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Mit dem Rücken zum Meer

Seine Texte – ob für Buch oder Bühne – schreibt Mario Barth alle selbst und ist dabei ein disziplinierter Perfektionist. Aber warm muss es sein, sonst klappt’s nicht mit dem Denken.

TEXT: Tatjana Dönhoff

Mario Barth ist ein versierter Facharbeiter. Die Mann-Frau-Beziehungskiste ist sein Thema. Das schätzen Millionen Fans, Frauen wie Männer, seit nunmehr 20 Jahren. Kritik aus dem Feuilleton ob seiner inhaltlichen Kontinuität ficht Mario Barth nicht an. „Das Spiel zwischen Mann und Frau ist doch der Kern aller Dinge. Das Thema stirbt niemals. Dazu finde ich noch in 90 Jahren Neues.“ Wer jetzt glaubt, Mario Barth liest zur Inspiration vor allem Frauenliteratur, Liebes- oder Schicksalsromane, der irrt gewaltig. „Ich verschlinge Sachbücher“, sagt er. „Ich will immer wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind. Woher es kommt, dass Frau oder Mann tut, was sie und er tut.“

Dafür liest er viel, sehr viel. Zwischen Terminen, auf Reisen, abends im Bett. „Psychologie interessiert mich besonders.“ Seine Lieblingsautoren sind Vera F. Birkenbihl und Dale Carnegie: „Die find ich sensationell! Die Bücher kann ich immer wieder lesen und finde je nach Lebensphase auch für mich neue Aspekte.“ Wissenshungrig ist Mario Barth eigentlich ständig. Seine Lieblingskost: Alltagssituationen. Er kann nicht davon lassen, seine Umwelt, seine Mitmenschen genau zu beobachten. Egal, ob im Coffeeshop um die Ecke oder an der Ampel in seinem Ferrari („mein Kindheitstraum!“), vor der Kneipe, im KaDeWe oder auf dem Ku’damm: Überall entdeckt er Beziehungsinteraktionen, die ihn zu neuen Comedy-Ideen inspirieren. Um die Ideen nicht zu vergessen, schreibt er sich schnell ein paar Schlagworte in sein Telefon. Stift und Papier gibt’s bei ihm nicht. Zwei Jahre, das hat die Erfahrung gezeigt, braucht er, bis die Texte für seine nächste Bühnenshow stehen.

Genauso viel Zeit hat er auch in sein neues Buch„Happy Wife, Happy Life“ gesteckt. Denn im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen beschäftigt er kein Autorenteam, das ihm zuarbeitet. Mario Barth ist beim Schreiben eine One-Man-Show, feilt, bis alles perfekt ist. „Ich bin strukturiert und sehr diszipliniert, bei allem. Beim Sport, beim Abnehmen, beim Schreiben. Ich mache nie halbe Sachen. Ich lass mich nicht ablenken. Denn schludrig darf ich nicht sein, wenn ich gut und erfolgreich sein will.“ Das hat er sich bei Rudi Carrell und Loriot abgeguckt. „Die haben auch alles so lange gemacht, bis es perfekt war.“ Damit er das hinbekommt, pflegt der Entertainer „einen total durchstrukturierten, immer gleichen Tagesablauf“. Nur montags hat er frei: „Da bin ich zu Hause oder treffe mich mit Freunden, koche, gehe zur Massage. Das weiß jeder, der mit mir zu tun hat. Kein Telefon, keine Mails, keine Auftritte irgendwelcher Art. Das ist mein ganz privater Tag – auch während der Tourneen.“

An den übrigen Tagen steht er früh auf, geht in sein Dampfbad und schlägt ohne Frühstück („Da steh ich nicht drauf!“) um neun in seinem Büro auf. Für die Werkstatt von „Stories“ hat der Entertainer eine Ausnahme gemacht und seine Denkkapsel an seinem „heiligen Montag“ für den Fotografen geöffnet. „Dort sitz ich auf meinem orangenen Stuhl, den ich seit 15 Jahren habe, und lese meine Notizen im Telefon. Und dann kommen die Ideen. Das geht ganz automatisch.“ Die checkt er zunächst mal gegen. Er liest, recherchiert im Internet, macht Termine mit Ärzten, Psychologen, Verhaltensforschern. Manchmal, wie für sein neues Buch, auch mit Paartherapeuten, Biochemikern und Ethnologen. Erst danach beginnt er mit dem Schreiben.

Die drei Musketiere

Kurz vor Fertigstellung des Manuskripts startet dann eine weitere Routine. Dabei kommt die Clique ins Spiel, seine Jungs, die mutigen und treuen Vorkoster. „Ich verziehe mich eine Woche lang ins Warme, da kann ich am besten denken. Meist nach Mallorca und immer mit meinen drei besten Freunden. Die kennen mich seit Jahrzehnten. Einer ist mein Mathematiker-Bruder.“ Dort setzt sich der Entertainer mit dem Rücken zum Meer unter einen Baum mit Blick auf die Berge. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Computer. „Irgendwo klingelt eine Schelle, es mäht was. Die Olivenbäume … ein Traum!“ Frühmorgens um sieben geht’s los. „Die Freunde sind einfach nur da, keiner redet. Tuncay kocht den ganzen Tag Kaffee und schneidet Melone, der andere raucht Zigarre und macht gemütlichen Dunst, mein Bruder brät morgens Rührei, und gegen 16 Uhr fängt er an zu grillen.“ Nach dem Dinner liest Mario Barth laut sein Tagespensum vor, und seine Freunde mutieren zu Kritikern. „Wenn die nicht lachen, muss ich was ändern. Vor allem der mit den Zigarren, der ist ein Brummel-Typ. Wenn ich den zum Lachen bringe, dann weiß ich: Das Thema ist geil, das wird auch die Fans begeistern.“

Kein Geld für Comics

Und was ist mit der Freundin? Darf die ihn auch kritisieren? „Nee“, sagt Mario Barth mit Bestimmtheit. „Die liebt mich zu sehr. Wenn die sagt ,Es ist toll‘, dann weiß ich nicht wirklich, ob es stimmt. Meine drei Freunde sind immer 100 Prozent ehrlich.“ Dass er seine Beobachtungen in lustige Texte verwandeln kann und zum erfolgreichsten deutschen Comedy-Star auf der Bühne und im TV wurde, hat er auch seiner Familie zu verdanken. Zunächst musste er, das mittlere Kind, sich damals in Berlin-Mariendorf gegen seine fünf Brüder durchsetzen. „Das ging nur mit lauter Stimme“, erzählt er. „Ich hatte eine Riesenfantasie und habe mit meinen Geschichten gepunktet.“ Deutsch und Schreiben begeisterte ihn in der Schule anfangs noch nicht, Lesen schon eher. „Natürlich TKKG und Pippi Langstrumpf und so, die bekam man geschenkt. Für Comics hatte ich leider immer zu wenig Geld.“ In den Sommerferien ging’s zum geliebten Großvater, der Oberstudienrat in Traunstein war. „Da kommt meine Liebe zu den Bergen her.“ Und der war es auch, der seinen Enkel unterstützte, als dieser beschloss, die Ausbildung zum Kommunikationselektroniker, Fachrichtung Telekommunikation, bei Siemens sein zu lassen und an die Schauspielschule zu wechseln. Als er bald den ersten Sketch für seine Comedy-Premiere schreiben musste oder das Drehbuch für den ersten Film, „war es wieder mein Großvater, der sagte: ,Mach’s einfach!‘“

Das neue Buch von Mario Barth

Happy Wife, Happy Life

Die richtigen Tipps für eine glückliche Beziehung

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