Bertold Heizmann, geboren 1944 in Frei-burg i. Br., hat nach dem Studium der Ger-manistik und Philosophie an Schulen und Hochschulen (Bochum, Essen) gewirkt und hat zahlreiche literaturgeschichtliche und -didaktische Schriften, insbesondere zur Goethezeit, veröffentlicht. Zuletzt er-schienen von ihm – zusammen mit Dag-mar Gaßdorf – in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ des Essener Klartext Verlages die Bände über Goethe, Schiller und Heine (2020 und 2021). Die im Schrenk-Verlag, Röttenbach, veröffentlichte Monographie „Im Schatten Goethes: Kotzebue“ (2019) wurde vielfach positiv rezensiert. Heizmann ist Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Essen.
Zwei Traditionsstränge dominieren das Heimkehr-Thema in der Literatur: das Gleichnis vom verlorenen Sohn und die Odyssee. Das biblische Gleichnis erweist sich insofern als hermeneutischer Glücksfall, als der Weggang des Sohnes und seine Rückkehr in der Bewertung zu widersprüchlichen Ergebnissen führen. Und Odysseus, der ›vielgewanderte‹ Kriegsheimkehrer, ist Sinnbild für das ›Heimbegehren‹, das keineswegs einen harmonischen Abschluss finden muss. In einem diachronen Aufriss über das Mittelalter bis in die Gegenwart wird gezeigt, wie die beiden Stränge teilweise parallel, teilweise aber auch miteinander verquickt, immer wieder zu neuen Gestaltungen – den jeweiligen Zeitumständen Rechnung tragend – führten. Neben den großen Autoren wie Keller, Raabe, Kafka und vielen anderen werden auch Märchen, populäre Lieder und die Trivialliteratur einbezogen. Zudem fordert das Thema zu einer Auseinandersetzung mit dem Wortstamm ›heim‹ heraus, der in Zusammensetzungen wie ›Heimkehr‹,
›Heimweh‹ oder ›Heimat‹ etwas Wohltuendes, Vertrautes suggeriert, sich aber auch in Begriffen wie ›Geheimnis‹, Heimlichkeiten‹, ›Heimsuchung‹ oder gar ›Heimtücke‹ findet. Auch dieses Spektrum wird in der hier besprochenen Literatur abgebildet. Deutschsprachige Texte stehen im Vordergrund; es werden aber auch europäische und außereuropäische Schriften behandelt.