Erneut erleben wir Strafverteidigerin Eva Herbergen in ihrem Element: die engagierte und kluge Rechtsanwältin balanciert in unterschiedlichen Kriminalfällen zwischen Recht und Gerechtigkeit - ein schmaler Grad. Da ist zum Beispiel der vom Leben stark gebeutelte Trinker, der im Alkoholrausch einen Jungen überfährt und Fahrerflucht begeht. Eva verteidigt ihn und ermöglicht ihm eine zweite Chance - fast, denn die Eltern des Jungen üben Selbstjustiz, indem der Vater den "Mörder" seines Sohnes kurzerhand erschießt. Oder der Fall des vierzehnjährigen Felix. Seine Entführung mit anschließender Lösegelderpressung bringt die verzweifelten Eltern dazu, den ermittelnden Kommissar bitten Folter anzuwenden, um dem vermeintlichen Entführer den Aufenthaltsort ihres Kindes gewaltsam zu entlocken... Spannend, wie es der Rechtswissenschaftlerin Elisa Hoven gelingt, die feinen Risse aufzuzeichnen, die die Wahrheit zutage bringen kann, die das gesprochene Recht in Frage stellen und sowohl unsere Moral, als auch unser ethisches Denken und unsere Empathie herausfordern. Als zusätzliche spannungsgeladene Komponente wird Eva Herbergen in einen privaten Cold Case gezogen, der sie vor die unvermittelt harte Entscheidung stellt, ob es manchmal besser ist, die Wahrheit zu verschweigen.
Spannend, intelligent und mit klarer Präzision, erzählt Hoven von Recht und Gerechtigkeit, von Grenzen und Grenzüberschreitungen und fordert dabei unser moralisches Denken nicht nur einmal heraus.