Lisa Rettl, geb. 1972, arbeitet als freischaffende Historikerin, Ausstellungskuratorin und Biografin in Wien und leitet das vierjährige FWF-Forschungsprojekt »Die Wiener Tierärztliche Hochschule im Nationalsozialismus«. Für ihre Arbeiten wurde sie in Österreich u. a. ausgezeichnet mit dem Würdigungspreis der Universität Klagenfurt, dem Theodor-Körner-Preis, dem Preis für Geistes- und Sozialwissenschaften des Landes Kärnten und 2015 mit dem Hans-Maršalek-Preis für ihre umfassenden Arbeiten zum Peršmanhof.
Veröffentlichungen u. a.:
»Und da habe ich gesprochen als Deserteur«. Richard Wadani. Eine politische Biografie (zus. mit Magnus Koch, 2015); Perš-man (zus. mit Gudrun Blohberger, 2014); »Ich war mit Freuden dabei«. Der KZ-Arzt Sigbert Ramsauer. Eine österreichische Geschichte (zus. mit Peter Pirker, 2010); Partisan-Innendenkmäler. Antifaschistische Erinnerungskultur in Kärnten (2006).
Mit der vorliegenden, umfassend bearbeiteten Neuauflage der höchst aktuell gebliebenen Biografie des SS-Arztes Sigbert Ramsauer folgen die beiden Zeithistoriker*innen Lisa Rettl und Peter Pirker einer Spur, die durch den Vernichtungskrieg in Polen und der UdSSR schließlich in verschiedene Konzentrationslager des Deutschen Reiches bis hin zum Kärntner KZ am Loiblpass führt. Eine Spur, die am Ende eine zutiefst österreichische Geschichte offenbart: Im Umgang mit NS-Tätern und ihren Opfern, im weitreichenden Verschweigen, in der breiten gesellschaftlichen Hilfe für Kriegsverbrecher und letztlich auch in der mangelhaften strafrechtlichen Verfolgung.
Mit außergewöhnlichem Quellenreichtum und zahlreichen für die Neuauflage recherchierten und erstmals auf deutsch editierten Quellen und Fotografien französischer Häftlinge des KZ Loibl zeichnen Rettl und Pirker nicht nur Ramsauers Lebensweg nach, sondern skizzieren in dieser medizin-, justiz-, kriminal- und lebensgeschichtlichen Arbeit auch eindrucksvoll den britischen Militärgerichtsprozess von 1947 – Kärntens größten Kriegsverbrecherprozess.