In "Fuchs 8" erleben wir die Welt durch die Augen eines ganz besonderen Fuchses. Er hat sich selbst die "Menschen-Sprache" beigebracht, indem er nachts vor den Fenstern einer Vorstadtfamilie lauschte. Als jedoch ein Einkaufszentrum direkt im Lebensraum seines Rudels gebaut wird und die Nahrung knapp wird, beschließt Fuchs 8, einen Brief an die Menschen zu schreiben. Es ist ein verzweifelter, aber hoffnungsvoller Versuch, die Zerstörung seines Zuhauses zu stoppen und die Spezies zu verstehen, die er trotz ihrer Grausamkeit bewundert.
Das absolut Herausragende an diesem Buch ist der Schreibstil. Die Geschichte ist konsequent so verfasst, als hätte Fuchs 8 sie selbst geschrieben – inklusive aller Rechtschreibfehler, lautmalerischer Eigenheiten und grammatikalischer Stolpersteine. Für den ein oder anderen mag das jetzt vielleicht anstrengend klingen, aber das ist es überhaupt nicht. Im Gegenteil sogar! Es verleiht so viel Charakter und Charme. Allein durch diese fehlerhafte, naive Sprache erhält der Fuchs eine unglaubliche Persönlichkeit. Man baut sofort eine tiefe emotionale Bindung zu ihm auf, weil seine Stimme so authentisch, unschuldig und lebendig wirkt.
Ich mag besonders die Art und Weise, wie George Saunders das ernste Thema der Umweltzerstörung anspricht. Durch die Perspektive des Fuchses wird die Rücksichtslosigkeit der Menschen mit so einer unschuldigen Ehrlichkeit präsentiert, die einen einfach mitten ins Herz trifft. Es ist eine kurze Erzählung, die aber länger nachhallt als viele Romane.
Ehrlich gesagt gibt es an diesem Werk für mich kaum etwas auszusetzen. Man muss sich natürlich darauf einlassen, dass die Sprache "falsch" geschrieben ist...wer also einen klassischen, flüssigen Lesefluss ohne Stolperer sucht, könnte anfangs irritiert sein.
Mein Fazit? "Fuchs 8" ist ein kleines literarisches Wunderwerk. Es ist traurig, lustig und tief erschütternd zugleich. George Saunders nutzt die Sprache als Werkzeug, um uns den Spiegel vorzuhalten und uns daran zu erinnern, was wir der Natur antun. Wer bereit ist, sich auf das sprachliche Experiment einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die man so schnell nicht vergisst. Mir ist sie nach mehreren Jahren immer noch sehr stark im Gedächtnis geblieben!