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Henry Corbin

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Die smaragdene Vision

Henry Corbin hat stets darauf hingewiesen, dass der Islam sich auf ein »metahistorisches Ereignis« gründet, den Urvertrag zwischen Gott und den Menschen, die Er anredet mit: »Bin Ich nicht euer Herr?« (Sure 7:171), und hat immer wieder den Lieblingssatz der Sufis zitiert, dem zufolge Gott sprach: »Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden, so erschuf Ich die Welt, auf dass Ich erkannt werde.«

Aufgabe des Menschen ist es nun, den Weg zu Gott wiederzufinden, also eine »Orient«ierung, die ihm die verlorene Mitte wiedergibt und sich nicht nach einem geografischen Orient richtet, sondern symbolisch auf den höchsten Himmelspunkt gerichtet ist: den Polarstern, der den Beginn der »achten Weltzone« bildet, der Zone jenseits dieser materiellen Welt, bekannt als Hinweis auf das ewige Reich des Geistes. Sich auf diesen Pol hin zu orientieren, um aus der Tiefe des eigenen trüben Ichs aufzusteigen und seinen Schatten, die dämonischen Kräfte der nafs ammara, der »Seele, die zum Bösen anreizt« (Sure 12:53), hinter sich zu lassen – das ist das Zentralthema dieses Buches.

Mit seiner ungeheuren Belesenheit in antiken und mittelalterlichen Quellen zeigt Corbin, wie dieses Motiv des Aufstiegs und der Rückkehr zum Lichtursprung seit frühester Zeit im religiösen Leben des Mittelmeerraumes und des frühen Irans eine zentrale Rolle spielt – sei es in zoroastrischen Mythen, im Perlenlied der Thomasakten oder bei den Mandäern. Seinen vollkommensten Ausdruck findet es in der »orientalischen Weisheit« des großen persischen Philosophen und Mystikers Yahia Suhrawardi.

Dieses Buch erschließt uns die uralte persische Vorstellung vom Lichtmenschen und seiner geistigen Führung auf dem Pfad der Rückkehr zum göttlichen Ursprung, die sich in der Folge auf vielfältige Weise niedergeschlagen hat: in den Schöpfungsmythen, Engelsglauben, Seelenlehren, Auferstehungsideen, Prophetologien, Initiationskonzepten und spirituellen Psychologien des Zoroastrismus, des Christentums, des Hermetismus und des Islams.

In welch bedeutendem Ausmaß die Lichtmetaphysik insbesondere die schiitische Variante des Sufismus geprägt hat, erklärt hier einer der besten Kenner frühiranischer Philosophie und Mystik, über den Annemarie Schimmel sagt: »Wenn hier zum ersten Mal ein Werk von ihm auf Deutsch erscheint, so nicht nur wegen seiner immensen Wichtigkeit für das Studium des Sufismus, sondern auch als Dank an einen französischen Gelehrten, der mit der deutschen Kultur so eng verbunden war wie kaum ein zweiter. Henry Corbin war nicht nur der große Interpret persischer esoterischer Tradition, sondern auch der Erste, der Heidegger in seine Muttersprache übersetzt hat. [...] Es gibt in unseren Tagen niemanden mehr, der eine solche Verbindung von Philosophie, Philologie und persönlicher Hingabe an die Auslegung komplizierter Denksysteme besäße wie Henry Corbin – Freund von Carl Gustav Jung, Denis de Rougemont, Mircea Eliade, Gershom Scholem und anderen, die der Seelen- und der Mythenkunde unseres Jahrhunderts ihren Stempel aufgedrückt haben. Er lässt uns immer neue und unerwartete Aspekte entdecken.«
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Buch (Taschenbuch)

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