Der Nylonstrumpffabrikkollege unseres Helden manipuliert dessen Nylonstrumpfmaschine derart, dass sie bloß noch Nylonstrümpfe mit Laufmaschen ausspuckt. Der Konflikt liegt blank: Der Sabotierte muss sich entscheiden, ob er gegen die ausgemachte Sauerei aufbegehrt oder es sich doch besser auf der Opferbank gemütlich macht. Der Autor ist ein Meister der Wortspielereien: Schwarze Humor, Ironie, Doppeldeutigkeiten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Eystrup
5/5
08.09.2024
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Ein Mann ohne Plan B
Für den Nylonstrumpfmaschinenführer war es absolut klar, dass er wie sein Vater und dessen Vater zu einem Obermaschinenführer wurde im entsprechenden Beruf. Leider trat dies nicht ein. Warum? Weil ein anderer mit Sabotage den Posten des Obernylonstrumpfmaschinenführers erhielt. Und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Der Mann verlor seine Arbeit als Nylonstrumpfmaschinenführer. Zwar halfen ihm Wein und Kerzenschein bei der Lösungsfindung wie er seinen Job zurück bekommt, aber an diesem Punkt bleibt er beim Wollen stehen. Eine Umsetzung findet nicht statt. Stattdessen hat der Mann viele Gedankenkonstrukte was dagegen spricht. Es ist die Wende vom Wollen. Aber hat dieser Mann jemals etwas gewollt? Und kann ihm diese Strategie ein erfülltes Leben bringen?
Das könnt ihr selbst erfahren, wenn ihr euch den "Nylonstrumpfmaschinenführer" anhört.
"Der Nylonstrumpfmaschinenführer" ist eine Geschichte, die eher in der Vergangenheit anzusiedeln ist, dennoch gut auf die aktuelle Zeit übertragbar ist. Denn jeder könnte dieser Mann sein. Und es könnte in jedem Job passieren, dass jemand nicht mehr will. Und der weitere Verlauf bis hin zum Ende der Geschichte lässt sich gut auf reale Biographien übertragen. Passend dazu hat der Mann keinen Namen, sondern verbleibt in der Anonymität.
Beim ersten Mal hören der Geschichte war ich ergriffen von dem negativen Gedankenkarussel in das der Mann steigt. Ich begann sein Verhalten einzuordnen und überlegte auf welche psychische Diagnosen bzw. Situationen es hinweist. Und hätte am liebsten Therapie in die Wege geleitet. Beim zweiten Mal hören, konnte ich mehr von den vielen Wortspielen und dem subtilen Humor der Geschichte. Und gefühlt konnte ich mich nicht satt hören. Denn es war als entdecke ich immer weitere Details.
Die Vorlesstimme ist angenehm und passt prima zur negativen, leicht depressiven Stimmung. Die Betonung ist super und wenn ich als Hörerin angesprochen werde, ändert sich die Intonation, dass ich da Gefühl habe, wirklich angesprochen zu werden.
Empfehlen kann ich dieses Hörbuch für Menschen, die es tiefgründig mögen, lieber kurze Geschichten hören wollen und vor allem gern Storys hören, die auch nach dem zweiten Mal hören noch Details parat halten.
Elke Seifried
aus Gundelfingen
5/5
28.02.2017
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Wollen oder Nichtwollen?
Ich habe die Geschichte aus der Feder von Bernd Mannhardt, einem Autor den ich sehr schätze, bereits vor längerem gelesen und war jetzt extrem neugierig auf die Umsetzung als Hörbuch. Ich denke besser als Herr Holzmann es gemacht hat, hätte man die tragische Geschichte nicht in Szene setzen können, ein ausgesprochen gutes Gesamtkonzept.
Der Autor beschreibt in seiner Geschichte den Lebenslauf eines Mannes, der nach einer Enttäuschung im Job beschließt nichts mehr im Leben zu wollen und schaufelt sich damit sein eigenes Grab. Unserem Mann widerfährt Unrecht und jetzt steht er vor der Frage, um sein Recht kämpfen und damit möglicherweise einem anderen schaden, oder Unrecht einfach Unrecht sein lassen? Die Niederlage im Job geht einher damit nun nicht in die beruflichen Fußstapfen seiner Vorfahren treten zu können. Ihm bleibt der Aufstieg verwehrt und deshalb will er sich wenigstens an den Grundsatz, den ihm sein Vater gepredigt hat, folgen. Wenn man am Tag des Jüngsten Gerichts nicht zum Schmoren in der Hölle verurteilt werden möchte, was unser Mann natürlich auf keinen Fall will, darf man niemals einen anderen Menschen, nur des eigenen Vorteils wegen, in Misskredit bringen. Damit scheidet die Alternative um sein Recht zu kämpfen aus. Aber unser Mann spinnt diesen Gedanken weiter, denn seiner Einschätzung nach verhält es sich so, dass man immer nur auf Kosten Dritter etwas Wollen könne, woraufhin er beschließt von nun an gar nichts mehr zu wollen.
Unser Mann, wie ihn Bernd Mannhardt in der Geschichte so treffend nennt, ist auch der Mann des Lesers. Jeder trägt wohl ein Stück dieses Mannes in sich, jeder wägt ab und an ab, ob er will oder nicht, jeder würde gerne ab und an einfach nicht wollen. So überspitzt wie unser Mann wird das Nichtwollen mit Sicherheit niemand treiben, jedoch wirft genau das die Frage auf, lebt ein Mensch denn überhaupt noch, wenn er nichts mehr vom Leben will? Ich meine definitiv nein und denke, dass der Autor dies hier auch äußerst gekonnt dargestellt hat.
