Zwischen familiärer Atmosphäre und überraschender Innovativität
Ja, es hat lange gedauert und die Erwartungen waren meinerseits schon recht hoch, nicht zuletzt nach dem letztjährigen Vorgeschmack mit der EP "More Stars". Enttäuscht worden bin ich nicht - im Gegenteil. Die Band hat die Messlatte sogar noch ein Stückchen höher gelegt.
Das neue Album holt einen genau da ab, wo man nach langer Wartezeit abgeholt werden möchte. Man wird an alte Stücke erinnert und kann in Erinnerungen schwelgen aber bekommt auch ausreichend neue Ideen und Einflüsse um die Ohren.
Aber zu ein paar Anspieltipps und Höreindrücken:
"Every Page a Heartbeat" ist von der EP als Akustikversion bekannt. Diese hier gefällt mir aber besser. Die hier eingesetzten Geigen und ffekte geben dem Stück einen angenehmen Drive und etwas mehr Schwung.
Wie auf Arcane 1 entführen Elane den Hörer auch wieder in die orientalische Welt der Sturmkönige. "Sabatea's Song" und "Magic Carpet Ride" sind aus diesem Zyklus definitiv meine Favoriten auf dem Album.
Erinnert sich noch jemand an mayestätische Stücke wie "Journey" oder "Calad Vallen" von Lore of Nen? Ich habe diese cineastische soundtrackartige Komponente der Alben immer sehr geliebt und genossen. Mit dem Stück "The Isle" beweisen Elane, dass sie auch das mit den Jahren nicht verlernt haben. Viel zu schade, um es nur als kleinen Lückenfüller wahrzunehmen!
Im Gegensatz zu den genannten schwungvolleren Stücken setzt "Pure Moonlight" auf bezaubernden Zwiegesang mit melancholischer instrumenteller Untermalung und sehr träumerische Umsetzung. Ich hatte ich von diesem Lied einen tagelangen Ohrwurm.
"Die Wellenläufer" ist ein Stück von Kai Meyer, welches auf diesem Album neu musikalisch umgesetzt wurde. Die letzten Lied des Albums handeln davon. "Leinen Los" hat mich etwas an "Licht" von Lore of Nen erinnert, wobei dieses Lied hier viel Abwechslungsreicher und progressiver ist und nach dem ruhigen Intro eine sehr spannende Wendung nimmt. Das folgende "Hexhermetic Dance" ist ähnlich überraschend, denn reggaeartige Musik gehörte bisher nicht in das Repertoire von Elane aber auch das passt sehr wohl in ihr Portfolio.
Mit dem Closer "Nugua's Journey", nebenbeibemerkt ein zwölfminütiger Track, geben Elane nochmal ihre gesamte Schaffensbreite zum Besten. Angefangen bei einem instrumental-orchestral-opulentem Intro wird es in diesem Stück sehr abwechslungsreich. Von vertäumt spielerischen Teilen mit sehr klarer und einfacher instrumentierung bis hin zu gutturalem Gesang und Chorarrangements ist hier einfach alles geboten. Ich war tief beeindruckt und nachhaltig berührt von diesem Lied und kann es nur jedem ans Herz legen, der sich an narrativer, progressiver Musik erfreuen kann und nicht das gängige Strophe-Refrain-Muster sucht.
Fazit: Vergleicht man Erstlingswerk und aktuelle Platte der Band, kann man eigentlich nur ob der immensen Weiterentwicklung staunen. Trotzdem schaffen Elane es, wiedererkennbar zu sein und sich nicht selbst zu verlieren. Es ist, als würde man einen lang vergessenen Freund nach vielen Jahren wiedertreffen und wie das bei guten Freunden so ist, steigt man sofort wieder ins Gespräch ein, als wäre nie auch nur ein Tag vergangen. Genauso fühlte ich mich beim ersten Hören abgeholt und habe sofort die lange Wartezeit vergessen.
Nach Arcane 2 bin ich gespannt, was Elane noch so auf CD zu zaubern imstande sind, nicht zuletzt auch thematisch losgelöst von Kai Meyers Büchern.
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