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Wilhelm Solms

Wilhelm Solms ist Germanist und Verfasser mehrerer Bücher über das Bild des "Zigeuners" in Literatur und Wissenschaft. Solms ist Mitgründer der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e. V. und Kuratoriumsmitglied des Dokumentations- und Kulturzentrums deutscher Sinti und Roma in Heidelberg.
"Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich" von Wilhelm Solms

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"Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich"

"Zwei Zigeuner, schwarz und gräulich"

Buch (Taschenbuch)

ab 18,80€

Der „Zigeuner“ ist eine Fiktion, die im Unterschied zu anderen Fiktionen, die kein Pendant in der Wirklichkeit haben, auf lebende Menschen, die Angehörigen der Sinti und Roma sowie auf Fahrendes Volk wie die Jenischen, projiziert wird. Er ist aber zugleich eine Konstruktion, die von Dichtern und Gelehrten geschaffen, verändert und erweitert wurde. Zigeuner stehen im Verdacht, „schwarze Kunst“ zu betreiben und mit dem Teufel im Bunde zu stehen; sie werden als schmutzig und abstoßend, als Faulenzer, Betrüger und Diebe denunziert. So tragen die Eigenschaften, mit denen deutsche Dichter ihre Zigeunerfiguren ausgestattet haben, dazu bei, dass Sinti und Roma noch immer aus der Gesellschaft ausgrenzt werden. Dieses Buch untersucht Zigeunerbilder in der deutschen Literatur und Wissenschaft, indem es anhand von 36 den „Literaturzigeunern“ zugeschriebenen Merkmalen die Verzerrungen, Denunziationen und Romantisierungen darstellt, die die deutsche Literaturgeschichte durchziehen. Der Autor bezieht dabei ausdrücklich Position gegen die auch von Vertretern von Sinti und Roma entschieden abgelehnte „Tsiganologie“ oder „Zigeunerwissenschaft“ mit ihrem essentialistisch-sozialromantischen Versuch, ein „Wesen“ des Zigeunertums wissenschaftlich zu definieren.

The "gypsy" is a fiction that, unlike other fictions that have no counterpart in reality, is projected on living people, the Sinti and Roma, as well as on Traveling People like the Yeniche. But at the same time it is a construction created, modified and expanded by poets and scholars. Gypsies are suspected of "black art" and of being in league with the devil; they are denounced as dirty and repulsive, idlers, swindlers and thieves. Thus, the characteristics with which German poets have endowed their Gypsy figures contribute to Sinti and Roma still being excluded from society. This book examines gypsy images in German literature and science by presenting the distortions, denunciations and romanticizations that permeate German literary history on the basis of 36 characteristics attributed to "literary gypsies". The author explicitly takes a stand against the "Tsiganology" or "gypsy science", which is also decisively rejected by representatives of Sinti and Roma, with their essentialist-social-romantic attempt to scientifically define a "being" of Gypsyism.

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