"Freunde" von Eva Kranenburg möchte ich allen Menschen ab 14 Jahren empfehlen, denn es ist für mich das Buch der Stunde, der Antikriegsroman in unruhigen Zeiten. Die Handlung ihres Romans siedelt Eva Kranenburg bewusst an einem fiktiven Ort an, denn dieser könnte an jedem Kriegsschauplatz der Welt sein, zu jeder Zeit. Ezählt wird diese Geschichte aus Rens Perspektive. Ren, ein Teenager, der allein und zurückgezogen in der vom Krieg zerstörten Stadt lebt, die fast nur noch von Kindern und Jugendlichen bewohnt wird. Der Krieg ist nahezu beendet und die "Anderen" stehen kurz vorm Sieg. Nun sollen alle Jugendlichen als "letzte Reserve" rekrutiert werden. Ren, der wirklich Schlimmes erlebt hat, gerät in Tareks Truppe für die Front, ebenso wie Nata und Tuk. Tarek hat bereits gekämpft, sein Gesicht ist vom Krieg entstellt und er denkt nicht im Traum daran mit seiner kleinen Truppe in den Krieg zu ziehen sondern desertiert mit den ihm Anvertrauten. So entwickelt sich aus der Notgemeinschaft der zutiefst traumatisierten Jugendlichen eine tiefe Verbindung und Freundschaft. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben, gegen den Hunger und um den Weg zurück in so etwas wie Hoffnung und Frieden. Eva Kranenburg arbeitet als Psychotherapeutin mit Geflüchteten aus verschiedenen Kriegsgebieten dieser Welt. Diese Arbeit und ihre Feinfühligkeit können wir in jeder ihrer Figuren spüren. Wir erfahren von den Traumata besonders der Kinder und Jugendlichen in Kriegsgebieten, von den Ängsten, der Not und dem Hass auf "die Anderen". Aber ebenso davon, dass auch "die Anderen" einfach nur Menschen sind mit ihrer ganz eigenen Geschichte jenseits aller Propaganda. Eva Kranenburg erschafft Momente tiefster Traurigkeit und Verletzung, aber auch von großer Zärtlichkeit und Menschlichkeit. Für "Freunde" wurde sie mit dem renommierten Oldenburger Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Ein Buch, das unter die Haut geht und genau dort sollte es auch bleiben...