Der englische Farmer John Lewis-Stempel erzählt die Geschichte einer Wiese in Herefordshire, die Menschen seit Jahrhunderten bewirtschaften. Der Historiker, Schriftsteller und Farmer beobachtet dieses Land, er hält fest, wie es sich über das Jahr hinweg verändert, was darauf und wer davon lebt. Denn es ist ebenso sein Land wie das des Dachses, des Habichts oder auch der vielen Gräser. Der Autor taucht ein in das Entstehen und Vergehen der Flora und Fauna im Verlauf der vier Jahreszeiten.
Doch der in England hochgelobte Naturschriftsteller John Lewis-Stempel beobachtet nicht nur die Landschaft, er erforscht auch die Historie dieses Fleckchens Erde. Er weiß, wie die Menschen hier vor fünfhundert Jahren gelebt haben, ja sogar, wer die Hecke pflanzte und warum. Und er ist sich auch seiner literarischen Ahnen stets bewusst, er zitiert Dichter wie Walther von der Vogelweide oder William Wordsworth ebenso wie alte Sprichwörter und Bauernweisheiten. In einfacher, poetischer und höchst ausdrucksstarker Sprache berührt er den Leser und entführt ihn in den überraschend spannenden Mikrokosmos eines Feldes.
»John Lewis-Stempel [schreibt] keine Fiktion, aber makellose Prosa. Guter Mann .[…] Gute Bücher für jeden.«
Mark Knopfler
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Verrückte gab es schon immer. Und sie werden vermutlich auch nicht aussterben, weil der Mensch als vernunftbegabtes Wesen gewissermaßen als Ausgleich auch einen Hang zum Irrsinn besitzt. Aber wirklich verrückt ist der gute John nicht. Meine Vermutung ist eher, dass er nach einer Story für ein Buch gesucht hat, denn er lebt von seiner Schriftstellerei. Und Geld hat er dringend nötig. Vor einiger Zeit zog er mit seiner Familie aus London zurück in seine Heimat nahe an Englands Grenze zu Wales. Erst bewohnte die Familie einen kleinen Hof, dann zog es sie zu etwas Größerem, wo sie nun in einer Ruine hausen. Oder im Wohnwagen. Näher beschrieben wird das Elend nicht. Man weiß nur, dass der Baufortschritt in der Ruine recht gebremst ausfällt, die Bank jedoch – wie üblich – neues Geld nur nach Beendigung gewisser Bauabschnitte auszahlt.
Also beschließt John, dass er mit gutem Beispiel vorangehen sollte. Er spart bei sich und wird sich wenigstens für ein Jahr nur von dem ernähren, was er auf seinen unbestellten Feldern vorfindet oder was er an tierischer Nahrung erlegen kann. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, das in Deutschland nachmachen zu wollen, dann wird er sich schnell mit viel restriktiveren Jagdgesetzen konfrontiert sehen. Und überhaupt: Ich hätte eine John einen anderen Vorschlag gemacht: Einfach eine Arbeit annehmen. Denn am Ende stellte sich nicht ganz unerwartet heraus, dass er mit seiner autarken Ernährung gerade einmal 50 Pfund pro Woche einspart. Das kriegt man mit selbst mit einem Nebenjob hin.
Auf seine grandiose Idee kommt John ausgerechnet im Herbst, in dem das Anlegen von Reserven für den kommenden Winter schon etwas schwierig wird. Sein Vorhaben platzt dann auch nicht zufällig im März des folgenden Jahres, als er dann doch einen Supermarkt aufsuchen muss.
Sieht man sich nun Johns Ernährung etwas genauer an, dann besteht sie aus viel laschem Grünzeug, weil Kräuter und Pflanzen nun mal im Herbst und Winter nicht mehr wirklich austreiben. Dazu kommt Kleinvieh, vornehmlich kleine Vögel und Kaninchen. Zu guter letzt gesellen sich noch ein paar Früchte und jede Menge Honig dazu. Ohne Honig wäre John vermutlich schon früher in einen Supermarkt geflüchtet. Sieht man sich seine Rezepte an, von denen es im Buch keinen Mangel gibt, dann findet man fast immer die Zutat Honig. Beobachter seines Tuns stellten sich die Frage, warum er bei seiner sparsamen Ernährung denn nicht abnehmen würde. Nun, die Antwort liegt wieder im Honig. Und im Wein, den er nicht verschmäht. Die Früchte, aus denen er ihn produziert, sind nicht sehr süß, was wieder vermuten lässt, dass er auch dort mit reichlich Honig nachgeholfen hat.
Spätestens bei seinen Rezepten scheiden sich wohl in Deutschland die Geister. Tatsächlich verlassen sie ihn hier wohl fluchtartig, denn es gibt natürlich keine Gewürze. Und seine Fruchtsoßen zum Fleisch (meist Brombeere) treffen wohl auch nicht unbedingt den hiesigen Geschmack.
Was bleibt also von diesem Experiment? Zunächst einmal dieses Buch. Und das war wohl auch der Sinn des Ganzen. Danach kommen seine Erfahrungen. Und die sind sehr speziell und wohl auch nicht unbedingt massentauglich. Wer sich schon einmal im Winter auf die Suche nach Wildkräutern gemacht hat, wird genau bestätigen, was auch John empfunden hat. Es verändert die Sichtweise. Man merkt, wie schwer es ist, sich so zu ernähren. Man bekommt eine gewisse Vorstellung davon, wie es Tieren ergeht. Und damit tritt man in eine andere Welt ein, die normale Zeitgenossen nicht kennen. Ich verstehe auch, dass Töten John keinen Spaß machte, er es aber nicht auslassen konnte. Für Mitleid bleibt ihm dort kein Platz, wohl aber für Respekt.
Was mich an diesem Buch eine ganze Weile wirklich fasziniert hat, ist Johns Erzählkunst. Eigentlich berichtet er immer das Gleiche, doch ziemlich lange wirkt das nicht langweilig. Allerdings hätte ich gerne etwas mehr darüber erfahren, wie seine Frau sein Experiment betrachtet hat. Mit kleinen Kindern in eine Ruine zu ziehen und kein Geld zu haben, ist schon ziemlich verrückt. Und dann auf eine solche Idee zu kommen, anstatt wirklich etwas zum Familieneinkommen beizutragen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Was also lernt man nun aus diesem Buch? In Wirklichkeit nichts, denn hierzulande wird kaum jemand auf eine ähnliche Idee kommen, weil sie erstens so gar nicht zu verwirklichen sein würde und weil sie zweitens nicht wirklich attraktiv, sondern eher ein Schreckensszenario für absolute Notfälle ist.
Aber gut schreiben kann der Mann. Dafür gibt es die Sterne.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein toller Abriss eines Jahres auf der Wiese des Autors mit all seinen Lebewesen!
Beim Lesen vergisst man Zeit und Raum und man merkt, dass man auch nur ein kleiner Teil der Natur ist! Ich werde mir gleich das nächste Buch besorgen, finde diese Erzählweise einfach wunderbar!
Das Buch mit seinen schillernden Beschreibungen zu der Wiese in England schärft uns als Leser:innen hoffentlich den Blick dafür, was alles auf der nächsten Wiese zu entdecken ist, die uns vors Auge kommt.
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