Da der Grundsatz für unseren Mann auch für alle anderen Menschen gilt und er daher allen Mitmenschen gegenüber immer misstrauischer wird, vermittelt der Autor für mich noch eine weitere Botschaft. Jeder hinterfragt mit Sicherheit auch ab und an, was sich hinter dem Wollen der anderen verbirgt. Wenn ein freundlicher Gruß oder ein Flirtversuch, aber nicht einfach nur mehr eine nette Geste sein kann, ist dies ins Extrem getrieben, was einen direkt ins soziale Abseits katapultiert. So führt der Autor meiner Meinung nach dem Leser vor Augen, wie wichtig auch ein intaktes soziales Gefüge für das Überleben eines Menschen ist.
Gleichzeitig findet mit Sicherheit ein jeder einen solchen Mann in seinem Umfeld, einen, der sich isoliert, der nicht grüßt und der einfach in der Menge untergeht. Hier habe ich als Leser den dezenten Wink mit dem Zaunpfahl mitgenommen, wieder ein wenig genauer hinzusehen.
Nicht zuletzt schwingt natürlich auch die Botschaft mit, ein gesundes Mittelmaß zu finden, wie eigentlich immer im Leben.
Der Sprecher Matthias Ernst Holzmann hat mich von Anfang bis Ende vollkommen überzeugt. Ich habe der mir sehr angenehmen Stimme unheimlich gerne gelauscht. Der Autor ist ein Meister der Wortspielereien. Ich liebe den Sprachstil des Autors einfach. Der schwarze Humor, die Ironie, die Doppeldeutigkeit seiner Worte oder die unterschwelligen Botschaften, sind ganz mein Ding und Herr Holzmann bringt diese so richtig zur Geltung. Das äußerst angenehme Sprechtempo ist langsam genug um die zahlreichen Schachtelsätze und Bezeichnungen wie Obernylonstrumpfmaschinenführer, Nylonstrumpffabrikbesitzer, Gardinensaummaschinenführer oder Zündkerzengewindeschneidmaschinenführer ohne Probleme zu erfassen, aber eben auch nicht zu langsam um einschläfernd zu wirken. Hier hat der Sprecher genau die richtige Balance gefunden.
Alles in allem eine von Matthias Ernst Holzmann perfekt in Szene gesetzte Geschichte von einem Mann, der niemanden Schaden wollte um nicht in der Hölle zu schmoren und sich damit sich selbst am meisten geschadet hat, indem er sich eine Hölle auf Erden geschaffen hat. Absolute Hörempfehlung.
Bewertung
aus Lichtenstein
5/5
27.02.2017
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Der Loser
Dieser traurige Geschichte ist wie mitten aus dem Leben, leider. Der Protagonist verliert durch Sabotage seinen Job, der ihm alles bedeutet hat, und zerbricht daran.
Kampflos ergibt er sich seinem Schicksal, was unglaublich scheint, aber sicher öfter vorkommt, als man denkt.
Gekonnt beschreibt der Autor den langsamen Untergang dieses Mannes, der ohne Rückenhalt und soziale Kontakte allmählich aus dem Leben geht.
Sehr gut vorgetragen wird die Kurzgeschichte mit sonorer Stimme von Mathias Ernst Holzmann und erhält so den letzten Schliff.
Bewertung
aus Fürth
5/5
27.02.2017
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Wie das Leben so spielt und was man daraus macht
Die Arme Hauptfigur der Geschichte. Durch eine Sabotage verliert er nicht nur das Rennen um die Beförderung mit dem Konkurrenten, nein er verliert sogar seine Stelle komplett. Im Austausch mit seinem Vater und sich selbst beschließt er ab sofort nichts mehr zu wollen. Dies zum einen weil Wollen an für sich unmoralisch ist, da es immer auf Kosten von anderen umgesetzt wird, und zum Anderen (nehme ich an) um nicht mehr enttäuscht zu werden. Er treibt durch sein Leben und zieht sich mehr und mehr zurück, so dass ihn die Umgebung irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Er verbringt seine Abende mit Wein und Kerzenschein, was ihn letztlich auch das Leben kostet... da er (wohl) auch nicht überleben will und so auch nicht aktiv handelt. Seine Nachbarn haben ihn - durch sein Verhalten - schlicht und einfach vergessen.
Ich würde sagen eine Geschichte über jemanden der aufgehört hat zu Leben... tragisch. Sollte einem zu denken geben. Sich von Rückschlägen nicht komplett entmutigen zu lassen, könnte man als Lehre mitnehmen... wenn man sein Leben dennoch aktiv in die Hand nimmt, geht es immer weiter.
Ein sehr gut hörbares, angenehm gesprochenes Hörbuch mit einer Lehre.. finde ich.
Kleinhalbi
aus Celle
4/5
22.09.2024
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Zwischen Tun und Wollen
"Der Nylonstrumpfmaschinenführer" von Bernd Mannhardt ist eine wortgewaltige und tiefgründige Erzählung über das Thema Wollen. Die Geschichte, die nur 28 Minuten dauert, beleuchtet auf intelligente Weise die Gedankenwelt eines Mannes, dessen beruflicher Traum durch die Sabotage eines Kollegen zerstört wird. Dabei wird die innere Zerrissenheit zwischen Wollen und Handeln beleuchtet.
Der Stil des Hörbuchs fordert Konzentration, besonders zu Beginn, und regt zum Nachdenken über eigene Wünsche und Ziele an. Wortspiele und subtiler Humor bereichern das Erlebnis, und die Stimme des Sprechers Matthias Ernst Holzmann verleiht der Geschichte eine passende, leicht melancholische Atmosphäre.
Ein Hörbuch, das man mehrmals hören kann, um die feinen Details und tieferen Schichten der Erzählung zu erfassen.
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