Christoph Braendle, 1953 in der Schweiz geboren, lebt und arbeitet seit 1987 hauptsächlich in Wien. Ausgedehnte Reisetätigkeit. Schriftsteller und Essayist. Autor zahlreicher Theaterstücke und Regisseur. Publiziert in vielen Zeitungen und Zeitschriften des deutschsprachigen Raums, z.B. „Neue Zürcher Zeitung“, „Weltwoche“, „Du“, „Frankfurter Allgemeine“, „Merian“, „Presse“, „Standard“, „Falter“ und „Kurier“.
Leiter des „Wiener Salon Theaters und der Konzertreihe „Vollmondserenaden“.
Intendant des Kreativschreibwettbewerbs „Texte. Preis für junge Literatur“.
Buchveröffentlichungen: „Die Reise nach Indonesien“ (1981), „Die Wiener“ (1992), „Jede Menge Kafka“ (1994), „Wiener Sonate“ (1998), „Der Unterschied zwischen einem Engel“ (2000), „Ein österreichischer Held“ (2001), „Erinnerungen an die Gegenwart“ (2005), „Der kleine Reporter“ (2007), „Der Meermacher“ (2009), „Reportagen aus der Mitte der Welt“ (2010), „Österreich ist schön, oder? Eingewandert aus der Schweiz“ (2011, Hrsg.), „Das Wiener Dekameron“ (2011), „Onans Kirchen“ (2011)
Nach dem Mittagessen tröpfelten die Bewohner der Pension allmählich in den Garten; sei es, weil sie von Anfang an beschlossen hatten, dabei zu sein, sei es, weil sie sich nun noch viel mehr als üblich langeweilten; sei es, weil sie neugierig geworden waren oder weil sie sich vor den anderen keine Blösse geben wollten. Alle trafen sich auf der freien Rasenfläche in der Nähe eines barocken Brunnens, wohin Dorothee Stühle und Sofas hatte schaffen lassen. Rosenhecken umringten den Ort. In den Blüten summten Bienen, und vom höchsten Ast eines Kastanienbaumes, der den Platz überschattete, sang eine Amsel ihr Lied. Dorothee sagte, sie sei hocherfreut, dass man ihrer Einladung Folge leiste, und weil sie am Grund ihres Schrankes eine Flasche mit altem Cognac gefunden habe, bitte sie, mit einem Gläschen auf den Erfolg des Unterfangens anzustossen. Zudem helfe das, die Zungen zu lockern. Bis auf Rudi und Nora, die grundsätzlich keinen Alkohol tranken, nippten bald alle an ihrem Glas, und Dorothee begann mit der ersten Geschichte.