Mitte des 19. Jahrhunderts in einer kleinen Garnisonsstadt: Der Infanterist Franz Woyzeck reibt sich auf, um seine Geliebte Marie und ihr gemeinsames, uneheliches Kind zu ernähren. Der Militärdienst ist hart und stumpfsinnig, seine Vorgesetzten verhöhnen ihn, wo sie nur können. Der Sold reicht nicht aus, so dass er sich neben anderen Aushilfstätigkeiten von einem Arzt zu medizinischen Experimenten missbrauchen lässt, die ihn gesundheitlich fertig machen. Gedemütigt und geschwunden muss er feststellen, dass Marie ihn mit einem Tambourmajor betrügt. Er ist außer sich vor Eifersucht. Phantasien vom "Totstechen" verfolgen ihn. Er besorgt sich ein Messer...
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Markus Kreye
aus Kettenkamp
5/5
25.02.2005
Film (DVD)
Immer zu, immer zu...
Woyzeck. Das Dramenfragment Georg Büchners, was gesellschaftskritischer nicht sein kann, wird verfilmt. Geht das überhaupt?
Die dichten Dialoge, die lose Struktur der Szenen, der schwierige Sprachdialekt; ist eine Adaption ins Filmische so überhaupt möglich?
Werner Herzog gibt eine begeisternde Antwort. Der Film ist ein Volltreffer!
Der Inbegriff der "unterst Stuf von menschliche Geschlecht", der Soldat, Woyzeck, erlebt die ideale Verkörperung in Klaus Kinski (der sich über Jahre nicht von den psychischen Folgen erholt haben soll!). Mehr Elend und Einsamkeit kann in diese Rolle nicht gelegt werden!
Eva Mattes (Marie) erhält durch ihr Schauspiel völlig zurecht den silbernen Bären und einen größeren Misanthropen und Idealisten als den durch Willy Semmelroge dargestellten Doktor wird es wohl kaum geben. Auch der nihilistische Hauptmann findet in Wolfgang Reichmann eine überzeugende Besetzung. Aber nicht nur die herausstechende choreografische Schauspielerleistung (es gab gerade mal eine fünftägige Vorbereitungszeit!), sondern auch das absolut passende Zusammenspiel von "Bühne" und Licht lassen den Film in vollem Umfang gelingen.
Die Wahl des Drehortes, der freilich wie eine Theaterkulisse aussieht, passt ideal zum Plot wie auch die Musik, die in ihrer Intensität wunderbar als Leitmotiv genutzt ist.
Die Stationentechnik trägt dazu bei, dass beim Zuschauer nach und nach eine immer größere Fassungslosigkeit gegenüber dem wachsenden Wahnsinn Woyzecks (oder doch aller anderen?) entsteht.
Immer zu, immer zu: auch im Film gerät eine Kugel ins Rollen, die nicht mehr aufgehalten werden kann.
Das, was er selbst vom Drama sagt, erreicht Herzog auf überzeugende Weise: Woyzeck sei ein "Drama mit äußerst großer Intensität und Aktualität!"
Alexandra Brauer
aus Bersenbrueck
4/5
02.03.2005
Film (DVD)
ein verständnisvolleres Drama
Das war ja was: Das Drama um den armen und verwirrten Woyzeck, der unter dem Druck sozialer Ungerechtigkeit zum Mörder seiner Geliebten wurde. Welch ein Spektakel.
Schon zu Beginn des Films wird ganz deutlich, wer in diesem Drama die Hauptrolle spielt. Begleitend zur zeitgetreuen Musikbegleitung, welche als wesentliches Leitmotiv durch das Stück führt, wird der Außenseiter Woyzeck in den Vordergrund gespielt. Nicht ganz unschuldig daran mag wohl der hervorragende Charakterschauspieler Klaus Kinski gewesen sein, der die Rolle perfekt auszufüllen scheint.
In der Verfilmung des Dramas unter der Regie von Werner Herzog, einer der renommiertesten Regisseure des Neuen deutschen Films, werden jedoch Unterschiede zu Büchner deutlich: Der Zuschauer scheint zu Anfang verwirrt, denn sowohl die Szeneabfolge als auch die Szenentitel gleichen nicht denen des Büchner`schen Dramas. Dies allerdings weckt Neugierde und regt zum Nachdenken an.
Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die von Herzog gewählte Reihenfolge der Szenen ein verständnisvolleres Drama gestaltet als die Büchners. Die Handlungsstränge scheinen im Film viel enger miteinander verbunden zu sein, sodass die Szenen aufeinander aufbauen.
Die düstere Grundstimmung und Einsamkeit, die das Drama durchgehend überdecken, werden besonders gut dargestellt, z.B. durch bestimmte Kulisseneffekte oder das Spiel mit dem Licht, um in manchen Szenen die Aufmerksamkeit ausschließlich auf den Protagonisten zu lenken, wie beispielsweise in der Konfliktszene zwischen Woyzeck und dem Hauptmann, gespielt von Wolfgang Reichmann, in der Woyzeck direkt vor der Kamera sitzt und auf ihn das gesamte Licht fällt. Ebenso in der Spiegelszene mit Marie, ausgezeichnet von Eva Mattes dargestellt, in der sie durch spezielle Kamerabewegungen und Lichtspiele in den Vordergrund rückt.
Woyzeck, das Versuchsobjekt eines skurrilen Doktors, überzeugend gespielt von Willi Semmelrogge, zerbricht schließlich an den Zwängen der Gesellschaft.
Zum einen wird er zu Versuchszwecken missbraucht, wodurch er schließlich sowohl an physischer als auch an geistiger Nachhaltigkeit zu leiden hat, zum anderen wird er von seiner Geliebten Marie aufgrund ihres Liebesverhältnisses zum Tambour-Major seelisch zerstört.
