Sein Weg ist mit Leichen gepflastert: Der Pathologe Eduard Egarter Vigl hat ständig mit dem Tod zu tun. Als Ötzi in Südtirol ein Museum erhalten soll, wird er zum Leibarzt der einzigartigen Mumie erkoren und steht vor der paradoxen Aufgabe, für die "Gesundheit" einer 5.000 Jahre alten Leiche zu sorgen. Die Gletschermumie soll konserviert und gleichzeitig ausgestellt werden - eine Herausforderung, an der Egarter Vigl zu scheitern droht. Misstrauisch beobachtet von der Fachwelt gelingt ihm mit einer genialen Methode der Durchbruch und er wird schlagartig zum weltweit bekannten Mumienfachmann.
Im Interview mit dem Journalisten Heinrich Schwazer erzählt Eduard Egarter Vigl von der dramatischen Entdeckung der Pfeilspitze und fragt nach dem Verbleib von Ötzis fehlendem Fingernagel. Anekdotenreich berichtet er von seinen Untersuchungen am Pharao Tutanchamun und seiner Detektivarbeit als Gerichtsgutachter, hinterfragt unseren Umgang mit dem Tod und schildert die Begegnung mit einer Schamanin, die sein wissenschaftliches Weltbild erschüttert.
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Hoch interessant und auch für Laien verständlich
The Librarian am 04.06.2018
Bewertungsnummer: 1108261
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Meine Meinung zum Cover:
Auf dem Cover ist die Hand von Ötzi klar zu erkennen. Dahinter sieht man die Silhouette eines Arztes bei der Leichenbeschauung. Eine Skizze von Ötzi ist auch zu sehen. Die Motive passen natürlich zum Inhalt und ergeben ein gutes Gesamtbild.
Meine Zusammenfassung des Inhaltes:
In einem sehr ausführlichen Interview schildert Eduard Egarter Vigl, wie er zu Ötzis „Leibarzt“ wurde. Er erzählt von den Entwicklungen der Konservierungsmethoden, ob diese erfolgreich waren und welche Rolle dabei die Politik spielte. Ausführlich berichtet er, wie die Forschungen „funktionierten“ und wer welche Rolle übernahm. Er berichtet von bedeutenden Entdeckungen wie die Pfeilspitze in Ötzis Schulter, aber auch über kleinere Merkmale, die zu Unterschieden in der Konservierung führten. Weiters spricht er über den „Kriminalfall“ Ötzi und die daraus resultierenden Vermutungen. Danach beschreibt er „Begegnungen“ mit anderen Mumien, wie zum Beispiel Tutanchamun, Kindermumien aus Argentinien, Mozarts Librettisten und allerlei andere Begegnungen in seiner Laufbahn. Am Ende beantwortet er auch Fragen zu seinem Werdegang, moralischen Bedenken, ethnischen Bedingungen und wie Ötzi sein Leben beeinflusste.
Meine Meinung zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit einem Prolog von Heinrich Schwazer, der das Interview mit Eduard Egarter Vigl führte. Danach befindet sich eine grobe Chronologie des Mumienfundes, in der die wichtigsten Entwicklungen zusammengefasst wurden. Aufgrund dessen wurde mein Gedächtnis bezüglich Ötzi aufgefrischt und ich konnte dem Interview leichter folgen.
Nun begann das eigentliche Interview mit Eduard Egarter Vigl. Auffallend ist hier, dass ich das Gefühl hatte, einem Gespräch zu „lauschen“. Das Interview ist flüssig, die Fragen greifen ineinander und Herr Vigl gibt ausführliche Antworten. Hervorheben möchte ich, dass Herr Vigl seine Antworten so gestaltet hat, dass ich als Laie die wissenschaftsspezifischen Dinge leicht verstehen konnte. Er ist wortgewandt und weiß, wie er die Dinge verständlich und spannend beschreibt. Direkt und ohne große Ausreden zeigte er die Schwierigkeiten der Konservierung unter den gegebenen Umständen auf. Umständen auf. An dieser Stelle wurde mir bewusst, dass die Öffentlichkeit kaum etwas über die Gegebenheiten wusste.
Als Ötzi gefunden wurde, war ich noch gar nicht geboren, doch schon in der Schulzeit faszinierten mich die wenigen Dinge, die wir über Ötzi lernten. Mit diesem Buch konnte ich mein Wissen erweitern und bekam einen guten Blick hinter die Kulissen. Ich hatte nicht erwartet, was hinter all dem steckt und wie tief die Politik darin involviert war. Geldgeber und Politik spielen eine größere Rolle als erwartet, der Konkurrenzkampf ist ebenso ein Teil dieser Handlungen. Herr Vigl hat mit seinen Methoden und Gedanken einen maßgeblichen Beitrag dafür geleistet, dass Ötzi so gut erhalten und auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Die Einblicke in andere Fälle des Pathologen fand ich ebenso interessant. Überraschend war es, zu lesen wie andere Wissenschaftler oder Länder mit den Entdeckungen und Thesen umgehen oder wie weit manche Personen gehen, um an Proben zu kommen. Lösegeld für Ötzis Fingernagel oder fehlende Teile seiner Rippen sind nur wenige Anekdoten daraus. Forschung, Politik, Wissenschaft und Macht gehören enger zusammen als man denkt. Am Ende gab es noch einen interessanten Einblick in sein Leben. Er sprach über persönliche Dinge aus seinem Leben.
Mein Fazit:
Eduard Egarter Vigl zeigt in diesem Interview detailliert den Werdegang der Mumienforschung auf. Er machte mir die Schwierigkeiten einer erfolgreichen Konservierung und gleichzeitiger Zurschaustellung für die Öffentlichkeit verständlich klar. Das Interview ist dank der Wortgewandtheit von Herrn Vigl auch für Laien zu verstehen und offenbarte hoch interessante Aspekte zu Ötzi, sowie anderer Fälle. Forschung, Politik, Wissenschaft und Macht sind enger miteinander verwoben als man vermutet. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mehr über Ötzi und die Tätigkeit eines Pathologen erfahren möchte.
Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen!
Ötzis Leibarzt alles andere als ein postmortaler Klugscheißer
Bewertung aus Schwarzach am 08.09.2017
Bewertungsnummer: 1046831
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zugegeben, ich hatte Vorurteile gegen Pathologen, und hatte mir von diesem Buch höchstens ein paar staubtrockene wissenschaftliche Erläuterungen und für Laien schwer verständliche Details zur Gletschermumie Ötzi erwartet. Umso überraschter war ich, wie mitreißend und spannend Egarter Vigl über seine wissenschaftliche Arbeit erzählt, aber auch wie offen und (selbst-)kritisch er zurückblickt. Es ist dies weder der sentimental-verkitschte Rückblick eines älteren Herrn, noch eine reißerische Enthüllungsgeschichte über die Machenschaften und Eitelkeiten in Wissenschaft und Politik. Sicher wird der Pathologe mit seinen Aussagen dem einen oder anderen Zeitgenossen auf die Füße treten. Wir als normale Leser hingegen dürfen uns über ein kurzweiliges, ehrliches und erkenntnisreiches Buch freuen und werden am Ende nahezu enttäuscht sein, dass das Gespräch zwischen Egarter Vigl und Schwazer schon zu Ende ist.
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