf ist jedoch diese Unbefangenheit, das innerliche Freisein, sehr hilfreich.