So findet also auch der Protagonist Woyzeck in Werner Herzogs Verfilmung, mit dessen Vorbereitung er übrigens nur ganze fünf Tage nach Nosferatu begann, keine Erlösung und Rettung. Voller Verzweiflung, Demütigung und Enttäuschung bringt er Marie um. Diese Schlussszene im Film Ein schöner Mord, die schon vom Titel her einen leicht ironischen Hauch annimmt, sticht, im wahrsten Sinne des Wortes, besonders hervor und ähnelt keiner anderen Szene. Die Stimmung geht sehr in Theatralische, ja sogar ins Euphorische über, was durch die begleitende Musik und die auffällig extreme Zeitlupe unterstützt wird.
Man kann also sagen, dass die Verfilmung von Regisseur Werner Herzog einige Überraschungen in sich birgt und man dieses nicht verpassen sollte.
Eugenia Morosov
aus Bersenbrück
4/5
01.03.2005
Film (DVD)
Geschmacksache!
Woyzeck", so die Hauptfigur in Georg Büchners gleichnamigem Drama zeigt uns eine Welt voller Gewalt, Leid und Intrigen auf. Diese Welt hat Werner Herzog in seiner Verfilmung sowohl bildnerisch als auch sprachlich gelungen umgesetzt. Durch die begrenzte Personenzahl wird die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Hauptfigur und die bedeutenden Nebenfiguren Marie, den Doktor und den Hauptmann gelenkt. Eine Ablenkung ist nicht nur deswegen, sondern auch wegen der geschickten Kameraperspektive, die die Hauptbeteiligten im Vordergrund erscheinen lässt, so gut wie ausgeschlossen. Auch die Wahl der Kulisse und der Musik, durch die Woyzecks leidtragender Weg und sein wachsender Wahnsinn noch mehr verdeutlicht werden, macht diese Verfilmung sehenswert. Dabei sind die großartigen Leistungen der Schauspieler natürlich nicht außer Acht zu lassen. Klaus Kinski, der die Rolle Woyzecks spielt, ist hier wohl der faszinierendste von allen.
Niemand anders hätte wohl diese Rolle so perfekt umsetzten können wie er, vor allem was seine mimischen Leistungen angeht. Das Leid, der Schmerz, die Unterdrückung und die Erniedrigung, die von seiten der Mitmenschen Woyzecks ausgehen, sind ihm wortwörtlich ins Gesicht geschrieben. Wer da kein Mitgefühl entwickelt, ist schlichtweg herzlos.
Sicher gibt es an einigen Stellen der Verfilmung Mängel, die dem Zuschauer absurd vorkommen mögen und ihn deshalb enttäuschen. Doch wenn man das Positive betrachtet, so überwiegt dieses. Letztendlich ist es jedem, der das Werk Büchners kennt, selbst überlassen, ob er sich die eigenen Bilder, die durch die Literatur aufgekommen sind, erhält oder diese erweitert und dabei das Risiko eingeht, enttäuscht oder doch mitgerissen und fasziniert zu werden. Geschmäcker sind schließlich verschieden.
Hanne Nieberg
aus Ankum
4/5
01.03.2005
Film (DVD)
Ein schwindelerregendes Schauspiel
Nicht im Entferntesten würde man vermuten, dass der Zeitunterschied zwischen dem Dreh von Nosferatu und Woyzeck nur lächerliche 5 fünf Tage beträgt.
Man bemerkt weder eine Ausgelaugtheit Herzogs noch ein Leergebranntsein Kinskis, der in beiden Filmen die Rolle des Protagonisten übernimmt, wenn auch für Woyzeck zuerst Bruno S. vorgesehen war. Im Gegenteil, der von Herzog als Großer Vernachlässigter des deutschen Films bezeichnete Künstler überzeugt durch eine schauspielerische Leistung, die sich durch enorme Glaubhaftigkeit und Intensität auszeichnet. Nicht nur dem Hauptmann schwindelt es vor den Menschen, sondern ebenso dem Zuschauer, wenn er in das verzerrte, exzentrische Gesicht Woyzecks, bzw. Kinskis blickt. Für mich verkörpert dieser den perfekten Woyzeck, sowie sich auch Eva Mattes als die optimale Besetzung für Marie herausstellt, was sich spätestens auf den Filmfestspielen von Cannes 1979 bestätigte. Auch wenn die musikalische Untermalung der Szenen oft bizarr bis unpassend erscheint, so gelingt es Herzog dennoch durch das Setzen von musikalischen Klammern, das Stück gelungen zu umrahmen und abzurunden. Auch die von dem ein oder anderen als primitiv geschimpften, sich scheinbar nie ändernden Kameraeinstellungen und der unsanfte Sequenzwechsel sind doch, mit Logik betrachtet, auf den Fragmentcharakter des büchnerischen Werkes zurückführen, bei dessen visueller Umsetzung sich Herzog in Originaltreue übt. Hinsichtlich des Textes gibt es kaum Abweichungen zu der Dramenvorlage Büchners. Die einzig einschneidende Veränderung, die Herzog vorgenommen hat, ist die Umstellung der Sequenzfolge, welche einen neuen, inhaltlich besser nachvollziehbaren Handlungsablauf darlegt.
In dieser Verfilmung Woyzecks gelingt es in expliziter Weise die Demütigung und Determiniertheit des Füsiliers darzustellen, was wohl nur durch das stimmige Zusammenwirken von schauspielerischer Leistung und Eigenvermögen des Regisseurs ermöglicht wird.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.